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Oesterreichische
BOTANISCHE ZEITSCHRIFT.
Organ für Botanik und Botaniker.
Mit
Original-Beiträgen
von
Ascherson, Baier, Beck, Bfocki, Borbäs, Boresch, Bornmüller, Braun, Burgerstein, Celakovsky,
Conrath, Dalla Torre, Degen, Dichtl, Eichenfeld, Focke, Formänek, Freyn, Garcke, Hanausek,
Hansgirg, Heimerl, Huter, Jensen-Tusch, Jetter, Junger, Karo, Keller, Kerner, Kissling,
Knapp, Kornhuber, Krasan, Kronfeld, Molisch, Palacky, Prihoda, Procopianu-Procopovici,
Rassımann, Sabransky, Schilberszky, Schneider, Simonkai, Spitzner, Stapf, Stein, Steininger,
Strobl, Tomaschek, Uechtritz, Ullepitsch, Vägner, Voss, Vukotinovic, Wettstein, Wiedermann,
Wiesbaur, Woloszezak, Zukal.
Redigirt
von
D" Alexander Skofitz.
ZXXVII. Jahrgang.
Mit 2 xylographirten Porträts und 6 xylogr. Abbildungen.
LInmMAaRY
NEW YORK
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Wien 1887.
Verlag von ©. Gerold’s Sohn.
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Oesterreichische
Botanische Zeitschrift.
Die österreichische i Exemplare
botanische Zeitschrift Orgaı 2% die frei durch die Post be-
erscheint zogen werden sollen, sind
den Ersten jeden Monats. fa blos bei der Redaction
Man pränumerirtauf selbe n (IV. Bez., Mühlgasse Nr. 1)
mit $ fl. öst. W. zu pränumeriren.
@,# sa) „ Botanik und Botaniker. „„„n.\..;
ganzjährig, oder mit Buchhandels übernimmt
4 fl. öst. W. (8 R. Mark) Pränumeration
Brir o c. ee Sohn
Insera in Wien,
die ganze Petitzeile N: 1 sowie alle übrigen
15 kr. öst. W. - Buchhandlungen.
XXXYVIL Jahrgang. WIEN. Jänner 1887.
T: Ferdinand Hauck. — Ursachen der Haarbildung. Von Krasan. — Anemone Scherfelü. Von
Uliepitsch. — Bergalgenflora Böhmens. Von Dr. Hansgirg. — Zur Flora von Ost-Galizien. Von
Blocki. — Flora der Karpathen. Von Dr. Formänek. — Spätflora.. Von Jetter. — Flora des
Etna. Von Strobl. -- R. v. Vechtritz. Von Stein. — Literaturberichte. — Correspondenz. Von
Braun. Dalla Torre, Wiesbaur, Blucki, Formänek. — Personalnotizen. — Vereine, Anstalten,
Unternehmungen. — Botanischer Tauschverein. — Inserat.
Gallerie Österreichischer Botaniker.!!"*+«Y
NEW YORK
XXXV. BOTAMCAL
= GARDEN
Ferdinand Hauck.
(Mit einem xylographirten Porträt.)
Unsere Zeitschrift bringt in dieser Nummer das Porträt eines
jener österreichischen Botaniker von bedeutendem Ruf, deren Namen
zwar nicht in den Universitäts-Kalendern figuriren, trotzdem aber in
wissenschaftlichen Zeitschriften und Hauptwerken neben denjenigen
von- Koryphäen ebenbürtig erscheinen. Und wenn irgend ein Lebens-
bild nicht nur für Fachgenossen, sondern — und zwar mehr noch —
für andere Gebildete interessant ist, so trifft diess ganz besonders
die Geschichte des Entwicklungsganges unseres besten derzeitigen
Algologen.
Wir geben im Nachstehenden eine Skizze dieses inhaltsreichen
und weiterhin vielversprechenden Lebens.
Dr. Ferdinand Hauck ist der einzige Sprössling einer Brünner
Familie des ehemaligen Finanz-Procuratursbeamten Johann Hauck,
dessen Name in den Stammbaum einer der ersten Patrizierfamilien von
Nürnberg zurückweist und der Caroline de Clady, einer Tochter
von adeligem Geschlechte lothringischen Ursprunges.
Geboren zu Brünn am 29. April 1845, genoss Ferdinand
Hauck im Hause seiner Eltern eins sehr sorgfältige Erziehung.
Mit dem zehnten Jahre trat er ins Gymnasium, um aber alsbald an.
Ossterr, botan. Zeitschrift. 1. Heft 1697. 1
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die Oberrealschule überzugehen, weil ihm die realistischen Fächer
mehr Interesse absewannen. Nach Absolvirung der Oberrealclassen
bezog H. die teehnische Hochschule seiner Vaterstadt. Mit herz-
warmer Dankbarkeit gedenkt er heute noch seiner dortigen Lieblings-
lehrer, welche das Werk seiner geistvollen Mutter, die im Jüngling
angefachte Flamme der Liebe zur Natur und zur Naturforschung in
methodischer Wissenschaftlichkeit zu unterhalten und zu pflegen
verstanden. Auch Hauck ist ein beredter Zeuge dafür, dass es in
der Regel die Mutter ist, welche als begnadete Erzieherin den
nachhaltigsten Einfluss auf die geistige Entwicklung heranwachsender
Naturforscher ausübt. Von seiner Mutter ward er als Knabe zu
den Schönheiten der realen Welt: zum murmelnden Waldbach, zur
blühenden Wiese, zum stillen Hain, zur fruchtbaren Aue hingelei-
tet, um mitten unter den Herrlichkeiten stillschaffenden Naturwesens
beobachten und denken, forschen und erkennen zu lernen. Sie war
es, welche den Grund gelegt zu dem, was später an den Schulen
zu Brünn ein A. Makowsky und ein Dr. Kolenati als hervor-
ragende Naturforscher gross zu ziehen wussten, nicht allein durch
geistreiche Vorträge, sondern auch durch persönlichen Verkehr mit
dem jungen Hauck.
Wie so oft in diesen Studienjahren zu geschehen pflegt, warf
sich auch H. in jener Zeit erst mit dem meisten Eifer auf die Ento-
mologie, ohne indess die anderen Disciplinen der Naturwissenschaften
‚zu vernachlässigen, im Gegentheile kamen sie bei ihm alle an die
Reihe, weil er alsbald gelernt hatte, dass sie eben alle — als inein-
andergreifende Theile eines einzigen Ganzen — zusammengehören
und nur eine vielseitige Erkenntniss zur Wahrheit leitet. Dass er
die letztere in optima forma ernstlich suchte, beweist der Umstand,
dass er sich schliesslich auch an das Studium der speculativen Phi-
losophen heranmachte, ohne indess hier jene Befriedigung zu finden,
welche die gewiegten Dialektiker der verschiedenen „Systeme“ ihrem
Publikum anzupreisen und zu versprechen verstehen. Enttäuscht
wandte er sich von den Speculationen deutscher Philosophen ab,
um desto besser bei den Encyklopädisten und zuletzt bei den mo-
dernen Naturphilosophen der Darwin’schen Richtung denken und
betrachten zu lernen.
Trotzdem diese naturalistischen und realphilosophischen Studien
zu den Lieblingsbeschäftigungen des jungen Maunes gehörten, war es
Hauck nicht vergönnt, sich denselben mit allen Kräften des Leibes
und der Seele hinzugeben. Es kam die prosaische und höchst wich-
tige Frage der Berufswahl. Wie gerne hätte sich H. dem höheren
‘ Lehramte zugewendet, wenn nicht die Verhältnisse ihn gezwungen
hätten, seiner Lieblingsidee zu entsagen. Es ward eine „praktischere*
Carriere in Aussicht zu nehmen, und in Folge eines Compromisses
zwischen Lieblingsstudium und „grobmaterieller“ Lebensweisheit kam
der Entschluss zur Ausführung, demzufolge Hauck sich dem Forst-
wesen zu widmen hatte. Er träumte damals von der poesieschwan-
geren harzduftenden Atmosphäre des schweigsamen lebendigen Waldes ;
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er wähnte als Forstbeamter nicht bloss die Bäume wachsen zu sehen,
sondern im Dienste des Staates Grosses und Nützliches schaffen zu
können. Es entging ihm während des Gebrodels seiner Juzend-
träume, dass der pflichttreue Beamte im Forste oft ein vogelfreier
Mensch, ein der Bosheit und Hinterlist doppelt preiszegebener Bür-
er ist, dem für treue Pflichtwaltung als Lohn die Kugel des Wald-
und Wildfrevlers wird. So malte er sich wohl die Lichtseiten des
gewählten Berufes aus, ohne die Kehrseite des Bildes zu kennen.
Er trat daher in Praxis erst beim Forstamte in Schebetau, dann in
Tischnowitz und erhielt später die Adjunctenstelle in Ratschitz-Drno-
witz. Obwohl er sich mit ganzer Liebe und vielem Fleisse der Forst-
wissenschaft widmete und auch die Staatsprüfung in diesem Fache mit
sehr gutem Erfolg absolvirte, so kam Hauck doch bald zu der Einsicht,
dass er bei diesem Berufe doch nicht in seinem Elemente und für
sein künftiges Sein nicht in dem Masse gesichert sein würde, dass
er hätte seines Lebens froh werden können. Das rohe Benehmen
eines Vorgesetzten verleidete ihm schliesslich die waldreiche Domäne
seiner Arbeit derart, dass er umsatteln wollte. Der Zufall führte
ihn in Wien mit einem hochgestellten Staatsbeamten zusammen,
der sich des jungen, mit wissenschaftlichen Kenntnissen seltener Art
ausgestatteten Mannes annahm und Hauck veranlasste, sich dem
Staatstelegraphendienste zuzuwenden, „weil in dieser Branche reine
Wissenschaft erst angefangen habe, praktisch verwendet zu werden,
und weil hierbei einem strebsamen Manne sich die besten Aussichten
darböten“. So absolvirte denn H. auch den Telegraphencurs in Wien und
erhielt in diesem Staatsdienste seine erste Anstellung im Mai 1866 in
Triest, der lieblichen Hafenstadt an der Adria, die ihm zur zweiten
Heimath werden sollte, wo er auch bis zur Stunde seinem Stande
treu blieb.
Mit der Uebersiedlung nach Triest begann für Hauck ein neuer
Lebensabschnitt. Die entzückende Lage der Stadt, deren Anblick den
stumpfsinnigsten Egoisten in freudige Erregung versetzen muss; das
italienische Leben mit dem Zauberhauch südlicher Gluth und Ueppig-
keit, dann aber vor Allem der Anblick des Meeres mit seinem
traumschönen Wechsel im Leben und Athmen, das Meer mit seinen
noch ungehobenen wissenschaftlichen Schätzen — das Alles und noch
Anderes mehr hatte es dem sinnigen Naturfreunde angethan. Hauck
erkannte aber auch alsbald, dass der neu gewählte „praktische Beruf“
seinen Intellect und Erkennungseifer nicht würde vollkommen in
Athem zu halten im Stande sein, um jenem Berufe „ausschliesslich*
alle Kraft widmen zu können. So kam er denn dazu, auf einem
anderen Wege sein ihm von Jugend an gestelltes Ziel zu erreichen,
Wenn sich Zeit fand, ein Steckenpferdchen nebst dem Berufe zu
reiten, so wollte er sich ein edles Ross auswählen. Der Zufall brachte
es mit sich, dass er gelegentlich eine kleine Sammlung von Meeres-
Algen sah. Ihr Anblick erweckte in ihm den Entschluss, jene damals
noch recht wenig gekannten Organismen, zu Objecten seiner Studien
zu machen. Mit welchen Schwierigkeiten der angehende ‚Algolog da-
1
4
mals zu kämpfen hatte, davon werden die jüngeren Fachgenossen
kaum eine Ahnung haben, war doch in ganz '[riest nicht ein einzi-
ces Buch über Algen aufzutreiben. Hauck, der junge, erst mit
kargem Gehalte dotirte Telegraphenbeamte, hatte nicht nur alle
nothwendigen, zum Theil sehr theuren Bücher und Specialwerke
aleolorischen Charakters, sondern auch theure Apparate und Instru-
mente aus eigenen Ersparnissen selbst anzuschaffen. Aber mit dem
Anfang der schwierigen autodidaktischen Arbeit wuchs auch die Be-
eisterung und steigerte sich progressiv mit der Summe neuer, früher
kaum geahnter Erkenntnisse. Zahlreiche kleinere und grössere Exeur-
sionen und Reisen, auch ein dreimonatelanger Aufenthalt auf der
Insel Cherso, boten ihm reichlich Gelegenheit, zahlreiche biologische
Beobachtungen zu machen, deren Ergebnisse grösstentheils in seinem
Hauptwerke, „Die Meeres-Algen“ niedergelegt sind. Diese seine
biologischen Beobachtungen konnten selbstredend nur systematisch-
beschreibende Resultate abgeben, da dem jungen Beamten, der eben
fast jeden Tag seinen Bureaustunden gerecht zu werden hatte, für
zusammenhängende, entwicklungsgeschichtliche Studien die Zeit fehlte.
Angeregt durch Hofrath M. von Tommasini, mit welchem Hauck
wiederholt weitere Exceursionen machte, publieirte er anfänglich ver-
schiedene Aufsätze in der Oasterr. botan. Zeitschrift, welche Beiträge
alsbald die Aufmerksamkeit der Fachbotaniker erregten und Hauck’s
Namen weit über die Grenzen des österr. Kaiserstaates hinaustrugen.
Nach und nach wurde ungesucht ein reger Verkehr mit wissen-
schaftlich bethätigten Fachmännern zu Stande gebracht, und unge-
sucht wurde ihm der ehrenvolle Auftrag, für die neue Bearbeitung
der grossen Rabenhorst’schen Kryptogamenflora den wichtigen
Band über die „Meeresalgen Deutschlands und Oesterreichs“
zu liefern. Dieses Hauptwerk unseres Triester Algologen nahm wäh-
rend mehrerer Jahre die ganze Mussezeit in Anspruch und erschien
in letzter Lieferung 1885. Ueber die sorgfältige Bearbeitung der
einschlägigen Materie, über die Trefflichkeit der Diagnosen, welche
von einem Referenten mit Recht als mustergiltige bezeichnet wurden,
über die zuverlässige Illustration des gewichtigen Bandes, kurz:
über den wissenschaftlichen Werth des in seiner Art einzig daste-
henden Werkes herrschte nur Eine Stimme der Anerkennung. Das
hat denn auch die mathematisch-naturwissenschaftliche Seetion der
philosophischen Facultät zu Zürich bei Anlass des fünfzigjährigen
Jubiläums der dortigen Hochschule veranlasst, dem verdienten
Privatgelehrten Hauck den Doctortitel honoris causa zu verleihen
und zwar, wie wir von unterrichteter Seite erfahren haben, nament-
lich in Hinbliek auf die zahllosen Schwierigkeiten, welche dem Ver-
‚fasser der „Meeresalgen“ während seiner eigenen Entwicklung zum
Gelehrten von Rang im Wege standen, und die nur von einem für
Wissenschaft und Wahrheit glühend begeisterten Manne bewältigt
werden konnten.
Freilich half ein Umstand wesentlich mit, dass der an strenge
Bureaustunden gefesselte Staatsbeamte nicht vorzeitig seine Lust am
5)
Forschen einbüsste. Im Jahre 1872 führte F. Hauck nämlich eine
Nichte des in weiten Kreisen bekannten Botanikers, D. Bilimek,
des ehemaligen Custos der Museen in Mexiko, zum Altar. Anna,
geborne Sedlatschek, brachte in die junge Ehe ein fein gebildetes
Gemüth und herzwarmen Sinn für alle Naturschönheiten, an denen
sich Hauck auf gemeinsamen Ausflügen und wissenschaftlichen Exeur-
sionen zu erholen gewohnt war. Es ist bekannt, dass es Frauen
bisweilen gelingt, in ihren Männern allen Sinn für edlere Liebha-
bereien gründlich auszumerzen: Frau Anna Hauck befliess sich des
Gegentheiles und förderte ihren Gatten nicht unwesentlich bei seinen
wissenschaftlichen Arbeiten; ihr gebührt folgerichtig die warme An-
erkennung nicht minder, als dem dessen Streben sie pflegte.
Wir geben im Nachfolgenden ein Verzeichniss der botanischen
Arbeiten aus Hauck’s Feder:
1. Ueber das Massenauftreten der Nitzschia Closterium (Ehrh.) Sm.
in der Adria. Oester. bot. Zeitschr. 1872 p. 253.
. Aufzählung einiger in dem sogen. Seeschleim der Adria vorkom-
menden Diatomeen. Oesterr. bot. Zeitschr. 1872 p. 331.
3. Oscillaria caldariorum mihin.sp. Eine Plage des Warmhauses.
Öesterr. bot. Ztschr. 1876 p. 151.
. Bemerkungen über einige Species der Rhodophyceeen
und Melanophyceen in „Contributiones ad Algologiam et
Fungologiam, Auctore F. Reinsch.* Oesterr. botan. Zeitschr.
1876 p. 412.
5. Notiz über Rhizophydium Dicksonii Wright. Oest. bot. Zeitschr.
1878 p. 321.
6. Verzeichniss der im Golfe von Triest gesammelten
Meeralgen. Oesterr. bot. Zeitschr. 1875 p. 245, 285, 316, 348,
386; 1876 p. 24, 54 und 91. I. Nachtrag 1876 p. 265; II. Nach-
trag 1877 p. 50.
7. Beiträge zur Kenntniss der adriatischen Algen. Oesterr.
bot. Zeitschr. I. 1877 p. 117, II. 1877 p.185, 11l. 1877 p. 230,
IV. 1877 p. 273, V. p. 292; V1.1878 p. 77 mit Tafel, VII. 1878
p. 130, VII. 1878 p. 185 mit Tafel, IX. 1878 p. 2%, X. 1878
Re mit Tafel; XI. 1879 p. 151, XI. 1879 p. 242 mit
afel.
. Eine neue Floridee. Hedwigia 1882 Nr. 9.
. Cenni sopra alecune alghe dell’ oceano indiano; con 3
Tavole. Atti del Museo Öiv. di storia naturale di Trieste.
Vol. VII. 1884.
10. Ueber einige von J. M. Hildebrandt im Rothen Meere
und indischen Ocean gesammelte Algen: I. Hedwigia
1886, Heft V; II. Hedwigia 1886, Heft VI.
11. Die Meeresalgen Deutschlands und Oesterreichs (Raben-
horst's Kryptogamen-Flora II. Band) XXIV und 576 p. Mit
583 Abbildungen im Texte und 5 Lichtdrucktafeln. Leipzig,
E. Kummer 1885. j
12. In Verbindung mit P. Richter in Leipzig: Phykotheka
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>
universalis. Sammlung getrockneter Algen sämmtlicher Ord-
nungen und aller Gebiete. Bis jetzt erschienen: Fasc. I und II
Leipzig 1885.
Ferner bearbeitete Hauck den Theil der „Algen“ in der „Flora
der Insel Jan Mayen von Dr. H. W. Reichardt, Wien 1886“.
Ebenso lieferte er zahlreiche und werthvolle Beiträge zu V. Witt-
rock und ©. Nordstedt’s „Algae aquae duleis exsiecatae“, sowie
für P. T. Cleve und J. D. Möller’s „Diatomeen“. Auch bethätigte
er sich wiederholt als Referent beim „Botan. Centralblatt“, bei der
„Oesterr. botan. Zeitschrift“ u. A. m.
Einer besonderen Erwähnung verdient nebst der kostbaren algo-
logischen Privat-Bibliothek auch das Algen-Herbar Hauck’s. Es
besteht aus 60 grossen Fascikeln (von denen 52 ausschliesslich
Meeresalgen enthalten) und aus vielen Hunderten mikroskopischen
Algen- und Diatomeen-Präparaten. Einen ganz besonders werthvollen
Theil dieses Herbars bildet die selten-reiche Sammlung von Kalk-
algen, die in Schächtelchen verwahrt sind. Dass sich auch zahlreiche
Alkohol-Conserven algologischen Charakters vorfinden, ist selbstver-
ständlich. Diese musterhaft geordneten Sammlungen zeichnen sich
aus sowohl durch die Schönheit der Einzel-Exemplare, als auch durch
ihre Reichhaltigkeit an europäischen und aussereuropäischen, nament-
lich authentischen Exemplaren.
Unter anderen enthält das Hauck’sche Herbar auch die voll-
ständigste Collection adriatischer Algen.
Manche Floristen bemessen ihren Ruhm nach der Anzahl von
Speciesnamen, die nach ihnen benannt sind. Es ist nicht zu ver-
hehlen, dass häufig an diesem Massstabe wenig auszusetzen, dass
aber in anderen Fällen der Schluss ein unrichtiger ist. — Hauck
verschmähte es in seiner Bescheidenheit für sich selbst Reclame zu
machen. Um so auffallender ist, dass eine Palmellaceen-Gattung den
Namen Hauckia erhielt und überdiess mehrere Species nach ihm
benannt wurden: Navicula Hauckii Cleve, Cymbella Hauckii Van
Heurck, Achnanthes Hauckii Grun., Coseinodisecus Hauckii Grun.,
Hemiaulus Hauckii Grun. u. a. m.
Ausser den zahlreichen neuen Arten von Algen, die Hauck
vorzüglich in der Adria entdeckte und in seinen Arbeiten genau be-
schrieben hat, gibt es auch viele Diatomeen-Arten, die er zum ersten
auffand und welche Grunow und Andere zur Bearbeitung über-
nommen haben.
Möge ihm noch lange zu wirken beschieden sein!
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2
Ueber die Ursachen der Haarbildung im Pflanzenreiche,
Von Franz Krasan.
Wenn wir dem Ursprung der Haarbildung bei Pflanzen nach-
spüren, werden wir bald auf zweierlei Erscheinungen aufmerksam, in
denen wir, vielleicht etwas voreilig, den Schlüssel zu der geheimniss-
vollen Werkstätte, wo den holden Geschöpfen der Berge und Fluren
die wärmenden Kleidchen gewoben werden, gefunden zu haben glauben.
Welchem eifrigen Beobachter der Pflanzenwelt wäre es nicht bekannt,
wie so viele Aıten, die wir im westlichen Europa in ihrem schütte-
ren oder flüchtigen Haarüberzug kennen gelernt haben, oder die selbst
als kahl bezeichnet zu werden pflegen, gegen Osten in dem Masse,
als das Klima einen mehr und mehr steppenartigen Charakter an-
nimmt, dichter behaart erscheinen.
Wer zum ersten Male die sonnseitigen Bergabbänge längs der
Donau gegen die siebenbürgische Grenze oder die pontischen Gebirge
in der Krim oder im Norden Kleinasiens besteigt, wird über die
grosse Zahl dichthaariger Pflanzen verwundert. Noch auffallender zeigt
sich diese Erscheinung in den wärmeren Gegenden des Orients: im
eilieischen Taurus, am Libanon, an den südlichen Abhängen des El-
borus nördlich von Teheran, in Kurdistan u. a. O., wie man sich bei
Durchsicht der Sammlungen, welche Dr. Kotschy dort veranstaltet
hat, leicht überzeugen kann. So wird z. B. schon in der Krim Ru-
bus caesius L. in einem graufilzigen Haarüberzug unserem Blicke
begegnen. Tomentös (weissfilzig) ist diese Pflanze noch mehr in den
Gebirgen des nordwestlichen Persien, dessgleichen andere Arten der »
Gattung Aubus, nächst verwandt mit R. wimifolius Schott, ferner
(Quercus sessiliflora Ehrh., letztere schon in Istrien, Dalmatien, Grie-
chenland, im nördlichen Kleinasien, wofern man einige unserer
Wintereiche sehr nahe stehende Formen mit dieser vereinigen will.
Eine Zunahme der Wärme allein kann die Ausbildung des To-
ments nicht veranlassen, denn man beobachtet grau- und weissfilzige
Arten der verschiedensten Gattungen in Menge bis in Regionen hin-
auf, wo die mittlere Temperatur im Sommer tief unter jene Nord-
deutschlands sinkt. — Die hier angedeuteten Erscheinungen bilden
ohne Zweifel eine natürliche Gruppe für sich.
Andererseits sehen wir in unzähligen Fällen an einzelnen Pflan-
zentheilen, welche von gewissen Insecten (Cecidomyiden-Larven, bis-
weilen auch von Cynipiden) oder von Gallmilben (Phytoptus-Arten)
verletzt sind, Haare in reichlicher Menge auftreten, ohne dass es uns
möglich wäre, auf den ersten Blick einen wesentlichen Unterschied
zwischen solchen Haargebilden und normalen Trichomen, wie wir sie
bei so vielen Arten beobachten, wahrzunehmen. Die Zahl der von
Zoologen constatirten Fälle der so entstehenden örtlichen Behaarung
der Pflanzen mit und ohne gallenförmige Entartung des affieirten
Zellengewebes ist so gross, dass sie bereits eine sehr umfang- und
inhaltreiche Literatur ausmacht. Selbstverständlich kann es nicht
8
Aufgabe der vorlierenden Untersuchung sein, auf alle diese Fälle im
Speciellen einzugehen‘). Es sei mir aber gestattet, die Fragen zu
erörtern, ob 1. die Erscheinungen dieser zweiten Gruppe mit denen
der ersten irgendwie ursächlich zusammenhängen, und 2. ob sie über-
haupt für die Geschichte der Formentwicklung der Pflanzen von ir-
gend welchem Belange sind.
Zu den häufigsten Erscheinungen dieser Art gehört unstreitig
das Phytoptocecidium auf T’ıymus Chamaedrys Fries, montanus W.K.,
Th. humifusus Bernh. und anderen Arten dieser Gattung, bestehend
in einer Deformation der Triebspitzen, namentlich der blüthentragen-
den. Wir sehen da die Hochblätter mit den achselständigen Blüthen
zu einem rundlichen Ballen zusammengedrängt, indem die Interno-
dien ungewöhnlich verkürzt erscheinen, während die mehr oder we-
niger vergrösserten und verdickten Deckblätter dicht an einander
schliessen. Diese, sowie auch die Achse sind von einem weisslichen,
filzig-zottigen Haar bedeckt. Sehr oft geht diese Behaarung auch
tiefer herab: sie erstreckt sich bis auf das oberste eigentliche Blatt-
paar, welches im Uebrigen gar nicht entstellt ist, und ich habe schon
Fälle kennen gelernt, wo zwei der oberen Blattpaare sammt den da-
zwischenliegenden Achsentheilen zottig behaart waren.
Diese Abnormität wird durch eine winzige Gallmilbe verur-
sacht, welche an der Oberfläche des Zellgewebes zwischen den ober-
sten Hochblättern lebt. Sie ist länglich von Gestalt, weisslich, mit
freiem Auge gar nicht, wohl aber schon mit einer guten Loupe be-
merkbar. Unter dem Mikroskope nimmt man daran vorn zwei Paar
kurze Beine wahr, nnd ein Paar fussähnliche Taster. Der Hinterleib
ist walzlich, gegen das Ende zu etwas spitz. Die Thierchen leben
daselbst, an den oberflächlichen Theilen der Innenseite der defor-
mirten Hochblätter wühlend, in grösserer Zahl, zu Hunderten.
Bisher habe ich dieses Phytoptoceeidium in Steiermark, und
zwar im Weingebirge des Sausal unweit Leibnitz, ferner im Save-
Thal von Krainburg bis zum Ursprung der Save und bei Weissen-
fels in Krain, bei Tarvis und im Kaltwasserthal bis Raibl in Kärn-
ten beobachtet. Es ist bei Krainburg, Lees-Radmannsdorf, Lengenfeld,
Weissenfels sehr häufig, aber auch im Sausal an sonnigen Abhängen
in den Weinbergen eines der häufigsten Vorkommnisse dieser Art.
Von Fr. Loew, Thomas und anderen Ceeidiologen wird es gleich-
falls zu den gewöhnlichsten gezählt.
Vergleicht man das Haar der in Rede stehenden Missbildung
mit dem der normalen haarigen Varietät des T’hymus, so bemerkt
man keinen Unterschied, wenn von der ungleichmässigen Vertheilung
desselben bei den cecidientragenden Individuen abgesehen wird. Bei
Krainburg und Lees sah ich letztere mit der gesunden gleichmässig
‘) Aufzählungen von Phytopto-Ceeidien findet man von Dr. Franz Löw
in den Verhandl. der k. k. zoolog.-botan. Gesellsch. in Wien, Bd. XXVIII,
XXXII, XXXV (1878, 1883, 1885), von Dr. Fr. Thomas ebendaselbst, Band
XXXVI (1886). Ich erwähne hier nur diejenigen Publieationen dieser Autoren,
die ich selbst zu meinen diessbezüglichen Untersuchungen benützt habe.
I
ausgebildeten Varietät des Thymians (Thymus Chamaedrys, monta-
nus), die durch reichliche Behaarung ausgezeichnet ist, und zwar in
grosser Menge. Beiderlei Pflanzen, die kahle und die haarige, wach-
sen auf der weiten Save-Ebene mit einander vermischt und gleichen
einander in allen übrigen Eigenschaften, nur dass die eine wie die
andere mit und ohne Cecidium vorkommt. Wo die var. hirsuta mit
dem Phytoptocecidium behaftet ist, trägt sie an den inficirten Trieb-
spitzen stets ein reichlicheres und dichteres Haar als an den übrigen
Theilen.
Der nächste Gedanke, der sich des über die Veranlassung der
merkwürdigen Erscheinung nachsinnenden Beobachters bemächtigt,
ist natürlich der, dass nicht nur bei der durch den Parasiten infi-
eirten Pflanze die Haarbildung eine Folge der Verletzung ist, son-
dern dass auch bei der normalen var. hörsuta sive lanuginosa die-
selbe durch die gleiche Ursache indueirt worden sei. Indessen ist es
nöthig zu sehen, wie sich die genannte Varietät an anderen Stand-
orten zur cecidientragenden (im Uebrigen kahlen) Pflanze verhält,
bevor man aus der augenscheinlichen Uebereinstimmung der Haar-
bildungen an den beiderlei Pflanzen mehr als eine blosse Möglichkeit
des pathogenen Ursprungs der var. hirsuta $. lanuginosa ableitet.
Vor Allem scheint mir der Umstand massgebend, dass sich
nicht überall, wo die vom Phytoptus befallene Pflanze vorkommt,
auch die haarige Varietät in der Nachbarschaft vorfindet. So ist
z. B. die Gallmilbe auf dem Thymian im Sausal weit verbreitet:
man sieht die befallenen Stämmchen theils mit den charakteristi-
schen wollig-filzigen Triebspitzen, theils auch mit schwächerer Be-
haarung an den inficirten Theilen, und kann den Parasiten durch
den ganzen Sommer in reichlicher Menge beobachten, sucht aber daselbst
vergeblich nach der normalen haarigen Abart der Pflanze. Von letz-
terer sah ich nichts, trotz eifrigen Suchens an allen Orten, wo, nach
ihrem Vorkommen im Save-Thal bei Radmannsdorf (in Krain) zu
urtheilen, dieselbe wachsen könnte. Aber ganz unerwartet bekam ich
Exemplare des Thymus zu sehen, welche von der Gallmilbe infieirt
waren, auch die gewöhnliche Monstrosität in Form verkürzter Inter-
nodien und dicht zusammengedrängter Hochblätter an den befallenen
Triebspitzen zeigten, jedoch mit auffallend spärlicher Behaarung.
Auch Dr. Thomas erwähnt ein Phytoptocecidium auf dem 'Thy-
mian (Triebspitzen-Deformation, verbunden mit Phyllomanie und
Knospung, gefunden im Suldenthale in der Nähe des Ortlers bei
1845 Meter), das keine vermehrte Behaarung hat.') Bei Leibnitz
fand ich kürzlich ein ähnliches auf Origanum vulgare L.; es enthielt
eine Unzahl von Gallmilben, war aber nicht mehr behaart als die
gesunden Theile der Pflanze. Man wird auch bei Campanula Tra-
chelium L. nicht selten einem ganz ähnlichen, von Gallmilben be-
wohnten Gebilde begegnen, ohne irgend welche auffällige Behaarung.
') Suldener Phytoptoceeidien 1. ce. Bd! XXXVI. S. 305 n. 51.
10
Ueberhaupt ist die Zahl der bisher bekannt gewordenen Phytopto-
cecidien ohne Trichombildung bereits sehr beträchtlich angewachsen.
Solchen Thatsachen gegenüber erscheint die Mitwirkung des
Phytoptus an der Erzeugung des Haarfilzes als ein Factor von sehr
untergeordneter Bedeutung, und was speciell den Thymus aubetriftt,
so ist es so viel wie gewiss, dass die eigentliche Disposition der
Pflanze, bei Verletzungen durch die Gallmilbe an den inficirten
Theilen Haare zu bilden, nicht auf Rechnung des Parasiten kommt:
es wären sonst Ausnahmsfälle, wie die eben angeführten, unmöglich.
Um hier einen der Natur der Sache entsprechenden Ausweg
zu finden, der uns von beiden Extremen gleich abhält, ist es nöthig,
zweierlei ursächliche Momente anzunehmen, auf welche das thatsäch-
liche Auftreten der Cecidienhaare zurückzuführen wäre: 1. eine durch
Jahre hindurch sich ansammelnde und allmälig anwachsende Anlage
oder Disposition zur Trichombildung, 2. einen äusserlichen Impuls als
auslösende Ursache, welche bewirkt, dass die in der Pflanze gleich-
sam schlummernde Fähigkeit, Haare zu bilden, sich in sichtbarer
Weise bethätigt.
Wenn wir also finden, dass die Phytoptocecidien des Thymians
an einer bestimmten Stelle dichtes, wollig-tilziges Haar besitzen, so
dürfen wir daraus schliessen, dass in der Pflanze dort die Tendenz
vorbanden ist, Haare hervorzubringen, dass aber thatsächlich solche
nur entstehen, wenn ein kräftiger Impuls durch Infection von Seite
der Gallmilbe hinzutritt. Wo aber diese pathogenen Gebilde unbe-
haart erscheinen, da muss es natürlich dem Organismus an der
Disposition oder Anlage zur Haarbildung überhaupt fehlen. Ist da-
gegen letztere Fähigkeit in höherem Grade vorhanden, so kann
es auch ohne eine äusserliche auslösende Ursache, ohne einen Im-
puls durch Infection, zur Entstehung von Haaren kommen; jedoch
nicht an einem schon erwachsenen Individuum, sondern an der aus
dem Keime sich entwickelnden neuen Pflanze (also an der Nach-
kommenschaft).
Diesen Fall haben wir vor uns, wenn wir den über die Save-
Ebene bei Lees und Radmannsdorf verbreiteten, daselbst äusserst
häufigen T’hymus ins Auge fassen. Da unterscheiden wir ganz kahle,
unversehrte, daneben vom Phytoptus befallene an den Cecidien dicht
behaarte Pflänzchen, dazwischen solche, die ganz behaart, zugleich
auch vom Parasiten infieirt sind, und solche, welche bei gleichmäs-
siger mehr oder weniger dichter Behaarung keine Verletzung durch
den Phytoptus wahrnehmen lassen, alle im Uebrigen von gleicher
Art (Thymus Chamuedrys Fries?) und gleichmässig durcheinander
wachsend.
Nicht einen Augenblick kann man zweifeln, dass die Trichome
der Ceeidien im Wesentlichen dieselben sind, wie die der gesunden
gleichmässig behaarten Individuen der var. hirsuta S. lanuginosa und
nur darin verschieden, dass sie hier an der ganzen Oberfläche der
Pflanze, dort aber nur an den infieirten Trieben hervortreten. Allein
man wird bei den cecidientragenden Individuen vergeblich nach einem
11
allmäligen Uebergang der kahlen Form in die behaarte Varietät
suchen: stets erscheint die von der Gallmilbe bewohnte Pflanze ent-
weder ganz vollständig und gleichförmig behaart, oder es ist nur
der mit dem Cecidium behaftete Theil mit Trichomen besetzt, wenn
überhaupt die Pflanze zur Behaarung inclinirt; nur ausnahmsweise
geht diese bis zu den nächsten Blattpaaren, die keine Gallmilben
beherbergen, herab.
Aus diesen Umständen glaube ich den Schluss ziehen zu dürfen:
nicht durch die jedes Jahr sich an demselben Individuum wieder-
holenden Angriffe des Parasiten entsteht die haarige Varietät (sonst
müsste sich die mit der Zeit sich steigernde Wirkung in der all-
mälig zunehmenden Behaarung der Pflanze verrathen, es müsste also
Uebergangsiormen geben), sondern sie geht aus den Samen solcher
kalıler Individuen hervor, die bereits sehr lange an dieser Localität
gewachsen sind. Gleichwie im Tbierreiche diejenigen physiologischen -
Einflüsse, welche auf das Mutterindividuum einwirken, sei es, dass
sie im günstigen oder im ungünstigen Sinne sich geltend machen,
erst in der Leibesfrucht, also in der Nachkommenschaft, eine auf
innerer und äusserer Formbeschaffenheit beruhende Nachwirkung —
Variation — zu Stande bringen, so tritt auch bei der Pflanze erst
an. dem aus dem Samenkeime hervorgehenden Gewächse die Wir-
kung der umgestaltenden Kräfte, welche die Mutterpflanze selbst
nicht dauernd zu ändern vermochten, in sichtbarer Weise auf, um
sich von da an die folgenden Generationen zu vererben.
Liegt es nun an der Localität, oder, wie man zu sagen pflegt,
an dem „Standorte“, ob die Pflanze sich die Anlage zur Haarbildung
aneignen könne, oder nicht, so ist es gewiss von Interesse, zu erui-
ren, durch welche Eigenschaften der „Standort“ jene Metamorphose
bewirkt. Sind es die freifallenden Sonnenstrahlen, die Bodenverhält-
nisse vermöge ibrer chemischen Beschaffenheit, oder klimatische Ein-
flüsse im engeren Sinne; vielleicht die Gegensätze von Warm und
Kalt, Feucht und Trocken (wenn sie plötzlich und öfters auf die
Pflanze einwirken), von denen die Anregung zur Trichombildung ur-
sprünglich ausgeht? Es liegt die Möglichkeit nahe, die primäre
oder inducirende Ursache, soweit sie in der Aussenwelt zu suchen ist,
bis zu einem gewissen Grade zu bestimmen, weun wir der Pflanze
unter den verschiedensten Vorkommensverhältnissen nach allen Kich-
tungen ihrer Verbreitung aufmerksam folgen und dabei sorgsam dar-
auf achten, unter welchen der Beobachtung zugänglichen Umständen
sie kalıl, unter welchen behaart erscheint, wo die von der Gallmilbe
befallenen Triebspitzen eine spärliche, und wo sie eine reichliche
Behaaruug tragen.
In dieser Beziehung bietet die Save-Ebene von Lees-Radmanns-
dorf die mannigfachsten Fälle, denn hier können wir den 'Ihymian
in seiner kahlen Form mit und ohne Triebspitzen-Deformation und
die behaarte Varietät gleichfalls mit und ohne Infeetion durch die
Gallmilbe sehen, und die kahle Form zeigt an den Cecidien stets
reichliche Behaarung; dagegen fand‘ich im Sausal in Steiermark
12
nicht nur bis jetzt noch keine var. hörsuta s. lanuginosa, sondern
auch öfter nur sehr spärlich behaarte Phytoptoceeidien am Thymian.
Vergleichen wir die beiden Localitäten mit einander, so bemerken
wir, dass es nicht nur in Bezug auf oberflächliche Beschaffenheit
des Terrains, sondern auch hinsichtlich der physikalischen Boden-
verhältnisse kaum einen schärferen Unterschied zweier in nahezu
gleicher geographischer Breite gelegenen Oertlichkeiten geben kann.
Die erwähnte Ebene, 8 Kilom. lang und östlich von Veldes
ca. 4 Kilom. breit, dehnt sich vom Fusse der Karavanken bis zum
gegenüberliegenden plateau-artigen Mittelgebirge als völlig gleich-
förmige Fläche aus. Sie hat einen nahezu steppenartigen Charakter,
insofern als sie durch längere Zeit im Sommer trocken liegt, theils
als dürre Heide, theils als magerer Wiesengrund, wo der Boden
nicht bebaut ist. Der aus den Alluvionen der Save (Kalkgeschiebe,
Sand und Conglomerat) bestehende Untergrund trägt nur spärliches
Erdreich, worauf ein kümmerlicher Graswuchs bemerkbar ist; oder
es deckt den Boden das genügsamste und ausdauerndste aller Ge-
wächse, die dürftige Heide Calluna vulgaris. Weit und breit machen
sich im Sommer die sengenden Sonnenstrahlen nicht so fühlbar wie
hier; früh am Morgen beginnen sie den Boden mit seiner ärmlichen
Vegetation zu dörren. Aber kaum ist die Sonne hinter den Zacken
und Graten der julischen Alpen verschwunden, so tritt, wegen der
freien Strahlung, eine empfindliche Abkühlung ein, und in den Früh-
lingsmonaten, so lange die Nächte noch lang sind, stellen sich häufig
Spätfröste ein. Die Vegetation ist dem raschesten Wechsel von Warm
und Kalt, Trocken und Feucht ausgesetzt, ähnlich wie auf einer
echten Steppe. Ich möchte es jedoch auch keineswegs bezweifeln, dass
die unbeschränkte Lichtfülle, welche die Pflanzen hier von allen Seiten
empfangen, gleichfalls ihren Antheil an den physiologischen Erschei-
nungen haben, von denen hier die Rede ist.
(Fortsetzung folgt.)
Amemone Scherfelii Mihi!
Von Josef Ullepitsch.
Folia impari pinnata, viridia, utrinque nitida. Petiolis radica-
lium amplexicaulibus vaginiferis; caulinorum late alatis longeque
aurieulatis. Floret circa Schmeks in Tatra, solo granitico, duas et
plures hebdomades serius quam Anemone alpina.
_ Wurzel: ausdauernd, holzig, spindelig, von abgestorbenen Blatt-
resten schopfig.
Stengel: dunkelpurpurn, rund, von langen weissen Haaren rauh.
Wurzelblätter: zweipaarig, beiderseits nackt, grasgrün, schim-
mernd; an den Stielchen, Nerven und am Rande mit langen spär-
lichen sehr bald abfallenden Haaren gesäumt. Die Blättchen wider
13
fiederspaltig, Lappen aus spitzem Grunde dreieckig 2--5zähnig, nur
das unpaare Endläppchen stets 3zähnig. Die Zähne alle dreieckig,
wenig zugespitzt. Der lange Blattstiel erweitert sich rasch zu einer
längeren als breiten stengelumfassenden aussen wolligen Scheide.
Stengelblätter: gleichen den Wurzelblättern, meist drei, doch
scheinbar öfter mehrere, denn aus der Spitze der aufwärtsstehenden
zwei Ohren des breit und grüngeflügelten Blattstieles wachsen neuer-
dings gefiederte Blätter hervor.
Blüthenstiel: Einer, einblumig wollig behaart.
Blüthenhülle: sechsblättrig. Die äusseren Hüllblättchen häufig
am Grunde blaulichgrau, ellyptisch, abgerundet, netzaderig, aussen
wollig behaart. Die inneren etwas schmäler, am Grunde gelblich.
Fortpflanzungsorgane: Griffel zahlreicher als die Staubfäden.
Früchtehen: beiderseits zugespitzt, etwas plattgedrückt, wollig
behaart, mit einer langen Feder, deren Stiel dunkelpurpurn, und mit
dichten langen aufwärts gerichteten weissen allmälig kürzerwerdenden
Haaren dicht bedeckt ist.
Vorstehende Pflanze gehört in die Gruppe der Anemone alpina
L. und gleicht am meisten der längst verschollenen Anemone apü-
folia des Wulfen, und ist jedenfalls von der Stammform zu trennen.
Trotzdem, dass sie mindestens zwei Wochen später blühet als
die echte An. alpina, pflegt sie im August und September vereinzelt
wieder zu blühen, und wächst nicht einzeln wie andere Anemonen,
sondern bildet grosse und so dichte Bestände, dass keinerlei Pflanze
zwischen ihr aufkommt.
Die Pflanze benannte ich Herrn Aurel Scherfel in Felka zu
Ehren, dem langjährigen und eifrigsten Pfleger der Floristik in der
hohen Tatra.
Kniesen, Zipser Comitat (Ungarn), November 1886.
——
Beiträge zur Kenntniss der Bergalgenflora Böhmens,
Von Dr. Anton Hansgirg in Prag.
Neben den thermalen, thermophilen und halophilen Algen
gehören auch viele von den im Hügellande und in den Gebirgen
Böhmens verbreiteten Algenarten zu den in vielen Beziehungen
bemerkenswerthen Algen Böhmens.
Die Bergalgenflora von Böhmen, deren Hauptrepräsentanten
hier zum ersten Male aufgezählt und deren geographische Verbreitung
und Gliederung im Nachfolgenden kurz besprochen werden soll, ist
im Vergleich mit der in Böhmen blos auf wenigen und meist
kleinen Localitäten entwickelten Thermal- und Salzwasser -Algen-
flora auf zahlreichen Localitäten von, grösserer Ausdehnung, nicht
selten auf sehr, bis meilenweit sich erstreckenden Gebieten ausgebildet.
14
Die Hauptrepräsentanten der submontanen und montanen Algenflora
Böhmens findet man in der Region der Hügel, der Berge und des
Hochgebirges meist in Gesellschaft anderer, in Böhmen allgemein
verbreiteten Algen, seltener allein, fast überall da verbreitet, wo
die zur Ansiedelung und Entwicklung einer Algenvegetation überhaupt
nöthiren Bedingungen, vor Allem Licht, Wärme und Feuchtigkeit
in gehörigem Grade gegeben sind.
Neben den Licht-, Wärme- und Feuchtigkeitsverhältnissen
sind jedoch bei der Entwicklung einer jeden Algenflora auch noch
die physikalische und chemische Beschaffenheit der Unterlage und
des Mediums an und in welchem die Algen vegetiren, besonders in
Betracht zu ziehen. Ob und wie fern neben diesen klimatischen,
physikalischen und chemischen Verhältnissen, neben der geographischen
Lage, der mittleren Jahrestemperatur, der durchschnittlichen Menge
der jährlichen atmosphärischen Niederschläge, der kürzeren oder län-
geren Vegetationsperiode ete. bei der ceographischen, sowohl der
horizontalen wie auch der verticalen Verbreitung der Algen, welcher
von Seite der Botaniker bisher nur wenig Aufmerksamkeit gewidmet
wurde auch noch das historisch-genetische Moment ete. zu berück-
sichtigen ist, wird erst später bis überhaupt mehr über die Verbrei-
tung der Algen auf der Erdoberfläche bekannt sein wird, möglich
werden zu entscheiden.
Bei der bisherisen noch sehr lückenhaften Kenntniss über die
geographische Verbreitung der Algen überhaupt, der montanen und
submontanen Algen Böhmens insbesondere, ist der im Nachstehenden
mitgetheilte Versuch einer Eintheilung der Bergalgen Böhmens nach
den Höhenverhältnissen als ein vielfacher Ergänzung bedürfender
zu betrachten.
Von den zahlreichen Algenarten, welche in den Niederungen
sowie im ganzen Flachlande Böhmens bis 200 M. ansteigend ver-
breitet sind, kommen noch viele im Hügellande (200 bis 600 M.),
in der Bergregion (600 bis 1000 M.) und im Hochgebirge (1000 bis
1600 M.) Böhmens vor. Neben diesen grösstentheils kosmopolitischen
(wenigstens in Europa allgemein verbreiteten) Algenarten sind aber
sowohl in der Region der Hügel wie auch in den beiden höher lie-
genden Regionen besondere Algenformen verbreitet, welche den ein-
zelnen Regionen ausschliesslich anzugehören scheinen.
Solche bisher bloss in gewissen Höhenlagen auf der Erdoberfläche
vorkommende, einzelne Regionen charakterisirende Algenformen sind
in der eigentlichen Bergregion Böhmens in grösserer Artenanzahl
vorhanden als in den beiden angrenzenden Regionen. Doch ist die
Algenflora der Bergregion Böhmens im Ganzen weniger reich an
Algen, als die der zur Entwicklung der Algen überhaupt günstigeren
Regionen der Hügel und der Ebene. Lo
In allen soeben genannten Regionen sind nicht selten einzelne,
nahe aneinander grenzende Localitäten durch besondere Algenarten
ausgezeichnet. Solche bloss auf gewissen Standorten auftretende Algen
bilden, wenn sie in grösserer Artenanzahl vorkommen, charakteristische
15
Alsengruppen, welche den einzelnen Vegetationsformen der Gefäss-
pflanzen gewissermassen entsprechen.
Zur Ausbildung solcher Algengruppen sind vor Allem die Was-
sermenge und die chemische und physikalische Beschaffenheit dieses
den hydrophytischen Algen zur Entwicklung unbedingt nöthigen Me-
diums, sowie die chemische und physikalische Beschaffenheit, zumal
die Wasserdurchlässickeit und Erwärmungsfähigkeit des Substrätes,
an welchem oder in dem die aerophytischen, endophytischen und
amphibischen Alsen leben, von besonderem Einflusse.
Da ich jedoch über die geographische Verbreitung der Algen
in Böhmen im Allgemeinen, sowie über die verschiedenen Standorte
und die in der freien Natur häufiger auftretenden Localalgengruppen
an einem anderen Orte!) mehr mitgetheilt habe, so will ich hier in
Bezug auf dieses Thema nur noch bemerken, dass die Entwicklung
der interessantesten Algengruppen des Hügel- und des Gebirgsterrains
Böhmens hauptsächlich durch verschiedene chemische und physikalische
Beschaffenheit der Felsen und der aus diesen entspringenden Quellen
Quellbäche ete., sowie verschiedener stehender Gewässer, an oder in
welchen die Alsen vegetiren, bedingt ist. Dass durch diese Agentien
die Existenz der Specialalgengruppen der submontanen und der mon-
tanen Region in hohem Grade bedingt ist, wird bald ein jeder Algo-
loge sich überzeugen, welcher den verschiedenen Algengruppen der
Hügelregion in der Umgebung von Prag seine volle Aufmerksamkeit
widmen wird.
In feuchten silurischen Kalksteinfelsen findet man in der näheren
und weiteren Umgebung von Prag eine besondere Algenflora ent-
wickelt, die sehr mit derjenigen der verschiedenen mehr oder weniger
kalkhältigen feuchten Felsen der unteren Etagen der böhmischen
silurischen Formation und der aus diesen hervorquellenden, Kalk-
sinter absetzenden, Bächlein übereinstimmt, von der Algenflora der
oft von den silurischen kalkhältigen Felsen nicht weit entfernten
Sandsteinfelsen der böhmischen Kreideformation sowie der erst in
der weiteren Prager Umgebung auftretenden, ähnlichen Felsen der
Steinkohlen- und Dyasformation jedoch sich wesentlich unterscheidet.
Auch auf den, erst an der südlichen und südöstlichen Grenze der
weiteren Umgebung von Prag vorkommenden, feuchten Granit-, Gneiss-
und verschiedenen Glimmerschieferfelsen der Primärformation ist
eine von den beiden soeben angeführten Local-Algenfloren bedeutend
verschiedene und verhältnissmässig arme Algenvegetation entwickelt.
Die seltensten Algenarten der ganzen, von mir schon algologisch
näher durchforschten Hügelregion Böhmens sind in klaren Quellen
und in Bergbächen, an feuchten schattigen oder vom Wasser berie-
selten sonnigen Felsen und Bergabhängen im Moldau- und Beraun-
thale, sowie in den, in diese einmündenden Nebenthälern verbreitet.
Einige wenige Repräsentanten dieser, besonders in wärmeren Lagen,
vorzüglich an den gegen die scharfen Nord- und Ostwinde geschützten
x
’) Vergl. meinen „Prodromus der Algenflora von Böhmen“. I, 1886 p.9 u. f.
16
Felsen prächtig entwickelten silurischen Hügelalgenflora habe ich
jodoch auch noch an feuchten Urkalkfelsen nächst Krummau in
Südböhmen und an vom Wasser bespülten Plänerkalk- und Kalk-
mergelschichten am Uferrande einiger Teiche in Ostböhmen ge-
sammelt.
An den stellenweise sehr steilen und fast kahlen felsigen Ufer-
abhängen sowie in den meist von kleinen Bächen bewässerten zahl-
reichen, in die silurischen Felsenmassen mehr oder weniger tief
eingeschnittenen Querthälern, welche in die beiden, durch ein ver-
hältnissmässig ziemlich mildes Klima ausgezeichneten, Flussnie-
derungen- Mittelböhmens einmünden, sind im ganzen Moldau- und
Beraunthale der näheren und weiteren Prager Umgebung, zumal an
feuchten silurischen Kalksteinfelsen in den wildromantischen Felsen-
partien bei Karlstein, St. Ivan unter den Felsen, St. Prokop u. a.,
welche stellenweise en miniature eine gewisse Aehnlichkeit mit den
Voralpen-Landschaften des Salzkammergutes haben, viele seltene sub-
montane und einige montane Algenarten verbreitet.
Die an solchen feuchten, silurischen Felsen im ganzen Moldau-
thale von Davle bis Kralup, im Beraunthale von Radotin bis Zbe&no
nächst Pürglitz entwickelte Algenvegetation birgt an einigen Orten
neben den, in dieser Formation fast allgemein verbreiteten submon-
tanen Algenformen auch noch einzelne, besonders interessante, zum
Theile von mir in Böhmen entdeckte und bisher ausserhalb Böhmens
noch nicht beobachtete Algenformen.
Solche Algenformen sind von mir vorzugsweise an vom Wasser
berieselten Felsen, Blöcken etc. im Rinnsal der, im Sommer nicht
selten ganz austrocknenden, kleinen Bergbäche, in feuchten Felsen-
spalten und Felsenklüften, aus welchen nach ergiebigen Regengüssen
Wasser hervorsickert, sowie an oder unter den steilen Bergabhängen,
von welchen das Wasser herabtröpfelt, seltener kleine Katarakte
bildend herabfliesst, vorgefunden worden.
Eine zweite, von der soeben kurz geschilderten Algenvegetation
wesentlich verschiedene ist an den Quader- ete., Sandsteinfelsen der
Kreide- und Carbonformation entwickelt, von welchen beiden die
erstere schon in der näheren Umgebung von Prag hie und da ziem-
lich hohe, mehr oder weniger ausgedehnte, meist langgezogene
Rücken bildet. Am schönsten entwickelt beobachtete ich diese psam-
mophile Bergalgenflora, deren einzelne Vertreter ich schon an mehreren
Orten der näheren Prager Umgebung, bei Chwal, Melnik, Raudnitz,
Lobositz, Leitmeritz, Elbe-Kostelee, Vrutic, Jung-Bunzlau, Bakov,
Münchengrätz, Turnau, Wartenberg, B. Leipa, Hirschberg, Habstein,
Weisswasser, Weckelsdorf, Jitin, Horic, Neu-Straschitz, Perue, Laun,
beobachtet und gesammelt habe an den mächtig entwickelten Sand-
steinfelsen der sog. böhmischen Schweiz bei Tetschen, Hernskretschen,
Prebischthor u. a. Auch an den feuchten Sandsteinfelsen der Stein-
und Braunkohlen-, sowie der Dyasformation Böhmens habe ich an
mehreren Orten, insbesondere in der Umgebung von Schlan, Rakonitz,
Gechnitz, Saaz, Kralup, Swolenowes, Starkenbach, Alt- und Neu-
17
Paka, Wostrom®r, Trautenau, Arnau, Hohenelbe, Nachod, Veseli,
Wittingau u. a. einzelne Algenarten gesammelt, welche für diese
Formation bezeichnend sind. Die gemeineren Repräsentanten dieser
im Grossen und Ganzen viel ärmeren Algenvegetation, als die der
silurischen Hügelresion, sind ausserdem fast im ganzen Lande zer-
streut an feuchten Sandsteinplatten ete. vorzufinden, die man zur
Einfassung von Brunnen, Teichen, als Brunnentröge etc. verwendet.
Auch in den meist der primären Formation angehörenden
Grenzgebirgen Böhmens ist eine besondere Algenflora entwickelt,
deren einzelne Repräsentanten schon in den Vorbergen und hie und
da auch im Gebirgslands der ganzen südlichen Hälfte Böhmens auf-
treten. Die seltensten und interessantesten Vertreter dieser Urgebirgs-
Algenflora, der Region der Berge und des Hochgebirges sind, wie
zu erwarten war, im Riesengebirge, soweit dieses schon algologisch
erforscht worden ist, verbreitet, einige seltenere montane und sub-
alpine Algenformen kommen jedoch auch noch in höheren Lagen des
böhmischen Iser- und Erzgebirges vor. Die Algenflora des ganzen
Böhmerwaldgebirges, welches trotz seiner bedeutenden Ausdehnung
und Höhe mehr durch das Fehlen als durch das Vorhandensein von
seltenen Bergalgenarten sich auszeichnet, birgt doch, insbesondere
in den meist hoch gelegenen Seen und deren Abflüssen sowie in den
recht zahlreichen Hochmooren (Filzen) einzelne, sehr seltene Algen-
arten, welche zum Theile schon früher in den Seen und Hochmooren
des Schwarzwaldes in Deutschland beobachtet wurden.
(Fortsetzung folgt.)
—ö
Zur Flora von Ostgalizien.
Von Br. Blocki.
Im Anschluss an meinen Artikel über die Sommerflora von
Dubienko in Ostgalizien möge hiermit das Verzeichniss aller jener
interessanteren Pflanzen folgen, welche ich heuer in der Gegend
zwischen Monasterzyska und Buczaez beobachtet habe. Es sind folgende
Arten: Anthyllis Vulneraria, in Korosciatyn und Üzechöw; Artemisia
austriaca in Buczaez (fehlt westlich vom Strypafluss); Aster Amellus
in Czechöw; Bupleurum falcatum in Czechöw; Cirsium pannonicum
in Koroseiatyn; Chrysanthemum corymbosum in Koroseiatyn und
Przewloka; Clematis erecta in Czechöw und Przewloka; Crepis sibirica
in Czechöw; Cimicifuga foetida in Czechöw und Przewloka; Oheno-
podium Vulvaria in Przewloka; Cirsium spathulatum in Przewloka;
Campanula bononiensis in Przewloka; Dianthus Carthusianorum L.
in Korsieiskyu und Czechöw (D. pseudobarbatus Bess. und D. capi-
tatus DC. fehlen in dieser Gegend gänzlich); Digitalis ambigua in
Czechöw; Dipsacus pilosus in Przowloka; Echinops commutatus in
Przewioka; Ferulago silwatica in Korosciatyn und Monasterzyska ;
Geum strietum in Bertniki und Berezöwka; Galium polonicum mihi
Oenterr. botan. Zeitschrift. 1. Heft 1887, 2
18
in Korosciatyn; Galium eruciata in Przewtoka; Hieracium polonicum
mihi in Koroseiatyn und Przewloka; Hellehorus purpurascens iu
Czechöw und Przewloka; /nula Helenium in Czech6ow (am Bachufer
in Gesellschaft mit Carduus erispus und Senecio fluviatilis); Lilium
Martagon in Koroseiatyn und Przewloka; Marrubium vulgare iu
Przewloka; Ononis hircina in Czechöw; Potentilla recta L. (non.
Zimmet.) in Korosciatyn und Przewioka; Pot. commutata mihi in
Koroseiatyn (ganz identisch mit der Pflanze von Holosko bei Lemberg) ;
Phlomis tuberosa in Przewloka; Rumex confertus Willd. in Mona-
sterzyska, Jezierzauy, Üzechöw, Bertniki und Buczacz; BRanunculus
Stevenii Andrz. überall verbreitet; Stachys germanica in Üzechöw;
Salvia glutinosa in Przewioka; Scabiosa ochroleuca in Koroseiatyn
und Przewloka; Thymus montanus in Korosciatyn, Czechöw, Bertniki
und Przewioka; Thymus Marschallianus in Czechöw, Jezierzany und
Przewioka; Teuerium Chamaedrys in Czechöw und Przewloka:
Viburnum Lontana in Czechöw und Przewioka; Nanthium spinosum
in Jezierzany und Przewioka (fehlt indessen in einigen Ortschaften
dieser Gegend, z. B. in Dubienko, gänzlich).
Lemberg, im December 1886.
—
Beitrag zur Flora der Karpathen und des Hoch-
gesenkes.
Von Dr. Ed. Formänek,
k. k. Professor am böhmischen Gymnasium in Brünn.
(Schluss.)
Laserpitium, latifolium L. Selten. WoiSice bei Kl. Wrbka, Küzelau.
Machowe Wiesen und Wielicky Wald bei Jawornik, Neu Lhota,
Milonow nächst Gr. Karlowitz.
— pruthenicum L. Hürka Wd. bei Ung. Brod, Prakschitz.
Caucalis daucoides L. Straznitz, Radiejau, Hrozna Lhota, Kl. Wrbka,
Ung. Brod, Bystritz, Ordiejowhof.
Scandix pecten Veneris L. Um Ung. Brod, Bojkowitz, Val. Klobouk!
Cerefolium nitidum Celak. Celak. Prodr. p. 586. Jaworina!
Chaerophillum bulbosum L. Hänfig bei Strainitz (Fasangarten, Zerotin,
Stamfaty ete.), Radiejau, Kndzdub, Welka, Kl. Wrbka.
— temulum L. Von Rohatetz bis StraZnitz, Hroznä Lhota, Lippau,
Welkä, Althammer.,
— aromaticum L. Machowe Wiesen, und gr. Jaworina bei Jawor-
nik (Makowsky), Ung. Brod, Bojkowitz, Val. Klobouk, Hra-
dischow, Zdieschow, Hallenkau, Kitera terhanskä, Jaworniky bis
zum Gipfel, häufig bei Gr. Karlowitz, Milohow, Wysokä, Wiesen
bei der Salajka, Althammer, Ostrawitz, Butosonka, Malenowitz,
Friedland (Metylowskä Hürka), Pr2no, Krasnä, Morawka, Lomna;
19
bei Teschen (Kolbenheyer)! Zabreg ete.: Boguschowitz, Konska,
Mähr. Ostrau, Jägerndorf, Würbenthal, Ludwigsthal, Sternberg.
Chaer. hirsutum L. Rozsosi bei Prikaz, Provaznythal bei Hallenkau, Gr.
Karlowitz, Hluboka nächst Ob. Betwa, Peretonky, Polana, Smrk,
Skalka bei Ostrawitz, Grunik Wd., am Fusse der Lysä hora,
Moräwka häufig bei Slawita, Lomna, Schlossberg bei Würben-
thal, Karlsbrunn; im Gesenke sehr häufig und fast in allen Berg-
schluchten hochgelegener Berge (Oborny)!
Meum mutellina Gärtn. Am Fusse des Schlossberges bei Würbenthal!
nahe von menschlichen Wohnungen, kl. Heide, Gr. Vater, Knob-
lochgraben, Bärenkamm.
Hedera helix L. Kobela bei Küzelau, Klokotnik und StruZne bei
Jawornik, Philippsthal, Hürka Wd. und Kralow bei Ung. Brod,
Vapenky bei Val. Klobouk, Jawornikgebirge über 800M. Ver-
breitet im Teschner Gebiete (Kolbenheyer), Zabreg Wald,
Konska.
Ribes grossularia L. Jaworina (Holuby); Jawornik, Neu Lhota, na
Kotarech.
— petraeum Wolf. Knoblochgrund (v. Uechtritz)!, massenhaft auf
den Abhängen des Gr. Vaters und Bärenkammes.
Chrysoplenium alternifolium L. Jawornik, Val. Klobouk, Pultschin,
Hallenkau, Gr. Karlowitz; Karlsbrunn (v. Niessl)!
Sedum maximum Suter. Ob. Fl. 861. Strazvitz, Jawornik, Val. Klo-
bouk, Gr. Karlowitz, Ostrawitz; Friedland und sonst in jenen
Gegenden häufig (Oborny), Jägerndorf, Goldenstein, Sternberg.
— boloniense Loisl. Ob. Fl. p. 864. Straänitz, Welka, Ung. Brod,
Prikaz; häufig im Thale der Ostrawitza und in Schlesien
(Oborny).
Sempervivum tectorum L. Straänitz, Welkä, Jawornik.
Ayrimonia eupatoria L. Welka, Kl. Wrbka [Bukowina nächst Wrbo-
wetz|, Küzelau, Neu Lhota, Philippsthal, Strany, Lysä hora bei
Ung. Brod, Bojkowitz, Val. Klobouk, Zdiechow, Hallenkau, Gr.
Karlowitz, Milonow, Friedland, Teschen, Mähr. Ostrau, Hruschau,
Hermanitz.
Sanquisorba officinalis L. Von Strainitz bis zum Gipfel der Jawo-
fina, von Strany bis Ung. Brod, Hawritz, Suchä Loza, Banow,
Val. Klobouk, Zdiechow, Mähr. Ostrau, Hruschau, Jägerndorf
Weiskirch, Hansdorf.
Alchemilla vulgaris L. f. glabra DC. Gr. Vater, Knoblochgraben,
Thal der rauschenden Tees.
Geum rivale L. Maximiliankathal nächst Huti-Hammer, Althammer,
Morawka, Slawita (längs des Slawitbaches), Würbenthal, Karls-
brunn, Demmbaude, Gr. Vater, Knoblochgraben, Schlicksenwald
bei Goldenstein.
Potentilla tormentilla Schrank. Häufig in der StraZnitzer, Ung. Bro-
der, Val. Klobouker, Teschner und Jägerndorfer Gegend. Uhu-
stein, Heidenbrünnel. i
— aurea L. Zwischen Peterstein und Altvater, am Wege von der
2
A)
Schäferei zum Wilden Stein, Schweizerei, Gr. Vater, Knobloch-
eraben, Bärenkamm.
‚Potentilla canescens Bess. Auf einem Raine nächst des Fleischerwaldes
bei Järerndorf (für die Schellenburg schon Sintenis).
Spiraea salieilifolia L. Verwildert bei Morawka.
— aruneus L. Gr. Karlowitz (TiSnawa, Wd. u Ondrü ete.),
Schlicksenwald bei Goldenstein.
— ulmaria L. a) genwina. Gemein, Gesenke: Bärenkamm. b) disco-
lor Celak. Val. Klobouk, Zdiechow, Teschen, Knoblochgraben,
Schweizerei.
— /ilipendula L. Welkä, Woißice bei Kl. Wrbka, Küzelau, Dlouhe
und Mahowe Wiesen bei, Jawornik, Blumenthal (Jelenowa),
Stransko bei Strany, Chrast bei Bojkowitz, Horka Wd. bei Val.
Klobouk, Prikaz Pultschin, Zdiechow, Huslenkathal, Hallenkau
(Provaznythal etc.) Jaworniky, Gr. Karlowitz.
Cytisus capitatus Jacq. Weinberge bei Straznitz, Radiejau, Knözdub,
Woisice und Podorli bei Kl. Wrbka, Kobela bei Küzelau, Welkä,
häufig bei Jawornik (Strmetnik-, Dlouhe- und Machowe-Wiesen,
Wielitky-Wd.), Philippsthal. Neu Lhota na Kotarech, Chrästka,
Lysä hora u. Wd. b. d. reichen Linde bei Ung. Brod, Prak-
schitz, Weinberge bei Hawritz, Wolenow, Suchä Loza; Teschen
(v. Uechtritz)!, Jägerndorf (Burgberg, Schluchten bei den
Ziegelhütten, Fleischerwald und Mösnig), Eichberg bei Weiskirch.
— nigricans L. Zerotin bei Straänitz, Radiejau, Welkä, Küzelau,
Jawornik (Strmetnik ete.). Chrästka und Wd. b. d. reichen Linde
bei Ung. Brod, Prakschitz, Bojkowitz, Val. Klobouk; Mösnig und
Burgberg bei Jägerndorf (v. Uechtritz sen.)!, Eichberg bei
Weiskirch.
Genista tinctoria L. Gemein im b. G.
— germanica L. Stransko Wd. bei Strany, Lysä hora bei Ung.
Brod, Prakschitz, Skäli und Horka Wd. bei Val. Klobouk,
Hajek bei Prikaz, häufig bei Jägerndorf (Burgberg, Schluchten
bei den Ziegelhütten, Mösnig etc.), Eichberg bei Weiskirch.
Ononis spinosa L. Rohatetz, Petrow, StraZnitz, Radiejau, Knezdub,
Hroznäz, Lhota, Louka, Welkä, Woitice bei Kl. Wrbka, Küzelau,
Strany, Ob. Niemtschy, Ung. Brod, Bojkowitz.
Melilotus albus Desr. Friedland, Pr2no, Teschen, Beguschowitz,
Mähr. Ostrau, Hruschau.
Trifolium montanum L. Von Rohatetz bis Straznitz und von da an
bis Welkä, Kl. Wrbka, Küzelau, Jawornik, Gipfel der Jaworina,
Strany, Ung. Broder Gegend, von Val. Klobouk bis Gr. Karlo-
witz, Milonow, Ostrawitz, Friedland, Metylowitz, Kräsnä, Jägern-
dorf (Burgberg ete.).
— fragiferum L. Straznitz, Welkä, Jawornik, Suchä Loza, Ordie-
Jowhof, Bystritz.
— alpestre L. Rohatetz, Straznitz, Radiejau, Welka, Philippsthal,
Strany, Ung. Brod, Prakschitz, Hawritz, Suchä Loza.
— rubens L. Knezdub, Woisice bei Kl. Wrbka, Küzelau, Dlouhe-
21
und Machowe Wiesen und Wielitky Wd. bei Jawornik, Jamy
Wiesen bei Neu Lhota, Horka bei Val. Klobouk.
Trif. medium L. Straänitz, Knezdub, Hroznä Lhota, Welkä, Jawor-
nik, Ung. Brod, Bojkowitz, Val. Klobouk, Teschen, Würbenthal.
— ochroleueum Huds. Val. Klobouk, Kralowec Wd. bei Potesch,
RozsoSi bei Prikaz, Zdiechow, Hallenkau, Jaworniky bis auf die
Gipfel, Gr. Karlowitz.
Anthyllis vulneraria L. Zerotin bei Straznitz, Knözdub, Welkä.
WoiSice bei Kl. Wrbka, Kobela bei Küzelau, Jawernik (Dlouhe-
und Machowe Wd. ete.), Philippsthal, Jelenowä bei Strany, Ung.
Brod, Hawritz, Ordiejowhof, häufig bei Val. Klobouk (Wd. nad
Poteli, Dubowee, Vapenky etc.), Prikaz, Zdiechow, Hallenkau,
Gipfel der Jaworniky bis zum Jawornik nad Minarikem.
Doryenium pentaphyllum Seop. Zerotin bei Straänitz, Radiejau,
Knözdub, Louka, Welkä, Woi$ice und Podorli bei Kl. Wrbka,
Kobela bei Küzelau, Strmelnik bei Jawornik, Philippsthal, Neu
Lhota, Jaworina, Jelenowä und Stransko bei Lysä hora und
Wa. b. d. reichen Linde bei Ung. Brod, Prakschitz, Havwritz,
Wolenow, Suchä Loza, Ordiejowhof, Bystritz, Banow, Chrast und
Obora bei Bojkowitz, nicht mehr bei Val. Klobouk.
Tetragonolobus siliquosus Roth. Straznitz, Dlouhe Wiesen und Bach
unterm Stanowisko bei Jawornik.
Astragalus eicer L. Straänitz, Radiejau, Knezdub, Welkä, Woisice
bei Kl. Wrbka, Küzelau, Machowe und Doliny Wiesen bei
Jawornik, Ung. Brod, Hawritz.
— glycyphyllus L. Von Straznitz bis Welkä, Küzelau, Jawornik,
Philippsthal, Ung. Brod, Ordiejowhof, Bojkowitz, häufig bei Val.
Klobouk, Prikaz, Zdiechow, Hallenkau, Kitera terüänska, Fried-
land, Metylowitz, Teschen, Konska, Boguschowitz, häufig bei
Jägerndorf, Weiskirch, Würbenthal, Goldenstein.
Vieia faba L. Cultivirt bei Straznitz, Ung. Brod, Jablunkau, Te-
schen, Boguschowitz.
— dumetorum L. Kl. Wrbka, Welkä, KüzZelau, Jawornik, Ung.
Brod, Ordiejowhof, Bystritz, Teschen, Konska.
— pisiformis L. Ung. Brod, Bojkowitz, Val. Klobouk, Potesch,
Rozsosi bei Prikaz.
— silvatica L. Ung. Brod, Bojkowitz, Jelenowskä bei Val. Klobouk,
Posusiska Wd. bei Zdiechow (Exemplare sehr welk, daher dieser
Standort nicht ganz sicher), Pathenwald bei Goldenstein.
— cracca L. Gemein in höherer Lage: Wysokä.
— villosa Rth. Rohatetz, Petrow, Wolenow, StraZnitz, Radiejau.
— hirsuta Koch. Häufig, in höherer Lage auf der Jaworina.
Lathyrus silvestris L. Strany, Bojkowitz, Doubrawa und Vapenky
bei Val. Klobouk. Friedland, Metylowskä Hürka.
— latifolius L. Weinberge bei Straänitz, Radiejau, Welkä, Woisice
bei Kl. Wrbka, Kobela u. a. 0. bei KüZelau, Philippsthal,
Dlouh& und Machowe Wiesen, Wielicky und Wd. na Ma-
chowych nächst Jawornik, Jelenowä bei Blumenthal, Strany,
Ung. Brod (Kralow ete.), Suchä Loza.
Lath. tuberosus L. Von Rohatetz bis StraZnitz und von da bis Welkä,
Ung. Broder Gebiet.
— vernus Bernh. Gemein in Straänitze, Welkaer, Ung. Broder und
Teschner Gebiet.
— niger Bernh. Straänitz, Hroznä Lhota, Welkä, ‚Jawornik, Lysä
hora u. a. OÖ. bei Ung. Brod, Prakschitz, Chrast bei Bojkowitz,
Horka bei Val. Klobouk, Zabreg bei Teschen, Konska, Kopce Wu.
bei Boguschowitz, Burgberg bei Jägerndorf.
— ii —
Spätflora des Jahres 1886.
Von Carl Jetter.
Das prachtvolle heurige Herbstwetter musste naturgemäss auch
auf die Vegetation von grossem, belebendem Einflusse sein und wirklich
gaben uns zahlreiche Mittheilungen in öffentlichen Blättern Kunde
von dem erfolgten zweimaligen Blühen vorherrschend krautartiger
(zewächse.
Es sei mir gestattet, in der Kürze eine Zusammenstellung der
gesammelten Notizen zu bringen, lediglich zu dem Zwecke, um einen
Ueberblick über die Spätherbstflora zu gewinnen. So wurden am
31. October auf dem Hocheck im Triestingthale ein Sträusschen
reifer Erdbeeren gepflückt, ja sogar in der sonst so rauhen Gegend
des Riesengebirges, aus Neu-Rettendorf bei Königinhof gelangte die
gleiche Nachricht in die Oeffentlichkeit. Die Abhänge des Leopolds-
berges bei Wien waren am 1. November mit Blüthen von Distel-
und Habichtskräutern geschmückt und ein Hartriegelstrauch, an
welchem noch die schönen rothen heurigen Früchte hingen, hatte
zahlreiche von den nächstjährigen Blüthenknospen so weit entwickelt,
dass ein Aufbrechen derselben in noch wenigen warmen Tagen zu
gewärtigen war. Atıs Saalfelden im Pinzgau wurde unterm 9. No-
vember geschrieben, dass die Thallehnen, die sonst um diese Jahres-
zeit oft schon schneebedeckt sind, sich allenthalben mit einem zweiten
Blüthenflor bekleiden und folgende Auslese blühender Kräuter nam-
haft gemacht; Schafgarbe, Lattich, Rothklee, Löwenzahn, Campanula,
kleine Genziane, weisse Brennnessel, Schierling, Stiefmütterchen, Mause-
öhrchen, Storchschnabel und Brombeere. In Hof bei Lassing wurden
am selben Tage in einer Höhe von 2000 Fuss überraschend grosse,
völlig ausgereifte Erdbeeren gesammelt. Am 12. November wurde
von einem Jäger aus dem kaiserlichen Forste in Unter-Weissen-
bach am Attersee ein Alpenrosenzweig mit Blüthen und Knospen
gebracht und in Bad Gastein wurden Erdbeerenblüthen und reife
Früchte gefunden. Am 13. November drang dieselbe Kunde aus
Leoben zu uns und am 14. November blühten an den südlichen
25
Abhängen des Schneeberges in das Höllenthal die Königskerze,
Cyclamen, Veilchen und Alpenrose.
Anschliessend hieran dürfte es nicht ohne Interesse sein, ein
Verzeichniss jener Pflanzen folgen zu lassen, welche ich selbst auf
meinen im Spätherbste erfolgten Spaziergängen in den Umgebungen
Wien’s blühend angetroffen und notirt habe.
So blühten am 12. November im Thale von Kaltenleutgeben:
Scabiosa ochroleuca, Bellis perennis, Achillea Millefolium, Anthemis
Cotula, Senecio vulgaris, Centaurea paniculata, Podospermum Jacqui-
nianum Koch., Lamium purpureum, Ranunculus repens, Sisymbrium
ofieinale Scop., Thlaspi Bursa pastoris, Reseda lutea, Alsine media,
Mercurialis annua, Geranium columbinum, Melilotus ofieinalis Desr.
und Trifolium pratense. In dem Vorgarten einer Villa in Kalten-
leutgeben schmückten sich vier hochstämmige, lebhaft grünende
Rosenstöcke mit fünf vollaufgeblühten Blumen und mehreren Knospen.
Auf dem Wege von Mödling auf den Eichkogel notirte ich
am 14. November: Scabiosa ochroleuca, Achillea Millefolium, Cha-
maemelum inodorum Vis., Centaurea awillaris Willd., ©. Scabiosa.
©. paniculata, Carduus acanthoides, «. spinosissimus, Podospermum
Jacquinianum Koch., Sonchus oleraceus, Salvia nemorosa, Echium
vulgare, Silaus pratensis Bess., Daucus Carota, Chaerophyllum bul-
bosum, Sisymbrium Columnae Jacg., Alyssum incanum, Thlaspi
Bursa pastoris, Reseda lutea, Helianthemum vulgare Gärtn., Stellaria
media Vill., Dianthus Carthusianorum, Euphorbia helioscopia, Mer-
curialis annua, Erodium eicutarium L’Herit., Melilotus ofieinalis
Desr., Trifolium pratense und Doryenium Pentaphyllum Scop.
Ungleich ärmlich dagegen war die Vegetation in der namentlich
in dem ersten Frühlingsflor so lieblichen Hütteldorferau bei Wien
vertreten. Obwohl lebhaft grünender Rasen den Boden derselben be-
deckte, bildeten eingestreute, rothfrüchtige Evonymus-Sträucher den
einzigen Schmuck des Gehölzes, während die krautartigen, blühenden
Gewächse nur an den Rändern, welche die Ufer des Wienflusses bilden,
ja häufig auf den sandigen Inseln desselben ihr verspätetes Dasein fri-
steten. Ich notirte daselbst am 15. November: Bellis perennis, Achilles
Millefolium, Podospermum Jacquinianum Koch, Tarawacum corni-
eulatum DC., Galeopsis pubescens Bess., Veronica agrestis, Banun--
culus polyanthemos und bulbosus, Barbarea arcuata Rehb., Mala-
chium aquaticum Fries und Trifolium pratense. Seit den letzten
Novembertagen ist der Wald vollkommen kahl, und der über unsere
Umgebung hereingebrochene Schneefall hat damit auch die letzten
Spuren sommerlicher Blüthenpracht begraben.
Inzwischen wird aus Vöcklabruck vom 17. December ge-
schrieben: Nach dem anfangs sehr strengen Auftreten des Winters
ist hier wieder so gelindes Wetter eingetreten, wie man sich eines
solchen um die Mitte December schon seit vielen Jahren nieht mehr
zu erinnern weiss. Die Temperatur steigt zur Mittagszeit bis zu 10
und 12 Grad. Der Schnee ist in der Ebene allenthalben verschwun-
den, und das frische Grün der Wintersaat‘ bildet einen merkwürdigen
24
Contrast zu den mit Schnee bedeckten Höhen des Höllengebirges
und des Traunsteines. Schulkinder brachten gestern Sträusschen blü-
hender und duftender Veilchen, die sie in Bergham, einer Ansiede-
lung zwischen Puchheim und Vöcklabruck, gepflückt hatten. Auch
der Flieder setzt grüne Knospen an, und vom Schafberge wurden
Sträusse blühender Nieswurz (Helleborus niger) herabgebracht.
Wien, am 19. December 1886.
ne —
Flora des Etna.
Von Prof. P. Gabriel Strobl.
(Fortsetzung.)
1291. Medicago turbinata (L.) W. sp. pl. III 1409, Guss. Pr., Syn.
et Herb.!, Bert. fl. it. (Sie.), «. inermis Asch. Willk. Lge. III 384
— M. turb. Gr. Godr. I. 395, Rehb. D. Fl. 65 III, IV! Schliesst sich
an tornata an, besitzt aber höheren Wuchs, bedeutend grössere und
längere (”—9 Mm. lange, 5—6 Mm. breite), 5—7spirige, eylindrisch
ovale, fast kahle Hülsen; Spiren ebenfalls aneinander gedrückt, bei-
derseits convex; Aussennaht dick, einnervig, wehrlos oder nur höcke-
rig, convex, endlich fast flach; Blüthenstiele meist 1—2blüthig, meist
kürzer als die Blätter. Bildet mit den drei folgenden eine Reihe.
Variüirt wieder links- und rechtswendig («. sinistrorsa Asch., ß. dew-
trorsa Asch.). Unter Saaten Ostsiziliens; auch in der Ebene des Simeto
neben dem Pulverthurme, aber spärlich! April, Mai ©.
1292. Med. olivaeformis Guss. pl. rar., Syn. et Herb.!, Tod. fl.
sic. exs. Nr. 1252! turbinata W. var. b. aculeata Willk. Lge. p. p.
Aeusserst ähnlich der vorigen; Blüthenstiele ebenfalls 1—2blüthig,
aber oft länger, als dasBlatt; Pflanze ziemlich dicht weichzottig; Früchte
fast genau kugelig oval, grösser (S—12 Mm. lang, 7--9 Mm. breit),
stärker flaumig-zottig, beiderseits convex, Spiren 5—7, aneinander
gedrückt; Aussennaht bis 2 Mm. breit, einnervig, endlich flach, bei-
derseits mit kurzen, dicken, kegelförmigen, abstehenden oder etwas
angedrückten Dornen versehen, gelbgrün, endlich braun. Ist keines-
wegs Var. der turbin., sondern eher mit der folgenden zu vereinen.
Auf Fluren und unter Saaten Siziliens; auch in der Ebene des
Simeto an Grabenrändern ziemlich häufig, sehr gemein aber in Saat-
feldern von Motta S. Anastasia gegen Paternd. April Mai ©.
1293. Med. muricata (L.) W. Guss. Syn. et Herb.!, turbinata
v. aculeata W. Lge. III, 385 p. p. Ganz wie vorige in Grösse, Be-
haarung etc. nur unterscheidbar durch fast kugelige Hülsen mit
längeren, aber ebenfalls conischen Dornen. Auf Fluren und unter
Saaten mit der vorigen: ziemlich häufig an buschigen Ufern des Si-
meto, seltener beim Pulverthurme Catania’s! April, Mai ©.
1294. Med. neglecta Guss. Pr., Syn. et Herb.! turbinata b) acu-
25
leata Grt. Willk. Lege. p. p. Von murie. nur verschieden durch stärker
zottige Behaarung der Pflanze, beiderseits und an der Aussennaht
mehr flache, überall von gegliederten Drüsenhaaren dicht flaumige
und an den Rändern der Aussennaht mit noch stärkeren, zahlreiche-
ren, etwas gebogenen, fast die Länge des Radius erreichenden Dornen
besetzte Hülsen, deren Durchmesser die Höhe gewöhnlich übertrifft
(z. B. 9:6); sie bildet ein Mittelglied zwischen muric. und rigidula.
Unter Saaten und auf Fluren der höheren Tiefregion Siziliens; wahr-
scheinlich auch im Gebiete aufzufinden. April, Mai ©.
11295. Med. rigidula (L.) Dsr. Urb. W. Lge. III 383, Gerardi
W.K. Reichb. D. Fl. 69 II, Guss. Syn. et Herb.!, cinerascens Jord. e.
spec.! Ebenfalls stark zottig-fHaumig, Blüthenstiele ebenfalls 1—2blü-
thig, länger oder kürzer als die Blätter, Hülse ebenfalls meist niedri-
ger, als breit, mit Dornen, deren Länge die des Halbmessers fast erreicht
oder sogar übertrifft. Unterscheidet sich hauptsächlich dadurch, dass
die Drüsenhaare der Hülse äusserst kurz und dicht, fast mehlig und
dass ausserdem gewöhnlich noch spärliche längere, drüsenlose Flaum-
haare vorhanden sind, sowie, dass der Durchmesser der Hülse nur
ca. 6Mm. beträgt; auch sind die Windungen weniger aneinander
gedrückt und die Aussennaht ist eonvex, nervenlos. Varürt sehr in
der Länge der bald geraden, bald hakigen Dornen, sowie in der Zahl der
Spiren (A4—7) und in der Behaarung (fast grün bis ganz grau); da-
her scheint mir Morisü Tod. — Gerardi v. minor Guss. Syn. et
Herb.! DC. Prodr. II 179 nur eine Varietät zu sein; sie unterschei-
det sich durch kleineren Wuchs, viel dichtere, fast grauzottige Be-
haarung und kugelig-ovale, höhere als breite (meist 7:6 Mm.), auch
meist kleinere Hülsen mit 6—7 Windungen; die Dornen sind meist
obsolet, nur selten so lang, wie bei rigid.; doch wechselt letzteres
Merkmal sogar auf derselben Pflanze und ich fand in den Nebroden
auch Exemplare, welche die typischen Hülsen der rigid. mit den
sonstigen Eigenschaften der Morisii verbinden. — Auf krautigen
Abhängen und unter Saaten Siziliens ziemlich häufig; im Gebiete
noch nicht beobachtet. Mai, Juni ©.
1296. Med. truncatula Grtn. de fruct. (1788), Bert. fl. it. (Sie.),
truncatulata Ten., Guss. Pr., Syn. et Herb.!, tribuloides PB. narbo-
nensis DÜ. Prodr. II 178, trib. B. breviaculeata Mor. Etwas zottig-
flaumig behaart mit verkehrteiförmigkeiligen, gestutzten oder aus-
gerandeten, in der oberen Hälfte kleingesägten Blättern, etwas
wimperig gezähnten Nebenblättern, 1 — 3blütbigen Stielen, welche
meist die Blattspitze nicht erreichen. Leicht erkennbar durch die
reifen Hülsen: fast genau ceylindrisch, beiderseits ganz flach, eirca
7—8 Mm. lang, 5—6 Mm. breit, endlich kahl; Windungen anfangs
locker, dann eng aneinander gedrückt; die Aussennaht breit, gekielt
mit anfangs dünnen, dann dick conischen, der Aussennaht eng ange-
drückten, den Nahtrand kaum überragenden Stacheln. Bildet mit
den zwei folgenden eine Reihe. Auf krautigen Fluren und unter
Saaten Siziliens hie und da, z. B. um Palermo, Messina!, liegt auch
im Herb. Torn. aus dem Gebiete auf, aber ohne näheren Standort.
April, Mai ©.
26
1297. Med. tentaculata Grtn., Mor., Murex Guss. Syn. et Herb.!,
DC. Prodr. IL 178, non W.? (NB. Murex W. ist nach Willk. Lge.
— sphaerocarpa Bert., nach Willd. Diagnose aber unterscheidet sie
sich davon durch eylindrische Hülsen mit dieken, die Früchte an
Länge übertreffenden Dornen und scheint daher doch eher = tent.
zu sein), truncatula ß. longeaculeata Urb. p. p., Willk. Lge. III 383 p. p.
Aeusserst ähnlich der vorigen, nur verschieden durch breitere (circa
7 mm), mehr eylindrisch ovale, rechtswendige Hülsen mit bedeutend
längeren, anfangs borstenförmigen und verschieden abstehenden, dann
eng anliegenden, hakigen, aber noch immer bedeutend dünneren
Dornen; dieselben überragen gewöhnlich den Kiel der zweitnächsten
Windung und verstricken sich daher untereinander; auch sind selbst
die reifen Hülsen gewöhnlich sparsam langflaumig. An krautigen
Abhängen, auf Fluren und unter Saaten (ganz Siziliens) häufig: in
der Ebene von Catania sehr verbreitet, ebenso von Catania gegen
Nicolosi! April, Mai ©.
1298. Med. tribuloides Dsr. apud Lam. diet., Guss. Pr., Syn.
et *Herb.!, Bert. fl. it. (Sie.), Gr. Godr. I. 394, truncatula B. longe-
aculeata Willk. Lge. p. p. Ebenfalls den zwei vorigen äusserst ähnlich,
Hülsen ebenfalls meist ganz kahl, cylindrisch, aber linkswendig,
beiderseits etwas convex, grösser (10—12 Mm. lang, 6—7 Mm. breit);
Aussennaht wieder breit gekielt, mit Stacheln; diese überragen kaum
oder nicht den Kiel der nächsten Windung, sind niemals eng ange-
presst, sondern stehen etwas ab und sind dick conisch, gerade oder
etwas hakig; die Art? ist also durch Grösse der Hülsen, Länge,
Gestalt und Richtung der Stacheln meist leicht erkennbar; doch
fehlt es nicht an Uebergängen zu tentac. An krautigen Orten und
unter Saaten (Siciliens) hie und da: Am Ufer von Fondachello
(Biv. in Herb. Guss.!), von Catania nach Nicolosi vereinzelt! April,
Mäi 9.
1299. Med. sphaerocarpos Bert. am., Guss. Syn. et Herb.!
Murex y. sphaerocarpa Urb. Willk. Lge. III 385. Kahl oder Stengel
und Blattstiele etwas abstehend flaumig; obere Blättchen fast drei-
eckig, die unteren verkehrteiförmig, gestutzt oder ausgerandet, stark.
nervig und von der Mitte an scharf kleingesägt; Nebenblätter zer-
schnitten; Blüthenstiele 1—3blüthig, länger bis kürzer, als die Blätter;
reife Hülsen grün oder schwärzlich, tonnenförmig, allseitig convex,
mit 6—8 eng aneinander gedrückten Windungen, 8—11 Mm. lang,
6—7 breit; Aussennaht flach, dick, dreikielig mit zwei tiefen und
zwei seichten Furchen. Varürt: «. ovalis Guss. Syn.: Aussennaht
beiderseits mit 1—3 Mm. langen, kaum conischen, ziemlich horizontal
‚abstehenden, geraden oder öfters gekrümmten Dornen; P. inermis
Guss. Syn. Hülsen kaum höckerig dornig. Med. macrocarpa Mor.
unterscheidet sich davon nach Willk. Lge. durch kugelige, grössere
(8—9 Mm. Dchm.) Hülsen mit langen, an der Spitze hakigen Dornen.
Auf Feldern und an Gräben der Ebene des Simeto häufig, auch im
Meersande nahe dem Pulverthurme Catania’s! April, Mai ©.
LU" ae En Zu
27
1300. Med. tuberculata W. sp. pl., Guss. *Syn. et *Herb.!,
Tod. fl. sic. exs. Nr. 1357!, Rchb. D. Fl. 65 I, II!, Willk. Lege.
III 385. Mit den vorigen zwar verwandt durch die eng aneinander
liegenden, cylindrisch-eiförmigen, 5—Ökreisigen, höheren, als breiten
(z. B. 9:7 Mm.) Hülsen, aber leicht unterscheidbar dadurch, dass
die Hülsen an der Basis ganz flach, an der Spitze stark convex und
die Aussennähte hoch gekielt und mit rechtwinklig daran anstossenden,
dieken Höckern von der Höhe des Kieles und der Breite der halben
Aussennaht versehen sind; der Rücken dieser Höcker ist in der Mitte
in eine mehrminder deutliche, kurze Spitze ausgezogen; da auch die
Seitenränder der Aussennaht etwas erhöht sind, so erscheinen die
nicht erhöhten Stellen als tiefe, je nach der grösseren oder geringeren
Zahl der Höcker länglich- oder quer-viereckige Gruben. Variirt mit
in eine ziemlich deutliche Spitze ausgezogenen Höckern = v. spinu-
losa Tod. exs.! — Med. pubescens DC. Cat. An Feldrändern und unter
Saaten Catania’s (Cosent. in Guss. Syn. et Herb.!). April, Mai ©.
71301. Med. elegans Jeq. Guss. ete.! Habituell der M. Helix
nicht unähnlich, ebenfalls ziemlich dicht zottigflaumig mit kleinen,
an der Spitze scharf gezähnelten Blättern; Hülsen ebenfalls flach,
2—3spirig; aber die Blüthenstiele nur zweiblüthig, kürzer als die
Blätter, die Nebenblättchen nur gezähnt, die Hülsen 5—7 Mm. breit,
weisslicherün glänzend mit stumpfer, dieker Aussennaht und zahl-
reichen, radial verlaufenden, gegen die Naht hin verdickten und
etwas anastomosirenden Adern. Variirt mit kahlen (f. genuin«) oder
fein und sparsam drüsigflaumigen Hülsen (v. glandulifera m.). In
Sizilien auf Kalkboden ziemlich häufig, im Gebiete aber noch nicht
beobachtet. April, Mai 9.
71302. Med. apiculata W. Guss.!, Rehb. D. Fl. 67 II! hispida
Grt. aa. mierocarpa a. oligogyra ß. W. Lge. III 386. Kahl oder fast
kahl; Blättchen verkehrt eiförmig, an der Spitze gezähnelt und oft
ausgerandet mit Stachelspitze; Nebenblätter wimperig gezälhnt;
Blüthenstiele kürzer oder so lang, als das Blatt, drei- bis mehr-
blüthig; Hülsen eirca 6 Mm. breit, 2—3 Mm. hoch, beiderseits
ganz flach mit 1'/,—3 sehr erhaben und bogig netznervigen Win-
dungen; Aussennaht stumpf, nervenlos, sehr schmal, beiderseits sehr
kurz höckerig dornig. — Bildet mit den folgenden neun „Arten“ eine
Reihe, die sich auszeichnet durch stumpfe Aussennaht, niemals ver-
wachsene, meist sogar etwas lockere Windungen, fehlende oder beider-
eeits gefurchte Dornen, fast immer auch durch grössere Breite, als
Höhe der Hülsen. — Auf sonnigen, krautigen Hügeln Sieiliens selten,
z. B. um Syracus!, wohl auch im Gebiete. April, Mai ©.
(Fortsetzung folgt.)
Rudolf von Uechtritz f
Rudolf v. Uechtritz, durch lange Jahre ein fleissiger Mit-
arbeiter unseres Blattes, ist am 21. November in Breslau an einer
Gehirnhautentzündung nach dreiwöchentlichem schwerem Leiden ge-
storben.
Rudolf v. Uechtritz wurde am 31. December 1838 in Breslau
geboren, als einziger Sohn des Premierlieutenants a. D. Max v.
Uechtritz, eines um die schlesische Botanik und Entomologie hoch-
verdienten Mannes. Rudolf v. Uechtritz absolvirte in Breslau das
Gymnasium und ging nach abgelegtem Abiturientenexamen Ostern
1357 zum Universitätsstudium über.
Schon als Kind hatte der Vater ihm die Liebe zu den Pflanzen
eingeimpft, die er späterhin allerdings wieder niederdrücken wollte,
weil sie die Gymnasialfortschritte des Sohnes zu hindern schien.
Aber weder Ermahnungen noch sehr derbe handgreifliche Mittel
vermochten den Trieb zu ersticken. Vergebens warf der Vater des
Sohnes Pflanzen ins Feuer, heimlich wurden neue gesammelt und
getrocknet. Nach des Vaters zeitigem Tode trieb Uechtritz dann un-
gestört seine botanischen Studien, als Mentor diente ihm der Regi-
strator Kabath, Verfasser einer sehr guten Flora von Gleiwitz.
Schon als Schüler unternahm Uechtritz grosse botanische
Sammelreisen; 1855 durchstreifte er während der Ferien Mähren
und Böhmen, 1856 die Karpathen und ihr Vorterrain, und die dama-
ligen Jahrgänge der Oesterr. botan. Zeitschrift zeugen von dem
scharfen Blick des beginnenden Forschers, der zahlreiche neue Arten,
z. B. Oxytropis carpatica bereits scharf unterschied. 1858 führte ihn
nach der Schweiz und durch das Vintschgau nach Tirol, von wo er
eine enorme Ausbeute nach Hause brachte.
Es sollte seine letzte grosse Fahrt gewesen sein! Ein heftig
auftretendes Herzleiden verhinderte den officiellen Abschluss seiner
Studien und den Eintritt in eine öffentliche Laufbahn. Um so fleis-
siger aber arbeitete Uechtritz dafür auf privatem Gebiete. Um
sich concentrirte er einen Kreis junger Botaniker — von denen u. A.
heute noch wirken: Professor Dr. Engler — Breslau, Professor
Haussknecht — Weimar, Professor Dr. Sadebeck — Hamburg,
der Garteuinspector B. Stein — Breslau und Heidenreich — Mün-
ster, welche unter seiner Führung systematische Botanik trieben
und Schlesien durchforschten. Bis zu seinem Tode hielt Uechtritz
diesen botanischen Cirkel zusammen; er war der bleibende Mittel-
punkt, um welchen immer neue Mitglieder sich gruppirten. Aus
diesem Kreise ging auch der „schlesische botanische Tauschverein*
hervor, welcher aus kleinen Anfängen ein Weltinstitut wurde, das
heute noch unter Leitung des Herrn Dr. Kugler in Hindelang in
Bayern florirt.
Die botanischen Funde seiner Freunde publieirte Uechtritz,
soweit sie Schlesien betrafen, jährlich in den Verhandlungen der
29
schlesischen Gesellschaft für vaterländische Cultur, meist mit ein-
gehender Besprechung aller kritischen Formen. Für seine sonstigen
Publieationen pflegte er die Oesterr. botan. Zeitschr. als Leiborgan
zu benutzen.
Nächst dem Studium schlesischer und deutscher Pflanzen-
formen waren es besonders Örientalen und Spanier, welche ihn
interessirten. Erstere erhielt er in Mengen durch v. Janka, Pan£it,
Sintenis und Anderen, letztere vorzüglich durch Moritz Winkler
und R. Fritze, welche Spanien und Portugal gemeinsam durch-
zogen.
E In der eingehendsten Weise beschäftigte sich Uechtritz mit
der Gattung Zleracium, als deren massgebendster Kenner (aller-
dings nicht vom Nägeli’schen Standpunkte) er in den letzten Jahren
galt. Die ungemein reichhaltige Formenzahl der Hieracien des
schlesischen Riesengebirges ist durch Uechtritz fast vollkommen
erschlossen worden.
Seine reichhaltigen Vorarbeiten zu einer Flora Schlesiens stellte
Uechtritz in liberalster Weise dem Herrn Apotheker Fick in
Hirschberg zu dessen Flora von Schlesien zur Verfügung. Er arbei-
tete mit Fick gemeinsam fast jede schwierige Gattung durch, so
dass das Fick’sche Werk ganz in Uechtritz’ Geist gehalten ist.
Auch sonst war Uechtritz immer bereit seine Zeit und seine
Arbeitskraft jedem botanischen Freunde in uneigennützigster Weise
zu widmen, mündlich und schriftlich war er in ausgiebigster Weise
Helfer und Berather, sich dabei herzlichst und in neidloser Weise
der Erfolge freuend, welche Andere durch seine Arbeit erreichten.
Es hat kaum jemals in dieser Hinsicht einen selbstloseren Charakter
gegeben als es Rudolf v. Uechtritz war. Kindlich reinen Gemüthes
glaubte er von Jedem nur das Beste und wusste immer nur die
Lichtseiten seiner Mitmenschen hervorzuheben.
Sein grosses Herbar, über 1200 mächtige Fascikel, sowie seine
Bibliothek und den literarischen Nachlass hatte er schon 1882 der
Universität Breslau überwiesen und in dem eben im Bau begriffenen
botanischen Museum wird das Uechtritz’sche Herbar eine dauernde
Stätte finden. Durch seinen regen Tauschverkehr mit fast allen
botanischen Koryphäen Europa’s und Nordamerika’s hat er sein
Herbar zu einem Sammelschatze von Originalen fast aller Autoren
seiner Zeit gemacht.
An Uechtritz’ Grabe trauert eine 73jährige Mutter, welcher
der einzige, so früh geschiedene Sohn ihr Alles war, dem sie mit
treuer Mutterliebe seine jahrelangen Leiden zu erleichtern suchte
und an seinen Arbeiten innigen Antheil nahm. Möge das Bewusst-
sein, wie zahlreiche Freunde ihren Verlust betrauern, ihr den eige-
nen Schmerz erleichtern. B. Stein,
30
Literaturberichte.
Bibliotheca botanica. Abkandlungen aus dem Gesammtgebiete der Botanik.
Herausgegeben von Dr. O. Uhlworm und Dr. F. Haenlein. Cassel.
(Theodor Fischer) 1886. — Heft Nr. 4. Dr. Heinrich Schenck: Verglei-
chende Anatomie der submersen Gewächse. 4°. 67 pp. mit zehn
Tafeln. 32 Mk. — Heft Nr. 2. Dr. W. Zopf: Botanische Untersu-
chungen über die Gerbstoff- und Anthocyan-Behälter der Fu-
mariaceen. 4°. 40 pp. mit drei color. Doppeltaf. 30 Mk.
Unter dem Titel: „Bibliotheca botanica“ haben die genannten
Herausgeber ein neues, in zwanglosen Quartheften erscheinendes Organ
für wissenschaftliche Botanik gegründet. Bisher wurden in rascher
Aufeinanderfolge drei Hefte ausgegeben, von denen wir die beiden
ersten hiemit anzeigen. Da bereits eine Reihe hervorragender Forscher
— Kny, Frank, Kühn, Leitgeb, Ludwig, Ress, Russow,
Vöchting u. a. — Beiträge in Aussicht gestellt haben, so ist die
Erwartung berechtigt, dass die „Bibliotheca botanica* sich zu einer
Sammlung gediegener Originalarbeiten aus dem Gesammtgebiet der
Botanik gestalten wird. Der Ladenpreis ist allerdings ein ziemlich
hoher, was sich aus der — man kann es ohne Uebertreibung sagen
— prächtigen typographischen Ausstattung im allgemeinen, und den
vielen grossen, zum Theil farbigen Tafeln erklärt. Indess wird die
Acquisition der interessirenden Abhandlungen sei es von Seite der
Privatgelehrten, sei es von jener der botanischen Institute, Gärten,
Museen ete. dadurch erleichtert, dass von der best-renommirten Ver-
lagsbuchhandlung jedes Heft einzeln abgegeben und berechnet wird.
Im ersten Hefte behandelt Schenck: die Anatomie der sub-
mersen Gewächse. Obwohl über die Organisation und Biologie der
Hydrophyten bereits mehrfache Specialuntersuchungen (u. a. auch
eine Arbeit des Verf. ') literarisch verbucht sind, so fehlte es bislang
noch an einer zusammenfassenden Darstellung des Gegenstandes. Die
vorliegende Arbeit bringt nun sowohl von einem gemeinschaftlichen
Gesichtspunkte aus betrachtend, als auch im Besonderen erläuternd,
den anatomischen Bau der submersen Gefässpflanzen zur Anschauung.
Sie charakterisirt die morphologischen Unterschiede der Wasserpflanzen
und Landpflanzen und sucht die festgestellten Differenzen lediglich
auf Grund der beobachteten Thatsachen vom physiologischen und
phylogenetischen Gesichtspunkte aus zu erklären. Da es nieht möglich
ist, die zahlreichen anatomischen Details, welche im Texte angegeben
und durch einhundert sechs und sechzig Figuren auf zehn Quart-
tafeln anschaulich gemacht werden, in einem Referate kurz zu resu-
miren, so beschränken wir uns nur auf die Mittheilung der Capitelüber-
schriften und der Genusnamen der untersuchten Pflanzen. I. Abschnitt.
Die Blattstructur der submersen Gewächse: Gemeinsame äussere Merk-
male der Blätter; Ausbildung des assimilirenden Gewebes; Mangel
der Dorsiventralität im Parenchym; Geringe Zahl der Parenchym-
schichten; Ausbildung und Chlorophyligehalt der Epidermis; Mangel
der Spaltöffnungen: Wasserspalten; Gradwandigkeit der Epidermis-
zellen; Blattleitbündel; Mechanisches System; Mangel von Seeretions-
!) Die Biologie der Wassergewächse. Bonn 1885.
sl
organen; Haarbildungen; Tannintrichome; Specielle Beschreibung der
Blattstrueturen. — II. Abschnitt. Die Stammstructur der submersen
Gewächse: Anordnung der Leitbündel; Mangel des secundären Dicken-
wachsthums; Ausbildung der Gewebe. — III. Abschnitt. Die Wurzel-
structur der submersen Gewächse: Ausbildung und Bedeutung des
Wurzelsystems; Wurzelhaare; Rindenparenchym; Schutzscheide; Bau
des axilen Leitbündelstranges; Structuränderung der Wurzeln von
Ufer- und Landpflanzen bei submerser Lebensweise. IV. Literatur-
verzeichniss. — Die näher untersuchten Pflanzen gehören folgenden
Gattungen an: Aldrovandia (1 Art), Alisma (2 Arten), Batrachium (1),
Bulliarda (1), Callitriche (2), Ceratophyllum (1), Cymodocea (1), Ela-
tine (3), Elodea (1), Hippuris (1), Hottonia (1), Hydrilla (1), Iso-
etes (1), Lemna (2), Litorella (1), Myriophyllum (2), Najas (2),
Peplis (1), Potamogeton (9), Ranunculus (3), Utricularia (2), Vallis-
neria (1), Zanichellia (1), Zostera (2).
Im zweiten Hefte behandelt Zopf: die Gerbstoff- und An-
thocyan-Behälter der Fumariaceen. Bei allen untersuchten
Vertretern der genannten Familie (Corydalis cava, pumila, Halleri,
ochroleuca, lutea, Diclytra spectabilis, formosa, Adlumia ceirrhosa,
Fumaria oficinalis, muralis) kommen eigenthümliche, gerbstoffreiche
Idioblasten vor. Sie wurden in den verschiedensten Organen gefunden,
im Wurzelsystem, in den Caulomen, in den Nieder-Laub-Hochblättern
und in allen Blüthentheilen. Sie liegen theils im primären Grund-
gewebsparenchym (primäre Idioblasten), theils in den durch secundären
Dickenzuwachs entstandenen Geweben (secundäre Idioblasten). Verf.
theilt die Morphologie, Entwicklungsgeschichte und das Vorkommen
der Idioblasten bei den Fumariaceen mit. In allen Fällen enthalten
dieselben reichliche Mengen von Gerbsäure, die unter normalen Ver-
hältnissen in gelöstem Zustande vorkommt. Die Gerbstofflösung lässt
entweder jede Pigmentirung vermissen, oder sie enthält einen gelben
Farbstoff, den Verf. als „gelbes Anthocyan“ bezeichnet, oder end-
lich es ist ein rothes Pigment, gewöhnliches rothes Anthocyan vor-
handen. Wie entwicklungsgeschichtliche Beobachtungen und Experi-
- mente lehrten, scheint die Bildung des gelben Anthocyan vom Lichte
unabhängig zu sein, während sich das rothe Anthocyan im Lichte
aus dem gelben bildet. Das Letztere scheint wieder ein farbloses Vor-
stadium zu haben, beziehungsweise aus einem farblosen Chromogen
zu entstehen. Diese Entwicklungsreihe gilt für die Arten der Gattung
Corydalis. Bei anderen Fumariaceen (Fumaria, Dielytra) feblt die
Vorstufe des Anthocyangelb; gleichwohl bildet sich das Anthocyan-
roth aus einem farblosen Chromogen. Da das extrahirte Anthocyan-
gelb durch Säuren roth wird, wobei man alle jene Zwischenfarben
erhalten kann, die bei der natürlichen Umfärbung beobachtet wurden,
so scheint daraus hervorzugehen, dass auch in der lebenden Pflanze
die früher genannte Umwandlung des gelben Anthocyans in das rothe
durch Säuren bewirkt wird. — Ausser Gerbsäure und Farbstoffe können
die Idioblasten noch Chlorophyll und Zucker enthalten. In einem
„Anhang“ werden noch zwei andere Pllanzen: Parnassia palustris
32
und Parietaria diffusa besprochen, bei denen ebenfalls in allen Organen
Gerbstoffidioblasten gefunden wurden, welche näher charakterisirt
werden. Die anatomischen Details sind durch zahlreiche, elegant aus-
geführte Figuren auf drei farbigen Doppeltafeln veranschaulicht.
Burgerstein.
Leunis Dr. J. Synopsis der drei Naturreiche. Botanik von Dr. A, B.
Frank, 3. Band specielle Botanik, Kryptogamen. Hannover; Hahn, 1886.
8°. 675 Seiten mit 176 Holzschnitten, sammt alphab. Register und einem
literarischen Nachweiser (417 Seiten).
Wir haben die ausserordentlichen Vorzüge der Frank’schen
Synopsis schon bei Besprechung des 1. und 2. Bandes anerkennend
hervorgehoben und vorausgesetzt, dass sich auch der 3. Band den ersten
ebenbürtig an die Seite stellen werde. Unsere Muthmassung hat sich
im vollen Masse bewahrheitet. Der 3. Band vorliegenden Werkes,
welcher den viel schwieriger in ein einheitliches Ganze zu bringen-
den Theil der speciellen Botanik, die Kryptogamen enthält, bietet
einen glänzenden Abschluss des ganzen Werkes. Mit besonderem
Geschicke gelang es dem Verfasser, den Zweck dieses Bandes, ein
Bestimmungsbuch für alle Kryptogamen zu sein, zur Geltung zu
bringen, den Stoff übersichtlich zu eruppiren und durch zahlreiche
analytische Tabellen seiner Absicht Vorschub zu leisten. Es ist auf
diese Art ein überaus werthvolles Compendium der Syste-
matik der Kryptogamen entstanden, welchesin derartigem
Umfange und in so übersichtlicher Form noch niemals
geboten wurde.
J. & E. Dana, the American Journal of science. Vol. XXXIL nr. 18%
(April) — 189 (September). New Haven Conn.: J. et E. Dana 1886. 8°.
Seite 241— 246.
Die vorliegenden Nummern dieser zahlreiche höchst werth-
volle geologische und petrographische Abhandlungen enthaltenden
Zeitschrift bieten nur wenig Botanisches. Ausser zahlreichen Refe-
raten aus der kundigen Hand Asa Gray’s, welche den hervorra-
gendsten Erscheinungen der botanischen Literatur gewidmet sind,
findet sich nur ein aus gleicher Quelle stammender Nekrolog auf
Edw. Tuckermann und von Lester F. Ward ein Aufsatz über
die Bestimmung von fossilen Dikotyledonenblättern. B;
Ueber den Ursprung der Ackerunkräuter und der Ruderalflora Deutsch-
lands. I. Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doctorwürde von
Franz Hellwig aus Danzig. 8° VI. 39 Seiten. Leipzig. Wilhelm Engel-
mann. 1886.
Von demselben. II. Specieller Theil über den Ursprung der Ackerun-
kräuter und der Ruderalfiora Deutschlands. rn Abdruck aus
Engler, Botanische Jahrbücher VII. Band, 5. Heft 1886. Leipzig.
Wilhelm Engelmann.
Nach einigen einleitenden Worten über die Begrenzung des
Gebietes und die Theilung desselben durch das Elbgebiet in eine
Ost- und Westhälfte bespricht der Verfasser die Entstehung der
jetzigen Flora, von welcher der bei weitem grösste Theil als einge-
wandert zu betrachten ist. Weiters werden von jenen Arten, die das
Heimathsrecht schon seit Jahrtausenden erlangt haben, also einhei-
39
misch sind, jene Pflanzen gesondert, welche erst durch Vermittlung
des Menschen in das Gebiet gelangten und demnach die gesammte
Flora in eine Flora indigena und eine Flora advena getheilt, wovon
letztere wieder in Culturpflanzen, Ackerunkräuter, Ruderalpflanzen,
in historischer Zeit eingewanderte und aus Gärten verwilderte Pflanzen
zerfällt. Je ein tabellarisches Verzeichniss der vier letzten Gruppen
umfasst die dazu gehörigen Pflanzen mit der Angabe der Verbreitung
im Gebiete, der Heimath und auf welchem Wege die Pflanze in das
Gebiet gelangte. — Im II. Theil werden sämmtliche Ackerunkräuter
und Ruderalpflanzen Deutschlands aufgeführt mit Berücksichtigung
der geographischen Verbreitung im Allgemeinen, wie auch der Angabe
aus welchem Lande, auf welche Weise und zu welcher Zeit die Ein-
schleppung der nicht einheimischen Arten vor sich ging. Die Aus-
führungen des Verfassers sind unter Benützung der bisher erschienenen
einschlägigen Literatur gewissenhaft zusammengestellt und geben
uns ein möglichst vollständiges Bild der Ackerunkräuter und der
Ruderalflora Deutschlands. J.
Dr. J. Pan£ic. Eine neue Conifere in den östlichen Alpen.
Es ist diess die vom Autor im J. 1875 in Serbien entdeckte
Pinus Omorika Pantit, welche er bereits in einem zu Belgrad 1876
herausgegebenen Aufsatze ausführlich beschrieben hat. Da die Frage,
inwieferne der genannten Conifere das Artenrecht zuzuschreiben sei,
noch nicht endgiltig gelöst ist, und der Autor zur Kenntniss ge-
langte, dass dieselbe Baumart, eventuell eine ihr sehr ähnliche, in
neuester Zeit auch in anderen Florengebieten beobachtet wurde,
hielt er sich für verpflichtet, seine obenerwähnte Publication aber-
mals in Druck legen und in botanischen Kreisen verbreiten zu lassen.
Um daher den Intentionen des geehrten Forschers zu entsprechen,
und zur Klarstellung des systematischen Werthes der in Rede ste-
henden Pinus Anhaltspunkte zu bieten, lassen wir hier aus obigem
Werke das Wesentlichste folgen; Pinus Omorika, arbor excelsa,
coma anguste pyramidali, ramis brevibus, subvertieillatis, superiori-
bus erectis, mediis horizontaliter patentibus ae inferioribus pendulis
cum apicibus arcuatim adscendentibus, ramulis hirsutis, foliis soli-
tariis, rectis aut incurvis, planiusculis, nervo utrinque prominulo
obsolete tetragonis, apice acuminatis, acutis aut obtusis, cum apiculo
cartilagineo, superiore pagina eximie glaueis, strobilis sat parvis
oblongis, in ramulis variae longitudinis erectis, horizontaliter paten-
tibus aut pendulis, squammis a basi cuneata subrotundis, dorso sub
apice striatis, margine eroso dentieulatis, bracteis obovato cuneatis,
apice denticulatis, sua squamma multo brevioribus, nuculis parvis,
obovatis, ala obovato-cuneata, subobliqua, margine subintegra triplo
brevioribus. Habitat in montosis asperis Serbiae meridionali-oceiduae:
al Zaovina, ubi rara, eopiosior ad Crvena Stena supra Rastiste et m.
Janjac supra Stula, ab indigenis indieata in vieiniae Bosniae m. Semete
supra Visegrad. (Nach einer dem Aufsatze als Anhang beigefügten
Notiz kommt die Pinus Omorika auch in Montenegro vor.) Als nächste
Oesterr, botan. Zeitschrift. 1, Heft 1897, 3
34
Verwandte dieser serbischen Fichte gilt Pinus Orientalis L. Als
wesentlichste Differential-Merkmale der Ersteren werden hervorge-
hoben: der höhere Wuchs und die in Folge der kurzen Aeste
schlankere Krone, die flachen ausnahmsweise auf der Oberseite grau
gefärbten Nadeln, die kleineren Zapfen, die gezähnelten Schuppen
und die kleinen Nüsschen. Moritz Prihoda.
Anales de la Sociedad Espanola de Historia Natural. Madrid 1886.
Als einziger Artikel botanischen Inhaltes ist in diesem Jahr-
sang enthalten: Perez Lara. „Florula Gaditana seu recensio celer
omnium plantarum in provincia Gaditana hucusque notarum.“ Obwohl
über die Vegetations-Verhältnisse der Provinz Cadix durch die seit
Tournefort bis in die neueste Zeit (zuletzt durch Willkomm und
Lange) erschienenen Floren der pyrenäischen Halbinsel schon mehr-
fach näheres Licht verbreitet wurde, so stellte sich dennoch — da
die bezüglichen Daten in verschiedenen mehr weniger umfangreichen
Werken zerstreut, oder mit allgemeinen Notizen über die iberische
Flora cumulirt vorkommen, das Bedürfniss einer compendiösen Special-
Flora der erwähnten Provinz heraus. Diesem Bedürfnisse zu ent-
sprechen ist der Zweck obiger Publication, die im gegenwärtigen
Jahreshefte mit einer fachgemäss gehaltenen Einleitung und einer
eingehenden Bearbeitung der Sporophyten (Filices und Equisetaceen)
beginnt und nach dem Vorhandenen zu urtheilen, viel Instructives
zu bringen verspricht. Moritz Prihoda.
Correspondenz.
Wien, 16. December 1886.
Von der, von mir in den Verhandlungen d. k. k. zool.-botan.
Gesellschaft XXXV (1885) pag. 119, extr. pag. 61 besprochenen
Rosa glabrata Vest. wurden im Herbar des k.k. naturhistorischen
Hofmuseums prachtvolle Öriginalexemplare, und zwar im Frucht-
stadium, unter den Inserenda aufgefunden, welche meine Ausführun-
gen vollinhaltlich bestätigen. Ebendaselbst wurden auch die Frucht-
exemplare der Rosa Wulfenii Trattinick aufgefunden, nach welchen
Rosa Wulfenii Trattinik, kugelige bis eiförmig-kugelige Scheinfrüchte
besitzt; daher auch in dieser Hinsicht die von mir a. a. O. pag.
111 et pag. 118 ausgesprochene Ansicht bestätigt erscheint.
Braun.
Innsbruck, am 15. November 1886.
Ein Spaziergang auf die Gufler Schröfen bei Innsbruck (Kalk,
südlicher Abhang im Innthal ea. 1300 M.) am 14. November ergab
folcende blühende Pflanzenarten: Campanula glomerata und pusilla,
Lotus corniculatus, Centaurea Jacea, Chrysanthemum Leucanthe-
mum, Teuerium Chamaedrys, Hippoerepis comosa , Helianthemum
39
vulgare, Origanum vulgare, Geranium Robertianum, Achilles Mille-
folium, Leontodon autumnale, Scabiosa Columbaria, Clinopodium
vulgare, Carduus defloratus, Salvia pratensis (zwerghaft), Anthyllis
Vulneraria, Ranuneulus acer und montanus, Gentiana verna und
ciliata. — Macroglossa stellatarum fliegt noch ganz lustig umher. —
Meinem Verzeichnisse blühender Pflanzen vom 1. d.M. wären noch
beizufügen: Colchicum autumnale, Caltha palustris und Gentiana
acaulis (Höttinger Alpe). Dr. Dalla Torre.
Mariaschein, am 17. November 1886.
Eine schöne Entdeckung wurde heuer in Schweden gemacht,
indem Herr Lector L. M. Neumann (Sundsvall) Viola alba Besser,
nebst deren Bastart V. Badensis Wiesb, (V. hirta x alba), und V.
multicaulis Jord. (V. alba X odorata Wiesb.) daselbst fand. Exem-
plare der V. alba, die ich zur Ansicht erhielt, stimmen gut überein
mit den niederösterreichischen, die ich hinwiederum von galizischen
(com. Blocki) nicht zu unterscheiden vermag.
J. Wiesbaur 8. J.
Lemberg, am 4. December 1886.
Meine Rosa Skofitziana von Lemberg darf aus diesem Grunde
für eine „Varietät“ der R. uncinella Bess. nicht gedeutet werden,
weil diese letztere nach Besser „flores carneos“ besitzt, während bei
ER. Skof. die Blumen weiss sind. Die Zugehörigkeit der R. Skof.
zu R. uneinella Bess. bestreite ich desto entschiedener, da — wie
ich mich in Folge der fleissigsten und durch keine Theorie beeinflussten
Beobachtung der ostgaliz. Rosen in der Natur fest überzeugt habe
— die Blumenfarbe bei Rosen ein sehr constantes Merkmal ist,
- ebenso wie die Gestalt und die Beschaffenheit der Blätter, die Gestalt
' und Grösse der Frucht, die Beschaffenheit der Griffel, die Gestalt
der Stacheln, die Gestalt und Beschaffenheit der Kelchzipfel ete.
Auf Grund dessen wage ich es ganz laut zu betonen, -— obwohl ich
dadurch mit solchen Autoritäten, wie v. Borbäs und H. Braun in
Widerspruch gerathe, — dass die Gattung Rosa (wie auch Achillea,
Festuca, Hieracium etc.) im höchsten Grade constante und streng,
wiewohl durch sehr enge Grenzen geschiedene „Species“ aufweist,
deren Deutung lediglich aus diesen Gründen auf so grosse Schwierig-
keiten stösst, weil: 1. Die Zahl der Arten enorm gross ist, 2. die
meisten Arten sehr kleine geographische Areale bewohnen und 3. — und
diess schlage ich besonders hoch an — die Unterscheidungsmerkmale
der Arten zwischen sehr engen morphologischen Grenzen liegen,
‚welcher Umstand für den Systematiker desto peinlicher wird, da —
wie gesagt — in der Gattung Rosa ein ungemein grosser Formen-
eichthum herrscht. „Auf die Grösse der Unterschiede kommt 038 —
t A. Kerner — überhaupt gar nicht an, sondern vielmehr auf
io Beständigkeit und die Constanz der Unterschiede. Gruppen von
eineren Arten unter den Begriff einer- idealen Art zu bringen,
eht nicht an.“ Br. Blocki.
%
36
Brünn, am 6. December 1886,
Dem rühmlichst bekannten Veilchen-Kenner, Herrn Professor
J. B. Wiesbaur, der die Gowogenheit hatte, meine Veilchen-
Sammlung zu determiniren und zu revidiren und deren weiteres Stu-
dium an frischen Pflanzen ich mir besonders angelegen sein liess,
spreche ich an dieser Stelle meinen tiefgefühlten Dank aus und lasse
im Nachfolgenden einige en Formen folgen. Als neu für die
Flora Mährens führe ich an: Viola montana Flora danica (V. Rupü Al-
lioni) a. genuwina — major Wiesb. Selten, Rybnitky bei Karthaus, Ewa-
nowitz, Cinzendorf. Die Pflanzen von diesen Standorten sind sehr
schön und typisch und stimmen ganz mit den Pflanzen die Prof.
Wiesbaur von Pressburg und Wien an bis fast an den Plattensee
zu beobachten Gelegenheit hatte, überein, während die Pflanzen von
Mariaschein in Böhmen (Mittelgebirge) von diesen abweichend und
sicher keine Y. montan«a Fl. dan. = Y. Rupiü All. sind, mit welcher
die aus der Brünner Gegend gut übereinstimmen. Wiesbaur in
lit. b. minor Wiesb. Wald hinter der Teufelsmühle bei Karthaus,
Hobice bei Surein, Rozdrojowitz. V. dubia Wiesb. Mordovna, Mokrä
hora, Ofreschin, Raine bei Kohoutowitz, Scharditek. V. Merken-
steinensis Wiesb. Rybnitky bei Karthaus, Wa. bei Jundorf. V. silvatica
> arenaria Borky nächst Schimitz, Hädyberg bei Obran, Thal bei
den Ziegelhütten bei Kroman. V. ar ophila Wiesb. Wald hinter Karthaus.
V. canina X silvatica Kvetnice bei Tischnowitz. — Bemerkenswerth
ist ferner das Vorkommen der V. cyanea Üelak. Um Brünn:
im Augarten, hinter dem Friedhofe nächst des Exercirplatzes, im
Schreibwalde nächst der Steinmühle (letztere mit Vorbehalt des
Studiums an lebenden Pflanzen, ob nicht zur V. austriaca Kern.
gehörig), bei Gr. Pawlitz und Kl. Uhrau, der V. stagnina Kit. auf,
der Holedrä bei Jundorf und der V. pumila Chaix. bei Kl. Hostihrä-
dek, Lundenburg und Altenmarkt, V. wrenaria DC. var. rupestris
Schluchten bei Malomieritz, Hädyberg und Hügeln bei Obran, var.
violacea Borky und Hügel bei Schimitz ete. var. lilacina Set. Anton
mit der Vorigen. Im Ganzen zehn interessante Novitäten, mit
Einschluss der Varietäten für die Flora Mährens.
Dr. Formänek.
Personalnotizen.
— Dr. Albert Wigand’s Biographie, verfasst von Dr. Den-
nert, brachte die „Flora“ in Nr. 34 des vorigen Jahres, und einen
Nekrolos, geschrieben von Dr. F.G. Kohl, das „Botanische Central-
blatt* 1886. Nr. 50.
— Franz Maly, Hofgarten-Inspector in Wien, wurde von der
Royal Hortieultural Society in London zum corr. Mitgliede ernannt.
”
ne a u
37
— Dr. M. Büsgen hat sich an der Universität Jena für Bo-
tanik habilitirt.
— Dr. Friedrich Oltmanns hat sich an der Universität
Rostock für Botanik habilitirt.
— Ed. Lamy de la Chapelle ist am 23. September v. J.
in Limoges gestorben.
Vereine, Anstalten, Unternehmungen.
— In einer Sitzung der kais. Akademie der Wissen-
schaften in Wien, am 21. October 1886 übersandte Prof. A.
Weiss eine Arbeit des Assistenten des k. k. pflanzenphysiologischen
Institutes der deutschen Universität in Prag Herım F. Reinitzer:
„Ueber Hydrocarotin und Carotin“. In derselben wird gezeigt,
dass das Hydrocarotin nicht identisch ist mit Phytosterin, wie diess
jüngst Arnaud angegeben hat, sondern sich in seinen Eigenschaften
am meisten dem Cholestol oder Cupreol nähert, ohne aber mit einem
der bisher bekannten Cholesterine völlig identisch zu sein. Weiters wird
angegeben, dass das Tribromhydrocarotin sich zwar nicht so, wie es
seinerzeit Husemann meinte, in Carotin überführen lässt, aber
wahrscheinlich dennoch Carotin und Hydrocarotin zu einander, so wie
auch zum Chlorophyllfarbstoff in näherer Beziehung stehen, und dass
das Solanorubin Millardet’s mit Carotin identisch ist. Endlich wird
als sehr wahrscheinlich hingestellt, dass die Cholesterine nicht so,
wie es bisher angenommen wird, mit einander isomer sind, sondern
zwei homologe Reihen bilden, deren eine die rechtsdrehenden, deren
andere die linksdrehenden Cholesterine in sich begreift.
— Monats-Versammlung der k.k. zoologisch-botanischen
Gesellschaft in Wien am 1. December 1886. Die Besprechungen
botanischer Gegenstände leitete der Vereins-Secretär, Herr Dr. R. v.
Wettstein, mit der Bekanntmachung ein, dass die bisher probeweise
abgehaltenen Discussions-Abende (zumZwecke der Erzielung eines
regeren botanischen Verkehres der Gesellschafts-Mitglieder) nunmehr
definitiv eingeführt und an Freitagen (6 Uhr Abends) im Vereins-
locale stattfinden werden. — Hierauf sprach Herr Dr. Günther Beck
über die Bildung von Hormogonien bei Rivularien, und erweiterte
das diessfalls von De Bary Bekanntgemachte durch seine eigenen
Beobachtungen an Glocotrichia. — Herr Dr. H. Molisch wusste
das Interesse der Anwesenden durch die Demonstration einer seiner
neuen Entdeckungen zu fesseln, nämlich eines zu Untersuchungen
über den Hydrotropismus der Pflanzenwurzeln dienenden Apparates,
wobei er auf das Charakteristische des gedachten physiologischen
Phänomens näher einging. — Herr Dr. M. Kronfeld erklärte an
einem Rhizom von Nuphar luteum, von ungewöhnlicher Grösse, den
eigenthümlichen morphologischen Bau, . welchen die Rhizome dieser
Pflanzenart wahrnehmen lassen. — Zum Schlusse berichtete Herr
38
Dr. R. v. Wettstein über mehrere von ihm entdeckte Pilze,
von denen die nachbenannten zwei besonders hervorgehoben zu wer-
den verdienen, nämlich ein in morphologischer Hinsicht höchst in-
teressantor Irpex (I. anomalus) und eine neue Sclerotina (8. Ker-
neri), die der Vortragende als die Ursache einer bei Tannen vor-
kommenden teratologischen Entartung bezeichnete. M. Prihoda.
— Preisaufgaben. Der Redaction der Botan. Jahrbücher
stehen 1000 Mark zur Honorirung von Preisarbeiten, welche in den
Botanischen Jahrbüchern gedruckt werden sollen, zur Verfügung.
Um einzelne Botaniker zu grösserer Vertiefung in die Aufgaben der
Systematik und Pflanzengeographie zu veranlassen, sind folgende
Preise ausgesetzt worden. I. Ein Preis von M. 400 für eine Mono-
graphie der Gattung Aanunculus. Die Redaction wünscht eine ver-
gleichende, jedoch nicht zu breite Darstellung der morphologischen
Verhältnisse, sodann eine eingehende Besprechung der Beziehungen
zwischen den einzelnen Gruppen der Gattung zu einander, eine aus-
führliche Begründung der systematischen Eintheilung und eine genaue
Darstellung der geographischen Verbreitung als ersten Theil der
Arbeit, in deutscher Sprache. Der zweite Theil soll eine möglichst
präcise Charakteristik der Arten, Unterarten, Varietäten und Formen
in lateinischer Sprache enthalten. Die dazu gehörenden Erläuterun-
gen und die Angaben über geographische Verbreitung, welche nach
natürlichen, nicht nach politischen Gebieten geordnet sein müssen,
sollen in deutscher Sprache geschrieben sein. Gewünscht wird auch
eine möglichst vollständige, bildliche Darstellung der Früchte aller
Arten, welche bei dieser Gattung leicht auf 2—3 Tafeln zu geben
ist. — II. Ein Preis von M. 300 für eine Monographie der Gattung
Draba. Für diese Arbeit gelten dieselben Anforderungen wie für die
erste. — III. Ein Preis von M. 300 für eine kritische Revision der
fossilen Formen von Quercus. Bei dieser Arbeit wird es sich zunächst
um ein eingehendes Studium der Blattformen und der Nervatur bei
den in der Gegenwart vertretenen Gruppen von Quercus, sowie bei
den verwandten Gattungen handeln. Sodann soll entschieden werden,
in wie weit sich mit Sicherheit die bis jetzt als Quercus beschrie-
benen Reste als zu dieser Gattung gehörig, erweisen und in wie weit
auch eine Bestimmung der Section, welcher sie zugehören, möglich
ist. Wenn sich nach dieser Richtung hin zuverlässige Resultate er-
geben, wird es sich empfehlen, die Verbreitung der fossilen Quercus
in Verbindung mit den jetzt lebenden Formen zu behandeln; es wird
sich hierbei mehr um die Typen oder Sippen, als um die einzelnen
Arten handeln. — Abhandlungen, welche eines dieser Themata be-
handeln, sind bis 1. October 1888 an den Unterzeichneten einzulie-
fern. Derselbe behält sich vor, zur Beurtheilung andere sachver-
ständige Botaniker heranzuziehen. Erfolgt keine Einlieferung bis zu
dem angegebenen Termin, so wird der Termin der Ablieferung um
ein Jahr verlängert. Der Umfang der Arbeiten darf 10—18 Druck-
bogen im Format der Botan. Jahrbücher erreichen. Die Arbeiten,
welchen der Preis zuerkannt ist, werden in den Botan. Jahrbüchern
i
39
gedruckt; es wird Sorge getragen, dass jede Monographie im Zusam-
menhang gedruckt wird. Ausser dem ausgesetzten Preis wird kein
weiteres Honorar gezahlt, jedoch erhält der Autor 15 Separatabzüge
gratis. A. Engler.
Botanischer Tauschverein in Wien.
Sendungen sind eingelangt: Von Herım Felsmann mit Pflan-
zen aus Schlesien. — Von Herrn Steininger mit Pflanzen aus
Oberösterreich. — Von Herrn Keller mit Pflanzen aus Nieder-
österreich. — Von Fräulein Boresch mit Pflanzen aus Böhmen.
Sendungen sind abgegangen an die Herren Schirl und Dr.
Pantic.
Vorräthig: (B.) = Böhmen, (Bd.) = Baden, (Br.) = Berlin,
(Cr.) = Croatien, (F.) — Frankreich, (G.) — Galizien, (T.) =
Istrien, (Kr) = Kraın, (M.) = Mähren, (Mk.) = Mecklenburg,
(NOe.) — Niederösterreich, (OOe.) — Oberösterreich, (P.) = Polen,
(Pm.) = Pommern, (Pz.) = Pinzgau, (R.) = Rügen, (Sb.) = Sieben-
bürgen, (Sl.) = Schlesien, (St.) —= Steiermark, (Sz.) = Schweiz,
(Th.) = Thüringen, (U.) —= Ungarn, (W.) = Westfalen.
Holosteum umbellatum (S1., U.), Homogyne alpina (OOe., St.),
discolor (O0e.), silvestris (Kr., St.), Hordeum secalinum (Th.), Zeo-
criton (B., U.), Horminum pyrenaicum (Pz.), Hottonia palustris
(O0e., Pm., W.), Hutchinsia alpina (NOe., OOe.), petraea (NOe.),
Hyaeinthella leucophaea (Sb.), Hyosciamus niger (B., NOe., P.), Hy-
perieum elodes (W.), hirsutum (Th., U.), perforatum (OOe., P.), te-
trapterum (B.), umbellatum (Sb.), veronense (S1.), Hypochoeris glabra
.), radicata (P.), Hyssopus oficinalis (NOe.), Jasione montana
U.), perennis (Bd., Elsass), Iberis Villarsü (F.), Iecebrum vertieil-
latum (Sl., W.), Impatiens parviflora (Br., O0e.), Inula britanica
(B., U.), Conyza (B.), ensifolia (Cr., U.), graveolens (I.), Helenium
(M.), hirta (Cr., U.), Oculus Christi (NOe.), salieina (U.), salieina
ensifolia (G.), squarrosa (Cr.), Jris arenaria (U.), graminea (M.,
Sb., U.), Pseudacorus (M., OOe.), pumila (NOe.), sibiriea (Br., O0e.),
uria (F.), Isatis tinctoria (NOe., St., T.), Isnardia palustris (Bd.,
.), Jsopyrum thalictroides (M., NOe., U.), Juncus alpinus (P„P%.);
arnassensis (}.), balticus (R.), bufonius (B., NOe., St.), buf. f. ew-
altata (U.), capitatus (P., W.), compressus (B., T., U.), ‚iliformis
B., Pz., Sl.), Gerardi (Mk., U.), glaueus (Br., P.), Hostii (Kärnten,
2.), lamprocarpus (B.), maritimus (R.), obtusijlorus (Br.), panicu-
latus (Cr.), sphaerocarpus (NOe., U.), squarrosus (O0e., Vogesen),
Er (B., P.), Tenageia (Br., Mk.), tenuwis zz uliginosus
(Mk.), Juniperus macrocarpa (1.), Sabina (Pz., 8z.), Kernera sawa-
tilis (OOe.), Kochia arenaria (M., NOe., U.), sedoides (U Kosleria
eristata (Br., NOe.), glauca (Br.), Lactuea muralis (P., O0e.), Sca-
riola (B., P.), Lagurus ovatus (St.), Lamium album (B., NOe.), aum-
40
plewicaule (B., S1.), incisum (Pm.), Orvala (Kr.), purpureum (S1.),
Lappa macerosperma (G.), major (S1.), minor (S1.), Laris euro-
paea (St.).
Obige Arten können nach beliebiger Auswahl im Tausche
oder käuflich die Centurie zu 6 fl. (12 R. Mark) abgegeben werden.
Inserate.
Einladung zur Pränumeration
auf den XXXVII. Jahrgang (1887)
der
Desterreichischen
Botanischen Zeitschrift.
(Oesterr. botan. Wochenblatt.)
Auf die „Oesterreichische botanische Zeitschrift“, welche von dem
hohen k.k. österreichischen und dem hohen k. ungarischen
Ministerium für Cultus und Unterricht den Mittelschulen
empfohlen wurde, pränumerirt man mit 8 fl. österr. W. (16 R. Mark)
auf den ganzen Jahrgang oder mit 4 fl. österr. W. (8 R. Mark) auf
einen Semester und zwar auf Exemplare, die frei durch die Post
bezogen werden sollen, nur bei der Redaction: Wien, IV. Mühl-
gasse Nr. 1.
Alle Buchhandlungen des In- und Auslandes nehmen ebenfalls
Pränumerationen an. Die Versendung an die Buchhandlungen hat die
Verlagshandlung C. Gerold’s Sohn in Wien übernommen.
Von den bereits erschienenen Jahrgängen können noch voll-
ständige Exemplare gegen nachfolgende Preise bezogen werden:
2. und 3. Jahrgang zu 1 fl. (2R. Mark) — 9. bis 22. Jahrgang zu
2 fl. (AR. Mark) — 23. bis 35. Jahrgang zu 5 fl. (10 R. Mark) —
36. Jahrgang 8 fl. (16 R. Mark). Bei Abnahme sämmtlicher Jahrgänge
von der Redaction, 20 Procent Nachlass.
Einzelne Hefte können nur vom laufenden und letztvergange-
nen Jahrgange abgegeben werden.
Von den bisher erschienenen 34 Porträts der „Gallerie öster-
reichischer Botaniker“ können einzelne Exemplare ä 50 kr. (1 R.-Mark)
abgegeben werden.
Skofitz.
(IV. Mühlgasse Nr. 1.)
Redacteur und Herausgeber Dr. Alexander Skofitz. - Verlag von ©. Gerold’s Sohn.
C. Ueberreuter'sche Buchdruckerei (M. Salzer) in Wien.
Oesterreichische
Botanische Zeitschrift.
Die österreichische
botanische Zeitschrift
erscheint
den Ersten jeden Monats.
Man pränumerirtauf selbe
mit 8 fl. öst. W.
(16 R. Mark)
ganzjährig, oder mit
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halbjährig.
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die ganze Petitzeile
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Organ
für
Botanik und Botaniker.
Exemplare
die frei durch die Post be-
zogen werden sollen, sind
blos bei der Redaetion
(IV. Bez., Mühlgasse Nr. 1)
zu pränumenren.
Im Wege des
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Pränumeration
C. Gerold’s Sohn
in Wien,
sowie alle übrigen
Buchhandlungen.
XXXVII Jahrgang. WIEN. Februar 1887.
INHALT: Zur Frage „vom grünfaulen Holze“. Von Zukal. — Alyssum perdurans. Von Ulle-
pitsch.— Ursachen der Haarbildung. Von Krasan. — Rhamni Hungariae. Von Dr. Borbäs. —
Bergalgenflora Böhmens. Von Dr. Hansgirg. — Teratologisches. Von Dr. Formänek. — Zur
Flora von Pondichery. Von Heimerl. — Flöra des Etna. Von Strobl]. —- Literaturberichte. —
Correspondenz. Von Woloszezak, Formänek, Blocki, Borbäs, Ullepitsch, Jenssen-
Tusch. — Personalnotizen. — Vereine, Anstalten, Unternehmungen. — Botanischer Tauschverein.
— Inserate.
Zur Frage „vom grünfaulen Holze“,
Von Hugo Zukal.
In feuchten Wäldern trifft man nicht selten faule Stöcke, deren
Holz auf weite Strecken hin grün gefärbt. ist.
Besonders häufig zeigen diese Erscheinung die herabgeworfenen
Aeste von Buchen, Eichen und Birken.
Der Erste, welcher diese Grünfäule des Holzes etwas näher
untersuchte, war der deutsche Botaniker Gümbel. (Siehe „Flora“
1858, p. 113). Er ging dabei von der Vermuthung aus, dass die
Grünfärbung und Fäulniss des Holzes von einem Pilz verursacht
werde. Allein er konnte trotz der grössten Sorgfalt in dem ihm zu
Gebote stehenden Material kein Mycel entdecken. Dafür untersuchte
er den Farbstoff chemisch und kam zu dem Resultat: „dass die grüne
Färbung der faulenden Hölzer von einem eigenthümlichen, den Humus-
substanzen analogen saurem Stoffe herrühre*, für welchen er den
Namen Joxylinsäure in Vorschlag bringt. In demselben Jahre, näm-
lich 1858, erörtert auch Bley die chemische Seite der Grünfäule
des Holzes, ohne indessen etwas wesentlich Neues zu bringen.
(Siehe Bley, Archiv der Pharmacie 1858).
1863 publieirt M. Fordos in den Comptes Rendus Acad.
d. Sc. Paris Tom 57. p. 51 eine mit grossen Mitteln durchgeführte
Arbeit über dieselbe Frage, erwähnt aber seine Vorgänger Gümbel
und Bley nicht, doch fand auch or, dass der Farbstoff des grünfaulen
Holzes sich wie eine Pflanzensäure verhalte, und nennt ihn deshalb
Acidum xylochlorieum.
Oesterr. botan. Zeitschrift. 2, Haft 1897. 4
42
Er entdeckte ferner die wichtige Thatsache, dass sich der
genannte Farbstoff mit Chloroform leicht aus dem Holz extrahi-
ren lässt. :
Im Uebrigen ist Fordos der Ansicht, dass das Acidum xylo-
chloricum ein direetes Produkt der Verwesung des Holzes sei und
sich nicht auf Pilze zurückführen lasse.
Zwei Jahre später bestätigt Rommier Fordos’ Angaben und
erweitert dieselben, indem er in dem grünfaulen Holze ausser dem
Fordos’schen Farbstoffe noch eine zweite blaugrüne Materie, das
Xylindäin nachweist, welche sich in vielen Eigenschaften, namentlich
in ihren Löslichkeitsverhältnissen, wesentlich von dem Acidum xylo-
chloricum Ford. unterscheidet. (Siehe Compt. Rend. Acad. d. Sc.
Paris 1868 T. 66 p. 108. Rommier. Sur une nouvelle matiere colo-
rante appelee Xylindeine et extraite de certains bois mort.) Die
Frage, ob die Farbstoffe des grünfaulen Holzes von einem Pilze
herrühren oder nicht, überlässt er den Botanikern, doch fügt er hinzu,
dass im Innern des Holzes häufig grüne, rosenkranzförmig aneinan-
dergereihte Kügelchen gefunden werden, welche sich im Chloroform
lösen und die möglicher Weise einem Pilz angehören.
Neun Jahre nach der eben erwähnten Arbeit also 1877 fand
Prillieux ebenfalls amorphe blaugrüne Massen im Innern der Zellen
der faulen Hölzer. Doch constatirt er, dass der Farbstoff weitaus in
den meisten Fällen in den Zellwänden und nur ausnahmsweise ins
Innere der Zellen abgelagert wird. Prillieux hat den Farbstoff auch
in optischer Beziehung untersucht und dabei gefunden, dass derselbe
sehr schwach in einem braungelben Farbenton fluorescire. Ferner
constatirt er, dass das Ahsorptionsspectrum des Farbstoffes (in der
Chloroformlösung) zwei Absorptionsstreifen in Roth und Orange zeige,
im Uebrigen aber von dem Absorptionsspeetrum des Chlorophyll
bedeutend differire.
In Bezug auf die Entstehung des Farbstoffes theilt er die An-
sichten seiner Vorgänger Gümbel, Bley und Fordos.
(Siehe Prillieux. Bull. Soc. Bot. d. France. T. 24. 1877).
Wenn Prillieux zu dem Schluss kommt, dass der Farbstoff
des grünfaulen Holzes nicht von einem Pilze herrühren könne, so
vertritt Cornu auf Grund seiner eigenen Untersuchungen und der-
jenigen Tulasne’s den über Chlorosplenium aeruginosum D. Not.
entgegengesetzten Standpunkt.
(Siehe Cornu Bull. Soc. Bot. d. France 1877 und Tulasne.
Carp. III p. 188).
Doch muss er allerdings zugeben, dass häufig grünfaules Holz
vorkommt, in dem auf weite Strecken hin keine Spur eines gefärbten
oder ungefärbten Mycels aufgefunden werden kann. Cornu erklärt
aber diese Thatsache mit der Annahme, dass das Mycel der Peziza
aeruginosa (Ohlorosplenium aeruginosum) sehr vergänglich sei, vor
dem Verschwinden indess das Holz dauernd grün färbe.
In neuester Zeit gibt de Bary aufp. 15 seiner „Vergleichenden
Morphologie und Biologie der Pilze“ eine lichtvolle Darstellung der
43
ganzen Streitfrage, ohne sich zu Gunsten der einen oder anderen
Ansicht auszusprechen.
Aus dieser dürftigen Skizze erhellt, dass sich gegenwärtig in
Bezug auf die Frage über die Grünfäule des Holzes zwei vollkommen
gleichberechtigte Ansichten gegenüberstehen.
Nach der einen Anschauung ist der Farbstoff ein Produkt der
Holzzersetzung und die Peziza aeruginosa ist ursprünglich rein weiss.
Da sie aber ausschliesslich auf dem grünfaulen Holz vegetirt, so
nimmt sie den Farbstoff aus ihrem Substrate auf und erlangt nach
und nach ihre charakteristische Färbung.
Nach der andern Ansicht hingegen gehört der Farbstoff der
Peziza aeruginosa ursprünglich eigenthümlich an und diffundirt nur
nach dem Zugrundegehen ihres sehr ephemeren Mycels in das faule
Holz hinüber, um es dauernd grün zu färben.
Die folgende Mittheilung bezweckt durchaus nicht die Beendi-
gung der ganzen Discussion; sie will nur ein kleines Gewichtchen
auf die eine Wagschale werfen, wodurch dann allerdings das Gleich-
gewicht zu Gunsten der zuletzt erwähnten Anschauung gestört
werden dürfte.
Im heurigen Frühling trat an den Böschungen waldiger Hohl-
wege in der Umgebung von Wien (z. B. auf dem steilen Wege vom
Dornbacher Park zum Hameau) eine winzige, grüne Peziza auf, die
sich bei näherer Untersuchung als Pseudopeziza Jungermanniae Fuck.
Symb. p. 291 — Peziza Jungermanniae Nees System II p. 144
erwies. Die 05 — 3 Mm. messenden Scheibchen sassen gewöhnlich
auf der Jungermannia bicuspidata aber auch vereinzelt auf der
blossen Erde.
Sie erschienen dem unbewaffneten Auge dunkelgrün, unter dem
Mikroskop jedoch prachtvoll blaugrün.
Besonders intensiv war die Färbung an der Aussenseite der
Schüsselchen, wo die Paraphysen, dicht aneinander gedrängt, eine
Art von Hautschicht bilden und an dem basalen Hyphengeflecht.
Die Schläuche sind an der Basis weniger stark gefärbt als
oben. Am schwächsten tingirt erscheinen die reifen Sporen.
Schwierig ist die Frage zu beantworten, wo eigentlich der
Farbstoff haftet, ob an der Membran oder dem Protoplasma oder
dem Zellsaft oder eventuell an allen diesen Zelltheilen.
Deutlich ist nur die Zellwand gefärbt. Man kann indessen in
jungen Schläuchen, in denen eben erst die Sporen angelegt werden,
‚sehen, dass die Tronnungslinien zwischen den einzelnen Protoplas-
maportionen (den zukünftigen Sporen) bedeutend dunkler grün gefärbt
sind, als die übrige Plasmamasse. Aus dieser Beobachtung, sowie
‚aus der directen Anschauung von Quetschpräparaten folgt, dass auch
‚der Inhalt gefärbt sein muss. Doch kann man selbst mit der besten
Öelimmersion nicht erkennen, ob nur das Protoplasma „oder ob der
| 4
)
2
44
wässerige Zellinhalt, oder ob beide gefärbt sind. Sicher ist, dass der
Farbstoff vollkommen aufgelöst und nicht in der Form von Körn-
chen oder Bläschen auftritt.
Da die Färbung der Pseudopeziza Jungermanniae lebhaft an
die der Peziza aeruginosa erinnerte, so beschloss ich beide näher zu
untersuchen und mit einander zu vergleichen.
Ausser diesen beiden Pilzen wurde auch noch das Geoglossum
viride Pers. in den Kreis der Untersuchung gezogen. Bezüglich des
Untersuchungsmaterials muss bemerkt werden, dass die Peziza aeru-
ginosa und das Geoglossum in Gestalt getrockneter Herbar-Exem-
plare in Verwendung kamen, welche übrigens kaum ein Jahr alt waren.
Die Untersuchung selbst wurde eingeleitet, indem eine Anzahl
von Cylindergläschen signirt und mit den gleich zu erwähnenden
Reagentien so gefüllt wurden, dass immer je drei die gleiche Materie
enthielten.
In Verwendung kamen: Wasser, absoluter Alkohol, Aether,
Schwefelkohlenstoff, Benzin, Chloroform, Salzsäure, Schwefelsäure,
Salpetersäure, Chlorwasser, Aetzkali, Aetznatron, Aetzkalk, Ammoniak,
kohlensaures Kali und Natron, Kalkwasser u. zw. alle im kalten
Zustand. Die Säuren wurden in circa 90°/,tigen, die kaustischen und
kohlensauren Alkalien in nahezu concentrirten Lösungen gebraucht.
Je drei Cylindergläschen enthielten immer die gleiche Materie
und wurden auch mit derselben arabischen Ziffer bezeichnet, und dann
mit je einem Fruchtkörper der Peziza aeruginosa oder der Pseudo-
peziza oder des Geoglossum beschickt.
Von der Pseudopeziza mussten ihrer Kleinheit wegen immer
a Feuchtschüsseln auf einmal in ein Cylindergläschen gebracht
werden.
Die Herbeischaffung so vieler Fruchtkörper der Pseudopeziza
Jungermannia war mit grossen Schwierigkeiten verknüpft und erfor-
derte einen beträchtlichen Aufwand von Zeit und Geduld. Denn die
winzigen Fruchtkörper der Pseudopeziza mussten unter der Lupe
von dem Lebermoose lospräparirt werden, wobei sorgfältig darauf zu
achten war, dass nicht etwa Blatt- und Stengeltheile der Junger-
mannia an den Schüsselchen als fremde Anhängsel haften blieben,
welche dureh ihren Chlorophyligehalt die Reactionen trüben konnten.
Die drei Untersuchungsobjeete wurden acht Tage lang in den
Cylindergläschen belassen und während dieser Zeit wurde die Ein-
wirkung jeder Materie wiederholt geprüft und notirt.
Ausserdem verfertigte ich von jedem der drei Pilze zahlreiche
Dünnschnitte und beobachtete die Reaction der oben angeführten
Materien auf diese Schnitte direct unter dem Mikroskope.
Das Ergebniss der mikroskopischen Untersuchungen deckte sich
jedoch so vollständig mit dem der makroskopischen, dass eine abge-
sonderte Schilderung der ersteren entfallen kann.
Auch verzichte ich auf die detaillirte Beschreibung jeder ein-
zelnen Reaction, weil das etwa anzuführende Detail für das Ender-
gebniss der Untersuchung nahezu irrelevant ist.
45
Dieses Endergebniss aber war bezüglich der Pseudopeziza Jun-
germanniae und der Peziza aeruginosa folgendes:
Der Farbstoff beider Pilze erwies sich als unlöslich in Wasser,
Schwefelkohlenstoff, Benzin und in den oben angeführten Mineral-
säuren; — er war kaum merklich löslich im absoluten Alkohol,
jedoch leicht löslich in Chloroform. Die Alkalien — besonders die
kaustischen bringen eine gelbe bis bräunlich gelbe Umfärbung hervor
und wirken dann auf den umgewandelten Farbstoff mehr oder minder
lösend.
Aus diesem Resume erhellt, dass sich die Farbstoffe beider
Pilze den verschiedensten Materien gegenüber gleich oder nahezu
gleich verhielten.
Dieses Verhalten berechtigt wieder zu dem Schluss, dass diese
beiden Farbstoffe nahe verwandt, wenn nicht identisch sind.
Nicht dasselbe kann von dem Farbstoff des Geoglossum viride
behauptet werden. Wenn sich dieser auch gegenüber den Säuren und
Alkalien ähnlich verhält wie das Acidum xylochloricum der Peziza
aeruginosa oder der Pseudopeziza, so weicht er doch in Bezug auf
die Löslichkeitsverhältnisse von dem eben genannten Farbstoffe weit
ab, denn er löst sich in Chloroform nur äusserst schwierig, dagegen
sehr leicht selbst im verdünnten Alkohol und in Ammoniak.
Doch ist hierzu zu bemerken, dass sich der Farbstoff des
Geoglossum durch Alkohol allein niemals ganz extrahiren lässt.
Behandelt man nämlich die Fruchtkörper des Geoglossum wieder-
holt mit Alkohol, so verlieren sie nach und nach ihre schmutzig
grüne Farbe und werden schön blaugrün. Dieser zurückbleibende
blaugrüne Farbstoff, der sich mit Alkohol nicht mehr extrahiren
lässt, löst sich in Chloroform, wenn auch schwer, Das ganze Ver-
halten des Geoglossum viride macht den Eindruck, als ob in ihm
zwei Farbstoffe vorhanden wären: Ein grünlich gelber, der sich leicht
mit Weingeist ausziehen lässt und ein blaugrüner, der möglicher
Weise mit dem Acidum xylochloricum Fordos identisch ist.
Es dürfte nicht allzu schwer sein, diese und ähnliche Fragen
durch die Untersuchung und Vergleichung der bezüglichen Absorp-
tions-Speetren zu entscheiden. Allerdings setzt eine solche Unter-
suchung eine gewisse Gewandtheit im Gebrauche des Spectroskops
und eine stete Berücksichtigung der optischen Concentration der ver-
wendeten Lösungen voraus.
Da ich selbst die nöthige Schulung für die genannten spectro-
skopischen Arbeiten nicht besitze, so muss ich diesen Theil der
Untersuchung Anderen überlassen.
Durch diese Arbeit glaube ich jedoch wenigstens die Thatsache
sicher gestellt zu haben, dass sich die Farbstoffe der Peziza aeru-
ginosa und der Pseudopeziza Jungermanniae gegenüber den ver-
schiedensten Materien in einer höchst auffallenden Weise gleich oder
ähnlich verhalten.
46
Diese Thatsache unterstützt aber wieder in einer beträchtlichen
Weise die Ansicht jener, welche annehmen, dass der blaugrüne Farb-
stoff ursprünglich der Peziza angehöre und nicht dem faulen Holze.
Wien, am 18. November 1886.
Nachschrift.
Nachdem obiger Artikel bereits abgeschlossen war, erfuhr ich
von einem interessanten Culturversuch, den Herr Dr. v. Wettstein
ausgeführt hat.
Derselbe fand nämlich unter der Rinde eines faulenden Bau-
mes (grüntaulen?) ein grünes Mycel, welches er mit nach Hause
nahm und auf einem weissfaulen Holz cultivirte.
Er erhielt aus diesem Mycel die Fruchtkörper der Peziza aeru-
ginosa in erstaunlicher Menge. Während der Entwickelung der
Peziza färbte sich aber auch das Substrat, das weissfaule
Holz, zonenartig grün.
Durch diesen Versuch wurde festgestellt, dass der grüne Farb-
stoff aus dem Mycel in ein ungefärbtes, verrottetes Holz überzutreten
im Stande ist.
Da mir dieser Culturversuch in Bezug auf die oben näher ent-
wickelte Discussion eine gewisse Wichtigkeit zu haben scheint, so
wäre es auf jeden Fall sehr wünschenswerth, dass v. Wettstein
selbst eine genaue Beschreibung desselben veröffentliche.
— —
Alyssum calyceinum L. 8 perdurans Mihi.
Von Josef Ullepitsch.
Im Juni 1. J. bemerkte ich auf einem magern steinigen Raine
zwischen Rauschenbach und Pudlein schon aus beträchtlicher Ferne
zwei Formen Alyssum untermischt wachsend. Die eine hielt ich vom
Beginn an für Alyssum calycinum L. nur etwas hochwüchsig, 20 bis
25 Ctm.
Während diese Form steif aufrecht, mit steif emporstehenden,
ziemlich dem Stengel anliegenden Blättern durchsichtige Büsche bil-
dete, lag die zweite Form am Erdboden hingestreckt, mit 8 Mm.
und darüber dieken und bis 50 Ctm. langen holzigen Stengeln, aus
denen erst zahllose dünne, 15—20 Ctm. lange Blüthen tragende
Aeste emporwuchsen.
Diese zweite Form hat nur etwas längere und breitere Blätter,
die sich der Länge nach rückwärts krümmen, ja einzelne sogar kräu-
seln. Aus den Blattwinkeln entwickeln sich zahlreiche neue Triebe.
Im Uebrigen stimmen beide Formen mit dem typischen Alyssum
calycinum, was sternförmige Behaarung, bleibende Kelche, Staub-
fäden und Früchtchenform betrifft, ziemlich überein.
Nun sagen Gott sei Dank alle unsere floristischen Autoren:
Alyssum calycinum sei „O*.
j
47
Die zweite Form sah ich sogleich für ausdauernd an, denn im
hiesigen strengen Klima wächst keine Pflanze auf magerem Boden
bis Juli zu solchen Dimensionen und noch dazu holzig! Ich über-
zeugte mich ferner dieser Tage, dass der besagte Rain voll Alyssum-
Blätter ist, welche, wenn auch von Schafen stark benagt, doch fröh-
lich grünen, während einjährige Pflanzen Mitte November schon ab-
gestorben sind.
Ein Unterschied, und ein wichtiger besteht also zwischen die-
sem Alyssum und dem typischen calycinum jedenfalls, und obgleich
noch Manches sicher zu stellen sein wird, namentlich wie sich aus
Samen dieser Pflanze gezogene Exemplare anderwärts verhalten wer-
den, so kann ich doch nicht umhin, diese nicht einjährige Pflanze
Alyssum calycinum ß perdurans zu benennen.
Nach A. Scherfel wächst A. perdurans auch bei Poprad.
Kniesen, Zipser Comitat (Ungarn) 15. November 1886.
Ueber die Ursachen der Haarbildung im Pflanzenreiche,
Von Franz Krasan.
(Fortsetzung.)
Im Gegensatze zu den geschilderten Vorkommensverhältnissen
der Steppe und sterilen Bergheide, welch letztere Schutt oder Dolo-
mitsand und Grus zum Untergrund hat, ist das Hügelland des Sau-
sal schon durch den sehr ungleichmässig gestalteten Boden, seine
Erhebungen und Vertiefungen in Form von Berg und Thal, Abhang,
Schlucht u. dgl., ferner durch die vorherrschende Waldung, zusam-
menhängendes Gebüsch etc. sehr arm an Localitäten, wo eine län-
ere intensive Licht- und Wärmeeinwirkung möglich wäre, und ein
Jäher Wechsel von Licht und Dunkel, Warm und Kalt stattfinden
könnte. Viel trägt jedenfalls der thonige, kieselreiche und daher
feucktigkeitbindende Tertiärboden zur Ausgleichung der Temperatur-
Extreme bei.
In den Mulden und auf den tiefer gelegenen Wiesengründen
beobachtete ich den Thymus sehr häufig; er wächst da zwar nicht
in so grosser Menge, wie auf den trocken liegenden Triften, ist aber
doch ım Sausal allenthalben zu finden; allein den Phytoptus traf
ich an solchen Localitäten nur sehr selten, wenigstens tritt die be-
schriebene haarige Triebspitzen- Deformation nur sporadisch auf. In
leicher Weise scheint der Parasit mit seinen abnormen (pathogenen)
rbildungen von den Waldwiesen und dem Bereich des Waldes
- überhaupt ausgeschlossen zu sein; auch fand ich unter solchen Vor-
kommensverhältnissen noch keine haarige Varietät des 'IThymians.
Letztere bewohnt nach meinen bisherigen Beobachtungen aus-
| schliesslich die freigelegenen, der Sonne zugänglichen Abhänge, ma-
48
gere Grasplätze mit Geröll, Sand oder Schutt als Unterlage, Berg-
heiden und Triften bis in die Krummholzregion, überhaupt solche
Oertlichkeiten, wo sich beinahe die klimatischen Elemente der Sand-
steppe geltend machen. Anhaltende hochgradige Trockniss des Bodens
genügt bei Thymus nicht zur Veranlassung einer haarigen Varietät;
ja es scheint, dass selbst der Phytoptus fernbleibt, wenn der Unter-
grund ein tiefreichender compacter (warmer) Kalkfels ist.
Einen Beleg hiezu liefern die sonnigen, südseitig gelegenen
Bergabhänge bei Gösting und St. Gotthard, nördlich von Graz. Hier
tritt ein dichter, zusammenhängender Kalk der Devonformation offen
zu Tage, der stellenweise dolomitisch, meist aber in mächtigen La-
gen geschichtet erscheint. Er trägt seiner excessiven Trockenheit
wegen, und theilweise auch wegen seiner ausgezeichneten Leitungs-
fähigkeit für Wärme eine gewissermassen selbstständige Vegetation,
insofern als manche sonst weit und breit nicht vorkommende Arten
daselbst gefunden werden, während sich andere durch eine reich-
lichere Behaarung, (wie z. B. Quercus sessiliflora, Campanula per-
sicifolia, ©. glomerata, Scabiosa lueida) auszeichnen. Aber gerade
der Thymian, bei dem man insbesondere eine Behaarung erwarten
möchte, erscheint hier kahl: er findet sich daselbst in einer zierlichen,
hochgewachsenen Form, die im Habitus an Calamintha thymifolia
Rehb. erinnert; nicht einmal Wimperhaare kommen an den oberen
Blättern vor, und auch von Phytoptocecidien ist bei dieser Pflanze
nichts zu bemerken.
Wenn nun aber der Phytoptus selbst von denjenigen boden-
klimatischen Factoren abhängig sein sollte, denen die Pflanze die
Anlage zur Haarbildung verdankt, dann ist diess ja mit Hinblick
auf die gegenwärtig noch herrschenden Ansichten einer Umkehrung
von Ursache und Wirkung gleich. Im Obigen sind wohl einige An-
deutungen gegeben, dass sich die Sache so verhalten könne; wir haben
aber noch keine entscheidende Thatsache angeführt, die eine andere
Auffassung ausschliessen würde.
Nicht nur viele Entartungen des Blattgewebes in Form von
Randrollung, Zerfransung, sackförmiger Ausstülpung, in Form von
gallenartigen Hohlauswüchsen, örtlichen Verdickungen u. dergl. mit
und ohne abnorme Haarbildung werden den winzigen Gallmilben zu-
geschrieben, die Cecidiologen halten vielmehr auch gewisse ungewöhn-
liehe Trichome, wenn sie nämlich in dichten Rasen an der Blatt-
fläche oder am Stengel, den Achsentheilen des Blüthenstandes etc.
sich zeigen, also keinen gleichmässigen Haarüberzug an der Pflanze
bilden, für ein Erzeugniss des Phytoptus. Man nennt diese Erschei-
nung Phyllerium oder auch Erineum. Die meist fleckenartig und
sporadisch auftretenden Trichom-Rasen liegen in einzelnen Fällen,
namentlich wenn sie klein sind, in beckenförmigen Vertiefungen der
Blattlamina, gewöhnlich unterseits. Man kann solche mit dem Eri-
neum ausgefüllte Vertiefungen als die primitivste Form der Beutel-
gallen betrachten.
a a nd u ee
N 7
49
Es ist aber wohl zu beachten, dass nur in den wenigsten Fällen
angegeben wird, ob in dem Erineum Gallmilben vorgefunden wurden:
sehr oft wird ein Ceeidium per analogiam den durch den Phytoptus
erzeugten Missbildungen beigezählt. Die Angaben sind in dieser Be-
ziehung nur zu oft einer Ergänzung bedürftig, da es wünschenswerth
ist, wenigstens zu constatiren, ob nach diesem oder einem anderen
muthmasslichen Erzeuger gefahndet wurde.
Ich habe bisher in dem Phyllerium von Vitis vinifera, Alnus
glutinosa, Tilia parvifolia, Geum urbanum, Salvia pratensis, Poten-
tilla arenaria Borkh. und P. opaca L. (P. verna Aut. plur.), sowie
auch bei Campanula caespitosa viel nach Gallmilben gesucht, aber
stets vergeblich, wiewohl ich durch dauernde Uebung im Suchen
und Schauen solcher Objecte den Parasiten stets bald und leicht be-
merkte, wo er vorhanden war, wie z. B. in den deformirten Trieb-
spitzen von T’hymus montanus W.K., humifusus Bernh., Origanum
vulgare, Campanula Trachelium, Helianthemum vulgare, ferner in
den entarteten Knospen von Corylus Avellana und in den theils
warzenförmigen, theils hornförmigen Hohlgallen (Cephaloneion und
Ceratoneion) von Acer campestre, A. Pseudoplatanus, Prunus spi-
nosa, Pr. domestica, Viburnum Lantana, Tilia parvifolia, Alnus in-
cana. Ich kann daher getrost aus dem negativen Ergebnisse der von
mir vorgenommenen Untersuchungsfälle den Schluss ziehen, dass die
Phyllerien, die mir vorgelegen sind, den muthmasslichen Parasiten
nicht enthielten.
In allen Fällen, wo ein Phytoptus vorhanden ist, kommt er in
grösserer Individuenanzahl vor und hinterlässt in den oberflächlichen
Fressgängen in den Höhlungen der von ihm befallenen Pflanzentheile
unverkennbare Spuren, so dass man auch dann, wenn die Thierchen
ausgewandert sind oder von vagabundirenden grösseren Milben ver-
zehrt wurden, noch immer ein früheres Vorhandensein des Parasiten
zu constatiren vermag. In dem Phyllerium der oben genannten
Pflanzen, an denen ich keine Gallmilben aufzufinden vermochte, be-
merkte ich auch nie eine Verletzung der Epidermis unter den Eri-
neum-Haaren.
Betrachtet man aber z. B. die Blätter des Weinstocks nach einem
Frost, wie er heuer den 8. Mai (1886) die Vegetation in den öster-
reichischen Alpenländern in ihrer schönsten Entfaltung überraschte,
so wird man daran eine eigenthümliche blasige Runzelung wahr-
nehmen. Den blatterförmigen Auftreibungen der oberen Blattfläche
entsprechen natürlich auf der Unterseite ebenso viele Vertiefungen,
und jede derselben ist mit einem dichten, anfangs weissen, später
bräunlichen Haarfilz ausgefüllt. Es gelang mir jedoch nie, Thierchen
darin zu entdecken, denen diese abnorme Haarbildung zugeschrieben
werden könnte. Wo die Runzeln sehr häufig sind und dicht beisam-
menstehen, fliessen die Haarflecke zusammen, das Blatt hat durch
die vielfuchen ungleichmässigen Verbiegungen der Lamina ein krank-
haftes Aussehen. Es ist dieses Phyllerium unter dem Namen „Filz-
kranklieit des Weinstocks“ bekannt.
50
Eine ganz ähnliche Erscheinung zeigt sich unter solchen Um-
ständen auf den Blättern von Tilia parvifolia. Die einzelnen Tri-
chome sind wie bei Vitis vinifera anfangs schnörkelförmig gekrümmt,
von Saft strotzend, und werden später braun. Denselben äusseren
Ursachen scheint auch das Phyllerium auf Geum urbanum und
Salvia pratensis seine Entstehung zu verdanken, denn auch da tritt
in Folge intensiver Frosteinwirkung stellenweise eine Art blasige,
oberflächlich besehen, warzig erscheinende Aufstülpung der Blatt-
fläche auf, in deren rückseitigen Vertiefungen die Erineum-Rasen
sichtbar werden, nur sind bei Salvia solche Unebenheiten der oberen
Blattfläche viel zahlreicher und unregelmässiger: neben grösseren
stehen kleinere und dazwischen ganz winzige Wärzchen gehäuft, die
dem Blatte ein eigenthümliches, blatteriges Aussehen verleihen, und
wovon sie sich oberseits körnigrauh anfühlen.
Ueberhaupt ist es eine der gewöhnlichsten Wirkungen des
Frostes bei Pflanzen, dass ihre Blätter hierdurch in zahlreichen
Fällen eine epinastische Aufstülpung der Blattfläche erfahren, nur
sind nicht alle Arten gegen dieses Agens gleich empfindlich, ja an
demselben Baume kann man häufig genug die verschiedensten Grade
der Reizbarkeit dem Frost gegenüber beobachten. Schön zeigt sich
die Epinastie der Blattfläche sehr oft bei Quercus-Arten, doch am
kıäftigsten reagiren in der bezeichneten Weise die Blätter derjenigen
Aeste und Zweige, welche in den Vorjahren durch Insecten (Raupen,
Maikäfer) entlaubt worden sind: der hierdurch indueirte Krankheits-
zustand hat eine grössere Empfindsamkeit der betroffenen Pflanzen-
theile zur Folge. Bei der Eiche ist die Epinastie des Blattes eine
gleichmässige: die ganze Lamina wölbt sich nämlich an der Ober-
seite mehr oder weniger; bei Geum urbanum aber zerfällt sie in
mehrere grössere Wölbungen und bei Salvia pratensis in eine Un-
zahl kleinerer und grösserer Ausstülpungen, von denen sich die mei-
sten kaum mehr als deutliche Convexitäten zu erkennen geben.
Doch nicht immer trägt die Concavseite der Runzel ein Eri-
neum oder Phyllerium; bei @Quercus fand ich es sehr selten, bei
Sambucus nie, bei Rubus dagegen immer; und nicht nur das: meist
pflegt bei dieser letzteren Gattung dem Phyllerium der Concavseite
ein dünneres, zarteres der Convexseite zu entsprechen, so dass es
den Anschein hat, wie wenn der Haarfilz der Unterseite des Blattes
oben durchgeschlagen hätte. In einem solchen Falle ist das Blatt
stark gewölbt (epinastisch), am Rande mehr oder weniger eingerollt.
Am häufigsten habe ich das Phyllerium rubi an einer Brom-
beerart gefunden, welche sich den Merkmalen nach zwischen Rubus
bifrons Vest und R. hybridus Kit. stellt, seltener bei R. hybridus
selbst. Auch .R. suberectus Anders. erscheint häufig mit dem Haar-
filz behaftet, doch kenne ich selbst nur einige Fälle von der nörd-
lichen Terrasse unter dem Rainerkogl bei Graz; das erstere ist aber
durch ganz Mittelsteiermark, wie es scheint, verbreitet, denn es sind
Be Sich Localitäten bei Graz und Leibnitz bekannt, wo es reichlich
vorkommt.
Zi (u A te re u
ol
Vergeblich suchte ich auch hier nach Phytoptus: es zeigten sich
an den zahlreichen, von mir mit Loupe und Mikroskop untersuchten
Erineen weder zwischen den Haaren, noch an der Epidermis (die
ich stets unverletzt fand) Spuren dieses Parasiten; den vagabundi-
renden oder ambulanten Milben, welche so häufig, doch stets ein-
zeln, an dem Phyllerium herumkriechen, kann aber entschieden die
Erzeugung des Haarfilzes nicht zugeschrieben werden, denn diese
Thierchen suchen entweder die klebrigen Ausscheidungen der Haare,
von denen sie sich, wie mir scheint, theilweise ernähren; oder sie
greifen andere Thierchen an: gewiss können sie weder durch Ste-
chen, noch durch Annagen die Epidermis und das darunter befind-
liche Zellgewebe verletzen, da ihre Mundtheile nicht darnach einge-
richtet sind.
Manche Rubus-Blätter sind, sowie gewisse Stengeltheile, ganz
gleichmässig mit dem Erineum überzogen, das im Wesentlichen so
aussieht wie eine dichte, normale (sammtartige oder filzige) Behaa-
rung; und dennoch ist es wenig wahrscheinlich, dass auf diesem
directen Wege, nämlich durch allmälig intensiver werdende Erineum-
bildung, eine neue, dichter behaarte Varietät der Mutterspecies ent-
stehe; denn es fehlen wirkliche gleichmässige Uebergänge zu
einer stabilen Form von der erwähnten Eigenschaft, so nämlich,
dass an der Pflanze das reichlichere Haar gleichförmig vertheilt
wäre. Dagegen halte ich es für sehr wahrscheinlich, dass Individuen,
welche durch längere Zeit vom Phyllerium befallen waren, aus ihren
Samen reichlicher behaarte, vielleicht auch sonst irgendwie von der
gewöhnlichen Form abweichende Pflanzen hervorbringen, was aller-
dings erst durch Culturversuche zur Gewissheit gemacht werden
könnte. In jedem Falle möchte ich jedoch dem Phyllerium selbst
nur eine symptomatische Bedeutung beilegen: die nächste äussere
Ursache des Entstehens einer haarigen (resp. dichter behaarten) Form
wäre in jenen klimatischen Einflüssen zu suchen, welche das Phyl-
lerium bedingen.
Bei R. suberectus beobachtete ich zwei Jahre nach einander
(1885 und 1886) an derselben Stelle das Phyllerium im Frühjahr
und Herbst: es tritt sowohl an den Schösslingen, als auch an den
fruchtbaren Stämmen auf, und zwar meist so, dass ein und der an-
dere Blüthenzweig in seinen Achsentheilen dicht behaart erscheint,
während die übrigen kahl sind; oder es sind ein oder zwei kahl,
die übrigen aber behaart. An den Blättern, welche augenscheinlich
im vergangenen Frühjahre durch Frost gelitten haben, daher run-
zelig und durch gelbliche Flecke gezeichnet sind, erscheint das Phyl-
lerium an der Unterseite derselben in Form kleiner, weisslich schim-
mernder Haarräschen.
Durch das Alterniren von kahlen und dichthaarigen Blüthen-
zweigen auf demselben Stamme zeigt das Phyllerium des R. sub-
erectus grosse Aehnlichkeit mit einer ganz analogen Triehomerschei-
nung bei Populus tremula. Heuer habe ich bei Graz und im Wein-
52
gebirge des Sausal bei Leibnitz Gelegenheit gehabt, solche Gebilde
nieht nur zu constatiren, sondern auch auf ihre nächsten äusseren Ur-
sachen zurückzuführen.
»|@le|
o| =
10.
(Schluss folgt.)
Rhamni Hungariae.
Autore Dr. Vincentio de Borbäs.
. Cervispina Dill. foliis et ramulis oppositis, raro alternis, poste-
2
rioribus spina terminatis
Ramuli alterni, inermes 10
. Petiolus stipulis eito deciduis duplo longiores 3
Petiolus stipulis aequilongus. Frutices humiles, spinosissimi 7
4
. Folia alterna
Folia opposita, rima seminum clausa 5
. „Foliis fasciculatis, oblongo-spathulatis, obtusiusculis erenulatis,
puberulis* (Caucas.) —= Rhamnus spathulaefolia Fisch. et Mey.
„Foliis alternis, utringue pubescentibus, e basi cuneata ovalibus,
argute serrulatis, reticulato venosis“ (Hercegov.) = BRhamnus
Ülyrica Gris.
. Folia pubescentia, frutex altior, aut arbuscula —= Rh. cathar-
tica L.
Frutex humilis 6
. Folia fere rotunda, non aut breviter solum acuminata, cum pe-
tiolis utringue glabra, argutius serrata, serraturis magis curvatis
(Fiume, Vratnik) = Rh. cathartica var. leiophylla Borb. Erdesz.
Lap. 1885, p. 703.
Folia oblonga vel obovata, basin versus longe atque cuneato-
attenuata, apice breviter acuminata, subtus cum petiolis pube-
scentia (Leopoldifeld ad Budam ©) — Kh. sphenophylla Borb.
1885 1. c.
. Rima seminum clausa — Rh. infectoria L.
Rima seminum hians
. Folia parva, albicanti-viridia, orbicularia vel obovato-subrotunda,
glabra, dense atque minute crenata. (Von Fiume bis Carlopago,
dann in Dalmatien häufig, sowie in Calabria orient. [Huter
exsicc. ex itin. Ital. III, nr. 312]) = Eh. intermedia Steud. et
Hochst. (Rh. infectoria Vis. cum icone!)
. „Frutex humilis, ramosissimus, saepe decumbens* etc. (Lubitko
bedo bei Ostaria) —= Rh. sawatilis L
Frutex erectus, ramis et foliis pubescentibus (Torda, Brassö,
Krassö-Szöreny, Klausenburg, Syrmien etc.) = Rh. tinctoria
W. Kit. — (Rh. infectoria var. pubescens Gris.)
Flores dioiei, tetramerieci 11
Frangula Tournef. Flores hermaphroditi, pentameriei 14
93
11. Alaternus Tournef. Frutex sempervirens —= Rh. Alaternus L.
— Eurhamnus Koch. Frutices foliis autumno deciduis 2
12. Frutieulus pumilus caule ramisque prostratis etc. (Klek, Risnyäk)
— Rh. pumila L.
— Frutex 2—3 Met. altus, nervis foliorum lateralibus pluribus
(10—20)
13. Foliis oblongo-lanceolatis magnis, illis Carpini similioribus, ner-
vis lateralibus, 15—20. Stylus fere ad basin tripartitus. (Risnyäk,
Li®, Zlobin, Visenura etc.) = Rh. carniolica Kern.
— Foliis elliptieis, mediocribus, illis Alnz similioribus, nervis late-
ralibus utrinque 10—14. Stylus trifidus — Rh. alpina L.
14. Folia integerrima — Rh. Frangula L.
— Folia erenato-serrata subrotunda — Rh. sawatilis Scop.
Ich habe diese Arten aus der Literatur besonders zum Unter-
schiede der Rh. sphenophylla zusammengestellt. Ah. spathulaefolia,
Rh. illyrica und Rh. alpina habe ich hier nur der Vergleichung
wegen aufrenommen. Rh. alpina wird in Siebenbürgen angegeben,
aber ich sah sie von dort bisher nicht. Auch Rh. infectoria blieb
mir zweifelhaft. Ich sah sie aus Beziers; diese hat kahle Triebe, die
Nebenblätter sind so lang, wie der Blattstiel, das Blatt ist ellip-
tisch, an der Basis nicht keilförmig, an den Nerven behaart, aber
es scheint endlich kahl zu werden. Die Furche des Samens ist
schmal geöffnet. Dieses Exemplar Theveneau’s ist übrigens unserer
Rh. tinctoria sehr ähnlich. Ich konnte aber nur wenige französische
Exemplare untersuchen.
Die Rhamnus-Arten sind pflanzengeographisch erwähnenswerthe
Sträucher. Die Rh. tinctoria bildet bei Kamenitz im Syrmier Comi-
tate ganze Gebüsche (L. Zorköczy). Es ist merkwürdig, dass die-
jenigen Arten eines Genus sowohl an magerem Sandboden, als am
steinigen Karste vorkommen und daran arbeiten, dass endlich der
Boden sich verbessert. So finden wir z. B. Rh. cathartica und Rh.
tinctoria auf den Sandpuszten des Temeser Comitates häufig, wo sie
den losen Sand so färben, als wäre er mit schwarzer Tinte be-
spritzt. — Häufiger und mehr vielgliederig sind die Rhamnus-Arten
am Karste, und passen sie hier zu der dornigen Vegetation sehr
gut. In den unteren Regionen ist Z&h. intermedia, Rh. rupestris
häufig, die Rh. cathartiea var, leiophylla seltener, — in den höheren
Regionen ist Rh. carniolica häufiger, dh. sawatilis seltener, — aus
den Rissen der Felsen kommt aber die Ah. pumila hervor. Die
Rhamnus-Arten sind sehr zu schätzende Sträucher, obgleich sie uns
wenig direeten Nutzen geben. Sie sind sowohl auf dem Sande, als
auch im steinigen Gebirge die Vorgänger der Wälder und bereiten
den wohlthätigen Waldboden vor. Es ist sehr bemerkenswerth, dass
auf den ungarischen Sandpuszten und dem steinigen Karstgebieto
dieselben oder nahe verwandte Arten. derselben Gattung nützlich
wirken.
N
=
54
Beiträge zur Kenntniss der Bergalgenflora Böhmens,
Von Dr. Anton Hansgirg in Prag.
(Fortsetzung.)
Die Algenflora der Hügelregion Böhmens ist von mir am besten
in der näheren und weiteren Umgebung von Prag durchgeforscht
worden. Im Laufe der letzten drei Jahre habe ich die algologisch
interessantesten Localitäten in diesem Gebiete von Davle bis gegen
Kralup in der Moldau, von Radotin bis hinter Zbe@no an der Beraun
meist wiederholt besucht, um ihre, von anderen Botanikern bisher
vollständig vernachlässigte Algenflora näher zu untersuchen.
Ausserdem habe ich auch von der begrenzten Verbreitung
dieser, die wärmsten Lagen des Moldau- und Beraunthales charak-
terisirenden Hügelalgenflora mich dadurch zu überzeugen gesucht,
dass ich das angrenzende silurische Gebiet, insbesondere das Brdy-
Gebirge von Königsaal an der Moldau bis gegen Dobris, Pribram,
Breznic, Horowic, Königshof und Beraun, sowie das hügelige Terrain
entlang die Buschtöhrader Eisenbahn von Prag bis Unhoscht, Svarov
und Podkozi, der Prag-Duxer Bahn von Prag bis Kovar und Kole&
und die ganze Landstrecke von Prag entlang die k. k. Franz Josephs-
Bahn bis gegen PiSeli an der Sazawa und von da am Ufer dieses
Flusses bis zur Stadt Sazawa in Bezug auf die Algen schon theil-
weise durchgesucht habe. ')
Die algologisch interessantesten Localitäten des silurischen
Hügelterrains in der Prager und Berauner Umgebung, deren Algen-
flora ich näher kennen gelernt habe, sind folgende: Feuchte Kalk-
steinfelsen, Quellen und Bäche bei Hlubotep, bei St. Prokop („V
Dalejich“), im Chote&-Thal bis gegen Radotin, Waldquelle und Teich
oberhalb Kuchelbad, feuchte Felsen, Schluchten, Quellen, Bäche ete.
an beiden Ufern der Moldau bei Podhor, Sele, Roztok, Brnky,
Klecanky, Zalov, Podmorah, Lettek, Rez, Vetrusic, Dolan, Dolanky
und Chwaterub, ebenso im oberen Moldauthale bei Zawist, Brezan,
Wran, Zwol bis gesen Davle hin; desgleichen am Ufer der Beraun
bei Cernosic, V3enor, Revnic, Budnan, Karlstein, St. Ivan, Tetin,
im Suchomaster-Thal bei Königshof, bei Zbeöno und Pürglitz.
An diesen soeben genannten Localitäten des silurischen Hügel-
gebietes sind folgende seltene, dieser Region fast ausschliesslich
eigene, blaugrüne Algen (Phycochromaceen) verbreitet. *)
*) Die Algenflora des ganzen Brdy-Gebirges, insbesondere in höher
gelegenen, den scharfen Nord- und Nordostwinden preisgegebenen Lagen,
sowie an den bewaldeten Felsabhängen der weiteren Prager Umgebung ist
verhältnissmässig arm; die interessantesten Vertreter der Hügelalgenflora der
wärmeren Lagen des Moldau- und Beraunthales fehlen in höheren Lagen des
Brdy-Gebirges gänzlich oder treten nur ausnahmsweise und in geringer Menge auf.
?) Die im nachfolgenden Verzeichniss angeführten Algenarten sind alle,
mit Ausnahme der bisher bloss auf dem Riesengebirge und zwar hart an der
böhmischen Grenze von Rabenhorst, Kirchner, Schröter u. A. beobachteten
mit * bezeichneten Algenformen vom Verfasser in Böhmen gesammelt, resp.
für Böhmen als neu constatirt worden.
ee
39
1. Stigonema Bouteillei (Breb. et Desmaz. nob. Sirosiphon Bou-
teillei Breb. et Desmaz.), bisher bloss an feuchten Kalksinterblöcken
nächst Kuchelbad mit Scytonema aerugineo-einereum Ktz. und ver-
schiedenen seltenen Chroococcaceen.
2. Scytonema myochrous Ag., an Felsen zwischen Selc bis
Chvaterub nächst Kralup auf etwa 30 Standorten stellenweise massen-
haft; kommt auch an silurischen Kalksteinfelsen bei Slichow, St. Prokop,
im Chote&-Thale, bei Karlstein, St. Ivan, an den Felsen gegenüber
Srbsko und bei Tetin nächst Beraun, im Suchomaster-Thal bei
Königshof und am Urkalk bei Krummau, jedoch viel spärlicher als
im Moldauthal vor; ist auch in der Berg- und Hochgebirgsregion
Böhmens noch stellenweise, jedoch seltener als im Moldau- und
Beraunthal verbreitet.
3. Scytonema elavatum Ktz. und S. alatum (Berk.) Bzi (Artho-
siphon alatus Rth. incl. A. Grevillei Ktz.) sind mit der vorigen
Scytonema-Art, deren Varietäten sie sind, hie und da, z. B. an den
Moldaufelsen gegenüber LibSic und Chvaterub vorzufinden; 8. clavatum
Ktz. kommt auch bei Krummau vor.
4. Sceytonema ocellatum Lyngb. bei Radotin und Karlstein im
silurischen Gebiet; auch bei Sauerbrunn nächst Bilin.
5. Calothriw parietina (Näg.) Thr. (Schizosiphon parietinus
Näg. incl. S. rufescens Ktz.) im Moldauthale zwischen Wran bis
Chwaterub an etwa 45 Standorten, ebenso an Kalksteinfelsen bei
Hlubotep, St. Prokop, Karlstein, St. Ivan etc. Auch bei Pürglitz und
Krummau. In den Grenzgebirgen als var. pluvialis (A. Br.) (Masti-
gonema pluwviale A. Br.) bis in die höchsten Lagen hinaufsteigend.
6. Inactis fluviatilis (Ktz.), Krch. (Euactis fluviatilis (Ktz.),
Zonotrichia fluviatilis Rbh.), bisher blos auf feuchten silurischen
Felsen bei Sele, gegenüber Libsit und bei Dolanky an der Moldau.
7. Nostoc muscosum Ag. auf feuchten Felsen zwischen Sele
bis Chwaterub stellenweise, z. B. gegenüber Lib$ie und bei Chwaterub
reichlich.
8. Nostoc rupestre (Ktz.) im ganzen oben bezeichneten silurischen
Hügelterrain gemein; var. ß. linguaeforme nob. mit der typischen Form
am Urkalk bei Krummau. Diese Nostoc-Art kommt nicht selten
auch noch in den beiden höheren Regionen vor.
9. Microcoleus monticola (Ktz.) nob. (Chthonoblastus monticola
Ktz.) Auf feuchtem, kalkhältigem Lehmboden und an nassen Felsen-
detritusablagerungen an und unter den Felsen im Moldau- und Be-
raunthale ziemlich häufig verbreitet.
10. Inactis tornata Ktz. em. Thr. und Inactis fascieulata Grun’
Auf Steinen und Felsen in klaren Gebirgsbächen und Waldquellen
der silurischen Hügelregion, vorzüglich im Gebiete der Kalkstein-
felsen, so bei Kuchelbad, Karlstein, auch in reinen, in die Moldau
fliessenden Bächen von Sele bis Chwatörub nächst Kralup stellen-
weise massenhaft. Auch noch in höheren Gebirgslagen, so z. B. ın
Bergbächen bei Bakov, Eisenbrod und Weisswasser.
11. Luyngbya foveolarum (Mout.) nob. (Leptothriw foveolarum
56
Mont.) meist mit der sehr variablen Lyngbya caleicola (Ktz.) nob.
(Leptothrix caleicola Ktz.) auf feuchten silurischen Kalksteinfelsen
bei Hlubolep, St. Prokop, Karlstein ete. nicht selten. Beide sind aber
auch auf kalkhältigen Felsen und Mauern fast im ganzen Lande
zerstreut.
12. Lyngbya lateritia (Ktz.) Kreh. (Hypheothrix lateritia (Ktz.)
in verschiedenen Varietäten, insbesondere als var. rosea (Ktz.) Rbh.
(Lephotriw rosea Ktz.), var. subtilis (Ktz.) Rbh. (Hypheothrie subtilis
Ktz.), var. calearea (Näg.) Rbh. (Hypheothrie calcarea Näg.) auf
feuchten kalkhältigen Felsen im Moldau- und Beraunthale etwa auf
50 Standorten verbreitet und stellenweise (besonders als var. calcarea)
weit ausgebreitete, tapetenartige Ueberzüge auf feuchten Felsen bildend.
13. Lyngbya dubia (Näg.) nob. (Hypheothrie dubia Näg.) wie
vorige, doch weniger häufig.
14. Lyngbya Regeliana (Näg.) nob. (Hypheothrie Regeliana
Näg.) bisher bloss auf feuchten, schattigen Kalksteinfelsen an der
Beraun gegenüber Srbsko und wieder am Urkalk bei Krummau an
beiden Orten auch als var. calotrichoides nob.
15. Lyngbya nigrovaginata nob. Diese Lyngbya-Form, deren
Scheiden im lebenden Zustande meist dunkelviolett, an getrockneten
Exemplaren schwarzviolett oder braunschwarz gefärbt sind, kommt
an feuchten kalkhältigen Felsen gegenüber LibSic und an Kalkstein-
felsen an der Westbahn gegenüber Srbsko nächst Beraun vor.
16. Lyngbya Joanniana (Ktz.) nob. (Phormidium Joannianum
Ktz.) ist auf feuchtem, kalkhältigem Boden an und unter den siluri-
schen Felsen im Moldau- und Beraunthale nicht selten, meist mit
Microcoleus monticola; auch am Urkalk bei Krummau. Seltener an
einigen anderen Stellen in der Hügel- und Bergregion Böhmens.
17. Chamaesiphon Rostafinskü nob. Diese von Rostafinski
als Sphaerogonium gracile beschriebene '), im Tatragebirge unter einem
Wasserfall zuerst beobachtete Chamaesiphon-Art, deren Namen,
weil schon früher von Rabenhorst ein Ohamaesiphon gracilis pu-
blieirt wurde, ich in Ch. Rostafinskii umgeändert habe, fand ich auch
in einer var. minor nob. in einem Felsenbrunnen bei St. Prokop
auf untergetauchten Kalksteinen und auf den an diesen festsitzenden
Cladophoren und Oedogonien.
18. Allogonium Wolleanum nob. (Chroodactylon Wolleanum nob.
— Asterocytis Wolleana [Hansg.] Lagrh.) ?*) Auf feuchten Felsen bei
alow nächst Roztok, gegenüber LibSic und bei Chwaterub an der
Moldau; auch noch bei Pürglitz an der Beraun.
19. Chroothece rupestris nob. Meist mit der vorigen Alge,
so bei Chwaterub und gegenüber Libsic, auch bei Kuchelbad.
‘) Rozprawy akad. umiej. w Krakowie, 1883, p. 294.
°) Mehr über die Gattung Allogonium Ktz. (Asteroeytis Gobi, Chroo-
dactylon Hansg., Callonema Reinsch ex p., Goniotrichum Ktz. ex p., Hormo-
spora Breb. ex p.) wird mit der Beschreibung einer neuen Allogonium-Form
(A. halophilum nob.) an einem anderen Orte demnächst veröffentlicht werden.
57
Von anderen Chroococeaceen kommen im oben bezeichneten
silurischen Hügelgebiete am häufigsten folgende submontane und
montane Formen vor: 20. Aphanothece saxicola Näg., 21. Aphano-
thece pallida (Ktz.) Rbh., 22. Gloeocapsa ambigua a) fuscolutea Näg.
und b) violacea Näg., 23. Gloeocapsa nigrescens Näg., 24. @l. alpina
Näg. auch als var. sawicola (Wartm.) Rbh. (@l. sawicola Wartm.),
25. @l. janthina Näg.. 26. Gl. Kützingiana Näg., 27. GI. ocellata
Rbh., 28. @l. aurata Stiz. var. alpicola Brügg., 29. @l. mierophthalma
Ktz., 30. @l. coracina Ktz., 31. Gl. atrata Ktz., 32. @l. aeruginosa
(Carm.) Ktz. und &. dermochroa Näg., 33. Aphanocapsa brunnea Näg.,
34. A. montana Cram. meist als var. micrococca Cram., 35. Chroococcus
helveticus Näg. auch in den Formen var. aureofuscus nob. und var. au-
rantiofuscescens nob., 36. Chr. pallidus Näg., 37. Ohr. twricensis (Näg.)
(Ohr. rufescens |Breb.] Näg.), b) turicensis Näg., 38. Chr. auran-
tiofuscus (Ktz.) Rbh.
Viele von den soeben genannten Chroococcaceen, insbesondere
Chroococeus aurantiofuscus, Chr. pallidus. Chr. helveticus, Aphano-
capsa montana, Gloeocapsa coracina, Gl. aeruginosa, Gl. nigrescens,
Gl. aurata, u. a. kommen jedoch meist in Gesellschaft der mit ihnen
im genetischen Zusammenhange stehenden fadenförmigen Phyco-
chromacseen-Formen, z. B. Nostoc rupestre, Calothriw parietina,
Scytonema myochrous u. a. auch noch im übrigen Hügellande, in
den Vorgebirgen und selbst noch in den höchsten Grenzgebirgen
Böhmens stellenweise vor; nur einige wenige von diesen einzelligen
Algen sind auch noch in tieferen Lagen (in der Ebene) Böhmens
ausnahmsweise verbreitet.
Von den chlorophyligrünen Algen sind in der wärmsten Hügel-
‚region Böhmens bisher nur verhältnissmässig wenige von mir gesam-
melt worden, welche ich nicht auch in den höher gelegenen Regionen
Böhmens angetroffen hätte. Von diesen bisher ausschliesslich in der
Region der Hügel gesammelten seltenen Chlorophyceen sind beson-
ders folgende hervorzuheben: 1. Vaucheria de Baryana Wor. von
Kuchelbad nächst Prag, 2. Oedogonium rufescens Wittr. f. von
feuchten Felsen gegenüber Libic, 3. Mougeotia calcarea (Clev.) Wittr.
auf feuchten kalkhältigen Felsen im Moldau- und Beraunthale, 4. Dys-
phynetium pusillum nob., und D. notabile (Breb.) nob. (Cosmarium
notabile Breb.), 5. D. curtum (Breb.) Reinsch, (Cosmarium curtum
(Breb.) Ralfs., auch als var. Regelianum (Rbh.) nob. ( Dysphynetium
Regelianum Näg.) und var. ewiguum nob., 6. Cormarium holmiense
Lund. auch als var. minus nob. und var. integrum Lund., 7. Cos.
anisochondrum Nord. var. laeve nob., 8. Cos. protuberans Lund.
Neben diesen Chlorophyeeen sind in der silurischen Hügelregion
auch noch folgende interessante chlorophyligrüne Algenarten ver-
breitot, welche ich jedoch theils auch in der Bergregion, theils in
anderen Theilen des Hügelterrains von Böhmen mehrfach vorgefun-
den habe: 9. Chlorotylium cataractarum Ktz. (inel. Ch. inerustans
Reinsch.), 10. Oladophora sudetica Ktz., 11. ©. declinata Ktz., 12. €.
+)
Oesterr. botan, Zeitachrift. 2, Heft 1887,
58
glomerata (1,.) Ktz. in verschiedenen Formen, 13. Rrhizoclonium fon-
tinale Ktz., 14. Oonferva fontinalis Berk., 15. Oocystis solitaria W ittr.
var. rupestris (Kreh.) nob. (Oocystis rupestris Krch.)
(Schluss folgt.)
ET 7 N ERLEBEN
Teratologisches,
Von Dr. Ed. Formänek.
Auf meiner vorjährigen Ferienreise fand ich in der Gegend von
Ung.-Brod abnorm entwickelte Blüthen von Trifolium pratense L.
und Campanula trachelium L., welche eine interessante Vergrünung
der inneren Blüthentheile zeigten und die Rückbildung der einzelnen
Blumenblattkreise in Blätter deutlich erkennen liessen.
Aehnliche Wachsthumsverhältnisse treten mitunter bei den
Rosaceen d. Z. 1883, pag. 178, und 1885, pag. 46, auf, dürften
jedoch bei den oben angeführten Pflanzenfamilien nur in selteneren
Fällen zu Stande kommen. Im Nachfolgenden die am Standorte von
frischen Pflanzen abgelesenen Beschreibungen der einzelnen Fälle.
Trifolium pratense L. Am Wege zur Lysä hora bei Ung.-Brod.
Sämmtliche Blüthen gestielt, Blüthenstiele 6 Ctm. lang, Krone regel-
mässig, Pistill in ein verkehrteiförmiges, spitzgezähntes, in eine kurze
Granne auslaufendes Blatt, dessen Blattstiel 2°4 Ctm. beträgt, um-
gewandelt.
Campanula trachelium L. Im Walde unterhalb der Jaworina
bei Strany. Blumenkrone regelmässig, die fünf Antheren tragen die
Form von getrenntblätterigen Blumenblättern und sind einer Neben-
krone, wie wir sie bei Narecissus poeticus L. sehen, jedoch mit dem
Unterschiede, dass erstere unterbrochen ist, nicht unähnlich.
— ii —
Zur Flora von Pondichery.
Von A. Heimerl.
Vor einiger Zeit erhielt ich von Herrn Prof. Kornhuber eine
Sammlung ziemlich gut erhaltener tropischer Pflanzen zur Bestim-
mung, welche aus der Umgebung von Pondichery herstammen und
im Jahre 1867 auf der Pariser Weltausstellung in der Ausstellung
der Colonialprodukte figurirten, dann der Sammlung der k. k. tech-
nischen Hochschule in Wien geschenkt wurden.
Ich lasse nun in systematischer Reihenfolge die bestimmten
Arten folgen und bemerke, dass in den meisten Fällen durch Ver-
gleich mit den im Wiener Hof-Museum befindlichen, vom Museum
in Kew ausgegebenen indischen Pflanzen die richtige Bestimmung
gesichert werden konnte.
59
Filices:
Ceratopteris thalietroides Brongn., Actinopteris radiata Link.
Commelinaceae:
Commelina communis L., Aneilema spiratum R. Br., Cyamopis
awillaris Lm.
Dioscoreae.
Dioscores bulbifera L. und pentaphylla L.
Piperaceae.
Piper spec.
Nycetagineae.
Boerhavia repanda Willd.
Amarantaceae.
Aerva Monsoniana Mocq., Alternanthera sessilis R. Br.
Compositae.
Emilia sonchifolia DC., Blumea spec.
Lobeliaceae.
Lobelia trigona Roxb.
Campanulaceae,
Sphenoclea zeylanica Gärtn.
Rubiaceae.
Spermacoce hispida L., Canthium parviflorum Lam.; Hedyotis
Burmanniana R.Br., Heynii W. A., racemosa W. A., articularis
R. Br., umbellata Lam.; Oldenlandia dichotoma Koen., Stylocoryne
Webera A. Rich.
Oleaceae.
Jasminum angustifolium \ahl.
Apocyneae.
Finca parviflora Roxb. und rosea L.
Labiateae.
Orthosiphon diffusus Benth.
| Verbenaceae,
Duranta Plumieri Jacq. (eult.), Symphorema involueratum Roxb.
Boragineae.
Heliotropium supinum L., Cordia spec.
Convolvulaceae.
Ipomoea pes tigridis L.
Hydrophylleae.
Hydrolea zeylanica Vahl.
Scrophularineae,
Stemodia viscosa Roxb., Limnophila gratioloides R. Br., Bon-
naya brachiata Link et Otto, Striga lutea Lour.
5*
60
Loganiaceae.
Buddleia asiatiea Lour.
Acanthaceae.
Dipteracanthus patulus N. v. E., Blepharis boerhawiaefolia
Pers., Crossandra axillaris N. v. E., Rostellaria difusa N. v. E.,
Spathodea spec.
Myrsineae.
Maesa indica Wall.
Sapotaceae.
Bassia longifolia L., Mimusops Elengi L.
Styraceae.
Symplocos spieata Roxb.
Vaceinicae.
Vaceinium Leschenaultii Wight.
Umbelliferae.
Bupleurum mucronatum W. A.
Araliaceae.
Aralia spec.
Loranthaceae.
Viscum orientale DC. und orbiculare Wight, Loranthus longi-
forus Wight.
Ranunculaceae.
Thalictrum glyphocarpum W. A.
Capparideae.
Oleome monophylla L., Capparis sepiaria L.
Droseraceae.
Drosera Burmanni Vahl. und peltata Sm.
Ficoideae.
Trianthema erystallina Vahl, Glinus lotoides L., Mollugo Sper-
gula L. und nudicaulis Lam.
Portulaccaceae.
Portwacca tuberosa Roxb.
Caryophyleae.
Polycarpaea corymbosa Lam.
Malvaceae.
Urena sinuata L., Hibiscus (vitifolius?) Sida humilis Willd.
und cordifolia L.
Sterculiaceae.
Sterculia foetida L., Guazuma tomentosa Kth., Pterospermum
suberifolium Lam.
61
Tiliaceae.
Corchorus acutangularis Lam., Grewia laevigata Vahl und
asiatica L., Elaeocarpus spec.
Ternstroemiaceae.
Gordonia obtusa Wall.
Guttiferae.
Calophyllum inophyllum L.
Olacineae.
Ola» scandens Roxb.
Sapindaceae.
Sapindus trifoliatus L.
Celastriuneae.
Gymnosporia emarginata Roth.
Rhamneae.
Scutia indica Brongn.
Euphorbiaceae.
Jatropha gossypüfolia L. und glandulifera Roxb., Ricinus in-
ermis Jacq., Phyllanthus spec.
Geraniaceae,
Biophytum sensitivum DC.
Combretaceae.
Combretum ovalifolium Roxb. (?)
Onagraceae.
Laudwigia parviflora Roxb.
Lythraceae.
Ammania salieifolia Monti.
Melastomaceae.
Memecylon edule Roxb.
Myrtaceae.
Eugenia Jambolana Lam.
Leguminosae.
Orotalaria nana Burm., medicaginea Lam., biflora L., Willde-
nowiana DÜ.; Indigofera viscosa Lam. und enneaphylla L.; Tephro-
sia mazeima Pers., difusa W. A., villosa Pers.; Sesbania aegyptiaca
- Pers., Zornia diphylla Pers., Stylosanthes mucronata Willd., Aeschy-
nomene indica L., Desmodium biarticulatum Benth., Bleiotis sororia
DC., Alysicarpus monilifer DC. und vaginalis DO., Uyamopsis pso-
ralioides DC., Galactia tenuiflora W. A.; Phaseolus Wightii W. A.,
u he Jacq., Mungo L.; Vigna Catiang Endl., Dolichos Lablab
L. und biflorus L., Cajanus indieus Sprengel, Pseudarthria viscida
W. A., Rhynchosia nummularia DC., Pongamia glabra Vent., Pte-
rocarpus Marsupium Boxb., Dalbergia spec., Poinciana elata L.,
Cassia siamea Lam, und auwriculata L., Dichrostachys einerea W. A.,
Acacia leucophlaea Willd, und ferruginea DC.
Penzing bei Wien, December 1886.
nn —
Flora des Etna.
Von Prof. P. Gabriel Strobl.
(Fortsetzung.)
1303. Medicago denticulata W.sp.pl.III1414, Guss. Syn. et Herh.!
Rchb. D. Fl. 70 I, II!, hispida aa. microcarpa a. oligogyra y. denti-
culata Urb. W. Lge. III 387. Genau wie vorige, aber Dornen der
Aussennaht so lang, als der Radius der Mittelspire, divergirend an-
gedrückt, sehr dünn und an der Spitze hakig; Nerven der Spiren
weniger erhaben, Zwischenräume daher kaum grubig, Spirenbreite
meist 5 Mm. oder weniger; Blüthenstiele meist 6blüthig. — Auf
krautigen Fluren Siciliens selten; auch im Gebiete nur vereinzelt,
z. B. an Eisenbahndämmen von Ognina, auf buschigen Uferabhängen
des Simeto! April, Mai ©.
1304. Med. lappaces Lam. Guss. *Syn. et Herb.!, hispida
bb. macrocarpa Urb. a. trieycla Urb. W. Lge. III 386. Mit der vorigen
fast durchaus identisch und mit ihr, sowie mit der folgenden durch
zahlreiche Mittelformen verbunden, daher sie mit Recht von den
Neueren zusammengezogen werden; ich sondere sie nur, um die An-
häufung der Synonyma und Varietäten zu vermeiden. Von dentie.
nur unterscheidbar durch ärmer- (1 —4) blüthige Blüthenstiele,
mindestens 6 Mm. breite, weniger tief-, aber reichlicher genervte,
jedoch ebenfalls 2—3spirige und breitere, als hohe Hülsen. Variirt
mit Dornen, welche nicht einmal die halbe Länge des Durchmessers
erreichen und dann oftmals nicht hakig sind = v. brevispina, bis
zu Dornen, welche die Länge des Durchmessers fast erreichen, die
Dicke der Hülse aber mehrmals übertreffen — var. ß. longispina Urb.,
ferner mit nur 1—2 Windungen (v. paucigyrosa Lam. Guss. Syn.) —
Auf krautigen Abhängen und unter Saaten sehr gemein: Catania
(Herb. Torn.!), in der Ebene des Simeto überall, auch im Meersande
der Arena häufig, ebenso an Eisenbahndämmen vor ÖOgnina, von
Catania bis über Nicolosi hinauf, um Bronte ete.! v. paucigyrosa
um Catania (Cosentini in Guss. Syn.) und auf Lavaströmen um
Bronte! April, Mai ©.
1305. Med. nigra W., pentacycla DC. Cat., histriw Ten., Guss.
*Syn. et *Herb.!, hispida bb. macrocarpa y. longeaculeata Urb. W.
Lge. III 386. Von Zappacea nur verschieden durch circa gleich hohe
und breite (7 Mm.), fast ceylindrische, mit fünf lockeren Windungen
versehene Hülsen, die zuletzt oft schwarz werden; da sich öfters an
demselben Exemplare auch Hülsen mit nur 3—4 Windungen befinden,
so ist über die Zusammengehörigkeit mit Zapp. kein Zweifel. Unter
Saaten und an Feldrändern mit der vorigen; Catania (Cosentini in
Herb. Guss.!), auf Lavaströmen gegen die Ebene, am Wege nach
Nicolosi, äusserst gemein aber in der Ebene des Simeto! April, Mai ©.
1306. Med. terebellum W. Guss. *Syn. et *Herb.! Rehb. D. Fl.
72 II?, hispida bb. macrocarpa b. pentacycla ß. breviaculeata Urb.
W. Lge. III 387. Mit nigra vollkommen identisch in der Kahlheit, den
j
ü
i
:
63
Blättern, Nebenblättern, Blüthenstielen und Hülsen, nur sind letz-
tere öfters 6spirig und dann sogar etwas höher als breit; die eben-
falls hakigen Dornen sind aber stets mehrminder angedrückt und
so kurz, dass sie die Breite der Aussennaht kaum überragen. — Unter
Saaten und auf krautigen Abhängen Siciliens selten, ebenso im Ge-
biete: Catania (Guss. Syn. et Herb.!), Gravina! April, Mai ©.
+1307. Med. muricoleptis Tin. Guss. Syn. et Herb.! non DC.
Scehliesst sich an die vorigen an durch Kahlheit, nicht verwachsene
Spiren, beiderseits gefurchte Dornen; charakterisirt sich aber durch
nur wimperig gezähnte Nebenblätter, 1—2blüthige, das Blatt über-
ragende Blüthenstiele, viel breitere (10—12 Mm.), aber kaum 4—5
Mm. hohe, 3—4spirige, nicht dicht, aber zierlich erhaben netznervige
Hülsen und flache, beiderseits mit schief abstehenden, gebogenen,
hakigen, borstenförmigen, etwa '/,— '/,; des Durchmessers errei-
chenden Dornen versehene Aussennaht; die Dornen der obersten
Windung oft spärlich oder fast fehlend; reife Früchte oft braun. —
An Wegen, auf Saatfeldern und lehmigen Fluren ganz Siciliens
nach Guss., wahrscheinlich auch im Gebiete; ich besitze sie nur
aus den Nebroden und aus Reggio. April, Mai ©.
1308. Med. De-Candollei Tin. Guss. Syn. et Herb.!, murico-
leptis DC. Prodr. II 179, non Tin. Ganz wie vorige, aber Hülsen
noch grösser (12—-14 Mm. breit, 5—8 Mm. hoch), mit 3—6 Win-
dungen, beiderseits etwas convex, Dornen reichlicher und '/,—'/, der
Hülsenbreite lang. Wie vorige in ganz Sicilien verbreitet; im
Gebiete zahlreich um Nicolosi und Catania, besonders an Gra-
Bemum neben dem Pulverthurme von mir gesammelt. April,
al ©).
71309. Med. diseiformis DC. Cat. Gr. Godr.1388!, W. Lge. III
388, Reh. D. Fl. 69 I! Der vorigen etwas ähnlich und von Spr. damit
confundirt, aber Unterschiede zahlreich: Die ganze Pflanze weichzot-
tigflaumig, die oberen Blättchen verkehrt-eiförmig-keilig, die unteren
verkehrt-eiförmig; Blüthenstiele J—2blüthig, bedeutend länger, als
die Blätter; Hülsen beiderseits ganz flach und nervenlos, scheiben-
förmig, glänzend gelbbraun, circa 7—9 Mm. breit, 3—4 Mm. hoch;
Aussennähte mit zahlreichen, abstehenden, etwas nach abwärts ge-
kehrten, beiderseits tief gefurchten, etwas gekrümmten und an der
Spitze hakigen, eirca 5Mm. langen Dornen; die oberste Windung
ganz wehrlos. Eine der schönsten Arten, aus Sieilien bisher unbe-
kannt, von mir auf dem Trümmerfelde des alten Syracus häufig
gesammelt. April 07 „AR (Fortsetzung folgt.)
Literaturberichte.
Botaniker-Kalender 1887. Herausgegeben von P, Sydow und C©, Mylius.
In zwei Theilen. Zweiter Jahrgang. Berlin 1887. Verlag von Julius Springer.
(X, 206 8.). In Brieftaschenform in Leinwand gebunden neu: 3 Reichs-
mark, Zoll für den Einband und Stempel 20 Nkr.,
Der vorliegende zweite Jahrgang des Botaniker-Kalenders bil-
64
det eine recht erfreuliche Fortsetzung des im verwichenen Jahre
glücklich begonnenen Unternehmens. Beide Abtheilungen desselben,
welche beim ersten Jahrgange getrennt erschienen waren, sind jetzt
zweckmässie zu einem für jeden Botaniker und Pflanzenfreund er-
wünschten Vademecum vereinigt. Dasselbe enthält zunächst den
astronomischen Kalender mit den gebräuchlichen Angaben, dann
einen ausgedehnten, 54 Blätter enthaltenden Schreib- und Notiz-
kalender, dem überdiess 12 earrirte freie Blätter zu wissenschaft-
lichen Vormerkungen, kurzen, momentanen Aufzeichnungen von Be-
obachtungen u. dergl. passend beigebunden sind. Der folgende Text
bringt die wichtigsten General-Regeln für Pflanzensammler in Bezug
auf Einsammlung, Präparation und Aufbewahrung von Gewächsen,
sodann die Regeln der botanischen Nomenclatur nach den von dem
internationalen Congress der Botaniker im Jahre 1867 zu Paris an-
genommenen „Lois de la nomenclature botanique* und den Zusätzen
und Abänderungen in A. de Candolle’s „Nouvelles remarques sur
la nomenclature botanique*, ferner Verzeichnisse diverser in botani-
schen Schriften üblicher Abkürzungen, dann deutscher Speecialfloren
und kryptogamischer Exsiccatenwerke, Uebersichten der Blüthenstände,
des Linne’schen Systems, der Vegetationsgebiete (Grisebach’s) und
Florenreiche (Drude’s), Tabellen zur Eintragung phänologischer Be-
obachtungen und solche über Mass- und Gewichtsverhältnisse. Der
Monograph der Gattung Potentilla, Herr Prof. Alb. Zimmeter in
Innsbruck, lieferte einen vortrefflichen Schlüssel zur Bestimmung der
deutschen, österr.-ungarischen und schweizer Arten des genannten
Genus. Der zweite Theil bringt als „botanisches Jahrbuch“ biogra-
phische Notizen in der Zeit vom 1. April 1885 bis 31. März 1886
gestorbener Botaniker Deutschlands, Oesterreichs und der Schweiz,
dann Namen und Adressen der deutschen und in diesem Jahre zum
ersten Male auch der österr.-ungar. und der schweizer Botaniker und
der „erweiterten Commission für die Flora von Deutschland“, Ver-
zeichnisse von pflanzentauschenden Persönlichkeiten, von Vereinen, bot.
Gärten, lJand- und forstwirthschaftlichen Lehranstalten, Laboratorien,
von Zeitschriften und botanischen Vorlesungen auf deutschen Univer-
sitäten, sowie der deutschen botanischen Literatur 1885/1886. Es
genügt wohl der einfache Hinweis auf den reichen Inhalt dieser für
den Botaniker hochschätzbaren Abschnitte, um diesem II. Jahrgange
eine gleich erfreuliche und allseitig willkommene Aufnahme vorher-
zusagen, wie der I. Jahrgang nach der Aeusserung der Herausgeber
sie gefunden hat. Wir sind überzeugt, dass der Botaniker-Kalender
künftighin jedem Pflanzenfreunde ein unentbehrlicher Begleiter sein
wird. Dr. K.
Paul Sorauer, Handbuch der Pflanzenkrankheiten für Landwirthe, Gärt-
ner, Forstleute und Botaniker. Zweiter Theil, die parasitären Krankheiten.
II. neubearbeitete Auflage. Mit 18 lithographirten Tafeln und 21 Text-
abbildungen. Paul Parey, Berlin 1886. XI und 456 Seiten. Preis 14 Mark,
Was wir in unserem Referat über den ersten Theil des Hand-
69
buches der Pflanzenkrankheiten') in Bezug auf Bearbeitung der
Krankheitsursachen und deren Therapie gesagt haben, lässt sich
auch für den zweiten Theil in vollem Umfange aufrecht erhalten.
Die volle Beherrschung des girantisch anschwellenden Materiales,
die übersichtliche Gruppirung und gewisse leitende Ideen, oder besser
ausgedrückt, Principien, unter deren Aegide Sorauer seinen Ar-
beitsstoff stellt, geben ein glänzendes Zeugniss von dem Werthe des
Buches. Eine solche leitende Idee ist die Annahme, „dass bei den
parasitären Krankheiten die jedesmalige Beschaffenheit des Nähr-
organismus, die augenblickliche Disposition, einen Ausschlag für die
Erkrankungsfähigkeit gibt, und das Krankheitsbild erst vervollstän-
diet, also ebenso eingehend wie die Entwicklungsgeschichte des Pa-
rasiten beachtet werden muss“. Freilich ist gegenwärtig dieser jedes-
malice Zustand des Wirthes, der einen Kampf mit den ihn überfallen-
den Parasiten führen muss, von uns gänzlich unbekannten Agentien
bedingt, die wohl allgemein als Ernährungs- und sonstige Vegetations-
factoren bezeichnet werden, ohne dass damit ein wesentlicher Fort-
schritt gegeben ist. Das Hauptverdienst des Verfassers besteht aber
gerade darin, dass er das Vorhandensein der Prädisposition feststellt
und somit den Weg andeutet, den die neue Forschung zu gehen
hat. In unserem ersten Referate haben wir unserer subjectiven An-
schauung Ausdruck gegeben, dass die von Galleninsecten verursach-
ten Bildungen u. a. besser im II. Theile Platz gefunden hätten.
Auch Verf. hat in dem Vorworte dieser Anschauung Rechnung ge-
tragen, hält aber seine Gruppirung für die richtige; denn „mass-
gebend für diese Eintheilung war die bei den Gallen nothwendige
Behandlung auch solcher mit den Gallenerzeugern nächst verwandter
Thiere, welche die Pflanzen nur gelegentlich durch Frassbeschädi-
ung verderben. Damit ist aber das natürliche Bindeglied zu den-
Jenigen von Thieren veranlassten Verletzungen gegeben, welche, wie
das Schälen und Verbeissen des Wildes, unbedingt bei den Wunden
im ersten Theile des Buches abgehandelt werden mussten“. — Ob
diese Auffassung wirklich da massgebend ist, wo es sich um bedeu-
tende morphologische Veränderungen und parasitäre Wucherungen
handelt, ist wohl noch discutirbar. Der vorlierende Band enthält
einen Abschnitt „Parasitismus“, der den facultativen und obligaten
Parasitismus, die Saprophyten ete. behandelt. Capitel II und IH
führen phanerogame und kryptosame Parasiten vor. Myxomyceten
werden den Schizomyeeten vorangestellt; die Nass- und Trocken-
fäule der Kartoffel, sowie das Ersaufen der Knollen sind eine
und dieselbe Krankheit und gänzlich verschieden von der durch die
Phytophthora erzeugten Kraut- und Knollentödtung; vorzüglich aus-
gearbeitet sind Brand- und Rostpilze, freilich auch die beststudirten
Parasiten. Die Exoascus-Deformation (Hungerzwetschken) ist auch
nach Verf, (mit Luerssen, Frank) nur durch das Zurückschneiden
des Baumes bis auf das ältere Holz zu beheben. Die Steindruckta-
feln bringen in schöner Ausführung die Entwicklungsstadien hervor-
Siehe diese Zeitschr. 1886, p. 203 ff,
66
racender Pilzparasiten; als besonders gelungen möchten wir Taf. XV
(Fleckenkrankheit der Erdbeerblätter) hervorheben. — Einige Nach-
tragsnotizen mit Referaten über neuestens erschienene einschlägige
Arbeiten und ein sehr ausführliches Register mit alphabetischen Ver-
zeichnissen der Nährpflanzen und der Parasiten schliessen die ver-
dienstvolle Arbeit in würdiger Weise ab. Dr. T. F. Hanausek.
J. B. Keller: Ueber die Bechstein’schen Rosen in Deutscher botan, Mo-
natsschrift IV. Nr. 11 et 12, p. 172 (1886).
Verfasser bespricht den Wortlaut der Bechstein’schen Descrip-
tionen zu Grunde legend, die in „Forstbotanik* Edit. IV. enthaltenen
Formen der Gattung Rosa. Von vorhinein kann von Geltendmachung
irgend welcher Priorität bei einer vierten Auflage eines Werkes keine
Rede sein. bevor man nicht die Formen kennt, welche in den frü-
heren Auflagen enthalten sind. Ferner wäre es bei der Allgemeinheit
der Beschreibungen, welche die genaue Präcisirung einer Form nach
modernen Begriffen illusorisch machen, von unumgänglicher Wich-
tigkeit gewesen, authentische Exemplare behufs Ergänzung der De-
scription zu Rathe zu ziehen; allein Originalexemplare standen Ver-
fasser auch nicht zu Gebote. Ich habe mit Ausnahme der Rosa
obovata Bechstein auch nie authentische Exemplare zu Gesicht be-
kommen, mich daher auch selbstverständlich nie über Bechstein’sche
Formen ausgesprochen. Was die Priorität der Rosa aspera Schlei-
cher betrifft, so möchte es hier geboten erscheinen, einige Worte
beizufügen. Schleicher stand, wie aus Angaben der gleichzeitigen
Literatur hervorgeht, betreffs Genauigkeit beim Vertheilen seiner
Exsiecata nicht im besten Rufe. Auch die von mir eingesehenen -
ebenfalls „zahlreichen“ Exsiccata bestätigen diesen Ruf vollinhaltlich;
sie gehören theils der Gruppe Sepiacearum (R. sepium f. pubescens
Rap.), theils der Gruppe Graveolentium an. Allein abgesehen von
dem geht es nie und nimmer an, einen Nomen solum, der bis
heutzutage noch niemals commentirt wurde, als leitende Type einer
Gruppe voranzusetzen. Da könute ja Jedermann (ohne Botaniker zu
sein) sich eine Liste von Namen drucken lassen, dieselbe mit Ex-
siceaten belegen und hätte denselben Anspruch auf Berücksichtigung.
Die Appellation an Rosa hybrida Schleicher und Rosa Gutenstei-
nensis Jacq. fil. ist vergeblich. Rosa hybrida Schleicher als nomen
solum! hat zu entfallen, da Villars in „Histoire de plantes de
Dauphinde*“ p. 554 (1789), also viel früher eine Rose unter dem
Namen „ZAosa hybrida* creirte und ausführlich beschrieb! welche
zur Gruppe der Rosa alpina L. gehört. Rosa Gutensteinensis wurde
von Jacgq. fil. im Jahre 1821 aufgestellt, unter ausdrücklichem Hin-
weis ihrer Identität mit Rosa rubrifolia Jacq. pater in Fragmenta
botan. pax. 70 et 71 t.106 (1809) non Villars, welch letztere Rose
ausführlich beschrieben ist, und die überdiess eine prachtvolle Ab-
bildung noch anschaulicher macht; von einem blossen Namen kann
also auch bei letzterer Rose keine Rede sein! Bei Rosa, livida Host
(1831) wäre überdiess noch die Rosa vestita Sternberg Flora 1826,
67
1. Beilage p. 77 et 78 in Erwägung zu ziehen gewesen. Schliesslich
will ich erwähnen, dass die von Gandoger in seinen „Tabulae“ ın
Bullet. de la Soc. des amis des sciences naturelles du Rouen (1882)
p. 163 (Nr. 3267) angeführte Rosa aspera Schleicher oder vielmehr
„Chabertia aspera“ (Schleicher) Gdg. dieselbe Rose darstellt, welche
Keller an obenangeführter Stelle bespricht, und erwähne diese That-
sache nur, weil Gandoger sonst vom Verf. mit besonderer Vorliebe
eitirt wird. Braun.
Borbäs Vincze, Clusius szedre (Rubus Clusii) Erdesz. Lap. 1885 p. 401—402.
Rubus Clusii Borb. (R. Gremlii Haläcsy in Kern. Fl. exsice.
Austro-Hung. 850 mit wenigem Zweifel dafür gehalten, non Focke)
kann man weder nach Focke’s Synopsis Rubor. noch nach Gremli's
Exeursionsflora für den wahren R. Gremlii halten. In Focke ]. e.
bleibt man in den Adenophoris bei dem R. chlorothyrsus stehen,
wenn man aber von der Inflorescenz absieht und in C) Gruppe diese
Brombeerart sucht, so kommt man nicht zu R. Gremli, sondern zu
R. Reichenbachiä. In Gremli ]. ec. Nr. 35 finden wir R. Clusii
zwischen den mit bereiften Schösslingen versehenen Arten nicht,
zwischen den mit unbereiften Schösslingen versehenen Arten bleiben
wir wiederum bei R. teretiusculus stecken, welcher eigentlich zu den
Vertitis gehört. R. Clusii ist von R. Gremlä durch die stumpf
kantigen, reichdrüsigen und stark bestachelten Schösslinge, durch die
ausgebreitete (nicht schmale und lange), bis an die Spitze beblätterte
Inflorescenz, durch die mehrblüthigen Zweigchen der letzteren, welche
auch oberwärts drei- bis vierblüthig bleiben (bei R. Gremlü ein-
bis wenigblüthig), durch den grünlichen und glandulösen Kelch, so-
wie durch die verkehrteiförmigen (nicht schmalen, wie bei R. Gremlüi)
Petala verschieden. Ref. schreibt R. Clusii den Radulis zu.
Borbäs.
Vukotinoviö Ludwig, „Rosae Croaticae (excerptum) Rad. jugosl. akad.
libr. 69 1884“. U Zagrebu 1886, p. 17.
Hier werden einige Rosen neu beschrieben oder neu benannt,
80 Rosa subrepens Borb. in sched. 1882, — R. Sestinensis Vuk.,
— R. Doljensis Borb. et Vuk. (R. subalbida Vuk.), — RK. Worma-
slinyana Vuk. et Borb. (R. velutinaeflora Vuk. olim non Ds. et Oz.),
— R. congesta Vuk. (R. vinealis Vuk. olim), — R. flavidifolia Vuk.
(R. nitens Vuk., non Desv.), — R. Schlosseri Vuk. et Br. (R. spa-
tulifolia Vuk.), — R. canina var. sphaerophylla Vuk., — .R. Vuko-
tinovieii Borb. (RR. gallico-tomentosa? Kell. in lit.). — Die im Jahre
1884 regelmässig benannte AR. corylifolia Vuk. erscheint hier unge-
wöhnlicher Weise mit neuen Autoren (Vuk. et Kell.) und wird dazu
R. cuneata Kell. ined. als Syn. eitirt. — Solche inedirten Synonyme
zu eitiren, hält Ref. für unzweckmässig und überflüssig, denn so
können wir passende Namen der Synonymie wegen nicht mehr ver-
werthen. Im Interesse der Synonymik der Rosenunamen ist übrigens
Vukotinovid's vorliegende Arbeit wichtig. Borbäs.
68
O. Beccari’s neuere Arbeiten über die myrmekophilen Pflanzen etc., be-
sprochen von OÖ. Penzig. Separat-Abdruck aus „Botanische Jahrbücher“,
MAL ;3.
Ein Referat zu referiren verbietet sich von selbst. Es sei an
dieser Stelle nur erwähnt, dass Penzig die sowohl für die Syste-
matik, als namentlich für die Biologie hochwichtigen Arbeiten Bec-
carı's dem deutschen Publikum in der vorliegenden Schrift auszüg-
lich — und kritisch — zur Kenntniss bringt. Kronfeld.
Blocki Bronislav: Einige Bemerkungen über Dr. A. Zimmeter’s Ab-
handlung: „Die europäischen Arten der Gattung Potentilla*. Sep.-
Abdruck aus der Deutschen botanischen Monatsschrift 1886, Nr. 4—6.
Für das so schwierige Genus Potentilla ist in neuester Zeit
eine wahre Sturm- und Drangperiode herangebrochen. In den Reihen
der Botaniker, welche an der Entwirrung dieser polymorphen Pflan-
zengattung ihre Kräfte erproben, kämpft auch mit viel Muth und
Ueberzeugungstreue der als unermüdeter Forscher bekannte Verfasser
obiger Abhandlung. Er tritt in seinen Bemerkungen, die in 25
Punkte vertheilt sind, den Anschauungen Zimmeter’s und stellen-
weise auch Dr. Kerner’s rückhaltlos entgegen, wobei er jedenfalls
einen nicht zu unterschätzenden Fonds an Literaturkenntniss ent-
faltet. -— Manche Anregung für Fachgenossen wird sich aus der vor-
liegenden Arbeit gewiss ergeben, mancher neue Anhaltspunkt finden
lassen, wenn auch damit das letzte Wort noch nicht; gesprochen ist.
Moritz Prihoda.
Seripta Botanica Horti Universitatis Imperialis Petropolitanae. II. 1886.
Diese mit den Act. Horti Petrop. im Zusammenhange stehen-
den Schriften repräsentiren das erste und einzige bisher bekannte
Organ Russlands für die Publication der neuesten literarischen Pro-
dukte auf dem Gebiete der Botanik (ohne Unterschied der Sprache
und Nationalität). Der vorliegende Band bringt theils selbstständige
Abhandlungen, theils Literaturberichte. Erstere sind folgende in rus-
sischer Sprache geschriebene Arbeiten: Bekeloff A. Prof.: „Ueber
die Flora des Gouvernements Jekaterinoslaw*. Durch einige sachliche
Notizen pflanzengeographischen und phänologischen Inhaltes einge-
leitet, folgt die im Koch’schen Sinne gehaltene Enumeration von
1046 Arten Phanerogamen und Gefäss-Kryptogamen. Obwohl diese
Anzahl im Hinblick auf den vom Autor angegebenen Flächenraum
des behandelten Florengebietes von 66'623 Quadrat-Kilom. nicht un-
bedeutend genannt werden darf, so lässt sich andererseits nach der
stiefmütterlichen Behandlung mancher sehr arten- und formenreichen
Gattungen auf eine erschöpfende, vollständige Durchforschung des
Territoriums nicht schliessen. So sind z. B. die Gattungen Rosa
und Rubus mit je einer Art, die Familie der Orchideen nur durch
Orchis Morio vertreten. Diess ist um so auffälliger, als das ge-
nannte Gouvernement zwar ein Steppenklima besitzt, aber als unter
69
dem 47—49° nördl. Br. gelegen, immerhin den gemässigten Vege-
tationszonen angehört. — Gobi Chr. Prof.: „Ueber eine neue Rost-
pilzform Cacoma Cassandrae“. Vom Autor auf nassen Torfmooren
Finnlands, auf Andromeda (Cassandra) calyculata gefunden und im
vorliegenden Aufsatze beschrieben. — Krassnoff A.: „Notizen über
die Vegetation des Altai“. Grundlage der nicht nach systematischen
Prineipien, sondern nach natürlichen Vegetationsgruppen, als: (Arte-
misia-Steppen, Salinen, schwarzer Humusboden, im Frühjahre über-
schwemmte Wiesen, Cedernwälder, Hochalpen) angeordneten Pflanzen-
Aufzählung bildeten die Ergebnisse einer zweimonatlichen Excursion
in die Alpen von Katoun, das Buchtarma-Thal und die Umgebungen
des Belonka-Gebirges. — Unter den in der „Bibliographie“ re-
censirten zahlreichen Werken ist besonders seiner Provenienz wegen
bemerkenswerth: Plantae Boninsimae. Es sind diess in lateini-
scher Sprache abgefasste Diagnosen für 69 neue von japanesischen
Gelehrten in Ost-Asien gesammelte Pflanzen. Moritz Prihoda.
— ii
Correspondenz.
Lemberg, am 5. Jänner 1887.
Da die 15. und 16. Centurie der Fl. exsic. Austr.-Hung. bereits in
den Händen mancher Theilnehmer an der Herausgabe derselben sich
befindet und die Berichtigung eines in den Schedae, resp. Etiquetten
sich vorfindenden Irrthums nur durch eine Zeitschrift möglich ist,
so bitte ich um die gef. Aufnahme der nachfolgenden Zeilen in Ihr
Blatt: Bei der Bearbeitung des Weidenmateriales für die Fl. exsic.
habe ich die Notizen, resp. Beschreibungen für jede Weide auf ein
besonderes Blatt geschrieben und die Blätter entweder nummerirt,
oder sie in der mir geeignet erscheinenden Ordnung zusammengelegt.
Durch ein Versehen ist nun die Salix Fr vor die S. lago-
pina gestellt worden, was umgekehrt hätte geschehen sollen und ist
dadurch die Diagnose für $. Ausserdorferi falsch geworden. Es muss
dieselbe nunmehr lauten: Differt a sequente ete. — Bei dieser Ge-
legenheit erlaube ich mir mit Rücksicht auf die in der Fl. exsie.
Austr.-Hung. von Dr. Stapf bei Brunella bicolor gemachten Aus-
führungen meine Bemerkungen hinanzufügen. Sowohl Dr. Beck als
auch Dr. Stapf haben sich dahin ausgesprochen, dass beim Blatt-
rande der Br. grandiflora bloss Schwankungen innerhalb der Grenzen
einer Ausschweifung und einer gegen den Grund etwas tiefer ein-
greifenden Sägezähnung sich zeigen. Das ist nicht richtig. Der Jano-
wer Wald bei Lemberg, insbesondere die Localität, wo Brunella
grandiflora wächst, wurde von anderen Botanikern und von mir
sogar sehr oft besucht; ich habe auf das Vorkommen der Br. laci-
niata mein besonderes Augenmerk gerichtet, sie wurde aber weder
dort, noch in der näheren Umgebung, sondern erst zwei Meilen wei-
ter bei Stary Jazöw spärlich von mir gesehen. S. Jazow ist über-
70
dies von der Janower Localität durch Culturen, Teiche, nasse Wie-
sen, Bäche etc. getrennt. Unter solchen Verhältnissen kann man
von einer Bastartirung der dort vorkommenden Br. laciniata mit
der Janower Br. grandiflora unmöglich sprechen. Und doch besitze
ich Exemplare von Br. grandiflora aus dem Janower Walde, welche
neben ganzen Blättern auch solche aufweisen, wie sie meine Exem-
plare der Br. variabilis besitzen, nach denen Dr. Beck seine Be-
schreibung der Br. variabilis, die Dr. Stapf unter Br. bicolor sub-
sumirt, entworfen hatte, und die sonst nichts zeigen, was auf eine
Bastartirung hinweisen würde. Dr. Wotoszezak.
Brünn, am 6. Jänner 1887.
Als neu für die Flora Mährens, beziehungsweise Schlesien, sind
folgende von mir gesammelte interessante Rubus-Arten zu verzeich-
nen: Rubus silesiacus Weih. in Wimm. und Grab. FI. Siles., R.
orthacanthus Wimm., R. silvaticus Weih. et Nees., R. Wahlbergü
Arrh., R. caesius X candicans., R. chlorophyllus Greml., R. brachy-
andrus Greml., R. nitidus Weih. et Nees.,, R. rivularis Müll. et
Wirtg. var. prionophyllus Progel, R. longiramulus Sabr., R. ery-
throcomus G. Br., R. serpens Weih., R. laetevirens Progl., R. inso-
latus P. J. Müller., B. macrostemon Focke, R. moritanus Wirtg.
Im Ganzen sechzehn interessante, von dem rühmlichst bekannten
Batologen H. Sabransky gütigst determinirte Novitäten, auf die aus-
führlicher zurückzukommen ich mir vorbehalte. Dr. Formänek.
Lemberg, am 8. Jänner 1887.
Ueber einen höchst interessanten Fund bin ich in der ange-
nehmen Lage heute zu berichten. Es ist der bisher unbekannt ge-
wesene Bastart Ranunculus repenti><bulbosus, welchen ich im vori-
gen Sommer auf trockenen, grasigen Lehmtriften hart hinter dem
„Kaiserwald“ nächst Lemberg in zwei blühenden Exemplaren ent-
deckt habe. Dieser unzweifelhafte Mischling besitzt knollig verdickten
Stengelgrund, wie Ran. bulbosus, an welchen er übrigens auch in der
Form einiger Wurzelblätter und in der Grösse und Beschaffenheit
der Kelche und Blumenblätter erinnert, während er durch die Ge-
stalt der meisten Wurzel- und Stengelblätter, sowie durch das
Vorhandensein kurzer Ausläufer an Ran. repens L. mahnt.
Br. Btocki.
Budapest, 12. Jänner 1887.
Leucoium vernum L. kommt in Ost-Ungarn öfter mit zwei-
blüthiger Inflorescenz vor, und ich habe diese Varietät im Jahre
1878 in „Mathem. es Termeszettudomänyi Közlemenyek“ der ungar.
Akademie, Bd. XV, pag. 360, als var. böflorum mihi benannt. Diese
Varietät kommt in der Umgebung von Ungvär, Huszt (L. vernum
var. Vagneri Stapf 1886), Vöröspatak und anderswo in Siebenbür-
gen („planta nostra plerumque biflora“ Fuss Fl. Transs. excurs.
71
pag. 639), sowie im Biharer Comitate (Sink. Akad. Közl. XVI.
pag. 139, — cfr. Botan. Centralbl. 1881, Bd. V. pag. 144) vor.
Ich habe 1. ce. pag. 298 das in Ost-Ungarn wachsende Laserpitium
alpinum W. Kit. und das croatische L. marginatum W. Kit. speci-
fisch getrennt, danach ist ZL. alpinum var. nemorosum Stapf eher
das L. marginatum W. Kit. Ich erwähne ]. ce. zwischen den speei-
fischen Merkmalen des L. marginatum auch „radii umbellarum
etiam maiorum pauciores (eirca 10)* und Dr. Stapf sagt auch
„umbella plerumque pauciradiata“. Rosa Skofitziana Btocki
habe ich zwar nicht gesehen, aber wenn es mein Freund H. Braun
sagt, glaube ich, dass sie mit der R. uncinella var. eiliata Borb.
identisch ist (Oe. B. Z. 1886, pag. 429). Wenn doch Freund BYocki
einen constanten Farbenunterschied der Blüthe für R. Skofitziana
behauptet, muss ich bemerken, dass er kaum weiss, was für
eine Blüthenfarbe meine var. ciliata hat, denn ich habe sie nach
getrocknetem Materiale beschrieben und die Blüthenfarbe nicht an-
gegeben. Es ist also nicht ausgeschlossen, dass auch meine Varietät
weisse Blüthen hat und so mit der Blocki’schen „Art“ identisch ist.
Andere Merkmale hat Blocki nicht angeführt und meine Varietät
wächst gegen Nord-Ungarn, also nicht gar so weit von Galizien.
Borbäs.
Gnezda (Kniesen) 15. Jänner 1887.
Es wird Sie interessiren, dass ich bei Aufarbeitung meiner Du-
biosen gefunden habe, dass die Primula carpatica Fuss auch in
Krain vorkommt! Ich sammelte selbe in den ersten Junitacen 1883
von Mostrana aus in Kot und in dem Kermathale (nicht wie Sco-
poli phantasirt, am Kerma-Berge, der nie existirte) in beiläufiger
Seehöhe von 900 bis 1200 Meter. Sie unterscheidet sich von den
siebenbürgischen ÖOriginalexemplaren nur durch etwas stärker be-
haarte Kelche. Ullepitsch.
Kopenhagen, im December 1886.
Da ich seit nahezu 25 Jahren die volksthümlichen Namen von
phanerogamen und kryptogamen Pflanzen nicht nur in den ältesten
und neuesten ÖOriginaltexten, sondern auch mit Hilfe zahlreicher
Correspondenten aus allen europäischen, nicht slavischen Ländern
esammelt habe, und nachdem sie in den Jahren 1867—1871 auf
osten „der königlich dänischen Gesellschaft der Wissenschaften“
und der „botanischen Gesellschaft zu Kopenhagen“ unter dem
Titel „Noms nordique des plantes“ (von Island, Föräer, Norwegen,
Schweden und Dänemark) publieirt wurden, bin ich jetzt daran, aus-
zuarbeiten „Pflanzennamen in germanischen und romanischen Spra-
chen“. Indessen, um dieser Arbeit die grösstmöglichste Vollkommen-
heit, oder besser gesagt, die geringste Mangelhaftigkeit zu geben,
welche bei einem solchen Unternehmen möglich ist, nehme ich mir
die Freiheit, an die Philologen und Hortologen Europas die Bitte
zu richten, mir hierauf bezügliche Mittheilungen gütigst zukommen
72
lassen zu wollen, besonders über volksthümliche Namen, begleitet
mit der Angabe des Ortes (der Stadt oder der Geeend), wo sie ge-
mein sind und ihrer landläufigen Aussprache. Die immer wachsende
Ausbreitung der Cultur und die Fortschritte des botanischen Unter-
richtes an fast allen Schulen haben schon eine grosse Zahl dieser
volksthümlichen Namen verschwinden gemacht, wovon viele ein
sprachliches oder culturelles Interesse haben. Wenn man daher jene
retten will, welche noch übrig bleiben, so darf man nicht zögern.
Das Zweckdienlichste nach meiner Meinung wäre daher: 1. Wenn
mein Ansuchen in den wissenschaftlichen Publicationen, besonders
in den botanischen und horticolen Fachschriften veröffentlicht werden
möchte, und 2. wenn die Sammlungen, die in oben bemerktem Sinne
gemacht worden sind, mir zur Verfügung gestellt und die Titel jener
Werke bekannt gegeben würden, die derartiges enthalten. Bitte
etwaige Zuschriften an mich unter der Adresse: „Monsieur Carl
Hansen, professeur & l’Academie Royale superieure d’Agrieulture
et d’Horticulture & Copenhague. V.* abzusenden.
H. Jenssen-Tusch, Oberst.
—
Personalnotizen.
— Dr. Alois Pokorny, k. k. Regierungsrath und Director
des Comm. Real- und Ober-Gymnasiums in der Leopoldstadt zu
Wien ist 61 Jahre alt, am 29. December v. J. in Innsbruck, wo er
sich zum Besuche seiner Tochter und seines Schwiegersohnes, des
Universitäts-Professors Dr. Juraschek befand, an einem Schlag-
flusse plötzlich gestorben. Die Oesterr. botan. Zeitsch. brachte schon
im J. 1863 dessen Porträt und Biographie.
— Don Francisco Loscos y Bernal, Apotheker in Castel-
seras in Araconien, einer der besten Kenner der spanischen Flora,
ist am 23. November v. J., 63 Jahre alt, gestorben.
— Dr. Otto Penzig, Professor in Modena, ist zum Professor
der Botanik und zum Director des botanischen Gartens an der Uni-
versität Genua ernannt worden.
— J. Freyn, Civil-Ingenieur in Prag, ist zum fürstl. Collo-
redo-Mannsfeld’schen Baurathe ernannt worden.
— Prof. Dr. J. Wiesner in Wien wurde von der kgl. schwe-
dischen Gesellschaft der Wissenschaften zu Upsala zum ausw. wirkl.
Mitgliede gewählt.
— Professor Dr. A. Engler und B. Stein, Inspector des
bot. Gartens in Breslau, sind zu corr. Mitgliedern der Royal Horti-
cultural Society in London gewählt worden.
— Dr. Karl Goebel in Rostock ist zum ordentl. Professor
und Director des botan. Gartens an der Universität Marburg er-
nannt worden.
73
— Dr. Paul Morthier ist anfangs December v. J., 63 Jahre
alt, in Corcelles bei Neufchatel gestorben.
— Dr. Alexander Zahlbruckner ist zum wissenschaftlichen
Hilfsarbeiter an der botanischen Abtheilung des k.k. naturhist. Hof-
museums ernannt worden.
— Adolf Oborny, Professor an der Landes-Oberrealschule in
Znaim wurde zum Bezirks-Schulinspector für den Znaimer Stadt-
schulbezirk ernannt.
— Thomas Moore ist am 1. Jänner, 66 Jahre alt, in Lon-
don gestorben.
Vereine, Anstalten, Unternehmungen.
— In einer Sitzung der kais. Akademie der Wissen-
schaften in Wien, am 2. December 1886 übersandte Regierungs-
rath Prof. Dr. Constantin Freiherr v. Ettingshausen eine in sei-
nem Institute ausgearbeitete Abhandlung: „Ueber regressive Form-
erscheinungen bei @uercus sessiliflora Sm.“ von Herrn Franz
KraSan, Professor am II. Staatsgymnasium in Graz. Der Verfasser
hat fünf wesentlich verschiedene Blattformen an ein und demselben
Baume der Quercus sessiliflora beobachtet. Der Baum befindet sich
in der Nähe der Stadt Graz und war infolge des empfindlichen Fro-
stes am 8. Mai d. J. mehrere Tage ganz entlaubt. Er hatte in den
folgenden 14 Tagen aus den Knospen, welche der Frost verschont
hatte und die bis zum 8. Mai noch nicht aufgegangen waren, all-
mälig von neuem getrieben und lieferte an den aus diesem Trieb
entstandenen Sprossen das gewöhnliche oder normale Blatt, theil-
weise aber auch eine Form, welche unverkennbar an @. infectoria
Oliv. erinnert. Im Laufe des Sommers gingen neue Sprosse, und
zwar aus Adventivknospen, hervor. An diesen erschienen zu unterst
schmale, ungebuchtete ganzrandige, weiter oben verkehrt eiförmige
ungetheilte, weiter gegen die Spitze lappige und ganz an der Spitze
des Sprosses fiederspaltige Blätter. Auf Grund mannigfacher Ver-
gleichungen constatirt der Verfasser den genetischen Zusammenhang
zwischen diesen Blattformen einerseits und gewissen noch lebenden
nordamerikanischen Eichenarten (@. virens Ait., @. aquatica Walt,
und @. Prinus L.) und den fossilen @. Daphnes Ung. (resp. @.
elaena Ung. und @. chlorophylla Ung.) und @. tephrodes Ung. aus
dem Myocen, indem er die Gründe anführt, welche die Vielgestal-
tigkeit des Blattes am obigen Baume als eine regressive Form-
erscheinung, das ist als einen „Rückschlag“ erkennen lassen, wobei
er auch auf die an der Keimpflanze auftretenden Blattformen hin-
weist.
Dr. Moriz Kronfeld in Wien überreichte eine Abhandlung:
„Ueber den Blüthenstand der Rohrkolben“. In der Einleitung
| der vorliegenden Arbeit werden in Kürze die morphologischen Fra-
gen vorgeführt, welche an das Genus Typha anknüpfen. Verfasser
| Oster. botan. Zeitschrift, 2, Hoft 1887, 6
74
wendet sich im Speciellen der Untersuchung des Blüthenstandes zu.
Es wird vorerst ein historischer Ueberblick, eine Geschichte
und Kritik der Ansichten über den Blüthenstand von Typha gege-
ben. In dem folgenden Abschnitte: Bildungsabweichungen, wer-
den teratologische Fälle zusammengestellt und beschrieben. Daraus
ergeben sich Kriterien für die anher aufgestellten Theorien. Nament-
lich werden für die durch Schur vorbereitete, von Gelakovsky
ausgearbeitete Sparganium-Theorie wesentliche Stützen heischitueht
Demnächst werden aus der Untersuchung der Teratologie Excurse
über die Morphologie und Biologie der Rohrkolben abgeleitet.
Dr. Richard R. v. Wettstein überreichte eine Abhandlung,
betitelt: „Fungi novi Austriaci“, Ser. I. Die Abhandlung ent-
hält die Beschreibungen von dreizehn neuen Pilzen, sowie Resultate
morphologischer und entwicklungsgeschichtlicher Untersuchungen an
denselben. Die beschriebenen Pilze gehören den Gattungen Irpew,
Selerotinia, Micropeziza, Lycoperdon, Agaricus, Marasmius, Cantha-
rellus, T’rametes und Hydnum an.
— Monats-Versammlung der k. k. zoologisch-botanischen
Gesellschaft in Wien am 5. Jänner 1887. Vorsitzender: Herr
Prof. J. Mick. Botanische Gegenstände wurden besprochen von den
Herren: Dr. M. Kronfeld: Ueber die Beziehungen der Nebenblätter
(Stipulae) zu ihrem Hauptblatt. Der Vortragende erbrachte den Nach-
weis, dass die Neben- oder After-Blätter keine selbstständigen Or-
gane sui generis, sondern eine Ausgliederung basaler Lappen des
Hauptblattes darstellen und demonstrirte an Exsiceaten die von ihm
semachte Wahrnehmung, dass eine Öbliteration oder aber Exstirpa-
tion der Blattspreite eine abnorme Entwicklung der Stipellen zur
Folge hat. Beispiele hievon an Pyrus Malus, Pisum sativum und
Lathyrus Aphaca. — H. Zukal: Ueber mehrere von ihm neu ent-
deckte Ascomyceten. — Höffer Franz: Ueber sechs in Niederöster-
reich vorhandene grössere Herbarien, theils aus früherer Zeit (1. das
gräfl. Harrach’sche in Bruck a. d. Leitha vom Jahre 1781 ange-
fangen, 7000 Exemplare; 2. Herbar nach Prof. Sales. Schreiber in
Klosterneuburg, 50.000 Exemplare; 3. ein von Sr. k. Hoheit weiland
Erzherzog Rainer zum Gebrauche für Schulen hinterlassenes Herbar
von 3000 Exemplaren), theils aus der Gegenwart (4. Herbar des
Pfarrers A. Matz in Angern, 3000 Arten; 5. Herbar nach dem vor
Kurzem verstorbenen Lehrer Glatz in Waidhofen a. d. Ybbs, und
6. Herrn Carl Aust’s in Hainburg Herbar im besten insektenfreien
Zustande; Dank dessen Aufbewahrung in wohlverschlossenen Kästen
aus Zirbenholz). Derselbe Vortragende sprach ferner über die Vul-
gar-Namen verschiedener Pflanzen im Waldviertel. — Dr.
R. v. Wettstein constatirte auf Grund seiner an Coprinus-Arten
gewonnenen Erfahrungen die Anwendbarkeit der Syste-
matik beim Studium der Hymenomyceten, wobei er die Bedeutung
der Cystiden als Schutzmittel der Sporen näher erörterte.
Moritz Prihoda.
A u A U
75
— Die Wiener pädagogische Gesellschaft hat an den Gemeinde-
rath ein Gesuch um Errichtung eines botanischen Gartens für
Unterrichtszwecke auf Gemeindekosten gerichtet. Die Proponenten
meinen, diese Communal-Anstalt hätte Pflanzen für die Schulen un-
entgeltlich abzugeben, die Lehrer könnten den Garten mit ihren
Schülern besuchen, Gebildeten aller Stände soll derselbe zugänglich
sein, botanische Vorträge und Demonstrationen wären daselbst abzu-
halten u. s. w. Es wird auf Berlin hingewiesen, wo ähnliche An-
stalten im Humboldthain, Friedrichshain und Treptow bestehen,
welche sich bestens bewähren. Die Gemeinde Berlin habe den bota-
nischen Garten auf einem eigens angekauften Grundstücke schon vor
18 Jahren errichtet und die nöthigen Baulichkeiten geschaffen und
besolde das Personale. Die Gesellschaft meint, dass die Area des
ehemaligen Thiergartens im Prater sich zu dem angeregten Zwecke
besonders eignen würde.
Botanischer Tauschverein in Wien.
Sendungen sind eingelangt: Von Herrn P. Dicht] mit Pflan-
zen aus Niederösterreich. — Von Herm Frank mit Pflanzen aus
Oberösterreich. — Von Herrn Runge mit Pflanzen aus Westfalen.
Sendungen sind abgegangen an die Herren Btocki und
Callier.
Aus Schlesien eingesendet von Felsmann: Alectorolophus ma-
jor, A. minor, Cicer arietinum, Corylus tubulosa f. atropurpurea,
Örepis paludosa, Galeopsis speciosa, Hypochoeris maculata, Madia
sativa, Melandrium album, M. rubrum, Phalaris picta, Plantago
microstachya, Pyrola secunda, Ranunculus acer, R. polyanthemos,
Saliv purpurea X viminalis, Thalietrum minus, Valeriana sambuci-
folia, Veronica triphyllos, Viola arvensis, V. hirta, V. Riviniana, V.
silvatica.
Aus Galizien eingesendet von Wodloszezak: Oytisus ruthenicus.
Aus Dalmatien eingesendet von Adamovic: Aspidium palli-
dm, Asplenium acutum, Dianthus racemosus, Galium aureum, Li-
naria dalmatica, Teuerium scordioides.
Aus Ungarn eingesendet von Borbäs: Aster punctatus, Dian-
thus Armeriastrum, Jquisetum ramosissimum, Lapsana cancellata,
Linum glabrescens, Lolium linicolum, Medicago elongata, Plantago
altissima, Pulmonaria mollissima, Quercus conferta, Rosa hunga-
rica, R. petrophila, Saliw amgustifolia, Scirpus Michelianus, Syrenia
angustifolia, Syringa Josikaea, Trifolium procerum, Trif. resu-
pinatum. |
Aus Niederösterreich eingesendet von L. Keller: Aconitum
Anthora, Androsace obtusifolia, Campanula alpina, Carex capillaris,
07
76
Ö©. ferruginea, Castanea sativa, Centaurea vochinensis, Epilobium
tetragonum, Fumaria rostellata, Gentiana pumila, Hedysarum ob-
scurum, Jasione montana, Juncus Jacquini, Medicago falcata var.
glandulosa, M. fale. var. pubescens, M. falcato X sativa, M. sativa,
Nigritella nigra, Ononis repens, Oxytropis montana, Papaver alpi-
num var. album, P. Argemone, P. Rhoeas, Pedicularis rostrata,
Phaca frigida, Phleum Micheliü, Ranunculus alpestris, R. platani-
folius, Rubus Beckü, R. Gloggnitzensis, R. Gremlü, R. Halaesyi,
R. megathamnos, R. rosulentus, Saxifraga stellaris, Soldanella mi-
nima, Statice alpina, T’hlaspi rotundifolium, Trifolium gracile, Vul-
pia myuros.
Obige Arten können nach beliebiger Auswahl im Tausche
oder käuflich die Centurie zu 6 fl. (12 R. Mark) abgegeben werden.
Inserate.
Verlag von Arthur Felix in Leipzig.
un Das Chlorophylikorn
über Kr
Protoplasma -Mechanik | chemischer, morphologischer
“und
va biologischer Beziehung.
Dr. G. Berthold, Ein Beitrag
a. o. Professor der Botanik und Director | zur Kenntniss des Chlorophylikornes der
des pflanzenphysiologischen Institutes | Angiospermen und seiner Metamorphosen
der Universität Göttingen. von
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In gr. 8. XII, #36 Seiten. 1886. brosch. | Mit 3 Tafeln in Farbendr. In gr.4. 1883,
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Bearbeitet von
Dr. Theodor Hartig,
herzogl. Braunschweig’scher Forstrath und Professor etc.
Neue wohlfeile Ausgabe.
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In gr. 4. XVII. 580 Seiten. brosch. Preis: 50 M.
Redacteur und Herausgeber Dr. Alexander Skofitz. — Verlag von ©. Gerold’s Bohn.
C. Ueberreuter'sche Buchdruckerei (M. Salzer) in Wien.
r
i
Oesterreichische
Botanische Zeitschrift,
Die österreichische Exemplare
botanische Zeitschrift Organ die frei durch die Post be-
erscheint zogen werden sollen, sind
den Ersten jeden Monats. f blos bei der Redaction
Man pränumerirtauf selbe ar (IV. Bez., Mühlgasse Nr. 1)
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XXXVII Jahrgang. WIEN. März 1887.
INHALT: Nachruf. Von Dr. Burgerstein. — Campanula farinulenta. Von Dr. Kerner und
Dr. Wettstein. — Pinguieula bicolor. Von Dr. Woloszezak. — Zur Batographie Niederöster-
reichs. Von Sabransky. — Galeobdolon Tatrae. Von Ullepitsch. — Verwachsung von Stäm-
men, Von Voss. — Zur Flora von Bielitz. Von Baier. — Ursachen der Haarbildung. Von KraSan.
— Bergalgenflora Böhmens. Von Dr. Hansgirg. — Flora des Etna. Von Strobl. —- Literatur-
berichte. — Correspondenz. Von Keller, Formänek, Borbäs. — Personalnotizen. — Vereine,
Anstalten, Unternehmungen. — Botanischer Tauschverein. — Inserate.
Nach er
an
Dr. Alois Pokorny.
Wie eigenthümlich doch das Schicksal waltet! Am 22. Decem-
ber des vorigen Jahres versammelte sich der Lehrkörper des Leo-
poldstädter Communal-Real- und Obergymnasiums, um dem Director
der Anstalt, Regierungsrath Dr. Alois Pokorny, in treuer Anhäng-
lichkeit und aufrichtiger Verehrung ein glückliches Neujahr zu wün-
schen — und am Neujahrstage versammelte sich derselbe Lehrkörper
abermals, aber sein Chef war nicht mehr unter den Lebenden; er
war am 29. December ferne von der Heimath und seinem Wirkungs-
kreise eines plötzlichen Todes verschieden. Desshalb versammelte sich
auch das Professoren-Collegium, um über die Bestattungsmodalitäten
zu conferiren. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel erschien die
Todesnachricht in den Tagesblättern und allgemein war die Trauer
der zahlreichen Schüler, Fachgenossen und Freunde dieses ausgezeich-
neten Mannes.
Pokorny wurde am 23. Mai 1826 zu Iglau in Mähren ge-
boren. Nach Absolvirung des Gymnasiums studirte er 1844—1848
Jurisprudenz in Wien; im folgenden Jahre kam er als Supplent an
das hiesige k. k. akademische Gymnasium und nach Ablegung der
Gymnasial-Lehramtsprüfung aus Naturgeschichte und Physik wurde
er 1852 zum wirklichen Lehrer an der genannten Unterrichtsanstalt
ernannt. Im Jahre 1855 erhielt Pokorny von der Universität Göt-
Oesterr. botan. Zeitschrift. 8, Heft 1887, 7
78
tingen das Diplom eines Doctors der Philosophie und nach bald
darauf erfolgter Nostrification habilitirte er sich an der » Wiener
Universität für allgemeine Pflanzengeographie, die er bis zum Jahre
1868 docirte. Eine wichtige Periode im Wirkungskreise Pokorny's
berann im Jahre 1864. Der Gemeinderath von Wien hatte in seiner
Sitzung vom 18. Februar 1864 die Errichtung zweier Realgymna-
sien und einer vollständigen Realschule beschlossen. Nachdem dieser
denkwürdige Beschluss von dem Staatsminister Excellenz R.v. Schmer-
ling die Genehmigung erhalten hatte, wurde Dr. Alois Pokorny
laut Gemeinderathsbeschluss vom 26. October zum Director des
städtischen Realgymnasiums im zweiten Bezirke ernannt; die Anstalt
selbst wurde am 11. October des genannten Jahres von dem dama-
ligen Bürgermeister Dr. Andreas Zelinka in feierlicher Weise er-
öffnet. Pokorny verblieb in dieser seiner neuen Stellung bis zu
seinem Tode. Er leitete die ihm anvertraute Lehranstalt, die succes-
sive zu einem vollständigen Real- und ÖObergymnasium erweitert
wurde, in musterhafter Weise und setzte stets seine volle und beste
Kraft ein für das Gedeihen und den Aufschwung derselben. Zu wieder-
holtenmalen wurde in massgebenden Kreisen die Frage ventilirt, ob
die Real-Gymnasien — bekanntlich eine Schöpfung der neueren Zeit
— in ihrer bisherigen Organisation fortbestehen oder in sog. reine
Gymnasien verwandelt werden sollen. Pokorny setzte sich stets auf
das kräftigste für die Real-Gymnasien ein; in mehreren mit grosser
Sachkenutniss und Objeectivität geschriebenen, zumeist in den Jahres-
berichten der Anstalt veröffentlichten Aufsätzen suchte er den Nach-
weis zu liefern, dass die Bedenken, welche von verschiedenen Seiten
gegen den Fortbestand der Real-Gymnasien erhoben wurden, theils
unbegründet sind, theils auf ein sehr geringes Mass sich reduciren,
und zeigte, dass die österreichischen Real-Gymnasien als im fort-
schrittlichen Geiste entwickelte Gymnasien sind, welche gegenwärtig
unbedingt den Vorzug vor den sog. reinen Gymnasien verdienen.
Pokorny’s Musse war fast ausschliesslich literarischer Thätig-
keit gewidmet. Schon als Gymnasiast zeigte er ein lebhaftes Inter-
esse für die Naturwissenschaften im allgemeinen und für die Bota-
nik ganz besonders. Durch eine Reihe hervorragender österreichischer
Botaniker (Endlicher, Fenzl, Reissek, Kotschy u. A.) in die
scientia amabilis eingeführt, trat er bald mit selbständigen Arbeiten
in die Oeffentlichkeit. Wir können hier nicht auf eine Enumeratio
seiner zahlreichen Publicationen, die namentlich Themen aus der
Bryologie, Phänologie, Localfloristik und Blattmorphologie behandel-
ten, geben.') Hervorheben müssen wir aber seine gründlichen und
umfassenden Untersuchungen der ungarischen Torfmoore, seine „Plantae
lignosae imperii austriaci* (mit 1645 Blattabdrücken auf 80 Tafeln)
und die in Gemeinschaft mit Prof. C. v. Ettingshausen heraus-
gegebene „Physiotypia plantarum austriacarum“, ein Werk in fünf
f '‘) Eine Zusammenstellung seiner Arbeiten bis zum Jahre 1863 enthält
die ausführliche Biographie Pokorny’s im XIII. Jahrgange dieser Zeitschrift.
19
Foliobänden mit 500 Tafeln, wofür jeder der beiden Verfasser von
Sr. Majestät dem Kaiser mit einem Brillantring ausgezeichnet wurde.
Die sich von Jahr zu Jahr mehrenden Amtsgeschäfte, sowie die fast
unausgesetzte, zeitraubende Redaction seiner Lehrbücher hinderten
ihn immer mehr an der Ausführung wissenschaftlicher Unter-
suchungen. Seine letzten grösseren Arbeiten waren: „Ueber phyllo-
metrische Werthe als Mittel zur Charakteristik der Pflanzenblätter*
(Sitzungsber. der k. Akademie der Wissensch. Wien 1875) und „Die
Blättermasse österreichischer Holzpflanzen“ (Verh. der k.k. zoolog.-
botan. Gesellschaft 1877). Unter den verschiedenen Lehrbüchern, die
Pokorny herausgab, erfreute sich insbesondere die illustrirte Natur-
geschichte des Thierreiches, Pflanzenreiches und Mineralreiches für
die unteren Classen der Mittelschulen einer ganz ausserordentlichen
Verbreitung. Die Bücher erschienen in den Fünfziger-Jahren und er-
lebten zahlreiche Auflagen. Seit Jahren sind die Pokorny’schen
Lehrtexte in alle Sprachen der Monarchie übersetzt und fast an
sämmtlichen österreichischen und. ungarischen Mittelschulen einge-
führt. Die Zahl der von der Verlagsbuchhandlung bisher ausgegebenen
Exemplare beträgt viele Hunderttausende.
Pokorny war Ehrenmitglied, correspondirendes und wirkliches
Mitglied, Vicepräsident und Ausschussmitglied zahlreicher wissen-
schaftlicher Corporationen des In- und Auslandes.
Seine Vielseitigkeit des Strebens und seine Verdienste in päda-
gogisch-didactischer und wissenschaftlicher Richtung wurden mehr-
fach anerkannt. Von Sr. Majestät dem Kaiser wurde ihm, wie schon
bemerkt, ein Brillantring, ferner mit Allerhöchster Entschliessung
vom 24. Juni 1872 „in Anerkennung vieljährigen und ausgezeichneten
Wirkens im Lehramte“ der Titel und Charakter eines Regierungs-
rathes verliehen. Bald darauf erhielt er den k. russischen St. Annen-
Orden III. Classe. Anlässlich des zurückgelegten dreissigsten Dienst-
jahres wurde ihm taxfrei das Bürgerrecht der Stadt Wien zuerkannt.
Vor den letzten Weihnachten nahm Pokorny einen kurzen
Urlaub, den ersten und einzigen zugleich während der langen Lauf-
bahn ununterbrochener Thätigkeit und Pflichterfüllung und begab
sich in Begleitung seiner Gattin nach Innsbruck zum Besuche seiner
- Tochter und seines Schwiegersohnes, des Universitätsprofessors Dr.
Franz R. v. Juraschek. Nach Neujahr sollte er zurückkehren zur
Wiederaufnahme seiner Thätigkeit; — aber nur die entseelte Hülle
_ war es, welcher sich die Pforten des Gymnasiums zum letztenmal
zu einem tiefergreifenden Einzug und nur für wenige Stunden öffne-
f
ten. Der Lehrkörper trauert tief und aufrichtig über den Verlust
eines edlen und bedeutenden Mannes, auf dessen Führung derselbe
stolz sein konnte, an dessen leuchtendem Vorbild er sich erheben
und auf dessen wahre Freundschaft er zu jeder Zeit rechnen konnte.
Die Schüler, welche den Dahingeschiedenen wegen seiner Gerechtig-
keit und seines Wohlwollens verehrten und hoch schätzten, haben
einen wahrhaft väterlichen Freund verloren. Die Wissenschaft beklagt
in Pokorny den Verlust eines begabten kenntnissreichen Mannes,
ki
80
eines thätieen unparteiischen Schriftstellers, eines gewissenhaften For-
schers. Durch seine Verdienste um die Wissenschaft und den Unter-
richt, durch sein edles, alles Gute und Schöne gerne förderndes Stre-
ben, durch sein urbanes, feinfühlendes und wahrhaft gütiges Naturell
hat er sich selbst ein Denkmal geschaffen, das ihm für alle Zeiten
die Anerkennung, Hochachtung und Liebe sichert in den Herzen
aller Jener, welche ihm in irgend einer Richtung im Leben näher
gestanden sind.
Wien, im Februar 1887. Dr. A. Burgerstein.
— in ——
Campanula farinulenta.
Auctoribus A. Kerner et Wettstein.
Rhizoma tenue, ramosum, caules complures edens. Caulis erec-
tus vel ascendens, gracilis, indivisus vel parce ramosus, foliis sparsis,
subangnlatus, glaber, 10—20 Ctm. longus. Folia glabra nitida, in
apice rhizomatis rosulas parvas steriles formantia; ea rosularum ob-
cordato-rotundata, subserrata, obtusa, longe petiolata; caulinorum
basalia obcordata, apiculata, parce serrata, serrae basin folii versus
elongatae (itaque folia nonnunquam subsagittata), longe petiolata,
sensim in lanceolata, brevissime petiolata, acuta, serrata, in utroque
latere serris 3—8 praedita abeuntia; summa linearia, acuta, integra,
sessilia. Folia rosularum sterilium et inferiora cca. 10—20 Mm.
diametro, petiolo 30—50 Mm. longo; intermedia cum petiolo 20—30
Mm. longa, 3—5 Mm. lata; summa 13—25 Mm. longa, 1—2 Mm.
lata. Flores solitares vel in racemis laxis 2—7 floris, longe pedun-
culati, nutantes. Calyx lobis longe acuminatis, angustis, 4—6 Mm.
longis, ad basin cea. 05 Mm. latis, initio rectis, mox erecto-paten-
tibus, glabris. Tubus calyeis 10-costatus, costis glabris obtusis, inter
costas papillis albis obtusis farinulento-puberulus. Corolla tubuloso-
campanulata, superne ampliata, coerulea, glabra, 15—18 Mm. longa,
lobis triangularibus, subacutis, 3—5 Mm. longis, tenuiter retieulatim
nervosis. Stylus corolla aequilongus, in parte superiore papillosus,
inferne disperso-hirsutus. Capsula (junior) obconica, costis modice
prominentibus, indumento farinulento persistente, nutans, basi
dehiscens.
Dalmatia. In glareosis et rupestribus montis Biokovo. Legit
Th. Pichler Junio 1870 et Julio 1880.
Pinguicula bicolor.
Von Dr. Woloszczak.
Acaulis, vulgo biscapa, tota glandulis brevistipitatis sparsis in-
structa; radice fibrosa; folüs rosulatis, oblongis vel oblongo-lanceo-
latis, obtusis, basi attenuata sessilibus ;. calix campanulatus bilabiatus,
a 4 2 ra 2
8l
labio inferiore bilobo, superiore trifido, lacinüs obtusis; corolla in
calcar subulato-conicum rectum dimidio brevius subito contracta,
bilabiata ; labio superiore, paulum breviore bi-, inferiore trifido, la-
cinia labis inferioris intermedia lateralibus duplo longiore calcaris
longitudinem aequante ; laciniis omnibus albis, caetera corolla viola-
cea. Scapus ad 20 cm. altus, calcar 5 mm. long.
In pratis turfosis ad pagum Podmanasterz in agro Leopolitano
sat copiose.
P. bicolor unterscheidet sich von P. vulgaris L. durch kleinere
Blüthen, deren Krone sich plötzlich in den Spora verschmälert, fer-
ner durch weisse Kronzipfel. Sie dürfte in Galizien eine weitere Ver-
breitung haben.
„Ueber das gelbblühende Melampyrum Herbichii m., welches
von M. saxosum und silvatieum durch eiförmige Kelchzipfel auf-
fallend sich unterscheidet, so wie andere ostkarpatische Pflanzen
werde ich später Mittheilungen bringen.
Lemberg, am 9. Februar 1887.
Zur Batographie Niederösterreichs,
Von H. Sabransky.
Folgende Zeilen sollen sich als bescheidener Beitrag an die
Exposition der Rubi in Haläcsy und Braun’s Nachträgen zur
Flora Niederösterreichs (1882) anschliessen. Einige fürs Gebiet neue
Formen habe ich desshalb mit Beschreibung versehen. Anlass bot
mir selbstgesammeltes Materiale sowohl, als mehreres, das mir von
befreundeten Botanikern zur Bestimmung vorgelegt wurde.
FR. megathamnos A. Kern. (RR. bifrons > tomentosus). Zwischen
Seebenstein und Pitten (nächst Aspang), an einem Waldrande gegen-
über der Papierfabrik (C. Aust). Auch R. bifrons Vest. erhielt ich
von dort in schönen Exemplaren.
R. epipsilos Focke. Die in den „Nachträgen ete.* gegebene
Diagnose der Wiener Pflanze stimmt so wenig zur Focke’schen Be-
schreibung, dass Herr v. Haläcsy selbst die Identification mit
einem Fragezeichen versah. Ich habe diese Pflanze noch nicht ge-
sehen, doch steht der Bau der Inflorescenz, die Form des Endblätt-
chens und das tiefrosenrothe Colorit der Blüthen mit der Original-
diagnose nicht im Einklange. — An Bergabhängen zwischen Stein-
bach (Gasthof) und Weidlingau habe ich eine Brombeere ange-
troffen, die sowohl der Focke’schen Beschreibung gut entspricht, als
auch mit bayrischen, von Dr. Progel mir mitgetheilten Exemplaren
prächtig übereinstimmt. Besteht ein Unterschied, so ist es höchstens
der, dass die Blüthenstielchen der Wiener Pflanze viel weniger dicht
behaart sind, als die der Waldmünchener Exemplare. Von AR. Ra-
82
dula Whe. und R. Caflischii F. unterscheidet sich diese Form durch
viel schwächere Bewehrung der Rispe, unterseits sehr dünnfilzige,
also fast concolore Blätter und unbehaarte Schösslingsaxen.
R. Guentheri Whe. et N., Focke Syn. Rub. Germ. p. 375.
In den erwähnten „Nachträgen ete.“ S. 337 (nach .R. hirtus W.K.)
folgender Weise einzufügen:
Schössling aus niedrig bogigem Grunde liegend oder klet-
ternd, rund, unbereift (selten blaubereift: f. pruinosa Utsch'), dicht,
fast zottig behaart, mit ungleichen dünnen Stacheln und un-
gleich langen Stieldrüsen besetzt. Blätter fussförmig, 5-zählig,
selten 3-zählig, mit deutlich gestielten Seitenblättchen. Blätt-
chen scharf, ziemlich gleichmässig gesägt, beiderseits behaart, mitt-
leres eiförmig oder elliptisch, mit ziemlich langer Spitze.
Blüthenzweige wollig behaart, dunkelroth-drüsig, mit 3-zäh-
ligen Blättern besetzt, kurz ungerade bestachelt. Rispe meist kurz,
fast. traubig, nur die untersten Aeste mehrblüthig. Kelchzipfel
dicht duukeldrüsig, zuletzt aufrecht. Kronblätter weiss. Staub-
gefässe einreihig roth, halb so lang als die purpurnen
Griffel. Fruchtknoten behaart.
An Waldrändern an der Tullnerstrasse und auf der Sophien-
alpe nicht selten. Mitte Juli.
Von R. hirtus W. K. unterscheidet sich diese Art durch die
zottigbehaarten Axen, die kurzen, wie bei R. Idaeus nur eincycli-
schen rothen Staubblätter. Z. Bayeri F. ist durch unbehaarte Schöss-
linge, längs zugespitzte Blätter, auch ganz einreihige längere Staub-
gefässe und grüne Griffel verschieden. Das Merkmal der rothen
Griffel ist nicht beständig, so erhielt ich aus den bayrischen Thei-
len des Böhmerwaldes eine Reihe grüngriffliger Formen des R.
Guentheri. Charakteristisch aber ist die typische Tracht des R. hir-
tus bei Kürze und Einreihigkeit der Staubgefässe.
Am Plateau der Sophienalpe und am Wege von hier nach
Hütteldorf sammelte ich Formen, die habituell sehr abweichen, aber
doch hieher gehören dürfen; sie seien erwähnt als R. [Guwentheri
W. N. var.] chlorosericeus m.: Schösslinge blau bereift, sehr
dicht behaart; Bestachelung derber, die grösseren Stacheln aus
breiter Basis etwas gekrümmt, ziemlich rigid; Blätter immer
fussförmig, 5-zählig, Blättchen beiderseits grün, dicklich, oben
dunkel, lederig, unten von kurzen, dicht abstehenden
Haaren weich sammtig anzufühlen, das mittlere aus seicht
herzförmigem Grunde verkehrt eiförmig oder breitelliptisch,
mit langer Spitze. Blüthenstand lang und sehr schmal; sonst
wie typischer R. Guentheri Whe. N. Syn.: R. malacophyllus m. ad
amicos.
R. eurythyrsos Sabr. et H. Braun n. sp.
Verworren kletternder Strauch mit klimmenden Schösslin-
'‘) Diese Form fand ich ein halbes Monat später in den kleinen Kar-
paten bei Pressburg (an waldigen Bergabhängen nächst dem Eisenbrünnel).
83
gen. Diese 4—3 Mm. im Durchmesser, fünfkantig, mit streifigen
unbehaarten Flächen, mit zahlreichen, ziemlich langen Stieldrü-
sen, massenhaften kurzen Borsten und längeren (2:5 Mm.) unter
sich ziemlich gleichen Stacheln besetzt; letztere aus rother,
verbreiterter Basis schmal, dünn, aber rigid, gerade und zurück-
geneigt, strohgelb, ziemlich zahlreich (etwa 30 im Interfolium).
Blätter des Schössling fussförmig, 5-zählig. Blattstiele oben flach,
unbehaart, mit gekrümmten Stacheln und sehr copiosen Drüsen
bewehrt. Nebenblätter fadenförmig, hoch angeheftet. Theil-
blättchen beiderseits grün, vorn zerstreut behaart, unterseits
von einem dünnen, durchscheinend schimmernden Filz
überzogen, das mittlere aus nur schwach herzförmigem Grunde
breitelliptisch, mit fast parallelen Seitenrändern oder rundlich,
mit kurzer, fast aufgesetzter Spitze, langgestielt (Stielchen halb
so lang als der Blattstiel und das Centralblättchen). Blüthenzweig
mit kleineren, 3-zähligen Blättern versehen; Rispe sehr lang (20
bis 30 Ctm.), umfangreich, hochdurchblättert, bis zur
Spitze aus mindestens dreiblüthigen, traubigen Aest-
chen zusammengesetzt, die unteren vier- bis sechsblüthig,
verlängert abstehend; Spindel der Inflorescenz, wie Blüthen-
stielchen angedrückt verwoben filzig, mit dünnen Stachel-
nadeln und langen Stieldrüsen dicht besetzt. Kelche filzig, aussen
drüsig benadelt. Kronblätter sehr schmal, länglich, fast
genagelt, tief ausgerandet, grünlich-weiss. Staubgefässe
die grünen Griffel überragend. Fruchtknoten kahl.
Wiener Umgebung: In Gesträuchen am Fusse des Exelber-
ges bei Neuwaldegg; an der Tullnerstrasse gegen die Sophien-
alpe (in der Nähe eines Steinbruches). Juli.
Eine Glandulose von so auffallendem Gepräge, dass ihre Neu-
beschreibung geboten erscheint. Der bekannte bayrische Batologe
Herr Dr. Progel schreibt mir über sie: „Eine ganz eigenthümliche
Pflanze, die ich vorläufig mit keiner anderen Form vergleichen
möchte.“ Von den in Haläcsy und Braun’s Nachträgen beschrie-
benen Glandulosen unterscheidet sich diese Art sofort durch die
umfangreiche, verzweigte Inflorescenz, die langgestielten, relativ
kleinen Mittelblättehen, die schmalen grünlichen, tief ausgerandeten
Petalen und durch den starren, mehr den Radulis ähnlichen Be-
stachelungstypus. Ueberhaupt erinnert die Pflanze beim ersten An-
blick vielleicht mehr an R. rudis, Whe. et W., als etwa an KR.
hirtus W. K., die langen Stieldrüsen und Anderes aber weisen s0-
fort auf die Focke’schen Glandulosi, in deren Serpens-Gruppe R.
eurythyrsos zu stellen ist. Der Verdacht einer hybriden Abstammung
liegt nicht nahe, denn die Bastarde von R. hirtus mit R. tomen-
tosus, R. bifrons, R. macrostemon (nur diese Arten wachsen in der
Nähe) sind unserer Art nicht zu vergleichen.
R. carpatieus Borb. et Sabr. in Verh. d. k. k. zool.-botan.
Gesellsch. Wien XXXVI, pag. 92. Rehgraben bei Gloggnitz (Dr. ©.
Richter Rub. exsiec. u: 28)! Eine - unbedeutende; Motlification der
84
von mir beschriebenen Pflanze, die vielleicht durch schwache Behaa-
rung des Schösslings und etwas längere Inflorescenz abweicht; ganz
genau dieselbe Form fand ich in den Eichenwäldern des Steurer-
grundes bei Pressburg, vielleicht ist diese Form der Typus und
meine Beschreibung einer drüsenreicheren Abänderung entnommen.
R. oreogeton Focke. Schösslinge rundlich oder stumpfkan-
tig, unbereift, seltener schwach bläulich bereift, unbehaart, dicht
und sehr ungleich bestachelt, die grösseren Stacheln oft bis
6—8 Mm. lang, strohgelb, dünn, rechtwinklig abstehend, die
kleineren borstig, massenhaft, mit zahlreichen langgestielten Bor-
stendrüsen besetzt. Blätter meist 3-zählig, oder fussförmig, 5-zäh-
lig, dann das äusserste Blättchen ungestielt, sitzend,
Blattstiel rinnig; Nebenblätter lanzettlich oder breitlineal,
Centralblättchen aus gerundeter, oder seicht herzförmiger Basis
oval rhombisch, bespitzt, beiderseits hellgrün und behaart. Blüthen-
stand aus axillären Corymben bestehend, meist verlängert mit
langen Blüthenstielen, diese verwoben behaart, lang und dicht be-
wehrt, mit sehr langen Drüsen besetzt. Blüthen gross, weiss
oder röthlich (var. ruber Maass). Staubfäden die Griffel über-
ragend. Kelchzipfel reich drüsig benadelt, nach der Anthese auf-
gerichtet. ').
Rehgraben bei Glogenitz (Dr. C. Richter). Juni.
Unterscheidet sich von AR. dumetorum Whe., Hal. Braun.
sofort durch das reiche Drüsenkleid und die heteracanthe Beweh-
rung; von .R. pseudopsis Hal. Verh. d. k. k. zool.-bot. Gesellsch.
XXXV, pag. 668 vix Gremli und dem R. Heimerlü Hal.]. c. durch
die dichten geraden Stacheln, die grossen Blüthen und ganz sitzen-
den Endblättchen, von letzterer schöner Art ausserdem durch con-
colore Blätter. Der dänische R. Jensenii Lge., für welchen Herr Dr.
Richter diese Art nahm, ist schwächer bestachelt, sein Endblätt-
chen tiefer herzförmig, seine Kelche aussen grün, wie bei den
Suberectis.
Pressburg, am 7. Jänner 1887.
Galeobdolton luteumr Huds. 7 Zetrae mihi.
Von J. Ullepitsch,
Planta debilis 6—10 pollicaris, flewuosa. Radix truncata multi-
fibrosa solummodo I—2 raro plures caules agens. Caulis quadri-
gonus ad acies dense pilis albis deflewis obtectus. Folia inferiora (et
caulorum sterilium) late rotundata, nunquam acuminata, longissime
petiolata, late crenata, crenaturae aderescentes; superiora: (ab inflo-
rescentia apicem versus) in lanceolato-cordatam formam sensim trans-
t) Beschreibung nach mährischen Exemplaren ergänzt.
85
eunt, brevius petiolata, obtuse simpliciter raro biserrata; omni«a alter-
natim opposita, opacca, corrugatula, hispidula, subtus nervosa. Petioli
basi amplezicaules, pilis albis praeeipue ad margines dense tecti, ca-
naliculati. Inflorescentia racaemulus ex 1—2 raro 3 verticillis tri-
floris compositus. Calix hirtus, Önervosus ad medium Öfidus ; fissurae
subulatae albo-acuminatae, hirtae et longioribus setis intermixtis eiliatae,
statim patentes. Involucrum minimum 3—Jfoliatum. Corolla lutea,
extrorsum pilosa, interdum 1—3 venis saturate purpureis longitudi-
naliter picta; lıbium superius elongatum cochleare, margine subere-
nulato-subundulatum; labium inferius aequaliter tridentatum, dentes
obtusi. Filamenta unacum antheris nuda, atropurpurea. Carpellum
triquetrum trunculatum. Semen ovale nitidum.
Floret planta haec mense Junio in silvaticis ad pedem Tatrae
solo granitico et calcareo, nec non in rupibus Magurae.
Schon der generische Charakter für Galeobdolon ist gering-
fügig, sonst wäre diese Pflanze von gründlichen Floristen nicht
schon zu Lamium, Leonurus und Galeopsis gezählt worden. Liest
man die Beschreibung der Pflanze bei neueren Floristen nach, so
findet man erhebliche Abweichungen, hat es also mit einer wandel-
baren Pflanze zu thun.
Nur Person stellte bis nun die ß. montanum-Form auf, die
eigentlich nur auf der Jange nach vorne gezogenen Gestaltung der Blatt-
zähne beruht und leicht erkenntlich ist. Obbenannte Form ist zwar
noch leichter erkenntlich, allein bei dem Umstande, dass sie hier
stellenweise mit der typischen Form gemeinsam vorkommt und durch
Bastartirung (?) Uebergänge hervorbringt, veranlassen mich zu dem
Ersuchen, nicht jedes Galeobdolon aus hiesiger Gegend für die Tatra-
form anzunehmen.
Kniesen, Zips, Ungarn, 30. December 1886.
—
Merkwürdige Verwachsungen von Stämmen der Roth-
buche (Fagus sylvatica L.).
Von Wilhelm Voss,
Als ich während des Sommers 1885 mehrere Wochen zu Lees
in Öberkrain zubrachte, um die mykologischen Verhältnisse der Quer-
thäler des oberen Savegebietes, welche theils in die julischen Alpen,
theils in die Karawankenkette tief einschneiden, genauer kennen zu
lernen, kam ich auch öfter nach dem naheliegenden Städtchen Rad-
mannsdorf. Im dortigen gräfl. Thurn’schen Schlossgarten beobach-
tete ich einige sehr merkwürdige Baumverwachsungen an Roth-
buchen, welchs zu einer Allee ziemlich enge gepflanzt wurden und,
_ da sie längs einer Mauer stehen, vor Sturm gut geschützt sind.
Nach einiger Zeit erhielt ich von meinem hochgeehrten Corre-
spondenten, Prof. Dr. P. Magnus in Berlin, eine Nummer aus dem
86
dritten Jahrgange (1884) der von Dr. L. Wittmack herausgege-
benen „Garten-Zeitung“, worin auf Seite 253—256 der von Magnus
in der Gesellschaft naturforschender Freunde zu Berlin gehaltene
Vortrag „Verwachsungen verschiedener Stämme und Aeste“ in Wort
und Bild wiedergegeben ist. Diese interessanten Beobachtungen be-
ziehen sich auf Linden, eine bei Tegel nächst Berlin, die andere in
dem alten Parke bei Schlackenwerth in der Nähe von Carlsbad in
Böhmen; die übrigen Ausführungen besprechen Astverwachsungen
verschiedener Laub- und Nadelhölzer. Auch R. Caspary hat in
einem Aufsatze „Ueber zweibeinige Bäume“ in den Schriften der
physikalisch-ökonomischen Gesellschaft zu Königsberg (XXIII. Bd.,
1882) und Moquin-Tandon in seiner „Pflanzen-Teratologie* ähn-
liche Naturspiele beschrieben. Als besonders bemerkenswerthe Bil-
dung wird bei Frank (Pflanzenkrankheiten pag. 135) die Eiche in
den Ardennen und ein Kastanienbaum auf dem Aetna (Castagno di
cento cavalli) genannt.
Auf dieses hin glaube ich es nicht unterlassen zu sollen, auch
der Radmannsdorfer Buchen in Kürze zu gedenken.
‘ Zunächst mögen zwei‘ Doppelbäume Erwähnung finden. Der
eine (Fig. I) zeigt unten‘ zwei senkrechte‘ Stämmö, 20 und :32- Ctm..
87
im Umfange, die bis auf 150 Ctm. ziemlich parallel erwachsen
sind. Das schwächere Individuum näherte sich hierauf dem stärkeren
Baume und verwuchs mit diesem; die Wipfel beider aber sind selbst-
ständig weitergewachsen. An der vereinigten, 60 Ctm. langen Stelle
beträgt der Umfang des gemeinschaftlichen Stammes 51 Ütm.
Der zweite Baum (Fig. II) hat sich aus zwei Stämmen ge-
bildet, die anfänglich bis auf 150 Ctm. getrennt aufwuchsen. Der
jüngere Baum hat sich sodann schief geneigt, ist dem benachbarten
älteren Baume entgegen gewachsen und mit ihm der ganzen Länge
nach verwachsen. Am Grunde beider Buchen ist auf diese Art ein
nahezu rechteckiges Thor entstanden.
Ein weiterer, zweifüssiger Baum (Fig. III) zeigt deutlich eine
Verwachsung auf 180 Ctm. Länge. Dadurch entstand am Grunde
ein 55 Ctm. hohes, dreieckiges Thor. Der Umfang des einen Baumes
beträgt vor der Vereinigung 47, nach derselben 38 —- der des an-
deren Baumes anfänglich 31, hierauf aber 37 Ctm., er hat somit an
Dicke zugenommen.
Die beiden noch zur Sprache kommenden Verwachsungen schei-
nen mir noch weit bemerkenswerther, da sie sich auf drei Bäume
erstrecken.
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Der erste „dreifüssige Baum“ (Fig. IV) ist aus verschieden
starken Stämmen entstanden. Der linke Stamm, 39 Ctm. im Umfang
messend, hat sich mit dem in der Mitte stehenden kräftigsten Baume
in einer Höhe: von 150 Ctm. auf kurze Strecke verbunden. Die
jüngste, rechts dargestellte Buche ist in einer Höhe von 85 Ctm.
auf eine längere Entfernung mit ihrem Nachbar zusammengewach-
sen. Der gemeinsame Stamm hat als weitesten Umfang nahe an
110 Ctm.
Im letzten Bilde (Fig. V) sind es abermals drei Stämme, die
in höchst eigenthümlicher Weise untereinander verwachsen sind. Bei
den beiden linken Bäumen muss die Vereinigung schon frühzeitig
stattgefunden haben, da nur ein niedriges, dreieckiges Thor beide
am Grunde trennt. Nach erfolgter Verbindung wuchs der Wipfel
eines Baumes, ein Knie bildend, seitwärts und strebte hierauf in die
Höhe. Erwähnenswerth ist noch die Brücke zwischen diesen Stämmen,
entstanden durch einen Seitenast, der auf dem nebenstehenden Baume
zuwachsend, mit diesem verschmolz, wodurch ein dreieckiges, mit der
Spitze nach abwärts gekehrtes Fenster entstanden ist. — Der dritte,
rechts gezeichnete Stamm ist durch ein grosses Thor von den neben-
stehenden getrennt. Die Verwachsung lässt sich auf eine grosse Strecke
verfolgen, doch haben auch hier die Wipfel verschiedene Richtungen
im Weiterwachsen einzehalten.
Die hier beschriebenen Abnormitäten sind sämmtlich echte
Verwachsungen, welche bekanntlich dann erfolgen, wenn die sich
berührenden Stämme oder Aeste aufeinander einen Druck ausüben
und durch gegenseitige Reibung, wie sie der Wind hervorrufen kann,
die Rinde verschwindet, worauf die beiderseitigen Cambiumschichten
sich vereinigen. Sodann legt sich alljährlich ein gemeinschaftlicher
Holzring um beide Stämme. Bedingung ist, dass die Bäume geschützt
stehen, so dass sie der Sturm nicht auseinander reissen kann. Da-
durch unterscheiden sich diese Bildungen von der blossen Stamm-
berührung, welche bei nahestehenden Bäumen öfter erfolgt. Ein
schönes Beispiel einer solcher kann man auf dem Wege von Tos-
koselo nach St. Catherina in der Nähe von Laibach sehen. Da steht
eine mächtige Fichte, welche den Stamm einer Rothbuche zu zwei
Drittheilen umwachsen hat. Fallen diese Bäume nicht der Axt an-
heim, so wird in einigen Jahren die Buche ganz umschlossen sein,
so dass alsdann ein Laubbaum, scheinbar aus dem Nadelbaume her-
vorwachsend, die Bewunderung des Naturfreundes erweckt.
Laibach, am 22. December 1886.
—i
Zur Flora der Umgebung von Bielitz und Biala.
Von Anton Baier,
k. k. Professor an der Staats-Oberrealschule zu Bielitz.
Auf meinen mehrjährigen und zahlreichen Excursionen in die
Umgebung der Schwesterstädte Bielitz und Biala hatte ich hinrei-
89
chend Gelegenheit zu beobachten, dass seit der Herausgabe der
„Vorarbeiten zu einer Flora von Teschen und Bielitz“ von Professor
Karl Kolbenheyer') sich in der Flora von Bielitz und Biala einiges
vollständig geändert hat und anderes einer Ergänzung, rücksichtlich
Berichtigung bedarf. Besagte Schrift lag auch (die Standorte von
Bielitz betreffend) der Abfassung von Fick’s „Flora von Schlesien“
zu Grunde und haben sich desshalb manche veraltete oder unvoll-
ständige und theilweise unrichtige Angaben auch hier eingeschlichen.
In dem Nachfolgenden will ich nun meine diessbezüglichen Wahrneh-
mungen wiedergeben und aus der in der Kolbenheyer’schen Schrift
eingehaltenen Reihenfolge der Phanerogamen-Pflanzen jene heraus-
heben, über deren Vorkommnisse bedeutende Abweichungen anzuge-
ben sind. *) Es betrifft diess besonders folgende Arten:
Veratrum Lobelianum Bernh. Kommt auf sumpfigen Wald-
stellen nicht nur „auf der Kamitzer Platte“, sondern auch zwischen
feuchten Gebüschen in dem tiefer gelegenen Orte Nickelsdorf, und
zwar blühend vor.
Colchicum autumnale L. Ist mir „bei Bielitz* gänzlich un-
bekannt.
Lilium Martagon L. Findet sich zwar nicht „auf der Kamitzer
Platte“, wohl aber auf den Ernsdorfer Gebirgswiesen, ferner in
Lobnitz, Öberohlisch, Bistrai, am Auflusse in dem oberen Theile
von Lipnik, in Leszezyni und Strazonka.
Muscari comosum (L.) Mill. Ist für das Gebiet neu, eben-
so auch
Allium oleraceum L. Von beiden Arten habe ich seit 1880
einige Exemplare auf den Lipniker Steinbrüchen gefunden.
Polygonatum verticillatum (L.) All. Kommt ausser „auf der
Kamitzer Platte und Magura“, auch am Gemsstein und Ziegen-
bock, im Zigeunerwalde, in Nickelsdorf, Ernsdorf, Bistrai, ferner im
Ritterschaftsthale, Auflussthale und am Hanslik vor.
Convallaria majalis L. Konnte ich „am Trotschenberge* nicht
finden, wohl aber massenhaft in Nickelsdorf, Altbielitz und Alzen.
Galanthus nivalis L. Findet sich zwar noch an mehreren
Stellen häufig, ist aber in Folge des Umstandes, als Unberufene
geradezu barbarisch mit dieser ansprechenden Frühlingsblume um-
gehen, in der unmittelbaren Nähe von Bielitz und Biala im Aus-
sterben begriffen.
Microstylis monophylla (L.) Lindl. „Am Dnnaczy, an der Ska-
lita und Jaworzynka“ und an der Magura.
Coralliorrhiza innata R. Br. Ist zerstreut an feuchten Waldes-
stellen „im Bielitzer Gebirge“, u. zw. in Oberohlisch, im Zigeuner-
walde, in Strazonka, Bistrai und Ernsdorf zu finden.
') Als Separatabdruck aus den Schriften der k. k. zool.-botan. Gesell-
schaft in Wien. Vorgelegt in der Sitzung vom 7. Mai 1862.
*) Die von Kolbenheyer angegebenen Standplätze sind von mir stets
unter Anführungszeichen gesetzt.
0
Orchis globosa L. Findet sich ausser auf den von Prof. Kol-
benheyer angegebenen Standorten häufig auch in Strazonka, am
Josefsberge, Hanslik, im Louisenthale, in Kamitz und Bistrai.
Gymnadenia conopsea (L.) R. Br. Wird von Kolbenheyer um
Bielitz als „häufig“ angeführt, welcher Ansicht ich aber nicht bei-
pflichten kann, da ich nur einzelne Exemplare am Klimezok wieder-
finden konnte.
Gymn. albida (L.) Rich. Habe ich 1881 in drei Exemplaren
auf der Kamitzer Platte gefunden; wäre demnach als neu für das
Gebiet anzuführen.
Neottia Nidus avis (L.) Rich. Kommt im Bielitz-Bialaer Ge-
birge und zwar zerstreut, aber nicht selten vor.
Listera ovata (L.) R. Br. Findet sich nicht bloss „am Skalita
bei Bielitz“, sondern auch gar nicht selten in den Gebüschen von
Lipnik, Straczonka, Altbielitz, Bielitz, Ohlisch, Nickelsdorf, Kamitz
und Lobnitz.
Spiranthes autumnalis Rich. Ist neu für das Gebiet, und fand
ich seit 1880 immer wieder mehrere Exemplare auf einer grasigen
Berglehne auf der Bistraier Seite am Ziegenbock.
Epipactis palustris (L.) Crmtz. Kommt nicht nur „in Bucz-
kowie, am Skalita“, sondern auch nicht selten an fast allen nassen
Waldesstellen im Bielitzer, Bialaer und Ernsdorfer Gebirge vor.
Arum maculatum L. Wenn das eine Exemplar, welches ich
1882 in Nickelsdorf vorfand, massgebend sein würde, so wäre diese
Pflanze für das Gebiet auch als neu anzuführen.
Larix decidua Mill. Häufig in „Bistrai“, im Zigeunerwalde,
sporadisch, wieder häufiger am Josefsberg und Hanslik.
Juglans regia L. Ist von Kolbenheyer übersehen worden,
da dieser aus dem Oriente stammende Baum hier häufig angepflanzt
wird und vortrefflich gedeiht.
Morus alba und M. nigra L. Finden sich häufig an Strassen
und Anlagen angepflanzt, sind aber von Kolbenheyer gleichfalls
übersehen worden. Dasselbe ist der Fall mit
Populus italica Mnch., welcher Baum in männlichen Exem-
plaren auch hier an Strassen und bei Maierhöfen angepflanzt ist.
aber wie anderwärts, so auch hier schon seit Jahren ein auffälliges
Absterben seiner Krone kundgibt.
Atriplex nitans Schk. Ist wieder neu für das Gebiet und wurde
von mir an Acker- und Zaunland längs der Bialka von Bielitz ab-
wärts mehrmals in einigen Exemplaren gefunden.
Fagopyrum esculentum Mnch. Wird von Kolbenheyer als
hier allgemein angebaut angegeben, welche Angabe ich nicht bestä-
tigen kann, da die für dessen Gedeihen nothwendigen Sandäcker
hier im Grossen und Ganzen fehlen.
Daphne Mezereum L. Ist im Abnehmen begriffen, da von den
Kräutersammlern besagte Pflanzen mit Strunk und Stiel massenhaft
ausgerissen und geeignetenorts verkauft werden.
Valeriana dioica L. Kommt nicht nur „in Bueczkowie bei
u. hä u ne
91
Bielitz“, sondern auch an anderen Orten, z. B. im Zigeunerwalde
unterhalb der Jägerhütte, in Nickelsdorf und Straczonka vor.
Dipsacus silvestre Mill. Ist wieder übersehen worden, denn es
kommt diese Karde an steinigen Bach- und Grabenrändern, an der
Bahnstrecke u. a. O0. um Bielitz-Biala gar nicht selten vor.
Eupatorium cannabinum L. Ist nicht allein „in Kamitz“, son-
dern auch in Lobnitz, Altbielitz, Oberohlisch und am Lerchenfelde
zu finden. Ebenso findet sich
Petasites albus Gärtn. nicht bloss „im Bistraithale“, sondern
auch am Lerchenfelde, auf der Schreiberwiese, am Josefsberge, in
Ernsdorf u. s. w. vor.
Aster Amellus L. Ist neu für das Gebiet, und wurden von mir
auf den Lipniker Steinbrüchen mehrere Exemplare nach einander
und einmal zwei Stück am Josefsberge beobachtet. Auch ist neu
Xanthium strumarium L., welche ich an wüsten Plätzen am
Bilzbach in der Nähe des Bahndammes vorfand.
Xanth. spinosum L. Wird von Kolbenheyer als „am Kir-
chenplatz in Bielitz“ vorkommend angeführt, was in den sechziger
Jahren der Fall war; bei der Unbeständigkeit dieser aus dem süd-
lichen Europa bei uns durch Wolle u. dgl. eingeschleppten Pflanze
ist es kein Wunder, wenn sie heute am besagten Platze und meines
Wissens auch anderwärts hier nicht zu finden ist.
Centaurea Phrygia L. Ist nicht allein „in Buczkowic“, sondern
häufig auch in Ernsdorf, Kamitz, Lipnik und Kozy zu finden.
Cirsium rivulare (Jacq.) Lk. Ist von Kolbenheyer für Bielitz
gar nicht angeführt, obwohl sie an feuchten Wiesen und Niederungen
hier nicht gar selten ist.
Prenanthes purpurea L. Ist ausser „am Dunaczy und auf der
Kamitzer Platte“ auch am Salzberg, Ziegenbock, Hanslik, Josefs-
berg und im Ernsdorfer Gebirge ziemlich häufig.
Phyteuma spicatum L. Kommt häufiger vor, als Kolben-
heyer angibt; ausserhalb der von ihm angeführten Plätze seien auch
Öberohlisch, Ernsdorf, Bistrai, Straszonka, der Josefsberg, Hanslik
und das Louisenthal erwähnt.
Campanula Cervicaria L. Kommt auch in Alzen u. zw. da-
selbst massenhaft vor; ferner
Camp. glomerata L. ausser „in Rybarzowic“ auch in Barzdorf.
Lonicera Xylosteum L. Findet sich nicht nur „bei Bielitz an
der Bilzbach“, sondern auch an vielen anderen Stellen, besonders
aber im Bielitzer, Bialaer und Ernsdorfer Gebirge. Von
Lon. nigra L. führt Kolbenheyer gar keinen Standort bei
Bielitz an, obwohl dieser Strauch in den hiesigen Wäldern gar nicht
selten anzutreffen ist. Auch
Sambueus Ebulus L. ist auf Feldern und Waldwiesen im
Bistraithale und Grodzisker Thale bei Bielitz zu finden; besonders
aber findet sich \
Samb. racemosa L. in den hierortigen Wäldern und Gebüschen
ziemlich häufig und keineswegs bloss in „Szezyrk bei Bielitz“.
Gentiana cerueinata L. Ist zerstreut auf den Lipniker und
Bialaer Steinbrüchen.
Erythraea ramosissima (Vill.) Pers. Nicht bloss „in Altbielitz
und Buczkowic“, sondern auch in Ernsdorf, Lipnik und im hiesigen
Gebirge zu finden.
Sahria glutinosa L. Ist an den von Kolbenheyer angeführ-
ten Standplätzen, häufig aber auch im hiesigen (ebirge, in Altbielitz
und Straczonka.
Salv. pratensis L. Ist neu für das Gebiet, und findet sich längs
des Bahndammes von Bielitz abwärts.
Origanum vulgare L. Findet sich zerstreut „in Bistrai* im
Bett der Biala unterhalb Bielitz, in Nickelsdorf bei der städtischen
Brettsäge und in Lobnitz.
Lamium Galeobdolon (L.) Crntz. Kommt mitunter haufenweise
keineswegs nur „in Lobnitz“, sondern auch im Schiesshausgarten in
Bielitz, im Otterwäldchen, am Mühlberge, sowie in Niederungen
der umliegenden Gebüsche, ferner noch in Öhlisch, Alzen, Lipnik
und Straczonka vor.
Galeopsis Ladanum L. (z. Th.) Auf Kalkboden bei Bielitz-
Biala und Umgebung fast gemein.
Gal. speciosa Mill. Ist im hiesigen Gebirge und in feuchten
Gebüschen nicht selten.
Gal. pubescens Bess. Wird von Kolbenheyer bei Bielitz gar
nicht angeführt, während Aecker, Wege, Gräben und Waldschläge
häufig damit wie besäet sind. Ein für das Gebiet ganz neuer Lippen-
blüthler ist
Teuerium Scorodonia L. Seit 1877 fand ich alljährlich auf
steinigen Waldesstellen geradezu viele Exemplare in Bistrai, am
Ziegenbock, Salzberg und Kolowrat.
Verbena officinalis L. Ist sporadisch um Bielitz-Biala und
Umgebung.
Cynoglossum offieinale L. Erhält sich in wenigen Exemplaren
auf galizischer Seite unterhalb des ersten Wehres bei Bielitz.
Cuscuta Epithymum (L.) Murr. Ist neu für das Gebiet, schma-
rotzt auf Kleefeldern u. dgl. in Ernsdorf, Lipnik, Altbielitz, Matzdorf
und Kozy. Dagegen wieder sind von Kolbenheyer
Datura Stramonium L. und Hyoscyamus niger L. unter den
Pflanzen angeführt, welche auch in dem hiesigen Gebiete überall
vorkommen sollen, was ich heute jedoch entschieden negiren muss,
da weder die eine noch die andere, trotz eifrigen Suchens, wild zu
finden mir möglich war.
(Schluss folgt.)
— do
95
Ueber die Ursachen der Haarbildung im Pflanzenreiche.
Von Franz Krasan.
(Schluss.)
Am 8. Mai hatte, wie schon bemerkt worden, in Steiermark
ein empfindlicher Frost die Wälder, Weinberge, Obstgärten und
Feldfluren heimgesucht. Manche Bäume wurden gänzlich ihres ersten
Laubes beraubt, so insbesondere Eiche und Rothbuche. Der Wein-
stock hat in den meisten Gegenden argen Schaden gelitten. Andere
Lignosen schienen weniger empfindlich gegen den Frost, z. B. die
Espe, Populus tremula. Allein es zeigte sich bald, dass auch bei
dieser Pflanze Wirkungen eintraten, die, wenn auch nicht zerstören-
der Natur, doch als Folgen des Frostes zu betrachten sind, nur
dass sich noch ein anderer Factor daran betheiligte; denn als vom
11. Mai an die Temperatur rasch zu steigen begann, erschienen alle
Stocktriebe und Wurzelloden, die von da an während der sehr em-
pfindliehen Hitze bis zum Ende des Monates sich entwickelt hatten,
behaart, diejenigen aber, deren Entwicklung bereits anfangs Mai
(also vor dem Eintritte des Frostes) begonnen hatte, kahl. In der
zweiten Hälfte des Juli folgte eine zweite Hitzeperiode, und siehe
da, der Zuwachs der Sprosse während derselben zeigte wieder an
Blättern und Achsentheilen Behaarung, dagegen waren jene "Theile
des Sprosses, welche in den verhältnissmässig kühlen Tagen von
Mitte Juni bis Mitte Juli zugewachsen sind, ohne Behaarung. Die
Aufeinanderfolge von kahlen und behaarten Theilen der Sprosse ent-
sprach in unverkennbarer Weise dem Gange der Temperatur und
Bewölkung des Himmels. Am reichlichsten war die Behaarung an
denjenigen Strecken der Stocktriebe, welche gleich bei Beginn der
heissen Tage des Mai, 4—7 Tage nach dem Froste, sich zu ent-
wickeln begonnen hatten.
Ich möchte es kaum bezweifeln, dass der durch den fast plötz-
lichen Wechsel von Kalt und Warm bedingte intensive Reiz den
Hauptantheil an dieser Erscheinung hatte. Dafür spricht auch der
Umstand, dass die Alternation von kahlen und behaarten Theilen
an einem und demselben Spross am auffälligsten dort sich einge-
stellt hat, wo die Pflanze im Frühjahre dem Froste, im Sommer
aber der Hitze und Trockniss am meisten ausgesetzt war. Im
Dickicht und sonst an schattigen Stellen ist die Erscheinung aus-
geblieben.
Im Ganzen gleicht letztere gar sehr dem bei Rubus suberectus
beobachteten Phyllerium, nur dass hier kahle und behaarte Blüthen-
zweige am selben Stamme gewöhnlich abwechseln, bei Populus tre-
mula aber kahle und behaarte Strecken auf demselben Zweige en
Damit hängt wohl die Entstehung einer pubescenten Varietät
der Espe (P. tremula var. pubescens) zusammen, jedoch keineswegs
so dass ein und dasselbe asian durch mehrmals sich wiedor-
holende Temperaturwechsel allmälig an Behaarung zunehmen müsste:
8
Osstarr. botan, Zeitschrift, 3. Heft, 1887,
04
die neue Varietät geht an solchen Localitäten, wo ein plötzlicher
Wechsel von Warm und Kalt, Licht und Dunkel öfters stattfindet,
wie ich nun annehmen darf, aus Samen hervor, und die Behaarung
nimmt mit jeder aus Samen entsprossenen (Generation zu, wenn jene
klimatischen Factoren stetig fortwirken.
Unter ähnlichen Umständen tritt das Phyllerium an den Blät-
tern von Potentilla opaca L. (P. verna Autor. plur.) und P. arenaria
Borkh. auf, ferner auch bei Campanula caespitosa Seop. Letzteres
beobachtete ich im Sommer 1885 an einem felsigen Bergabhang bei
Lengenfeld an der Save in Oberkrain, und zwar an vielen Exemplaren
dieser zierlichen Campanula. Die Blätter sind mehr oder weniger
der Länge nach eingerollt und stellenweise gleichmässig mit kurzem
ziemlich dichtem Haar bekleidet, dazwischen war aber keine Spur
eines Phytoptus oder eines anderen parasitischen Wesens zu finden.
An manchen Exemplaren zeigten sich auch Stengel, Blüthenstiele
und Kelche mit gleichmässigem, aber mehr zerstreutem Haar besetzt.
In der Umgebung von Graz (und auch sonst) kommt eine kurz-
haarige Varietät der Oampanula persicifolia L. vor.‘) Man trifft sie
an trockenen, von Vegetation fast entblössten Stellen häufig an, wo
die Sonne ungehindert einwirkt und die wenigen dort kümmerlich
wachsenden Pflanzen im Winter keinen Schutz vor dem trockenen,
rauhen Lufthauch finden, an schattigen, geschützten Localitäten dagegen
nur ausnahmsweise. *) Es unterliegt keinem Zweifel, dass diese Varietät
ursprünglich von jenen ersteren Oertlichkeiten ausgegangen ist und
sich allmälig von dort weiter im Lande verbreitet hat, nachdem
die Fähigkeit Haare zu erzeugen, bei der Pflanze erblich geworden
ist. Aber ein Phyllerium, d. i. eine ungleichförmige Behaarung in
Form von Filzrasen oder Sammtflecken habe ich noch nicht gefunden.
Zeigte sich ursprünglich die Trichombildung als Phyllerium, oder
trat die Behaarung unmittelbar an den aus Samen an obigen Locali-
täten hervorgegangenen Pflanzen auf? Diese Frage lässt sich derzeit
noch nicht beantworten.
‘) Die Behaarung fällt hauptsächlich am Stengel auf und dann zunächst
an der Unterseite der Blätter, ist aber auch oberseits an diesen oft mit freiem
Auge leicht bemerkbar. Oberseits ist dieselbe weniger augenfällig (als auf der
Unterseite und am Stengel) wegen der geringeren Entwicklung der einzelnen
Haare, deren nur wenige vollkommen ausgewachsen sind. In ihrer Mehrheit
repräsentiren diese mangelhaft, mitunter abnorm ausgebildete Trichome, indem
sie zunächst als eigenthümliche Zellwandpfropfen (etwa in der Mitte der Aus-
senwand der Epidermiszellen) auftreten und von da an sich in allmähligen
Abstufungen der Normalform der Pflanzenhaare nähern.
”) E. Heinricher: Ein reduciertes Organ bei Campanula persieifolia
und einigen anderen Campanula-Arten. Berichte der Deutschen Botanischen
Ges: Ilschaft, III. Jahrg. 4. Heft 1885. — Der Autor bringt hier die morpho-
logischen und anatomischen Eigenthümlichkeiten solcher Haargebilde durch
Wort und Bild zur Anschauung, und es wäre zu wünschen, dass auch die
Trichome der wirklichen Phyllerien und Cecidien eine ähnliche ebenso gründ-
liche Bearbeitung finden möchten, weil sich alsdann durch mehrseitige Verglei-
chung mit gewissen normalen Trichomen in manchen Fällen der Ursprung der
Behaarung genauer ermitteln liesse,
95
| Bei Verfolgung solcher morphologischer Erscheinungen an Pflan-
zen kommt man nach genauerer Prüfung der den einzelnon Stand-
orten zukommenden Eigenthümlichkeiten schliesslich auf klimatische
Factoren, von denen augenscheinlich die Anregung zur Trichombil-
dung ausgeht: Boden und Atmosphäre sind hiebei betheiligt; es
wäre aber ein arger Fehler, darin die einzige und letzte Ursache
derselben zu erblicken.
Nicht alle Arten sind für dieselben Reize gleich empfänglich.
Während aus der kahlen Camp. persicifolia an sterilen sonnigfreien
Standorten eine haarige Varietät entsteht, bleiben daselbst z. B. G«-
lium lueidum, Polygala Chamaeburus, Campanula rotundifolia u. a.
beständig kahl. Schon darin vermögen wir einen Fingerzeig zu er-
blicken, wie sehr die Wirkung jener klimatischen Agentien von der
inneren, nicht genauer definirbaren Natur der Pflanze abhängig ist,
was wir mit den Worten anzudeuten pflegen: die Pflanzen verhalten
sich in Bezug auf die Fähigkeit, Behaarung anzunehmen, verschieden
je nach Gattung und Art.
Die durch intensiveres Licht, Frost, anhaltende Nässe, excessive
Trockenheit, überhaupt durch plötzliche oder ungewöhnliche Aen-
derungen der Lebensverhältnisse bedingten Reize bewirken, bevor
sie in den Missbildungen oder im Auftreten abnormer Behaarung
symptomatisch sich ankündigen, eine Modification der Assi-
milationsprodukte. Ist einmal die Pflanze oder ein Theil derselben
solcherart afficirt, so lässt sich nicht mehr sagen, dass die in den
betreffenden Organen enthaltenen Stoffe dieselben substantiellen Eigen-
schaften haben wie früher, und es ist einfach eine Thatsache der
gewöhnlichsten Erfahrung, wie sehr gerade die kränkelnden Pflan-
zen, resp. Organe und Organtheile, von parasitischen Thieren und
Pilzen befallen zu sein pflegen. Es muss doch die veränderte Qua-
lität der Pflanzensäfte sein, was die Schmarotzer anzieht. Aus
meinen eigenen Beobachtungen sind mir folgende Fälle bekannt:
1. Eichen, welche an solchen Localitäten wachsen, wo sie häufig
im Frühjahr Frösten ausgesetzt sind, also an Waldrändern, an freien
Bergabhängen, wo zugleich der rascheste Wechsel von Licht und
‚Schatten, Warm und Kalt stattfindet, werden am meisten von Raupen
und Maikäfern heimgesucht, die Früchte werden fast sämmtlich
von dem Nussbohrer (Balaninus) angestochen. 2. Die Rothbuche
(Fagus) fand ich, so oft das Laub durch einen Maifrost versengt
‚oder irgendwie empfindlich beschädigt wurde, derart von der Gall-
mücke (Ceridomyia fagi) befallen, dass jedes Blatt mit 1 bis 4 Gallen
besetzt war. Man bemerkte an den gallentragenden Blättern gelbe
Flecks und Kräuselung, auch sonstige Verkrümmungen der Lamina.
jene Blätter aber, welche vom Froste nicht beschädigt waren, er-
schienen gleichmässig grün und glatt, trugen auch nur ausnahms-
ise da und dort eine Galle, 3. Bei der gemeinen Esche (Frasinus
@wcelsior) bewirkt der Frost sehr häufig eine Verkrümmung und zu-
gleich Verdickung der Blattachse; wenn man den entstellten Theil
srselben der Läuge nach öffnet, findet man regelmässig darin Ceci-
gr
domyien-Larven. 4. Eine der häufigsten Wirkungen des Spätfrostos
zeiet sich beim Kirschbaum, bei der Esche, Ulme, dem Hollunder,
Goldribes, Weissdorn ete. in einer Verkrümmung und Randrollung
des Blattes, aber die eingerollte Unterseite desselben beherbergt ge-
wöhnlich Myriaden von Blattläusen.
Würde man auch nicht durch den Augenschein sich überzeugen,
dass es der Frost ist, der solehe Missbildungen veranlasst, so würde
schon die so oft gemachte Wahrnehmung, an den verschiedensten
Bäumen ähnliche Blattläuse in Menge gesehen zu haben, ohne dass
eine Verkrümmung oder Randrollung eingetreten wäre, genügen den
Glauben zu erschüttern, als ob die Deformation des Blattes in
solchen Fällen von Parasiten aussehen müsste.
An Verbascum orientale Koch. fand ich unzählige Male bla-
sige Auftreibung (Aufblähung) des Blüthenkelches mit vermehrtem
Haarfilz, aber bei Lotus corniculatus L. begegnete ich an mehreren
Stellen derselben Missbildung des Kelches, doch ohne Behaarung;
und gleichwohl traf ich kleine Fliegenlarven in dem deformirten
Kelche der letzteren Pflanze ebenso gut wie bei Verbascum. Es lässt
sich also mit grosser Wahrscheinlichkeit behaupten, dass bei diesem
vermehrte Behaarung an dem afficirten Organe entsteht, weil sich
schon überhaupt bei Verbaszum die Disposition Haare zu bilden,
vorfindet; bei Lotus corniculatus fehlt es der Pflanze an Fähigkeit
Haarfilz hervorzubringen. Würde die Verletzung durch parasitische
Insecten im Stande sein, dem betreffenden Organ diese Fähickeit zu
ertheilen (wobei wir uns die Verletzung als einen Impuls oder als
eine Anregung zu denken hätten), so würde im vorliegenden Falle
auch der aufgeblähete Kelch bei Lotus filzig behaart sein.
Analog wird es sich mit dem Phytoptocecidium von Thymus
verhalten. Das Auftreten des Haarfilzes ist nur von symptom ati-
scher Bedeutung: es zeigt an, dass die Pflanze unter klimatischen |
Verhältnissen lebt, unter denen sie sich die Fähigkeit der Haarbildung
angeeignet hat, und es genügt nur ein schwacher Impuls (der durch
die Verletzungen des Phytoptus ausgeübte Reiz) die Trichombildung
thatsächlich zum Vorschein kommen zu lassen. Man denke sich nur
dieselben klimatischen Einflüsse von dauernderer und intensiverer
Wirkung, und die Behaarung würde auch olıne Intervention des Pa-
rasiten, und zwar gleichmässig (nicht als Phyllerium) an den näch-
sten aus Samen sich entwickelnden Generationen hervortreten: es
würde eine varietas hirsuta s. lanuginosa entstehen. Die primär
Ursache der Haarbildung ist also unter allen Umständen im vorlies
genden und in zahlreichen anderen Fällen ausserhalb des durch den
Parasiten ausgeübten Reizes zu suchen; sie ist als eine Folge theils
momentan, theils stetig wirkender Potenzen zu betrachten, die aus‘
klimatischen Verhältnissen entspringen; auch ist sie mit einer
gleichzeitigen Veränderung der Säfte des pflanzlichen Organismus
aufs innigste verknüpft; letztere aber bedingt die Ansiedlung der ent-
sprechenden Parasiten an den affieirten Theilen desselben, welche
ihrerseits dem Forscher einen Fingerzeig geben, ob sich die Pflanze
97
als Individuum, „Form“ oder Species im Zustande einer auf Tricho-
“ manie beruhenden Umbildung befindet oder nicht.
Nicht jedes Erineum oder Phyllerium muss daher von Parasiten
erzeugt sein, und selbst ein solches, in dem wir Gallmilben finden,
kann mitunter aus ganz anderen Ursachen (als durch die Infection,
bewirkt durch Schmarotzer) entstanden sein. Anders verhält es sich
mit der Neigung mancher Pflanzen Behaarung anzunehmen (Tricho-
manie), wenn wir die Erscheinung an Topfpflanzen oder an Bäumen
und Sträuchern in den Gärten beobachten. So pflegt z. B. der Berg-
ahorn (Acer Pseudoplatanus) in den Alleen und Parkanlagen der
Städte unterseits behaarte Blätter zu haben und mit Legionen von
Blattläusen (die gleichfalls unterseits daran saugen) behaftet zu
sein. '
oder das Auftreten der Blattläuse, noch die Fähigkeit der
Pflanze Trichome an der Unterseite der Blätter zu bilden, lässt sich
hier durch klimatische Ursachen erklären. Meines Erachtens hängt
diese Erscheinung mit denjenigen Reizursachen zusammen, welche
auf einer Uebersättigung des Organismus mit ammoniakalischen
Stoffen und phosphorsauren Salzen beruhen und daher als Folge
einer Degeneration der Pflanzensäfte zu betrachten sind. Die Blatt-
läuse finden daran ein geeignetes Substrat, aber es ist sehr zweifel-
haft, dass sie bei der Erzeugung der Pubescenz anders mitwirken als
der Phytoptus oder die Cecidomyiden-Larven, wenn überhaupt ein
Impuls zur Haarbildung von ihren Stichen und Verletzungen aus-
gehen sollte.
Graz, den 31. October 1886.
——
Beiträge zur Kenntniss der Bergalgenlora Böhmens,
Von Dr. Anton Hansgirg in Prag.
(Schluss.)
f Die Algenflora der Sandsteinfelsen der Kreide-, Steinkohlen-,
_ Dyas- und Tertiärformation in Böhmen ist wegen ihrer grösseren
- Einförmigkeit und ihres geringeren Reichthums an seltenen Algen-
formen für die Algologen weniger anziehend, als die im silurischen
BE elsengebiste stellenweise viel reichlicher und mannigfaltiger ent-
wickelte Algenvegetation. Von selteneren, fast ausschliesslich an
feuchten Sandsteinfelsen, insbesondere in höheren Lagen in der eigent-
lichen Bergregion vorkommenden blaugrünen Algen seien hier bloss
folgende namentlich angeführt: Calothriw sabulicola (A. Br.) Kreh.
Schizosiphon sabulicola A. Br.), 2. Microcoleus hyalinus (Ktz.) Krch.
Schizotriv hyalina Ktz.), 3. Lyngbya rufescens (Ktz.) Kreh. var.
1 *) Im Gebirge und in den Wäldern, fern von den menschlichen Ansied-
lungen habe ich weder Behaarung noch Blattläuse daran gefunden.
98
Leveilleana (Ktz.) nob. (IIypheothrie Leveilleana Ktz.), 4. Gloeocapsa
sabulosa (Menegh.) Rich. mit Chroococeus sabulosus (Menegh.) nob.,
5. Gl. montana Ktz. var. flavoaurantia Ktz. Die zuletzt genannte
Gloeocapsa-Art kommt jedoch, wie auch die folgenden, an feuchten
Sandsteinfelsen vorzugsweise verbreiteten Phycochromaceen: Gloeocapsa
quaternata (Breb.) Ktz., Gloeocapsa Paroliniana Breb. auch als var.
grumosa Breb., Gl. magma (Breb.) Ktz. in verschiedenen Varietäten,
@l. sanguinea (Ag.) Ktz., Stigonema erustaceum (Ag.) Kreh. (Siro-
siphon erustaceus (Ag.) Rbh. und mehrere andere auch noch im
Urgebirge an feuchten Felsen etc. vor.
Von chlorophyligrünen Algen, welche ausschliesslich an feuch-
ten Sandsteinfelsen verbreitet sind, habe ich in Böhmen bisher bloss
Acanthococeus acieuliferus Lagsh. var. pulcher nob. und Cosmarium
botrytis (Bory) Menegh. var. emarginatum nob. kennen gelernt.
Wenn wir aus der Region der Hügel in die Region der Berge
und des Hochgebirges übergehen, so finden wir, dass in solchen Ge-
genden, in welchen der Uebergang allmälig erfolgt, scharfe Grenzen
zwischen den Algenfloren einzelner Regionen nicht existiren und dass
einzelne charakteristische Vertreter der einen oder der anderen Re-
gion sich nicht selten in die angrenzende Region verpflanzen.
Diejenigen Algenarten, welche die Berg- und Hochgebirgsregion
vor allen anderen bevorzugen, sind meist auf feuchten Felsen, in
Bergbächen, Quellen, Seen und in verschiedenen anderen stehenden
und fliessenden Gewässern, vorzüglich an deren Rande oder auf im
Wasser untergetauchten Steinen und anderen festen Gegenständen,
auf der Rinde alter Waldbäume, auf feuchten Felsblöcken etc. vor-
zufinden.
An solchen Standorten kommen von den Rhodophyceen folgende
Seltenheiten der Bergregion Böhmens vor: 1. Lemanea fluviatilis (L.)
Ag., 2. L. annulata (Ktz.) Sirod., 3. L. torulosa (Roth) Sirod.,
4. Batrachospermum moniliferum Roth, zumal als var. pulcherrimum
Bory und var. confusum (Hass.) Rbh. (B. confusum Hass.) sowie
var. atrum (Dillv.) Rbh., 5. B. vagum (Roth) Ag., meist als var.
keratophytum (Bory) Sirod. (B. suevorum Ktz.), 6. Chantransia cha-
Iybea Fries in verschiedenen Varietäten, 7. Oh. Hermanni (Roth)
Desv., 8. Ch. pygmaea Ktz., 9. Ch. violacea Ktz., 10. Hildenbrandtia
rivularis Ag.
Um Wiederholungen zu vermeiden, bemerke ich schon an dieser
Stelle, dass die meisten hier angeführten Rhodophyceen auch noch
in die Region des Hochgebirges hinaufsteigen, was, nebenbei gesagt,
auch von den meisten weiter unten angeführten braunen, blau- und
chlorophyligrünen Bergalgen gilt.
Von den Phaeophyceen sind für diese Region besonders Litho-
derma flwviatile Aresch. und Hydrurus foetidus (Vill,) Kreh., wel-
cher daselbst in verschiedenen Varietäten vorkommt, bezeichnend.
Was die Chlorophyceen und Cyanophyceen (Phycochromaceen)
betrifft, so wäre es uns ohne detaillirte Beschreibung der beiden,
in den höchsten Gebirgen nicht scharf von einander abgegrenzten
99
Alsenfloren schwer möglich, hauptsächlich wegen der noch sehr
mangelhaften Kenntniss von der Verbreitung der einzelnen Algen-
arten in der Berg- und Hochgebirgsregion die einzelnen Repräsentan-
ten dieser beiden Nachbarregionen von einander zu trennen, wesshalb
wir auch auf eine Zweitheilung derselben hier lieber verzichten.
Die Hauptvertreter der chlorophyligrünen Algen in der Berg- und
Hochgebirgs-Algenflora sind folgende: 1. Prasiola erispa (Lightf.)
Menegh. var. sudetica nob., 2. Ulothrix tenuis Ktz., 3. U. mirabilis
nob., 4. Stigeoclonium Falklandicum Ktz. var. longearticulatum nob.,
5. Conferva amoena Ktz., 6. Rhizoclonium fluitans Ktz., 7. Clado-
phora declinata Ktz., 8. Trentepohlia uncinata (Gobi) nob. (Chroo-
lepus uneinatum Gobi), 9. Tr. abietina (Flot.) Wille., 10. Tr. polithus
(L.) Wille., auch als var. bovina (Flot.) Rbh. (Chroolepus bovinum
Flot.), 11. Stephanosphaera pluvialis Cohn, 12. Sphaerella pluvialis
(Flot.) Wille., 13. Cylindromonas fontinalis nob., 14. Gloeocystis
rupestris (Lyngb.) Rbh., 15. Palmella mucosa Ktz., 16. Inoderma
majus nob., 17. Stichococcus bacillaris Näg. var. mawimus nob.,
18. Urococcus insignis (Hass.) Ktz., 19. Acanthococeus hirtus (Reinsch)
Lagrh., 20. Mesotaenium violascens De By., 21. M. Braun De By.,
22.M. chlamıdosporum De By., 23. M. Endlicherianum Näg.. 24. Öy-
lindroeystis Brebissonii Menegh., auch als var. Jenneri (Ralf.) Krch.
(P. Jenneri Ralls). 25. Penium oblongum De By., 26. P. interrup-
tum Breb., 27. Spirotaenia condensata Breb., 28. Closterium obtusum
Breb., 29. ©. strigosum Breb., 30. Disphynetium Ralfsii (Ktz.) nob.
Caloeylindrus Ralfsii (Ktz.) Kreh., 31. D. minutum (Cleve) nob.
(Penium minutum Cleve), 32. D. palangula (Breb.) nob. (Calocylin-
drus palangula (Breb.) De By., 33. Tetmemorus granulatus (Breb.)
Ralfs, 34. T. minutus De By., 35. Cosmarium ovale Ralfs, 36. C.
punctulatum Breb., 37. ©. notabile Breb., 38. ©. pusilum Breb., 39. ©.
pulcherrimum Nordst., 40. ©. Brebissonii Menegh., 41. Arthrodesmus
| octocornis Ehrb., 42. A. incus (Breb.) Hass., 43. Micrasterias pa-
_ pillifera (Ktz.) Ralfs, 44. Staurastrum margaritaceum (Ehrb.) Menegh.,
45. 8. laeve Ralfs, 46. S. pygmaeum Breb., 47. S. hirsutum (Ehrb.)
Breb., 48. S. pungens Breb. 49. S. pseudofureigerum Reinsch, 50. 8.
crenulatum (Näg.) Delp., 51. 8. polymorphum Breb.
Viele von den hier verzeichneten meist in der Bergregion ver-
breiteten Chlorophyceen, zu welchen sich noch viele andere, hier
nicht angeführte, weniger seltene gesellen, steigen jedoch von ihren
Regionen nicht selten in die angrenzende submontane Region herab.
Von den blaugrünen Algen kommen in der Berg- und in der
Hocligebirgsregion folgende Arten fast ausschliesslich vor: 1. Stigo-
nema panniforme (Ktz.) Bzi (Sirosiphon panniformis Ktz., 2. 8.
compactum (Ktz.) Bzi (Sirosiphon compactus Ktz.), 3. 8. erustaceum
_ (Ag.) Bzi auch als var. brewis (Ktz.) Rbh. (Sirosiphon hrevis Ktz.)
und var. rhizoides (Breb.) nob. (5. rhizoides Breb.), 4. 8. ocellatum
(Dillw.) Thr. 5. S. mamillosum Ag., auch als var. atrovirens (Dillw.) nob.
5. atrovirens (Dillw.) Ag., 6. *S. hormoides Ktz. nob. (Sirosiphon hor-
moides Ktz.), 7. Scytonema cineinnatum (Ktz.) Thr., 8. Tolypothriw
100
Wimmeri (Hilse) Kreh., 9. Plectonema mirabile (Dillw.) Thr., 10. P.
phormidioides nob., 11. Desmonema Dilwynü Berk et 'Thwait.
Coleodesmium Wrangelü (Ag.) Bzi, 12. Calothrie Orsiniuna (Ktz.),
Thr., 13. *C, intertexta (Grun.), Kreh. 14. ©. parietina (Näg.) Thr. var.
pluvialis (A. Br.) Thr.? (Mastichonema pluviale A. Br.), 15. Miero-
chaete tenera Thr. (Coleospermum Goeppertianum Kreh.), 16. Nostoc
verrucosum Vauch., 17. * Mierocoleus aurantiacus (Ktz.), nob. (Schizo-
thrie aurantiaca Ktz.), auch als var. variecolor Rbh., (Schizothriw
variecolor Rbh.), 18. Inactis lacustris (A. Br.) nob. (Hydrocoleum
lacustre A. Br.) 19. I. heterotricha (Ktz.) Krch., 20. Symploca minuta
(Ag.) Rbh., 21. S!melanocephula Ktz., 22. S. Flotowiana Ktz., 23. 8.
Friesii (Ag.) Rbh., 24. Lyngbya purpurascens (Ktz.) nob. (Leptothrix
purpurascens Ktz.), 25. L. sudetica (Nave) Krch., 26. L. variegata
(Näg.) (Hypheothrie variegata Näg.), 27. L. cataractarum (Rbh.)
nob., (Phormidium cataractarum Rbh.), 28. L. Boryana (Ktz.) Kreh.
(Phormidium Boryanum Kreh.), 29. L. fonticola (Ktz.) Kreh., 30. L.
Meneghiniana (Ktz.) nob. (Phormidium Meneghinianum Ktz.) auch
als var. erassiuscula (Ktz.) Rbh. (Ph. erassiusculum Ktz.), 31. L.
subfusca (Vauch.) nob. (Oscillaria subfusca Vauch.), 32. L. rupestris
(Ag.) nob. (Oseillaria rupestris Ag.), 33. L. nigra (Vauch.) nob.
(Oseillaria nigra Vauch.), 34. *L. Schröteri (Schröt.) nob. (Oseillaria
brevis Schröt. '), 35. Synechococcus aeruginosus Näg., 36. S. brunneolus
Rbh., 57. *S. major Schröt., 38. Chamaesiphon polonicum (Rostaf.),
nob. (Sphaerogonium polonicum Rostaf.), 39. Aphanothece pallida (Ktz.)
Rbh., 40. Oncobyrsa rivularis (Menegh.) Rbh., 41. Aenocsoceus Ker-
neri?) nob., 42. Gloeocapsa nigrescens Näg., 43. @l. livida (Carm.)
Ktz., 44. Gl. nigra (Menegh.) Grun., 45. Chroococeus montanus nob.,
46. Chr. fuscoater (Ktz.) Rbh.
Nur verhältuissmässig wenige von diesen bis in die höchsten
Gebirgslagen hinaufsteigenden Cyanophyceen und Chlorophyceen treten
auch noch ausnahmsweise in tieferen Regionen auf, so z. B. Micro-
chaete tenera, Aphanothece pallida, Palmella mucosa, Stichococcus
bacillaris, var. mawimus, Inoderma majus, Olosterium obtusum, Tet-
memorus Brebissonii U. a.
Folgende Algenarten sind bisher bloss in höheren und höchsten
Lagen des Riesengebirges beobachtet worden°®): *Lemanea sudetica,
') Da schon früher von Kützing eine andere Oseillaria brevis (Lyngbya
brevis [Ktz.] nob.) beschrieben wurde, so habe ich den Namen der von Schröter
im Riesengebirge viel später entdeckten Oseillaria brevis in Lyngbya (Oseil-
laria) Schröteri umgewandelt.
*) Diese zu Ehren des Herrn Hofrathes Prof. Dr. R. v. Kerner in Wien
benannte neue blaugrüne Alge wird mit einigen anderen neuen Algenarten etc.
vom Verf. bald in einer grösseren Schrift beschrieben und abgebildet werden.
») Die Algenflora dieser Region ist weniger durch das Auftreten von
besonderen Algenformen als vielmehr durch das Fehlen der meisten in der
Ebene und im Hügelterrain verbreiteten Algen charakterisirt. Die Vertreter
der Allerwelts-Algenflora kommen in höheren Lagen des Riesengebirges bloss
in der nächsten Nähe der Menschenwohnungen und zwar nur in beschränkter
Artenanzahl vor.
101
Stigonema alpinum (Ktz.) Kreh., *Nostoc collinum Ktz. (inel. N.
sudeticum Ktz.), *Calothrix intertexta, * Lyngbya Schröteri, *Syne-
chocoecus major, *Gloeocapsa purpurea Ktz., *Cosmarium smolan-
dieum Lund. var. angulosum Kreh., *C. venustum Rbh., *C. erena-
tum Ralfs., ©. margaritiferum (Turp.) Menecgh. var. ineisum Kreh.,
C. caelatum Breb., *Staurastrum muricatum Breb., *S. pileolatum,
Breb., *S. dejectum Breb. var. sudeticum Kıch., * Mierasterias Jen-
neri Ralfs.
Ausser diesen dem Riesengebirge, wie es scheint, ausschliesslich
eigenen Algenarten, von welchen ich die mit * bisher selbst noch
nicht gesammelt habe, sind auch Ulothrie mirabilis und Prasiola
crispa var. sudetica bisher bloss innerhalb des Riesengebirges ver-
breitet von mir angetroffen worden.
Doch möchte ich auf Grund meiner sonstigen algologischen
Beobachtungen selbst diese Algenformen, welche von Kirchner‘)
und Schröter *) nebst einigen anderen Algenarten, welche ich auch
ausserhalb des Riesengebirges in Böhmen aufgefunden habe, als dem
Riesengebirge (Hochgebirge) ausschliesslich eigen declarirt werden, nicht
für ausschliesslich sudetisch erklären. Ob in dem Hochgebirge (Riesen-
gebirge) Böhmens auch endemische Algenarten oder eingewanderte
das sudetische Gebiet jedoch nicht überschreitende Algen, vorkommen
(was ich für unwahrscheinlich halte) oder nicht, darüber werden uns
erst weitere algologische Forschungen in diesem von den Algologen
noch ziemlich vernachlässigten Theile Böhmens belehren.
m — -
Flora des Etna.
Von Prof. P. Gabriel Strobl.
(Fortsetzung.)
1310. Medicago arabica (L.) Al. fl. ped. 1315 maculata W. Guss.
_ *Syn. et Herb.!, Rchb. D. Fl. 67 I! Pflanze schlaff, Stengel, Blatt-
| und Blüthenstiele spärlich abstehend spinnwebig-flaumig (= var.
| pilosiuscula Lev.), selten fast kahl; Blätter sehr lang gestielt, Blätt-
chen gross, verkehrt-herz- oder eiförmig, in der Blattmitte oft mit
einem schwarzen Flecke; Nebenblätter breit, halbpfeilförmig, tief
ezähnt; Blüthenstiele 2 — 4blüthig, viel kürzer, als die Blätter,
ülsen ähnlich denen der luppacea, aber auf den Flächen weisslich und
fast nervenlos; die grünen Dornen der Aussennaht fast so lang, als
der Querdurchmesser der Hülsen, gekrümmt und wirr durcheinander
geflochten; dadurch erinnert sie an tentacuwata, von der sie sich
durch beiderseits tief gefurchte, niemals verdickte Dornen, breitere,
als hohe, ganz kahle Hülsen ete. leicht unterscheidet. Auf krautigen
*) „Kryptogamen-Flora von Schlesien: Algen“, 1878 p. AA.
*) „Neue Beiträge zur Algenkunde Schlesiens“, Jahresber. der schles.
Gesellsch. f. vaterl. Cultur. 1883 p. 188.
102
Plätzen und unter Saaten Sieiliens stellenweise, auch um Catania
(Cosentini in Guss. Syn. et Herb.!). April, Mai ©.
1311. Med. recta (Desf. fl. atl. II 212 als polymorpha H. recta)
Guss. Syn. et Herb.!, minima b) mollissima W. Lge. III 388, vix
Koch, mollissima und graeca Presl fl. sie., hirsuta *Raf.I, non All.,
denn diese ist —= minima (L.) Lam. Unterscheidet sich von der nächst
verwandten minima sehr leicht durch bedeutend grössere Hülsen
und Stacheln, die den Durchmesser übertreffen, ferner durch die
kurzen, niemals Blattlänge erreichenden, meist 1-, selten 2blüthigen
Blüthenstiele (die von minima sind meist 4blüthig und überragen
die Blätter bedeutend); auch die Behaarung der recta ist gewöhn-
lich viel dichter wollig seidig. Durch die genannten Eigenschaften
der Blüthenstiele, sowie durch die Fruchtgrösse (sammt den Sta-
cheln = 8—11 Mm. Durchmesser) ist sie auch von minima ß. lon-
giseta DC., W. Lge., deren Durchmesser höchstens 6 Mm. erreicht,
constant verschieden. Am besten als südliche Parallelform der
minima aufzufassen, denn in Sicilien scheint ausschliesslich recta
vorzukommen; auch in Algier, Griechenland und Südspanien (leg.
Fritze!) findet sie sich; minima reicht nur bis Neapel, wo beide
Verbreitungsbezirke sich berühren! Eine eigenthümliche Varietät,
die ich recta var. angustifolia nenne, sammelten Porta und
Rigo am Monte Gargano in Apulien; Blüthenstiele und Frucht-
grösse wie bei der Normalform, aber die Blättchen sehr schmal,
linealkeilig, bei 7 Mm. Länge höchstens 2Mm. breit, nur an der
Spitze 3—4zähnig; Behaarung grösstentheils abstehend dicht drüsig-
zottig, auf den Blattseiten und Hauptstengeln aber angedrückt-
seidigflaumig. — An Mauern, Wegrändern, auf Lavaströmen und stei-
nigen Abhängen bis 4000‘ häufig: Um Catania, Nicolosi(!, Herb. Torn.!),
in der Ebene des Simeto bis zum Meere überall zerstreut, um Aderno,
Bronte, gegen den Bosco Maletto hinauf etc. März — Mai ©.
1312. Med. Tenoreana DC. Pr. II 180, Guss. Syn. et *Herb.!
Kurz und ziemlich spärlich zottigflaumig; Blätter kurzgestielt, un-
tere Blättchen verkehrt-herz-, obere rhombisch verkehrt-eiförmig;
Nebenblätter eiförmig-lanzettlich, fast ganzrandig; Blüthenstiele 1—2-
blüthig, etwas kürzer, als die Blätter; Hülsen kurz cylindrisch, eirca
6—7 Mm. hoch, 6 Mm. breit, glänzend grünbraun mit 4—5 lockeren
Spiren, beiderseits flach, sparsam nervig; Aussennaht ganz fiach,
furchenlos, beiderseits mit etwa 2 Mm. langen, tief zweifurchigen,
zweireihig angedrückten, borstenartigen Dornen, welche die Zwischen-
räume der Aussennähte zierlich gitterartig überdecken; schon dadurch
von allen verwandten leicht unterscheidbar. — Auf sonnigen, krautigen
Hügeln der Nebroden, um Palermo etc.! ziemlich häufig, um Catania
bisher nur von Cosentini (Herb. Guss.!) gesammelt. April, Mai ©.
1313. Med. eiliaris (L. sp. pl. 1099) W., Guss. Syn. et Herb.!
Rehb. D. Fl. 66 III!, intertexta *Raf. I, globosa Presl del. prag.,
Sehr ausgezeichnet durch kugelig ovale, beiderseits convexe, 15 Mm.
und darüber hohe, über 10 Mm. breite, von gegliederten, meist
drüsigen Haaren zottige und auf der Aussennaht mit 2 Reihen
a Zu
103
gerader, 2—3 Mm. langer, zweifurchiger, abstehender oder ange-
drückter Stacheln besetzte Hülsen; Pflanze sonst fast kahl, Blätter
mit ziemlich lang gestielten Mittelblättchen, Nebenblätter kammförmig
gewimpert, Blüthenstiele kaum von Blattlänge, 1—4blüthig, Blüthen
ziemlich gross, Samen länglich. — Auf krautigen Abhängen, sumpfi-
gen Fluren und in Saatfeldern der Ebene des Simeto überall sehr
gemein, seltener um Catania und Nicolosi bis 2600°! April—Juni ©.
1314. Med. intertewxta (L) Grtn., Echinus DC., Guss. Syn. et
Herb.! “Raf. I. Ganz wie vorige in Wuchs, Kahlheit, Blättern,
Nebenblättern und Grösse der Hülsen; aber letztere sind ganz kahl,
die Dornen gekrümmt, über 4 Mm. lang, angedrückt und wirr durch-
einander geflochten; die Samen fast nierenförmig; intertexta W. sp.
pl. III 1401 besitzt flaumige Dornen und gehört daher wohl eher zu
eiliaris. Unter Saaten und auf krautigen Abhängen Siciliens nicht
selten, aus dem Gebiete jedoch bisher nur von Raf. angegeben.
April—Juni ©.
1315. Melilotus italica Dsr. diet., Guss. Syn. et Herb.! Rehb.
D. Fl. 58 IV, V! Annuell, kahl, Stengel robust, aufrecht, mit auf-
rechten oder aufsteigenden Aesten; Blättchen gross, verkehrtei- oder
fast kreisförmig, ganzrandig oder an der Spitze gezähnelt; Traube
länger als das Blatt, Blüthen goldgelb, 6—8 Mm. lang; Hülsen
35—4 Mm. im Durchmesser, verkehrteiförmigkugelie, stumpf, hän-
gend, kahl, unregelmässig tief grubig runzelig. Neapolitana Ten.
unterscheidet sich leicht durch schlanken Habitus, bedeutend kleinere
und schmälere Blätter, kleinere (4—5 Mm.), bleichere Blüthen, lockere
Trauben, viel schwächer und sparsamer grubig runzelige, in den
Griffel zugespitzte, endlich aufrechte, bedeutend kleinere, kugelige
Früchte. Beide Arten wurden in der Nähe unseres Gebietes mehr-
fach beobachtet, so z. B. von mir sogar um Taormina, dürften daher
demselben nicht fremd sein. April, Mai. ©.
1316. M. parviflora Dsf. Fl. at). II, 192, *Bert. Fl. it., *Guss.
Syn. et *Herb.! Rchb. D. Fl. Taf. 76! Ebenfalls annuell mit schlan-
kem Habitus, schmalen, länglich linearen, oberen Blättern, grubig
runzeligen Hülsen, aber von neap. verschieden durch ziemlich dicht-
und reichblüthige Aehrentrauben, höchstens 2 Mm. lange Blüthen
und Hülsen, letztere oval oder verkehrteiförmig, stets hängend, sehr
seicht gerunzelt und an der Spitze abgerundet. Auf feuchten, krau-
tigen Stellen nahe dem Meere nicht selten: Aus Catania von Co-
sentini erhalten (Bert., Guss. 1. c.), Villarascosa (Herb. Torn. et
Tornab. in Herb. Guss.!), um Catania überall, Acicastello (Herb.
Torn.!), in der Arena! April, Mai. ©.
1317. M. sulcata Desf, Fl. atl. II, 193, *Bert. Fl. it., Guss.
Syn. et Herb.!, Rehb. D. Fl. 74 III! Annuell, aufrecht oder auf-
steigend, etwas flaumig; Blättchen scharf gesägt, unterseits seegrün,
die unteren verkehrteiförmig, die oberen keilig bis fast linear; Trau-
ben über blattlang, reich- abor ziemlich lockerblüthig; Hülsen kalıl,
kugelig-verkehrteiförmig, abgerundet, hängend, etwas von einander
104
entfernt, regelmässig erhaben bogenstreifig, Streifen schmäler als die
Zwischenräume; Durchmesser der Hülsen = 3 Mm. In Saatfeldern,
auf trockenen, krautigen Hügeln und wüsten Plätzen bis 2000°: Aus
Catania von Cosentini erhalten (Bert.), in der Ebene des Simeto
äusserst gemein (!, Herb. Reyer!), um Ognina, Misterbianco, S. Ana-
stasia, Bronte! März—Mai. ©.
1318. M. compacta Salzm. Guss. *Syn. et Herb.!, Tod. Fl. sie.
exsicc. Nr. 1255!, sulcata var. major Camb. Fl. Bal., W. Lge. III,
375. Von sulcata nur verschieden durch breitere, verkehrteiförmige
oder verkehrteiförmigkeilige (niemals lineare oder linearkeilige) obere
Blätter, geschindelte Blüthen- und Fruchttrauben; Blüthen und
Früchte gewöhnlich etwas grösser (bis 4 Mm.). Auf feuchten, krau-
tigen Stellen nahe dem Meere mit der vorigen, aber viel seltener:
Um Catania (Guss. Syn., Herb. Tornab.!), an Gräben in der Ebene
des Simeto! April, Mai. ©.
1319. MM. infesta Guss. Syn. et *Herb.!, Tod. Fl. sie. exsice.
Nr. 247! Von den zwei vorigen leicht unterscheidbar durch robu-
steren, höheren, röhrigen Stengel, grössere Blätter, reichere, längere,
ziemlich lockere Trauben, nochmals so grosse Blüthen (6—8 Mm.),
dickere, bedeutend grössere (ca. 5 Mm. lange, 4 Mm. breite) Hülsen
mit ziemlich unregelmässigen und von einander weiter entfernten,
sehr erhabenen Bogenleisten. Erinnert habituell stark an italica. —
In Gärten, Saatfeldern und auf krautigen Hügeln häufig: Catania
(!, Herb. Torn.!, Tornab. in Herb. Guss.!), in der Ebene des Si-
meto weit verbreitet! April, Mai. ©.
1320. M. messanensis (L.) Desf. Fl. atl. II, 192, Presl Fl. sic.,
*Raf. I, *Bert. Fl. it., Guss. *Syn. et *Herb.! Tod. Fl. sie. exsice.,
Reichb. D. Fl. 74, I, II! Ausgezeichnet durch robusten Wuchs, fast
sitzende, meist 5—12blüthige Trauben, ca. 5—6 Mm. lange, 4 Mm.
breite, hängende oder horizontal abstehende, schief ovale, beiderseits
spitze, sehr dicht und erhaben bogenleistige Hülsen. — Auf feuchten
Strandwiesen Siciliens an vielen Orten, auch im Gebiete: Aus Ca-
tania von Cosentini erhalten (Bert., Guss. ]. e.), sehr gemein auf
feuchten, lehmigen Fluren der Ebene des Simeto und besonders auf
grasigen Abhängen gegen das Meer zu stellenweise wie eultivirt!
März—Mai. 9.
1321. Trifolium pratense L. Guss. *Syn. et *Herb.!, *Cat. Cosent.
Varlirtt @. genwinum: Ziemlich kahl und hoch, Stengel aufrecht oder
aufstrebend, Blüthen rosenroth. ß. semipurpureum m. — var. flavi-
cans Guss. Syn. et Herb.!, Tod. Fl. sic. exsiec. Nr. 393!, non DC.
‘ Prodr. II, 195 (denn die Pflanze DC.’s ist eine zottige, grossköpfige
Alpenvarietät mit gelblichen Blüthen und dürfte daher — T. nivale
Sieb., prat. var. nivale Reichb. D. Fl. 83 III sein). Stengel nieder-
liegend, rasig, niedrig, sammt den Blattstielen stark abstehend flau-
mig rauhhaarig, Köpfchen und Blätter kleiner; Blüthen gelblich, an
der Spitze intensiv purpurn, selten ganz gelblich. Hochgebirgsvarie-
tät Siciliens. Auf Weideplätzen, steinig-krautigen Abhängen und in
105
lichten Wäldern (2500—7000°), die Normalform ziemlich selten:
Wälder des Etna (Guss. Syn.) im Valle del Trifoglietto (Biv. in
Herb. Guss.!), Monte Zio (Herb. Torn.!); die Varietät wiegt weitaus
vor, z. B. durch die ganze Waldregion oberhalb Nicolosi und San
Nicola, im Valle Calanna und Val del Bove, im Bosco Maletto ober-
halb Bronte! Mai—Juli. %.
1322. Trif. flavescens Tin. pug. (1817), Guss. Syn. et *Herb.!,
Tod. Fl. sic. exsiec. Nr. 389!, pallidum Presl Fl. sie., *Bert. Fl. it.,
p. p., non W. K. Lässt sich von meinen Banater Exemplaren und
der Abbildung Reichb.'s D. Fl. 83 III des pallidum W. K. mit
Mühe durch etwas längere (4—5 Mm., nicht 3 Mm.), schmälere,
nicht durchaus kurzgewimperte, sondern am Grunde meist fast kahle
und deutlicher fünfnervige, an der Spitze aber langgewimperte Kelch-
zähne von doppelter Länge der Kelchröhre unterscheiden; sonst ganz
identisch. Nach Guss. Syn. unterscheidet sich pall. durch kurzge-
stielte Köpfchen, zweisamige Hülsen und inwendig hervorspringenden
Kelchsaum; allein ich sehe bei beiden die Köpfchen gleich sitzend,
den callösen, behaarten, inneren Kelchsaum, sowie Hülsen und Ha-
bitus gleich gestaltet; venetianische Exemplare vermitteln den Ueber-
gang auch in der Länge und Behaarung der Kelchzähne, daher av.
nur als Race des pallid. betrachtet werden kann. Von prat. sind
beide verschieden durch stets gestielte oberste Blätter, stets einzelne
Köpfchen, durch Kelchzähne, welche einander ziemlich gleich lang,
1'/,—2mal länger, als die Röhre und zur Fruchtzeit an der Basis
deutlich fünfnervig sind, durch Kelche, welche die Hälfte der Krone
etwas überragen, weisse Kronen und lange, abstehende Behaarung
der Stengel und Blattstiele. — In Hainen, Waldlichtungen und an
grasigen Bergabhängen zerstreut: Aus Catania von Cosentini er-
halten (Bert.), S. Giovanni bei Giarre, in den Klausen bei Ognina
(Herb. Guss.!), in der Waldregion oberhalb Nieolosi! Mai, Juni. ©
und ©).
1323. Trif. Cherleri L. *Raf. I, Guss. Syn. et *Herb.!, *Torn.
geogr. Am Meerstrande, auf Feldern, Weiden, sandiggrasigen Ab-
hängen bis 2500° sehr häufig: Am Meere bei Catania (Biv. in Herb.
Guss.!, Herb. Torn.!), Zaflarana (Herb. Tormn.!), Misterbianco, Torre-
grifo, Acicastello, in der Ebene des Simeto, von Nicolosi zur Serra-
pizzuta! März—Mai. ©).
1324. Trif. stellatum L. *Bert. Fl. it., Guss. Syn. et Herb.!
Auf Lavaströmen, buschiggrasigen Abhängen, trockenen Feldern und
Weideplätzen bis 3500‘ sehr verbreitet: Aus Catania von Cosentini
erhalten (Bert.), um Catania überall, Zaffarana, Nicolosi (!, Herb.
Torn.!), gegen Ognina und Acicastello (Herb. Reyer!), von Catania bis
in die Wälder oberhalb Nicolosi, z. B. im Bosco Rinazzi, auf der
Serrapizzuta! April, Mai. ©.
(Fortsetzung folgt )
rohr _—
106
Literaturberichte.
Beck Dr. G. Versuch einer Gliederung des Formenkreises der Caltha
palustris L. Sep.-Abdr. aus den Verh. der k.k. zool.-botan. Gesellsch.
Band XXXVL pag. 347. 6 pag.
Die vorliegende Zusammenstellung enthält eine übersichtliche
Gruppirung der bisher beschriebenen unter dem Collectivnamen Caltha
palustris L. zusammengefassten Species, ohne den Zweck zu verfol-
gen, die einzelnen derselben kritisch zu prüfen. Nach dem Verf. zer-
fällt die Gattung Caltha in zwei Gruppen, deren erste die Arten
mit lang- und allmälig geschnäbelten, letztere jene mit plötzlich in
einen kurzen Schnabel übergehenden Balgkapseln umfasst. In die
erste Gruppe gehört C©. cornuta S. N. K., zu der Verf. ©. latifolia
S. N. K. als Varietät stellt und ©. longirostris Beck („Folliculi in
rostrum longissimum [5 Mm. lg.] attenuati........ “). Zur zwei-
ten Gruppe zählt ©. Zaeta S. N. K. mit den Varietäten truncata
Beck und alpestris S. N. K., ferner ©. alba Jaeq., endlich ©. palu-
stris L. (em). Als €. palustris L. fasst Verf. jene Art auf, die in
Europa weit verbreitet, auch in Niederösterreich in der Ebene und
Bergregion häufig ist und mit ©. vulgaris S. N. K., €. intermedia
S. N. K., ©. ficariaeformis Schm. etc. übereinstimmt. Zur ©. pa-
lustris werden folgende Formen als Varietäten gezogen: €. integer-
rima Pusch., ©. parnassifolia Raf., ©. minor Miller, €. asarifolia
D. C., ©. membranacea Tuıcz., ©. radieans Forst. Den Schluss bil-
det eine Aufzählung von wenig bekannten oder auszuscheidenden
Arten. Wettstein.
Schiffner Dr. V. Ueber Verbaseum-Hybriden und einige neue Bastarde
des Verbascum pyramidatum. — Bibliotheca botanica, herausgege-
ben von Dr. Oscar Uhlworm und Dr. F. H. Haenlein. Heft. III. Cassel
1881, 16 pag. 2 Tafeln. 4°.
Verf. beschreibt in vorliegender Abhandlung einige neue im
botanischen Garten der Prager Universität spontan entstandene Ver-
bascum-Bastarde; es sind dies V. pyramidatum X phoeniceum, V. py-
ramidatum x nigrum, V. phlomoides X perpyramidatum. V. pyrami-
datum X perphlomoides. Des Vergleiches halber werden auch ausführ-
liche Diagnosen des V. pyramidatum M. B., V. phoeniceum L., V.
nigrum L. und V. phlomoides L. gegeben. Die Auffindung dieser
neuen Bastarde bestätigt neuerdings dis Thatsache, dass gerade die
Arten der Gattung Verbascum zur Hybridation neigen und vermehrt
die grosse Zahl der aus dieser Gattung bekannten (cca. 100) Ba-
starde. Alle diese Hybriden sind schon desshalb interessant, da ihre
Stammeltern ganz verschiedenen Seetionen der Gattung Verbascum
angehören. Sie sind stets steril, mit Ausnahme des V. pyramidatum
x phoöniceum, welche reife Kapseln entwickelte. Die zwei Tafeln
(nebenbei bemerkt, wie alle Tafeln der „Bibliotheca botanica* in
musterhafter Ausführung) stellen Theile der beschriebenen Pflan-
zen dar. Wettstein.
- L. (Wagner u. a.) darste
107
Reeueil des M&moires et des travaux publ. p. 1. Societe botanique du
Grand Duche de Luxembourg. Nr. XI. 1885—86. Luxemburg 1886. 132
pag. 29 Taf. 1 Photogr.
Dieser neueste Band der Schriften der botanischen Gesellschaft
für das Grossherzogthum Luxemburg enthält eine Reihe botanischer
Aufsätze. Zunächst einen Bericht über im Jahre 1884—85 ausge-
führte Gesellschaftsexceursionen, als deren wichtigstes Resultat sich
die Auffindung folgender für das Gebiet neuer Pflanzen herausstellt:
Cicuta wirosa L., Muscari Botryoides Mill., Thesium intermedium
Schrad., Utrieularia minor L., Salix spec. nov., Epiobium umbro-
sum Wagn. (spec. nov.), Plantago arenaria W. K., Cyperus fuscus
L., Caren ventricosa Curt. — Hieran schliesst sich eine Biographie
G. Weckbecker’s mit einer Photographie. — Den grössten Theil
des Bandes nimmt eine Bearbeitung der Farne des Grossherzog-
thums Luxemburg von M. Thill ein. Diese monographische Bearbei-
tung umfasst einen allgemeinen, der Anatomie und Morphologie der
Farne gewidmeten Theil und einen speciellen mit französischen Dia-
gnosen. Für den localen Gebrauch dürfte diese Bearbeitung gewiss
von Werth sein, wesentlich neues enthält sie nicht. Die beigegebenen
29 Tafeln stellen die besprochenen Arten dar, viele der Abbildungen
sind sehr gut, manche jedoch auch verfehlt, als solche nenne ich
Taf. VII (Ceterach), Taf. XIX (Cystopteris) u. a. — Der nächste
Aufsatz von E. Fischer: „Plantes phanerog. nouvelles ou rares de
la flore Luxembourgeoise“ enthält eine Besprechung der in früheren
Jahren (Rec. 1880—82, pag. 116) als neu für das Gebiet aufgefun-
denen Pflanzen, bildet daher einen Nachtrag zur Flora des Gross-
herzogthums. — L. S. C. Fontaine behandelt in einer weiteren
Abhandlung die Frage, ob Asplenium Germanicum Weis eine selbst-
ständige Art oder ein Bastard aus A. septentrionale Sw. und A. Tri-
chomanes L. (Crepin, vn oder eine Varietät von A. Ruta Muraria
lt. Auf Grund zahlreicher Beobachtungen
und theoretischer Erwägungen entscheidet sich der Verf. für die
erste dieser Anschauungen. Was er hiebei über die Artrechte des
4A. Seelosii Legb. und A. viride Huds. sagt, entbehrt wohl jeder
Berechtigung. — Von demselben Verfasser stammt ein Aufsatz:
Notice sur les fougöres de la flore de Luxembourge. Derselbe ent-
bält eine Aufzählung der von M. Reisen in den Ardennen gesam-
melten Farne. — Schliesslich mag noch ein Aufsatz von F. und H.
Wirtgen über die Auffindung der Carex ventricosa Curt. in der
- Rheinprovinz hervorgehoben werden. ©. v. fand sich bei Echternach,
nunmehr dem zweiten Standorte in Deutschland (Kastenwald bei
Neu-Breisach). Wettstein.
Dietz A. Dr. Die Blüthen- und Fruchtentwicklung bei der Gattung
Typha und Sparganium. Vorl. Mitth. Sep.-Abdr. aus Termeszetrajzi
füzetek. Vol. X. P. 2. p. 254—261. (1886.)
In gedrängter Kürze werden die Resultate einer grösseren, vom
Verf. für die Schriften der k. ung. naturw. Gesellschaft in Budapest
bestimmten Abhandlung über den genannten Gegenstand angegeben.
108
Untersucht wurde die Entwicklungsgeschichte der Blüthen von Typha
latifolia und angustifolia einerseits, von Sparganium ramosum ander-
seits und ergaben sich hiebei zwischen den beiden Gattungen grosse
Unterschiede. Die Mittheilung ist so kurz gehalten, dass es nicht
möglich ist, im Rahmen eines Referates aus ihr das wesentlichste
herauszugreifen, übrigens gedenkt Ref. nach dem Erscheinen der
Gesammtabhandlung darauf eingehend zurückzukommen. Aus den
Untersuchungen des Verfassers ergibt sich als Endresultat, dass die
Blüthen von Typha und Sparganium entwicklungsgeschichtlich so
sehr von einander abweichen, dass die Einreihung der beiden Gat-
tungen in zwei verschiedene Familien angezeigt erschiene. Wettstein.
Florule Bryologique ou @&uide du Botaniste au Mont-Blane. — 2” Partie
des Cryptogames ou Muscindes des Alpes Pennines par Venance Payot.
Gen&ve. Henry Trembley. 1886.
Der Verfasser dieser Enumeratio hat sich die Erforschung des
Mont-Blane und der Penninischen Alpen zu seiner Lebensaufgabe
gesetzt und verfolgt dieselbe seit mehr als 40 Jahren mit unge-
brochener Kraft. Es ist auch bereits eine ganze Reihe von Arbeiten
erschienen, welche für die Gründlichkeit und Vielseitigkeit Payot's
ein glänzendes Zeugniss abgeben. Derselbe hat nämlich nicht nur
die botanischen, sondern auch die geologischen, meteorologischen und
glacialen Verhältnisse der Mont-Blanc-Gruppe in den Kreis seiner
Untersuchungen gezogen. Was speciell den botanischen Theil seiner
Arbeiten anbelangt, so untersuchte er zuerst die Phanerogamen, dann
die Gefässkryptogamen, nebenbei auch Lichenen und Diatomeen.
Gegenwärtig liegt uns eine Aufzählung der von ihm aufgefundenen
Laubmoose vor. Dieselbe umfasst — die Varietäten nicht mitgerech-
net — 425 Species; dazu kommen noch 8 sp. Andrea, 10. Syha-
gnen und 12 diverse als Nachtrag. Man wird über diese grosse
Anzahl der Laubmoose, namentlich in Anbetracht des engen Gebie-
tes, nicht wenig erstaunt sein. Denn die genannte Ziffer steht hinter
der Totalsumme der in Deutschland überhaupt vorkommenden Laub-
moose nur wenig zurück. Dieses Erstaunen wird sich jedoch vermin-
dern, wenn man bedenkt, dass die Moose im Allgemeinen weniger
streng an gewisse Bodenhöhen gebunden sind und dass namentlich
die Moorbewohner ebenso gut auf den Hochmooren der Alpen, wie
in den Tiefmooren Norddeutschlands gedeihen. Auch besteht wahr-
scheinlich der grösste Theil der deutschen Moosflora aus Fremdlingen,
welche zur Eiszeit von Norden her zu uns eingewandert sind. Wenn diese
Annahme richtig ist, dann können wir auch leicht verstehen, dass
die Gletschercomplexe des Mont-Blanc für die Entwicklung der Moos-
flora ein besonders günstiges Terrain abgeben. In Bezug auf das
oben Gesagte ist auch eine Beobachtung Payot’s im hohen Grade
interessant. Er fand nämlich, dass viele Moose, welche sonst nur
äusserst selten mit Früchten gefunden werden, wie z. B. die Di-
eranella squarrosa auf dem Mont-Blanec sehr reichlich fructifieiren,
aber immer nur unter dem Schnee. Sämmtliche von Payot
109
gesammelten Moose wurden von W. P. Schimper controlirt, der
auch den Monographen des Mont-Blanc dadurch ehrte, dass er nach
ihm ein Bryum Br. Payotii nannte. Die Controle Schimper’s er-
höht den Werth der besprochenen Enumeratio bedeutend und macht
dieselbe zu einer wichtigen Quelle für die Kenntniss der geographi-
schen Verbreitung der Moose überhaupt. Hugo Zukal.
Herbarium für Schüler. Zusammengestellt von Prof. Jos, Mik. Verlag von
A. Pichler’s Witwe & Sohn in Wien. Preis fl. 180.
Da ein zweckmässig eingerichtetes Herbarium den botanischen
Unterricht nicht nur wesentlich unterstützt, sondern das Erlernte
auch zum bleibenden Wissen macht, müssen wir Mik’s „Herbarium
für Schüler“ als vorzüglichsten Unterrichtsbehelf willkommen heissen.
Je mehr sich der Schüler aber bei der Anlegung einer Pflanzen-
sammlung selbst bethätigt, desto grösser und bleibender sind auch
die Erfahrungen auf floristischem Gebiete. Um ihm hiebei die Mühe
zu erleichtern und die Möglichkeit zu bieten, die Einordnung der
gesammelten und sorgfältig präparirten Pflanzen nach dem „natür-
lichen System“ selbst vornehmen zu können, ist jede der beigege-
benen gedruckten Etiquetten mit einer Nummer versehen, die mit
der Nummer jenes Einlagsbogens correspondirt, welcher bestimmt
ist, die auf Halbbogen mit Papierstreifehen befestigten Pflanzen der-
selben Ordnung aufzunehmen. Bei sorgfältiger, verständiger Behand-
lung seitens des Schülers wird das angestrebte Ziel leicht erreicht
werden, wodurch die grossen Vorzüge dieses wichtigen Lehrmittels
am besten zur Geltung kommen. J.
Bibliothek der gesammten Naturwissenschaften, herausgegeben von Dr.
Otto Dammer. Lieferung ll. Verlag von Otto Weisert in Stuttgart.
Die uns soeben zugekommene zweite Lieferung dieses treff-
lichen und zeitgemässen Werkes erfüllt im vollsten Masse die Er-
wartungen, welche die erste Lieferung in uns erweckte. Jedenfalls
müssen wir ein Unternehmen, das des lebhaftesten Entgegenkommens
von Seiten des Publikums vollkommen werth ist, freudig begrüssen,
und uns vorbehalten, den später zur Behandlung kommenden bota-
nischen Theil einer eingehenden Besprechung zu unterziehen. J.
Der Schulgarten. Ilustrirte Zeitschrift für das gesammte Schulgartenwesen,
herausgegeben unter der Redaction von Franz ea ang! Bürgerschul-
er II. Jahrgang. Wien 1887. Verlag von A. Pichler's Witwe & Sohn
ın 1en,
Der „Schulgarten“, der in jeder Beziehung bestrebt ist, die
Errichtung und Pflege der Schulgärten durch geeignete Rathschläge
zu fördern und auf den hohen Werth derselben für die gesammte
Erziehung des Landvolkes aufmerksam zu machen, hat sich in sei-
nem zweiten Jahrgange zur Aufgabe gemacht, der Errichtung der
landwirthschaftlichen Fortbildungsschulen Bahn zu brechen. Da ein
zweckentsprechender Unterricht in denselben ohne einen Schulgarten
Oesterr. botan. Zeitschrift. 3. Heft 1897. 9
110
kaum gedacht werden kann, so ergeht desshalb auch die Bitte um
thatkräftigste Unterstützung an alle landwirthschaftlichen Vereini-
gungen, in deren Interesse es ja liegt, dass eine auch für den land-
wirthschaftlichen Fortschritt empfängliche Generation herangezogen
werde. In erster Linie hiezu berufen ist die, die Schulgärten leitende
Lehrerschaft, unter welcher wir dem „Schulgarten“ die weiteste Ver-
breitung wünschen zum Wohle unserer Boden- und Gartencultur
treibenden Landbevölkerung.
Zeitschrift für Naturwissenschaften. Halle a. d. S. 1886. 4. Folge. 5. Band.
3. Heft.
Die Botanik ist in diesem Hefte durch nachstehende Abhand-
lung würdig vertreten: Windisch Paul, „Beiträge zur Kenntniss
der Tertiär-Flora von Island“. Als Materiale zu den in dieser Arbeit
veröffentlichten Beobachtungen diente dem Verf. eine Anzahl im
Besitze des Leipziger botanischen Museums befindlicher fossiler
Pflanzenreste, die Dr. ©. W. Schmidt auf seiner mitDr. Keilhak im
Jahre 1883 nach Island unternommenen geologischen Reise gesammelt
hatte. Aus der vorangeschickten historischen Skizze der bisher be-
kannt gewordenen Literatur über die fossile Flora Islands entneh-
men wir, dass letztere schon zu einer Zeit, wo Geologie und Paläon-
tologie noch zu den jüngsten unter den Wissenschaften zählten, das
Interesse der Naturforscher erweckte. Denn als die erste Nachricht
über die pflanzlichen Fossilien Islands eitirt der Autor das Werk
Eggert Olafsen’s: „Reise durch Island“ (Kopenhagen 1774), welche
Reise im Auftrage der dänischen Regierung von den Isländern Olaf-
sen und Biarne Boelsen in den Jahren 1752—57 unternommen
wurde. Die Reihe der von P. Windisch aufgeführten Verfasser
grösserer Arbeiten über diesen Gegenstand schliesst mit Heer, wel-
cher die Resultate seiner diessbezüglichen Beobachtungen in der Flora
fossilis arctica, Band I, bekannt gemacht hat. Hieran knüpft die
vorliegende Abhandlung in commentirender und nach Massgabe der
neuesten Forschungen ergänzender Weise an. Es ergibt sich daraus,
wie verschieden die Tertiär-Flora Islands von der heutigen ist, in-
dem bei letzterer eine Wald-Vegetation gänzlich mangelt, während
man von dort bis jetzt 25 fossile Holzgewächse kennt, sowie dass
der herrschende Charakter der isländischen Tertiär-Flora dem nord-
amerikanischen Typus entspricht. M'oritz Prihoda.
——
Correspondenz.
Wien, am 10. Februar 1887.
In kurzen auf durchschnittlich ca. 10—12 Zeilen beschränkten
Mittheilungen lässt sich nicht Alles sagen — und so kommt es,
dass man dann Gegenbemerkungen geduldig hinnehmen muss, die
man selbst sehr wohl gewusst oder gar selbst ohnehin gethan hatte.
Herr Braun bemerkt in Nr. 2 p. 66 dieser Zeitschrift ganz richtig,
it
dass ich in meiner Auslegung der Bechstein’schen Rosea in der
„Deutsch. bot. Monatsschrift 1886“, p. 172 Gandoger et Stern-
berg zu eitiren unterlassen habe. Diess veranlasst mich, zu consta-
tiren, dass Gandoger die Rosa aspera Schleicher’s nicht bloss an
der bezogenen Stelle, sondern schon in seinem „Essai* 1876, p. 37
angeführt — und nach der Einsicht der Schleicher’schen Origi-
nale, deren ich an obengenannter Stelle gedacht — selbe systema-
tisch auch ganz richtig eingereiht hatte; woraus aber folgt: 1. dass
auch ihm Exemplare der echten — nun aus dritter Autopsie mit
meiner Deutung übereinstimmenden (!) — zu den „Graveolentes
Crep.* gehörenden aspera Schleich. vorgelegen; 2. dass dieselbe die
ältest benannte Repräsentantin der Graveolentium Crepin’s nicht
im Herbare eines „Einzelnen“, sondern in allen Herbarien der da-
maligen Zeit gewesen; und 3. dass Gandoger nicht — wie gerade
Herr Braun behauptete — alle Rosen fremder Autoren falsch com-
mentirte! — R. vestita Sternbg. vom Jahre 1826 kann doch mit
den Bechstein’schen Rosen vom Jahre 1821 (und früher) in keine
Prioritätsbetrachtung gezogen werden und ist überdiess eine schlecht-
gewählte Benennung für eine kahle Rose aus der Verwandtschaft der
R. rubrifolia! Ueber das 4. — was ich aus dieser Veranlassung
ebenfalls nachtragen will — die Hinfälligkeit der Benennung: „obo-
vata Bechst.“ spreche ich zuletzt und übergehe hier gleich auf die
Anwendbarkeit der Schleicher’schen Benennungen. Freilich wäre das,
was Herr Braun als allgemein bekannte und auch befolgte Regel
anführt, richtig, wenn es sich im Besonderen auf Schleicher ohne-
weiters anwenden liesse. Schleicher war aber Botaniker, und hat
für seine Zeit der Floristik durch seine weit verbreiteten Exsiccaten
nicht geringere Dienste‘) geleistet, als Andere gegenwärtig! — zu
seiner Zeit... wo für die Förderung der Pflanzenkenntniss die da-
_ maligen dürftigen Diagnosen und kurzen Descriptionen ohne Exsiccaten
- fast keinen oder weit weniger praktischen Werth haben konnten, als
Exsiccaten ohne solchen Diagnosen. Welchen Werth die damaligen
Publicationen hatten — ist ja gleich an der von Herrn Braun —
leider „vergeblich“ — ins Treffen geführten Villars’schen R. hy-
brida am schönsten zu sehen. — Schleicher hat freilich seine
Pflanzen, z. B. die R. hybrida bloss benannt — aber seine Zeitge-
nossen haben gleichzeitig dieselben in ihren floristischen Publicationen
stematisch eingereiht! Den Anfang machte Niemand weniger, als
e Candolle selbst in Catal. plant. horti bot. Monspel. 1813, wo
er die Sect. Synstylae zuerst erörterte, hierauf Seringe in „M&-
langes botaniques“ 1818 sub Nr. 34 und in „Museum helv.“ 1818
. 3, in DC. Prodr. II, p. 603 und überdiess noch in seinen „Roses
sechees* sub Nr. 34; — Gaudin 1828; Godet in supplem.
; — Grenier 1865; ja auch Lindley und Boreau u. 8. f.
') Man vergl. nur Seringe’s „Dryadeae in Musde helvetique*, 5. Heft,
820, wo zur Basis seiner monograpbischen Studien fast ausschliesslich nur
chleicher's und Thomas’ Exsiccata citirt erscheinen ete,! Keller.
x
112
bis auf incl. Christ: „Allgemeine Ergebnisse“ p. 26 (Extr.) 1884.
Da man in ihr (gleich der jüngeren 7. spectabilis Rap.) eine zuver-
lässige Repräsentantin hybrider Abstammung erkannte, so acceptirte
man den Namen als überdiess vortrefflichst bezeichnenden und wird
ihn auch fortan behalten. Die R. hybrida Vill. aber — die Herr
Braun nach Gandog. Tab. Rhod. p. 88 Nr. 854 für eine Alpina-
Form auslegt, Gandoger aber — wie gewöhnlich — zu eitiren
unterlässt — wird schon aus der eigenen Auslegung und überdiess
aus den Gründen: da dieselbe seither nicht gefunden, auch nicht
(wie die Schleicher’schen) in den europäischen Herbarien vorliegt,
also teste Verlot’s Catalog eine nicht existirende Rose ist — nur
in Rücksicht der von Villars stammenden, leider nicht „ausführ-
lichen Diagnose“ — die aber teste Tratt. Observ. in Rosac. mon.
p. 35: „ut jus specificum determinatur reposcitur uberior descriptio
et praecipuo fructus!* — total räthselhaft ist — höchstens als R.
Villarsii Tratt.? eine geschichtliche Notiz verbleiben, die Herrn
Braun entgangen ist. Regel eitirt sie daher mit ? und Desegl.
et Örepin ignoriren sie gänzlich, was bei Villars’ Auctorität nur
in Obgedachtem seinen Grund hatte. Schleicher’ Aybrida kann und
wird also nie und nimmer vor der Villars’schen Priorität weichen.
Nun gehe ich zur R. aspera Schl. über. Hier trage ich gleich die
Ergänzung zu meiner Publ. in der Deutsch. botan. Monatschr. 1886,
pag. 172 et ff. nach: dass überdiess Rafinesque in seinem: „Pro-
drome d’une Monographie des Rosiers de l’Amerique septentrionale*
p. 217 bereits im Jahre 1820 (also um 1 Jahr früher!) eine Rosa
obovata e Sectione Cinnamomearum beschrieben hat — was Herr
Braun auch nicht erwähnt hatte! Wenn nun — wie ich es aus
einem neuen Grunde soeben gezeigt — die Bechstein’sche Benennung
„obovata“ hinfällig ist — und die Rosa elliptica Tausch eine mehr
kleinblätterige und nicht bloss nach der Bezeichnung, sondern über-
einstimmend auch nach dem in meinem eigenen Herbare befindlichen
Tausch’schen Originale (das ich, nebenbei bemerkt, nebst anderen
meiner böhmischen Originalien schon mehrere Jahre vor 1886 Cre-
pin vorgelegt und in litt. auch an Dr. v. Celakovsky gedeutet
hatte) in foliol. et recept. mehr elliptisch geformte Rose... kurz:
nicht die obovata Bechst. ist, so frage ich, wie wird Herr Braun
die ziemlich verbreitete grössere Form der graveolens foliolis obo-
vatis, obovato-oblongis saepe majusculis ete. von schlankem Wuchse,
mit verlängerten Zweigen, anderen Griffeln, Sepalen ete. (z. B. die
Jordani, Lugdunensis, Cheriensis etc.) und die in Deutschland, so-
wie auch in Mähren und bei Rappoltenkirchen in Niederösterreich
wachsende Formen unterbringen, in strenger Befolgung des Priori-
tätsrechtes benennen? Er müsste ganz unnöthiger und unvortheil-
hafter Weise einen neuen Namen einführen — wo ein solcher durch
Schleicher’s übereinstimmende, seit über 70 Jahren in europäischen
Herbarien bekannt gewordene Rosenart und deren Benennung ganz
unnöthig ist! Es bleibt also bei der AR. aspera Schleicher.
J. B. Keller.
DEE
115
Brünn, am 6. Februar 1887.
Nach dem umfassenden Schlüssel der Gattung Potentilla von
Prof. Alb. Zimmeter in Innsbruck gehört die in meinem „Beitrage
zur Flora des mittleren und südlichen Mährens“ pag. 101 angeführte
und sonst unter dem Namen Potentilla cinerea (wohl Koch et al.
auct.) von mir ausgegebene Pflanze zur Potentilla arenaria Borkh.,
nach demselben Schlüssel ist P. eönerea Chaix. eine alpine Art und
kommt in den südlichen Kalkalpen, im Bellunesischen und Süd-
tiroler Grenzgebiet vor. Botaniker-Kalender von P. Sydow und
C. Mylius, pag. 76. — Epilobium adnatum Griesb. fand ich 1883
in schönen und typischen Exemplaren bei Ceitsch, Theresiendorf und
Kobyli. Die Pflanzen von diesen Standorten decken sich ganz mit
der in Prof. Hausknecht’s Monographie der Gattung Epilobium
pag. 97 über diese Art enthaltenen Beschreibung und weisen die
meisten Merkmale auf, wie sie in dem „Oesterr. botan. Wochen-
blatte* 1852, pag. 276, 277, 284, 285 schon Dr. Knaf von Epi-
lobium tetragonum L. in seiner beachtenswerthen Abhandlung „Ueber
Epilobium obscurum Schreb. und seine nächsten Verwandten“ ange-
führt hat. Dr. Formänek.
Budapest, 40. Februar 1887.
In Mähren findet man noch immer südost-europäische Pflanzen.
So hat Schilberszky Quercus hiemalis Stev. (Qu. pedunculata var.
australis Heuff., non Link; Qu. filipendula Janka, Vukot.), sowie
auch Rosa terebinthinaces Besser von Neuschloss mitgebracht. —
Auch Rosa leopoliensis Blocki ist, wie mir Freund H. Braun schreibt,
mit R. frutetorum Bess. identisch, wie auch ich mich durch die
Vergleichung überzeugen konnte, und die galizische Pflanze soll noch
mehr typisch sein, als jene vom Bisamberge; sie hat keine sub-
foliaren Drüsen. Sie kommt auch bei Haphendorf vor (Ludw. Rich-
ter!), während die R. corifolia Fr. bei Dölsach in Tirol (leg. L.
Richter). Wenn nach der Meinung Freund Blocki’s Galium aspe-
rulaeflorum grammatisch nicht richtig wäre, warum schreibt man
gegen seinen Wunsch KEragrostis poaeoides, Centaurea triniaefolia,
Örataegus rosaeformis? — Typha Shutleworthii Koch et Sond. (cfr,
Oesterr. Bot. Zeitschr. 1886, pag. 82) ist im südlicheren Theile
Europas eine viel weiter verbreitete Pflanze, als man bisher glaubte.
Bei Ujvidek (Neusatz) sah ich sie am 10. Juni 1886 ganz verblüht,
mit nackter Axe der weiblichen Inflorescenz; sie kommt bei Szekely-
Udvarhely, Orsova, bei dem eisernen Thore in der Walachei (Juni
1885), sowie bei Travnik in Bosnien (T. latif. Brand.), T. angu-
stifolia aber bei Grebenätz, Deliblat, Jassenova und bei Temesvär
vor. Mit Leucojum vernum L. var. biflorum wäre noch L. curpati-
cum Herbert zu vergleichen. In den ungarischen floristischen Wer-
ken finde ich diese Art nicht, nur in v. Janka’s „Amaryllideae“*
(Termeszetrajzi füzetek 1886, pag. 46—47) finde ich diese Pflanze
von L. vernum, wie folgt, unterschieden: Perigonii phyllorum ma-
ceula apicalis viridis—= L. vernum L. — Phyllorum macula lutea —
114
L. carpathieum Herbert. — Die „Flores 1—2“ sollen nach Herrm
“v. Janka den beiden Leucojum gemeinschaftlich sein. Indess ist die
„Macula apicalis“ auch bei dem einblüthigen L. vernum von Steyr
gelb, welches in Fl. exs. Austro-Hung. Nr. 1479 ausgegeben wurde,
— Die ungarischen Rumänen nennen bei den Herkulesbädern das
Scolopendrium Limba vischinyi (ny =nj), die Aconitum-Arten an
der Grenze von Krassö-Szöreny und Hunyader Comitate Jarba r&,
und verwenden diese als Gift, und das Geranium maerorrhizum L.
bei Plugova und Herkulesbädern nach dem wohlriechenden Rhizome
Pribu). v. Borbäs.
—— öl
Personalnotizen.
— Dr. T. A. Baldini ist zum Assistenten und Dr. A. Ter-
racciano zum Üonservator am botanischen Institute in Rom er-
nannt worden. -
— Ludwig Fekete, Forstrath und Professor in Selmeczbänya,
erhielt für seine Abhandlung „Die Eiche und ihre Cultur“ den von
der ungarischen forstwissenschaftlichen Gesellschaft ausgesetzten Preis
von 100 Dukaten.
— Dr. Günther Beck, Leiter der botanischen Abtheilung
des naturhist. Hofmuseums erhielt den Titel und Charakter eines
Custos.
Vereine, Anstalten, Unternehmungen.
— In einer Sitzung der kais. Akademie der Wissen-
schaften in Wien am 16. December 1886 überreichte Professor
J. Wiesner eine im pflanzenphysiologischen Institute der Wiener
Universität ausgeführte Arbeit von Herrn Fridolin Krasser: „Unter-
suchungen über das pflanzliche Vorkommen von Eiweiss
in der pflanzlichen Zellhaut“. Diese Arbeit schliesst sich an
Wiesner’s Untersuchungen über die Organisation der vegetabilischen
Zellhaut an, denen zufolge die wachsende Zellwand stets lebendes
Protoplasma enthält, und nicht Cellulose, sondern Albuminate das
Material bilden, aus welchem die übrigen in der Wand auftretenden
Körper entstehen. Wiesner hat diese Auffassung des Chemismus
der Zellwand bereits durch einige Thatsachen gestützt. Der Verfasser
unterwarf die Pflanzengewebe bezüglich des Auftretens der Eiweiss-
. körper in der Zellwand einer umfassenden systematischen Prüfung
und erhielt fast durchaus positive Resultate. Die mikroskopische
Nachweisung der Eiweisskörper geschah auf folgende Weise. Es kam
nämlich das Millon’sche Reagens, welches bekanntlich nur die ein-
fach hydroxilirten aromatischen Gruppen im Eiweiss anzeigt, erst
zur Verwendung, nachdem etwa neben den Eiweisskörpern auftre-
tende, einfach hydroxilirte aromatische Körper (z. B. Vanillin) oder
|
|
|
115
nicht eiweissartige Verbindungen der letzteren (z. B. Tyrosin) aus-
geschlossen worden waren. Zudem wurde noch jene Fettkörpergruppe
im Eiweiss, und zwar durch Alloxan ersichtlich gemacht, welche bei
der Zersetzung der Eiweisskörper in der Asparaginsäure und bei der
in der Pflanze stattfindenden Zerlegung der Eiweisskörper im Aspa-
ragin zum Vorschein kommt. Alloxan, unter gewissen Vorsichten
angewendet, färbt sowohl die Eiweisskörper als Aspagarin und Aspa-
garinsäure purpurn. Zum Nachweis des Eiweiss wurde das Alloxan
erst nach Entfernung etwa vorhandenen Asparagins herangezogen.
Durch Combination der Millon’schen und der Alloxanreaction konnte
das Eiweiss mikroskopisch sicherer als dies bisher möglich war, nach-
gewiesen werden.
— Monats-Versammlung der k. k. zoologisch-botanischen
Gesellschaft in Wien am 9. Februar. Botanische Gegenstände
besprachen die Herren: G. Sennholz, Stadtgärtner in Wien. „Ueber
die Resultate seiner im Juli 1886 unternommenen botanischen Ex-
cursionen nach Odessa.“ Nach Skizzirung der geographischen und
klimatischen Verhältnisse Odessas besprach und demonstrirte Senn-
holz die wesentlichsten der in jenem Gebiete gesammelten, zumeist
der pontischen Flora angehörenden Pflanzen. — Dr. O. Stapf ent-
warf ein anziehendes „Bild der natürlichen Baumvegetation Persiens,
wie der dortigen Baumeultur“, wo namentlich bei den Obstarten Pa-
rallelen zwischen den europäischen und den persischen Produkten
gezogen wurden. Bezüglich der Aepfel, Birnen und Kirschen ergab
sich ein für die europäische Pomologie überwiegend günstiges Re-
sultat, wogegen in Betreff der Pfirsiche, Aprikosen, Pflaumen und
Feigen Persien die Palme gebührt. Dieses Land ist auch der süd-
lichste Punkt für die Cultur des Nussbaums. Schliesslich führte der
Vortragende die dort gebräuchlichsten Gartenbäume auf. — Dr. R.
v. Wettstein legte seine Arbeit: „Ueber einige bisher wenig be-
kannte Ascomyceten* vor, und erläutert zwei derselben, nämlich:
Peziza aquatica und Hypomyces trichoderma in eingehender Weise.
Moritz Prihoda.
Botanischer Tauschverein in Wien.
Sendungen sind abgegangen an die Herren Banning, Keller,
Kochmeister, Dufft.
Aus Ober-Oesterreich eingesendet von Steininger: Anemone
narcissiflora, Campanula pusilla var. pubescens, Cirsium spinosissi-
mum, KEuphorbia austriaca, Galeopsis speciosa, Gentiana angulosa,
@G. Olusii, Hieracium austriacum, Pedicularis foliosa, P. incarnata,
Primula variabilis, Tozzia alpina, Valeriana angustifolia.
Vom Hochschwab in Obersteiermark einges. von Steininger:
Armeria alpina, Örepis chondrilloides, ©. Terglouensis, Gentiana ni-
valis, Geum montanum, Scabiosa lucida, Sedum atralum.
116
Aus Niederösterreich eingesendet von Keller: Alsine fascieu-
lata, Campanula thyrsoidea, Cirsium Erisithales X rivulare, Dian-
thus prolifer, Euphrasia strieta, Goodyera repens, Iris sibirica, Me-
lampyrum grandiflorum, Orchis fusca, ©. sambucina, ©. variegota,
Passerina annua, Primula elatior, Trigonella monspeliaca, Viola
Riviniana, Neranthemum annuum.
Aus Kärnten eingesendet von Preissmann: Blechnum Spi-
cant, Cicuta virosa, Equisetum pratense, Linum tenuifolium, Liyco-
podium complanatum, Medicago carstiensis, Morus alba, Rudbeckia
laciniata, Rosa Cheriensis, Silene rupestris, Stachys alpina.
Aus Steiermark einges. von Preissmann: Arabis arenosa,
A. Halleri, Alsine setacea, Astragalus Cicer, Betula verrucosa, Ca-
lamintha Nepeta, ©. silvatica, Cardamine impatiens, Care digitata,
C. vesicaria, Oentaurea rhenana, Cirsium Erysithales, Dianthus al-
pinus, D. deltoides, Doronicum austriacum, Euphorbia exigua, Fi-
lago arvensis, Galinsoga parviflora, Impatiens parviflora, Isopyrum
thalictroides, Lamium Orvala, Myosotis sparsijlora, Ostrya carpini-
folia, Owalis strieta, Petasites offieinalis, Phytolacca decandra, Pin-
quieula alyina, Pyrola secundu, Banunculus paucistamineus, Rosa
tomentosa, Pubus dumetorum, R. plicatus, Sarolhamnus scoparius,
Sisymbrium strietissimum, Sorbus Aria, Telekia speciosa, Ulmus
efusa, Valeriana tripteris, Valerianella dentata, V. olitoria, Vieia
grandiflora, V. lathyroides.
Öbige Arten können nach beliebiger Auswahl im Tausche
oder käuflich die Centurie zu 6 fl. (12 R. Mark) abgegeben werden.
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rischen Katalog Nr. 186
Bibliotheca Botanica
(SROO Werke).
LIST & FRANCKE, Buchhändler in Leipzig.
Ich gedenke zum Frühjahr Nordwest-Canada und die colum-
bische Rocky mountains botanisch und zoologisch durchforschen
zu lassen und bitte mein Unternehmen durch Subscriptionen und Auf-
träge unterstützen zu wollen. Sammler in jeder Richtung leistungsfähig.
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Redaeteur und Herausgeber Dr. Alexander Skofitz. — Verlag von ©. Gerold’s Sohn.
C. Ueberreuter’'sche Buchdruckerei (M. Salzer) in Wien.
Oesterreichische
Botanische Zeitschrift.
Die österreichische = Exemplare
botanische Zeitschrift Organ die frei durch die Post be-
erscheint zogen werden sollen, sind
den Ersten jeden Monats. f blos bei der Redaetion
Man pränumerirtauf selbe ür (IV. Bez, Mühlgasse Nr. 1)
mit 8 fl. öst. W. zu pränumeriren.
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eg: : C an Sohn
nserate in Wien.
die ganze Petitzeile N: A sowie alle übrigen
15 kr. öst. W. vs _ Buchhandlungen.
I L L ULLI
XXXVII. Jahrgang. WIEN. April 1887.
ET TE EEE "TEE EEE TE Ten EEE TEE Te me DEE ET Te ra
INHALT: Utriularia brewicornis. Von Dr. Celakovsky — Neue Algen. Von Dr.Hansgirg. —
Zygomorpher Blüthenbau. Von Dr. Focke. — Rubus-Formen. Von Formänek. — Zur Flora
von Galizien. Von Btiocki. — Zur Flora von Bielitz. Von Baier. — Epipogium Gmelini. Von
Ullepitsch. — Flora des Etna. Von Strobl. -- Literaturberichte. — Correspondenz. Von
Braun, Huter, Voss, Ascherson, Formänek, Blocki, Borbäs. — Personalnotizen.
— Vereine, Anstalten, Unternehmungen. — Botanischer Tauschverein. — Inserate.
Nochmals Urietaria brevieornis.
Von L. Celakovsky.
Sehr bald nach dem Erscheinen meines Artikels über die Utri-
eularia breviecornis in dieser Zeitschrift hat Prof. Ascherson in
dem letzterschienenen 27. Jahrg. der Verhandl. des botan. Vereins
der Provinz Brandenburg den Nachweis geliefert, dass die von mir
neu aufgestellte Art mit der skandinavischen U. ochroleuca R. Hartm.
identisch ist. Ich habe seither Hartmann’sche Originalpflanzen aus
Stockholm (durch die Güte von Prof. Wittrock) und aus dem Ber-
liner Herbarium (durch Prof. Ascherson’s Vermittelung) zum Ver-
gleiche gehabt und kann allerdings auch, soviel das getrocknete Ma-
terial sehen lässt, die Uebereinstimmung derselben mit meiner U.
brewicornis eonstatiren. Ebenso harmoniren auch, von einigen gering-
fügigeren Punkten abgesehen, die von Hartman und von mir für
dieselben hervorgehobenen Merkmale mit einander.
Als ich die U. brevicornis aufstellte, hatte ich wirklich keinen
Verdacht auf die mir nur dem Namen nach bekannte (im Prager
Museumsherbar fehlende) nordische U. ochroleuca. Schon dieser Name,
der auf die lebende böhmische Pflanze sehr schlecht passt, liess einen
solchen Verdacht in mir nicht aufkommen, hauptsächlich aber war
r mich die Meinung massgebend, dass die bereits im Jahre 1859
von Baenitz bei Sommerfeld in der Provinz Brandenburg gesam-
elte Pflanze, wenn sie einer bereits beschriebenen Art angehörte,
von den deutschen Botanikern, insbesondere aber vom meinem pflan-
Oesterr. botan. Zeitschrift, 4. Heft. 1887. 10
118
zenkundigen Freunde Ascherson, dem ausgezeichneten Floristen
Brandenburgs, längst als solche erkannt worden wäre (sie wird je-
doch in der Flora von Brandenburg mit! unter U. intermedia auf-
geführt), dass es sich also nur um eine bisher von Niemandem
(ausser Koch) von der UT. intermedia wunterschiedene Art handeln
könne. Diess zur Aufklärung, wesshalb die U. ochroleuca Hartm. von
mir unbeachtet geblieben ist.
Die Hartman’sche Art scheint übrigens selbst in Schweden
nicht allgemein gekannt zu sein, denn im Herbar von Freyn salı
ich eine von Areschoug ausgegebene „U. ochroleuca“, die gar nicht
in die Gruppe der U. intermedia, sondern in die Gruppe der U.
vulgaris (dem Ansehen nach und ohne nähere Untersuchung zu U.
neglecta Lehm.) gehört.
Zu meinem ersten Aufsatze in Oesterr. bot. Zeitschr. habe ich
jetzt, nach dem Erscheinen der Arbeit Ascherson’s, und nachdem
ich auch noch mehr Material sowohl von U. intermedia, als von U.
ochroleuca gesehen habe, einige Zusätze zu machen. Die auffallendste
Differenz in den von Hartman und den von mir angegebenen
Merkmalen betrifft dem Wortlaute nach die Blüthbenfarbe. Hart-
man nennt die Blüthenfarbe der schwedischen Pflauze blassgelb
oder schmutzig weisslichgelb (pallide flavus, ochroleucus, daher der
Speciesname), ich bezeichnete die Blume der böhmischen Pflanze als
einfarbig eitronengelb. Zwischen ochroleucus (nach G. W. Bischoff =
weisslich ockergelb, ein sehr blasses, schmutziges Gelb) und eitrinus
(nach Bischoff und auch in dem von mir verstandenen Sinne ein
reines, helles Gelb ohne Glanz) scheint ein beträchtlicher Unterschied
zu bestehen. Nachdem aber die Blüthenfarbe der Utrieularien eine
sehr constante zu sein pflegt, so möchte ich einen solchen Unter-
schied der schwedischen und böhmischen, sonst identischen Pflanze
bezweifeln und eher annehmen, dass der Ausdruck ochroleucus
(pallide Navus passt schon besser auf die böhmische Pflanze) von
Hartman minder glücklich gewählt worden ist. Nun unterscheidet
dieser Autor seine var. microceras ausser durch den kürzeren Sporn
auch durch eine andere, nämlich feuergelbe (brandgelbe) Blüthenfarbe.
Was diess betrifft, dürfte aber wohl Uechtritz das Richtige getroffen
baben, da er mir schrieb: „die brandgelben Blumen sind vielleicht
nur ein Produkt des Trocknens, da die Farbe des Wittingauer Exem-
plares von Velenovsky gegenwärtig wirklich dieser Angabe ent-
spricht. Diese Varietät ist zudem nur von einem schwedischen Stand-
orte bekannt und hat vermuthlich dem Autor nicht in frischem Zu-
stande vorgelegen.“
Eine neuerliche Untersuchung der schwedischen U, ochroleuca
und ihrer var. microceras im lebenden Zustande dürfte es bestätigen,
dass deren Blüthen weder ochroleuk, noch „brandgelb“ sind, sondern
mit der böhmischen in dem reinen, hellen, nur wenig blassen Gelb
übereinstimmen.
Hartman gibt auch den Sporn der U. ochroleuca als roth-
braun an im Gegensatze zur U. intermedia mit gleichfarbigem Sporne,
119
und Ascherson bemerkt beistimmend, dass auch an den Baenitz’-
schen Exemplaren der Sporn viel dunkler gefärbt war als der Rest
der Blumenkrone. Ueber diese schon so alten Exemplare will ich in
Betreff der Farbe nicht urtheilen, es mag sich ja so verhalten; von
der böhmischen Pflanze kann ich aber bestimmt behaupten, und
mehrere von mir sorgfältig einzeln getrocknete und ausgezeichnet
erhaltene Blüthen bezeugen es noch jetzt, dass der Sporn ebenso
hellgelb ist, wie die übrige Blumenkrone. Ferner soll die Oberlippe
der U. ochroleuca nach Hartman gestreift sein, die der böhmi-
schen Pflanze war es bestimmt nicht.
Die gewöhnlich rothbraune Färbung des Schaftes und der Kel-
che bei der U. brevicornis, die mehr grüne bei U. intermedia kann
ich bestätigen, ohne gerade viel Gewicht darauf zu legen, und ohne
dass es mich wundern würde, wenn es dann und wann anders wäre.
Aehnlich verhält es sich mit der Farbe der Schläuche, wiewohl ich
sie bei der ochroleuca noch nicht so dunkel fand, wie meistens bei
U. intermedia. Aber von Bedeutung ist die weit geringere Grösse
der Schläuche, wie auch der Kelche und Deckblätter bei der ochro-
leuca, wie überhaupt deren viel grössere Feinheit in allen Theilen.
Was die Zahl der sterilen Schuppen am Schafte betrifft, so ist
die Mehrzahl (2—3, ja 4) bei ochroleuca gewiss typisch, vielleicht
auch constant'), während die Einzahl bei U. intermedia nicht ohne
Ausnahmen ist, wie ich das ja auch mit dem Worte „meist“ bereits
zugestanden habe.
In Betreff der Oberlippe der Corolle habe ich angegeben, dass
sie bei der U. brewicornis leicht ausgerandet ist (und eine meiner
gut getrockneten Blüthen zeigt es sehr deutlich), während die Ober-
lippe der U. intermedia im Gegensatze zur U. minor mit ebenfalls
ausgerandeter Oberlippe von den Autoren allgemein „ungetheilt“
genannt wird. Ascherson meint nun, es sei weiterhin zu prüfen,
ob nicht die schwedische Pflanze (und wohl auch UT. intermedia?) eine
leicht ausgerandete Oberlippe besitze. Hierauf kann ich, was die Ü.
intermedia betrifft, schon jetzt Antwort geben; ich fand nachträglich
im Alle. Herbar des böhmischen Museums an einem Exemplare der
U. Grafiana von Klagenfurt an einer gut aufgelegten Corolle die
Öberlippe nicht nur leicht, sondern ziemlich tief ausgerandet. Es ist
somit die Angabe der Floren über die Oberlippe der U. intermedia
wenigstens nicht allgemein richtig.
Die Unterlippe der U. brevicornis habe ich flach gefunden und
auch so angereben; Hartman fand diess offenbar auch, da er in
dieser Hinsicht keinen Unterschied von U. intermedia angibt; da-
eren hat Ascherson früher in dem Schema der sechs europäischen
Dirieularia-Arten, welches er in den Verh. des Bot. Ver. von Bran-
') Ascherson sagt zwar, dass manche Exemplare der U. ochroleuca
Dänemark (von Lyngby) anch nur eine sterileSchuppe am Schafte tragen;
it dieser dänischen „ochroleuca“ hat es jedoch eine eigene weiterhin noch zu
rechende Bewandtniss,
10*
120
denburge 1861 gereben, der U. ochroleuca eine umgeschlagene Unter-
lippe gleich der U. vulgaris und minor zugeschrieben. Nachdem aber
Prof. Ascherson brieflich selbst diese Angabe als irrig bekannt hat,
so genügt es, diess zur Vermeidung einer weiteren Beirrung einfach
zu registriren.
Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal beider Arten bleibt der
Sporn. Er ist bei U, ochroleuca kurz, kegelförmig, etwa so lang als
die halbe Unterlippe oder noch kürzer; bei U. intermedia ist er fast
so lang als die Unterlippe und walzenförmig oder lang kegelförmig.
Richtig ist Ascherson’s Bemerkung, dass die Länge bei beiden
Arten einigermassen varjirt; jedoch ist diess nicht in dem Masse der
Fall, dass hierin die Grenze beider Arten je verwischt würde, d.h.
der längste Sporn der U. brevicornis ist relativ und absolut noch
viel kürzer und überhaupt kleiner als der kürzeste der U. inter-
media. Die schon erwähnte Varietät microceras Hartm., die bisher
nur bei Wrigstad in Schweden gefunden wurde, unterscheidet sich
aber nach Hartman von der typischen U. ochroleuca durch einen
noch doppelt kürzeren Sporn. Obzwar ich diese Varietät in originali
nicht gesehen habe, so zweifle ich doch nicht, dass ich sie jetzt auch
aus Mitteleuropa kenne, nachdem ich die typische U. ochroleuca aus
Helsingland (R. Hartman!), mit welcher die Pflanze von Sommer-
feld und Wittingau im Sporne übereinstimmt, zum Massstab für die
var. mieroceras nehmen kann. Für diese halte ich nämlich unbedingt
die Form, die mir Herr Fiek gefälligst mitgetheilt hat, und die
von ihm in der Ober-Lausitz bei Rietschen und zwar im Torfstiche
zwischen Daubitz und Tränke gesammelt worden, dann jene mit ihr
im Sporn übereinstimmende U. ochroleuca (als U. intermedia aus-
gegeben) vom Lac de Longemer pres Gerardmer (leg. Perrin!) aus
dem Herb. norm. von F. Schultz. Diese Form hat nämlich wirk-
lich einen noch doppelt kürzeren Sporn als die genannte typische
Form, derselbe kommt also schon dem von U. minor nahe, ist je-
doch bedeutend schlanker und spitziger als bei dieser, was durch
eine ausgeschweifte obere Contour zu Stande kommt. Hartman
nennt zwar den Sporn von D. ochroleuca stumpf, während ich ihn
spitz genannt habe. Diese Differenz ist aber belanglos; denn an
der Hartman’schen Pflanze ist der Sporn allerdings stumpflich (ge-
radezu stumpf möchte ich ihn aber nicht nennen), bei der böhmi-
schen spitzer, bei der kleinspornigen Varietät noch spitziger.
Am wenigsten constant habe ich in letzter Zeit die Unter-
schiede in den Blättern, nämlich die Beschaffenheit der Blattzipfel
bei der U. intermedia gefunden, und habe mich überzeugt, dass
diese Art nicht immer stumpfliche, mit aufgesetzter Stachelspitze
versehene Blattzipfel besitzt, wie ich angab, sondern dass sie auch
mit spitzigen und zur Spitze verschmälerten Zipfeln abändert, welche
in diesem Falle von denen der U. ochroleuca nicht so sehr verschie-
den sind, um so mehr, als auch die Zahl und Entfernung der Rand-
wimpern varürt, erstere einzeln sogar bis auf 4 und 3 auf einer
Seite des dann kürzeren Zipfels herabsinken kann. Doch sind die
121
Blätter und Blattabschnitte der U. ochroleuca stets feiner und zar-
ter, letztere constant höchstens nur mit drei Wimperzähnen auf je
einer Seite versehen. Uebrigens sei noch auf die nachfolgende Be-
sprechung der dänischen und pfälzer Utricularia verwiesen.
Hartman hat noch eine Differenz in den Winterknospen
hervorgehoben, welche bei U. ochroleuca kugelrund, so gross als bei
U. minor, bei U. intermedia meist länglich oval, '/, Zoll lang ge-
nannt werden. Ascherson gibt dieser Differenz das Zeugniss, dass
der taxonomische Werth des Merkmals der länglichen Winterkno-
spen der U.intermedia, gegenüber den runden der ochroleuca gewiss
von Hartman nicht überschätzt worden ist, nur lasse es an Her-
barexemplaren leider in der Regel im Stich, weil diese Organe erst
im Spätsommer ihre Ausbildung erlangen, zu einer Zeit, in der man
die Pflanze nicht mehr für das Herbar zu sammeln pflegt.
Ich kann weder die Constanz der Form der Winterknospen,
noch deren regelmässig so späte Bildung bestätigen. An den von Ve-
lenovsky Mitte Juni bereits gesammelten Exemplaren sind nämlich
schon häufig Winterknospen ausgebildet und nicht kugelrund, wie an
den Hartman’schen Exemplaren, sondern von oval-länglicher Form,
auch viel grösser. Diess der Grund, wesshalb ich in den Winterkno-
spen kein Merkmal der beiden Arten angeben konnte. Auch sehe
ich an manchen anderen blühenden Herbarexemplaren beider Arten
bereits Winterknospen gebildet, so an der noch zu erwähnenden dä-
nischen Pflanze von Lyngby. Eher scheint mir der Behaarungsgrad
dieser Knospen zur Unterscheidung verwerthbar; die Blätter der Win-
terknospen von U. intermedia sind nämlich an den Zipfelenden sehr
dicht und lang pinselartig bewimpert, daher die Knospen dicht rauh-
haarig-zottig aussehen. Bei U. ochroleuca aus Böhmen, wie aus
Schweden sind die Knospen viel spärlicher und kürzer behaart.
(Schluss folgt.)
Algarum aquae dulecis species novae.
’ Auctore Dr. A. Hansgirg.
P 1. Plectonema phormidioides nob. P. strato plus minus expanso,
submembranaceo, sordide aeruginoso vel atroaerugineo; trichomatibus
_ subintricatis, parce pseudoramosis, arcte vaginatis, ad 8—9 u crassis,
h
distinete articulatis; pseudoramulis adscendentibus simplieibus vel
- geminis, trichomate parum tenuioribus; articulis subdublo triplove
revioribus; plasmate aerugineo vel obscure violaceofuscescente, va-
ginis achrois, laevissimis.
Hab. in saxis perpetuo inundatis in margine rivulorum ad Sieh-
dichfür prope Neuwelt, Bohemiae. a
2. Leptochaete nidulans nob. L. thallo minutissimo in massa-
gelatinosa Clathrocystidis aerugineae (Ktz.) Henf. et Polyeystidis flos-
122
agquae Witb. nidulante; trichomatibus substrietis vel parum curvatis,
subparallelis, caespitosocongregatis, raro solitariis, brevibus, basi ad
2—45 u crassis, 15-45 w longis, apice subhyalino subulatis, indi-
stinete articulatis; articulis basal. diametro subaequalibus, pallide
aerugineis; vaginis arctissimis, luteis vel aureofuscescentibus, tricho-
matum longitudinem non aequantibus.')
Hab. in lacubus, superficie aquae quietae natans ad Bystric
prope Beneschau, Bohemiae.
3. Dactylococcus rhaphidioides nob. D. cellulis rectis vel varie
curvatis, fusiformibus, sigmoideis, sublunatis, semilunaribus vel irre-
gulariter contortis, apices versus sensim, attenuatis, solitariis, medio
ad 2—2°5 „ crassis, diametro 6—11-plo longioribus (ad 15—36 u
longis), in stratum irregulariter expansum, lubricum, viride, conso-
tiatis; plasmate in medio cellularum pallide viridi, utroque polo
subhyalino; eytiodermate tenui, laevi. (Cellulae plerumque asymme-
tricae, altero apice longiori, altero breviori.
Hab. in rupibus madidis in consortio Palmellae et Gloeocystidis
ad Harrachsdorf, Bohemiae.
4. Inoderma majus nob. J. thallo effuso, mucoso, molli, laete
viridi; cellulis oblongis vel subeylindrieis, utroque polo late rotun-
datis, singulis, ad 6—8 u crassis, 1—2-plo longioribus, gelatina molli
laxe in stratum irregulare connectis; chromatophoris (chlorophoris)
[in quaque cellula 1] parietalibus, laminaeformibus, pyrenoides glo-
bosas includentibus.
Hab. in lignis vetustis, perpetuo inundatis, praecipue in aquae-
duetorum ligneorum parietibus regionis submontanae ad Eisenbrod et
Harrachsdorf, Bohemiae.
5. Protococeus variabilis nob. P. cellulis singulis, magnitudine
variis, oblongis, elliptieis vel subeylindrieis, plerumque leviter cur-
vatis, ad polos rotundatis, nonnunguam subsphaericis, ad 6—15 u
erassis, 1—2-plo longioribus (10—26 u longis) in stratum flavo
aureum luteosubaurantiacum, tenue, submucosum (aöre humido) vel
subpulvereum aggregatis, nudis (cytiodermate tenuissimo, non distincto);
plasmate oleoso aureoflavescente vel flavorubello, locello rubro ad
3 «u lato excentrice locato praedito.*)
Hab. ad parietes caldariorum horti com. Kinsky, Pragae.
‘) Diese neue L.-Art steht der an Stengeln von Potamogeton cerispus
vorkommenden L. parasitica Bzi. am nächsten.
*) Diese schön gefärbte neue P.-Art wird in den nächsten Fascikeln der
„Algae exs.“ Prof. Dr. Wittrock's und Dr. Nordstedt's mitgetheilt werden.
ee . (
Nie Entstehung des zygomorphen Blüthenbaues.
Von W. O. Focke.
Während das Streben der Forscher auf dem Gebiete der orga-
nischen Naturwissenschaften bis vor kurzer Zeit fast ausschliesslich
auf die Sammlung von Thatsachen gerichtet war, hat sich der Er-
kenntnisstrieb neuerdings einen wesentlichen Schritt weiter vorwärts
gewagt, indem er versucht, die Ursachen der Erscheinungen zu ver-
stehen. Die Zoologie und Botanik treten dadurch in ihren For-
schungszielen der Physik und Chemie an die Seite, aber die orga-
nischen Naturwissenschaften verfügen noch nicht über gleich sichere
und bewährte Methoden der Untersuchung, wie sie sich in jenen
andern Fächern bereits vollständig eingebürgert haben. Es ist also
gleichsam die Technik der „Forschung nach den Ursachen“, welche
wir auf dem Gebiete der Botanik und Zoologie weiter auszubilden
und zum Theil noch zu schaffen haben.
In Streitfragen über die Ursachen einer Erscheinung im Thier-
oder Pflanzenreiche übte bis vor kurzem noch ein seltsames Argu-
ment eine gewisse Wirkung aus, nämlich die Behauptung, es könne
von zwei oder mehreren Erklärungen für dieselbe Thatsache höch-
stens eine richtig sein. Diese Meinung ging hervor aus einer voll-
ständigen Verkennung der Vielseitigkeit aller Einwirkungen, denen
jedes lebende Wesen in jedem Augenblicke ausgesetzt ist. Es ist
leieht möglich, eine Pflanze oder ein Thier durch eine einzige Ur-
sache zu tödten, indem man eine der nothwendigen Lebensbedin-
gungen aufhebt, aber es ist unmöglich, bei Fortbestand des Lebens
durch eine einzige Ursache eine dauernde Aenderung hervorzurufen,
wenn nicht gleichzeitig eine Reihe von anderen Voraussetzungen für
das Zustandekommen der Aenderung erfüllt sind. Die Richtigkeit
dieser Auffassung wird durch die Erfahrung überall bestätigt. Weder
Düngung, noch Regen, noch Sonnenschein und Wärme vermögen an
und für sich eine gute Ernte hervorzubringen; die günstigen Ein-
flüsse müssen vielmehr in der richtigen Weise zusammenwirken. Man
darf sich aber nicht dadurch täuschen lassen, dass unter Umständen,
wenn alle übrigen Bedingungen regelmässig erfüllt sind, scheinbar
nur eine einzige für den Erfolg entscheidet. In Aegypten hängt die
Ernte so gut wie allein vom Wasserstande des Nil ab, der den
Pflanzen gleichzeitig die erforderliche Feuchtigkeit und Düngung lie-
forn muss; an Wärme und Sonnenschein fehlt es in jenem Lande
niemals; Regen, der in anderen Gegenden zu Zeiten nützlich, zu
Zeiten schädlich wirkt, gibt es dort überhaupt nicht.
Wollen wir eine Erscheinung in der Thier- oder Pflanzenwelt
verstehen, so werden wir zunächst jedesmal drei verschiedene Sei-
ten des Lebens ins Auge fassen müssen, die morphologische, die
physiologische und die biologische. Bei jeder Aenderung in der
Gestalt und im Bau handelt es sich zugleich um deren Einfluss auf
die physiologischen Vorgänge, insbesondere den Stoffwechsel im
124
Organismus selbst, und auf die biologischen Beziehungen, also
die Widerstandsfähigkeit gegen die Einwirkungen der Aussenwelt
einerseits, die Fähigkeit zur Ernährung und Fortpflanzung anderseils.
So lange diese Anschauungen nicht allgemein als selbstver-
ständlich anerkannt sind, wird es nützlich sein, sich ihrer zu erin-
nern, wenn man an eine Untersuchung über die Ursachen einer
Erscheinung in der organischen Welt herantritt.
Die Blumen der höheren Pflanzen bestehen aus verschiedenen
Kreisen oder Wirteln, deren jeder aus einer Anzahl gleichwerthiger
und häufig auch gleichgestalteter Organe zusammengesetzt ist. In
vielen Fällen sind aber die einzelnen Glieder eines Wirtels nicht
von gleicher Gestalt; die Blumen lassen sich dann in der Regel
in zwei gleiche Hälften theilen, welche einander wie rechts und links
entsprechen. Ohne Zweifel sind diese halbseitig symmetrischen oder
zygomorphen Blumen aus den strahlig symmetrischen oder aktino-
morphen hervorgegangen. Die Frage, welche hier näher ins Auge
gefasst werden soll, ist nun die, durch welche Ursachen der Ueber-
gang von dem strahligen zum halbseitigen Blüthenbau bewirkt
sein mag.
Mit vollem Rechte hält mm im allgemeinen die Insecten-
thätigkeit für die wesentliche Ursache der Zygomorphie. Wenn diese
Ansicht richtig ist, so werden wir annehmen müssen, dass die Samen-
anlagen in zygomorphen Blumen durchschnittlich mehr Aussicht haben,
von Pollen eines andern Pflanzenstockes befruchtet zu werden, als
dies unter ähnlichen Umständen in aktinomorplien der Fall sein
würde.
Die Richtigkeit dieser Voraussetzung lässt sich sehr schwer
direct beweisen, zumal da eine ganze Reihe besonderer Umstände
in Rechnung zu ziehen ist. Vor allen Dingen ist zu erwägen, dass
die Zygomorphie die Selbstbestäubung nicht unmöglich macht. Dikli-
nie und Unempfindlichkeit gegen den eigenen Pollen sind sichere
Mittel, um engste Inzucht bei der Fortpflanzung der Gewächse zu
verhüten, aber die Existenz der Arten ist dann unbedingt von der
Wirksamkeit der Kreuzungsvermittler abhängig. Bei diklinischen
und bei ausschliesslich auf Windbestäubung angzewiesenen Arten
würde Zygomorphie keinen Werth für die Zeugung einer kräftigen
Nachkommenschaft haben. Es ist aber denkbar, dass der Vortheil
einer Nothbefruchtung durch eigenen Pollen für eine Pflanzenart, bei
der die Kreuzung völlig gesichert ist, werthlos wird. In diesem Falle
könnte sich auch bei einer zygomorphen Art nachträglich Diklinie
entwickeln. Es scheint z. B., als ob die Gattungen Thymus und
Mentha sich in einem Uebergangsstadium zur Diklinie befänden.
Gleichzeitig scheint sich bei ihnen aber auch die Zygomorphie zu
verlieren.
Es würde zu weit führen, die Frage nach den Vortheilen der
Zygomorphie nach allen Seiten zu eröitern; es mag hier nur ange-
führt werden, dass die Erfahrung der theoretischen Auffassung von
ihrem Nutzen nicht widerspricht. Vor der Diklinie und der Andıo-
125
diöcie, deren biologische Bedeutung eine ähnliche ist, wie die der
Zygomorphie, hat diese letzte den Vorzug voraus, dass alle Indivi-
duen samentragend sind.
Die Ausbildung der Zygomorphie hat man sich demnach in
folgender Weise vorzustellen. Der zygomorphe Bau der Blume lockt
Kreuzungsvermittler an und schliesst unnütze Honigräuber aus. Es
werden mehr Samen durch Kreuzung erzeugt und die daraus hervor-
gerangenen Pflanzen zeigen sich widerstandsfähiger und lebenskräf-
tiger, als die durch Inzucht entstandenen. Je besser sich der Blüthen-
bau den Kreuzungsvermittlern anpasst, um so mehr kräftiger Nach-
wuchs wird erzeugt, der die Eigenschaften der bestangepassten In-
dividuen auf die ferneren Nachkommen übertragen wird.
Man könnte sich vorstellen, dass der erste Anstoss zur Zygomor-
pbie in ganz zufälligen regellosen individuellen Variationen gegeben sei.
Die einzelnen Kronblätter z. B. einer Anemone oder Sawifraga sind
nieht immer genau gleich gross. Es ist nun aber nicht einzusehen,
wie eine solche Unregelmässigkeit die Kreuzung begünstigen könnte.
Dagegen scheint die folgende Betrachtung mehr Aufschluss zu
liefern.
Die Blattkreise der Blumen entsprechen Laubblattwirteln. Es
fragt sich nun zunächst, ob nicht vielleicht auch Laubblattwirtel
zygomorph werden können. Ein Blick auf die 3- bis 4gliedrigen
Laubblattwirtel bei Arten von Zysimachia, Lythrum, Elatine u. S. W.,
so wie auf die vielgliedrigen von Hippuris und Myriophyllum lehrt
uns, dass in diesen Fällen von einer irgend wesentlichen Ungleich-
. heit der einzelnen Blätter nicht die Rede sein kann. Wendet man
sich aber zu einer Catalpa, so sieht man sofort, dass die einzelnen
Glieder jedes Blattkreises unter einander sehr ungleich sind. Catalpa
syringaefolia besitzt alternirende dreigliedrige Blattwirtel, in denen
das am freissten nach aussen liegende Blatt, welches also am meisten
Lieht und Luft erhält, bei weitem am grössten ist. Sucht man sich
einen Zweig, der nicht von Nachbarzweigen beschattet ist, so wird
in dem einen Wirtel das der Hauptachse, also dem Stamme, zuge-
wandte Blatt das kleinste sein, während die beiden anderen, schräg
nach aussen gerichteten gleich gross sind. In dem folgenden Wirtel
müssen dann zwei schräg nach innen gerichtete Blätter wiederum
gleich gross seir, während nun aber das unpaarige Blatt nach aussen
gewendet ist und daher die beiden anderen an Grösse übertrifft.
Man könnte versucht sein, das so gegebene Schema sofort an
einer Blüthe mit zygomorphem 6gliedrigen Perigon zu prüfen, aber
es zeigt sich gleich bei der ersten Familie, an die man denken wird,
bei den Orchideen, dass etwaige Drehungen die Verhältnisse voll-
ständig ändern müssen. So liefert uns denn die Betrachtung der
Catalpa-Blätter nur die allgemeine Regel, dass das von der Haupt-
achse abgewendete Blatt eines Wirtels das geförderte ist.
Wo die Wirtel an der Hauptachse selbst stehen, wie bei Lysima-
chia, Hippuris u.s. w., da sind alle Blätter dem Lichte und der
Luft gleichmässig ausgesetzt, so dass ein Unterschied nicht zu er-
126
warten ist. Dagegen zeigt z. B. Nerium die nämlichen Verhältnisse
wie Catalpa, nur nicht in so auffälligem Grade,
Nach diesen Analogien würden geförderte Blumenblätter vor-
züglich in botrytischen Blüthenständen zu erwarten sein, in
denen die Blumen seitlich an einer Hauptachse stehen. In eymösen
Blüthenständen mit terminalen Blüthen wird in der Regel kein ein-
zelnes Blumenblatt als das geförderte aufgefasst werden dürfen. In
gedrängten Blüthenständen, Köpfchen, Dolden oder Scheindolden wer-
den dagegen nach dem aufgestellten Grundsatze die äusseren Blumen-
blätter der Randblüthen gefördert werden, so dass Blüthenstände
mit aktinomorphen Mittelblumen und zy omorphen Randblumen ent-
stehen (Compositae, Dipsaceae, Plumbagineae, Umbelliferae, Capri-
foliaceae, /beris u. s. w.) Es ist in diesem Falle gleichgiltig, ob der
ursprüngliche Bauplan der Inflorescenz botıytisch oder cymös ist.
(Schluss folgt.)
—i
Mährische und schlesische Rubus-Formen.
Von Dr. Ed. Formänek.
Der gütigen Verwendung des Herrn Heinr. Braun, der einen
Theil meiner Rubus-Arten zu determiniren die Güte hatte, verdanke
ich, dass der rühmlichst bekannte Batolog Herr Heinr. Sabransky
den grössten Theil meiner Rubussammlung zur gütigen Determina-
tion und Revision übernahm; ich fühle mich aus diesem Anlasse
verpflichtet, meinen Dank beiden Forschern für die mir in der lie-
benswürdigsten Weise ertheilte Auskunft über die betreffenden Arten
auszusprechen. Im Nachfolgenden die Aufzählung der Standorte der
einzelnen Aubus-Formen:
Rubus suberectus Andersson. Holzschlag pod tremi kameny bei Rot-
talowitz, Roznau, Neutitschein.
— plicatus Weih. et Nees. Zelezny, Rohozetz, Kvitnice u. a. O. bei
Tischnowitz, Punkwathal bei Blansko, Jedownitz, Holstein, Sloup,
Boskowitz, Schönberg, Strany, Val.-Klobouk, Mähr. -Ostrau, Przno,
Lubna, Krasnä, Morawka, Lomna, Gräfenberg, Nieder-Thomasdorf.
— Thyrsoideus Wimm. Zaruba bei Gurein, Obora bei Lomnitz,
Punkwathal bei Blansko (f. umbrosa), Skalka bei Bysterz, Jele-
nowa bei Strany (f. umbrosa).
— 2) candicans Weihe. Zaruba bei Gurein, Sokoli bei Sentitz (hier
auch die f. euodes &. Br.), Rohozetz nächst Tischnowitz, Obora
bei Lomnitz (f. gracilis virens), Adamsthal, Hora bei Mähr.-Bud-
witz, Bohonitz, Wald bei Althammer.
— b) thyr santhus Focke. Sternberg.
— bifrons Vest. Holzschläge am „Pansky kopec“ bei Roznau, Ko-
pankow unterhalb des Ondrejnik, Gr.-Kuntschitz, Kozinee bei
Roznau, Trojanowitz, Frankstadt, Malenowitz,
|
127
Rubus macrophyllus Weih. et Nees. Boguschowitz.
— villicaulis Köhler. Zwischen der ersten und zweiten Mühle bei
Pernstein (eine an R. rhombifolius erinnernde Form), Hügel Ka-
meny bei Strana, Lhotka bei Bystritz a. H., Hostein, Metylowska
hürka bei Friedland, Ostrawitz, Przno, Lubna, andere Standorte
d. Z. 1884, pag. 362.
tomentosus Borkh. Schimitz, Medlänko, Ewanowitz, Rejholee bei
Tischnowitz, Hürel bei Parfuss, Komein, die in d. Z. 1884,
pag. 362 unter diesem Namen angeführten Standorte gehören zu
R. caesius L. f. versus glandulosa Focke subvar. hirsuta.
silesiacus Weihe, in Wimm. und Gr. Fl. Sil., Focke Synops. etc.
Punkwathal bei Blansko.
hirtus W. Kit. Rosicky bei Teltsch (opulente Form), Hradisko
bei Lhota nächst Teltsch, K1.-Lhota, Jaworice, Ochoza bei Neu-
stadtl, Bratranowski bei Lhotka, Beberek und Neudeck nächst
Saar, Jawornik, Philippsthal, Neu-Lhota, Kotary am Wege zur
Jawofina, Vapenky bei Val.-Klobouk, Jaworniky, Gr.-Karlowitz,
Gawalöansky- Revier nächst der Salajka, Cäb, DuZna, Roznau,
Putyrky, Säfranice bei Mähr.-Weisskirchen, UrbaSka bei Slawita,
Jägerndorf, andere Standorte d. Z. 1884—1886.
Gremlii Focke, Halacsy, Butosonka unterhalb der Lysä hora.
orthacanthus Wimm. Punkwathal bei Blansko, Rosicky bei Teltsch,
Wolschy, Neustadtl, Marschowitz, Rokytna, Pohledetz.
corylofolius Smith. Medlanko, Mähr.-Kynitz, Obora bei Lomnitz,
Bejkowitz, Gr.-Pawlowitz, Potylky bei Strilek, (Bukowina bei
Wrbowetz), Kobela bei Küzelau, Ung.-Brod, Hawritz, Val.-Klo-
bouk, Ostrawitz: so Wasathal und a. O.
corylifolius > candicans. Weinberge bei Hawritz, Vapenky bei
Val.-Klobouk.
sylvaticus Weih. et Nees. Zwischen der ersten und zweiten Mühle
bei Pernstein,
Wahlbergii Arrh. Radislawitz.
caesius L. a) glandulosus Focke. Hradisko bei Lhota nächst
Teltsch, b) foliis ineisis Pohansko bei Lundenburg. c) armat«
Focke. Rubensko bei Ung.-Brod.
caesius > tomentosus. Weinberge bei Schimitz, Hädyberg bei der
Klajdowka, Mordovna, Bergl und Markrabstvi bei Medlanko, Rej-
holetz bei Tischnowitz.
caesius x candicans. Spalenisko bei Tischnowitz, Philippsthal bei
Jawornik, Val. Klobouk.
chlorophyllus Gremli. Punkwathal bei Blansko, Obora bei Lom-
nitz, Chudobin bei Bystritz a. P., Neustadtl, Gemeindewald bei
Saar, an Waldesrändern und Lehnen bei Kohoutowitz, Bohonitz.
oreogeton Focke (= R. chlorophyllus Gremli?). Wald nächst des
‚Jägerhauses bei Sobieschitz, Schellenberg und Schiessstätte bei
Tischnowitz, Punkwathal bei Blansko, Obora bei Lomnitz, ‚Bos-
kowitz, Rosiöky bei Teltsch, Wald bei den Kalkbrüchen und Cerny
les bei Saar, Pathenwald bei Goldenstein, Bohonitz, Hürka bei
128
Ung. Brod (sehr robuste Form). — Focke gibt diese Art aus dem
schlesischen Gebirge an (Wimmer, Schwarzer), daher dieser mäh-
rische Befund sehr natürlich. H. Sabransky.
Rubus brachiandrus Gremli. Wald bei den Kalksteinbrüchen bei Saar,
Jaworina.
— nitidus Weihe et Nees. Kräsnä, mit Pflanzen der norddeutschen
Tiefebene gut übereinstimmend.
— rivularis Müll. et Wirtg. var. prionophyllus Progel im VIII.
Band der bot. Verh. zu Landshut, Potylky bei Strilek.
— longiramulus Sabr. Neustadtl.
— fossicola Holuby, Klucanina bei Tischnowitz (typisch), Rosieky
bei Teltsch, diesem sehr nahe verwandt und nur durch längere
Stieldrüsen und unbestachelte Kelche verschieden, H. Sabransky.
Typus adhuc tantum e comitatu Treneinensi (Hungaria) et e
regione Znaymensi leg. Oborny et Prosnitzensi leg. Spitzner eita-
tus, idem.
— erythrocomus G. Br. Neustadtl.
-— serpens Weih. Wald beim Silnicker Teiche bei Gr.-Bitesch.
— Guentheri Weih et Vees. Hostein.
— laetevirens Progel. Wald beim Silnicker Teiche bei Gr.-Bitesch.
— insolatus P. J. Müller. Hora unterhalb Wolschy.
— macrostemon Focke. Skalka bei Bysterz.
— moritanus Wirtg. Zubstein bei Bystritz a. P.
Ein weiterer Beitrag zur Flora Ostgaliziens.
Von Br. Blocki.
Hiermit möge das Verzeichniss interessanterer Pflanzen folgen,
welche ich am 26., 27. und 28. Juni v. J. im südlichen, bewaldeten
Theil des ostgalizischen Miodoboryerzuges bei Gelegenheit
der wissenschaftlichen Excursion der Lemberger Forstschule gesam-
melt habe. Es sind nachstehende Pflanzen:
Acer campestre in Pustulöwka:
Agrimonia odorata in Pustulöwka und Rasztowce;
4A. pilosa Led. in Rasztowce;
Anthrisceus nitida in Pustulöwka, Rasztowce und Horodnica;
Arum orientale in Wolica und Pustulöwka;
Allium ursinum in Wolica und Pustutöwka;
4A. Scorodoprassum in Rasztowce;
Chaerophyllum bulbosum in Pustulöwka;
Ch. aromaticum in Horodnica und Pustutowka;
Ch. temulum iu Horodniea;
Örepis biennis f. laciniata in Pustulöwka und Rasztowce;
Centaurea stenolepis in Pustulöwka und Rasztowce;
ÜÖlematis erecta in Rasztowce;
129
Campanula sibirica in Horodnica und Rasztowce;
Cirsium Evrisithales in Rasztowce;
Convallaria latifolia in Pustutöwka und Horodnica;
C. latifolia f. angustifolia mihi in Horodnica;
Dentaria bulbifera in Pustutöwka, Wolica und Horodnica;
D. glandulosa in Wolica und Pustulöwka;
Digitalis ambigua in Rasztowce;
Eryngium campestre in Horodnica, Pustutöwka und Rasztowce;
Elymus europaeus in Pustulöwka und Horodnica;
Echinops commutatus Jurtzka in Pustulöwka;
Erysimum strietum in Rasztowce;
Frawinus oxyphylla M. B. in Pustutöwka, Rasztowce und Ho-
rodnica (differt a F\ ewcelsiori praecipue foliolis foliorum coriaceis,
lanceolatis vel lineari-lanceolatis, longe acuminatis);
Geum strietum in Pustulöwka und Rasztowce;
@. strieto X urbanum in Pustulöwka und Rasztowce;
Hieracium polonicum m. in Pustulöwka und Rasztowce;
Inula Helenium in Pustutöwka und Rasztowce;
Lappa nemorosa in Pustulöwka und Rasztowce;
Lilium Martagon in Rasztowce;
Lonicera Xylosteum in Rasztowce;
Laserpitium latifolium f. glabra und f. scabra in Rasztowce;
Melandryum rubrum in Pustutöwka und Rasztowce;
Myosotis sparsiflora in Rasztowce;
Melica uniflora in Pustulöwka;
Omphalodes scorpioides in Horodnica;
Onobrychis sativa in Horodnica;
Pulmonaria mollissima in Pustuföwka;
Polypodium vulgare in Rasztowce;
Physalis Alkekengi in Rasztowce;
Pimpinella magna in Pustulöwka;
Ranunculus Stevenii überall gemein;
R. cassubicus in Pustutöwka;
R. auricomus in Wolica und Rasztowce;
Rubus Idaeus in Pustutöwka und Rasztowce;
Rumes obtusifolius in Pustulöwka;
R. obtusifolio < erispus in Pustulöwka;
R. confertus W. in Pustutöwka und Rasztowce;
Salvia sylvestris Koch in Liezkowce;
S. glutinosa in Pustutöwka und Rasztowce;
Scopolina atropoides in Pustulöwka;
Senecio vernalis in Rasztowce;
Silene injlata f. umbrosa M. in Rasztowce;
Seutellaria altissima in Rasztowce und Horodnica;
Torilis Anthriscus in Pustulöwka;
Tragoposyon orientalis in Rasztowce;
Tanacetum corymbosum in Rasztowce;
Thymus Marschallianus in Pustulöwka und Rasztowce;
130
Trifolium rubens in Rasztowce;
Triticum caninum in Horodnica;
Teucrium Chamaedrys in Horodnica;
Ulmus glabra Mill. in Pustutöwka; (U. glabra f. suberosa—= U.
suberosa Ehrh. habe ich in dieser Gegend nicht beobachtet, wohl
aber in Welesniow bei Monasterzyska und am „kleinen Sandberg*
in Lemberg);
Ulmus scabra Kern. in Pustulöwka;
Ulm. pseudosuberosa mihi (U. suberosa mihi in „Oesterr. bot.
Ztschr.“ 1886. XIL, non Ehrh.) in Pustutöwka; auch in Bileze in
Südost-Galizien; ab UT. scabra differt ramis suberosis, foliis minori-
bus, angustioribusque nunquam trilobatis, ab U. glabra f. sube-
rosa autem foliis non coriaceis, etiam adultis scaberrimis;
Viburnum Lantana in Rasztowce, Horodnica und Liezkowce;
Vicia tenuifolia in Pustulöwka und Rasztowce;
V. silvatica in Pustutöwka und Rasztowce;
V. pisiformis in Rasztowce;
Veronica teuerium in Pustulöwka und Rasztowce;
Viola mirabilis in Pustutöwka, Rasztowce und Horodnica; endlich
Vincetomicum officinale in Rasztowce.
—i —
Zur Flora der Umgebung von Bielitz und Biala.
Von Anton Baier,
k. k. Professor an der Staats-Oberrealschule zu Bielitz.
(Schluss.)
Verbascum Thapsus L. fand ich nicht nur „in Brenna und
Mückendorf bei Bielitz“, sondern auch beim zweiten Wehre unter-
halb Bielitz und in Straczonka. Von
Verb. phlomoides L. fand ich einmal ein abgerissenes, frisches
Exemplar in Kamitz, ohne jedoch den Standort ausfindig machen zu
können; vielleicht war es auch nur eine entartete var. thapsiforme
Schrad. — Mit Sicherheit aber kommt wieder
Linaria spuria (L.) Mill. als neu für das Gebiet im Flussbett
in Lobnitz und Straczonka, ferner auch in den Kalksteinbrüchen in
Bielitz und Lipnik vor.
Lin. Cymbalaria (L.) Mill. konnte ich begreiflicherweise „am
Schlossthurme in Bielitz“ nicht wiederfinden.
Digitalis purpurea L. findet sich nicht nur mit rother, sondern
häufig auch mit weisslicher Blumenkrone am „Klimezok“, in Szezyrk,
am Kotarz und auf der Magura, aber auch am Kolowrat und Salz-
berg bei Bielitz und am Josefsberg und Hanslik bei Biala.. — Als
für das Gebiet ganz neu zu verzeichnen ist wieder
Mimulus luteus L. Diese aus dem westlichen Nordamerika
stammende Pflanze kommt hier verwildert und völlig eingebürgert
131
im Bett des Lobnitzbaches und an quellisen Stellen in Lobnitz und
Kurzwald vor.
Veronica montana L. traf ich nach einander am Salzberg und
in Bistrai bei Bielitz an.
Lathraea Squamaria L. Findet sich zerstreut in den Laubwäl-
dern und Gebüschen, z. B. am Mühlberg, im Ritterschaftsthal, in
Lipnik, Leszezyny, Alt-Bielitz u. s. w.
Trientalis europaea L. Ausser „am Skrzyezna“ auch, jedoch
seltener, auf der Magura bei Bielitz.
Vaecinium Vitis idaea L. kommt dünn gesäet in Ernsdorf, Lob-
nitz und im Solathale vor.
Pyrola minor L. Ist als neu für das Gebiet im Gebüsch von
Nickelsdorf unterhalb der Bielitzer Jägerhütte und in den Wäldern
von Alzen. Auch
Pyr. uniflora L. kommt hier häufiger vor, als es Kolben-
heyer angibt, und zwar nicht nur „in Ernsdorf und unter dem Jo-
hannisstein“, sondern auch im Louisenthale, im Zigeunerwalde, am
Gemsstein, in Bistrai und Straczonka. Desseleichen findet sich
Monotropa Hwypopitis L. nicht vereinzelt, sondern fast häufig
um Bielitz-Biala und Umgebung in schattigen Wäldern zwischen
modernden Blättern und Nadeln; z. B. im Zigeunerwalde, am Wil-
helmshof, in Ernsdorf, Bistrai, Straczonka und Alzen. — Von
Astrantia major L. sind hier als einziger Standort ein Gras-
platz in Niederahlisch und ein Garten in Alzen anzusehen. Nach
eingezogenen Erkundigungen wurde diese Pflanze ursprünglich an
diesen Plätzen als Arzneipflanze für die Hausthiere angepflanzt und
erhält sich daselbst, ohne jedoch in dem umliegenden Gebiete sich
auszubreiten. — Geradezu unbegreiflich ist es, dass
Sanicula europaea L. von Kolbenheyer für Bielitz übersehen
werden konnte, da diese Pflanze in den hiesigen Wäldern und Ge-
büschen überall sehr gemein ist. Auch
Pimpinella magna L. findet sich zerstreut in der hiesigen Ge-
gend; ebenso ist
Conioselinum tatarieum Fischer, obzwar sparsam, am Bahn-
damme unterhalb Bielitz bei den Rost’schen Ziegeleien in Biala, in
Barzdorf, Alt-Bielitz, Niekelsdorf und Komorowie anzutreffen.
ÜUhaerophyllum aromaticum L. Wird hier augebaut und flüchtet
sich bisweilen aus den Gärten.
Adora Moschatellina L. Ist bei Kolbenheyer als an der
(Quelle der Biala bei Bielitz vorkommend angeführt; dortselbst konnte
ich dieses Pflänzehen nicht wiederfinden, wohl aber im Bielitzer und
im Bialaer Schlossgarten, im Zigeunerwalde, am Trotschenberge, in
Altbielitz, Kamitz und Lobnitz, ferner zu beiden Seiten des Biala-
flusses, in Gebüschen von Parzdorf und an den Ausflussufern ober-
halb Lipnik.
Cornus mas 1. Wird hier häufig inGärten und an öffentlichen
Plätzen mit Erfolg angepflanzt.
Sempervivum soboliferum Sims. Findet sich zwischen Steinge-
132
rölle und auf alten Baumstöcken in Bistrai, auf Steinwällen der
Blattna und in Ernsdorf.
Thalictrum aquilegifolium L. „Auf der Kamitzer Platte“ und
im Louisenthale. — Neu für das Gebiet ist wieder
Anemone ranunculoides L. Im Zigeunerwald, am Trotschenberg,
in Leszezyny, im Ritterschaftsthale und in Dziedzitz meist zahlreich
vorzufinden.
Hepatica triloba Gil. Kommt nicht bloss „in Bistrai“, sondern
auch in Altbielitz, Ohlisch, Ernsdorf, am Trotschenberge, im Ritter-
schaftsthale und in Lipnik vor.
Ranunculus aquatilis L. Kann nur im Bialaflusse oberhalb Bie-
litz gedeihen, kommt ausserdem auch in Ernsdorf, Lobnitz, Czecho-
witz, Kurzwald und Kozy vor.
Ran. aconitifolius L. Findet sich hier nicht allein „auf der
Kamitzer Platte“, sondern auch in Lobnitz, auf der Magura, am
Mittagsberg und Salzberg; ebenso
Ran. Lingua L. ausser „in Nickelsdorf und Bistrai* auch an
dem Wege nach dem Wilhelmshof, auf Sumpfwiesen in Oberohlisch
und am Johannesstein. — Als neu für das Gebiet ist wieder
Isopyrum thalictroides L. zu verzeichnen, von der ich bisher
zwei Standorte anzugeben habe, nämlich Oberohlisch und das Ritter-
schaftsthal.
Aquilegia vulgaris L. Findet sich hier mit violetter, weisser
und rosafärbiger Blumenkrone nicht selten in Laubwäldern, auf Wald-
wiesen und an Flussufern vielenorts. — Uebersehen wurde für die
hiesige Umgebung auch
Actea spicata L., welche Pflanze vereinzelt am Mühlberge, im
Louisenthale, am Annaberge, im Leszezyny und in den Niederungen
des hiesigen Gebirges vorkommt. — Obiges gilt auch für
Fumaria Vaillantii Loisl. Findet sich auf den Kalkäckern von
Kamitz, Lipnik und Barzdorf.
Cardamine hirsuta L. Ist „häufig am Dunaczy bei Bielitz“ und
unterhalb des Ziegenbock in Öberohlisch.
Dentaria glandulosa W. et Kit. Ist nicht nur „in Bistrai“,
sondern überhaupt in dem hiesigen Gebirge häufig. Ebenso Dent.
bulbifera.
Alyssum calycinum L. Kommt hier auf den Lipniker Stein-
brüchen und in Barzdorf vor.
Berteroa incana (L.) DC. Ist von Kolbenheyer für die hie-
sige Gegend als gemein angeführt, was ich nicht bestätigen kann,
da ich diese Pflanze nur am Bahndamme unterhalb Bielitz und auf
einem Acker in Bistrai angetroffen habe; ‘jedenfalls gehört sie hier
nur zu den eingeschleppten Pflanzen.
Lunaria rediviva L. hingegen ist hier wieder viel häufiger, als
Kolbenheyer meint, denn es sind ausser der „Kamitzer Platte“
auch Ernsdorf, das Louisenthal, Ober- und Niederohlisch, Bistrai,
Straezonka, der Hanslik und Kozy als Standorte anzuführen.
133
Hesperis matronalis L. Kann hier auch angeführt werden, da
diese Pflanze nicht selten auf Feldern, Schutt- und Düngerhaufen,
an Flussufern und in Grasgärten verwildert angetroffen wird.
Lepidium Draba L. und L. campestre (L.) R. Br. Können als
neu angeführt werden. Erstere fand ich immer wieder in der Nähe
des Otterwäldchens bei Bielitz, letztere auf den Lipniker Steinbrüchen
und beim ersten Wehre unterhalb Bielitz.
Cochlearia Armoracia L. Findet sich verwildert und eingebür-
gert in Grasgärten von Altbielitz, Ernsdorf, Barzdorf, Czechowitz und
an den Ufern der Bialka.
Stellaria nemorum L. Ist hier häufig in feuchten Gebüschen
und Waldschluchten zu finden; ebenso ist
Stell. uliginosa Murr. an quelligen Plätzen der Straczonkaer
Berge und unterhalb der Kamitzer Platte anzutreffen.
Qucubalus baceifer L. Neu für das Gebiet; findet sich in Strauch-
werk unterhalb Bielitz, ferner in Altbielitz, Lipnik und Alzen. —
Obiges kann auch von
Hypericum hirsutum L. gesagt werden, welche Pflanze zer-
streut in (Gebüschen, besonders an den Ufern der Bialka oberhalb
Bielitz angetroffeu wird.
Acer Pseudoplatanus L. Ist nicht nur in den Bergwäldern von
„Ernsdorf bei Bielitz“, sondern in dem hiesigen Gebirge überhaupt
nicht selten anzutreffen. — Sehr häufig finden sich überall hier in
Gebüschen, auf Wiesen, Grasplätzen u. dergl.
Geranium phaeum L., @. pratense L. und @. palustre L. —
Wenn hingegen von Kolbenheyer angegeben wird, dass
Linum usitatissimum L. und L. catharticum L. hier vielfach
‚angebaut werden, rücksichtlich auf Wiesen, Triften, Grasplätzen und
‚dergl. gemein sind, so müssen beide Angaben heute wenigstens da-
hin corrigirt werden, dass L. usitatissimum hier äusserst selten und
auch L. catharticum nur hin und wieder anzutreffen sind.
Epiüobium hirsutum L. (z. Th.) Kommt hier ausser „in Ka-
mitz und an der Bistrai* auch am Bahndamme unterhalb Bielitz, in
Özechowitz, an der Straczonka und in Lobnitz vor. Ebenso
Epil. parviflorum Schreb. nicht nur „in Buczkowitz“, sondern
auch au der Bialka, in Straczonka, Lobnitz, Ernsdorf, Kurzwald und
Czechowitz. -- Neu für das Gebiet ist wieder
A Epil. palustre L. auf den sumpfigen Torfwiesen in Oberohlisch
‚anzuführen, und bei
Epil. Dodonaei Vill. (z. Th.) beizufügen, dass diese Pflanze
auch auf deu Lipniker Steinbrüchen vorfindlich ist. — Vom Hexen-
raut gibt Kolbenheyer für Bielitz nur
Circaea lutetiana” L. an, während doch auch ©. intermedia
rh. und ©. alpina L. in humösen bergigen Laubwäldern, an quel-
on Stellen in den Niederungen und auf feuchtem Torfboden in den
adelwäldern hier überall zu finden sind.
Rosa alpina L. Ist selten „am Skalita“, Hanslik und Josefs-
® anzutreffen, dafür aber
— Öesterr. botan. Zeitschrift. 4. Heft 1887. 7
Rubus Idaeus L. auf Waldschlägen in dem hiesigen Gebirge sehr
häufig, was Kolbenheyer merkwürdigerweise übersehen hat. Auch
Sanguisorba minor Scop. ist für Bielitz-Biala unberücksichtigt
geblieben (kommt im Louisenthale, auf den Kamitzer und Lipniker
Steinbrüchen vor), während wieder
Sang. ofieinalis L. als gemein bezeichnet ist, was entschieden
in Abrede gestellt werden muss, da diese Pflanze höchstens auf
fruchtbaren, mässig feuchten Wiesen um Üzechowitz sich vorfindet.
Ononis spinosa L. Ist von Kolbenheyer als „bei Bielitz*
vorkommend angeführt, während ich und ebenso auch Ändere diese
Art hier nirgends finden konnten. Dagegen findet sich
On. hircina Jacgq. hier häufig. — Ebenso häufig ist
Sarothamnus scoparius (L.) Koch in der Umgebung von Bie-
litz-Biala zu finden, u. zw. ausser an den von Kolbenheyer ange-
führten Standorten auch am Seniorberge, in Kamitz, am Hanslik,
Josefsberg und im Solathale.
Genista tinctoria L. Fand ich im Gebüsche von Altbielitz und
Kurzwald,
Anthyllis Vulneraria L. auf dem Wege hinter dem Wilhelms-
hof und in Straczonka.
Melilotus ofieinalis (L.) Desr. Ist von Kolbenheyer bloss
für Teschen als häufig angeführt, während doch diese Art auch um
Bielitz-Biala gar nicht selten ist. Von
Lathyrus silvester L. kann, wenigstens für jetzt, als einziger
Standort das Gebüsch von Alzen von mir angeführt werden.
Die vorstehend angeführten Arten von Blüthenpflanzen mögen
den Freunden der Botanik, welche sich für die Flora von Bielitz-
Biala und Umgebung interessiren, als Ergänzung, rücksichtlich als
Berichtigung der eingangs erwähnten Pflanzenenumeration dienen,
zugleich aber auch bei einer etwaigen neuen Bearbeitung von Wim-
mer's, resp. Fiek’s „Flora von Schlesien“ vertrauensvolle Borückei
siehtigung finden!
ar
ER E
Epipogium Gmelini Rich.
Von Josef Ullepitsch.
an he
’
Obgleich diese Pflanze schon längst beschrieben ist, dürften“
doch nur wenige Floristen die Gelegenheit gehabt haben, selbe u
lebendem Zustande zu beobachten.
Was wir von selber in Sammlungen finden, sind leider Mu-
mien, aus welchen man sich schwerlich ein richtiges Bild von der
lebenden Pflanze verschaffen wird. Und doch ist die Pflanze viel-
seitig merkwürdig — dass, hiesse sie nicht bereits E. Gmelini, sie
mit Recht den Namen Z. paradoxum zu tragen verdienen würde.
Da mir hier Gelegenheit wurde, diese Pflanze am östlichen
135
Fusse der Zipser Kalkalpen vielfach zu beobachten, so erlaube ich
mir, hier Einiges mitzutheilen.
Betritt man in der Höhe von 1000 bis 1300 Meter Seehöhe
einen sehr alten dichten Nadelholzwald, so wird mit einemmale die
Nase von einem der Bananenfrucht ähnlichem Geruche angenehm
überrascht. Man hält Umschau nach der Ursache, und erblickt einige
Schritte entfernt eine zarte licht gefärbte Pflanze. Monotropa ist es
nicht, die ist zu steif und plump! Neottia ist es auch keine, denn
auch die ist steif, Orobanche ähnlich und mehr minder braun. Un-
sere Pflanze hingegen ist durchscheinend, ja fast stellenweise durch-
sichtig. Am meisten gleicht sie wegen der Form der Blüthe einer
Ophrys — doch ist sie gelblich etwas rosa gefleckt, und hat weder
Blätter, noch sonst eine Spur von Chlorophyll. Es ist das Epipo-
gium Gmelini. Nachstehend eine kurze Beschreibung:
Der Wurzelstock ist scheibenartig, mit wagrechtem Durch-
messer bis zu 40 mm und verticalem bis 20 mm. Selber besteht aus
centrisch gestellten unregelmässig gefingerten, fleischigen, plattge-
drückten Aestchen (bis zu 10 Stück), die von einem gemeinsamen
Punkte auszehend, sich strahlenförmig überlagern. Selbe erinnern,
einzeln beobachtet, lebhaft an die Bildung der Distichoporen, doch
sind sie braun, und nur an den äusseren Spitzen gelblich. Der ge-
samımnte Wurzelstock ist frei in modernde Tannennadeln eingebettet.
Ein Zusammenhang mit irgend einem anderen Körper ist nicht
wahrnehmbar, und ein so grosser, gewichtiger, gewiss mehrere Jahre
ausdauernder Wurzelstock, kann unmöglich das Schmarotzerprodukt
weniger Tannennadeln sein! Darum bezweifle ich, dass E. @. eine
Schmarotzerpflanze sei, uud ich werde diessbezügliche directe Ver-
suche anstellen und darüber seiner Zeit berichten. Vielleicht gelingt
es, diese Pflanze wie Achimenes oder Gloxinien zu züchten.
Aus der Spitze der einzelnen fingerförmigen plattgedrückten,
‚vorne etwas verdickten Wurzelstockzweige spriesst zuerst eine nach
aufwärts sich becherförmig erweiternde Scheide, der eine zweite bis
vierte jede noch mehr sich erweiternde folgt, worauf die folgenden
wieder dünner dafür immer länger werden. Zieht man vorsichtig
den Stengel, so löst er sich zwischen der ersten und zweiten Scheide
ab, und zeigt somit am unteren Ende eine birnförmige, hohle Ver-
dickung.
Der ganze durchscheinende Stengel ist gebrechlich wie Glas,
nimmt nach aufwärts an Durchmesser und Farbe ab, und wird
glasglänzend, kaum gelblich und fadenförmig.
Nur init Scheiden (olıne alle Blätter) bekleidet, trägt der
Stengel zu oberst eine I—5blüthige sehr lockere Traube, deren bis
20 mm grosse Blüthen auf kurzen dünnen Stielen hängen. Die ein-
zelnen Blüthen haben einen kurzen dicken carmingestreiften Sporn,
welcher wohl das halbe Gewicht der Blüthe haben dürfte, und so
die Veranlassung gibt, dass die Blumen beim leisesten Luftzuge
erzittarn. iöge
1
136
Die Blüthen sind blassgelb, und die grosse, aufrecht stehende,
etwas ausgehöhlte Lippe hat erhabene violette Flecken, die sich
ausnahmsweise auch auf den seitlichen Kronenblättern vorfinden.
Die Staubbeutel sind sehr kurz gestielt gipfelständig.
Ob der enormen Gebrechlichkeit der Pflanze findet man äusserst
selten Früchte!
Ich sah nur ein Exemplar mit solchen, selbe sind länglich-
ovale etwas zusammengedrückte runzliche Kapseln.
Die Vegetationsentfaltung beginnt und endet in hiesiger Ge-
gend innerhalb des Monates August.
Kniesen, Ungarn, im Jänner 1887.
— —
Flora des Etna.
Von Prof. P. Gabriel Strobl.
(Fortsetzung.)
1325. Trifolium incarnatum L. Spee. plant. 1083, *Raf. II,
*Biv. II var. Molinieri Balb. Cat. 1813, Guss. Syn. et *Herb.!, stra-
mineum Presl Fl. sie. 1826. Die Varietät unterscheidet sich von der
nur eultivirten blutrothen Normalform durch weissliche oder fleisch-
rothe Blüthen. — Auf Wiesen und trockenen krautigen Hügeln bis
3000° Auf schattigen, sandigen Orten des Etna bei S. Nicola dell’
arena (Biv. II), auf Weiden des Etna und an feuchten Meerorten
bei Catania sehr häufig (Biv. in Herb. Guss. nebst einer kahlen, als
var. ß. glabrum bezeichneten Form!), um Milo, Nicolosi, im Vallone
di Linara (Herb. Tornab.!), unter Kastanien des Serrapizzutawaldes
und auf buschigen Abhängen eines nahe gelegenen Kraters häufig!
April, Mai. ©. |
NB. T. alewandrinum L., von Raf. in der Tiefregion angege-
ben, fehlt in Sieilien.
1326. T. intermedium Guss. *Syn. et Herh.!, Reichb. D. Fl.
DE W. Lge. Auf sandigen Fluren um Catania (Guss. 1. e.). April,
al. C).
1327. T. angustifolium L. *Bert. Fl. it., Guss. Syn. et Herb.!,
Reichb. D. Fl. 93 I! Auf trockenen Hügeln und Weideplätzen bis
2000° nicht selten: Aus Catania von Cosentini erhalten (Bert.),
Armisi bei Catania (Herb. Torn.!), in der Ebene des Simeto vom
Meere bis Bronte hinauf! April, Mai. ©.
1328. T. lappaceum L. *Biv. II, *Bert. Fl. it., *Cat. Cosent.,
Guss. Syn. et *Herb.! Am Meerstrande, unter Saaten, auf Fluren -
und grasigen Rainen bis 2000° häufig: Aus Catania von Cosentini
erhalten (Bert.), um Catania unter Saaten und im Meersande häufig
(Biv. II, Biv. in Herb. Guss.!), Acicastello (Herb. Torn.!), ‘in der
137
Arena di Catania und in der Ebene des Simeto bis hinauf nach
Aderno und Bronte! April, Mai. ©.
1329. T. panormitanum Presl Fl. sie, Reichb. D. Fl. 88 IL!
squarrosum DC., Guss. Syn. et Herb.! non L. Annuell, aufrecht,
Stengel, Blätter, Blattstiele und Zipfel der Nebenblätter sparsam
abstehend faumig-zottig; Blättchen länglich oder oval, 1:5—2 Cm.
lang, 6—9 Mm. breit, an der Spitze abgestutzt oder ausgerandet,
die obersten mit Stachelspitze, alle gestielt; Nebenblätter mit sehr
langem, linealborstigem Ende; Köpfehen ziemlich lang gestielt, ein-
zeln, eiförmig, zur Fruchtzeit eiförmig länglich; Kelchröhre 10nervig,
kurz rauhhaarig, Zähne lanzettlichlinear, dreinervig, zugespitzt stachel-
spitzig, ungefähr von der Länge der Röhre, der untere jedoch breiter
und länger, etwa von Schiffchenlänge, endlich zurückgeschlagen; Krone
weiss oder gelblich. — Auf feuchten Weiden und cultivirten Plätzen
ganz Siciliens nach Guss., daher wahrscheinlich auch im Gebiete;
ich besitze es von Palermo, Polizzi ete. April, Mai. ©.
1330. T. maritimum Huds. *Raf. I, *Biv. II, *Bert. Fl. ital.,
Guss. Syn. et Herb.! rigidum Savi *Raf. II. Von vorigem constant
verschieden durch schlankeren, niederliegenden Wuchs, länglich ver-
kehrteiförmige, um die Hälfte kleinere Blätter, lineallanzettliche,
2—3mal kürzere Zipfel der Nebenblätter, kurzgestielto Köpfchen,
kahle oder fast kahle Kelchröhre, welche die dreieckiglanzettlichen,
kürzer zugespitzten, steiferen, endlich sternförmig ausgebreiteten
Kelchzähne an Länge übertrifft; varürt selten ganz kahl = T. gla-
bellum Presl Fl. sic. Auf Weiden, Fluren und an sumpfigen Stellen
nahe dem Meere: Aus Catania von Cosentini erhalten (Bert.), in
Meersümpfen bei Catania a Turri d’addegra (Biv. II), Catania, Ognina
Harn Torn.!), zwischen Seirpus Holoschoenus in der Arena! April,
ai. O.
1331. T. ligusticum Balb. Guss. *Syn. et Herb.!, Rehb. D. Fl.
102, I! In Hainen und Wäldern des Etna (Guss. Syn., fehlt aber
von da im Herb.). April— Juni. ©.
1332. T. phleoides Pourr. Guss. *Syn. et *Herb.!, Tod. Fl. sic.
exsicc. Nr. 289! Gleich Zigust. und arv. ausgezeichnet durch Kelch-
zähne, welche die Krone überragen, deutlich gestielte, axilläre und
endständige, langkonische Köpfchen; aber lg. ist abstehend zottig-
behaart mit verkehrtei- oder verkehrtherzförmigen Blättchen, die
abstehend langhaarigen, borstenförmigen Kelchzähne sind bedeutend
länger als die Kelchröhre; phleoid, ist angedrückt sparsam flaumig
mit länglichkeiligen oder fast linearen Blättchen, sparsam kurzhaa-
rigen, starken, abstehenden Kelchzähnen von der Länge der Kelch-
röhre; auch ist der Wuchs viel niedriger. Variirt: ß. prostratum
Jan. mit dicht abstehend zottigen Kelchen. — Auf Weiden und
krautigen Bergabhängen der Nebroden ziemlich häufig, aus dem Geo-
biete jedoch nur von Guss. angegeben und zwar die Normalform
von Bronte und Maletto, die Varietät aber von Wäldern oberhalb
Bronte und Maletto, sowie von der Casa degli Inglesi (leg. Jan.,
Guss. Syn. et Herb.!). Mai, Juni. ©.
138
1333. T. arvense L. Guss. *Syn. et *Herb! Variirt im Gebiete:
@. genuinum Gren. Godr. I, 410, T. arvense Reichb. D. Fl. 95, I!
Stengel aufrecht, ziemlich hoch und robust; Aeste aufrecht abstehend,
spärlich; Blüthenstiele fadenförmig; Kelchzähne doppelt so lang, als
Kelch und Krone. ß. aetnense Guss. Stengel niedrig und schlank,
reich verzweigt, untere Zweige abstehend oder niederliegend; Neben-
blätter kürzer geschwänzt: Kelehzähne nur wenig länger als Kelch
und Krone. T. arvense ß. gracile (Thuill.) DC., Gr. Godr., I, 410,
Reichb. D. Fl. 95, III unterscheidet sich von var. aetn. durch sehr
sparsam und kurz behaarte, den kurzbehaarten Kelch und die Krone
um einmal überragende Kelchzähne, aufrecht abstehende Aeste, län-
gere Nebenblätter und die ziemliche Kahlheit der ganzen Pflanze. —
Auf Hügeln, sandigen Feldern, Weiden und Bergabhängen (0 bis
6500’) äusserst gemein, in höheren Lagen aber fast ausschliesslich
var. ß., an der Grenze mit zahlreichen Uebergängen in die Normal-
form: Catania, Mascalucia, Pedara (!, Torn. in Herb. Guss. v. «.),
in Hainen bei Bronte und Maletto (!, Guss. Syn. et Herb., var. £.!),
überall um Nicolosi und Zaffarana (!, Herb. Torn.!), von da durch
die Wälder bis in die Hochregion, längs der ganzen Ostküste ete.!
April — Juni. ©.
1334. T. Bocconei Savi Guss. *Syn. add. et *Herb.!, Reichb.
D. Fl. 98, I! Auf sonnigen, krautigen Hügeln Siciliens nicht selten,
aus dem Gebiete bisher nur von den Klausen bei Ognina (Herb.
Torn.!, Tornab. in Guss. 1. ec.) und von Armisi (Herb. Torn.!) be-
kannt. April—Juni. ©.
1335. T. scabrum L. *Biv. II. Auf Lavafeldern, grasigen Rai-
nen, trockenen, sandigen oder buschigen Abhängen (0—3500°) häufig:
Auf sandisen Feldern des Etna (Biv. Il), um Nicolosi (!, Herb.
Torn.!), auf Lavaströmen um Catania gemein, von da in die Ebene
des Simeto und bis jn die Waldregion oberhalb Nicolosi, um Adernd,
Bronte ete.! April, Mai. ©.
(Fortsetzung folgt.)
— 0 —
Literaturberichte.
Franz R. v. Höhnel. Die Mikroskopie der technisch verwendeten Faser-
stoffe. "Ein Lehr- und Handbuch der mikroskopischen Untersuchung der
Faserstoffe, Gewebe und Papiere. Mit 69 in den Text gedruckten Holz-
schnitten. A. Hartleben's Verlag, en, Pest, Leipzig 1887, 8°, VIII und
163 Seiten. Geheftet fl. 2:50. Gbdn. fl.
Dem Material entsprechend ist a vorliesende Arbeit in drei
Capitel: 1. Pflanzenfasern, 2. Thierwolle und “Haare und 3. Seide
gegliedert. Nach mehreren einleitenden Bemerkungen werden die Mor-
phologie der Faser, die Mikrochemje, die Mikrophysik ete. und die
mikroskopischen Beschreibungen von zahlreichen Fasern gegeben. Der
139
‚Abschnitt Mikrophysik bespricht physikalische Eigenschaften der Fasern,
zu deren Studium das Mikroskop besser als ein anderes Instrument
geeignet ist. Verf. meint die Quellungs- und Polarisationserschei-
nungen, denen er in schon früher erschienenen Arbeiten eingehende
Betrachtung gewidmet hatte. Die Epidermisfasern werden als Baum-
wolle, Pflanzendunen, Pflanzenseiden und einheimische Wollhaare
beschrieben. Die Eintheilung der übrigen Fasern lehnt sich an die
von Wiesner gerebene, wie denn überhaupt die Arbeiten dieses
Forschers gerade für die technische Mikroskopie der Spinnfasern als
die grundlegenden anzusehen sind.
Die analytischen Tabellen zur Bestimmung der Pflanzenfasern,
deren das Buch drei enthält, sind vom praktischen Gesichtspunkte
aus abgefasst und werden als gut brauchbar befunden werden, wahr-
scheinlich am häufigsten auch in Anwendung kommen.
In dem Absatze „Mikroskopische Untersuchung des Papieres*“
baben wir nicht viel Neues gefunden; das meiste ist schon vor zwan-
zig Jahren von Wiesner bekannt gemacht worden.
Sehr ausführlich sind die thierischen Faserstoffe, die Haare
und die Seide bearbeitet. Ueber letztere namentlich enthält das Buch
zahlreiche neue, schätzenswerthe Daten, die sowohl in rein wissen-
schaftlicher Beziehung von hohem Interesse sind, als auch für die
Praxis, d. h. in diesem Falle für die Unterscheidung und Erkennung
der einzelnen Seide-Arten besondere Beachtung verdienen.
Wie der Verfasser richtig bemerkt, ist bis jetzt eine specielle
Bearbeitung der Mikroskopie der Spinnfasern — für sich als Buch —
noch nicht im Verkehre vorhanden gewesen, und dass ein solches ein
Bedürfniss war, darf nicht geläugnet werden. Wir müssen daher die
Herausgabe einer solchen Arbeit, insbesondere wenn sie sich durch
die wissenschaftliche Correctheit und durch Brauchbarkeit für die
Praxis so vortheilhaft, wie die vorliegende, einführt, dem Verfasser
als ein grosses Verdienst anrechnen; die Literatur der technischen
Mikroskopie hat durch das Höhnel’sche Buch eine werthvolle Berei-
cherung erfahren.
Nur möchte ich einige Bemerkungen nicht unterdrücken, denen
ich sowohl im Interesse unserer Wissenschaft, als auch in dem des
Verfassers und aller Derjenigen, die das Buch gebrauchen, mit weni-
gen Worten Ausdruck zu geben mir erlauben.
Abgesehen von einigen Härten des Styles, die freilich in der
Beschreibung eines mikroskopischen Bildes oder einer Präparations-
methode oft kaum zu vermeiden sind, wie z. B. folgende Proben
‚beweisen: „Bei der Untersuchung schneidet man sich .. . . herab“
(pag- 105); „wenn man sich von einem Bündel ..... Stückchen
‚herabschneidet“ (pag. 17); „die Serieinhülle ..... . erscheint dann
| rn hyalin, selbst dann, wenn sie vorher wegen ihrer zu grossen
Dünne unsichtbar war“ (ein Satz, der zu Missverständnissen An-
lass ron könnte) — also abgesehen von‘ diesen übrigens bedeu-
tungslosen Mängeln, ist es der das ganze Buch durchwehende Ton,
‚der nach unserem Dafürhalten einen etwas eigenthümlichen Eindruck
{
7
1
|
Ei
140
hervorrufen muss. Verf. sieht „die technische Mikroskopie weniger als
eine breit und behaglich beschreibende Wissenschaft, als vielmehr
als eine sich eng an die analytische Chemie anschliessende an“, er
meint, man habe „bislang die praktische Mikroskopie mehr als eine
beschreibende, als eine vergleichende Wissenschaft aufgefasst“
und man müsse eine analytische Bestimmungstabelle herstellen, mit
deren Hilfe man die Faser ebenso bestimmen könne, wie eine Pflanze.
In diesem letztgenannten Punkte wird nun Jedermann dem Verfasser
Recht geben müssen, aber es ist uns nicht bekannt, dass man die
technische Mikroskopie nur als eine beschreibende Wissenschaft auf-
gefasst habe. Dem Verf. als Botaniker wird es nicht unbekannt sein,
dass in der Artenkunde des Pflanzenreiches zuerst recht breite und
ausführliche Beschreibungen gemacht wurden und noch werden, die
dann die Grundlagen für die analytische Bearbeitung abgeben. Auch
der Pflanzenbestimmer kehrt von der analytischen Tabelle, die ihm
die Art angezeigt, doch wieder zu der breiten Beschreibung zurück,
um alle Punkte vergleichen zu können mit seinem Objectbefunde.
Die analytische Tabelle ist doch nur ein Auszugsact der physio-
graphischen Geschichte dieser Körper, und die Vorwürfe, die in die-
sen Sätzen gegen andere Arbeiter auf dem gleichen Gebiete enthal-
ten sind, halte ich nicht für gerechtfertigt. Ich gedenke dabei in
erster Linie eines Mannes, dem unsere Wissenschaft so viel ver-
dankt, des Professors Wiesner. Das, was Wiesner gearbeitet in
der Kunde der Fasern, hat kein Forscher vor ihm geleistet, er ist
ja doch eigentlich der Begründer der technischen Mikrosko-
pie — des Begriffes sowohl, als auch selbst des Wortes — und
es ist tausendmal leichter, einen schon vorhandenen Pfad wieder zu
betreten, zu verbessern und zu erweitern, als einen neuen zu
schaffen.
Ich möchte schliesslich den Wunsch aussprechen, dass eine so
tüchtige, anregende, wissenschaftlich correcte und für die Praxis hoch-
werthvolle Leistung unsere Freude an ihr nicht durch Herabsetzung
anderer verdienstvoller Männer und durch den Ton der Unfehlbar-
keit verkümmere. Dr. T. F. Hanausek.
Berthold G.: Studien über Protoplasmamechanik. Leipzig (Arthur Felix)
1886. 322 pp. 7 Taf. Mark 14.
Gestützt auf die wichtigen Untersuchungen von Plateau,
Quinke u. A.hat es der Verfasser versucht, die Resultate dieser For-
schungen über die Flüssigkeiten mit den Lebenserscheinungen und
Eigenschaften des Protoplasmas in Parallele zu bringen und im Ein-
zelnen festzustellen, in wie weit hier Uebereinstimmung herrscht.
Das allgemeine Ergebniss ist, „dass der Plasmakörper aufzufassen ist
als eine höchst complieirte Emulsion von je nach den Einzelnfällen
sehr wechselnder Consistenz. Unter Berücksichtigung des in ihm
statthabenden Chemismus und des Stoffaustausches, der zwischen ihm
und der Aussenwelt, sowie zwischen seinen einzelnen morphologischen
Bestandtheilen untereinander stattfindet, lassen sich auf dieser Grund-
141
lage die verschiedenen Thatsachen seiner Organisation, sowie seiner
Gestaltbildung als mit bekannten physikalischen Gesetzen im Wesent-
lichen in Uebereinstimmung erweisen“. Die Molecularkräfte, welche
im Protoplasma den Zusammenhang zwischen Stoff und Form, zwi-
schen Stoffwechsel und Formwechsel vermitteln, sind die Adhäsion
und die Cohäsion. Verf. begründet durch zahlreiche Beispiele aus der
Literatur die von ihm vertretene Auffassung. Der Raum gestattet
uns nicht, auf den Ideengang, die Deductionen und kritischen Be-
merkungen des Verfassers näher einzugehen, und wir begnügen uns
daher, die Capitelüberschriften zu reprodueiren: 1. Der geschichtete
Bau des Zellkörpers. 2. Feinerer Bau, physikalische Natur und Or-
ganisation des Zellkörpers. 3. Die Formbildung und Ortsbewegung
membranloser Plasmakörper. Innenbewegungen des Protoplasma. 4.
Die Symmetrieverhältnisse in der Zelle. 5. Die Gestalt der morpholo-
gischen Bestandtheile der Zelle. Vermehrung derselben. 6. Zell- und
Kerntheilung. 7. Theilungsriehtungen und Theilungsfolge. Definitive
Ausgestaltung des Zellnetzes. 8. Innere Wandsculpturen. Mechanik
der Formbildung behäuteter Zellen. 9. Freie Zellbildung. Auf sieben
nett ausgeführten, lithographirten Tafeln werden zahlreiche im Texte
besprochene Erscheinungen durch mehr als 90 Figuren veranschau-
licht. Auf das Detail des inhaltsreichen Buches kann, wie schon be-
merkt, nicht näher eingegangen werden. Indess wird Jeder, der sich
mit der Morphologie und Physiologie des Protoplasmas eingehender
beschäftigen will, nicht umhin können, sich vorher mit dem ganzen
Inhalte des Werkes vertraut zu machen, welches wohl in keinem
botanischen Institute fehlen dürfte. A. B.
Oborny A.: Flora von Mähren und österr. Schlesien. IV. Theil (Schluss),
herausgeg. vom naturforschenden Vereine in Brünn. (1886) 8. 889—1258
sammt Index.
Dem unermüdlichen Eifer des rühmlichst bekannten Verfassers
und den rührigen Bestrebungen des naturforschenden Vereines in
Brünn verdanken wir vor Allem, dass die doch mit bedeutenden
Kosten verbundene Drucklegung der Flora von Mähren in so rascher
Zeit erledigt wurde. Bedenkt man, dass gerade in dem letzten Bande
sehr schwierige und formenreiche Gattungen, wie z. B. Rosa, Rubus,
ihre Bearbeitung finden mussten, so wird man ob der Arbeitskraft
des Verfassers nur Staunen hegen und sich gewiss der Hoffnung
hingeben, dass wir von solcher Seite noch Weiteres und Schöneres
erwarten können. Die Bearbeitung des vorliegenden Theiles schliesst
sich in Art und Weise dem bereits erschienenen an; in derselben
verdienen die Gattungen Rosa und Rubus alle Anerkennung. Was
an dem nun vollendeten Werke vermisst wird, ist, wie schon er-
wähnt wurde, der Mangel von Citaten, die für eine „Flora“ unbe-
dingt erforderlich sind und im vorliegenden Werke auf Kosten der
allzuweit ausgesponnenen Standortsangaben ohne Vergrösserung des
Volumens leicht Platz gefunden hätten. Auch bedauern wir die Ausser-
achtlassung der eitirten synonymen Namen im Inhaltsverzeichnisse.
Beck.
142
Rabenhorst's Kryptogamenflora von Deutschland, Oesterreich und der
Schweiz. Leipzig, E. Kummer, 1886.
Wir hatten an dieser Stelle schon oft Gelegenheit, die neue
Auflage der Kryptogamenflora Deutschlands als eine für das Stu-
dium dieser so hochinteressanten Gruppe des Pflanzenreiches bahn-
brechende Erscheinung unserer Literatur zu bezeichnen, die mit
Sicherheit ob des gediegenen Inhaltes neue Jünger der Kryptoga-
menkunde zuführen wird. Dass das grossartige Unternehmen erfreu-
lich fortschreitet, bezeugen die folgend angeführten neuen Lieferungen:
I. Band, II. Abth.: Pilze von Dr. G. Winter. 23. und 24. Lieferung,
S. 593-736 enthält in jener oft hervorgehobenen meisterhaften Be-
arbeitung die Valseae. III. Band. Die Farnpflanzen von Dr. Ch.
Luerssen. 8. Lieferung S. 449—512 enthält den Schluss von Oy-
stopteris bis Woodsia in einer Ausführlichkeit und Gründlichkeit be-
handelt, welche wohl kaum ihres gleichen zählt. IV. Band. Die
Laubmoose von K. G. Limpricht. 3.-—4. Lieferung, p. 129—256.
Wir haben uns über den hohen Werth der Neubearbeitung der
Moose Deutschlands schon im Vorjahre (pag. 135) eingehend ausge-
sprochen und wollen dem bereits Gesagten nur Weniges über das
Neu hinzugekommene hinzufügen. Die vorliegenden Hefte enthalten
die Bearbeitung der Sphagnaceae (Schluss), Andraeaceae, Archidia-
ceae, Bryinae (Cleistocarpae und den Anfang der Stegocarpae). Die
Bearbeitung ist in jeder Beziehung vollkommen und überreich mit
instructiven Holzschnitten geschmückt; die Synonymik hat ausrei-
chende Berücksichtigung erfahren, die Beschreibungen stechen durch
Ausführlichkeit hervor, und auch die Standortsangaben und Bemer-
kungen erfreuen sich einer gewissen Vorliebe des Verfassers. Mit
Freude sehen wir einer raschen Fortsetzung des so verdienstvollen
Werkes entgegen. Beck.
Dr. G. H. v. Schubert’s Naturgeschichte des Pflanzenreiches nach dem
Linn&'schen System. Vierte vermehrte Auflage. Lieferung 4—5. Neu be-
bearbeitet von Dr. Moritz Willkomm, Universitäts-Professor in Prag.
Verlag von J. F. Schreiber, Esslingen bei Stuttgart.
Die uns vorliegenden Lieferungen der beginnenden vierten
Auflage dieser Naturgeschichte des Pflanzenreiches erfüllen bei dem
Umstande, als Professor Willkomm’'s bewährte Feder den Text
hiezu liefert, im vollsten Masse die Erwartungen, die man an den
Namen des Autors zu knüpfen berechtigt ist. Nach einer schemati-
schen Darstellung sowohl des Linne’schen, als auch des natürlichen
Systems von Endlicher enthält der Text möglichst kurz und klar
das nothwendigste über jede einzelne Pflanze und gibt Aufschluss
über deren Entwicklung, Vorkommen, Standort und Blüthezeit. Die
Abbildungen auf Doppelfoliotafeln, deren jede Lieferung 4—5 solcher
Tafeln enthält, zählen, sowohl was Zeichnung als Colorit betrifft,
zu den besten derartigen Werken. Sie enthalten auf Tafel I-XXH
die wichtigsten Vertreter der ersten zehn Classen des Linne’schen
Systems, bei deren Auswahl der Verfasser darauf bedacht war, die
heimische Flora in möglichster Vollständigkeit zur Anschauung zu
Busen VO ERBE EDER"
145
bringen, ohne dabei die ausländischen Gewächse hintanzusetzen. Das
Werk wird in 13 Lieferungen & 1 Mark vollständig erscheinen. Für
die hübsche Ausstattung können wir der Verlagshandlung nur ge-
wohntes Lob spenden. J.
Borbäs Vince. Ouercus Szechenyiana (On. conferta x lanuginosa)
Borb. in „Erdeszeti Lapok“ 1886. pag. 993— 94.
Die im Titel bezeichnete Eiche kommt zwischen Menes und
Kladova im Arader Comitate bei dem Flossstege vor, sie ist ein
niedriger, aber genügend fructifieirender und gesunder Baum. Was
die Blätter und die dicht behaarten Zweigchen betrifft, stimmt sie
mit jenen der Qu. lanuginosa Lam. überein, die Früchte, die Schup-
pen der Cupula und die verlängerten Griffel sind aber jenen der
Qu. conferta ähnlich. Von der letzteren ist Qu. Szechenyiana durch
die langgestielten, kleineren und mit wenigen Lappen charakterisir-
ten Blätter, dicht behaarte Zweige, sowie etwas kleinere Schuppen
der Cupula, von den Formen der @u. conferta sessiliflora') durch
die beständige und dichte Behaarung der Zweigchen, durch die Blät-
ter, welche jenen der Qu. lanuginosa mehr ähnlich, kleiner und mehr
behaart sind. Borbäs.
Rosicky F. Flora bohemica, moravica et silesiaca.
Es ist diess eine vom naturwissenschaftlichen Club in Prag im.
Jahre 1883 in ezechischer Sprache herausgegebene, zum Gebrauche
der Studirenden an Mittelschulen dienende Aufzählung der in Böh-
men, Mähren und Schlesien wildwachsenden oder als Nutzgewächse
eultivirten Pflanzen (Phanerogamen, Equisetaceen, Farne, Lycopodia-
ceen und Rhizocarpeen). Ihre Zahl beträgt 2106. Als Grundlage bei
der Anordnung dient Dr. Celakovsky’s Prodromus kveteny teske.
Da der Hauptzweck dieser Brochure darin besteht, den jungen Pflan-
zenfreunden bei Exeursionen als Leitfaden hinsichtlich der Verbrei-
tung und der natürlichen Standorte der einzelnen Pflanzen zu die-
nen, so wurde auf Erzielung einer möglichst compendiösen Form
Bedacht genommen, und sind zu diesem Behufe für die verschie-
denen Arten des Vorkommens gewisse, höchst einfache conventionelle
Zeichen gewählt worden (als: * Engerer Prager Florenbezirk, } Cul-
tivirte oder verwilderte Pflanze ete.). Dagegen musste auf Diagnose,
Synonymik und nähere Standorts-Bezeichnung gänzlich verzichtet
werden. Das Büchlein bildet ein recht praktisches Vademecum.
M. Prihoda.
nn —
Correspondenz.
Wien, am 3. März 1887.
In Erwiederung der Ausführungen des Herın J. B. Keller in
Oest. bot. Zeit. 1887 p. 110 habe ich in aller Kürze Folgendes zu
') Im Texte ist „lanuginosa“ statt sessiliflora zu lesen.
144
bemerken. Herr Keller behauptet, ich hätte die Rosa hybrida Vill.
nach Gandoger Tab. Rhod. p. 88 Nr. 854 für eine Form aus der
Gruppe der R. alpina L. erklärt, olıne aber den Autor (!) zu eitiren,
ich erkläre diese Aeusserung für eine Erfindung des Herrn Keller,
sie beruht auf völliger Unkenntniss der Original- Diagnose Villars’
in Hist. des plantes de Dauphine p. 554, wo nach der völlig be-
friedigenden Diagnose ausdrücklich auf die vorhergegangenen For-
men R. alpina L., R. lagenaria Vill.,, R. pimpinellifolia L. hinge-
wiesen, und die Aehnlichkeit mit diesen Formen hervorgehoben wird.
Dass nach Trattinnick’s und Regel’s Autorität! auch von Herrn
J. B. Keller diese Form als dubios erklärt wird, beweist wieder
von neuem, dass Herr J. B. Keller diese Form einfach nicht stu-
dirt hat, darüber aber etwas schreibt. Rosa ylabrata Vest, R. Wul-
fenii Tratt. ete. waren nicht minder dubios wie R. hybrida Vill.,
und wie erstere aufgeklärt wurden, dürfte auch in Kürze letztere
Form aufgeklärt werden. Was R. hybrida Schleich. und R. aspera
Schleich. betrifft, so haben diese Namen absolut zu entfallen, denn
ausser dem bei R. aspera Schleicher angeführten Beispiele darf man
nur einmal die verschiedenen Herbarien durchgehen, und man wird
sich überzeugen, dass nicht zwei Exemplare der R. hybrida Schl.
übereinstimmen. Ja, auf dem Bogen im k. k. Hofmuseal-Herbare,
welcher die Originalexemplare der R. hybrida Schleich. trägt, liegen
Rosen aus verschiedenen Gruppen auf, dazu noch keine Original-
Diagnose! Die Behauptung, dass ich Gandoger nicht citire, hat
seines volle Richtigkeit, und es ist nur lebhaft zu bedauern, dass
sich überhaupt noch Leute finden, die diese Autorität (!) eitiren.
Rosa vestita Sternb. habe ich einfach darum eitirt, weil Herr J. B.
Keller als sogenanntes Beispiel die R. livida Host eitirt, ob der
Name (der sich auf die wolligen Griffel bezieht) passend oder unpas-
send ist, gehört gar nicht zur Sache. Schleicher war ausser als
„Botaniker“ auch als Pflanzenhändler bekannt, der soviel wie mög-
lich Pflanzen auf den Markt zu bringen suchte, es ist die Pflicht
jedes wissenschaftlich gebildeten Menschen, dass er Gründe angibt,
warum er neue Formen creirt, unterlässt er diess, so verliert er
alles Recht auf Berücksichtigung (De Candolle, Drude ete.!). Mir
sind überhaupt nur immer die Pflanzen und die Original-Diagnosen
in erster Linie von Wichtigkeit, was Andere sagen und commen-
tiren, kommt erst in zweiter Linie und oft gar nicht in Betracht.
R. obovata Raf. ist schon in Steudel zu lesen, was diese Rose mit
der ohnehin aller Priorität entbehrenden A. obovata Bechst. zu thun
haben soll, ist mir unklar. Gandoger hat Alles aufgeklärt (!) und
dabei die Rosen fast aller älteren Autoren falsch commentirt, da sie
ihm nicht vorlagen, er aber doch darüber schrieb, ein Vorgang, der
in neuester Zeit getreue Nachahmung gefunden hat. Rosa hybrida
Schleich. und R. aspera Schleich. sind also aus der Liste unbedingt
zu streichen, will man das Princip der wissenschaftlichen Prio-
rität überhaupt aufrechterhalten. Es ist übrigens zu bedauern, dass
Herr J. B. Keller, der durch die — trotz ihrer Fehler — gute
145
Bearbeitung der niederösterreichischen Rosen in den Nachträgen zur
Flora von Niederösterreich sich ein bleibendes Verdienst erworben
hat, immer wieder auf unmöglich gewordene Autoritäten zurück-
kommt, und statt dem Principe zu huldigen, dass sich die Forscher
gegenseitig unterstützen, nicht bekämpfen sollen, ein Prineip, wel-
ches A. v. Kerner so schön in neuester Zeit wieder ausgesprochen
hat, durch Nergeleien aller Art die Botaniker zu energischer Ab-
wehr zwingt. Braun.
Sterzing (Tirol), 16. Februar 1887.
Ich bin nun in der Lage, unsere Verzeichnisse verkäuflicher
Pflanzen versenden zu können, die diessmal umfangreicher erscheinen,
als je in den früheren Jahren. Die Ursache dieser Reichhaltigkeit,
eirca 4000 Nummern, liegt in der Uebernahme der ganzen Samm-
lung des Herrn Buchinger in Strassburg a/R., der durch vierzig
Jahre einen ausgebreiteten Tauschverein leitete und mit circa 120
der namhaftesten Botaniker in Verbindung war, so dass Exsiccaten
aus allen fünf Welttheilen angeboten werden können, und zwar in
Exemplaren, die für jedes Herbar anständig sind, indem ich durch
sechs Monate auf das gewissenhafteste alles ausschied, was durch
Ungunst der Zeit oder Insekten gelitten oder schon durch ursprüng-
liche Präparation als minder schön befunden wurde, und bin bereit,
auf ernstgemeinte Wünsche Abzüge, insoweit sie langen, zur Einsicht
vorzulegen. — Anfangs August vorigen Jahres machte ich mit Pich-
ler von Lienz eine kurze Excursion nach Raibl (Kärnthen), um
einige Arten für die Flora exsic. Austr.-Hung. aufzubringen, und es
ist gelungen, die werthvollsten einzuheimsen, als: Sawifraga Carnio-
liea Hut. 1875, eine der schönsten Formen von S. moschata Wulf.,
mit doppelt grösseren Blumenblättern als an allen übrigen Varie-
täten der S. moschata, so dass ein ähnliches Verhältniss eintritt,
wie zwischen Sarifraga biflora All. und $. macropetala A. Kern.
Sie kommt nicht besonders häufig am Wischberge, meistens rasig
zwischen Steinblöcken vor, und zwar besonders gegen die Spitze bei
circa 2700 Meter s. m. Ebenda findet man auch zerstreut: Alyssum
Ovirense A. Kern. und Eritrichium nanum Schrad. Am Fusse des
Wischberges, in der „Ober-Kanitza“ blühten noch Ranunculus Traun-
ellneri Hop. an Lawinenstrichen, dann Gentiana pumila Jacg. und
nur mehr sehr einzeln Paederota Churchillii Hut. (1873) (P. Ageria
> Bonarota). — An der „Canedul-Scharte“ der Wischbachalpe, einem
er reizendsten mir bekannten botanischen Punkte, sammelten wir
Sarifraga Beyeri Hut. (1875) [S. sedoides x tenella], die meistens
nau die Mitte zwischen den Stammältern hält und nicht schwer
ich zu erkennen gibt durch die Farbe des Laubes und die kleinern
hmälern zugespitzten, mehr gelblich-grünen Blumenblätter als bei
. tenella Wulf., und die in zwar wenigen Stellen, aber in einigen
tübschen Rasen vorkommt. Ebendaselbst finden sich in den Moos-
Istern eingebettet: Cerastium subtriflorum Rehb. var. in einer
htvollen Form, ferner Trifolium Noricum Wulf., und an grasi-
146
gen Orten Fieracium oaydon Fries. var. hymenophyllum. Auf den
Bergwiesen, theilweise „Bärnlohner“ genannt, beobachtete ich das
erstemal die prachtvolle Silene pelidna Rehb., eine gewiss verkannte
ausgezeichnete Art! Allium ochroleueum W. K. war noch nicht in
Blüthe. Serratula Vulpii Fisch. Ost. fing gerade an zu blühen. Cen-
taurea strieta W. K. Festuca alpestris Host. mischen sich mit einer
grossen Anzahl anderer alpiner Pflanzen, z. B. O.rytropis carinthiaca
Fisch. Ost. und der ziemlich seltenen Saussurea pygmaea Spreng.—
Im Thale hinter dem See zum Wischbach ist auch an trockenen
schotterigen waldigen Orten sehr häufig Euphrasia Carniolica A.
Kern. und hie und da Euphorbia Kerneri Hut. Ausser dem Dorfe
Raibl am Fusse des „Königsberges“ kommt noch Rhinantus serotinus
A. Kern. (in lit.) vor, der aber am 5. August noch wenige Blüthen ent-
wickelte, dann noch Asperw'a longiflora W. K. (var. versicolor
mihi) nebst Carduus glaueus Bmgt. Rupert Huter.
Laibach, am 16. Februar 1887.
Ich erlaube mir die sich mit Mycologie beschäftigenden Be-
sitzer der von Director A. Kerner herausgegebenen Flora exsic-
cata Austro-Hungarica darauf aufmerksam zu machen, dass auf
den welken Theilen von Genista sagittalis L. meines Exemplares
(gesammelt von Stapf bei Adelsberg in Krain und ausgegeben unter
1235, III.) ein sehr schöner Pyrenomycet vorkommt. Dr. H. Rehm
in Regensburg hatte die Güte, denselben genau zu untersuchen, und
erkannte ihn als neue, sehr gut zu unterscheidende Art. Er wird als
Mussarina gigantospora Rehm in Nr. 5 meiner „Materialien zur
Pilzkunde Krains“ in Kürze ausführlich beschrieben werden. Sicher-
lich findet sich dieser Pilz auch in anderen Exemplaren dieses wirk-
lich prächtigen Herbariums vor. Voss.
Tarvis, 28. Februar 1887.
Hierdurch benachrichtige ich Sie, dass ich am 24. d. M. meine
vierte Reise nach Aegypten angetreten habe, welche auf drei Monate
Dauer berechnet ist. Ich werde diessmal die Mittelmeerküste von
Rosette an östlich bis gegen die Grenze von Palästina untersuchen.
P. Ascherson.
Brünn, am 6. März i887.
Anfangs August 1885 fand ich am Babi vrch bei Moravka und
auf sumpfigen Wiesen „u Lhotü“ nächst Slavita in Oesterreichisch-
Schlesien mehrere zur Senecio-Gruppe gehörige Pflanzen, die bei
flüchtiger Betrachtung eine, wenn auch nur sehr entfernte Aehnlich-
keit mit einer stark verkablten Form des S$. crispatus DC. zeig-
ten, bei detaillirter und genauer Beobachtung aber folgende Diagnose
ergaben: „Blätter breitherzförmig, wenig länger als breit, unter-
seits auf den Adern kurzhaarig, die oberen fast ungetheilt mit breit-
geflügelten Blattstielen, die unteren lang gestielt mit unterwärts
verbreitertem, halbumfassendem Blattstiele, der Blüthenstand wenig-
Fr
er Dr
köpfig, der Stengel im oberen Theile schwach spinnwebig flockig“; |
147
auf Grundlage dieser Diagnose trug ich keine Bedenken, dieselben
als S, subalpinus Koch. zu deuten, welcher Ansicht sich auch Dr.
Lad. Celakovsky, an den ich ein auf Wiesen „u Lhotü“ nächst
Slavita eingesammeltes Exemplar zur geneigten Begutachtung über-
sendete, anschloss. Somit hat die Flora Schlesiens zwei neue Stand-
orte dieser seltenen und bisher nur auf die Beskiden beschränkten
Art zu verzeichnen. Dr. Formänek.
Lemberg, am 9. März 1887.
In Folge der in der „Oesterr. botan. Zeitschr.“ von Dr. v.
Borbäs letzthin gemachten Aeusserung, wonach meine Rosa leopo-
liensis keine subfoliaren Drüsen besitze, finde ich mich bewogen, auf
das entschiedenste zu erklären, dass die Blätter dieser prächtigen
Rose im Gegentheil mit sehr zahlreichen, meist röthlichen Drü-
sen unterseits besetzt sind, dass demnach dieselbe mit R. frutetorum
Bess. nichts zu thun hat. In der ganzen Umgebung von Lemberg
kommt Rosa leopoliensis m. ziemlich zahlreich vor, und ich habe
jedes von mir angetroffene Exemplar auf das obige Merkmal geprüft,
ich habe jedoch keines gefunden, deren Blätter auf der Unterseite
sehr zahlreiche Drüsen nicht besitzen würden. Dr. Wofoszczak,
welcher im vorigen Jahre in meiner Gesellschaft diese Rose in
lebenden Exemplaren zu untersuchen Gelegenheit hatte, bemerkte
mir gegenüber ganz ausdrücklich, dass Herr H. Braun ganz unrich-
tig die Rosa leopoliensis m. mit R. frutetorum Bess. identifieirt hat,
eben wegen des Vorhandenseins der Drüsen auf der Unterseite der
Blätter bei R. leopoliensis. — Ich habe nicht behauptet, meine Rosa
Skofitziana sei nicht identisch mit R. uncinella var. ciliata Borb.,
wohl aber habe ich meiner Ansicht Ausdruck gegeben, dass R. Sko-
fitziana m. eine selbständige Art ist und mit AR. uneinella Bess.
nicht vereinigt werden darf. Br. Btocki.
Budapest, 10. März 1887.
Ich habe jene Varietät der Tilia Ulmifolia Scop. im Herb. des
ungarischen Nationalmuseums untersucht, welche Bayer in seiner
Monographie dieser Gattung pag. 22 (24) von der Oravitzaer Tilia
erwähnt, und welche einen Namen (var. trichoneura) verdient. Ich
notirte mir folgende kurze Diagnose: folia minima, ambitu sub-
rotunda,‘ basi.fere truncata vel cordata, longe acuminata, acumine
lineari-elongato, quam foliorum lamina triplo breviore, subtus, pal-
lida vel glaucescentia, nervis pilosis, in axillis venarum rubicundo-
barbatis; eymis 4-floris, foliis paulo brevioribus. Bracteae vix 2 Ctm.
longae basi pedunculatae. — Bei Kärolyväros fand ich eine solche
Schwesterform der Tilia corallina, welche, was die grösseren Zähne
der Blätter betrifft, dem Formenkreise der 7. platyphyllos Scop.,
bracteis sessilibus, der T. corylifolia oder T'. vitifolia Host. ent-
spricht (var. subangulata); aber solche formae subvitifoliae kommen
auch an fomentosa Moench. vor, sowohl: in Ungarn, als bei Boizen-
burg. Ob aber auf einem Baume alle so rebenähnliche Blätter oder
mit normalen gemischt vorkommen, weiss ich noch nicht. 7. Euro-
148
paea L. (T. intermedia Hayn. et Sw., DC.) scheint im Süden con-
stant mit dreiblüthiger Inflorescenz vorzukommen (var. ternijlora m.);
sie kommt auch am Monte Sirente Abrutiorum vor (Groves!) —
T. corylifolia Host. kommt bei Schemnitz vor. — Rubus bifrons
Vest. fand L. Richter bei Pressburg (Batzenhäusel), „Haphendorf*
in „Oesterr. botan. Zeitschr.“ 1887, pag. 113 — Haschendorf. —
Quercus Bedöi „Erd. Lap.“ 1837, pag. 39 (non Borb. 1886) —
Quercus dacica mihi. — Die Frühlings-Safranarten werden von den
Rumänen des Krass6-Szörenyer Comitates Brinduscha, in Süd-
Croatien BrenduSa genannt. — Tilia Ulmifolia Scop. (vom Autor
mit grossem U geschrieben) ist für 7". parvifolia Ehrh. kein unpas-
sender Name, wenn man die südlichen Ulmus-Arten kennt. So
habe ich in Leopoldifeld bei Ofen Abänderungen der Ulmus glabra
Mill. gefunden, in welchen die Blätter denjenigen der Linde nicht
unähnlich sind foliis subrotundis mit subrotundo - ovatis, basi
oblique cordatis, brevioribus et latioribus ac in T. glabra, minus
acuminatis. Auch in der Umgebung des Litorale findet man solche
Formen von Ulmus-Arten, deren Blätter einer Linde mehr minder
ähnlich sind. v. Borbäs.
—
Personalnotizen.
— Dr. H. Wawra Ritter v. Fernsee, k. k. Marine-Stabsarzt
in Wien, wurde von der k. k. Gartenbau-Gesellschaft in Wien zum
Vicepräsidenten gewählt; ferners wurden zu correspondirenden Mit-
gliedern ernannt: Dr. Julius Wiesner, Universitäts- Professor und
Director des pflanzenphysiologischen Instituts in Wien; Dr. Josef
Böhm, Professor an der Universität und Hochschule für Bodeneul-
tur in Wien; Dr. Günther Beck, Privatdocent an der Universität
und Custos am k. k. Hof-Museum in Wien; Dr. Alfred Burger-
stein, Gymnasial-Professor in Wien; Franz Maly, k. k. Hofgarten-
Inspeetor in Wien.
— Baron Ferdinand v. Müller in Melbourne erhielt das
Grossherzogl. Oldenburgische Ehren-Ritterkreuz I. Classe.
— Dr. A. W. Eichler, Professor an der Universität, Director
des botanischen Gartens und botanischen Museums in Berlin, ist am
2. März, 48 Jahre alt, gestorben.
Vereine, Anstalten, Unternehmungen.
— In einer Sitzung der kais. Akademie der Wissen-
schaften in Wien am 7. Jänner 1887 übersandte Regierungsrath
Prof. Dr. Constantin Freiherr v. Ettingshausen eine Abhandlung,
betitelt: „Beiträge zur Kenntniss der fossilen Flora Neu-
149
seelands“. In einer Abhandlung über die „genetische Gliederung
der Flora von Neuseeland“ (Sitzungsber., 58. Bd., 1. Abth., S. 953)
versuchte der Verfasser auf indireetem Wege aus der Beschaffenheit
der endemischen Flora nachzuweisen, dass dieselbe aus einer Flora
hervorgegangen ist, welche ausser dem Hauptelement, dem das Haupt-
glied der lebenden Flora seinen Ursprung verdankt, auch noch andere
Elemente enthalten haben musste, denn die Ueberreste solcher las-
sen sich in der lebenden Flora deutlich erkennen. Hiemit in vollem
Einklanse stehen die wichtigsten Ergebnisse der vorgelegten Ab-
handlung: 1. In Neuseeland ist ein Zusammenhang seiner Tertiär-
mit seiner Jetztflora nachweisbar. 2. In der Tertiärflora Neuseelands
sind die Elemente verschiedener Floren enthalten. 3. Die Tertiär-
flora Neuseelands bildet einen Theil derselben universellen Flora,
von welcher sämmtliche Floren der Jetztwelt abstammen. 4. In Neu-
seeland ist nur ein Theil der Gattungen seiner Tertiärflora in die
jetzige Flora übergegangen, der andere aber ausgestorben.
Die Kreideflora Neuseelands ist bis jetzt aus vier Locali-
täten zum Vorschein gekommen. Eine Reihe von Arten dersel-
ben sind die Vorläufer von Arten der Tertiärflora.
Zahlreiche Pflanzenreste aus älteren mesozoischen Lagerstätten
müssen sämmtlich der Triasformation zugewiesen werden, da die
Arten am meisten denen der Triasflora entsprechen und eine
Altersverschiedenheit dieser Localitäten durch die gemeinsamen Arten
ausgeschlossen erscheint.
Dr. Richard v. Wettstein in Wien überreichte eine Abhand-
lung, betitelt: „Zur Morphologie und Biologie der Cystiden‘.
Die wichtigsten Ergebnisse der vom Verfasser an der Hymenomy-
ceten-Gattung Coprinus ausgeführten Untersuchung sind: 1. Die
Cystiden sind morpholoeisch gleichwertbig den Basidien (Brefeld).
2. Unter der grossen Zahl mannigfacher Formen lassen sich zwei
Typen unterscheiden: a) freie Cystiden, dienur auf einer Seite mit der
Lamelle, auf der sie entstanden sind, im Zusammenhange stehen.
-b) Cystiden, die mit ihrem anfangs freien Ende in die Trama der
überhegenien Lamelle sich einkeilen oder mit den Elementen
erselben in mannigfacher Weise verwachsen. 3. Die Aufgabe der
freien Öystiden besteht zuerst darin, die in der Jugend enge anein-
anderliegenden Lamellen auseinander zu drängen, um den Sporen
Raum zur Entwicklung zu geben (Brefeld), später, das Zusammen-
hlagen der Lamellen zu verhindern. 4. Den sich in die gegenüber-
liegende Lamelle eindrängenden oder an sie anwachsenden Cystiden
kommt ausser der sub 3 genannten Aufgabe noch die weitere zu,
das zu weite Auseinanderdrücken der Lamellen und das Zerreissen
r Hüte zu verhindern. 5. Nach den verschiedenen Functionen wir-
die Öystiden bestimmend auf die äussere Form der Hüte. 6. Die
utung der Cystiden für die systematische Unterscheidung der
inus-Arten ist gering.
— In der Monats-Versammlung der k. k. zoologisch-bota-
ischen Gesellschaft in Wien am 2. März hielten Vorträge
12
Oesterr. botan, Zeitschrift. 4, Heft 1897,
150
über botanische Gegenstände die Herren: @. Sennholz „Ueber
Amorphophallus“. Der Vortragende erläuterte an einem lebenden
cultivirten Exemplar die morphologischen Verhältnisse dieser nichts
weniger als schönen, dabei aber auch noch höchst übelriechenden
Aroidee. Dr. M. Kronfeld „Ueber den Blüthenstand der Gattung
Typha“. In nahezu einstündiger Rede wurden die wechselnden An-
schauungen der Autoren über die morphologische Bedeutung der
einzelnen Blüthenorgane und die Inflorescenz dieser Gattung, sowie
ihrer nächsten Verwandten: Sparganium, kritisch beleuchtet, und
schliesslich mehrere von Dr. Kronfeld beobachtete Fälle von Form-
Anomalien (Gradationen der Distanzirung des männlichen und weib-
lichen Blüthenstandes; Heterogamie; Theilung des Kolbens durch
Spaltung der Spindel etc.) angeführt und an Exsiecaten demonstrirt.
Dr. F. Palacky verwerthete die auf seinen vielfachen paleontologi-
schen Forschungsreisen gewonnenen Erfahrungen in einer sehr in-
structiven Darstellung der präglacialen Flora Mitteleuropas,
unter Hindeutung auf deren Repräsentanten in der jetzigen Sumpf-
und Alpenflora. Ferner besprach er zwei einschlägige Werke, näm-
lich: „Die Flora des Bernsteins* von H. Conwenz, Danzig 1880,
und „On the flora of the Croma Forest-bed“, by Clement Reid.
Schliesslich legte Dr. ©. Richter ein für die Verhandlungsschriften
bestimmtes Manuscript über von ihm in Niederösterreich neu auf-
sefundene Pflanzen vor. Zwei davon stellt Herr Richter als novae
species auf: Epipactis orbicularis, Standort: nördliche Abdachung des
Semmering bis in die Atlitzgräben hinab; und Viola Wettsteinii, eine
Mittelform (kein Bastard) zwischen V. sylvestris und Riviniana ;
gleichfalls am Semmering beobachtet. Moritz Prihoda.
— In einer Versammlung des Vereins „Mittelschule“ in Wien
am 26. Februar hielt Professor E. Suess einen Nachruf für den
verstorbenen Regierungsrath Dr. Alois Pokorny. Professor Suess,
ein langjähriger Freund Pokorny’s, hob einleitend hervor, dass der
verewigte Forscher in unserem Schulwesen eine Stellung und Bedeu-
tung errungen, die keiner seiner Vorgänger aufzuweisen hatte. Denn
das könne heute ruhig gesagt werden, dass vor Alois Pokorny Nie-
mand mit demselben Eifer und gleichem Erfolge an der Verbesse-
rung des naturgeschichtlichen Unterrichtes an den Mittelschulen
unserer Monarchie thätig gewesen sei. Die Zahl der Exemplare sei-
ner Bücher für Volks- und Mittelschulen, welche weit über die
Grenzen ÖOesterreichs in acht Sprachen verbreitet sind, betrage mehr
als eine Million. Pokorny widmete sich anfangs den juridischen Stu-
dien, aus dem Juristen wurde aber bald ein Botaniker. Es sei be-
zeichnend für die hohe Begabung in Oesterreich, dass zu einer Zeit,
in welcher es fast gar keinen naturgeschichtlichen Unterricht gab,
doch eine so grosse Anzahl von Autodidacten auf diesem Gebiete
entstanden sei. Professor Suess skizzirte sodann den Lebenslauf
Pokorny’'s, würdigte ihn als Menschen, Gelehrten und Familienvater
und schloss mit den Worten, Pokorny gereiche seinem Stande zur
151
vollsten Ehre, er war ein vollkommener Charakter. Der Vorsitzende
Lissner theilte hierauf mit, dass der Lehrkörper des Communal-
Real- und Ober-Gymnasiums in der Leopoldstadt sich an den Verein
„Mittelschule“ mit dem Ersuchen gewendet habe, daselbst gemein-
schaftlich eine Gedenktafel für Dr. Alois Pokorny zu errichten.
Botanischer Tauschverein in Wien.
Sendungen sind eingelangt: Von Herrn Scheppig mit Pflan-
zen aus Deutschland.
Sendungen sind abgegangen an die Herren: Dr. Richter,
Runge, Forstinger und Fräulein Boresch.
Aus Niederösterreich eingesendet von Keller: Achilles alpi-
eola, Arenaria grandiflora, Carew aterrima, C©. brachystachys, Ö. ni-
gra, ©. ornithopodioides, ©. rupestris, Carlina longifolia, Chaere-
phullum aromaticum, Epilobium trigonum, Euphrasia minima, E.
salisburgensis, E. versicolor, Festuca, rupicaprina, Gnaphalium Hop-
peanum, Hieracium piliferum, Juncus Hostü, Leontodon Taraxaci,
Lihbanotis montana, Pachypleurum simplex, Peucedanum verticillare,
Ranunculus Breyninus, Rhododendron intermedium, Rosa Carioti,
Saussurea discolor, S. pygmaea, Silene alpina.
Aus Westfalen einges. von Runge: Anacamptis pyramidalis,
Anagallis coerulea, Batrachium divaricatum, Botrychium Lunaria,
Carex stellulata, Cerastium semidecandrum, Chenopodium fieifolium,
Galeopsis ochroleuca, Galium sawatile, &. silvestre, &. uliginosum,
Gentiana Amarella, Myosotis versicolor, Nasturtium oficinale, Seir-
pus caespitosus, Spiranthes autumnalis, Tarawacum ofieinale var.
laciniatum.
Aus Oberösterreich einges. von Frank: Oalamintha nepetoides,
Campanula glomerata, Cynosurus echinatus, Oentaurea rhenana, Epi-
lobium Dodonaei, Geranium pusillum, @&. pyrenaicum, Hippocrepis
comosa, Hripochoeris maculata, Orchis latifolia, Prumex scutatus,
Sarifraga Aizoon, 8. rotundifolia, Scabiosa ochroleuca, Thesium
tenuifolium.
Aus Böhmen einges. von Fräulein Boresch: Agrostis spica
venti, Aira flewuosa, Allium oleraceum, Bromus secalinus, B. tecto-
rum, Care leporina, Caucalis daucoides, Ö. orientalis, Chenopodium
Bonus Henricus, Ch. glaueum, Festuca elatior, Fumaria Vaillantii,
Geranium columbinum, Helianthemum oelandieum, Panicum milia-
ceum, Trifolium agrarium, Veronica praecow, V. prostrata.
Aus Tirol eingesendet von Fräulein Boresch: Geranium molle,
Goodyera repens, Hutchinsia alpina, Primula glutinosa, Tofieldia
caliculata, Viola sawatilis.
Obige Arten können nach beliebiger Auswahl im Tausche
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152
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XXXVI. Jahrgang. WIEN. Mai 1887.
INHALT. Centaurea carpatica. Von Dr Formänek. — Narthecium Reverchoni. Von Dr.. Ce-
lakovsky. — Poa polonica. Von Btocki. — Zygomorpher Blüthenbau. Von Focke. —
Zur Homafrage. Von Prof. Dr. Palacky. — Bildungsabweichungen. Von Voss. — Utrieularia
brewicornis. Von Dr. Celakovsky. — Pflanzennamen. Von Dr. Kronfeld. — Prof. Eichler.
Von Dr. Gareke. — Flora des Etna. Von Strobl. -- Literaturberichte. — Correspondenz.
Von Keller, Braun, Beck, Steininger, Formänek, Borbäs. — Personalnotizen. —
Vereine, Anstalten, Unternehmungen. — Botanischer Tauschverein. — Inserat.
Cenlaurea carpalica.
Auctore Ed. Formänek.
Rhizoma eylindrieum. Caulis arachnoideo-tomentosus, erectus,
rarius subadscendens, simplex, capitulo uno, 030—0'40 m. altus.
Folia 0 06—0'09 m. longa et 2:5 cm. lata, firma, ovato-lanceolata,
superiora sessilia, basi semiamplewicauli, vie decurrente, inferior
in brevem semiamplewicaulem petiolum attenuata, omnia folia integra
vel non perspicue remoto-dentata, supra obscure viridia, tenuiter-,
infra albido-cineres et dense arachnoideo-tomentosa. Phylla involu-
cralia sine margine scarioso, ewxterivra ovalta integra wel lacerato-
fimhriata, (fere) dimidio breviora interioribus, haecce lato-ovata basi
lanceolata, apice scarioso, pecliniform2 fimbriata. Pedunculi sub
capitulo incrassati. Pappus quinquies-septies brevior achenio.
Habitat in monte Javornik apud Halenkov in Beskidis, loco
uno, sed ibidem cereberrima.
Initio mensis Augusti 1885 a me inventa.
Diese interessante Pflanze fand ich Anfang August 1885, auf
der Bukovina im Javornikgebirge nächst Hallenkau und zwar auf
der mährischen Seite, nur an einer Stelle, hier aber massenhaft;
selbe kommt, dem Anscheine nach, höchst selten und nur in den
Karpathen vor, da ich, trotzdem ich fast die ganzen Beskiden zu
Fuss bereiste, diese schon von weitem kenntliche und auf den ersten
Blick von den nächsten Verwandten der Centaurea awillaris Willd.
und der ©, montana L. verschiedene Art nirgends angetroffen habe,
Oesterr. botan. Zeitschrift. 6. Heft. 1887, 13
154
dürfte (?) jedoch auch auf der ungarischen Seite des Jawornik-
gebirges und in den ungarischen Karpathen, wenn auch nur höchst
selten, auftreten.
Nachdem ich in der ganzen mir zu Gebote stehenden Literatur
vergebens Umschau gehalten und diese scharf ausgeprägte und durch
ihre auffallenden Eigenschaften von allen Verwandten verschiedene
Form weder in meinem, noch in den Brünner Herbarien finden
konnte, entschloss ich mich dieselbe zu benennen und eine getreue
Beschreibung nach dem mir vorliegenden, leider geringen und zum
Theile noch unvollständigen Materiale, zu entwerfen.
Von Centaurea awillaris Willd. unterscheidet sich unsere Pflanze
durch die sitzenden, den Stengel halbumfassenden, kaum herablau-
fenden viel breiteren und kürzeren, in der Regel ganzrandigen Blätter,
durch die am Rande nicht trockenhäutigen Hüllblätter und den viel
kürzeren Pappus.
Grundverschieden ist unsere Pflanze auch von Oentaurea mon-
tana L., wie ich mich durch Vergleichung derselben mit sämmtlichen
zu dieser Art gehörenden Pflanzen des Herbares des Brünner natur-
forschenden Vereines überzeugt habe. In den ausgedehnten Samm-
lungen dieses Vereines, fand ich diese Art von zehn verschiedenen
(darunter zwei französische, ein croatischer und ein steiermärkischer)
Standorten reichlich vertreten. Alle Exemplare dieser Sammlung
zeichnen sich durch einen (mitunter breit-) geflügelten Stengel, durch
lange und weiche, meist grasgrüne, ziemlich kahle oder dünn spinn-
webig-wollige Blätter und durch die mit einem schwarzbraunen
Rande versehenen Hüllblätter.
Es unterscheidet sich daher unsere Pflanze von der Centaurea
montana L. durch den nicht- oder kaum geflügelten Stengel, durch
den fehlenden Hautrand der Hüllblätter, durch die auf der Ober-
seite mattgrünen, auf der Unterseite weisslichgrauen, dicht spinn-
BIENEN, viel kürzeren und derben Blätter und den sehr kurzen
appus.
Narthecium Reverchoni sp. n.
Von Dr. L. Öelakovsky.
Rhizomate longe repente ; caulibus basi foliosis, caeterum
3—Ffoliis, foliis basilaribus („radicalibus“) 3—4 et illis turionum
sterilium distachiis, equitantibus, lineari-ensiformibus, compresso-vagi-
natis, vagina late scarioso-nitido-marginata, caulinis sensim de-
erescentibus, a caule distantibus, supremis lamina brevissima
acuminatis; bracteis complicatis, curvatis, acuminatis; brac-
teola (prophyllo) plerumque infra medium pedunculi sita;
racemo lawifloro, I0—I15-floro, forum peduneulis longiusculis,
subarcuato-patentibus; filamentis minus dense villosis; pilis
155
eorum omnibus subaequilongis; ovario conico in stylum eras-
siusculum sensim attenuato.
Corsica: ad Bastelicam, locis humidis montis Monte-Renoso
27. Jul. 1878 leg. Elisee Reverchon (nomine Narth. ossifragi
Huds.)
Narthecium ossifragum Huds.differt: caulibus abasi squa-
moso-foliatis, squamis infimis minimis, sequentibus majoribus,
superioribus decrescentibus adpressis, bracteis sguamiformibus, non
complicatis, obtuse cucullatis, bracteola plerumque supra me-
dium peduneuli sita, racemo densifloro, pedunculis erectis,
strietis itaque floribus axi subadpressis, filamentis dense villosis, pilis
a basi versus apicem fillamenti magis elongatis, ovario in stylum
tenuem abrupte contracto.
Diese schöne Art, von der mir fünf so schön, wie eben Re-
verchon zu sammeln versteht, aufgelegte Exemplare vorliegen, ist
sogleich habituell von dem gewöhnlichen nördlicheren N. ossifragum zu
unterscheiden, namentlich durch die ganz verschiedene Phyllomorphose.
Während beim N. ossifragum der Stengel bloss Niederblätter
(Schuppenblätter) besitzt, von denen die untersten am kleinsten sind
und von deren nachfolgenden selten eins oder das andere ein Sprei-
tenrudiment trägt, so finden sich bei der Reverchon’schen Pflanze
am Stengelgrunde wohl entwickelte schwertförmige Spreitenblätter,
ähnlich denen der sterilen Triebe, darüber folgen dann wenige
(3—4) durch längere Internodien getrennte Stengelblätter, die gleich
den Bracteen zusammengefaltet und mit einer kurzen spitzen Spreite
versehen sind. Die Blüthen sind merklich grösser als beim N. ossi-
fragum, weit lockerer stehend und länger gestielt. Auffällig ist noch
der weissglänzende Hautrand der Blattscheiden, der zwar beim N.
ossifragum nicht fehlt, aber doch nicht so breit und auffällig er-
scheint. Die Ausläufer des Rhizoms sind länger und dünner, als
ich sie je beim N. ossifragum, von dem mir reichliches Material vor-
liegt, gesehen habe.
b das Narth. Reverchoni ausser auf Corsica noch sonst im
Süden vorkommt, wird noch weiter auszuforschen sein. Die franzö-
sische Pflanze, die wir im böhmischen Museumsherbar von Pontivy
und aus den Centralpyrenäen (Endress Un. itin.) haben, ist nur
N. ossifragum. Grenier gibt letzteres auch auf Corsica an (Monte
.d’Oro ete.); ob damit das N. Reverchoni gemeint war, oder ob neben
diesem auch das N. ossifragum auf Corsica wächst, bleibt auch noch
auszumitteln.
Ich vermuthe ferner, dass das orientalische „Narth. ossifragum“
vom Pontus Lazieus oberhalb Demil (Balansa), welches Boissier
der Fl. Orient aufführt und dessen Standort er selbst eine „statio
alde disjuneta et insignis“ nennt, vom N. ossifragum specifisch ver-
ieden, möglicherweise mit dem corsischen N. Fleverchoni iden-
ist. Einige Boissier'sche Angaben, die wohl der orientalischen
nze entnommen sind, passen nämlich eher auf das letztere, als
N. ossifragum. Es heisst dort: „foliis radiealibus caule bre-
13*
156
vioribus, eaulinis 2—3 abbreviatis, pedicellis bası et saepe ad medium
bracteolatis‘. Es wäre wünschenswerth, dass Diejenigen, denen die
Pflanze Balansa’s zugänglich ist, dieselbe mit der corsischen Art
vergleichen möchten.
Poa polonica n. sp.
Von Br. Blocki.
Diagnose: Wurzel ohne Ausläufer, rasenförmig. Halme
steif, dieklich, 0:20—025 M. hoch, wie die Blattscheiden
und Blätter blaugrün und schärflich rauh, nur in der un-
teren Hälfte beblättert, dreiblätterig. Blattscheiden länger als
die Internodien, die Halmknoten gänzlich bedeckend. Blätter
steif aufrecht-abstehend, 3 Mm. lang, linealisch-flach, kürzer
als ihre Scheiden, gegen die Spitze plötzlich verschmälert und
daselbst kappenförmig zusammengezogen. Blatthäutchen 3 Mm. lang,
an der Spitze abgestutzt. Rispe eilanzettlich, deren Aeste stets aut-
recht abstehend, sehr rauh, die unteren zu 3—5. Aehrchen eilan-
zettlich, 4—5 blüthig, glänzend; die Deckspelzen am oberen Rande
breithäutig, unter der Spitze violett gezeichnet.
Bemerkungen: Diese ausgezeichnete Art steht bezüglich des
Habitus der P. caesia Sm. und P. glaucescens A. Kern. am näch-
sten, sie unterscheidet sich jedoch von beiden sehr erheblich durch
viel längere Blatthäutchen, sowie durch sehr rauhe Halme, Blätter
und Blattscheiden. Durch das letztgenannte Merkmal nähert sich P.
polonica m. den osteuropäischen Arten: P. sterilis (auch hung. an
L.?), P. pannonica A. Kern., P. podolica mihi und P. versicolor
Bess., jedoch unterscheiden sich diese letzteren Arten von P. polo-
nica m., abgesehen vom Habitus, auf den ersten Blick dadurch,
dass sie nackte, d. h. von Blattscheiden unbedeckte Halmknoten
besitzen.
Standort: Sonnige Gypstriften bei Ostapie und Okno im ost-
galizischen Miodoboryer Hügelzuge, nicht selten. Auch dürfte sie in
Wolhynien und Russisch-Podolien zu Hause sein. In Südostgalizien
habe ich .P. polonica m. nirgends beobachtet, wohl aber kommen
es P. pannonica A. Kern., P. podolica mihi und P. versicolor
ss. Vor.
Lemberg, am 10. April 1887.
157
Die Entstehung des zygomorphen Blüthenbaues.
Von W. ©. Focke.
(Schluss.)
Es wird nicht nöthig sein, als Beleg für die allgemeine Rich-
tigkeit dieser Anschauungen Beispiele anzuführen, da es hinlänglich
bekannt ist, dass im Grossen und Ganzen die Thatsachen zu der
Theorie stimmen. Im Einzelnen hat freilich die Züchtung durch In-
sektenthätigkeit unzählige Abweichungen und Besonderheiten hervor-
gerufen. Bei den Schmetterlingsblumen z. B. ist die Fahne das best-
entwickelte Kronblatt, während dies nach der Theorie nicht der Fall
sein sollte. Beim Kelch der Schmetterlingsblume dagegen, der nur
mittelbar durch die Züchtung beeinflusst wurde, ist das Verhalten
ein ganz regelrechtes; ferner spricht auch die Vergleichung mit den
Caesalpinieen dafür, dass die stärkere Entwicklung der Fahne erst
einem späteren Stadium in der Ausbildung der Zygomorphie an-
gehört.
Bei den Caesalpinieen, z. B. bei Cussia, finden sich die leich-
testen Anfänge der Zygomorphie, aber hier zeigt sich sofort, dass
es nicht Kelch und Krone sind, an denen die ersten Ansätze zur
Aenderung des Blüthenbaues sichtbar werden, sondern die inneren
Blattkreise der Blüthen, die Staubblätter und Fruchtblätter. Ueber-
haupt ist die Zahl der streng aktinomorphen Blumen weit kleiner
als man gewöhnlich annimmt. Als ich einmal Nicotiana unter den
Gattungen mit zygomorphen Blumen aufgezählt hatte, wurde mir
dies von der Kritik als Fehler angerechnet, während ich, der ich
Jange Nieotianen cultivirt und beobachtet hatte, es für selbstver-
ständlich hielt, dass die Zygomorphie in dieser Gattung eine allbe-
kannte Sache sei. Der Fruchtblattkreis ist bei Micotiana viergliedrig,
der Kronblattkreis fünfgliedrig und der Staubblattkreis zeigt inso-
fern eine Annäherung an die Tetramerie, als ein Staubfaden regel-
mässig kürzer ist, als die andern. Die typischen Rosaceen-Blumen,
z. B. Spiraeen, Potentillen, Rosen u. s. w. sind vollständig aktino-
morph. Die einzelnen Fruchtblätter sind aber nicht symmetrisch ge-
bildet, und wenn nun bei redueirten Formen von dem Fruchtblatt-
kreise nur ein einziges Glied übrig bleibt, so findet sich in der
übrigens strahligen Blume ein halbseitig symmetrisches Fruchtblatt.
Es ist diess z. B. bei Alchemilla der Fall, deren Untergattung Apha-
nes auch nur ein einziges Staubblatt besitzt, dessen Stellung dem-
nach die einzige mögliche Halbirungsebene der Blume angibt. Bei
den Chrysobalaneen hat sich in vielen Gattungen die Zygomorphie
weiter ausgebildet, indem zunächst die Honigabsonderung sich auf
die Griffelseite des Fruchtblattes beschränkte. Eine sackartige oder
selbst spornartige Honiggrube und Aonderungen in Stellung und
Zahl der Staubblätter sind dann als Folgen von Insektenzüchtung
entstanden; die Umbildung der aktinomorphen in die zygomorphe
Blüthenform lässt sich hier Schritt für Schritt verfolgen.
Eine andere Störung der strahligen Anordnung im Staubblatt-
und Fruchtblattkreise beobachten wir bei einigen Gentianaceen. In
der Gattung Erythraes sind die Kronblätter unterwärts zu einer
engen Röhre verwachsen, aus der nur die Staubbeutel und die Griffel-
spitze hervorragen. So gering der Spielraum ist, welchen die enge
Mündung der Krone bietet, so ist es doch leicht wahrzunehmen, dass
Staubbeutel und Narbe sich zur Blüthezeit von einander abwenden;
der Griffel legt sich der Kronröhre an der einen Seite an, die sämmt-
lichen Staubblätter an der entgegengesetzten. Die Gattung Sabbatia,
nahe verwandt mit Erythraes und Chlora, hat nicht die lange enge
Kronröhre von Erythraea, so dass Griffel und Staubblätter sich
freier bewegen können. Lester F. Ward hat beobachtet, dass sich
bei der nordamerikanischen Sabb. angularis zur Zeit der Geschlechts-
reife der Griffel nahezu in rechtem Winkel nach der den Staubblät-
teın entgegengesetzten Seite biegt. Eine fast eben so beträchtliche
Krümmung der Griffelspitze beobachtete ich gemeinsam mit Herrn
H. Ross auch bei Erythraea grandiflora auf Sieilien. Offenbar ge-
währt dies Auseinanderbiegen der Staubblätter und Narben einen
guten Schutz gegen Selbstbestäubung durch Pollen der eigenen
Blume. Die inneren Blüthenkreise sind wegen dieser Stellungsver-
hältnisse bei Sabbatia und Erythraea nicht mehr aktinomorph.
Eine fernere Art von beginnender Zygomorphie zeigt sich bei
manchen Pflanzen mit nickenden Blumen, deren Griffel sich auf-
wärts krümmen. Den Schlüssel zur Erklärung dieser Erscheinung
liefert uns folgende Beobachtung. Stellt man eine grossblumige Lilie
mit nickenden oder wagrecht abstehenden Blumen, also etwa L.
auratum oder L. laneifolium, im Blumentopfe so an eine Zimmer-
wand, dass das Licht nur von der Seite auf die Blume fällt, so
biegt der Griffel sich nicht, wie gewöhnlich, aufwärts, sondern seit-
wärts dem Lichte zu. Die Lilien aus der Verwandtschaft des Zi.
bulbiferum haben aufrechte Blumen mit geraden Griffeln. Wenn man
aber eine solche Blume vor dem Aufblühen künstlich in eine wag-
rechte Stellung bringt oder wenn sie durch zu dichten Stand der
Blumen gezwungen wird, eine derartige Stellung anzunehmen, so
biegt der Griffel sich aufwärts und wendet seine Narbe dem Lichte
zu, ebenso wie es die Arten mit normal nickenden Blumen regel-
mässig thun (vgl. meine Mittheilungen in Kosmos VII, 1883, 8. 658).
Stellt man eine Pflanze von Hymantophyllum (Clivia) so auf, dass
die zahlreichen zu einer Dolde vereinigten Blumen das Licht nur
von einer Seite erhalten, so können sich der Raumverhältnisse
wegen nicht alle Blumen dem Lichte entgegenrichten, aber auch in
den abewendeten Blumen krümmen sich die Griffel nach oben oder
zur Seite, so dass ihre Narben dem Lichte zugekehrt sind. Aehnliche
Biegungen zeigen lange Griffel auch bei anderen Amaryllidaceen,
bei Malvaceen und wahrscheinlich bei manchen anderen Pflanzen.
Durch die Krümmung der Griffel werden die Blumen streng
genommen sofort zygomorph, denn es lässt sich bei ihnen nur eine
einzige Halbirungsebene durch den Stempel legen. Wir können dann
159
aber, z.B. bei den Liliaceen und Amaryllidaceen an den verschie-
denen Arten jede Stufe der weiteren Umbildung der Blume zum
zygomorphen Blüthenbau beobachten. Zunächst folgen die Staub-
blätter dem Griffel und krümmen sich in gleicher Weise. Für
die Kreuzung ist es am nützlichsten, wenn die Staubbeutel in fast
gleicher Höhe, aber noch etwas mehr nach innen von der Narbe
stehen. Bei den Lilien liesen die Saftbehälter in den Kronblät-
tern, aber bei anderen Blumen, bei denen der Honig vom
Blüthengrunde abgesondert wird, bringt die veränderte Stellung
der Staub- und Fruchtblätter eine Bevorzugung der oberhalb der
Staubblätter gelegenen Gegend mit sich, so dass statt des. Honig-
ringes an jener Stelle eine einzige Honiggrube gebildet wird, oder
auch mehrere benachbarte. Die horizontale Stellung der Blüthen be-
günstigt ferner die Förderung des unteren Blumenblattes, durch
welche die Zygomorphie vollständig ausgeprägt wird. Horizontale
Stellung der Blumen, Krümmung der Griffel, Krümmung der Staub-
blätter, Entwickelung eines oberen Nectariums, Förderung des unte-
ren Blumenblattes: das sind die Stufen, welche in diesen Fällen die
Umwandlung der aktinomorphen Blume in die zygomorphe durch-
zumachen pflegt.
Es mag hier noch auf einen Punkt hingewiesen werden, der
fernere Beachtung verdient. nämlich auf die Beziehung zwischen In-
sektenthätigkeit und Honigabsonderung. Nägeli hat den Gedanken
ausgesprochen, der durch krabbelnde Insekten ausgeübte Reiz bewirke
im Laufe der Generationen ein Wachsthum der Kronblätter und
führe zur Entstehung grosser Blumen. Die Thatsachen widerlegen
diese Vorstellung schon bei oberflächlicher Prüfung. Viele der am
reichlichsten von Insekten besuchten Blumen sind klein, stehen aber
in grosser Zahl bei einander und werden dadurch augenfällig; man
denke an Compositen, Kleearten, Weiden, Buchweizen, Calluna u.s.w.
Die grossen Blumen schliessen dagegen meistens die kleineren In-
sekten vom Honiggenusse aus; sie haben in der Regel nur einen
spärlichen, aber um so wirksameren Besuch durch Schwärmer oder
andere Falter und grosse Hummeln. Dagegen zeigt sich die Nägeli’sche
Idee wahrscheinlich sehr fruchtbar für das Verständniss der Nekta-
rienbildung. Wenn bestimmte Stellen der Blume stets von neuem
durch Insektenrüssel gereizt werden, zumal wenn dabei das Gewebe
angestochen wird, so kann vielleicht an dieser Stelle eine anfangs
pathologische Saftabsonderung im Laufe der Generationen normal
und physiologisch werden. Diese Auffassung verdient wenigstens eine
nähere Prüfung, zumal da sie geeignet scheint, die Lage der Honig-
gruben in manchen Fällen gut zu erklären.
Auch ein anderer Einfluss der Insekten spielt vielleicht eine
gewisse Rolle. Bei den traubig oder in irgend einer anderen Weise
um eine Mittelachse gruppirten Blumen werden die Insekten immer
in einer bestimmten Richtung anfliegen, nämlich von aussen her auf
die Achse zu. Es lässt sich wohl deuken, dass in röhrigen Blumen
durch das stets von derselben Seite erfolgende Hineinzwängen des
160
Insektenkörpers in die Röhre eine Erweiterung oder selbst Auf-
schlitzung der Blumenmündung erfolgte, während gleichzeitig Griffel
und Staubgefässe an die hintere Wand der Blume gedrängt wurden,
wie bei den Labiaten. Wenn nun aber auch bei dem gegenwärtigen
Stande unserer Kenntnisse eine unmittelbare Einwirkung der In-
sektenthätigkeit auf den Blüthenbau nicht eben besonders wahr-
scheinlich ist, so kann doch der auf das Gesetz der Erhaltung
des Zweckmässigen begründete züchtende Einfluss der Insekten
kaum zweifelhaft sein.
Es mag hier noch bemerkt werden, dass die traubige Blüthen-
stellung, welche zur Zygomorphie führt, nicht mit der morphologi-
schen Blüthentraube gleichbedeutend ist. Bei den Cruciferen z. B.
pflegen erst die Früchte wirklich traubig zu stehen, während die
en in der Regel fast in einer Ebene oder gewölbten Fläche
iegen.
Es lassen sich nun einige Typen des zygomorphen Blüthen-
baues unterscheiden, welche sich in den verschiedensten Pflanzen-
familien wiederholen. Der erste derselben, den wir Leguminosen-
Typus nennen wollen, nimmt seinen Ausgang von einer derartigen
Krümmung des Griffels, dass die concave Seite nach oben gerichtet
ist. Eine solche Krümmung kann, wie erwähnt, zunächst einfach
Folge des Lichtreizes sein. Der Typus findet sich bei Blumen mit
freien oder nur am Grunde verwachsenen Kronblättern. Amaryllida-
ceen, Chrysobalaneen, Leguminosen und Geraniaceen sind sehr ver-
schiedene Familien, in denen allen man aber sämmtliche Ueber-
gangsstufen vom aktinomorphen zum zygomorphen Blüthenbau vor-
findet. In der Stellung der Organe, der Anordnung und Bildung
einer (oder weniger) Honiggrube oder Honigröhre u. s. w. zeigen sie
die merkwürdigste Uebereinstimmung, die offenbar auf eine gleich-
artige Entstehungsgeschichte hinweist.
Es ist oben versucht worden, den Gang derselben kurz zu
skizziren. Etwas anders gestalten sich die Verhältnisse, wenn der
Honig fehlt oder wenn er nicht vom Blüthengrunde, sondern von
Kronblättern oder Fruchtblättern abgesondert wird. Immerhin zei-
gen die zygomorphen Blüthen bei Liliaceen (Paradisia, Hemerocal-
lis), Ericaceen (Ithododondron, Pirola), Personaten (Verbascum),
Capparidaceen (Capparis) und Sapindaceen (Aesculus) auffallende
Analogien, wenn sie auch in einer oder der andern Beziehung
abweichen.
Der Labiaten-Typus findet sich vorzüglich bei Blumen mit
entschieden sympetalen Kronen, bei Lobeliaceen, Caprifoliaceen, Bi-
gnoniaceen, Personaten und Labiaten. Schon bei unvollkommener Aus-
prägung zeigen Blumen aus ganz verschiedenen Familien oft eine
überraschende Aehnlichkeit in der allgemeinen Blüthentracht, z. B.
Linnaea, Echium, Wulfenia, Mentha, Gladiolus. Bei vollständiger
Ausprägung des Typus pflegt die Krone zweilippig zu werden, der
Staubblattkreis oft didynamisch; der Griffel liegt an der Rückwand
unter der Öberlippe. Modifieirt ist dieser Typus bei den Labiati-
161
floren der Compositen und noch mehr bei den Ligulifloren. Ueber
die Entstehungsgeschichte dieses Typus sind oben bereits einige Ver-
muthungen ausgesprochen worden.
Wesentlich schwieriger erscheint das Verständniss der Ent-
stehung einiger anderen zygomorphen Blumen, bei denen wahrschein-
lich die Züchtung durch Insekten in ganz eigenartiger Weise erfolgt
ist; dahin gehören z. B. die Typen der Polygalaceen, Aristolochia-
ceen, Canna, und ein Theil der Fumariaceen. In einer grossen Zahl
von andern Fällen (Ranunculaceae, Violaceae, Resedaceae, Orchi-
daceae) zeigen sich zwar mancherlei Eigenthümlichkeiten, aber doch
keine allzu grossen Abweichungen von den bei den Leguminosen und
Labiaten beobachteten Verhältnissen.
So weit wir auch noch davon entfernt sind, die Entstehungs-
geschichte der einzelnen zygomorphen Blüthenformen wirklich zu ken-
nen, so dürften doch die vorstehenden Betrachtungen zeigen, dass
ihre Entwicklung durch sehr verschiedene Factoren bedingt ist, von
denen manche sich in ihrer Wirkungsweise bereits sehr wohl wür-
digen und verstehen lassen.
Die auf den vorstehenden Blättern niedergelegten Beobachtun-
gen und Betrachtungen waren so weit abgeschlossen, als mir die
neue Arbeit des Herrn Professor Vöchting über Zygomorphie und
deren Ursachen (Pringsh. Jahrb. wiss. Bot. XVII, 1886) bekannt
wurde. Es wird darin der Nachweis geführt, dass die Blüthen ge-
wisser Pflanzen je nach ihrer aufrechten oder wagerechten Stellung
aktinomorph oder zygomorph werden. Ich habe es vorgezogen, diese
neuen Erfahrungen vorläufig von den obigen Betrachtungen auszu-
schliessen, möchte aber nicht unterlassen, hier auf jene wichtige
Arbeit hinzuweisen, zumal da weitere Mittheilungen über denselben
Gegenstand in Aussicht gestellt sind.
Bremen, am 13. December 1886.
Ze
Zur Homa- (Soma-) Frage.
Von Prof. Dr. J. Palacky.
Bekanntlich ist die heilige Pflanze der alten Arier, das gött-
Jiche Homa, ein Genussmittel gewesen, dessen Tradition sich nicht
mehr erhalten hat.
Die Annahme, es sei der Saft der Asclepiadee Asclepias acida
(Roxburgh — aphylla Roxburgh et Hooker Fl. f. british India) Sar-
costemma brevistigma Wigth gewesen, ist doppelt unwahrscheinlich.
Erstens wächst diese nur im Dekan auf Felsen, wo die Arier
zur Zeit des Somacultes noch nicht waren, am wenigsten die persi-
schen Arier. Andererseits ist nicht anzunehmen, dass ein saurer
_ Milchsaft in einem Lande, das so viele Früchte besass, göttliche
162
Ehren erhalten hätte, und z. B. in der Elwend’schen Keilschrift als
erste Göttergabe vor dem Himmel und Menschen aufgeführt worden
wäre. (Ritter VIII. 76.)
Eine Notiz bei Aitchison Vegetation des Kurumthales (II,
London. Linean Soc.) ist vielleicht geeignet, hier auf eine bessere
Fährte zu führen. Es steht dort bei Olea cuspidata Wallich = ferrugi-
nes koyle ex Fl. british India (wild und eultivirt dort) superstitiously
venerated by the Afgans. Nun sind die heutigen Afghanen Nach-
kommen der alten Arier und können ihre Traditionen bewahrt
haben. Diese Spec. kommt im nordwestlichen Himalaya ob Caschmir
in 2-—- 6000‘ Höhe vor. Olea glandulifera, sonst noch die einzige
Specie des Himalaya, geht in derselben Höhe bis Nepal. Wenn man
annehmen könnte, das Homa sei eine Olive gewesen, so würden
sich manche Stellen besser erklären lassen als aus einem gifti-
gen Milchsaft. Es würde erklärlicher sein, warum das Homa
bei den Ariern in Vergessenheit gerieth, als sie in die tropische
Niederung Indiens kamen, denn dort wächst keine Olea, erst im
Dekan und in Bengalen kommt ©. dioica Roxburgh und auf den
Nilgeries (die die Arier nicht erreichten) polygama Wigth vor, in
drei weiteren Arten im Osten. Aber auch im kalten persischen Berg-
lande ist das Aussterben dieser Pflanze dann begreiflich.
Bildungsabweichungen an Getanthus nivalis L.
Von Wilhelm Voss.
Im Jahre 1885 habe ich dieser Zeitschrift Beobachtungen mit-
getheilt, welche sich auf eigenthümliche Zwiebelbildungen bei Zeu-
cojum vernum L. beziehen. Die aus der hiesigen Gegend stammen-
den Pflanzen zeigten Verdoppelungen ihrer unterirdischen Stämme;
einige der auffallendsten Formen wurden bildlich zur Darstellung
gebracht. ') — In demselben Jahrgauge der Oesterr. botan. Zeitschrift
(pag. 149) veröffentlichte mein hochgeschätzter früherer Lehrer, Prof.
Dr. A. Kornhuber, den Aufsatz: „Zur Zwiebelbildung bei der Gat-
tung Leucojum“*. Darin theilt uns Verfasser mit, dass er diese
Bildungsform vor langer Zeit in den Umgebungen von Salzburg
beobachtete, wo Leucojum vernum L. auf den Inseln und Werdern
der Salzach, z. B. in der Josephsau, Lieferingerau und an anderen
Orten zahlreich wächst. An Galanthus nivalis sei diese unregel-
mässige Zwiebelbildung nicht beobachtet worden, jedoch gar nicht
selten an Leucojum aestivum L. und zwar in den Umgebungen von
Achau und Laxenburg, ein neuaufgefundener Standort des Leucojum
aestivum im Florengebiete Wiens.
!) Seite 22—85, mit 4 xylogr. Abbildungen.
163
Es sind daher zwei Arten aus der Familie der Amaryllideen,
Leuceojum vernum und aestivum L. bekannt, bei welchen Doppel-
zwiebel gefunden wurden. — Heute erlaube ich mir als dritte Art.
Galanthus nivalis L. anzureihen. Da weder bei Irmisch (Zur
Morphologie der monokotylischen Knollen- und Zwiebelgewächse)
noch in der unlängst erschienenen deutschen und vermehrten Ueber-
setzung von Master’s Pflanzenteratologie einer derartigen Bildungs-
abweichung am Schneeglöckchen gedacht wurde, so soll hier näher
darauf eingegangen werden.
In den ersten Märztagen des laufenden Jahres brachte einer
meiner Schüler zur Belebung des botanischen Unterrichtes Schnee-
glöckchen von Kaltenbrunn bei Laibach. Bei Besichtigung dieser
Pflanzen fiel mir eine auf, wo unter der Zwiebel noch ein Stengel-
stück zu bemerken war. Ich ermunterte nun diesen Schüler, nochmals
die Stelle zu besuchen, um Pflanzen auszugraben dabei aber mehr in
die Tiefe zu gehen; es wäre möglich, dass er Schneeglöckchen fände,
wo unter der oberen Zwiebel, noch eine zweite, tiefere sei. — In
der That erhielt ich nach einigen Tagen das Gewünschte.
Unter den 25 Exemplaren von Galanthus nivalis L., die alle
schön und kräftig entwickelt waren, befand sich eines, wo zwei
Zwiebeln übereinander stehen und von einander durch ein 2:5 Cm.
langes, schwach gebogenes Stengelstück getrennt sind. Beide Zwiebeln
waren reich bewurzelt. Von den, meinem oben erwähnten Aufsatze
beigegebenen Abbildungen würde Fig. 2 am besten zu dem vorlie-
genden Falle passen, nur mit dem Unterschiede, dass unser Galanthus
nivalis in Blüthe stand. Das besprochene Exemplar befindet sich im
Herbar der Staatsoberrealschule und steht zur Ansicht mit Vergnügen
zur Verfügung.
Bei dieser Gelegenheit möchte ich noch einer Galanthus-Pflanze
hiesiger Gegend erwähnen, die zwei Blüthenschäfte entwickelt batte. Von
den beiden Blüthen war die eine nach der Drei-, die andere hingegen
nach der Vierzahl gebaut. — Im äusseren Blattkreise stehen vier
Kelchblätter, dann alternirend im zweiten Kreise vier Kronenblätter.
Von den acht Staubfäden stehen vier so wie die äusseren, vier wie
die inneren Blüthenblätter. Die vier Fruchtblätter liegen wie die
_ Kelchblätter und haben sich zu einem vierfächerigen Fruchtknoten
verbunden. Aeusserlich sind diese vier Fruchtfächer, durch ebenso
viele scharfe Kanten des Fruchtknotens kenntlich. Endlich finden sich
im inneren Winkel jedes Fruchtknotenfaches zwei Reihen von Samen-
knospen, daher acht im Ganzen. Die Grösse und Form der Blüthen-
organe, mit Ausnahme des Fruchtknoten, stimmt vollständig mit
jener normal gebauter Blüthen überein.
Blüthenformel: K.4..C.4.A.4+4.G.4.
Diese Schneeglöckchenblüthe ist demnach ganz so gebaut wie
die Blüthe von Paris er L., und ihr Diagramm würde genau
80 aussehen, wie jenes von Gagea arvensis, welches Herr Carl Schil-
164
berszky auf der, seiner Abhandlung (diese Zeitschrift 1836, p. 264)
beigegebenen Tafel unter Il gezeichnet hat,
Laibach, im März 18837.
——
Nochmals Utriceularia brevicornis.
Von L. Celakovsky.
(Fortsetzung.)
Was die bisher bekannte geographische Verbreitung der Utrie.
ochroleuca betrifit, so hat Ascherson eine bereits recht ansehnliche
Liste von Standorten zusammengestellt. Danach kommt die Art, so-
viel bekannt, vor: 1. in Schweden vielfach (nach Hartman), 2.
in Norwegen an zwei Stellen nach Blytt, 3. in Dänemark im
Moor bei Lyngby (Th. Holm als DUtricularia intermedia), 4. in
Deutschland und zwar in Brandenburg, Oberlausitz, Schlesien,
Rheinbaiern (Zweibrücken), 5. in Oesterreich-Ungarn: Böhmen;
Tirel (etwas fraglich); 6. Frankreich: am See von Longemer in
den Vogesen (Perrin).
Zu der dänischen Pflanze von Lyngby bemerkt Ascherson:
„dieselbe hat für Utr. ochroleuca ungewöhnlich grosse Corollen und
lange Sporne, sowie verhältnissmässig lange Blattzipfel, an denen
mitunter bis 4 Seitenzähne vorhanden sind. Die Exemplare der U.
ochroleuca von Zweibrücken (F. Schultz) kommen in der Länge der
Blattzipfel und des Sporns dieser dänischen Pflanze nahe; trotzdem
zweifelt R. v. Uechtritz so wenig als ich daran, dass diese Form
zu U. ochroleuca zu rechnen ist; der in (von?) der Unterlippe ab-
stehende Sporn bewährt sich bei derselben als ein gutes Merkmal.“
Prof. Ascherson’s Güte verdanke ich die Zusendung sowohl
der dänischen, als der pfälzer Pflanze von Koch und von F. Schultz.
Diese Pflanzen weichen in der That von der typischen T. ochroleuca
oder brevicornis bedeutend ab, so zwar, dass ich sie gar nicht als
meine U. brevicornis anerkennen kann, sondern zur U. intermedia
verweisen muss. Der ganze Habitus der dänischen und pfälzer Pflanze
ist der der U. intermedia'), sie ist nämlich ebenso stattlich, ihre
Blätter ebenso gross und langzipfelig, die Schläuche ebenfalls sehr
gross und nur auf besonderen Zweigen sitzend, der Schaft und die
Kelche grün, letztere nebst Deckblättern so gross, wie sonst bei U.
intermedia, am Schafte öfter nur ein leeres Schuppenblatt, die Co-
rolle gross und der lange Sporn so lang oder doch nicht viel kürzer
als die Unterlippe, bald auch entschieden walzlich, bald freilich mehr
1) Prof. Ascherson selbst schrieb mir: „Es ist anzuerkennen, dass
Koch beide Pflanzen so sicher trennte, obwohl der Habitus und der Sporn
der pfälzer Pflanze lange nicht so von U. intermedia abweichen, als von Ihrer
und Hartman’s Pflanze.“
165
walzig-kegelförmig, sehr allmälig verschmälert, die Winterknospen
sind eilänglich, gross und dabei dicht rauhhaarig-zottig. — Alles
das sind Merkmale der U. intermedia.
Nur in den Blattzipfeln weicht die genannte Form von Dirie.
intermedia ab und nähert sich mehr der U. ochroleuca‘), indem die
Blätter spitz und in einen Mucro allmälig zugespitzt sind, auch die
wimpertragenden Seitenzähnchen mehr vorgezogen sind, entfernter
stehen und ihrer jederseits meist nur 3—4 vorhanden sind. Da ich
diese Form früher nicht kannte, so glaubte ich allerdings, dass auch
in den Blattzipfeln ein durchgreifender Unterschied zwischen Utric.
brevicornis und intermedia besteht, was nun meiner Ansicht nach
durch das Dasein der dänisch-pfälzer Form widerlegt wird. Denn,
was die Deutung der letzteren betrifft, so müssen wir uns doch fra-
gen, ob die einzige Uebereinstimmung mit der U. ochroleuca in den
Blättern (die im Sporn ist nur theilweise und scheinbar) mehr wiegt,
als alle anderen Merkmale (im Wesentlichen auch der Sporn), die
der U. intermedia gehören, zusammengenommen? Ich habe darauf-
hin die Blattzipfel aller mir zur Verfügung stehenden Exemplare re-
vidirt und gefunden, dass allerdings eine scharfe Grenze zwischen
beiden Formen der Blattzipfel nicht besteht, indem die Extreme in
der Stumpfheit oder Spitzigkeit der Blattzipfel, der Zahl, Dichtig-
keit und Deutlichkeit der Wimperzähnchen durch allmälige Ueber-
gänge verbunden werden. Dieses Resultat stimmt mit dem systema-
tischen Werthe des Laubes in den zwei anderen Gruppen der euro-
päischen Utriceularien überein, indem auch U. vulgaris und neglecta,
dann U. minor und Bremi in den Blättern (ausser einigermassen
nach Grössenverhältnissen) kaum unterschieden werden können, und
wo auch den Blüthen die specifischen Merkmale zukommen.
Ich könnte mich hiebei auch noch auf den (leider letzten!)
Brief von Uechtritz berufen, worin dieser bereits die schon von
Koch und dann von mir hervorgehobenen Merkmale der Blattzipfel
kritisirte, da „die Differenz in den Blattzipfeln, auf die schon Koch
bedeutendes Gewicht legt, und die ja auch die beiden Species bereits
im sterilen Zustande erkennen lässt, nicht in allen Fällen in gleich
ausgezeichneter Weise hervortritt“. — „Die Gestalt und Zahl der
Zähnchen ist,“ fährt er fort, „wenigstens bei der wahren U. inter-
media entschieden etwas variabel, so finden sich auch weniger wie
zehn jederseits, und den allerdings gewöhnlich kurzen sind bisweilen
deutlicher VERADER Ne beigemengt. Ich glaube sogar gegabelte Bor-
sten gesehen zu haben!“ — Letztere Bemerkung ist völlig zutreffend,
solche gegabelte Borsten (eigentlich zu zwei dicht neben einander
*) Ascherson beruft sich noch auf den von der Unterlippe abstehen-
den Sporn als ein gutes Kriterion, Ich weiss nicht, ob man an getrockneten
Blüthen die natürliche Richtung noch richtig beurtheilen kann. Ich möchte
auch nur insofern diesem Merkmal Werth beilegen, als ein kurz kegelförmiger
Sporn bei gleicher Richtung mehr abstehen wird, als ein langer, walzenför-
miger Sporn.
166
auf einem Zähnchen stehende Borsten) sehe ich öfters sowohl bei
der pfälzer Pflanze, wie bei der U. Grafiana.
Wenn aber meine Auffassung der dänisch-pfälzischen Pflanze
richtig ist, wie ich bestimmt glaube, so muss man von der TU. inter-
media zwei Varietäten unterscheiden: die eine, wohl allgemeiner
verbreitete, mehr breit- und stumpfzipfelige, mit zahlreicheren, mehr
genäherten und meist auf wenig deutlichen Zähnchen sitzenden Wim-
pern mag var. Grafiana (U. Grafiana Koch) heissen; die andere,
wie es scheint, seltenere, bisher nur aus der Rheinpfalz und aus
Dänemark bekannte, könnte als var. Kochiana bezeichnet werden.
Meine aus der Koch’schen Beschreibung dedueirte Ansicht, dass
Koch unter der DT. intermedia lediglich die U. brevicornis verstan-
den habe, muss ich also dahin abändern, dass er ausser dieser auch
die var. Kochiana im Sinne hatte, die er auf Grund der nahezu
übereinstimmenden Blattbildung für ein und dieselbe Art hielt. Denn
nur die oberlausitzer Pflanze Burghart’s von Rietschen ist nach
Uechtritz wirklich T. ochroleuca, was auch die Fiek’sche, in der
var. microceras mir vorliegende Pflanze von Daubitz bei Rietschen
bezeugt.
Somit müssen, wenn meine Auffassung der U. ochroleuca, rich-
tig ist, aus dem bekannten Verbreitungsgebiete dieser Art Dänemark
und die Rheinpfalz vorläufig ausgeschlossen werden.
Nach dem Prioritätsprineipe müsste Hartman’s Name Dir.
ochroleuca für die in Rede stehende Art vorangestellt werden, ob-
gleich derselbe theilweise (z. B. die böhmische Pflanze betreffend)
sicher und vielleicht überhaupt etwas Unrichtiges aussagt. Indessen
glaube ich, dass ein noch älterer Name existirt, da mehrere An-
zeichen dafür sprechen, dass die von @. Brückner im Archiv des
Vereines der Freunde der Naturgeschichte in Mecklenburg, 7. Heft
1853, also vier Jahre vor der U. ochroleucu beschriebene U. macro-
ptera auf dieselbe Art sich bezieht. ') |
Ueber diese Brückner’sche Utric. macroptera hat Ascherson
schon im ersten Jahrgange der Verhandl. des bot. Ver. v. Branden-
burg 1861 eine Mittheilung gemacht, worin er schliesslich das Re-
sultat aussprach, dass diese Pflanze „mit einer an Gewissheit gren-
zenden Wahrscheinlichkeit nicht von Utrie. minor verschieden ist“.
Mein Berliner Freund berichtet dort ferner, nachdem er die Identität
der U. spectabilis Madauss mit U. neglecta Lehm. nachgewiesen:
„Weniger befriedigend ist der Aufschluss, den ich über U. macro-
ptera G. Brückn. erhalten konnte, insofern sich in Brückner’s Her-
bar nichts mit diesem Namen bezeichnet gefunden hat. Dennoch
glaube ich die Exemplare gesehen zu haben, welche ihn zur Auf-
stellung der neuen Art bewogen haben. Es lag nämlich in einem
Bogen mit U. intermedia zusammen, durch ein zusammengefaltetes
‘) Die Vermuthung, dass die Brückner’'sche Art mit UT. brevicornis
identisch sein könnte, hat mir zuerst Herr Emil Fiek brieflich ausgedrückt.
167
Etiquett markirt, ein Exemplar von TD. minor, an dem mehrere
Aeste ganz der Schläuche entbehrten. Ferner fand sich ein Bogen
voll U. minor vor, an denen die Blüthen mit besonderer Sorgfalt
ausgebreitet getrocknet waren; im Laube stimmten sie theils mit
dem erwähnten Exemplare überein, theils zeigten sie nichts Abnor-
mes. Ich glaube kaum zu irren, wenn ich in dem bei U. intermedia
liegenden Exemplare das von Schmidt im Weissen Moor gefundene
Exemplar (der U. macroptera) zu erkennen glaube; die schlauch-
losen Blätter geben dem Laube eine entfernte Aehnlichkeit mit U,
intermedia. Von den in dem unbezeichneten Bogen enthaltenen Exem-
plaren, die er dann vermuthlich im Weissen Moor sammelte, mag er
dann später an Treviranus und Detharding einzeln geschickt
haben. Wenn meine Vermuthung begründet ist, so stimmt Alles aufs
schönste zusammen: die Vergleichung Brückner’s mit U. minor und
intermedia, ferner der Umstand, dass Treviranus die Pflanze für
U. minor hielt, Detharding sie später mit der Taf. 128 der Fl.
Dan., die ebenfalls eine U. minor mit gegen den Schaft hin schlauch-
losen Blättern darstellt, identificirte, dass endlich Schreiber am be-
zeichneten Standorte nur U. minor fand“.
Ich habe hier Ascherson’s Indieienbeweis (nur mit Weglassung
einiger nicht streng dazugehöriger Zwischensätze) wörtlich aufge-
führt, um dem Leser die Würdigung des pro und contra zu ermög-
lichen. Für jene Zeit, wo an die kurz vorher aufgestellte nördliche
U. ochroleuca nicht zu denken war, nimmt sich die Beweisführung
recht plausibel aus; anders jedoch gestaltet sich die Sache, wenn wir
nunmehr auch die U. ochroleuca in den Bereich der Möglichkeiten
hineinziehen.
(Schluss folgt.)
——
Bemerkungen über volksthümliche Pflanzennamen.
Von Dr. M. Kronfeld.
IV.') Schwierigkeit der Deutung.
So leicht erklärlich viele der volksthümlichen Pflanzennamen
sind, da sie zumeist von hervorstechenden, sinnfälligen Eigenschaften
hergenommen werden — ich erinnere an Sauerampfer, Schnee-
| ehren u. 8. f. — ebenso schwierig vermag sich in besonderen
ällen die Deutung zu gestalten.
Dass in Küchenschelle, Kühchen- oder Kuh-Schelle
liegt, dass die zahlreichen eigenartigen Bezeichnungen der Waldrebe
in Niederösterreich auf ein vorgessenes altdeutsches Wort zurück-
führbar sind, habe ich, hier durch Prof, v. Kerner, dort durch
') Vergl. Oesterr. botan. Zeitschr. 1886, Nr. 5, 8, 41.
168
Perger auf den richtigen Weg gewiesen, im I., beziehungsweise
II. Stücke meiner „Bemerkungen“, mit Ausführlichkeit dargethan.
An einem ausgewählten Beispiele soll im Folgenden gezeigt
werden, welche Vorsicht bei der Deutung von Volksnamen beob-
achtet werden muss, und wie leicht man mit einer solchen auf
Abwege gerathen kann.
Für die Quecke, T'riticum repens, findet sich in unserem Kronlande
die Bezeichnung Baia oder Baier (Bai’'r). Sie ist aus der Vöslauer
Gegend (Braun), aus Rappoltenkirchen (Wiedermann), vom Oetscher
(Erdinger) mitgetheilt worden, und ich habe sie um Wien öfters
gehört. Für Kärnten geben Pacher und Jabornegg') das nur
lautlich verschiedene Payer an, bei Pritzel und Jessen”) sind
die ähnlich klingenden Formen Bayer (Oesterreich) und Peyer
(Kärnten) angeführt, Herr Prof. v. Kerner?) hat schliesslich Bai’r
auch in Tirol vernommen.
Baia klingt völlig wie der österreichische Name des Baiern,
des im Baiernlande Einheimischen. Da in verschiedenen Epochen
der Geschichte Eingewanderte aus Baiern sich bei unserem Volke
missliebig machten, lag in erster Linie die Vermuthung nahe, dass
die Bezeichnung des Volksstammes spottweise auf das zudringliche
und unausrottbare Gras übertragen wurde.
Zum eben nicht ehrenden Gedächtnisse wandernder jüdischer
Handelsleute wird ja in Kritzendorf bei Wien, Allium ascalonicum
Jud’nzwifl genannt*), und in Deutschland heisst irgendwo das
überaus lästige Chrysanthemum segetum „Hohlebormner Hochmuth*
mit dem ironischen Nebensinne: ja, die von Hohleborn sind gar üppig,
die haben Blumen auf dem Acker anstatt der Aehren! Hieraus
spricht noch immer ein gewisser Grad von Gutmüthigkeit, jenes
Grundzuges im Gemüthe des Volkes, der selbst im schneidigsten
„Schnadahüpfl“ unverkennbar ist. Bitterböse dagegen ist Lutter-
staud'n (Luther-Staude) auf den Stifter des Protestantismus ge-
münzt, und wird in Tirol, — dessen Bewohner mancherorten zu
Johannis einen Strohpopanz als „Lotter* verbrennen °) — auf Alnus
viridis, die durchaus nicht nutzbare Grünerle angewendet (Prof. v.
Kerner mündlich). Auch Pritzel und Jessen (p. 22) geben Luter-
staude aus Tirol (Brixen), ferner Luttastauden aus Kärnten
(Kaschthal) an; Pacher und Jabornegg a. a. O. 1882 p. 10, ver-
zeichnen: Jutternach, Lutternach, Luttachstaude.
Mit der Vorstellung, dass Baia, die Bezeichnung der Nation,
vom Volkswitze zum Namen eines Unkrautes gestempelt wurde, gab
ich mich somit eine Weile zufrieden.
Nun wollte es das Geschick, dass ich im militärischen Dienst-
‘) Flora von Kärnten, Jahrbuch d. Land.-Mus. 1880, p. 157.
») Volksnamen d. Pflanzen. Hannov. 1882, p. 412.
°) Mündliche Mittheilung.
*%) Vgl. meine: Pflanzennamen aus der Wiener Gegend. Oesterr. botan.
Ztschr. 1884, Nr. 6.
°) Vgl. Schöpf, tirol. Idiotikon. Innsbruck 1862, p. 405.
169
jahre mit Magyaren in innigere Berührung gebracht wurde. Von
den Wörtern, die ich gelegentlich auffing, wollte mir, wie man
begreiflich finden wird, baj —= Unglück, Unheil, nicht aus dem
Kopfe. Wenngleich ich die sichere Nachricht, ob Tritieum repens
im westlichen Ungarn baj genannt wird, nicht erhalten konnte,
schien es mir möglich vorerst, und späterhin wahrscheinlich, dass
das Wort über die Grenze nach Niederösterreich gebracht worden
sei. Aus den nördlich anliegenden slavischen Gebieten sind min-
destens nachweisbar Pflanzennamen in unser Kronland eingeführt
worden. Auch ist es eine Eigenthümlichkeit volksthümlicher Benen-
nungen, dass Abstracta, vorzüglich für widerliche Unkräuter, Bezeich-
nungen abgeben. Beispielsweise gilt im Niederösterreichischen Aus-
stand für Cuscuta, Pein für Holceus mollis und Lolium temulen-
tum hat Namen wie Durst und Unsinni.
Demnach sollte das österreichische Baia von dem ungarischen
baj, Unheil herstammen; diess war die zweite Ansicht, zu der ich
auf dem Wege der Deutung gelangte.
Ihr folgte, nicht lange darauf, die dritte und letzte. Slavi-
sche Elemente lassen sich in niederösterreichischen Pflanzennamen un-
schwer erkennen (vgl. Schickgan — Zapfen, Malinaber — Him-
beere u.s.f.). An anderer Stelle werde ich auf dieses Moment
gelegentlich zurückkommen. Hier sei nur daran erinnert, dass fah-
rende Gesellen der verschiedensten Beschäftigung fast fortwährend
von Norden gegen Wien ziehen, und dass zur Zeit der Ernte sla-
vische Feldarbeiter in Menge auf niederösterreichischem Gebiete Ver-
wendung finden.
Zumal im Üechischen Triticum repens payY (peyr) heisst (wovon
vielleicht auch der Familienname Payer herkommt), bestimmt mich
die eben ausgesprochene Erwägung zu der schliesslichen Annahme,
dass die niederösterreichische Bezeichnung „Baier“ aus
dem Slavischen entlehnt ist und im Volksmunde dem Namen
der Bewohner Bavariens angelautet erscheint. Aus Niederösterreich
Bus Baier später nach Kärnten und Tirol den Weg gefunden
aben.
Pritzel und Jessen (p. 412) stellen ihr Peyer zu pede =
hinkriechend (vergl. Pfad und Padde — Kröte). Nach dem Gesagten
erachte ich es für überflüssig, auf diese sehr gezwungene Erklä-
rung näher einzugehen.
Wien, im März 1887.
Am 2. März d. J. starb zu Berlin Dr, August Wilhelm Eich-
ler, ordentlicher Professor der Botanik und Director des königl.
botanischen Gartens und Museums, im 48. Lebensjahre. Geboren
| August Wilhelm Eichler.
am 22. April 1839 zu Neukirchen im damaligen Kurfürstenthum
Oesterr. botan. Zeitschrift, 5. Heft 1887, 14
B
a
170
Hessen als ältester Sohn des Lehrers Johann Adam Eichler,
wuchs er in Eschwege, wohin sein Vater versetzt war, auf, besuchte
dort von 1848—53 das Progymnasium und später zu Hersfeld
(1853—57) das Gymnasium. Von 1857—60 studirte er in Marburg
Mathematik und Naturwissenschaften, widmete sich aber unter Wi-
gand’s bewährter Leitung vorzugsweise der Botanik. Er wählte
desshalb auch nach Beendigung seiner Studien als Promotionsarbeit
ein botanisches Thema, betitelt: „Zur Entwicklungsgeschichte des
Blattes, mit besonderer Berücksichtigung der Nebenblattbildungen“,
ein kleines, aber inhaltreiches Büchlein, welches später auch im
Buchhandel erschien und mit dem er sich bei den Fachgenossen in
rühmlichster Weise einführte.
Da er sich dem Schulfache widmen wollte, trat er als Lehr-
amtspraktikant an dem Gymnasium in Marburg ein, doch ging
er noch 1861 auf Buchenau’s und Wigand’s Empfehlung als
Privatassistent zu Martius nach München, um besonders bei der
Herausgabe der „Flora brasiliensis* thätig zu sein. Als im Jahre
1840 dieses grossartige Florenwerk ins Leben gerufen wurde, er-
freute es sich zwar der Unterstützung des Kaisers Ferdinand 1.
von Oesterreich und des Königs Ludwig I. von Bayern und die
ersten Lieferungen folgten in verhältnissmässig kurzer Zeit auf-
einander, dann aber trat ein Stillstaud ein, bis im Jahre 1852
der Kaiser Don Pedro II. von Brasilien dem Unternehmen seine
Fürsorge zuwandte, von welcher Zeit an auch reichliche Mittel
zu Gebote standen. Auch in der Redaction des Werkes hatte be-
reits ein Wechsel stattgefunden, denn von den beiden Begründern
Martius und Endlicher war letzterer schon 1348 verstorben und
für ihn sein Amtsnachfolger Ed. Fenzl eingetreten, doch blieb
Martius immer die grösste Mühe und Last in der Herausgabe. Er
hatte sich desshalb schon früher nach einem jungen Botaniker um-
gesehen, aber ohne Erfolg, bis er durch Wigand’s Vermittlung
seinen Wunsch erfüllt sah. Nach Martius’ Tode übernahm Eichler
die Redaction allein; es waren damals 46 Lieferungen erschienen,
während das Werk jetzt nahe an 100 Faseikel mit 2800 Foliotafeln
Abbildungen umfasst.
Eichler hatte sich bereits 1865 in München an der Univer-
sität habilitirt, bekam aber schon anfangs 1871 einen Ruf als Pro-
fessor der Botanik und Director des botanischen Gartens an das Jo-
hanneum in Graz, wo er jedoch nur kürzere Zeit blieb, da er schon
Ostern 1873 in gleicher Eigenschaft an die Universität Kiel und
Ostern 1878 nach Berlin berufen wurde. Nach Alexander Braun’s
Tode (29. März 1877) wurde die Stelle für Botanik an der Univer-
sität in der Weise getheilt, dass für Systematik und Morphologie
in Verbindung mit dem Directorat des botanischen Gartens und
Museums Eichler ernannt wurde, während die Professur für Ana-
tomie und Physiologie Schwendener erhielt, welchem man auch
die Stelle eines Direetors des Universitätsgartens übertrug. Im
171
Jahre 1880 wurde Eichler auch zum Mitgliede der Akademie der
Wissenschaften erwählt.
Schon in Kiel hatte sich bei Eichler ein Augenleiden einge-
stellt, welches im Frühjahr 1879 wieder in verstärktem Masse auf-
trat, von dem er jedoch später ziemlich geheilt wurde, wenigstens
hat er, nachdem Ostern 1880 das neue Gebäude des botanischen
Museums bezogen wurde, in welchem er gleich den übrigen Beamten
ein besonderes Arbeitszimmer besass, bis zum Ausbruch seiner
Krankheit am 21. Mai vorigen Jahres auch nicht einen Tag wegen
Unwohlseins ausgesetzt. Selbst das ärztliche Gutachten seines Bru-
ders, des Dr. Georg Eichler in Weil in Württemberg, welcher die
Krankheit zuerst erkannte, beunruhigte anfangs wenig, da Eichler
noch das ganze Wintersemester 1885/86 nicht nur seine Vorlesungen
ohne die geringste Unterbrechung hielt, sondern auch die vielen
anderen Functionen seines Amtes in gewohnter Rüstigkeit besorgte.
Die ersten bedenklichen Spuren zeigten sich in den Osterferien
vorigen Jahres, doch nahm er für das Sommersemester Vorlesungen
und Examination bis zum genannten Tage wieder auf. Jetzt trat
aber die tückische Krankheit, die Leukämie, mit grosser Heftigkeit
auf, doch erholte sich der Kranke im Sommer insoweit, dass er im
botanischen Garten seine letzte Schöpfung, die eben fertig gewordenen
Anlagen für Wasserpflanzen wiederholt in Augenschein nehmen
konnte. Kurz vor seiner Abreise nach Kissingen besuchte er zum
letzten Male das botanische Museum, doch war die Besserung nicht
von Dauer; aus dem Bade kam er kränker zurück, als er hingereist
war, prüfte jedoch ungeachtet seines krankhaften Zustandes während
der Monate November und December die Candidaten der Pharmacie
in der Botauik im Staatsexamen, aber der Winter war nicht geeig-
net, seinen im höchsten Grade geschwächten Körper wieder zu
kräftigen, obwohl er fast bis zum letzten Tage an dem Gange der
Geschäfte der seiner Leitung anvertrauten Anstalten regen Antheil
nahm. Er schien sogar den Schmerz über den am 18. Februar d.J.
plötzlich eingetretenen Tod seines Bruders, welcher unter seiner Bei-
hilte in Kiel Mediein studirt hatte, glücklich überwunden zu haben,
als er einem Rückfalle am 2. März Morgens 6'/, Uhr erlag. Am
5. März wurde er vom botanischen Museum aus, wo sein mit Pal-
men und Kränzen überdeckter Sarg in dem in grossartigster Weise
mit Blumen geschmückten vorderen Hauptsaale des zweiten Stockes
aufgebahrt war, unter grosser Betheiligung zur Ruhe bestattet, zu
_ welcher Feier ausser zahlreichen Fachgenossen auch der schwer
geprüfte Vater und mehrere Geschwister aus weiter Ferne erschie-
nen waren.
Seit Eiehler’s Uebersiedlung nach München war er, wie be-
reits bemerkt, vorzugsweise mit der Bearbeitung einzelner Familien
für die „Flora brasiliensis“ beschäftigt, so erschienen von ihm im
Jahre 1863: die Dilleniaceen, Oycadeen und Coniferen; 1864: die
Magnoliaceen, Winteraeeen, Ranunculaceen, Menispermeen und Berberi-
deen; 1865: Capparidoen, Cruciferen, Papaveraceen, Fumariacoon; 1867:
14
.
’
%
172
Combretaceen; 1868: Loranthaceen, Oleaceen, Jasmineen; 1869: Ba-
lanophoreen; 1871: Violaceen, Sauvagesiaceen, Bixaceen, Cistaceen,
Canellaceen; 1872: Crassulaceen, Droseraceen.
Ausserdem sammelte er schon in Kiel Material zur Bearbei-
tung der Scitamineen für die „Flora brasiliensis“ und setzte diese
Arbeit in Berlin bis zum Ausbruch der Krankheit fort. Als Vor-
läufer erschienen bereits 1884 in den Abhandlungen der Akademie
der Wissenschaften die Beiträge zur Morphologie und Systematik
der Marantaceen und Vorarbeiten für den speciellen systematischen
Theil liegen im Manuscript vor; leider konnte er aber diese Arbeit
nicht zum Abschluss bringen.
In Anerkennung seiner Verdienste um die „Flora brasiliensis*
wurde ihm der brasilianische Rosenorden 3. Cl. mit dem Sterne
verliehen.
Sein Hauptwerk ist das unter dem bescheidenen Titel:
„Blüthendiagramme“, Leipzig 1875 und 1873 erschienene zweibän-
dige Werk, in welchem die Morphologie der Phanerogamen in so
vortrefflicher Weise behandelt ist, dass ihm dafür von der Leopol-
dinisch-Carolinischen Akademie der Naturforscher die goldene Me-
daille zuerkannt wurde. Obwohl dieses Werk für den Forscher un-
endlich wichtig ist, so ist doch, namentlich unter den Studirenden,
ein kleineres Buch weit bekannter, nämlich sein Syllabus der Vor-
lesungen über specielle und medicinisch-pharmaceutische Botanik,
welches zuerst 1866 in Kiel als Syllabus der Vorlesungen über
Phanerogamenkunde erschien, da darin die Kryptogamen keine Be-
rücksichtigung gefunden hatten. Aber schon bei Herausgabe der
zweiten Auflage fühlte er das Bedürfniss, auch diesen Theil des
Pflanzenreichs mit in Betracht zu ziehen und diess um so mehr, da er in
jedem Wintersemester über Kryptogamen las und seinen Zuhörern
einen Leitfaden geben wollte. In der nur wenige Wochen vor dem Aus-
bruche seiner Krankheit erschienenen vierten Auflage des Syllabus
sind zwei Abschnitte hinzugekommen, eine kurze Einleitung in das
System und eine Darstellung über die Verhältnisse der Blüthe und
Frucht. Ein eigenliches System hat Eichler, streng genommen, nicht
aufgestellt und beabsichtigte diess auch nicht, obwohl vielfach da-
von die Rede ist. In der Vorrede zur ersten Auflage sagt er aus-
drücklich, dass das angenommene System im Wesentlichen das
Jussieu’sche in der Umgestaltung von A. Braun sei. Genauer wird
diess in der vierten Auflage in der Weise auseinandergesetzt, dass das
angenommene System sich am nächsten an das von Brongniart an-
schliesse und als eine Fortsetzung desselben betrachtet werden könne.
Als wesentliche Aenderung ist die von Fries vor länger als einem
halben Jahrhundert vorgenommene Stellung der Sympetalen an das
Ende des ganzen Pflanzenreichs zu betrachten, denn die Vereinigung
der Apetalen mit den Polypetalen findet sich schon bei Brongniart,
wenn auch sowohl von A. Braun, als von Eichler Umstellungen
der Familien wiederholt vorgenommen wurden. Im Ganzen änderte
Eichler die einmal angenommenen, auch von A. Braun gewählten
173
Namen der Hauptabtheilungen sehr ungern, wie ich aus wiederhol-
ten Berathungen mit ihm vor Anfertigung jeder neuen Auflage weiss.
Er trug sogar Bedenken, unpassende Namen auszumerzen, wenn sie
von seinen Vorgängern adoptirt waren. So hielt er z. B. bis zur
dritten Auflage an dem von A. Braun nur für die Gefässkryptoga-
men und daher in diesem Sinne ganz ungeeigneten Namen Cormo-
phyten statt Pteridophyten fest und erst in der vierten Auflage ent-
schloss er sich, die Polygoneen von den Centrospermen abzutrennen,
wobei freilich zu bemerken, dass die Vereinigung mit den Piperaceen,
die Reihe der Polygoninae bildend, keine glückliche zu nennen ist.
Noch in den letzten Wochen seines Lebens unterhielten wir uns
über die Stellung der sogenannten Hysterophyten und war er fest
entschlossen, bei einer späteren Auflage diese Gruppe einzuziehen
und die betreffenden Familien in den vorhergehenden Reihen, so gut
es gehen wolle, unterzubringen.
Eichler’s Vorlesungen waren sehr besucht, was namentlich
auch durch die seit Jahren fortwährend im Wachsen begriffene Zahl
der Medicin- und Pharmacie-Studirenden bedingt war. Sein Vortrag
zeichnete sich durch Einfachheit und Klarheit aus und verschmähte
er es, denselben durch schöne Redensarten zu würzen.
Seine Verdienste um den botanischen Garten sind zur Genüge
bekannt, zahlreiche Veränderungen wurden unter seiner Direction
vorgenommen, welche von dem Bestreben ausgingen, den Garten in
noch umfangreicherem Masse, als bis dahin geschehen, zu einem
anziehenden Bildungsmittel zu machen. Besonders hervorzuheben
sind hier die Anlage des Alpinum, die Herstellung eines offieinellen
und Nutzpflanzenstückes, die Aufstellung der Pflanzen nach geogra-
phischen Gruppen, das neue Victoriahaus, eine Reihe von Bassins
von Wasserpflanzen und die lang ersehnte Wasserleitung. Durch
diese Verwaltungsangelegenheiten, sowie durch die Vorlesungen an
der Universität, durch die Abnahme vieler Examina wurde Eichler’s
' Thätigkeit in Berlin vollständig in Anspruch genommen, so dass
ihm wenig Musse blieb für wissenschaftliche Arbeiten, von denen
dessenungeachtet einige in den Schriften der Akademie der Wis-
senschaften, in verschiedenen Gesellschaftsschriften und in dem an
Stelle der „Linnaea“ getretenen Jahrbuche des königl. botanischen
Gartens und botan. Museums erschienen. Aus diesem segensreichen
- Wirkungskreise wurde er in der Blüthe des Lebens abgerufen, be-
- trauert von den Fachgenossen und einer Witwe mit sechs unmün-
digen Kindern. A. Garcke.
Flora des Etna.
Von Prof. P. Gabriel Strobl.
(Fortsetzung.)
1336. Trifolium striatum L. Guss. *Syn. et Herb.!, Reichb. D. Fl.
Icon. 100 I! Auf sonnigen, buschigen Abhängen und in lichten Wäl-
dern (2500—4000°) häufig: Etna (Guss. 1. c.), oberhalb Nicolosi
rings um den M. Zio, unter Kastanien der Serrapizzuta äusserst ge-
mein, von Bronte gegen den Bosco Maletto hinauf häufig! April,
Mai. ©.
1337. T. tenuiflorum Ten. Guss. *Syn. et Herb.!, Tod. Fl. sie.
exsiec. Nr. 394! Jedenfalls nur Varietät des striatum, von dem es
sich nur unterscheidet durch längere Köpfchen und Kelchzähne,
Unterschiede, die oft an demselben Standorte variiren: Bei siriatum
sind die Köpfchen eiförmig, die Kelchzähne kürzer, als Kelchröhre
und Krone; bei zZenwijl. die Köpfchen länglicheylindrisch, die Kelch-
zähne mit Röhre und Krone gleichlang; tenwifolium Keichb. D. Fl.
98 II ist verschieden von der Pflanze Tenore’s und scheint lucani-
cum Gasp. — dalmaticum Vis. — Auf sonnigen Weiden und in
lichten Wäldern des Etna mit der vorigen von mir nicht selten ge-
sammelt, auch von Guss. in Wäldern bei Francavilla angegeben.
April— Juni. ©.
1338. T. glomeratum L. *Biv. I, Guss. et *Herb.! Auf Lava-
strömen, Wiesen, Weiden, sandigen Küsten und sonnigen Abhängen
(0—3000°) sehr häufig: Auf Etnaweiden (Biv. II), im Bosco Maletto
häufig (Biv. in Herb. Guss.!), um Zaffarana, Nicolosi (Herb. Torn.!),
in der Ebene des Simeto, von Catania bis in die Waldregion ober-
halb Nicolosi gemein, um Bronte ete.! April, Mai. ©.
1339. T. suffocatum L. *Biv. II, Guss. Syn. et *Herb.!, Rchb.
D. Fl. 110, I—III! An Wegen und wüsten Stellen: Auf trockenen
Etnaweiden (Biv. II), Etna, Catania (Biv. in Herb. Guss.!) sehr ge-
mein zwischen Catania und Mascalucia! April, Mai. ©.
1340. T. congestum Guss. Cat., *Syn. et *Herbh.!, *Bert. Fl. it.
Dem vorigen äusserst ähnlich; ist aber nicht ganz kahl mit kahlen
Köpfchen, die Krone weit überragenden, an der Spitze zurückge-
krümmten, lanzettlichen Kelchzähnen und zweisamigen Hülsen, son-
dern dicht flaumhaarig mit langzottigen Kelchen, fiederigzottigen,
langen, pfriemlichen Kelchzähnen von Kronenlänge und einsamigen
Hülsen. Aus der Ebene Catania’s von Guss. erhalten (Bert. 1. c.);
liegt ebendaher auch im Herb. Guss. auf. April, Mai. ©.
1341. T. subterraneum L. *Bert. Fl. it., Guss. Syn. et *Herb.!,
Reichb. D. Fl. Taf. 108! Auf Wegrändern, Grasplätzen, in Fluren
und Baumgärten (0—4000°) sehr gemein: Aus Catania von Cosen-
tini erhalten (Bert., Guss. l. c.), Catania (Herb. Reyer et Torn.!),
überall in der Ebene des Simeto von Catania nach Acicastello, Ni-
colosi und von da hoch in die Wälder empor! März—Mai. ©.
175
1342. T. fragiferum L. *Bert. Fl. it., *Cat. Cosent., Reichb.
D. Fl. Taf. 106! Auf Grasplätzen, Feldern, feuchten Bach- und
Wegrändern (0—2000°) häufig: Aus Catania von Cosent. erhalten
(Bert. 1. c.), in der Ebene des Simeto bis Adernd hinauf, von Cata-
nia zur Arena etc.! April— August. %.
1343. T. resupinatum L. *Cat. Cosent., *Bert. Fl. it., Guss.
Syn. et *Herb.! Varürt: «. majus Boiss. W. Lge. Stengel robuster,
verlängert, Blüthenstiele länger, als die Blätter, Blüthen grösser,
Fruchtkelch 9—10 Mm. lang — T. suaveolens Guss. Syn. et Herb.!,
non Willd. Enum. — £. minus Boiss. W. Lge. Stengel zarter, kür-
zer, Blättchen und Blüthenköpfchen kleiner, Blüthenstiele oft kürzer
als die Blätter, Fruchtkelch und Zähne der Oberlippe desselben
kleiner — T. resupinatum Guss. Syn. et Herb.!, suaveolens Willd.
Enum., non Guss. — Auf Feldern, Wegrändern, krautigen Hügeln,
feuchten sandigen Küstenstrichen beide Varietäten häufig: Aus Ca-
tania von Cosentini erhalten (Bert. 1. c.), an der Riviera di Ca-
tania (Cat. Cosent.), um Catania häufig (!, Cosent. in Herb. Guss.
var. «.), Nicolosi (Herb. Tornab. var. £.!), in der Arena und in der
Ebene des Simeto fast überall! April, Mai. ©.
1344. T. tomentosum L. *Bert. Fl. it., Guss. Syn. et *Herb.!,
Rehb. D. Fl. Tfl. 107 I! — Auf Fluren, Lavaströmen, sandigen und
krautigen Abhängen bis 2000° gemein: Aus Catania von Cosentini
erhalten (Bert. 1. c.), überall um Catania (! Herb. Torn., Tornab.
in Herb. Guss.!), um Nicolosi, im Vallone di Ulli (Herb. Torn.!),
vom Meere bis Nicolosi, Paternd, Bronte ete.! April, Mai. ©.
1345. T. strietum L., W. K., laevigatum Dsf. Guss. *Syn. et
*Herb.!, Rchb. D. Fl. Tfl. 99! In der Ebene des Simeto (Calcara
in Guss. Syn., Tornab. in Guss. Herb.!); bewohnt sonst nur Berg-
wiesen. Mai, Juni. ©.
1346. T. spumosum L. *Biv. II, Guss. *Syn. et *Herb.! Ist
gleich mutabile Port. und vesiculosum Savi, eine ganz kahle Pflanze
mit grossen, eiförmisen Fruchtköpfen und kahlen, gleichmässig auf-
geblasenen Fruchtkelchen; ihre Unterschiede sind hauptsächlich fol-
gende: Bei mutab. und wesie. sind die oberen Blätter länglich oder
rhombischlanzettlich mit granniggesägten Rändern, die Fruchtkelche
häutig mit geraden, endlich zurückgekrümmten Zähnen, welche die
Länge der Krone nicht erreichen; bei mut. sind die Köpfchen mehr
oval, die Fruchtkelche kugeligoval, längsnervig, bei vesic. die Köpf-
- chen mehr eylindrisch und die Fruchtkelche stärker aufgeblasen ver-
We
kehrt-kugeligkonisch und zwischen den Längsnerven auch deutlich
quernervig; spumosum endlich unterscheidet sich von beiden durch
ausgebreitsten Wuchs, verkehrtherz- oder verkehrteiförmige, klein-
(nicht grannig-) gesägte Blätter, eiförmige Köpfchen, stark ange-
schwollene, zwischen den Längsnerven auch quernervige, eiförmige
Fruchtkelche mit pfriemlichen, zurückgekrümmten Kelchzähnen von
Kronenlängse und 3—4- (nicht 2-) samigen Hülsen. — Auf Feldern,
Weiden und sonnigen Hügeln ziemlich selten: Auf Weiden des Eina
(Biv. IL, Biv. in Herb. Guss.!), um Licatia (Herb. Torn.!), Catania
Be
176
(Guss. Syn. et Cosentini in Herb. Guss.!), Aufstieg nach Nicolosi
(Torn. m Guss. Syn. add. et Herb.!). April, Mai. ©.
1347. T. mutabile Port. Guss. *Syn. et Herb.! Zwischen Ge-
sträuch, auf sterilen Hügeln und in sandigen Wäldern: Um Giarre,
Nicolosi, Milo (Guss. Syn.), Cavaleri (Herb. Tornab.!), an grasigen
Uferabhängen des Simeto vereinzelt!, nach v. Janka’s Mittheilung
sehr gemein längs der ganzen Eisenbahn bis Catania. Mai, Juni. ©.
NB. Vesiculosum wurde im Gebiete noch nicht beobachtet.
1348. T. repens L. *Cat. Cosent., *Biv. Il, Guss. Syn. et Herb.
var. «. Auf Wiesen, Weiden, Wegrändern bis 3000 zerstreut: An
bebauten Orten bei Catania (Biv. II), in der Ebene des Simeto (Cat.
Cosent.), um Milo (Herb. Torn.!), in der Ebene von Nicolosi! April
bis Juli. 2%.
1349. T. Biasolettii Steud. Freyn: „Flora von Südistrien* in
Zool.-botan. Ges. 1878 pag. 312 cum diagn., repens b. minus Guss.
Syn. et *Herb.!, rep. ß. pusillum Bert. Fl. it. — Auf Bergweiden,
grasigen Abhängen und Wegrändern (3—7000°) fast gemein: Etna
(Herb. Guss.!), von der Ebene Nicolosi's durch die umliegenden
Wälder bis in die Hochregion häufig, im Valle Calanna, im Val del
Bove gemein, von Milo zum Cerritawalde, oberhalb Bronte gegen
den Bosco Maletto! April—Juli. %.
1350. T. nigrescens Viv. *Bert. Fl. it., Guss. Syn. et *Herb.!,
Rehb. D. Fl. 110, IV! Aybridum Biv. I, non L. — Auf Wiesen,
Wegrändern, Lavaströmen (0—3200°) gemein: Aus Catania von Co-
sentini erhalten (Bert. 1. c., Herb. Guss.!), um Catania überall,
Zaffarana, Nicolosi (Herb. Torn.!), von Catania nach Ognina, Aci-
castello und sogar bis in die Waldregion oberhalb Nieolosi! März
— Mai. ©.
1351. T. procumbens L., agrarium *Raf. I, *Biv. Il, cam-
pestre Schreb. Guss. Syn. et Herb.! Variirt im Gebiete: «. minus
Koch, Rehb. D. Fl. 122, II! = procumbens Schreb. Kerner Veget.
Pflanze niederliegend, Köpfchenstiele von Blattlänge, Köpfchen klei-
ner, schwefelgelb. $. majus Koch, Reichb. D. Fl. 121, I! = cam-
pestre Schreb. Kerner Veget. Stengel aufrecht oder aufsteigend,
Köpfchenstiele von mehr als Blattlänge, Köpfchen grösser, sattgelb.
Auf Feldern, Aeckern, Wegrändern, sonnigen Abhängen (0—5000°),
besonders ß. gemein: Häufig auf Weiden und Wiesen des Etna
(Biv. II), Etna, Catania, Pedara (Herb. Tornab.!), Ognina (Herb.
Reyer!), von Catania bis hoch in die Waldregion oberhalb Nicolosi,
im Valle Calanna, in der Ebene des Simeto, von Bronte in den Bosco
Maletto! April— Juni. ©.
1352. T. filiforme L. Guss. *Syn. et *Herb.!, micranthum Viv.
Rchb. D. Fl. 121 DT. Von minus Sın. — jiliforme Rehb. D. Fl.
120 I! durch die noch dünneren, haarfeinen, schlaffen Blüthenstiele,
die nur 2—6blüthigen, sehr lockeren, kleineren Köpfchen, ziemlich
gleichlangen Kelchzähne etc. verschieden. — Auf feuchten Bergab-
hängen Siciliens nicht selten, am Etna bisher nur von Bivona
(Guss. 1. c.!) gesammelt. Mai—Juli. ©.
.e
177
NB. Aus dem Gebiete werden noch irrig angegeben: 7’. Miche-
lianum Savi (in der Waldregion nach Raf. II) und hispanicum L.
(auf sandigen Hügeln des Etna, besonders bei Nicola dell’ arena
nach Biv. II).
1353. Lotus edulis L. *Cat. Cosent., *Bert. Fl. it., Rchb. D. Fl.
133, I, II! Am Meerstrande, auf Feldern, Rainen, Lavaströmen, in
Wein- und Olivengärten (0—2000°) sehr häufig: Aus Catania von
Cosentini erhalten (Bert. 1. c.), Acquicedda bei Catania, Acicastello
(Herb. Torn.!), Annunziata (Reyer in litt.), überall um Catania, von
da nach Misterbianco, Ognina, Nicolosi, in die Arena, in die Ebene
des Simeto! Februar— April. ©.
1354. L. ornithopodioides L. Bert. Fl. it., Guss. Syn. et *Herb.!,
Rechb. D. Fl. 133, III, IV! Auf Feldern, Lavaströmen, sonnigen Hü-
geln, in Gärten und Ölivenhainen der Tiefregion sehr häufig: Aus
Catania von Cosentini erhalten (Bert., Herb. Guss.!), um Catania
überall (!, Herb. Torn.!, Herb. Reyer!), Paternd (Herb. Torn.!), sehr
gemein an Eisenbahndämmen bei Ognina, seltener um Misterbianco,
Motta S. Anastasia, in der Ebene des Simeto! April, Mai. ©.
1355. L. ceytisoides L. *Bert. Fl. it. Erscheint in Sieilien in
folgenden, von Guss. als Arten beschriebenen Varietäten:
a. prostratus (Desf.), L. prostr. Dsf. Fl. atl. II, 206 et Herb.
teste Guss., Guss. Syn. et *Herb.!, Tod. Fl. sie. exsiece. Nr. 345
(Palermo), non Lot. prostr. L. (denn dieser gehört jetzt zum Genus
Lotononis), L. cytisoides DC. Prodr. I, 211, eyt. «. Linnaei W. Lge.
III, 341! (denn die von Winkler um Gibraltar als Allionii gesam-
melten und von W. Lge. ebenda als «. Linnaei angegebenen Exem-
plare sind mit dieser Var. identisch), L. Allionii Dsv. Gren. Godr.
I, 433, Rchb. D. Fl. 131, I, III!, glaucescens Presl del prag. et
Fl. sie. Stengel zahlreich, kurz, niederliegend oder aufsteigend, ästig,
an der Basis halbstrauchig, sparsam angedrückt flaumig; Blätter
und Bracteen dreizählig, Blättchen fleischig, keiligspatelig, stumpf,
seegrün mit ziemlich dichten, kurzen angedrückten Haaren, Neben-
blätter länglicheiförmig, ungefähr so lang, als der nicht verbreiterte,
4—6 Mm. lange Blattstiel; Blüthenstiele 2—6blüthig, bedeutend
länger als die Blätter; Hülsen gerade, lang, fast stielrund, kahl;
Blüthen auch getrocknet gelb. Zeichnet sich vor den folgenden Va-
Seen besonders aus durch die langen Blattstiele und fleischigen
ätter.
ß. L. patens Presl del prag. et Fl. sie., Guss. Syn. et Herb.!,
Tod. Fl. sie. exsicc. Nr. 344 (Trapani)! Von «. verschieden durch
die langen, niedergestreckten und ausgebreiteten annuellen Aeste
und die stärkere, meist aufrechtabstehende, selten fast angedrückte,
flaumige Behaarung derselben, sowie der Blattstiele; auch sind die
Blättchen grün, nicht fleischig, und die oberen schmäler, spitzer,
meist länglichkeilig, die Blattstiele kürzer (nur bis 3 Mm.) und von
den eiförmigen Nebenblättern überragt.
(Fortsetzung folgt.)
—s—
178
Literaturberichte.
Dr. Joh. Palacky. Pflanzengeographische Studien. I. Erläuterungen zu
Hooker und Bentham Genera Plantarum. II. Band. Fam. LVIHT—CLXVI
und III. Band: Fam. CLXVII—CC., (Aus Abhandlungen der k. böhm. Ge-
sellschaft der Wissenschaften. VI. Folge. 12. Band. Math.-naturw. Classe
Nr. 2 und 14.) Prag. 1883 und 1884. Verlag, d. k. b. Ges. d. W.
Die unter voranstehendem Titel uns vor nicht langer Zeit erst
zugekommenen Abhandlungen bilden die Fortsetzung der im Jahre
1864 in den Publicationen der kön. böhmischen Gesellschaft der
Wissenschaften V. Folge 13. Band erschienenen ersten Erläuterungen
zu Bd. I. Fam. I-LVII von Hooker und Bentham Genera Plan-
tarum. Der Verfasser geht bei seinen Arbeiten von dem sehr aner-
kennenswerthen Bestreben aus, wissenschaftliche Grundlagen für die
Pflanzengeographie namentlich mit Rücksicht auf eine geologische
Basis zu gewinnen. Die im Titel aufgezählten Pflanzenfamilien (nach
Hooker und Bentham), welche den Schluss der Dicotyledonen und
die Monokotylen umfassen, erörtert der Verf. nun, mit steter Be-
ziehung auf das genannte Werk in der Weise, dass er die Verbrei-
tung der Familien nach den Zonen der Erde, in deren östlichen und
westlichen Hälfte, bespricht und die Länder und Gegenden hervor-
hebt, in denen sie am reichsten oder im Maximum auftreten, sowie
diejenigen, wo Glieder einer Familie gänzlich mangeln. Um die Ver-
breitungsgesetze mehr zu begründen, werden, bei grösseren Familien,
auch deren Unterabtheilungen nach ihrem vorherrschenden Auftreten
gewürdigt, und es wird hiebei auf ihr geselliges Vorkommen, auf
ihre xerophile, hygrophile oder halophyle Natur, auf ihren Charakter
als Wüsten-, Ruderal- oder Segetalgewächse, verwilderte und Un-
kräuter u. s. w. hingewiesen. Den polymorphen Gattungen, sowie
denjenigen, welche sich durch grosse Anzahl ihrer Species auszeich-
nen, insbesondere der artenreichsten oder durch andere Eigenthüm-
lichkeiten sich auszeichnenden Gattung jeder Familie, wird bezüglich
ihrer geographischen Vertheilung besondere Aufmerksamkeit ge-
schenkt, namentlich gilt diess bezüglich der Monotypen oder unge-
wöhnlicher Verbreitungsarten. In dieser Hinsicht enthalten die Ab-
handlungen manche recht beherzigenswerthe Bemerkung, beispielsweise
bei den Cyrtandraceen, deren südeuropäische Arten (Ramondia pyre-
naica Lam., Haberlea rhodopensis Friv. und Heldreichii Boiss.) der
Verf. mit Fug und Recht als aus alter Zeit in Europa übrig ge-
bliebene Species erklärt und sich hiebei gegen die Theorie ausspricht,
welche alle Pflanzen wandern lässt, wie man es eben braucht. Auch
die Hinweise auf die Schwierigkeiten, welche manchen Fragen, wie
der Entstehung der Wüstenpflanzen (angeregt bei den Chenopodia-
ceen) oder der Ausbreitung der Cupuliferen von einem Schöpfungs-
centrum aus u. dgl. sich entgegenstellen, werden gebührend betont.
Bei den Arten sind auch die endemischen Formen ihrer Zahl nach
berücksichtigt, sowie die Zweifel über die Bedeutung derselben, z. B.
die drei Peperomia-Species auf den Inseln Juan Fernandez im grossen
Ocean westlich von Chile, ob sie nämlich in dem Gebiete, welches
179
sie heute ausschliesslich bewohnen, nur mehr als Repräsentanten
einer weiter verbreiteten Artenzahl ihre letzten übrig gebliebenen
Standorte behaupten, oder aber, ob das beschränkte Gebiet ihres
heutigen Vorkommens als die Bildungsstätte, als das Entstehungs-
gebiet der betreffenden Gattung anzusehen sei. In Noten, welche
den Besprechungen der einzelnen Familien gleichlaufen, gibt der Verf.
eine ziffermässige Uebersicht der Vertheilung der Genera und der
Species auf die verschiedenen bekannten Florengebiete, soweit diess
heute nach der vorliegenden Literatur, Nymann fürEuropa, Bentham
und Müller für Australien, nach De Candolle’s Prodromus u. s. w.
und nach Katalogen der Sammlungen möglich war. Auf die Ver-
hältnisszahl der Arten zu den Gattungen legt Palacky kein beson-
deres Gewicht in pflanzengeographischer Hinsicht, so lange noch der
Gattungsbegriff bei den verschiedenen Autoren so schwankend ist.
Dagegen ist eine besondere Sorgfalt darauf gerichtet worden, An-
deutungen über die Heimat der Familie oder über ihre Herkunft zu
gewinnen und ihre geologische Entwickelung darlegen zu können.
Leider liegen zur Stunde, ungeachtet vieler vortrefflicher Arbeiten
Schimper’s (Traite de Palaeontologie vegetale), Laquereux’ u. a.
und des ausgezeichneten Werkes von Engler (Versuch einer Ent-
wicklungsgeschichte der Pflanzenwelt, insbesondere der Florengebiete
seit der Tertiärperiode), noch keineswegs ausreichende Anhaltspunkte
vor, um mit einiger Sicherheit über das Alter gewisser Familien
und über ihre historische Entfaltung entscheiden zu können. Werden
doch weit allgemeinere Fragen, wie die Ableitung einer bestimmten Ge-
setzmässigkeit für die Umbildung der Floren noch höchst verschieden zu
lösen gesucht, wiez.B.von Ettingshausen’s Theorie, welche unser
Autor bei mehreren Familien gutheisst, doch bezüglich der An-
schauung, dass die heutigen Florenreiche zur Tertiärzeit noch gar
nicht erkennbar gewesen seien, wohl nicht ausreichend begründet
ist. Schliesslich stellt der Verf. noch recht zweckmässig die Pflan-
zenfamilien nach der heutigen Verbreitung in Kosmopoliten, tropische,
antarktische, arktische und lokale, sowie in historischer Beziehung
a) in xerophile, älteste (Kreide, Eozän), hygrophile miocäne und
ce) gemässigte (pliocäne und quarternäre) zusammen. Wir wünschen
dem geehrten Verfasser zu seinem beabsichtigten „Lehrbuch der
Pflanzengeographie auf geologischer Basis“ den besten Erfolg.
Dr. A. Kornhuber.
Heinricher E. Histologische Differenzirung in der ‚pflauzlichen Ober-
haut. (Mittheil. des naturwissenschaftl. Ver. für Steiermark. Jahrg. 1886.
Graz 1887. Mit einer Tafel.)
Die hier besprochene histologische Differenzirung der Oberhaut
betrifft die Laubblätter der Cruciferen und besteht in einer ausser-
ordentlichen Vergrösserung einzelner Zellen, die das Volum der
Nachbarzellen um das zebn- bis hundertfache übertreffen. (Bei He-
liophila pilosa wurden Epidermiszellen von 8 Mm. Länge gefunden!)
Inhaltlich scheinen in der Regel diese Riesenzellen von den übrigen
Öberhautzellen (die Schliesszellen der Spaktöffnungen natürlich aus-
180
geschlossen) nieht wesentlich verschieden zu sein. Plasma-Circulation
ist in ihnen meist sehr schön zu sehen. Die Differenzirung gewinnt
dadurch ein verschiedenes Aussehen, dass bei manchen Cruciferen
(Isatis tinetoria, Senebiera Coronopus, Heliophila-Arten) die vergrös-
serten Oberhautzellen isolirt liegen, während bei anderen sich mehrere
unmittelbar an einander reihen. Eine solche Oberhaut bietet unter
dem Mikroskope das Bild eines gegliederten Stromgeäders mit viel-
facher Inselbildung. Die Strombahnen werden durch die grossen
Zellen repräsentirt, während die kleinen Zellgruppen mit den Spalt-
öffnungen; Inseln vergleichbar darin liegen. ( Eruca cappadoeica Beut.,
Diplotaxis tenuifolia D C., Moricandia arvensis DC.) Bei einzelnen
Arten (Senebiera Coronopus, Hutchinsia petraea) erstreckt sich die
Differenzirung auch auf die Oberhaut der Stengeltheile. — Aehnliche
Epidermisbildungen fand Volkens an einer Reihe von Wüsten-
pflanzen. Da letztere in die Ordnungen der Resedaceen, Sileneen,
Chenopodeen und Portulacaceen gehören, so folgt, dass die in Rede
stehende Differenzirung nicht an die systematische Stellung der
Pflanzen geknüpft, sondern als eine physiologische Anpassung
zu betrachten ist. Nach den Beobachtungen von Volkens an Mesem-
bryanthemum erystallinum L. und den von Heinricher mit Tetragonia
expansa Ait. angestellten Versuchen müssen diese grossen Epider-
miszellen als Speicherungsstellen und Reservedepöts für Wasser ange-
sehen werden. Diese Annahme findet unter andern auch darin eine
Stütze, dass die erwähnte Differenzirung in der Oberhaut mit der
Zunahme der Trockenheit des Standortes sich steigert. Burgerstein.
Fungi novi Austriaci. Series I. Autore Dr. R. v. Wettstein. (Mit 2 Taf.)
Aus dem XCIV. Bande der Sitzber. der kais. Akad. der Wiss. I. Abth.
December-Heft, Jahrgang 1886.
In dieser sehr sorgfältig gearbeiteten Abhandlung werden von
dem Verfasser neun Hymenomyceten, ein Lycoperdon und zwei Pe-
zizen als neu beschrieben und zwar: 1. Hydnum Ebneri, 2. Irpex
anomalus, 3. Trametes carneus, 4. Cantharellus odorus, 5. Maras-
mius tenerrimus, 6. Agaricus (Psalliota) caldarius, 7. Agaricus
(Pleurotus) Kerneri, 8. Agaricus (Pholiota) gregarius, 9. Agarieus
(Naucoria) chryseus, 10. Lycoperdon Rathaganum, 11. Peziza (Sele-
rotinia) Kerneri, 12. Micropeziza Trollii. Von diesen werden ohne
Zweifel zwei Arten, nämlich der Irpex anomalus und die Peziza
(Sclerotinia) Kerneri auch die Aufmerksamkeit der Nichtmykologen
erregen. Irpex anomalus Wettst. (Taf. I, Fig. 1—9) besitzt normal
8sporige Basidien, „und es scheint sich in jenen Fällen, in denen
weniger (5—7) vorkommen, um eine Verkümmerung einzelner zu
handeln“. Unserer Ansicht nach hätte der Verfasser auf dieses höchst
auffallende Merkmal hin getrost ein neues Genus schaffen können.
Er hat diess aber unterlassen und spricht sich über diesen Punkt
selbst in folgender Weise aus: „Wenn ich trotz dieses Umstandes
(nämlich der 8sporigen Basidien) den Pilz zu Irpex stelle, so ge-
schieht diess mehr aus dem Grunde, um nicht auf so geringes Be-
obachtungsmateriale, wie mir vorliegt, eine neue Gattung zu gründen,
andererseits, weil mir die Gattung Irpex auch in die Zahl jener zu
u LLULL LE
181
gehören scheint, in denen manche Formen vorläufig eine Stellung
finden, die sie mit der Zeit noch ändern dürften“. Die Peziza (Sele-
rotinia) Kerneri Wettst. (Taf. II, Fig. 11—15) vermehrt die inter-
essante Untergattung Sclerotinia um eine nahezu ungestielte und auch
sonst sehr auffallende Form. Das überaus zarte Mycel dieses Pilzes
lebt (so viel bis jetzt bekannt) als streng obligater Parasit in den
jüngeren Zweigen der Tanne. Die befallenen Zweigchen kennt man
äusserlich zunächst an der sehr bedeutenden Vermehrung der männ-
lichen Blüthenkätzchen, die so weit geht, dass fast in der Achsel
eines jeden Blattes eine Blüthenknospe zur Entwickelung gelangt.
Nach dem Abfallen der männlichen Blüthenkätzchen bleiben deren
Hüllschuppen stehen und bilden schuppige Becher, während die
Achsen unterhalb dieser Becher mehr oder minder anschwellen, und
auch die benachbarten Blätter hie und da „callöse Polster“ zeigen.
Durch das Zusammenwirken dieser Umstände erhalten die befallenen
Aeste der Tanne wohl ein ganz abnormes Aussehen, doch scheint
der Baum selbst im Ganzen und Grossen nur wenig zu leiden. Das
Mycel des Pilzes erreicht seine grösste Entwickelung in den stehen-
bleibenden Hüllschuppen der männlichen Kätzchen, und bildet hier
auch halbeingesenkte schwärzliche, etwa 4—5 Mm. messende Scle-
rotien. Cultivirt man die letzteren auf feuchtem Sand, so erhält
man binnen 5—8 Tagen die Fruchtkörper der Peziza Kerneri. Diese
Fruchtkörper wurden übrigens auch im Freien gefunden und zwar
bei Mödling von Herrn P. T. Strasser und Rosenau von dem Ver-
fasser. Wie schon eingangs erwähnt, zeigt die ganze Abhandlung
eine sehr sorgfältige Benützung der einschlägigen Literatur und eine
gewissenhafte Vergleichung der neuen Formen mit dem verwandten
Material. Dass dieses letztere aber überhaupt vorhanden war und
zwar in einer wissenschaftlich brauchbaren Form, ist ein unbestreit-
bares Verdienst des Herrn Hofrathes Dr. A. Ritter v. Kerner.
Durch die rastlose Initiative dieses Gelehrten vollzieht sich nämlich
seit einer Reihe von Jahren, ganz in der Stille, eine totale Umwäl-
zung des zu dem k. k. Universitätsgarten gehörigen botanischen Mu-
seums. Dieses letztere wird jetzt wirklich das werden, was es seinem
Namen nach längst hätte sein sollen, ein botanisches Museum.
Schon sind viele Hunderte mit Alkohol gefüllte Cylindergefässe in
einer ebenso übersichtlichen wie geschmackvollen Weise auf den Re-
galen zur Schau gestellt, welche wahre Schätze solcher zarter Formen
enthalten, die sich auf keine andere Weise conserviren lassen. Unter
diesen auch eine stattliche Reihe wohlbestimmter Hymenomyceten.
Nur wer die verschiedenen zeitraubenden und mühsamen Arbeiten
kennt, welche das Einsammeln, Bestimmen und Conserviren dieser
Formen erheischt, wird die Grösse der hier bereits aufgestapelten
Arbeit annähernd richtig abzuschätzen wissen. Allerdings wird der
Herr Hofrath v. Kerner bei dem schwierigen Werke der Reorgani-
sation des k. k. Universitätsgartens und des botanischen Museums
von seinen beiden Assistenten, den Herren Dr. Stapf und Dr.
v. Wettstein auf das kräftigste unterstützt. Indem wir hiermit
182
auch weitere Kreise, besonders auf die Neugestaltung des botanischen
Museums aufmerksam machen, wünschen wir diesem rasch aufblü-
henden Institute ein ferneres Gedeihen und eine möglichst reich be-
mossene Dotation. Zukal.
Vukotinovic L. Opis ruzah okoline Zagrebatke. (Rosae in vieina Zagra-
biensi et quaedam in Croatia maritima erescentes.) II. Separatabdruck aus
dem LXXXIII. Bande der südslavischen Akademie zu Agram.
Der unermüdliche und verdienstvolle Erforscher der Rosenflora
Croatiens überrascht die Freunde dieser schönen Gattung wieder auf das
angenehmste mit vorliegender Arbeit. In derselben sind die Resultate
der Erforschung Croatiens hinsichtlich der Gattung Zosa, seit dem
Jahre 1884 niedergelegt, eine stattliche Zahl neuer und schöner
Formen, viele Berichtigungen und Zusätze sind in dieser wichtigen
Arbeit enthalten. Neu aufgenommen sind die Arten und Formen:
Rosa Haynaldiana Borbäs, R. Awmanni f. coriaces Borbäs, fossi-
cola Vuk., mierotypos Borb. et Vuk., rupicola Braun, afabilis Vuk.,
semiinermis Borbäs, oligacantha Borbäs, oligacantha f. cuneifolia Vuk.,
cymelliflora Borb. et Vuk., conica Chabert, fruticulosa Borb. et Vuk.,
dimorphophylla Borbäs, megalacantha Borb., reversa WK.(?), Oroa-
tica Kit., tenuiflora Borbäs, pyrenaica Koch (R. pendulina L.),
pubescens Koch, Malyi A. Kern., submonspeliaca Borbäs, trichostylis
(Borbäs), subeanina (Christ), subeollina Christ, livida Host, oligo-
gynia Borb. et Vuk., subleiostylis (Borbäs), brachypetala Vuk., sub-
sempervirens Borbäs, curticola Puget, Aavidifolia Vuk. (R. nitens
Vuk. non Desv.), Hercolis Borb., Kitaibelii Borb., resinosa Sternb.,
resinosa f. umbratica Borb., mollissima Fries f. pyriformis Scheutz.,
Belgradensis Panic, semisepiumBorb. et Vuk., percuriosa Borb. et Vuk.,
sepium f. arvatica Puget, sepium f. robusta Christ, Szaboi Borb., semisca-
bra Borb., graveolens Gr. God., Floriana Vuk., septicola Desegl., polya-
cantha (Borbäs), leucopetala Borbäs. Von den zahlreichen Caninen
will ich nur die neuen: R. placidula Vuk. et Borbäs, maerostylis
Borbäs, Suberti Rip. (auch von Herrn Sandany am Zugange zum
Krainer Schneeberg aufgefunden), rhodopetala Borb. et Vuk. erwäh-
nen. Zugleich mit dieser Arbeit erschien ein kleiner Nachtrag zu
den „Rosae Croaticae“* im 69. Bande der südsl. Akademie (1884),
welche einige neue Zusätze und Neubenennung älterer von Vuko-
tinovi6 creirter Formen enthält; diese Umänderung der Namen,
so wie zahlreiche unrichtige Citate sind wohl zum ‘grossen Theile
überflüssig. Im Uebrigen ist diese für die Flora Croatiens hoch-
wichtige Arbeit der Aufmerksamkeit der Floristen bestens zu empfehlen.
Braun.
Verhandlungen der k. k. zoologisch-botanischen Gesellschaft in Wien.
XXXVI. Band. IV. Quartal 1886.
Von den in diesem Bande veröffentlichten Abhandlungen bota-
nischen Inhaltes werden die nachstehenden zwei, nämlich: „Zur
Pilzflora Oesterreichs“ IV., von Dr. Günther Beck und „Steirische
Flechten“ von Dr. Alex. Zahlbrückner, an anderer Stelle ausführlich
183
besprochen werden; ferner wurde über Dr. ©. Stapf’s Arbeit: „Die
Pflanzenreste des Hallstädter Heidengebirges“ das Wesentlichste im
Novemberhefte der Oesterr. botan. Zeitschrift de 1886 unter den
Vereinsnachrichten mitgetheilt. Ein Gleiches gilt von zwei kleineren
Publicationen Dr. M. Kronfeld: a) „Ueber die Ausstreuung der
Früchtchen von Scutellaria galericulata“ und b) „Ueber die niederöster-
reichischen Volksnamen von Solanum tuberosum“, deren unter derselben
Rubrik im Decemberhefte dieses Blattes Erwähnung geschieht. Aus
letzterem Artikel sei hier noch als eine localhistorische Notiz ange-
führt, dass Clusius als der Erste in Oesterreich citirt wird, der im
J. 1588 die damals neue Knolle in Händen hatte. Er erhielt selbe
von Philipp de Sivry, Vorstand der Stadt Mons in der Provinz
Hennegau. — Es erübrigt nunmehr zur Besprechung der in den
obigen Verhandlungen veröffentlichten Mittheilung von Aug. Wie-
mann: „Ueber Primula Wettsteinüi (Pr. minimo X Clusiana)“, über-
zugehen. Dieser Bastart steht der Primula minima näher als der
Pr. Clusiana, er unterscheidet sich von Ersterer durch die etwas
mehr abgerundeten, schwach behaarten Blätter, grössere Blüthen
mit breiteren Lappen und kürzeren Involucralblätter. Fundort:
Niederösterreich; auf dem Schneeberg, in einer Höhe von ca. 2000 M.,
und zwar unter den Stammeltern und Pr. intermedia Port. = Pr.
Portenschlagü Beck. Moritz Prihoda.
oo
Correspondenz.
Wien, am 25. März 1887.
Aus der soeben geöffneten Sendung bosnischer 1886er Rosen-
proben des Herrn Prof. Erich Grafen Brandis in Travnik will ich
einstweilen nur die beiden Novitäten Rosa livida Host und R. ve-
stita Godet — letztere in einer Uebergangsform zur R. tomentosa —
mittheilen. Auch die schöne R. bosniaca Keller et Wiesb., Oesterr.
botan. Zeitschr. 1883 — liegt abermals nur in Blüthen, aber vom
neuen Standorte vor; während die Rosa gentilis Sternb. am 23. Juli
1886 noch in der Blüthe zwischen Janica und Sjekira fast bei letz-
terem Orte durchaus in der var. inermis eingesammelt, die indivi-
duellen Modificationen: leio-, tricho-, adeno- und ditrichoneura von
derselben Strecke enthält. Diese var. inermis — wie sie wiederholt
sub Nr. 6 der Exsice. vorliegt — kann aber niemals mit der afinis
Sternb. identifieirt werden, da letztere Sternberg selbst durch „ku-
gelige und kahle Receptakel“ von unserer Rose, die ovoide hispide
Receptakel hat, unterschieden hatte! (Vergl. Oe. b. Z. 1883, 101.)
J. B. Keller.
Wien, am 4. April 1887.
Herr Br. Btocki hat in der Aprilnummer der Oesterr. botan.
Zeitschrift behauptet, ich hätte seine Zlosa Leopoliensis „ganz un-
richtig“ als Synonym zu Rosa frutetorum Besser gezogen. Die
184
authentischen Exemplare der R. Leopoliensis, welche sich in mei-
nem Besitze befinden (mit der Etiquette des Herrn Bilocki ver-
sehen), weisen keine Spur von Drüsen an der Unterseite der Blätt-
chen (sogenannte „subfoliare* Drüsen!) auf, und zeigen, wie sich
auch Dr. Wotoszczak seinerzeit in Wien überzeugte, nicht die mini-
malste Differenz gegenüber den Originalexemplaren der R. fruteto-
rum Besser. Ich habe also wenigstens die in meinem Besitze
befindlichen Originalexemplare der R. Leopoliensis ganz richtig ge-
deutet. Sollte sich um Lemberg eine Rose aus der Gruppe der R.
coriifolia Fries mit Drüsen an der Unterseite der Blattlamina vor-
finden, so wäre diess von grossem Interesse, indem dann zur Formen-
reihe der Rosa incana Kitaibel, R. Kmetiana Borbäs und R. Gra-
nensis Kmet eine parallele Reihe aus der Gruppe der R. corüfolia
Fries, R. frutetorum Besser und R. Leopoliensis Blocki entdeckt
wäre. Dass die echte Rosa frutetorum Besser nicht die Pflanze ist,
welche viele sogenannte „Rhodologen* als „R. frutetorum“ bezeich-
nen, wird eine Arbeit von mir, die bald erscheinen dürfte, nach-
weisen. R. uncinella f. eiliata Borbäs ist gewiss von R. uncinella
Besser f. typica verschieden, sonst hätte mein Freund, Prof. Borbäs,
es gewiss nicht für nöthig befunden, die Bezeichnung „f. ciliata“
beizusetzen, ob man nun erstere Rose als Art, Varietät, Form etc.
bezeichnet, ist durchaus Ansichtssache. Zum Schlusse sei der verdienst-
volle Erforscher der Flora Galiziens freundlichst darauf aufmerksam ge-
macht, dass unter den von Dr. Woloszczak gesammelten Thymus
angustifolius Pers. aus der Gegend von Lemberg sich auch ein
Exemplar des T. Serpyllum L. befindet, was ihn gewiss interessi-
ren dürfte. 7. Serpyllum befindet sich übrigens noch in dem Herbar
Opiz im böhmischen Museum zu Prag, wo er die Bezeichnung
„T. apricus Opiz“ trägt. Braun.
Wien, am 6. April 4887.
Dr. O. Stapf hat in der letzten Auszabe der Flora exsice.
Austro-Hung. unter Nr. 1480 eine zweiblüthige Varietät von Leu-
cojum vernum L. aus der Marmaros als var. Yagneri neu beschrie-
ben. Dieselbe ist nichts weniger als neu, denn sie wurde als
Leucojum vernum ß. „carpathian spring snow-flake“ schon im Jahre
1818 in Curti’s botan. Magaz. tab. 1993 abgebildet und von Her-
bert in seinem Werke „Amaryllidaceae* p. 331 als Erixosma ver-
num Var. carpathieum im Jahre 1837 beschrieben. Auch in einem
dritten Hauptwerke für Amaryllideen, nämlich in Kunth’s Enum.
plant., V. p. 474 wurde dieser aus den Karpathen zuerst bekannt
gewordenen Varietät Erwähnung gethan. Sie hat daher nach der in
den „Schedis“ angewendeten Nomenclatur den Namen carpaticum
Herbert zu tragen. Dr. G. Beck.
Reichraming (Oberösterreich), am 20. März 1887.
Bei der Durchsicht und Einreihung meiner vorjährigen Pflan-
zenausbeute fanden sich einige Pflanzen vor, deren Constatirung für
185
hiesige Gegend auch weitere Kreise interessiren dürfte. Es sind fol-
gende: Chrysanthemum foliosum Willkomm pro var. Chr. Leucan-
themum in „Führer in das Reich der Pflanzen“ II. Aufl. pag. 385.
Diese nach Willkomm bisher nur aus der preussischen Rheinpro-
vinz bekannte Pflanze sammelte ich in nur wenigen, aber sehr typi-
schen Exemplaren an Ackerrainen und Schutthaufen in der Nähe
von Reichraming. — Seneecio lyratus Koch non Rehb. In Oberöster-
reich sehr selten. Ich sammelte die Pflanze auf einer Waldwiese
auf den „Brunnthalermauern“ bei Reichraming ebenfalls in geringer
Anzahl, hoffe aber, heuer eine grössere Anzahl zu erlangen. — Ra-
nunculus anemomoides Zahlbr. Gemein auf begrasten, oft kaum zu-
gänglichen Felswänden längs des „Grossen Weissenbaches“ bei Reich-
raming, an dessen sehr selten betretenen Ufern Gentiana Clusii
Perr. et Song., Daphne Oneorum, Dryas und andere alpine Ge-
wächse in grosser Menge blühen. An Potentilla-Arten ist die hiesige
Gegend sehr arm. Laut gütiger Revision durch Herrn Prof. Alb.
Zimmeter wachsen hier folgende: Potentilla erecta (L.), P. stric-
tissima Zimmet. Diese ziemlich häufig im Walde bei Weissenbach.
Pot. reptans L., P. mierophylla Tratt., P. glandulifera KraSan. In
hiesiger Gegend das zuerst blühende und gemeinste Fingerkraut.
P. opaca L. scheint bis in die Gebirgsthäler nicht zu dringen und
von der P. glandulifera vertreten zu werden. P. longifolia Borb.,
P. turicinensis Siegfr. An der Strasse von Reichraming nach Losen-
stein in nur wenigen Stöcken. P. caulescens L. Allenthalben auf
Felsen, selbst in einigen Stöcken neben der Messingfabrik. P. ste-
rilis (L.). An Waldrändern sehr zerstreut. Erwähnen möchte ich
noch, dass ich im August v. J. auf dem „Hochschwab“* in Ober-
steiermark die Potentilla strieticaulis Gremli gefunden habe.
Hans Steininger.
Brünn, am 6. April 41887.
Am 3. April d. J. fand ich am Hädyberg-Abhange in der
Richtung gegen Obran zwei Exemplare abnorm entwickelter Schnee-
glöckchen (Galanthus nivalis L.). Die erste Pflanze trug vier äussere,
drei innere Perigonblätter und sieben Staubgefässe; die zweite nur
zwei. äussere, zwei innere und vier! Staubgefässe. Diess als An-
schluss an einen früheren Artikel „Ueber die Bildungsabweichungen
am Schneeglöckchen“ der Zeitschr. 1885 pag. 345, als ein weiterer
Beweis von der grossen Veränderlichkeit dieser Frühlingspflanze.
Dr.- Formänek.
Budapest, am 12. April 1887,
Freund Btocki scheint zweierlei Rosa leopoliensis zu besitzen.
Eine davon, ohne subfoliare Drüsen, vertheilt er unter die Rhodo-
logen, eine andere aber behält er in Reserve. Da er seine Novitäten
häufig nur als blosse Namen publicirt, so ist es ihm leicht, wenn
die Novität seiner Exemplare bezweifelt» und zu einer älteren Art
Oesterr. botan. Zeitschrift, 5. Heft 1887, 15
186
gezogen wird, die Reserveexemplare als wahre R. leopoliensis mit
subfoliaren Drüsen zu vertheidigen. Ich muss aber meinen Freund
Btocki fragen, warum sendet er mir und Herrn Braun, die wir
uns etwas näher für die Rhodologie interessiren, die R. frutetorum
Bess. ohne subfoliare Drüsen als Z. leopoliensis? — Wir müssen
doch ein aus der Hand eines lebenden Botanikers rührendes Exem-
plar, welches noch unbeschrieben ist, als wahr betrachten. Im Gegen-
theile kann Niemand dieses Verfahren BYocki’s billigen, sowie auch
das, dass er in Oest. Bot. Zeitschr. 1883 p. 273—74, also fast auf
derselben Seite eines Heftes ein Hieracium zwei Herren dedicirt.
Wohin kommen wir so in der Systematik? — Rosa brachypoda
Desegl. et Rip. brachte L. Richter von Mäd mit. An einem Exem-
plare war der untere Drittheil der Hagebutte mit einander ver-
wachsen, während die oberen und grösseren Theile, also auch die
Blüthen, ganz frei waren. An der Verwachsungsstelle bindet ein
dünnes Gewebe die Zwillinge zusammen. Solche und verschiedene
Verwachsungen sind an den Rosenfrüchten nicht nr -
v. Borbäs.
— in
Personalnotizen.
— (. Jetter hat eine mehrwöchentliche Excursion nach Dal-
matien unternommen.
— Dr. J. J. Kichx, Professor der Botanik und Director des
botanischen Gartens an der Universität in Gent, ist am 27. März,
45 Jahre alt, gestorben.
— Dr.D.F. Didrichsen, Professor der Botanik an der Uni-
versität Kopenhagen, ist am 19. März, 73 Jahre alt, gestorben.
Vereine, Anstalten, Unternehmungen.
— Die am 6. April stattgefundene 36. Jahres-Versammlung
der k. k. zoolog.-botanischen Gesellschaft in Wien erhielt
einen besonders festlichen Charakter. Es handelte sich nämlich zu-
gleich um zwei in diese Epoche fallende fünfundzwanzigjährige Jubi-
läen, nämlich jenes des Protectorates: Sr. kaiserl. Hoheit des Herrn
Erzherzogs Rainer und das der Präsidentschaft: Sr. Durchlaucht
Fürsten Josef Colloredo-Mannsfeld, zu feiern. Zu diesem Zwecke
hielt der Vice-Präsident, Herr Hofrath Brunner von Wattenwyl
eine des Anlasses würdige Festrede, in welcher der Verdienste der
hohen Jubilare um das Gedeihen der Gesellschaft in warmen Dankes-
worten gedacht wurde. Hieran knüpfte der genannte Vorsitzende
eine Rückschau auf das erfreuliche Wirken beider Zweige des Ver-
187
eines im abgelaufenen Vierteljahrhundert, und überging schliesslich
zur Kundgebung seiner Anschauungen über die am meisten frucht-
bringende Methode um die Ergebnisse fernerer Forschungen zur
Geltung zu bringen, und zwar durch Bearbeitung von Special-Mono-
graphien. Von hohem Interesse war sodann des Hofrath Prof. Ritter
v. Kerner längerer Vortrag, betreffend das Phänomen der Explo-
sion der Antheren bei dielirischen Pflanzen behufs Uebertragung
des Pollen auf die Narben durch Luftströmungen, sowie überhaupt
die Vorgänge, die bei diesem Acte beobachtet wurden. Der Vortra-
gende führte zu seinen Ausführungen entsprechende Belege, nament-
lich aus dem Leben der Urticaceen (Browssonetia und Pilea) an,
und schloss mit der Aufzählung und zugleich eingehenden Erklärung
der Haupttypen, nach denen die Mechanismen, — welche die Natur
den Pflanzen zur Uebertragung des Blüthenstaubes und andererseits
zum Schutze des letzteren gegen ungünstige Einflüsse der Atmosphä-
rilien gegeben —, sich gruppiren lassen. Als Repräsentanten dieser
Typen wurden bezeichnet: die Grasblüthe, die Coniferen, Cupuliferen;
Potamogeton-Arten; Schizanthus; einige Papilionaceen (Sarothamnus
und Spartium) und COrueianella stylosa. Moritz Prihoda.
— Die I. Internationale Gartenbau-Ausstellung in
Dresden, bei welcher zahlreiche Preise zur Vertheilung gelangen,
wird am 7. Mai feierlich eröffnet und dauert bis zum 15. d.M. Am
9. und 10. Mai finden Versammlungen des Vereins deutscher Rosen-
freunde statt, und am 12. Mai halten die Coniferen-Züchter und
Kenner eine Sitzung behufs Feststellung einer einheitlichen Benen-
nung der Nadelhölzer ab.
Botanischer Tauschverein in Wien.
Sendungen sind eingelangt: Von Herrn Aust mit Pflanzen aus
Niederösterreich und Salzburg. — Von Herrn Pastor mit Pflanzen
aus Böhmen.
Sendungen sind abgegangen an Fräulein Boresch und die
Herren: Stelzer, Frank, Keller, Ullepitsch.
Vorräthig: (B.) = Böhmen, (Bd.) = Baden, (Br.) = Berlin,
ar — Frankreich, a — Harz, (I.) = Istrien, (Kt.) = Kämten,
M.) = Mähren, (NOe.) = Niederösterreich, (O0e.) —= Oberöster-
reich, (P.) = Polen, (S.) = Salzburg, (Sl.) = Schlesien, (St.) =
Steiermark, (T.) — Tirol, (Th.) = Thüringen, (U.) = Ungarn, (W.)
= Westfalen.
Laserpitium prutenieum (P.), Lathyrus Aphaca (l., St.), mon-
tanus (B.), mont. var. tenuifolius (Br.), Nissolia (Bd.), palustris (U.,
Hessen), pratensis (OOe., St.), silvestris (U., Holstein), tuberosus (F.,
W.), atera thuringiaca (NOe., U.), Ledum palustre Br, 2);
188
Leersia orizoides (Mecklenburg), Lemna arrhiza (Br.), gibba (Br.,
W.), minor (U.), polyrrhiza (U., W.), trisulea (Br., Sl., U.), Leon-
todon hastilis (Sl.), incanus (NOe., OOe.), Lepidium campestre (Br.),
Draba (H., NOe.), ruderale (M., T.), sativum (S1.), Smithü (F.),
Lepigonum marinum (W.), Leueojum vernum (M., NOe.), Libanotis
montana (NOe., P.), Lilium bulbiferum (O0e.), Jankae (Siebenbür-
gen), Martagon m... Limosella aquatica (O0e., S1.), Linaria al-
pina (Kt., 00e., ‚ T.), Oymbalaria (S1.), Elatine (Sl, U., W.),
minor (OOe., S1.), Fe ia (OOe., Sl.), stenotricha (F.), vulgaris (008,
U.), Linnaea borealis (Br., H.). Linum catharticum (M., NOe., U.),
flavum (NOe., St., U.), gallicum (I.), glabrescens (U.), humile (NOe.),
tenuifolium (Kt., NOe., OOe., U.), Tommasinii (I.), viscosum (O0e.,
St.), Listera cordata (008,, T.), Lithospermum oficinale (Br.), pur-
pureo-coeruleum (Th., U.), Litorella lacustris (W.), Lolium arvense
{P.), italicum (O0e.), linicolum 2 ), speciosum (U.), temulentum (P.,
U.), Lonicera alpigena (NOe., O0e.), nigra (B., U.), ‚Periclymenum
(Br.), Lotus cornieulatus (NOe,, "u tenuifolius (U.), Lumaria redi-
viva (Kt., NOe.), Zuzula albida (NOe., OOe., U.), flavescens ($8.),
Forsteri (I., Rheinprov.), maxima (Bd., T.), multiflora (B., SL., P.),
pilosa (OVe., U.), Lychnis Viscaria (St., Bayern), Lycopus ewaltatus
(U.), Lysimachia Linum stellatum (1.), nemorum (Br., Th.), Num-
mularia (U.), punctata (OOe., Th., U.), thyrsiflora (M., NOe., S.),
vulgaris (O0e., U.), Lythrum bibr "acteatum (U.), Salicaria (NOe.,
U.), virgatum (NOe., U.), Majanthemum bifolium (NOe., P., U.),
Malachium aquaticum (S1.), Malawis paludosa (Br.), Malva Alcea
(M., Sl.), moschata (Bd.), silvestris (P.), Marrubium peregrinum
(U.).
Obige Arten können nach beliebiger Auswahl im Tausche
oder käuflich die Centurie zu 6 fl. (12 R. Mark) abgegeben werden.
Inserat.
Die fünfte durchgesehene und ergänzte Auflage des
Botanischen Excursionsbuches
für die dentsch-Österreichischen Länder und das angrenzende Gebiet
von
Dr. W. Lorinser, k. k. Sanitätsrath und Direstor des k. k, Kinn dee
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Umfang 36 Bogen Klein-Octav, geh. Preis 3 fl. in Leinwandband 3 fl. 60 kr.
ist in allen Buchhandlungen zu haben.
Ze Verlag von Carl Gerold’s Sohn in Wien. ag
Redacteur und Herausgeber Dr. Alexander Skofitz. — Verlag von C. Gerold’s Sohn.
€. Ueberreuter'sche Buchdruckerei (M. Salzer) in Wien. Lee
Oesterreichische
Botanische Zeitschrift,
Die österreichische Exemplare
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erscheint zogen werden sollen, sind
den Ersten jeden Monats. £ blos bei der Redaction
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15 kr. öst. W. > o Buchhandlungen.
N —
XXXVII. Jahrgang. WIEN. Juni 1887.
INHALT. Galium polonicum. Von Blocki. — Symbiose. Von Tomaschek. — Utrieularia brewi-
cornis. Von Dr. Celakovsky. — Quercus Csatöi. Von Dr. Borbäs, — Hieracien. Von Schnei-
der. — Rubus-Formen. Von Dr Formänek.— Flächendrüsigkeit. Von Keller. — Flora des
Etna. Von Strobl. -—- Literaturberichte. — Correspondenz. Von Burgerstein, Schilberszky,
Blocki, Formänek, Woloszezak. — Personalnotizen. — Vereine, Anstalten, Unterneh-
mungen. — Botanischer Tauschverein. — Inserat.
Galium polonicum n. sp.
Von Br. Blocki.
Diagnose: Wurzelstock kriechende Ausläufer treibend. Stengel
an der Basis geknickt, sonst ziemlich steif aufrecht, 0'6 bis 1 M.
hoch, deutlich (besonders oberseits) vierkantig, glänzend. Blätter quirlig,
zu 8 in jedem (Quirl, lanzettlich bis lineallanzettlich, in der Mitte
oder im oberen Drittel am breitesten (2—3 mm. breit) und von da
gleichmässig und allmälig in eine Spitze vorgezogen, 03 M. lang,
beiderseits glänzend, oberseits dunkel-, unterseits blassgrün, an
den Rändern mit kleinen, vorwärts gerichteten Zäckchen besetzt. Die
Inflorescenz sehr reichblüthig, im Umrisse eilänglich nach oben
zu allmälig verschmälert, deren Aeste unter einem Winkel von 50
bis 45° aufrecht abstehend. Die Blüthenstiele zweiter Ordnung (eigent-
liche Blüthenstiele) 4—5 mm. lang, dünn (jedoch nicht haardünn
wie bei @. capillipes Rehbeh. oder bei @. pseudoaristatum Schur),
während und nach der Anthese unter dem Winkel 45° aufrecht
abstehend. Die Krone flach ausgebreitet, 2 mm. im Durchmesser,
die Zipfel derselben eiförmig zugespitzt. Reife Früchte 1'/, mm. im
Durchmesser messend, schwarzbraun, an der Fläche schwach gerun-
zelt. (Synon.: G. aristatum auct. galie., non L., &. asperuliflorum
mihi olim, non Borbäs.)
Standort: Lichte Gebüsche in Ostgalizien an zahlreichen Orten,
auf Kalkboden. Bisher habe ich diese Art an folgenden Orten beob-
achtet: Jaryna bei Janöw (der westlichste Standort), Dubienko bei
Monasterzyska, Okno und Kaczandwka bei Grzymalöw, endlich Bileze
16
Oesterr. botan. Zeitschrift. 6. Heft. 1897. >
190
und Cygany in Südostgalizien; an allen genannten Standorten ziem-
lich «zahlreich.
Bemerkungen: Von den systematisch nächst verwandten
Arten unterscheidet sich @. polonieum m. folgendermassen: Von
@. mollugo L. durch längere und allmälig zugespitzte, aufrecht
oder fast wagrecht abstehende Blätter, steif aufrechten Stengel,
durch unter einem spitzen Winkel abstehende Aeste der Inflorescenz
und endlich durch dünnere, stets aufrecht abstehende Blüthen-
stielchen. Von @. aristatum L. durch höheren Wuchs, längere In-
ternodien, relativ kürzere, glänzende Blätter, viel reichlicheren
Blüthenstand und etwas dickere Blüthenstielchen. Von @. Schultesii
Vest. durch relativ schmälere und glänzende (niemals bereifte)
Blätter. Von @. pseudoaristatum Schur (@. asperuliflorum Borb.)
durch breitere, glänzende Blätter, viel reichlicheren Blüthenstand,
sowie durch kürzere und dickere Blüthenstielchen. Von @. erectum
auct. austr. endlich durch höheren Wuchs, längere und anders ge-
staltete Blätter, viel breitere Inflorescenz und dünnere Blüthen-
stielchen. Hier sei noch bemerkt, dass ich in Bilcze eine f. pilosa
des @. polonicum m. mit behaarten Stengeln und Blättern in einigen
wenigen Exemplaren unter der Grundform beobachtet habe.
In der Diagnose der Poa polonica m. ist zu berichtigen:
6. Zeile von oben, statt: „3 Mm. lang“, soll es heissen: „3 Mm. breit“,
42. Zeile von unten, statt: „auch hung.“, soll es heissen: „auct. hung.“.
Ueber Symbiose von Bacterien (in Zoogloea-Form) mit
der Alge Gloeocapsa pelydermatica Ktz.
Vorläufige Mittheilung.
Von Prof. Anton Tomaschek.
Im Monate April fand ich in einem halb unterirdisch angeleg-
ten Warmhause (Augarten) in einer Abtheilung desselben, welche
hauptsächlich der Vermehrung gewidmet wird, die Wände stellen-
weise mit einem schleimig-gelatinösen Ueberzug bekleidet; die Farbe
desselben war schmutzig violett oder chocoladebraun, die Consistenz
die des Kleisters und die Höhe der Schichte betrug stellenweise bis
2 Mm. Ins Wasser gebracht, fiel die Masse endlich flockig aus-
einander und senkte sich zu Boden.
Die Bedingungen, unter welchen diese Bildung zu Stande kam,
lassen sich aus der Beschaffenheit des Fundortes ableiten: feuchte
ruhige Luft, hohe Temperatur, wechselnde geringe Beleuchtung för-
derten die Entwickelung. Beachtenswerth ist es ferner, dass die
Hauptplätze dieses Vorkommens sich besonders in der Nähe des
Einganges befanden, was insbesondere mit dem Einströmen von fri-
scher Luft in Zusammenhang gebracht werden muss.
191
Die mikroskopische Untersuchung erwies, dass die gelatinöse
Grundmasse hauptsächlich aus einem Stäbchenbacterium besteht,
welches ich am liebsten mit Bacillus Megatherium vergleichen möchte.')
Jedes dieser meist etwas gekrümmten Stäbchen ist von einem im
Umrisse ovalen glänzend durchsichtigen Hof umgeben. Die gelati-
nöse Beschaffenheit der Gesammtmasse ist somit durch diese eigen-
thümliche Hülle, welche die Breite der Stäbchen hat, bedingt, da
die letztere sammt ihrem Hof sich in allen Richtungen eng aneinan-
der schmiegen. Meist wird diese aus freiliegenden Stäbchenbaeterien
gebildete Grundmasse von einem feinen Geflechte dünner Bacterien-
fäden durchzogen, welche jedoch durch Einwirkung von Jodtinctur
sich in kurze Gliedmassen zerlegen.
In dieser bacteriösen Grundmasse sind nun überall grössere
oder kleinere Inseln von Gloeocapsa polydermatica eingebettet, welche
auch dann in Theilung begriffen zu sein scheinen, wenn stellenweise
die Zellen ihre blaugraue Färbung in eine trübgelbgrüne verändert
haben oder gänzlich farblos geworden sind.?)
Nur an manchen Stellen, insbesondere am Grunde der gelati-
nösen Bacterienmasse oder am Rande derselben häufen sich die
Gloeocapsa-Colonien in solcher Menge an, dass sie die Bacterien
grösstentheils verdrängen. In letzterem Falle behalten die Zellen
der Gloeocapsa ihre ursprüngliche blaugrüne Färbung bei, während
sie, wenn sie am Grunde auftreten oder zerstreut in kleineren Colo-
nien der Zoogloeamasse einlagern, sich verfärben oder verblassen.
Kleinere Colonien der Alge sind übrigens überall in der Zoogloea
gleichmässig vertheilt und jede noch so kleine Partie der letzteren
unter das Mikroskop gebracht, wird einzelne kleinere Algencolonien
aufweisen. Es muss hier auch noch Erwähnung finden, «dass hie und
da mitten aus der Zoogloeamasse einzelne Moospflänzchen frei her-
vortreten und daher auch hie und da in der schleimigen Masse
Moosprotonemata oder sogar Farren-Prothalien sich vorfinden.
Diese Association der Zoogloea mit den Algen, welche an die
Vereinigung der flechtenbildenden Pilze mit Algen, beziehungsweise
an die Collemaceen erinnern, ist offenbar keine zufällige blosse
Wohnungsgemeinschaft. Dieses Zusammenleben ist vielmehr hervor-
gerufen durch das Sauerstoffbedürfniss des Baecteriums. Zu dieser
Anschauung werde ich hingedrängt, wenn ich erwäge, was Engel-
mann (Bot. Ztg. 1884, pag. 441) rücksichtlich des Verhältnisses
ärobiontischer Bacterien erwiesen hat.°)
") Vergl. Morphologie und Biologie der Pilze von A. De Bary, pag. 500.
?) Es ist auch nach Frank bei Lecanora pallida und anderen Flech-
ten bekannt, dass die flechtenbewohnenden Algen, ohne anscheinend dabei ab-
zusterben, den Chlorophyligehalt grüsstentheils oder ganz verlieren, De Bary,
N 431. Gloeocapsa kommt als Gonidie in der Flechte Synalissa symphorea
vor.
», Vergl. auch Pfeffer. Verh. d. deutschen bot. Gesellschaft I. J. G.
531. R
16*
Pag-
192
Engelmann hat experimental die Annäherung gewisser Bac-
terien, das Hinbewegen derselben gegen Sauerstoff im Lichte aus-
scheidender Algen beobachtet. Der von mir oben geschilderte Befund
zeigt nun, dass diese auf das Sauerstoffbedürfniss mancher Baecterien
gegründete Beziehung derselben zu Algen auch in der Natur zum
Ausdruck kommt, wenn sich Bacterien mit Algen associeren. Dass
sich also sauerstoffbedürftige Bacterien gewissen Algen nähern und
mit denselben in Gemeinschaft zu günstiger Entwickelung gelangen.
Da anderseits die Alge nicht abstirbt, sondern im Bacterienlager
weiter wächst, so ist hier ein ähnliches Verhältniss anzunehmen, wie
es zwischen Algen und flechtenbildenden Pilzen besteht. Die Alge
wird von der Bacterie nicht parasitisch überfallen, sondern es besteht
vielmehr zwischen beiden Organismen ein Mutualismus, welcher die
günstige Entwickelung beider Organismen gestattet.
Da ich eine grössere Menge von diesem beachtungswerthen
Gebilde theils getrocknet, theils in Alkohol aufbewahrte, bin ich
gerne bereit, Forschern, welche weitere Untersuchungen vornehmen
wollen, Proben davon auf Verlangen mitzutheilen.
Brünn, im April 1887.
——
Nochmals Utriewlaria brevicornis.
Von L. Celakovsky.
(Schluss.)
Prof. Ascherson war so gütig, mir die Originalbeschreibung
Brückner’s aus dem mir nicht zur Verfügung stehenden obeitirten
Werke zu excerpiren, welche ziemlich kurz also lautet:
„ Ütrieularia macroptera &. Brückn. Grabow im weissen Moor
(Schm.) Ludwigshut bei der Kreuzbrücke? (Betcke). U. nectario
obtuso, labio superiori integro, palato duplo longiori, foliis tripartito-
dichotomis, laciniis lineari-capillaribus, aequilongis, verrucoso-sca-
briuseulis, subampulliferis. Fl. dan. tab. 128 teste Deth. in litt. —
Differt ab U. intermedia: floribus dimidio fere minoribus et necta-
rio obtuso, — ab U. minore: labio superiore palato duplo vel triplo
longiore et foliorum laciniis lineari-capillaribus subaequilongis nec
en planis, pinnatifidis, pinnis alternis, brevibus, apice bifidis,
acutıs.“
Wenn wir zunächst die Diagnose ohne Rücksicht auf das ohne-
hin keine sichere Auskunft gebende Herbar des Autors ins Auge
fassen, so erhalten wir den Eindruck, dass es sich um eine zunächst
mit U, intermedia verwandte Art handelt, die von U. minor durch
mehrere deutliche Merkmale getrennt wird. Unter diesen ist zu-
nächst die den Gaumen um das doppelte oder dreifache übertreffende
Oberlippe der Corolle (daher wohl auch der Name macroptera), die
allerdings bei T. intermedia und ochroleuca vorkommt, während sie
193
bei U. minor constant nur so lang ist, als der Gaumen. Brückner
hebt diesen Unterschied seiner macroptera noch besonders gegen die
U. minor hervor. Ferner werden die Blattzipfel der U. macroptera
als ziemlich gleichlang, linealfädlich, „warzig-rauh“ beschrieben, da
sie doch bei U. minor am Rande glatt und wimperlos sind. Brück-
ner fand noch einen Unterschied in den Blättern von der U. minor,
deren Lacinien er lineal, fiederspaltig, die Fiedern abwechselnd, kurz,
an der Spitze zweispaltig, spitzig nennt; wogegen er die Lacinien der
dreitheilig-gabelspaltigen Blätter der macroptera als lineal-haarförmig,
ziemlich gleichlang bezeichnet.
Es ist unschwer zu verstehen, was Brückner damit gemeint
hat. Die dichotome Verzweigung der Blätter nimmt nämlich, was
ganz richtig ist, bei U. minor häufig einen mehr monopodialen Cha-
rakter an, indem die Zweige ungleich werden, der kräftigere und
längere, mehr verzweigte die frühere Richtung des Hauptabschnittes
fortsetzt, so dass dieser wirklich oft mehr fiederspaltig und seine
Seitenzweige an der Spitze zweispaltig aussehen. Bei U. intermedia
und brewicornis erscheint die Blattverzweigung reiner gabelig, und
so weist denn auch diese Angabe die U. macroptera zur U. inter-
media hin. Ich will nicht sagen, dass dieser Unterschied immer deut-
lich auftritt, aber doch manchmal, und diess genügt, um den Sinn
der Brückner’schen Angabe zu verstehen. Freilich auf die linealen
Abschnitte bei U. minor und die lineal-haarförmigen bei macroptera
ist nichts zu geben; die Breite und Länge der Zipfel ist auch bei
U. minor sehr veränderlich, und meist sind sie bei ihr schmäler als
bei U. brevicornis oder gar intermedia.
Die Angaben Brückner’s, eines Beobachters von seltenem
Scharfblick und Gewissenhaftigkeit, wie ihn Ascherson nennt, über
U, macroptera lassen sich entschieden nicht mit der U. minor ver-
einigen. Ascherson, von der Hypothese ausgehend, dass die er-
wähnte U. minor mit zum Theile schlauchlosen Blättern im Herbare
Brückner's die fragliche U. macroptera sei, sucht zwar diese Dis-
erepanz, namentlich in Betreff der Blüthen, aufzuklären, indem er
sagt: „Wahrscheinlich suchte Brückner nun auch in der Blüthe
Unterschiede von U. minor und glaubte dieselben, da er wohl U.
minor von anderen Standorten nicht frisch zur Verfügung hatte, in
dem Verhältniss der Oberlippe zum Gaumen zu finden, obwohl diese
Theile durchaus nicht von der normalen U. minor abweichen.* —
Aber eben darum ist die so versuchte Erklärung nicht überzeugend.
Wenn auch Brückner die U. minor von anderen Standorten nicht
frisch vor sich gehabt hätte, so konnte er doch aus jedem beschrei-
benden Werke wissen, dass U. minor die Oberlippe mit dem Gau-
men gleich lang (und die intermedia doppelt länger) besitzt. Diess
hat schon Hayne 1800 hervorgehoben, und schon die älteren Flo-
risten nahmen Notiz davon, z. B. Pohl im Tent. Fl. bohem. 1809,
dann Koch ı« s. w. Die 2—3mal längere Oberlippe bleibt mithin
bei der Identification der U, macroptera mit minor als Stein des
194
Anstosses bestehen; die muss zumal ein so gerühmter Beobachter
gesehen und nicht nur zu sehen geglaubt haben.
Der Ausdruck laciniis verrucoso-scabriusculis ist ferner zwar
keiner besonders glücklichen Terminologie entlehnt, es kann damit
aber offenbar nur die feine Bewimperung, bei der ihm die kurzen
Zähnchen gleichwie Wärzchen erschienen, gemeint sein. Wenn
Ascherson sagt, dass die Blattzipfel jener U. minor, in der er die
U. macroptera vermuthete, keineswegs verrucoso-scabriuseula, son-
dern so glatt als bei minor sind, nur hier und da durch anhängen-
den Algenschmutz etwas höckerig, — so bezeugt er eben etwas
seiner eigenen Hypothese Ungünstiges; denn es ist doch einem
scharfblickenden Beobachter nicht zuzumuthen, dass er anhängenden
Algenschmutz für integrirende Theile des Blattes, resp. Blattrandes
gehalten hätte.
Daraus, dass weder die Oberlippe, noch die Blätter bei der
hypothetischen U. minor-macroptera so sind, wie sie Brückner für
seine macroptera zum Unterschiede von minor angibt, muss im
Gegentheil geschlossen werden, dass also jene U. minor nicht die
Brückner’sche U. macroptera sein könne. Darum scheint mir, dass
Ascherson die diagnostischen Angaben Brückner’s zu wenig
berücksichtigt und den immerhin unsicheren Indicien des Herbar-
befundes und dergl. zu sehr nachgesetzt hat. Er spricht nur von
den zum Theile schlauchlosen Blättern der als macroptera suppo-
nirten U. minor des Herbars, wobei er sich an das Merkmal foliis
subampulliferis hält, welches Brückner nicht besonders betont hat,
und welches einen anderen Sinn haben kann und wohl auch haben
wird, als ihm Ascherson zuschrieb. Ich meine nämlich, es sollte
damit gesagt sein, dass die vegetativen Blätter der U. maeroptera
hie und da, doch nicht reichlich, Schläuche bilden, im Gegensatze
nicht zur minor, sondern zur intermedia, deren vegetative Blätter
ohne Schläuche sind. Diese Auffassung scheint mir die richtige zu
sein, nachdem auch die anderen Merkmale Brückner’s (Öberlippe
und Blattzipfel) nicht auf U. minor, sondern auf U. intermedia oder
eine dieser nächstverwandte Art hinweisen, welche eben nur die für
Mitteleuropa neu nachgewiesene U. ochroleuca sein kann. Für diese
sprechen denn ausser den foliis subampulliferis (nach meiner Deu-
tung) auch die beinahe doppelt kleineren Blüthen als bei UT. inter-
media und wohl auch der „stumpfe“ Sporn, durch den sich die D.
macroptera von der U. intermedia, welcher damit stillschweigend
ein spitziger Sporn beigelegt wird, unterscheiden soll. Zwar ist mit
der Phrase calcare obtuso die Länge uud Gestalt des Sporns der T.
ochroleuca nicht deutlich bezeichnet, allein wir haben gesehen, dass
auch Hartman den Sporn der U. ochroleuca stumpf nennt, ent-
gegen dem „pfriemlichen* Sporn der U. intermedia.
Detharding hat (nach Beteke’s Mittheilung an Ascherson)
in seinem Conspectus die U. macroptera Brückner sogar nur als U.
intermedia aufgeführt. Das erscheint begreiflich, wenn er die D.
ochroleuca von Brückner erhalten hatte; wie hätte er aber eine U.
195
minor so falsch bestimmen können? „Später scheint er diese An-
sicht indessen geändert zu haben, sagt Ascherson, indem er sie
mit der Fig. auf Taf. 128 Fl. dan. (die nach Ascherson eine Ü.
minor darstellt) identificirte.“ Auch diess würde nur dafür sprechen,
dass es sich bei der U. macroptera um eine in ihren Merkmalen
und im Habitus zwischen UT. intermedia und minor stehende Art
handelt, als welche in der That die U. ochroleuca sich darstellt.
Es ist zu bedauern, dass Brückner’s Herbar, trotz der wieder-
holten Bemühungen Prof. Ascherson's, wie mir dieser schrieb, nicht
mehr aufzutreiben ist, vielleicht würde es von dem neu eröffneten
Gesichtspunkte aus neue Anhaltspunkte darbieten. Vielleicht befan-
den sich unter der U. minor oder U. intermedia dieses Herbars Exem-
plare oder Frasmente der U. brevicornis, welche Freund Ascherson
vor 25 Jahren übersehen oder missdeutet hat. Es wäre möglich, dass
die „U. intermedia“ des Brückner’schen Herbars, die mit dem von
Ascherson für U. macroptera angesprochenen Exemplar der U. mi-
nor in demselben Herbarbogen lag, eben die U. ochroleuca war
(welche damals Ascherson in praxi von der U. intermedia noch
nicht unterschied), und dass somit diese und nicht die dabeiliegende
U. minor von Brückner unter seiner macroptera gemeint war.
Freilich soll an dem von Brückner angezeigten Standorte, in
dem weissen Moor bei Grabow, von Schreiber und von Betcke
nur U. minor gefunden worden sein. Ist aber dieses negative Zeug-
niss hier, wo es sich um eine so kritische, theils mit U. intermedia,
theils, wie es scheint, auch mit U. minor verwechselte Art handelt,
wirklich beweisend? Ich bezweifle es. Die U. brewicornis wächst
nicht selten mit U. minor zusammen, anderwärts wieder mit U.
intermedia (in der Lausitz nach Fiek’s Mittheilung auch mit beiden).
Es wäre somit möglich, dass auch im Weissen Moor neben U. minor
die U. ochroleuca vorkommt oder vorkam, vielleicht seltener als mi-
nor, und daher vielleicht nur von dem „scharfsichtigen* Brückner,
nicht aber von den anderen Genannten als besondere Form wahrge-
nommen und unterschieden wurde. ')
Jedenfalls wäre es wünschenswerth, dass die mecklenburgischen
Botaniker dem Weissen Moore bei Grabow erneute Aufmerksamkeit
- zuwenden möchten, ob sich dort nicht die U. ochroleuca constatiren
liesse. Freilich müsste die Untersuchung des Moores eventuell mit
besonderer Vorsicht und Ausdauer stattfinden, da es bekannt ist,
dass die Utrieularien an manchen Standorten nur selten blühen. So
2. B. habe ich die U. neglecta in einem durch 12 Jahre alljährlich
besuchten Teichsumpfe bei Chudenitz nur in einem Jahre und zwar
reichlich blühend angetroffen, in anderen öfter nicht einmal die ste-
rilen Stengel auffinden können. Man dürfte sich also durch ein ein-
’) Wenn Ascherson’s Vermuthung richtig ist, dass jene mehrmals er-
wähnte I. minor des Brückner’schen Herbars aus dem Weissen Moor stammte,
- #0 dürfte wohl die im selben Bogen mit ihr zusammenliegende „U. intermedia“
(vielleicht — ochroleuca) auch dort gesammelt sein.
id
L
196
maliges negatives Ercebniss eventuell nicht abschrecken und nicht
gleich zu einem verneinenden Urtheile verleiten lassen.
Das Resultat unserer Betrachtung ist somit:
Utricularia macroptera &. Brückner aus dem Weissen Moor
bei Grabow ist den vom Autor angegebenen unzweideutigen Merk-
malen nach, also mit einer an Gewissheit grenzenden Wahrschein-
lichkeit dieselbe Art, welche von Hartman U. ochroleuca und von
mir U. brevicornis genannt wurde. Der Brückner’sche Name hat aber
Dt dem ohnehin schlecht bezeichnenden Hartman’schen Namen die
riorität.
—
Ueber Quercus Csatöi Borb.
in „Magyar Növenytani Lapok“ (redigirt von Prof. Dr. Kanitz), X. 1886,
p. 133 — 134.
Von Dr. Vince. v. Borbas.
Diese Eiche, welche ich ]. e. lateinisch beschrieb und als eine
Qu. decipiens Bechst. (eventuell Qu. aurea Wierzb.) x Robur L.
(Qu. pedunculata Ehrh.) deutete, ist der Qu. sessilifora Salisb. ähn-
licher, a Qu. Robore pedunculis brevibus pubescentibus, petiolis magis
elongatis, foliis subtus puberulis et squamarum forma, a Qu. sessili-
‚fora petiolis brevioribus, forma foliorum, peduneulis brevibus diversa.
In die Combination nahm ich Qu. deeipiens oder Qu. aurea statt
Qu. sessiliflora deswegen auf, weil jene Varietäten der Qu. sessiliflora
mit gelben oder gelblichen Blattnerven sind, die Qu. decipiens mit
ziemlich langem Fruchtstiele, die Qu. aurea aber fructibus sessilibus.
Die Blattnerven sind aber bei Qu. Csatoi, welche ich dem be-
kannten unermüdlichen Forscher der siebenbürgischen Flora und Orni-
thologie, J. v. Csatö, königl. Rath und Vicegespan in Nagy-Enyed,
widmete, auch meistens gelblich oder weisslich; während sie bei Qu.
sessiliflora und bei ihrer Varietät Welandii Heuff.!, welehe im Hay-
nald’schen Prachtherbar vorhanden ist, röthlich oder bräunlich sind.
Meine Qu. Ösatoi, aus den Nagy-Enyeder Walde, Bükkös, ist übri-
gens mit der Qu. sessiliflora näher verwandt, so dass ich mit vollem
Rechte diese Combination andeuten musste.
Dass ich in Frage gestellt habe, ob die Qu. decipiens fructu
pedunculato oder die Qu. aurea fr. sessili die eine der Eltern sei,
hat darin seinen Grund, dass eine der beiden Eltern, (wenn wir sie
für wirklich hybrid halten), jedenfalls die stielfrüchtige Qu. Robur
L. a. (Qu. pedunculata Ehrh.) ist, also könnte den ungefähr 1 Cm.
langen Fruchtstiel Qu. Csatoi auch von der letzteren Art geerbt
haben, ohne der Einwirkung der Qu. aurea. Diese sowie auch Qu.
deeipiens sind aber in Siebenbürgen ziemlich verbreitet. Also, eine
der Eltern konnte auch die Qu. decipiens sein, aber in diesem Falle
kann man schwerlich sagen, ob von dieser oder von Qu. Robur die
197
Fruchtstiele der Qu. COsatoi geerbt wurden. Jedenfalls kann man
eine Qu. sessiliflora (inelus. Qu. aurea) X Robur ohne Fruchtstiele
kaum denken.
Meine innigste Ueberzeugung ist es, dass Qu. Ösatoi am näch-
sten zwischen die hier angedeuteten Arten und Varietäten fällt, sei
sie als ein Bastard oder eine Mittelform aufgefasst.
Umsomehr hat mich die in „Erdeszeti Lapok* 1887, p. 37, 41
veröffentlichte Meinung von Simonkai (Simkovies) überrascht,
dass meine Qu. Csatoi eine der Qu. lanuginosa näher bleibende
Qu. lanuginosa x Robur sei. Er beruft sich darauf, dass er die
Exemplare von v. Csatö bekommen hat. Ich kann über diese
fragliche „Qu. lanuginosa > Robur“ nichts sagen; aber es ist sicher,
dass von Qu. Osatoi diejenigen Exemplare die wahren sind, welche
in meinem Herbare liegen und welche ich beschrieb. Herr Simonkai
hat also die Csatö’schen Exemplare entweder falsch aufgefasst,
oder es liegt ihm nicht meine Combination vor, sondern verwech-
selte Exemplare. Ich habe meine Qu. Csatoi wiederholt untersucht,
und finde so grosse Aehnlichkeit zu der Qu. sessiliflora oder zu
jenen Varietäten mit gelblichen Blattnerven, dass die Qu. decipiens
oder Qu. aurea aus der hybriden Combination der Qu. Osatoi über-
haupt nicht ausgeschlossen ist; ja sogar, wenn wir auch die nähere
Verwandtschaft dieser Combination andeuten wollen, so müssen wir
Qu. Osatöi als eine Qu. super-decipiens oder Qu. super-aurea X
Robur bezeichnen!
Ich wollte hier diese Varietäten darum nicht vernachlässigen,
weil sie, obwohl von Qu. sessiliflora nicht bedeutend verschieden,
doch eine grössere Area geographica haben. Sie müssen auch in
Deutschland vorkommen, denn Rolle ') will die Qu. sessiliflora von
Qu. Robur durch die jungen gelblich-grünen Blätter unterscheiden,
welche also eher auf die Qu. decipiens, die zuerst aus Thüringen ?)
beschrieben wurde, oder auf die ungarische Qu. aurea hinweisen.
Dass meine Qu. Osatoi eine „Qu. lanuginosa x Robur“ sei,
trotzdem dass sie der Qu. laguninosa überhaupt unähnlich ist, könnte
man wohl oberflächlich nach der Behaarung der Fruchtstiele und der
Blätter der Qu. Csatoi denken, aber diese können wir auch von Qu.
sessiliflora erklären.
An den Mittelformen der Qu. lanuginosa Lam. (Qu. pubescens
W.)>< Robur, wovon ich eine ganze Reihe besitze, sehe ich, dass
die Nerven länger behaart sind (nervis magis lanuginosis) als das
Parenchym der Blätter. Die Pubescenz der Unterfläche der Blätter
der Qu. Üsatdi ist aber überall gleich kurz, wie jene der typi-
schen Qu. sessiliflora.
Die (u. Czatdi konnte also die gleichförmige subfoliare Pubescenz
auch von Qu. sessiliflora (oder Qu. decipiens oder Qu. aurea) geerbt
*») Verhandl. des botan. Vereines für Brandenb. 1877, p. 162, (Sitzungber.)
®; Vergl. meine Abhandl. über die Bechstein’schen Eichen in „Deutsche
Botan. Monatsschrift*, redig. von Leimbach. 1886, p. 116.
198
haben. Man schreibt zwar gewöhnlich, dass die Blätter der Qu. sessi-
liflora kahl sind, aber Irmisch ') hat schon richtig erklärt, dass diese
Blätter nur scheinlich kahl sind. In der That wird die Unterfläche
der Blätter durch kurze Sternhaare bedeckt, doch sind diese so
klein, dass sie mit freiem Auge kaum oder gar nicht sichtbar sind.
In dieser richtigen Erklärung Irmisch’ kann ich nach Unter-
suchung von zahlreichen Qu. sessiliflora und Qu. lanuginosa hinzu-
fügen, dass diese kurzen Sternhaare viel beständiger sind, als die
Lanugo der Qu. lanuginosa Lam. Fl. Franc. II., p. 209, 1778. (Qu.
pubescens W. 1805.) — Sie fehlt nach meinen bisherigen Unter-
suchungen nie, weshalb ich die Gruppe der Qu. sessiliflora mit einem
Worte Asterobalanos nenne. Im Gegentheile wie die Blätter in
der Gruppe der Qu. lanuginosa verkahlen, verweise ich auf Qu. tri-
dactyla m. (Qu. pubescens var. glabrata Heuff., nicht Guss.), Qu.
dasyclados m. in Fl. Budapest pro var. Qu. Budensis, 1879, p. 70 =
Qu. glabrescens Kern., non Benth.), sowie auf die Exsiccaten von
Vukotinovits, v. B. auf die Qu. susedana Vuk. — Qu. pinnatifida
Gm! — Ich habe aus der Umgebung von Triest auch ganz kahl-
blätterige Qu. lanuginosa gesehen, wo nur die Glaucedo der Unter-
fläche der Blätter beweist, dass sie nicht zu Asterobalanos gehört.
Eine ganz kahlblätterige Qu. sessilöflora besitze ich aus Ungarn nicht!
Ferner sind die Zweige der Hybriden der @u. lanuginvsa mehr
minder behaart, oder auch ganz dicht filzig. Die Zweige der Qu.
Csatoi sind ganz kahl.
Auch könnte man vielleicht, dass Qu. Csatoi Borb. eine Qu.
super-lanuginosa > Robur sei, daraus glauben, weil die Fruchtstiele
mehr minder behaart sind. Aber trotzdem dass Kerner ?) sagt, dass
die Stiehleiche ganz kahl ist, findet man an ungarischen Exemplaren
dieser Art nicht sogar selten vereinzelte Haare (pilos vagos), ja in
demselben Aufsatze, in welchem ich die Qu. Ösatoi beschrieb, be-
nannte ich und v. Csat6 eine Form der Stieleiche als pubipes Borb.
et Csatö, weil der Fruchtstiel spärlich behaart ist. Aber der
Fruchtstiel ist auch im dem Formenkreise der Asterobalanos
nicht selten behaart, wie bei Qu. sessiliflora var. Welandii Heufl.!,
var. Szovitsi D. 0. ete., und so kann auch der Fruchtstiel der zu
Asterobalanos gehörigen Qu. Csatoi ohne Zuthun der Qu. lanu-
ginosa behaart sein.
Nach meiner Ansicht muss man also aus der Combination der
Qu. Osatdi die Qu. lanuginosa ohne Zweifel ausschliessen. — Bisher
hat man Qu. Badensis Borb. 1879. (Qu. ambigua Kit. non alior.)
für Qu. lanuginosa = Robur gehalten, dann habe ich voriges Jahr
bei Monor eine Qu. sublanuginosa in „Amagy homok-pusztak növe-
nyviläga* p. 55 ?) (non Schur, also Qu. semilanuginosa) notirt. —
Qu. pedunculata var. pilosa! möchte ich nicht dafür halten.
'‘) Botan. Ztg. 1847. p. 577 ete.
®) Oest. „B. Z.* 1876, p. 189.
®) Oest. „B. Z.“ 1886, p. 425.
199
Ich babe schon einmal in Magy. Növ. Lap. 1883 gesagt, dass
wenn auch die abweichenden Ansichten von Simonkai öfters keine
alleemeine Giltigkeit erreichen können, wie es bei /nula hybrida
Baumg. geschah, so ist doch eine abweichende Meinung zur Controlle
unserer Untersuchungen immerhin nützlich.
Endlich bemerke ich, dass es sehr auffallend ist, dass Qu.
pedunculata Ehrh. arbor. Nr. 77 für die Bezeichnung der Qu. Robur
L. a., welche eine sichere Priorität über @u. pedunculata hat, so
häufig anerkannt wird; während @u. sessilis Ehrh. 1. c. Nr. 87 ver-
gessen wurde, obgleich sie in Exs. eher erscheint, als die Qu. ses-
siliflora Salisb. 1796, in Prodr. stirp.... Chapel etec.
nd a ——
Mittheilungen über die Hieracien des Riesengebirges.
Von Gustav Schneider,
Bergverwalter in Schmiedeberg im Riesengebirge').
II.
Im Januarheft dieser Zeitschrift pro 1886 p. 21-25, theilte
ich Einiges über die Zleracia Aurella Sect. Alpina Fr. des Riesen-
gebirges mit. Im Jahre 1886 habe ich die viele dienstfreie Zeit,
welche mir in Folge Zurückgehens des hiesigen Bergbaues verblieb,
auf eingehenderes Studium der westsudetischen Archieracia verwen-
det. Die dabei gemachten Beobachtungen veranlassen mich, meine
vorjährigen Mittheilungen mehrfach zu modifieiren und über eine
Gruppe der Alpestria in Kürze zu berichten.
Die in den vorjährigen Mittheilungen versprochene ausführliche
Arbeit hatte ich, was die Archieracia betrifft, grösstentheils schon
druckfertig, als ich mich auf Wunsch des österreichischen Riesen-
gebirgsvereines bewogen fühlte, auch die Piloselloiden zu bearbeiten,
also eine Monographie der westsudetischen Hieracien zu liefern. Der
- oben genannte Verein unterstützt in nachahmenswerther Weise ausser
den bei solchen Vereinen üblichen touristischen Zwecken auch wissen-
- schaftliche Arbeiten, die sein Arbeitsfeld betreffen, in honettester Weise.
- In seinem Vereinsorgan wird also genannte Monographie, wo mög-
| lich von Abbildungen begleitet erscheinen.) Ich füge diessmal in
*) Jetzt in Cannersdorf bei Hirschberg in Pr.-Schlesien.
*) Eine gleiche Unterstützung ist mir in Betreff meiner in den vorjäh-
Tigen Mittkeilungen erwälnten Tatraflora nicht geworden and bleibt dieselbe
daher unedirt, obgleich sie für den reisenden Botaniker die bequemste Anlei-
fung zur Aufsuchung der reichen Pflanzenschätze jenes herrlichen Gebirges
enthält. Es sind in derselben nicht nur alle, in verschiedenen Zeitschriften
zerstreuten botanischen Reiseberichte, sondern auch viele eigene und fremde
Beobachtungen, die nicht publieirt wurden, zusammengetragen, das Unrichtige
und Zweifelhafte kritisirt und berichtigt, worin mich mein nunmehr verstor-
er ee R. v. Uechtritz, mit seinem reichen Wissen redlich unter-
tzt hat, k
200
kurzgefasster Weise eine Charakteristik der von mir innerhalb der
Alpinen unterschiedenen Gruppen, die ich um eine vermehren
musste, bei.
Hieracia Aurella Alpina Fr. der Wostsudeten.
In die Systematik der alpinen Hieracien klare Ordnung zu
bringen, ist unendlich schwierig, schon desshalb, weil es überaus
schwer fällt, zu constatiren, welche Formen schon benannt sind,
resp. welche Namen sie schon von anderen Beobachtern erhalten
haben. So verbreitete Typen haben natürlich neben vielen localen
Modifieationen auch mehr oder weniger gewissen Gebirgen gemeinsame
Formen, deren Entstehungsweise nicht immer genau dieselbe zu sein
braucht. Was davon in einem Gebirge gemein ist, kommt in ande-
ren, viel ausgedehnteren selten vor; manches ist auch wohl sehr
ähnlich, aber nicht identisch und hierin namentlich liegt ein schwer
zu überwindendes Hinderniss. — Unter anderem habe ich erst kürz-
lich viel ostsudetisches Material gesehen, diess brachte mir viele,
mir noch unbekannte Formen zu Gesicht (namentlich aus der Gruppe
H. decipiens Tausch und H. eximum Backh.), welche gleichsam
Zwischenglieder zwischen bei uns ganz distincten Formen vorstellen.
Ich beschränke mich daher im Nachstehenden der Hauptsache nach
auf die westsudetischen Formen, welche ich in den letzten sechs
Sommern fleissig studirt habe.
1. Gruppe: Alpina subfoliosa mihi.
Stengel aufrecht, selten aufsteigend, hin- und hergebogen, zu-
weilen fast schaftartig, ungestreift, dicht und langzottig behaart,
am Obertheile von eraulich- weissen "Sternhaaren (Flocken) dichtfilzig,
mit eingemengten sehr feinen, nur bei starker Vergrösserung erkenn-
baren Drüsenhaaren, nach unten drüsenlos, mit abnehmender, zuletzt
fast verschwindender Flockenbekleidung; einköpfig (sehr selten — bei
H. tubulosum Tsch. -— mebrköpfig, zuweilen mit monströsen Doppel-
köpfen, die meist + ') zusammengewachsen sind), wenig- (1—3,
sehr selten mehr-) blättrig, zuweilen blattlos. — Blätter dünnhäutig,
grasgrün, dicht behaart, in Folge der dichten Behaarung in vivo
grauschimmernd. Grundblätter zur Blüthezeit + zahlreich vorhan-
den; die äusseren rundlich-spatelförmig mit breitgeflügeltem, kurzem
(die Länge der Blattplatte kaum erreichendem) Blattstiel; innere
spatelförmig oder länglich-lanzettlich mit breitgeflügeltem, langem
Blattstiel, in diesen allmälie verschmälert, ganzrandig, gezähnelt,
oder gezähnt, oft mucronat (d. h. mit aufgesetzten Spitzchen), stumpf
oder zugespitzt; stengelständige, wenn vorhanden, lineal-lanzettlich,
seltener den grundständigen ähnlich; das oberste immer, die darunter
stehenden häufig oder auch sämmtliche bracteenförmig. — Kopfhüllen
dicht und langzottig behaart, drüsenlos. Hüllschuppen breitlich bis
') + = plus minus = mehr oder weniger, eine von Nägeli Peter
eingeführte, für die vielgestaltigen Hieracien sehr praktische Bezeichnungs-
weise.
201
breit, äussere abstehend, stumpf, häufig blattartig oder bracteen-
förmig, innere etwas zugespitzt, + angedrückt, sämmtliche schwärz-
liehgrün. Ligularsaum und Zähne mit langen feinen, weissen Seiden-
haaren stark behaart.
1. Hieracium alpinum Auct. plur. L. ex p.
Die in meinen vorjährigen Mittheilungen unterschiedenen, durch
die Gestalt der Köpfe charakterisirten Varietäten sind nach meinen
weiteren Beobachtungen unverändert aufrecht zu erhalten. Sicher
sind es keine Standortsvarietäten, da sie heerdenweise zusammen
vorkommen; speeifisch sind sie aber auch nicht zu trennen und zwar
der nicht all zu selten mit vorkommenden Uebergangsformen wegen.
Ich fand im Jahre 1886 ein Individuum, dessen eine Rosette einen
Genuinum-, die andere einen Melanocephalum-Kopf producirt hatte.
Dagegen können die übrigen, als Varietäten genannten Formen als
solche nicht aufrecht erhalten werden, sie müssen vielmehr als bei
beiden obengenannten Varietäten vorkommende Parallelformen (mit
Ausschluss der Form grande, welche nur bei Varietät 8. vorkommt)
angesehen werden. Demzufolge unterscheide ich nunmehr:
@. var. genuinum Wimm. ex p. — H. alpinum sensu Tau-
schiano.
Köpfe —+ kreiselföürmig (stets gegen die Basis verjüngt), Ligulae
relativ gegen die Hüllschuppen lang, wenig zahlreich, aufgeblüht
eine flache Scheibe darstellend. Blätter fast immer ganzrandig. Da-
bei sind folgende Formen zu unterscheiden:
1. normale, mit grauweisser, schwarzfüssiger Zottenbekleidung, hin-
und hergebogenem Stengel und — wenn vorhanden — lanzettli-
chem unterem Stengelblatt.
2. albovillosum Froel. = H. holosericeum Backh. (als Species) mit
weissseidiger, dunkelfüssiger Bekleidung, ebenfalls hin- und her-
gebogenem Stengel und lanzettlichem Stengelblatt.
3. nigrosetosum wihi; mit in die Bekleidung eingemengten zahlrei-
chen, tiefschwarzen Borstenhaaren, meist schaftartigem, + steif
aufrechtem Stengel, spatelförmigen, zuweilen mit einem oder meh-
reren grossen Zähnen versehenen, in einen langen, geflügelten
Stiel verschmälerten unteren Stengelblättern. (Gleichsam einen
Uebergang zu var. spathulifolium mihi unter den foliosen Alpi-
nen darstellend.)
4. nivale Velenovsky ex p. Verkahlte Form mit hin- und hergebo-
enem Stengel und fast nur auf kurze steife Borsten reducirter
ekleidung.
5. stylosum W. Gr. exp. Form mit verkümmerten Ligulis und da-
her weit hervorragenden Griffeln. Aeusserst selten. Vergl. Be-
merkung über die stylosen Formen weiter unten.
ß. var. melanocephalum Tausch non Wimm. (cujus planta =
decipiens Tausch.)
Köpfe bauchig oder halbkugelig, zuweilen an der Basis durch
die abstehenden Hüllschuppen fast wie gestutzt erscheinend. Ligulae
relativ gegen die Hüllschuppen kürzer als bei var. «., bedeutend zahl-
202
reicher; von aussen nach innen an Länge etwas abnehmend, daher
bei der geöffneten Blüthe einen flachen Trichter darstellend. Im
Vergleiche zu var. «. ist die ganze Pflanze in der Regel robuster,
die Köpfe sind grösser, die Blätter breiter, die Blattplatte gegen
den Stiel + deutlicher abgesondert; Blätter zahlreicher, alle oder
einzelne fast immer + gezälınelt oder gezähnt. Dabei folgende Formen:
1. normale, mit grauweisser, schwarzfüssiger Zotten- und zahlreicher
schwarzer Borstenbekleidung, hin- und hergebogenem, zuweilen
schaftartigem Stengel; in letzterem Falle Uebergänge zur Form
grande darstellend.
2. sericeum mihi. Parallelform zu Nr. 2 bei var. «. (albovillosum
Froel.) mit weissseidiger, dunkelfüssiger Bekleidung.
3. aterrimum m. Parallelform zu Nr. 3 bei var. «. (nigrosetosum
m.) mit derselben Bekleidung, ebensolchen Stengeln und Stengel-
blättern, aber mit melanocephalum-Köpfen.
4. setulosum m. — H. nivale Velen. p. parte majore. Parallelform
zu Nr. 4 bei var. «. mit kurzborstiger Bekleidung.
9. stylosum W. G. ex part. Sehr seltene Form mit verkümmerten
Ligulis und weit hervorragenden Griffeln. Vergl. weiter unten.
6. grande Wimm. (als var.) — Robusteste Form der var. melano-
cephalum mit bis 30 Cm. hohem, schaftartigem oder hin- und
hergebogenem, zuweilen etwas aufsteigendem, 2—4- (ausnahms-
weise bis 7-) blätterigem Stengel, welcher ausser der normalen
Zottenbekleidung, namentlich am Obertheile mit zahlreichen
schwarzen, am Grunde stark verdickten Borstenhaaren besetzt
ist. Köpfe sehr gross (bis 3 Cm. im Durchmesser), denen des
H. calenduliflorum Backh. an Grösse kaum nachstehend (durch
die Form der Hüllschuppen und Blätter aber leicht zu unter-
scheiden). Grundblätter zahlreich, bis 15 Cm. lang, zungenförmig,
länglich-lanzettlich oder spatelförmig, stumpf oder zugespitzt,
gezähnelt oder gezähnt, zuweilen mit einzelnen sehr grossen
Zähnen, seltener ganzrandig. Stengelblätter meist sämmtlich
blattartig, nur das oberste, selten mehrere, bracteenförmig. Hier-
bei als Unterformen :
a. normale mit grauweissem Indument.
ß. sericeum mit weissseidiger Bekleidung.
Zwischen allen vorstehend genannten Formen des H. alpinum
kommen Uebergangs- und Zwischenformen vor, deren Plaeirung oft
recht schwierig wird, namentlich, wenn gleichzeitig ein Uebergang
von var. «. zu ß. damit verbunden ist.
Aus den Ostsudeten sah ich bisher ausser den normalen For-
men der beiden Varietäten (diese auch aus der hohen Tatra) nur
die weissseidigen. Schon Oborny in seiner Flora von Mähren und
Öesterr. Schlesien p. 584 erwähnt, dass die Backhouse’sche Diagnose
zu dessen JH. holosericeum nicht auf die grossköpfigen Exemplare
der Ostsudeten mit bauchigen Hüllen passe. — Aus den Alpen sind
mir nur die normalen Formen der var. genuinum bekannt.
203
Dass die forma grande lediglich gutgenährte Individuen des
normalen melanocephalum Tausch vorstellt, konnte ich am 31. Juli
1886 am Nordfusse des Brunnenberges auf der weissen Wiese beob-
achten. Daselbst standen um die noch deutlich erkennbaren Excre-
mente eines Rindviehes herum vier Individuen der normalen Form
von var. melanocephalum Tausch; mitten aus den, allerdings schon
fast verwesten Excrementen überragte aber ein stattliches Individuum
der forma grande seine weniger gut genährten Geschwister.
Die weissseidigen Formen scheinen, ebenso wie die zotten-
losen, ihre Existenz äusseren Einflüssen zu verdanken.') Die ersteren
fand ich an denselben Plätzen, wo ich sie einmal gefunden, nicht
immer im nächsten Jahre wieder, und in 18386 am Oberrande des Aupa-
kessels an einer mir wohlbekannten Stelle, von der ich seit 1882
alljährlich normale alpinum geholt habe, lauter weissseidige Formen
mit allen möglichen Uebergängen zum Typus. Ebenso unbeständig
treten die verkahlten Formen (7. nivale Velen.) auf. Nur in beiden
Schneegruben sind die weissseidigen Formen alljährlich + zahlreich
und die verkahlten auf dem steinigen Plateau am Öberrande der
grossen Schneegrube in der Regel, aber nicht alljährlich, z. B. nicht
im Jahre 1884, zu finden gewesen. Auffällig ist ausserdem, dass
auch H. tubulosum Tsch. zuweilen + weissseidiges Indument zeigt,
und dass auf dem Standorte des HZ. nivale Velen. auch verkahlte
Formen anderer Alpinen vorkommen.
Die schwarzborstigen Formen nigrosetosum und aterrimum
habe ich bisher nur an feuchten, quelligen, meist mit Moosen be-
wachsenen Stellen, daselbst aber auch ähnlich bekleidete Individuen
von H. tubulosum Tsch. beobachtet.
Vorstehend erwähnte Beobachtungen decken sich mit den Re-
sultaten der Culturversuche im botanischen Garten zu München
(Nägeli und Peter, Monographie der Piloselloiden, p. 35), wo-
nach Länge und Farbe des Induments bei den Hieracien zu den
constanten Merkmalen nicht gehören und von äusseren Einflüssen ab-
hängig sind.
| Unaufgeklärt sind bis jetzt die Ursachen, welche die Stylosität
bei den Hieracien bedingen; ich habe darüber weder irgend etwas
Aufklärendes erfahren, noch ist es mir selbst möglich gewesen, in
dieser Beziehung aufklärende Beobachtungen zu mächen. So viel
steht fest, dass die Stylosität der Blüthen mit abnormen Wachs-
thumsverhältnissen der Hieracien zusammenhängt, denn Abweichun-
gen im Indument und in der Blattsubstanz finden sich immer damit
verbunden. Ich stehe meiner letztjährigen zahlreichen Sammlung von
etwa 500 stylosen Individuen, von denen ich die grössere Hälfte,
namentlich der serotinen, nicht mit Sicherheit zu deuten vermag,
rathlos gegenüber.
') Vergl. die vortrefflichen Beobachtungen des Herrn Prof. Dr. Krasan
in dieser Zeitschrift Nr. 4, 2 und 3.
_
%
204
2. Hier. tubulosum Tausch = H. alpinum hebetatum Wimm.
ex p. gehört der in der Regel wenigblätterigen, dicht und langzottig
behaarten Stengel, grasgrünen, starkbehaarten, grauschimmernden
Blätter, sehr dicht- und langzottigen Kopfhüllen, ungleich gestalte-
ten, oft hlattigen Hüllschuppen und starkbekleideten Ligulae wegen
in die erste Gruppe und nicht zu den foliosen Alpinen, wo ich sie
in der vorjährigen Beschreibung untergebracht hatte.
Als Formen lassen sich unterscheiden:
1. normale.
2. villosissimum Sagorski in sched.
3. subvillosum.
4. stylosum W. Gr. p. parte minore.
In der Cultur — im freien Lande — rollen sich die Ligulae
sehr häufig auf, was in der freien Natur sehr selten vorkommt;
bei meinen Topfculturen habe ich diese Erscheinung noch nicht be-
obachtet.
An dieser Stelle wollte ich noch erwähnen, dass ich unter dem
mir von Herrn Fiek zu Studienzwecken freundlichst geliehenen ost-
sudetischen Material ein ganz normales F. tubulosum Tausch vor-
gefunden habe, welches derselbe Mitte August 1884 am Glatzer
Schneeberge sammelte. Das Vorkommen dieser Species ist also auch
für die Ostsudeten nachgewiesen und wird weiterer Beobachtung
empfohlen.
Von ausserhalb der Sudeten vorkommenden Hieracienspecies
dürften zu den subfoliosen Alpinen noch HM. glanduliferum Hoppe -
und H. piliferum ejd. zu rechnen und zwischen H. alpinum und
tubulosum zu stellen sein. Hätte H. piliferum Hoppe nicht deutlich
glauceseirende Blätter, so würde ich dasselbe für eine den Alpen
eigenthümliche Modification des weissseidig behaarten H. alpinum
halten. Die Kahlheit des Ligularsaumes erscheint mir ebensowenig
für Aufstellung neuer Species massgebend zu sein, wie die Verkürzung
des Induments bei dem Velenovsky'schen nivale. — Naegeli und
Peter (die Hieracien Mitteleuropas, II. Band. Monographie der
Archieracien, 2. Heft, 1886) haben beide genannten Hieracien, welche
Fries zu den villosen Aurellen stellte, bei Bearbeitung der Villosina
bereits ausgelassen, obgleich sie im Text genannt, also als besondere
Formen anerkannt werden.
(Fortsetzung folgt.;
Mährische Rubusformen,
Von Dr. Ed. Formänek.
Im Anschlusse an einen früheren Artikel theile ich im Nach-
folgenden einige neue Standorte mehrerer von dem rühmlichst be-
kannten Batologen H. Sabransky gütigst determinirter und revi-
205
dirter Rubusformen mit, wofür ich ihm meinen Dank auszusprechen
mich verpflichtet fühle.
Rubus suberectus Anderson. Horka bei Cinzendorf, Holzschlag
„u Sadnika“, Kolomaznä pec und Liliovä Hora bei Lultsch, Bradl-
steine bei Deutsch-Liebau, Badegrund und Schlossgarten bei Gross-
Ullersdorf (für Gross-Ullersdorf schon Oborny), Zöptau, Neudorf.
Klein-Mohrau, Perschl und a. OÖ. bei Römerstadt, Irmsdorf.
R. plicatus Weihe et Nees. Horka und Osträ. hora bei Cinzen-
dorf, Kiriteiner Wald und Wald Podsousov bei Ruditz, Wald Rej-
holec nächst Lomnitka, häufig bei Lultsch (Wald bei Klutenice
Wald bei Kolomaznä pec, Wald hinter Mansko in einer f. umbrosa,
Holzschlag „u Sadnika“ ete.), Deutsch-Liebau, Badegrund bei Gross-
Ullersdorf, Philippsthal, Ludwigsthal bei Gross-Ullersdorf, Klein-
Mohrau, Hochwald bei Janowitz, Perschl und a. O. bei Römerstadt
Viehwald bei Bautsch (für Gr.-Ullersdorf schon Oborny).
R. thyrsoideus Wimm. a. thyrsanthus Focke. Wald Rejholec
nächst Lomnitka; b. candicans Whe. et Nees. Schluchten bei Billo-
witz, Adamsthal, Wald Rejholee nächst Lomnitka, häufig bei Lultsch
(Gemeindewald, beim Forsthause, Liliova hora etc.), Bradlsteine bei
Deutsch-Liebau, Wald bei Blauda.
R. villicaulis Köhler. Punkvathal bei Blansko, Voitsdorf.
R. tomentosus Borkh. Schluchten bei Vomitz, Tischnowitz.
R. corylifolius Sm. Wald bei Kohoutowitz, Kozi hora bei Ko-
mein, Bott.
R. caesius L. f. arvalis Rehb. Cacowitz, Hädyberz bei Obr:
Gelber und Rother Berg bei Brünn. f. glandulosus nike, Ryonickı
bei Karthaus. f. aguatilis Whe. et Nees. Wald bei Lautschitz, Po-
hansko bei Lundenburg. f. armata Focke. Rother und Gelber "Berg
bei Brünn.
R. caesius < tomentosus. Schluchten bei Vomitz, Tischnowitz.
Bevor ich zu R. oreogeton übergehe, führe ich an dieser Stelle
eine wichtige Bemerkung über diese Art an, die mir Herr Heinr.
Sabransky brieflich mitzutheilen die Gewogenheit hatte, Herr H.
Sabransky schreibt wörtlich:
„in Oborny’s Fl. v. Mähren und Oesterr. Schles. p. 974 wird
bei R. fossicola Hol. einer Corylifolie mit kurzgestielten Aussen-
blättchen gedacht, von welcher der Herr Verfasser nicht weiss, ob
er sie zu MR. Ebneri Kern. oder zu dem jüngst von Formänek
neuentdeckten R. chlorophyllos Gremli ziehen solle. Da die letztere
Bestimmung von mir (d.i. von Hrn. Sabransky) herrührt, möchte
"ich kurz Folgendes bemerken. Die Herrn Oborny vorliegende Brom-
- beere gehört sicherlich nicht zu meinem mährischen Ze. chlorophyllos
da alle Exemplare des letzteren, die ich gesehen, vollkommen sitzende
- Aussenblättchen besassen. Ich hatte die mährische Brombeere mit
Exemplaren des R. chlorophyllos verglichen, welche Focke in seinem
Öslebshausener Garten aus Gremli’schen Samen gezogen hatte, und
konnte nicht den geringsten Unterschied auffinden. Inzwischen aber
hatte ich Gelegenheit, den von Focke aus Schlesien beschriebenen
Oesterr. botan. Zeitschrift, 6, Heft 1887, j 17
j
206
R. oreogeton genauer kennen zu lernen. Ich besitze Exemplare dieser
typischen Art aus den verschiedensten Gegenden und finde, dass
zwischen ihnen und dem schweizerischen Z. chlorophyllos Gremli nicht
der geringste erhebliche Unterschied bestehe.
Die charakteristische Inflorescenz, die langen, an Glandulosen er-
innernden Stieldrüsen u. s. w. sind dem Schaffhausener Rubus ebenso
eigen, als der böhmisch-mährischen Form. Nach meiner Ansicht ist also
R. oreogeton Focke mit R. chlorophyllos Gremli synonym. Letzterer
Name besitzt zwar die Priorität, doch ziehe ich es vor, mich der
Focke’schen Benennung zu bedienen, da die Diagnose der Synopsis
wohl mehr Licht auf diese weit verbreitete Art geworfen hat, als
irgend eine andere.
Da die chorographische Verbreitung des R. oreogeton Focke
eine grössere ist, und der Formenkreis dieser Art ziemlich reich ge-
gliedert erscheint, möchte ich in Folgendem eine Zusammenstellung
der mir vorliegenden Typen geben.
1. R. oreogeton Focke Syn.!, R. chlorophyllos Gremli, R. ne-
morosus B., montanus Wimm. — Schössling meist ganz unbehaart,
mit langen, geraden, rechtwinkelig-abstehenden Stacheln, massen-
haften Borsten und sehr langen Drüsen dicht besetzt. Blätter gross,
meist dünn, beiderseits grün und mässig behaart. Blüthenstielchen
sehr lang- und reichdrüsig. In Mähren und Schlesien weit verbreitet
(Günther, Wimmer, Schwarzer, Focke, Formänek ete.), in
Böhmen (Opotno: leg. Freyn als R. nemorosus a) glaber Garcke),
Nordostbayern (Waldmünchen: leg. Progel), Thüringen (Naumburg
a. S. lee. Sagorski als R. chlorophyllos).
2. R. myriacanthos Focke, R. diversifolius Lindl., Warren,
Bab. non Tineo. — Schösslinge mit zahlreichen, robusten, am Grunde
sehr verbreiterten Stacheln dicht besetzt, behaart, langdrüsig. Blätter
und Inflorescenz ganz wie beim vorigen, letztere aber derber und
dichter, Drüsen der Blüthenstielchen länger als der Durchmesser
derselben. England, Norddeutschland.
3. R. oreogeton Focke f. thuringiaca Sabr. (Duft) = R. Den-
senüi Lge. var. thuringiaca Duft in G. Braun Herb. Rub. Germ.
Nr. 115. — Vom Typus abweichend durch behaarte Schösslinge,
grosse, dünne, herzeiförmige, uuterseits weichschimmernde Blättchen,
kurze, zusammengezogene Inflorescenz und kurze, den Haarfilz des
Stielehens nicht überragende Drüsen. Rudolstadt in Thüringen: leg.
Duft.
4. R. littoralis Borb. in sched.! — R. macrogymius Borb. in
sched.! — Unterscheidet sich, soweit ich aus meinen sehr schlechten
Exemplaren ersehen kann, von R. oreogeton F. bloss durch die gy-
nodynamischen Blüthen und vielleicht die stielrunden Schösslinge.
Croatisches Litorale: „inter Drenkova et Lopaca* (Borbäs).
5. R. Fossicola Hol. Schösslinge ähnlich wie bei R. oreogeton,
aber derber und dichter bewehrt, unbehaart, Blätter meist dreizählig,
dieklich, lederig, unten graufilzig, die der Blüthenzweige unten meist
graufilzig, sonst oben mässig striegelhaarig. Drüsen der Blüthenstiel-
207
chen kurz, das Haarkleid nicht überragend. Nordwestliches Ungarn
(Holuby), Mähren (Oborny, Formänek, Spitzner).
6. Holubyanus Sabr. in sched. Syn. R. mollis Hol.! nec Whe.,
nec Presl. — Schösslinge dicht behaart, wie AR. fossicola bestachelt.
Blätter meist dreizählig, beiderseits gleichfärbig, oben sehr dicht
weich striegelhaarig, unten dicht und schimmernd weich-
haarig. Stieldrüsen den Haarfilz der Blüthenästchen nicht überragend.
Nordwest-Ungarmn: Nemes-Podhrägy (Holuby). Eine unmittelbar an
R. fossicola sich anschliessende durch diehte Behaarung aller Theile
ausgezeichnete Form.
7. R. Sendtneri Progel. VIII. Jahresber. des botan. Ver. zu
Landshut. — Dem R. Fossicola ähnlich; Schössling deutlich be-
haart, genau wie bei R. fossicola bewehrt, Blätter meist fünfzählig-
fussförmig, lederig, dicklich, unten grün und schimmernd-weichhaarig,
oben mässig striegelhaarig, das mittlere sehr lang zugespitzt. Drüsen
schwarzroth, die der Blüthenstielchen sehr dicht, den Haarfilz über-
ragend. Bayerischer Böhmerwald: Waldmünchen (Progel).
8. R. Vrabelyianus A. Kern.! — Schössling oft starrend von
zahlreichen, geraden, derberen Stacheln und Stachelhöckern, oder
weniger bewehrt und behaart. Blätter unten graufilzig bis kreide-
weiss, oberseits sternhaarig, die des Blüthenzweiges mit keilförmig
verschmälerter Basis, oben meist sammtig-sternfilzig. Drüsen den
Haarfilz der Blüthenstielchen überragend. Bekleidung und Gesammt-
bild sehr an R. oreogeton gemahnend. Mittelungarmn: Mätra (Vra-
belyi). Wegen des Sternfilzes höchst wahrscheinlich ein von R. to-
mentosus abstammender Bastard (etwa oreogeton X Bloydianus?)*“.
R. oreogeton Focke. Teufelsschlucht und Wald bei Kohouto-
witz, Schluchten bei Billowitz, Adamsthal, Medlänko, Hora und
Horka bei Cinzendorf, Planava bei Doubravnik, Neustadtl, Rother
und Höfler-Berg bei Gross-Ullersdorf, Stollenhau und eine verwandte
Form bei Kl.-Mohrau.
. Bayerii Focke. Reigersdorf.
. nigrescens Focke. Wald bei der Ruine Neuhaus.
. serpens Whe. Brandwald bei Deutsch-Märzdorf.
. Gremlii Focke. Forsthaus bei Lultsch.
. Vestii Focke. Adamsthal, Horka, Liliova hora und Wald
bei der Kolomaznä pec bei Lultsch.
ee ne 20 SE
SSISUON
Ueber die Flächendrüsigkeit als systematisches Merk-
mal und deren Anomalien bei einzelnen Rosenarten.
Von J. B. Keller.
Im strittigen Sachverhalte der Rosa leopoliensis BYocki (vide
BE; 113 und 147 dieser Zeitschrift) wollte ich mir ein eigenes
heil bilden und diess führte mich zu nachfolgenden Untersuchungen
und Ergebnissen von allgemeinoem Interesse,
17*
208
ÖObzwar ich mich genau erinnerte, bei der vorjährigen Unter-
suchung meiner A. Weeberi et brunoniana an meinen Originalen der
R.leopoliensis drüsige Blätter bemerkt zu haben, unterliess ich es ab-
sichtlich, hierüber die Wahrheit sofort zu constatiren, um nicht als
voreiliger Widersacher zu erscheinen. Gestern kam mir der betref-
fende Fascikel gelegentlich wieder zur Hand und nun thue ich es,
wie folgt. Der grosse 18blätterige sterile Trieb hat in der oberen
Hälfte durchaus foliola subtus tota in lamina glandulis inspersa, an
einem Blüthenzweige fand ich die sepala hine inde dorso glandulosa.
Da mir aber bei weiterer flüchtiger Besichtigung die unteren Blätter
des sterilen Triebes, sowie die sämmtlichen Blätter des Blüthen-
zweiges unterseits keine Drüsen wiesen, war ich bereits der gegen-
theiligen Ansicht der Herren Borbäs und Braun, alsich die Frucht-
zweige, an welchen ich nach der Erfahrung um so weniger nach
Drüsen suchen zu sollen glaubte, als ich die Stipula insgesammt
subtus drüsenlos gefunden, besichtigte und mit freiem Auge in der
dünneren Behaarung der Fruchtzweige die zerstreuten vielen dünnen,
meist wenig abstehenden Drüsenhaare bemerkte. Mit vieler Mühe
gelang mir, die Richtigkeit dieses Verhaltens der Flächendrüsigkeit
an den nochmals zur Hand genommenen Blüthenzweigen an einem
umgebogenen von dickeren Zweigen geschützt gebliebenen Blättchen
ebenfalls zu constatiren, deren seegrüne Unterfläche sogar dicht mit
diesen an gelblichen Stielchen hier mehr schwarze glänzende äusserst
kleine Drüsen tragenden Härchen bedeckt ist, die wirkliche Drüsen
und keinerlei Schimmelart sind! Es ist nicht unmöglich, sogar wahr-
scheinlich, dass auch an der authentischen Pflanze der R. frutetorum
Besser die obersten zarten Foliolen der jungen Triebe diese Art
feindrüsiger Nervatur oder wenigstens drüsige Venen besitzen, wie
diess bei vielen Rosen der Fall ist, die sonst drüsenlose Laubtheile
bei dichter Behaarung besitzen. Von einer subfoliaren Drüsigkeit der
übrigen Laubtheile des Strauches — die doch Besser ebenso wenig
als Herın Btocki entgehen konnte — ist aber in der Original-
Description der RR. frutetorum Besser keine Spur zu finden, und
diess ist und bleibt auch für den Ausnahmsfall massgebend, wenn
nun wieder von gegnerischer Seite nach dieser Andeutung erst die
Besser’schen Originalien genauer untersucht und auch an einzelnen
enter derselben subfoliare Drüsen entdeckt werden
sollten.
Dieses Verhalten ist aber noch mehrseitig von ganz besonderem
und bedeutendem Interesse! Hier möge nur das Hierhergehörende
erwähnt sein. Bei Untersuchung der Rosen ist nach meiner — ich
kann sagen, bei „viel tausend“ Fällen erprobten — Erfahrung der
Blick nach der unterseitigen Drüsigkeit der Stipulen meist auch für
die fragliche gleiche Drüsigkeit der Foliolen massgebend. Ausnahmen
sind freilich auch da, und sind als solche meist die Klippen, an
welchen manches Voreilige scheitert.') —..Ein solcher Fall ist der
terminal tabennigtdyem ps Aa sjıdiit susih bus veblıd lan
“ *) Ja noch mehr! und diess. betreffend, ist,es meine Pflicht, auf.den wun-
209
vorliegende; Stipulen und Serratur drüsenlos, und dennoch sind die
Foliolen theils reichlich bis schwach flächendrüsig, theils drüsenlos,
welche feine Drüsigkeit zur Blüthezeit in der dichteren bis zottigen
Behaarung nur verdeckt ist, später aber aus dem Grunde, da die
sehr kleinen schwärzlichen Drüsenköpfchen bei dieser Rose von
den Stielchen leicht abgestreift werden und die gelbgrünen Stielchen
in der langen Behaarung unauffällig bleiben -—— übersehen wird!
Von diesem sonderbaren Ausnahmsverhalten ‘der Stipulen vis-a-vis
der Foliolen führe ich als Beispiel an: die R. coräüfolia var. Erl-
bergensis Bn., die einer ärmlich behaarten .R. leopoliensis entsprechen
müsste, dann aber die R. conjuncta Crep. und eine Gruppe schwie-
riger Rosenformen der Subs. Scabratarum Crep., wo ich mein Bei-
spiel (rücksichtlich der Drüsigkeit) an der jedem österreichischen
Rosenfreund bereits aus den Kmet’schen Exsiecaten bekannten von
Nemeti bis Bozök im Honther Comitate Oberungarns verbreiteten
Form delitescens Kmet der nitidula Besser etc. illustrire. Ob auch
unter den von Max Schulze in „Jenas wilden Rosen“ pag. 41 an-
geführten zahlreichen Formen der corüfolia und frutetorum sich
flächendrüsige, und zwar dieser Art befinden, wäre zu wissen sehr
erwünscht, um nur annähernd beurtheilen zu können, ob unsere R.
frutetorum f. leopoliensis eine vorwiegend für Podolien und Ost-
galizien charakteristische Rose ist — oder nicht. Aus Mähren und
dem böhmisch-sächsischen Erzgebirge liegt sie mir — so weit das
grosse Materiale bisher sorgfältigst untersucht werden konnte —
nicht vor, doch ist das Vorkommen derselben mit Rücksicht auf
die dortigen von mir zuerst nachgewiesenen flächendrüsigen Formen
sehr wahrscheinlich.
Alles in Allem gebührt also Herrn Blocki die vollste
Genugthuung! — insbesondere falls sich die obbesagte Eigen-
schaft seiner f. leopoliensis (stipulae subtus serratura margine eglan-
dulosa; foliola tamen subtus tota in lamina glandulis demumeva-
nidis inspersa, utringue pubescentia subsimplieiterque serrata) auch
fernerhin für constant erweisen sollte!
Einen zweiten Fall anormaler Blättchendrüsigkeit bei der
coriifolia beobachtete ich an der f. Hunskinensis albiflora Kell. und
Wiesb. des böhmischen Erzgebirges, wo an den kurz nach der Blüthe
(7. VII. 1884) gesammelten Zweigen nur spärliche (2—3) Drüsen
an den Petiolen und gar keine oder nur staubfeine und äusserst
leicht obliterirende Körnchen an den kaum sichtbaren kleinen Se-
eundärzähnchen zu finden waren — während der Strauch an ein-
zelnen (am 6. IX. 1884 gesammelten) zuverlässig demselben Stocke
_ angehörenden Fruchtzweigen eine so dichte imponirende Drüsigkeit
derbaren Einklang der Negation pag. 113, Zeile 20 von unten in dieser Zeit-
schrift und der „Beschreibung“ eines Analogons in „Verhandl. der k. k.
2001.-bot. Gesellschaft“ 1885, pag. 106 — mit der pag. 145, Zeile 5—8 von
oben in dieser Zeitschrift abgedruckten Belehrung aufmerksam m ee
eller.
210
an den diehtzottigen in jungen Trieben weissfilzigen bestachelten
Petiolen und insbesondere um den ganzen Blattrand in der Serratur
zeigte, dass man glauben musste: es liegen hier zwei verschiedene
Rosen vor, eine corifolia, und eine drüsige Tomentella oder Abie-
tina. Diese Art verspäteter theilweiser Drüsenbekleidung bei unver-
änderter Dichte des übrigen Tomentums kann man wohl nichts
anderem mehr als dem Einflusse plötzlicher Temperatur- und
Insolationsvermehrung in der Zeit eines Regenmaximums (im August)
auf den exponirten Theil des Strauches zuschreiben, demnach: als
eine blosse vorübergehende Erscheinung (luxurianter Entwicklung)
erklären, und wird die bereits fortgesetzte Beobachtung solcher For-
men nicht bloss wegen der Beschaffung identischen Tauschvorrathes,
sondern wegen der Erforschung der schon von Christ angedeuteten
Verkettung der Gruppe: Abietinae Christ mit unseren böhmischen
Coriifoliis Complicatis Chr. u. dgl. weit vortheilhafter für ein ratio-
nelles, wenngleich langsameres Studium der systematischen Verwandt-
schaft unserer Rosen werden, als ein voreiliges Neubenennen von
Rosenformen.
Ob der Flächendrüsigkeit als „unterscheidendes Merkmal“ die
Rhodologen bereits den entsprechenden systematischen Werth bei-
legen, finden wir in deren Schriften (vergl. Christ: „Allgemeine
Ergebnisse* 1884 und Waldner: Rosentypen, p. 13—14) weniger als
erwünscht auseinandergesetzt. Ich knüpfe aber, auch in diesem Falle,
vorläufig nur an das, was bisher aus Culturversuchen bekannt ist,
an, und constatire, dass sowohl die reichliche Flächendrüsigkeit der
von mir in der Cultur beobachteten Ros« subolida Desegl., R. Malyi
Kern. und R. bosniaca Kell. und Wiesb. ete., als nach Christ (l. e.
par. 6, Zeile 32 von oben) die einzelnen Subfoliardrüsen der wilden
Pflanze der R. Pouzini Tratt. var. Escurialensis von Escurial in der
Cultur selbst in klimatisch verschiedenen Localitäten unverändert
blieben!
Sie gehört also zu den systematischen Merkmalen der Art und
der Varietät, möge sie nur schwach (Pouzini) oder gar nur in
Spuren (Jenensis und rubig. var. decipiens Sag., pag. 26) auftreten;
demzufolge ist auch Blocki’'s Zeopoliensis an und für sich weder
eine Standortsmodificaticn, noch das, was man „Specificirung des
Individuums“ (Christ, ]. c. p. 2) etc. nennt, sondern eine vicari-
rende Varietät zu jener Gruppe drüsiger Coriifolien, die in Mittel-
europa (Schweiz, Thüringen, Böhmen etc.) in der f. cinerea Christ
und Weeberi Keller und in zahlreichen anderen Formen (vide
Schulz’ „Jenas Rosen“) vorkommen, und demzufolge im Formen-
kreise der coriifolia und incana (gleich den drüsigen Tomentosen)
zumindest als Varietäten aufzuzählen kommen.
Diess und Aehnliches haben mich veranlasst, die Bedeutung der
Flächendrüsigkeit ete. bei dem Genus Rosa seit jeher, in letzterer Zeit
von eingehender Seite, zu würdigen und mich für die Annahme neue-
rer massenhafter Aufsammlungen insolange abwehrend zu verhalten,
bis die unendliche Mühewaltung der so zeitraubenden Bestimmung
Be
211
mit den Vorräthen und den sonstigen beklemmenden Umständen in
ein zusagenderes Verhältniss getreten sein wird.
Wien, am 27. April 1887.
— ii —
Flora des Etna.
Von Prof. P. Gabriel Strobl.
(Fortsetzung.)
Lotus cytisoides y. eytisoides = Lot. eyt. L. Presl Fl. sie., Guss,
Syn. et *Herb.! Mit patens in fast allen Merkmalen identisch, kaum
unterscheidbar durch die äusserst kurz-, angedrückt seidig-grau-
haarigen, endlich kahl werdenden Blätter und Stengel; geht auch
vielfach in ß. über.
ö. coronillaefolius Guss. Syn. et Herb.!, var. microphyllus Presl?.
Unterscheidet sich von y. durch kleinere (bis 4 Mm. lange, 2 Mm.
breite), dickliche Blätter, schlankeren Wuchs und ein- bis zweiblü-
thige Blüthenstiele; ich fand am Burgfelsen von Cefalü mit Herbar-
exemplaren Gussone's vollkommen übereinstimmende Exemplare,
ebendaselbst und um Finale aber auch Uebergangsformen zu y. mit
zwar ebenso kleinen Blättchen, wie 6. besitzt, aber 3—5-blüthigen
Blüthenstielen. — Auch pusillus Viv. Fl. Iyb. ist mit d. in Wuchs,
Kleinheit der Blätter, ein- bis zweiblüthigen Stielen fast identisch,
unterscheidet sich aber durch Annuellität, rauhere Behaarung, auf-
rechte, an der Spitze etwas gekrümmte Hülsen.
NB. An diese Reihe schliessen sich unter den Arten Siciliens
zunächst an L. creticus L. Spec. plant. 1091, Presl Fl. sie., Guss.
Syn. et Herb., Reichb. D. Fl. 134, IV, V! und commutatus Guss.
Syn. et Herb.!, Tod. Fl. exsicc.!, cret. var. $. Bert. Fl. it. (aus Tra-
pani), unterscheiden sich aber leicht durch dichte, silberweissseidige
Behaarung und dicke, genau cylindiische, zwischen den Samen hie
und da etwas eingeschnürte Hülsen; commut. ist in allen Theilen
(Stengeln, Blättern, Blüthen und Hülsen) viel grösser und robuster,
als cret., sonst aber demselben äusserst ähnlich. — An sandigen und
felsigen Küsten, auf krautigen Hügeln und Bachrändern sehr ver-
breitet. Var. «. auf Lavafelsen am Meere bei Catania, Ognina, Aci-
eastello, besonders an letzteren Orten, äusserst gemein; eine grössere
Form mit stärkeren Stengeln, stumpferen und ganz grünen Blättern
= f. major Guss. Syn. liegt auch im Herb. Guss. aus Catania auf!;
var. ß. patens am Bache Amenanus vor Misterbianco, an einem Gra-
ben unterhalb Motta S. Anastasia vereinzelt, häufig längs des Si-
meto!; var. y. cytisoides: Aus Catania von Cosent. erhalten (Bert.
Fl. it.), um Catania, besonders an lehmigen Stellen bei Acquicedda
(Herb. Torn., Tornab. in Herb. Guss.!), von mir und Reyer nur
ausserhalb der Nordgrenze bei Taorınina beobachtet; var. ö., ebenso
cret. und commut. wurden im Gebiete noch nicht beobachtet, doch
dürfte eret., bei Messina und Syracus von mir gesammelt, vor-
kommen. April—Juni. %.
1356. L. pusillus Viv. Fl. Iyb., Guss. *Syn. et *Herb.!, eyti-
soides y. uniflorus DC. Prodr. I, 211. Im Meersande bei Catania
von Philippi gesammelt (Guss. 1. e.!). März, April. ©.
1357. L. decumbens Poir. diet. DC. Prodr. II. 212, Guss. Syn.
et *Herb.!, Bert. Fl. it. (Sie.), Tod. Fl. sie. exsiee. Nr. 243 (Pa-
lermo!) Gr. Godr. I, 431. Habituell äusserst ähnlich einer hohen,
üppigen Normalform des corniculatus L., ebenfalls perenn, vielsten-
gelig und ziemlich kahl mit getrocknet grün werdenden Blüthen;
auch in den Blättern kaum eine Differenz, nur sind die oberen Blätt-
chen und Nebenblätter schmäler und spitzer; Blüthenstiele ebenfalls
verlängert, 3—4blüthig mit dreizähligen Bracteen; aber die Kelch-
zähne sind bei cornie. aus breit dreieckiger Basis lanzettlichlineal,
an der Spitze stumpflich (mit Grannenhaar) und etwas kürzer als
die Röhre; bei decumbens aber aus schmaler dreieckiger Basis lang
lanzettlichlinear, an der Spitze deutlich verschmälert, etwas länger
als der Kelch, die Bracteen oft vom Kelche entfernt, die Flügel an
der Spitze abgerundet, am unteren Rande nicht gekrümmt (bei cor-
nieulatus an der Spitze schief abgestutzt, am unteren Rande stark
gekrümmt); die Hülsen gerade, endlich horizontal abstehend und
schwarz, 3—3°5 Cm. lang, fast 3 Mm. dick, Samen kugeligeiförmig,
15 Mm. lang, über 1 Mm. breit, dunkelbraun, glatt. Varüirt «. pu-
bescens (schwach flaumig) und ß. glaber Guss. Syn. et *Herb.!, Preslii
Ten. (ganz kahl). — Auf feuchten Fluren nahe dem Meere: Um
Catania beide Varietäten (Cosent. in Herb. Guss.!, Herb. Reyer!).
April, Mai. %.
1358. L. tenuifolius (L.) Led. *Presl del prag., Rehb. D. Fl.
130, III, IV!, W. Lge. III, 344, tenwis Kit. *Bert. Fl. it, Guss.
*Syn. et *Herb.!, Gren. Godr. I, 432, decumbens Engl., non Poir.,
cornieulatus *Cat. Cosent., non L. Von vorigem verschieden durch
gänzliche Kahlheit, schlanken Wuchs, viel schmälere, verkehrteiför-
mig-keilige untere, linearlanzettliche obere Blätter, lanzettlichlineare,
spitze Nebenblätter, meist nur 1—3blüthige, sehr verlängerte Blü-
thenstiele, meistens ein-, selten zweiblätterige, linearlanzettliche
Bracteen, aufrechtabstehende, schmälere Hülsen. Jedenfalls eine gute
Art. — Auf feuchten Weiden nahe dem Meere: Bei Catania (Presl
l. e., Cosentini in Bert. et Guss. 1. c.!), zwischen Catania und der
Arena im Lavastrome am Rande einer Lache zwischen Halimus port.
häufig! Mai, Juni. 2%.
1359. L. versicolor Tin. 1846, Bert. Fl. it. „Auf sonnigen
Bergorten: San Fratello, Fuss des Montesoro am Wege nach Ran-
dazzo. Juni, Juli. 24“. Tineo 1. ce. Der Standort scheint mir für das
Gebiet fraglich; ich sammelte diese Art häufig am Aspromonte in
Calabrien.
1360. L. hispidus Dsf. Guss. *Syn. et Herb.!, Rchb. D. Fl.
132, II, IV! Sehr nahe verwandt mit parviflorus Desf. Guss. Syn.
et Herb.! Tod. Fl. sic. exsicc. Nr. 244!; beide annuell, dicht ab-
213
stehend weichzottig mit beim Trocknen grün werdenden Blüthen;
aber bei parvifl. sind die Bracteen meist einblätterig, schmal lan-
zettlichlinear, die Kelchzähne bedeutend länger als die Röhre, und
fast so lang, als die Krone; die Hülsen überragen den Kelch nicht.
Bei hisp. sind die Bracteen dreizählig mit breitlanzettlichen Theilen,
die Kelchzähne überragen die Kelchröhre wenig und erreichen die
Spitze der Krone nicht, die bis 16 Mm. langen Hülsen überragen
den Kelch weit; varürt «. genuinus (Blüthenstiele von 2—3facher
Blattlänge, Nebenblätter stumpf; ß. intermedius Guss. (Blüthenstiele
kaum über blattlang, Nebenblätter spitzlich; bildet den Uebergang
zu angustissimus L.). Auf sandigen krautigen Fluren und Hügeln
der Tiefregion Sieiliens sowohl parvifl., als auch hisp. nicht selten;
im Gebiete wurde bisher nur hisp. gefunden: Bei Milo (Guss. 1. c.).
April, Mai. ©.
(Fortsetzung folgt.)
—iöbe
Literaturberichte.
Enumeration of all the plants known from China proper, Formosa, Hai-
nan, Corea, Luchu archipelago and Hongkong. Forbes y Hemsley.
London 4886. Mit einer Karte. I. Heft Ranuncul. — Legum. (162 $.)
Diese Aufzählung wird eine sehr empfindliche Lücke ausfüllen,
wenn sie beendet sein wird. Es ist die Literatur über China so zer-
streut, dass factisch wohl Niemand die Materialien alle übersehen
wird. In Folge dessen ist die Ungewissheit über den Charakter der
chinesischen Flora selbst bei Grisebach entstanden, dessen chine-
sisch-japanisches Florenreich eben nur ein Nothbehelf war. Es stossen
hier die palearktische Vegetation Mongoliens und des Nordhimalaya’s
mit der paleotropischen derart zusammen, dass erstere die westlichen
Berge, letztere die östliche Tiefebene am Meere einnimmt, wie es
auch schon z. B. Drude in seiner Florenkarte von Asien (Berg-
haus Physik. Atlas) angibt. Eine Uebergangszone selbstständiger
Art gibt es nicht in der Art, wie z. B. im Mittelmeer — obwohl
China eine Reihe von Mittelmeertypen nicht fehlt, immergrüne Eichen,
Kastanie, Diospyros, Liquidambar ete. Wenn man nach der Species-
zahl urtheilen sollte, so ist die palearktische Flora reicher als die
paleotropische — allerdings ist der äusserste Süden weniger bekannt.
Man urtheile selbst: 109 Ranunculaceen (20 Europäer) 1 Dilleniacee,
Calycanthus, 10 Magnolieae (incl. Schizandraceen), bloss 6 Anonaceen,
10 Menispermen, 22 Berberideen (1 Europ.), 4 Nympheaceen, 9 Pa-
paveraceen (3), 24 Fumariaceen (1), 61 Cruciferen (27 E.), 8 Cappa-
rideen, 21 Violarineen (6), 3 Bixineen, 4 Pittosporeen, 75 Polyga-
leen, 48 Caryophylleen (wenigstens 17), 2 Portulaceen (1), 1 Elatine,
12 Hyperieineen (1), 4 Guttiferen, 40 Ternströmiaceen (der Thee ist
als einheimisch wild östlich von Assam und Cachar zweifelhaft!
S. 83), 26 Malvaceen (4), 15 Stereuliaceen, 22 Tiliaceen, 6 Lineeen
(1), 2 Malpighiaceen, 5 Zygophylleen (1), 30 Geraniaceen (4), 38 Ru-
taceen (1), 5 Simarubeen, 2 Burseraceen, 6 Meliaceen, 1 Chailectia
214
(Hainan), 4 Olacineen, 20 Ilex, 34 Celastrineen (1), 23 Rhamneen
(4), 24 Vitis (1), 29 Sapindaceen (2), 11 Sabiaceen, 11 Anacardia-
ceen (1), 2 Coriaria, 2 Connaraceen — also 96 europäische Species
unter 732! von denen nicht mehr als ca. ®/. als paleotropisch ange-
sehen werden können. Dr. J. Palacky.
Plantae Davidianae. (Nouv. Annales du Mus6de) par Franchet.
Diese Sammlung von Pflanzen, meist aus Nordwestchina, ent-
hält 1116 Phanerogamen und 60 Farren (inel. der Nachträge). Sie
hat dementsprechend meist nordischen Charakter, wie es aus den
unten mitgetheilten Novitäten von selbst Jedem auffallen muss —
die, nebenbei gesagt, die für eine nicht ganz unbekannte Gegend
hohe Ziffer von 5 Percent betragen. Es hat diese Form eine grosse
Aehnlichkeit mit der des Amurtbales. Auch der nordöstliche Hima-
laya — den wir ja noch so wenig kennen, dürfte viel Aehnliches
besitzen. Die Aehnlichkeit mit Japan ist nicht so gross, als man sie
gewöhnlich annimmt (mehr im Osten [Kiangjsi]). -— Dem Geogra-
phen sind die Bäume Mittelchinas am interessantesten. — Es ist
Abies Truga Sieb., dominirend mit einer Spee. in 3000 M. und 4.
al-oquiana Veitst. Juniperus recurva erreicht 4000 Meter, ebenso
Eichen (theilweise durch die Menschenhand zu Büschen verkrüppelt)
Qu. phillyreoides, chinensis (2080 Met., immergrün) und z. B. Salix
caprea. Die Vegetationsschilderungen, sowie die einzelnen Zonen
können wir hier nur erwähnen. Dr. J. Palacky.
Heinricher E. Die Eiweissschläuche der Crueiferen und verwandte
Elemente in der Rhoeadinen-Reihe. (Mitth. d. botan. Inst. zu Graz,
herausg. v. Prof. Le:tgeb. I. Bd. 92 pp. Drei Doppeltafeln.)
Verf. bespricht in der vorliegenden Abhandlung eigenthümliche,
bei den Crueiferen allgemein verbreitete, bisher jedoch noch uner-
kannt gebliebene idioblastische Gewebeelemente, die er als Eiweiss-
schläuche bezeichnet. Von sämmtlichen 21 Tribus der Cruciferen,
welche diessbezüglich untersucht wurden (das Detail muss in der
Originalschrift nachgelesen werden), konnten diese Eiweiss führenden
Schläuche nur bei drei Tribus, und zwar wegen Mangels an geeig-
netem Material, bisher nicht aufgefunden werden. Sie können in allen
Organen und, die Epidermis ausgenommen, auch in allen Gewebe-
arten vorkommen. Betreffs ihrer Vertheilunge in den Blättern und
Stengeltheilen ist zu bemerken, dass sich da eine gewisse Ueber-
einstimmung zeigt, insoferne als bei derselben Pflanze die Schläuche
z. B. im Verlauf der Gefässbündel — oder im Grundgewebe zerstreut
auftreten. Bei allen Pflanzen, welche in den vegetativen Organen
Eiweissschläuche besitzen, sind solche auch in den Blüthen (nament-
lich in den Carpell- und Kelchblättern) vorhanden. — Alkohol, so-
wie siedendes Wasser bewirkt Gerinnung des Inhaltes in sehr
wechselnder Weise. Derselbe ist im Wasser unlöslich und zeigt mit
dem Millon’schen Reagens die charakteristische Färbung. Das Vor-
kommen von Phosphaten muss als wahrscheinlich angenommen
215
werden; Gerbstoffe und Zucker konnten niemals, Stärke nur in einem
Falle (Arabis sagittata) nachgewiesen werden. Auf Grund verschie-
dener Thatsachen: der feste Verband der Eiweissschläuche mit den
Mesophylizellen, der häufige Anschluss ersterer an die Leitungs-
bahnen, die quantitative Vertheilung des Inhalts in verschiedenen
Theilen belichteter, resp. unter Lichtabschluss gebaltener Pflanzen,
das Vorkommen in den überwinternden Organen mehrjähriger Cru-
ciferen ete. — kommt Verf. zu dem Schlusse, dass die Eiweiss-
schläuche gleichsam disloeirte Proviantdepöts repräsentiren, welche
im Bedarfsfalle, z. B. bei verhinderter Assimilation oder bei raschem
Wachsthum auf kurzem Wege den Bezug der nöthigen Eiweiss-
menge sicher stellen. — Im Anschlusse an die Cruciferen wurden
die Eiweissschläuche bei mehreren Arten der Gattung Capparis,
ferner die Schlauchzellen bei Escholtzia californica, Adlumia cirrhosa,
Corydalis rosea und Ü©. capnoides morphologisch und histochemisch
untersucht, wobei sich ein phylogenetischer Zusammenhang dieser
speeifischen Gewebeelemente in der ganzen Reihe der Rhoeadinen
erkennen liess. Den Ausgangspunkt bilden die milchenden Papa-
veraceen. Von den Milchröhren derselben führt eine Reihe zu den
Schlauchzellen der Fumariaceen, an die sich die Eiweissschläuche
der Cruciferen anreihen; diesen endlich schliessen sich die Eiweiss
führenden Schlauchzellen der Capparideen an, welche Familie auch
in den morphologischen Charakteren den Cruciferen sehr nahe steht.
Drei Doppeltafeln (darunter eine colorirte) erleichtern wesentlich die
richtige Vorstellung der im Texte besprochenen anatomischen Ver-
hältnisse. Burgerstein.
Vierhapper Fr., Prodromus einer Flora des Innkreises von Ober-
Oesterreich. II. Theil. (XV. Jalıresbericht des k. k. Staatsgymnasiums
in Ried.) Ried 1886. pag. 35.
Die vorliegende Aufzählung bildet die Fortsetzung der vom
Verfasser am gleichen Orte im Jahre 1885 begonnenen Arbeit und
enthält die Gymnospermen und von den Angiospermen einen grossen
Theil der Sympetalen. In der systematischen Anordnung schliesst
sich die Abhandlung enge an die Flora von Ober-Oesterreich von
Dufftschmied, zu der sie zahlreiche interessante Ergänzungen ent-
hält. So werden zahlreiche in dem genannten Florenwerke gar nicht
oder nur von vereinzelten Standorten anceführte Arten erwähnt; ich
hebe hervor: Callitriche hamulata Ktz., Atriplex oblongifolium Nk.,
Chenopodium fieifolium Sm., opulifolium Schrad., Erigeron droe-
bachiensis Müll., Centaurea Rhenana Bor., Crepis rhoeadifolia M.B.
u. v. a. Auffallend ist die grosse Anzahl von Arten, deren einzige
Standorte Bahnhöfe und deren Umgebung sind und die bei Berück-
sichtigung ihrer Heimat als eingeschleppt betrachtet werden können.
Im Nachtrage zu der im Vorjahre veröffentlichten Zusammenstellung
wird das Vorkommen folgender für das Gebiet neuen Arten erwähnt:
Equisetum hiemale L., E. Telmateja Ehrh. v. serotinum, Lycopodium
complanatum L., Caren virens Lmk., Seirpus triqueter L., Muscari
216
comosum Mill., Ornithogalum chloranthum Saut., Allium fallas
Schult. Wettstein.
Notarisia, Commentarium phycologieum, Rivista trimestrale consacrata
allo studio delle Alghe. Edit. G. B. de Toni et Dav. Levi. Venezia 1886.
Mit dem vorliegenden vierten Hefte ist der erste Jahrgang
dieser Zeitschrift abgeschlossen und es ist jetzt bereits möglich, einen
Ueberblick über die Richtung und die Erfolge derselben zu erlangen.
Dabei muss vor allem constatirt werden, dass diese neue botanische
Zeitung bisher wirklich das ist, was sie nach dem seinerzeit ent-
worfenen Programme werden sollte, nämlich ein Repertorium der
gesammten phykologischen Literatur, das zugleich auch für die Pu-
blication kleinerer Original-Aufsätze geeignet ist. Zum Beweise des
Gesagten führe ich den Inhalt des letzten (4.) Heftes an. Dasselbe
enthält: eine Zusammenstellung der bisher in Italien und den benach-
barten Gebieten beobachteten Diatomaceen von Toni und Levi. (Fort-
setzung.) — Diagnosen aller in neuester Zeit beschriebenen Arten.
— Ein Verzeichniss der neuesten phykologischen Literatur mit Re-
feraten. — Ein Verzeichniss der in neueren Algen-Exsiccaten aus-
gegebenen Arten. — Eine Mittheilung von Paoletti über neue Dia-
tomaceen aus Venetien. — Auszüge aus den in neuerer Zeit erschienenen
Werken über die Algen-Flora ausser-italischer Länder. — Kleinere
Mittheilungen und schliesslich die Fortsetzung von De Toni et
Dav. Levi: „Schemata generum Floridearum“, enthaltend die Gat-
tungen: Dudresnaya, Spyridia, Phylocladia, Lomentaria, Fauchea
mit 3 sehr schönen photolithographischen Tafeln. Wettstein.
Chr. Luerssen: Kritische Bemerkungen über neue Funde seltener deut-
scher Farne. Separatabdruck aus den Berichten der deutschen Botanischen
Gesellschaft 1886. Bd. IV. Heft 10.
Die erste Nummer der Abhandlung bezieht sich auf ein Ma-
terial, welches von Hrn. Apotheker Woynar in Rattenberg (Tyrol)
und zwar in der Umgebung Rattenbergs gesammelt worden ist. Eine
sorgfältige Untersuchung der Blattstiellängen, der Spreuschuppenbe-
kleidung, der Theilung der Spreite, der Segmentzähue und vor Allem
der Sporen ergab mit Evidenz die Thatsache, dass Herr Apotheker
Woynar das Aspidium remotum A. Br. aufgefunden hat, welches
allgemein für einen Bastard zwischen A. Filix mas und A. spinu-
losum gilt. Luerssen lenkt nun die Aufmerksamkeit der Floristen
auf diesen seltenen Bastard und spricht die Hoffnung aus, dass dieser
auch noch an anderen Orten aufgefunden werden dürfte. Die zweite
Nummer behandelt einen von demselben Herrn Apotheker Woynar
bei Zell im Zillerthal gemachten Fund des Asplenium Heujleri Reich.,
das bekanntlich für einen Bastard von A. Trichomanes und A. ger-
manicum gilt. Da aber das A. germanicum selbst von Luerssen
und Anderen auch wieder als ein Bastard zwischen A. Trichomanes
und A. septentrionale angesehen wird, so wäre das A. Heujleri Reich.
eigentlich der Bastard eines Bastardes. Nach Luerssen wäre es aber
auch möglich, dass sowohl A. Heujleri, als auch das A. germanicum
ı 2
217
Bastarde zwischen A. Trichomanes und A. septentrionale seien, etwa
so: A. Trichomanes S X A. septentrionale E und A. septentrio-
nale $ X 4. Trichomanes £. Zur Entscheidung dieser Fragen
schlägt Luerssen Culturversuche vor. Die dritte Nummer bezieht
sich auf einen von Herrn Lehrer W. Krieger bei Königstein in
Sachsen gemachten Fund des seltenen Pohypodium vulgare var. ser-
rata Willd. Luerssen bemerkt, dass die Untersuchung des von
diesem Fundorte stammenden Materials seine Ausicht von der grossen
Variabilität des. P. vulgare und von dem Vorhandensein allmäliger
Uebergänge zwischen den Varietäten und Formen dieses Farnes nur
bestätigt habe. Zukal.
Neue Beiträge zur systematischen Stellung des Soorpilzes in der Bota-
nik. Von Dr. Hugo Carl Plaut. Leipzig. Verlag von Hugo Voigt.
In dieser Abhandlung sucht der Verfasser den Beweis zu lie-
fern, dass der bei Thieren und Menschen auf der Schleimhaut des
Mundes und an anderen Orten auftretende Soorpilz identisch ist
mit der auf Holz lebenden Torulaceae Monilia candida Bon.
Da es ihm gelungen ist, auf den Schleimhäuten von (mit Monilia
candida geimpften) Versuchsthieren Pilzwucherungen zu erzeugen,
welche vom „Soor“ nicht unterschieden werden konnten, so halten
wir den Beweis für erbracht. Auch hat sich Plaut durch weitläu-
fige nach der Koch’schen Methode durchgeführte Reinculturen bei-
der Pilze vor Täuschungen und Verwechslungen sichergestellt.
Zukal.
Journal de Botanique. Directeur: M. Louis Morot. Redaction et Admini-
stration: Paris, Rue Tournefort 28.
Unter diesem Titel wird von nun an in Paris am 1. und 15.
jeden Monats eine neue botanische Zeitschrift erscheinen. Das vom
15. Februar 1887 datirte Probeheft liegt uns vor. Der erste Aufsatz
ist von M. G. Bonnier: „La Constitution des Lichens“. In dem-
selben theilt der Verfasser nur ganz im Allgemeinen mit, dass es
ihm gelungen ist, den Thallus vieler Flechten auf synthetischem
Wege — also durch das Zusammenbringen bestimmter Algen und
Pilze — künstlich zu erzeugen. Einige dieser Flechten brachte Bon-
nier in sogenannten Pasteur’schen Flaschen (oder deren Modifica-
tionen) bis zur Fructification. Da es aber der Autor unterlässt, die
künstlich erzeugten Flechten zu nennen oder zu beschreiben, so muss
der ganze Aufsatz als „eine vorläufige Mittheilung“ betrachtet wer-
den. Dann folgt eine Arbeit von M. S. Constantin: „Observations
sur la Flore du Littorale“, welche rein floristischen Inhaltes ist und
in den nächsten Nummern fortgesetzt werden wird. Im dritten Auf-
satze: „Deux nouvelles espöces de Piychogaster“ beschreibt M. Bou-
dier zwei neue Ptyehogaster-Arten und illustrirt dieselben sehr
deutlich. Die erste Art eisst Ptych. eitrinus und gehört nach den
Beobachtungen Boudier’s als Conidienform zu Polyporus amorphus
218
Fr. Die zweite Art nennt er Ptychogaster rubescens und behauptet
deren unzweifelhaften genetischen Zusammenhang mit Polyporus va-
porarius Fr. Sodann folgt ein mit F. Hesincq unterzeichneter Ar-
tikel über die Cultur der Nepenthen in den Gewächshäusern. Zuletzt
eine Mittheilung über eine neue Präparationsmethode der Herbar-
pflanzen. In derselben wird zum Pressen und Trocknen der Pflanzen
nicht Löschpapier, sondern das Strohpapier (Dütenpapier der Krämer)
empfohlen. Als Anhang Mittheilungen über gelehrte Gesellschaften,
Personalien ete. Zukal.
Repetitorium der medieinischen Hilfswissenschaften. Theil III. Botanik.
Bearbeitet von Dr. Georg Kassner. Breslau 1887.
Verfasser sucht in dem vorliegenden Buche der nicht eben
leichten Aufgabe gerecht zu werden, das für Medieiner, Pharmaceu-
ten ete. Wissenswerthe aus der gesammten Botanik im knappsten Raume
(auf 100 Seiten!) zusammenzustellen. Der „allgemeinen Botanik“
sind p. 1—25 gewidmet. (rerade die Anatomie und Morphologie ver-
tragen aber kaum eine so überaus compresse Behandlung, und Un-
genauigkeiten, die selbst als Irrthümer aufgefasst werden könnten,
begegnen uns mehrmals in den ersten Capiteln. So beispielsweise
p. 3: „Mitunter enthalten die Intercellularräume verschiedene
unorganische Pflanzenstoffe, wie z. B. Harz, Gummi; sie
werden dann als schizogene Secretbehälter bezeichnet“'),
erkennt man etwa die Natur des Intercellularganges bloss an dem
Inhalte? P. 10 unterscheidet Verfasser „Keimblätter (Kotyledonen),
Wurzel- und Stammblätter“; gleich darauf (p. 11) findet sich die
Aeusserung: „Einen besonderen Fall der Blattstellung bilden die
gegenständigen oder decussirten Blätter“. Weit besser ist der „spe-
eielle Theil“ bearbeitet; ihrer Natur nach fügt sich eben die Auf-
zählung der Ordnungen, die Charakteristik derselben und Anführung
der pharmaceutisch oder ökonomisch wichtigeren Arten leichter in
einen engen Rahmen. Verfasser nimmt dabei auf die Pharmacopoea
(germ.) gebührende Rücksicht. Rathsam wäre es auch gewesen, die
Verhältnisse des Blüthenbaues durch die geläufigen „Formeln“ zum
Ausdrucke zu bringen. Das Buch wäre dann um einige Seiten ärmer
geworden und hätte durch diesen Umstand als „Repetitorium“ nur
gewonnen. Dr. M. Kronfeld.
— a —
Correspondenz.
Wien, am 12. Mai 1887.
In der letzten (5.) Nummer der „Oesterr. botan. Zeitschrift“
(p. 162) theilt Prof. Voss mit, dass ihm heuer von einem Schüler
ein Galanthus nivalis (von Kaltenbrunn bei Laibach) gebracht wurde,
'!) Die Sperrung rührt hier, wie in den nächstfolgenden Zeilen vom Re-
ferenten her.
ps
219
bei dem „unter der Zwiebel noch ein Stengelstück zu bemerken war“,
und dem es auch gelang, ein Exemplar zu erhalten, an welchem
zwei reich bewurzelte Zwiebeln in einer Entfernung von 2'5 Cm.
übereinander standen. Anschliessend daran will ich erwähnen, dass
gerade auch heuer mir von Schülern mehrere Schneeglöckchen gebracht
wurden, bei denen sich die Zwiebel nach unten in ein 1—2 Cm.
langes Caulom fortsetzte. Ich habe die Erscheinung in der Schule
demonstrirt, daran einige Bemerkungen über die morphologische Natur
der Zwiebel geknüpft, weiter jedoch die Sache nicht verfolet. Im
vorigen Jahre erhielt ich auch ein Exemplar, welches in den Blüthen-
theilen den tetrameren Typus zeigte, wie ihn Prof. Voss beschreibt.
A. Burgerstein.
Budapest, am 24. April 1887.
In der Nähe von Budapest, am Gr.-Schwabenbere, steht in
einem Garten ein mittelalter kräftiger Mandelbaum. Der Garten-
eigenthümer theilte mir gestern über diesen Baum Folgendes mit:
derselbe blühte aus unbekannten Gründen sechs Jahre hindurch kein
einziges Mal, war aber sonst gesund und jedesmal regelmässig be-
laubt. Gelegentlich einer im Herbste des Jahres 1885 vollführten
Renovirung einer Parcelle dieses Gartens, worauf auch dieser Baum
stand, wurde der kalksteinige, ziemlich schwache Boden tief aufge-
graben. Als man in die Nähe des Mandelbaumes kam, liess man
einen Kreis von beiläufig 1'/, Meter im Diameter unaufgegraben,
um die Wurzeln nicht zu beschädigen. Trotz dieser Vorsicht wur-
den mehrere starke Wurzeläste losgelöst. Um die günstige Gelegen-
heit zu benützen, wurde Düngersaft den Wurzeln in reichlicher
Menge dargeboten. Nächsten Tag gab man noch Kuhdünger mit
Erde vermengt hinzu. Im nächstfolgenden Frühjahre fing der Baum
an zu blühen und im Herbste 1886 erhielt der Baumbesitzer bei
der Lese zwei Liter ausgelöste Mandelkerne. Gestern zeigte er mir
diesen Baum, welcher diessmal in vollster Blüthe prangte. Ausser
Zweifel ınuss der beigebrachte Dünger die beschriebene Wirkung
hervorgerufen haben. K. Schilberszky.
Lemberg, 5. Mai 1887.
Ich gebe hiemit bekannt, dass ich im vorigen Jahre zwei für
die galizische Flora neue Fpilobium-Bastarde entdeckt habe, und
zwar beide in Dubienko bei Monasterzyska, nämlich: E. obscuro
> montanum und E. parviflorum X obseurum. Die erste Pflanze ist
ganz conform mit den mir vorliegenden Exemplaren aus Thüringen.
Bei dieser Gelegenheit mögen dahier nachstehende Berichti-
gungen Platz finden:
1. Mein Cytisus austriacus aus Werenezanka in der Buko-
wina ist gar nicht identisch mit der Art Jaequins gleichen Namens,
welche ich in letzterer Zeit aus Nieder-Oesterreich kennen gelernt
habe, sondern entspricht dem ebenfalls sitrdosteuropäischen © wires-
220
cens Koväts, der sich von ©. austriaeus durch breitere dunkelgrüne
Laubblätter, durch mit kurzen, starren und wagrecht abstehenden
Haaren dicht besetzten Stengel, sowie durch grössere und dunkler
gefärbte (goldgelbe) Kronen unterscheidet. Exemplare des ©. vörescens
Kov. aus der Bukowina stimmen gänzlich überein mit den unga-
rischen Exemplaren, die ich der Güte meines sehr geehrten Freundes
v. Borbäs verdanke.
2. Die im vorigen Jahre durch „Linnaea* ausgegebene und
von deren Sammler, Szepigletti, für Sala dumetorum Andr. ge-
deutete Pflanze aus der Flora von Budapest ist durchaus nicht die
Art Andrzejowski’'s gleichen Namens, sondern nur S. pratensis L.
f. parviflora m.
3. Alles, was ich bis jetzt aus der Flora von Prag unter der
Bezeichnung Potentilla collina Wib. und P. silesiaca Uechtr. zu Ge-
sicht bekommen habe, gehört ausschliesslich zu P. Lindackeri Tausch
(P. collina var. virescens Celak., P. silesiaca Zimmet. pro parte),
welche ebenso von der echten P. collina Wib. (in F. Schltz. Herb.
norm.), wie auch von der mir in Originalexemplaren vorliegenden
P. silesiaca Uechtr. toto coelo verschieden ist.
4. Die von Herrn J. Bubela in den Sudeten gesammelte und
durch „Linnaea“ unter dem Namen Festuca supina Schur heraus-
gegebene Art ist ganz identisch mit Originalexemplaren der Fest.
rupicaprina Hackel, welche ausgezeichnete Art auch in den Öst-
karpathen (legit Dr. Woloszezak) vorkommt.
5. Pulmonaria saccharata Schur aus Siebenbürgen ist nach
eingesehenen Originalexemplaren Schur’s mit P. rubra Schott und
nicht mit der südwesteuropäischen P. saccharata Mill. identisch.
Br. Btocki.
Brünn, am 6. Mai 1887.
Von befreundeter Seite erfahre ich soeben, dass schon Genersich
im Elenchus florae scepusiensis 1798 in Leutschau in Ungarn eine
Centaurea aus dem Formenkreise der ©. montana L. mit dem Attri-
bute carpatica bezeichnet hatte, welche Neilreich in seinen „Auf-
zählungen der in Ungarn und Slavonien beobachteten Gefässpflanzen“
zur ©. montana L. ß minor = (. strieta W. et Kit. Pl. rar.
Hung. — (©. awillaris Willd. gezogen und es hat daher meine Pflanze
mit der Genersich’schen nichts Gemeinsames. Um jedoch Missver-
ständnissen vorzubeugen, sehe ich mich veranlasst, die in d, Z. 1887,
p. 153 publicirte Centaurea carpatica mihi in Centaurea Javorni-
kiensis mihi umzutaufen. Dr. Formänek.
Lemberg, am 12. Mai 1887.
Seit ein paar Monaten wird zwischen Herrn Blocki einerseits
und den Herren Braun und Borbäs anderseits über das Vorhanden-
sein von Drüsen auf der Unterseite der Blätter der Rosa leopolien-
sis Bl.—= R. frutetorum Bess. var. leopolitana Br. gestritten. Bei
221
dem Umstande, dass auch meine Herrn Braun mitgetheilten Rosen
in diesen Streit einbezogen erscheinen, glaube ich in demselben in-
terveniren zu müssen, um ihn seiner endgiltigen Lösung zuzuführen.
In der Nähe des ehemaligen St. Adalbertkirchleins bei Lemberg habe
|
|
ich unter anderen Rosen zwei gefunden, welche mir durch die röth-
lichen Drüsen auf der Unterseite ihrer Blätter aufgefallen waren.
Von der einen derselben nahm ich am 16. Juni 1885 einen blühen-
den Zweig und einen Schössling, von der anderen am 11. Juli d. J.
einen Fruchtzweig und einen Schössling. Knapp vor meiner Abreise
nach Wien im selben Jahre bezeichnete ich die Zweige der erst-
genannten Rose mit Nr. 5, die der zweitgenannten mit Nr. 44,
trennte von derselben Theile ab, bezeichnete sie mit den correspon-
direnden Nummern und übergab sie persönlich Herrn Braun mit
der Bemerkung, dass Herr Blocki diese Rosenform als R. leopo-
liensis ausgegeben habe und dass sie im frischen Zustande röthliche
Drüsen auf der Unterseite der Blätter zeige. Vor meiner Abreise
aus Wien übergab mir Herr Braun das meine Rosen betreffende
Manuscript mit den von mir auf die für ihn bestimmten Etiquetten
geschriebenen Nummern versehen, nach welchen ich die von mir
behaltenen Stücke der Rosen Nr. 5 und 44 als R. frutetorum Bess.
var. leopolitana Br. bestimmt habe. Ich erkläre hier, dass jedwede
Verwechslung bei der Nummerirung der Rosen mit der grössten
Sorgfalt von mir vermieden wurde. Während ich diese Zeilen schreibe,
habe ich die Rosen Nr. 5 und 44 vor mir liegen. Bei der Rose
Nr. 44 bemerke ich auf der Unterseite der Blätter blassbraune
Drüsen; die Rose Nr. 5 machte mich anfangs stutzig, denn im ersten
Augenblicke sah ich die Drüsen nicht, ich nahm eine Loupe mit
20maliger Vergrösserung und sah sie nun ganz deutlich, nur dass
ihre Färbung mit der des Blattes ganz übereinstimmte, was die
Ursache gewesen, dass sie mir nicht gleich auffallen wollten. Welche
Stücke die Herren Braun und Borbäs im Sinne hatten, als sie
ihre Ansichten aussprachen, weiss ich nicht; ich vermuthe, dass es
jene blassdrüsigen waren, deren Drüsen ihnen wie auch mir heute
nicht gleich aufgefallen waren. Sollte das nicht der Fall sein, dann
hat irgend eine Verwechslung stattgefunden, an der ich absolut keine
Schuld mir zuschreiben kann. Zweifellos ist es, dass die zwei Sträu-
cher, denen die Nummern 5 und 44 entnommen sind, die strittigen
röthlichen Drüsen besitzen. Ich glaube, diese Erklärung ist voll-
kommen hinreichend und macht meine weiteren Erklärungen in die-
ser Angelegenheit vollkommen überflüssig. Dr. Woloszezak.
— Anm
Personalnotizen.
— Dr. Eduard Ritt. von Janczewski ist zum ordentl. Pro-
fessor der Anatomie und Physiologie der Pflanzen an der Universität
Krakau ernannt worden.
Oesterr. botan, Zeitschrift. 6, Heft 1897, & 18
222
— Dragutin Hire, bisher Lehrer in Buccari, ist als solcher
in Lepoglava bei Warasdin in Croatien angestellt worden.
— Dr. Friedrich W. Lorinser, Sanitätsrath und Director
des Krankenhauses Wieden in Wien wurde durch Verleihung des
Ordens der Eisernen Krone III. Classe ausgezeichnet.
— Gustav Schneider, bisher Bergverwalter in Schmiedeberg,
ist in gleicher Eigenschaft nach Cunnersdorf bei Hirschberg in Pr.-
Schlesien übersiedelt.
— Dr. P. Falkenberg, bisher a. o. Professor der Botanik an
der Universität Göttingen, ist zum ord. Professor und Director des
botanischen Gartens an der Universität Rostock ernannt worden.
— Dr. August Schenk, Professor der Botanik und Director
des botanischen Gartens und des bot. Instituts in Leipzig, hat sein
Amt niedergelegt.
— Graf Solms-Laubach, Professor der Botanik in Göttin-
gen, wurde von der Linnean Society in London zum Ehrenmitgliede
gewählt.
— Dr. Asa Gray, Professor an der Universität in Newcam-
bridge, weilte v. M. in Wien. Am 18. Mai besuchte der 77 Jahre
alte Gelehrte eine Vorlesung des Hofrathes Dr. Kerner v. Mari-
laun und wurde bei dieser Gelegenheit von den Anwesenden demon-
strativ empfangen.
Vereine, Anstalten, Unternehmungen.
— In einer Sitzung der k.k. Akademie der Wissenschaften
in Wien am 31. März überreichte Dr. Karl Fritsch eine im pflan-
zenphysiologischen Institute der k. k. Universität zu Wien ausge-
führte Arbeit unter dem Titel: „Anatomisch-systematische Stu-
dien über die Gattung Rubus. In derselben wird eine Uebersicht
des anatomischen Baues der oberirdischen Vegetationsorgane bei Ru-
bus gegeben, gestützt auf die Untersuchung von 31 Arten aus ver-
schiedenen Sectionen der Gattung. Ausführlicher behandelt werden
diejenigen Merkmale, die für die Unterscheidung der Untergattungen
und Artengruppen, theilweise auch einzelner Arten, verwerthbar er-
schienen. Als solche erwiesen sich: der Verlauf der Fibrovasalstränge
in den Blattstielen; der Bau des Markes je nach der Vertheilung
der inhaltführenden („activen“) Zellen desselben; die secundären Ver-
änderungen der Rinde; Bau und Anordnung der Trichome; endlich
das Vorkommen des oxalsauren Kalkes, welcher bei manchen Arten
nur in Form von Drusen, bei anderen dagegen vorwiegend in ein-
zelnen Krystallen abgelagert erscheint. Im Allgemeinen stellt sich
heraus, dass die von Focke aufgestellten Sectionen der Gattung sich
auch anatomisch von einander trennen lassen, wie diess aus der Ta-
belle am Schlusse der Abhandlung zu entnehmen ist.
en
223
— Monats- Versammlung der k. k. Zoolog.-botan. Gesell-
schaft in Wien am 4. Mai. Prof. Dr. Burgerstein widmete dem
Andenken des verewigten Gymnasial-Directors Reg.-Rathes Dr. Alois
Pokorny einen warm empfundenen Nachruf in Form eines Nekro-
loges. — Dr. Otto Stapf hielt — aus dem reichen Materiale seiner
persischen Ausbeute schöpfend — einen Vortrag „über die Stachel-
pflanzen der iranischen Steppen* und demonstrirte die typischen
Charaktere dieser Pflanzengruppe. — Dr. Moriz Kronfeld sprach
„über die geographische Verbreitung der Typha Shuttleworthü;, so-
dann über die Eigenthümlichkeiten des Keimungsprocesses beim Ge-
nus T'ypha. — Hierauf folgte Dr. F. Östermeyer, welcher bei der
übernommenen Sichtung des von Georg Spreizenhofer testamen-
tarisch der zool.-botan. Gesellschaft hinterlassenen Herbars die auf
der letzten Reise des eben genannten Botanikers nach dem griechi-
schen Archipel gemachten Pflanzenfunde in einer Enumeration unter
dem Titel: „Beitrag zur Flora der jonischen Inseln“ zusam-
mengestellt hat und nun das betreffende Manuscript vorlegte. —
Herr F. Höfer ceitirte aus dem Herbar des Baron Salis, welches
der Vortragende durchzusehen Gelegenheit hatte, eine ansehnliche
Reihe von bisher nicht bekannten Standorten mehr oder weniger
seltener Kryptogamen. — Dr. R. v. Wettstein constatirte das Vor-
kommen von vier Formen der Gattung Sesleria im Gebiete der nieder-
österreichischen Flora.
Moriz Prihoda.
Botanischer Tauschverein in Wien.
Sendungen sind eingelangt: Von Herrn Dr. Richter mit Pflan-
zen aus Niederösterreich. — Von Herrn Steininger mit Pflanzen
aus Öberösterreich. — Von Herrn v. Degen mit Pflanzen aus
Ungarn.
Sendungen sind abgegangen an die Herren Churchill, Pastor.
Vorräthig: (B.) = Böhmen, (Bd.) —= Baden, (By.) = Bayern,
(Cr.) = Croatien, (F.) = Frankreich, (6) — Galizien, (H.) = Harz,
(1.) = Istrien, (Kt.) — Kärnten, (M.) = Mähren, ER = Nieder-
österreich, (OOe.) — Oberösterreich, (P.) = Polen, (Rp.) = Rhein-
provinzen), (S1.) = Schlesien, (St.) = Steiermark, (Sw.) = Schwe-
den, (T.) = Tirol, (U.) —= Ungarn, (W.) = Westfalen.
Matricaria Ohamomilla (P.), discoidea (S1., Berlin), Mattia um-
bellata (U.), Medicago carstiensis (Kt.), falcata (NOe., ‚O0e., P.), lu-
pulina (P.), maculata (England), marina (T.), media (NOe.), minima
(Or., M., NOe., U.), orbieularis (Cr.), prostrata (U.), sativa (NOe.,
O0e.), tribuloides Pr varia (Cr.), Melampyrum arvense (&., NOe.),
cristatum (NOe., Sl., U.), eristatum var. pallens (Sw.), grandiflorum
(NOe.), nemorosum (NOe., O0e.), pratense.(B., M., O0e.), silvaticum
224
(H., NOe., Sl., W.), Melandrium pratense (B., Sl.), silvestre (OOe.,
S1.), Melica altissima (U.), nebrodensis (Bd.), pieta (G.), Melilotus
albus (By.), altissimus (M.), coeruleus (U.), ofieinalis (B.), paluster
(U.), Melissa altissima (F.), Melittis Melissophuyllum (NOe., U.), Men-
tha aquatica (NOe., U.), arvensis (NOe.), Haynaldiana (U.), pube-
scens var. viridis (U.), Pulegium (M., U.), purpurea (U.), verticillata
(U.), Menyanthes trifoliata (NOe., OOe., P.), Mercurialis annua
(W.), perennis (NOe., Sl., U.), Mespilus germanica (NOe.), Micropus
erectus (NOe., U.), Milium efusum (P.), Moehringia muscosa (By.,
NOe., O0e.), polygonoides (T.), Ponae (St.), Tommasinii (l.), tri-
nervia (P.), Moenchia erecta (H.), Molinia coerulea (M., OOe.), se-
rotina (Cr., I, NOe.), Monotropa Hypopitys (NOe.), Montia minor
(W.), rivularis (O0e., W.), Morus alba (Kt.), Mulgedium alpinum
(NOe., S1.), Muscari botryoides (By., Cr., 1.), commutatum (1.), Ker-
neri (1.), racemosum (VU.), tenuwijlorum (NOe.), Myosotis alpestris
(O0e., T.), hispida (B.), intermedia (S].), palustris (O0e.), silvatica
(NOe., U.), sparsiflora (P., St.), stenantha (F.), versicolor (Cr., W.),
Myosurus minimus (S1., U.), Myrica Gale (Luckau), Myriophyllum
alterniflorum (W.), spicatum (OOe.), vertieillatum (M., W.), Myrrhis
odorata (Sl.), Najasmajor (U.), minor (U.), Narecissus poetieus (OOe,,
St), radiflorus (Cr., 1), Nardurus Lachenalü (F.), Nardus strieta
(B., P., Rp.), Narthecium ossifragum (Rp., Sw.), Nasturtium anceps
(Bd.), Kerneri (U.), oficinale (NOe., W.), pyrenaicum (Bd.), sil-
vestre (NOe.).
Obige Arten können nach beliebiger Auswahl im Tausche
oder käuflich die Centurie zu 6 fl. (12 R. Mark) abgegeben werden.
Inserat.
In Carl Winter’s Universitätsbuchhandlung in Heidelberg
ist soeben erschienen:
Entwurf einer natürlichen Anordnung der Orchideen.
Von Dr. Ernst Pfitzer, o. Professor der Botanik in Heidelberg. Lex.-
8°, brosch. 4 M.
Diese Schrift erscheint im Anschluss an des Verfassers „Grund-
züge einer vergleichenden Morphologie der Orchideen“ (40 M.) und die
im vorigen Jahr erschienenen „Morphologischen Studien über die Orchi-
deenblüthe“* (4 M. 40).
Diesem Hefte liegt bei ein Prospect „Conspeetus plan-
tarum vascularium“ der Gebr. Borntraeger in Berlin.
Redacteur und Herausgeber Dr. Alexander Skofitz. — Verlag von C. Gerold’s Sohn.
C. Ueberreuster'sche Buchdruckerei (M. Salzer) in Wien.
Oesterreichische
Botanische Zeitschrift,
Die österreichische Exemplare
botanische Zeitschrift Organ die frei durch die Post be-
erscheint zogen werden sollen, sind
den Ersten jeden Monats. f blos bei der Redaction
Man pränumerirtauf selbe ür (IV. Bez., Mühlgasse Nr. 1)
mit 8 fl. öst. W, zu pränumeriren.
Cor. Mar) .„ Botanik und Botaniker. „„mNeyis
ganzjährig, oder mit Buchhandels übernimmt
4 fl. öst. W. (8 R. Mark) Pränumeration
halbjährig. E €. Gerold’s Sohn
Inserate in Wien,
die ganze Petitzeile N: 7 sowie alle übrigen
15 kr. öst. W. .r ” Buchhandlungen.
XXXVIH. Jahrgang. WIEN. Juli 1887.
INHALT. Rhamnus orbieulata. Von Bornmüller — Galium Jarynae. Von Dr. Woloszezak. —
Hieracium eiliatum. Von Blocki’ — Autobiographie. Von Vechtritz. — Rubusflora Bosniens. Von
Sabransky.-- Flora von Nord-Mähren. Von Dr. Formänek. — Hieracien. Von Schneider. —
Flora des Etna. Von Strobl]. -- Literaturberichte, — Correspondenz. Von Kronfeld, Braun,
Vägner, Formänek. Degen, Woloszezak, Borbäs, Ullepitsch. — Personalnotizen. —
Vereine, Anstalten, Unternehmungen. — Botanischer Tauschverein. — Inserat.
Rhamnus orbiculata Bınnllr. n. sp.
Von J. Bornmüiller.
Rhamnus orbiculata: ramis patulis squarrosis ramulosis, ra-
mulis suboppositis tandem spinescentibus; foliis parvis longissime pe-
tiolatis, erenulatis, orbiculatis vel rarius ovatis, basi rotundata vel
subcordata rarius paulo cuneata, apice obtusissima rotunda saepius
parum emarginata et mucronata; petiolo foliorum latitudinem aequante
neque raro ea sesquilongiore, puberulo; foliis utrimque 3—4F nervis
convergentibus instructis, glabris subtus ad nervarım awillas pube-
scentibus; floribus awillaribus, 1—9 fasciculatis, longe ((—12 mm.)
pedunculatis; calyeis laciniis triangulari-lanceolatis, petalis oblongis
lanceolatis; drupa ...
Diese neue durch die langen Blattstiele und die fast kreis-
runde Blattfläche ausgezeichnete Rhamnus-Art aus der Gruppe der
Catharticae bildet einen interessanten Zuwachs in der Reihe der
kleinblätterigen Rhamnaceen, indem er sich unmittelbar an die ver-
wandten Rhamnus tinctoria W. K., Rh. infectoria L. und Rh.
intermedia Steud. et Hochst. anschliesst und hinsichtlich der Blatt-
breite im Verein mit der Stiellänge gleichsam das Endglied dieser
Reihe bildet. — Ich entdeckte ibn im südlichen Dalmatien an bu-
| schigen Abhängen in der Zuppa di Cattaro, woselbst er äusserst
dicht verzweigte dornige Sträucher bildet, die kaum die Höhe von
1 Meter überschreiten. Zwei andere Rhamnus-Arten, Paliurus acu-
leatus Lam. und Rhamnus rupestris Scop. (Rh. pumilus Wulf.) thei-
len mit ihm diesen Standort, während ieh Rh. infecetorius L. und
Oestorr. botan. Zeitschrift. 7. Heft. IART 19
226
Rh. intermedius Steud. et Hochst. nur nordwärts, wenn schon
in nächster Nähe der Stadt Cattaro antraf. Direct über diesen
Kalkwänden bei etwa 900—1000 Meter gesellte sich ihnen noch
Rhamnus alpina L. und Rh. sawatilis L. zu, und um die Artenzahl
des Küstenlandes zu vervollständigen, sei noch erwähnt, dass ich im
Karst in Menge Rh. pumila L. in nächster Gesellschaft mit Zh.
carniolica A. Kern. vorfand; Zh. cathartica L. und Rh. frangula L.
sind mir weder auf meiner Reise durch Dalmatien, noch in Monte-
negro und in der Hercegovina unter die Augen ge ‚kommen.
Das nackte nur in den Winkeln der Nerven unterseits flaumig-
behaarte Blatt besitzt den normalen Längsdurchmesser von 14 Mm.
(12—18), der grösste Querdurchmesser, der kaum nur einige Milli-
meter kleiner ist, befindet sich in der Mitte des Blattes; nur bei
einzelnen grossen Blättern rückt er nach vorne dicht unter die Blatt-
spitze; das Blatt spitzt sich dann plötzlich zu, ist ganz abgeflacht
oder verläuft mit einer ganz seichten Ausrandung in eine besondere
Spitze aus. Gewöhnlich besitzt der Mittelnerv nur drei deutliche
Seitennervenpaare und nur in aussergewöhnlichen Fällen gesellt sich
ein viertes Paar dazu. Der Blattrand ist stumpf gezähnt, wobei ein
jeder Zahn mit einer besonderen, nach vorne gerichteten, etwas ein-
gekrümmten Stachelspitze versehen ist. — Die Blüthen befinden sich
am mehrjährigen Holze an sehr verkürzten Aestchen meist in ge-
ringer Anzahl zu 1—3, seltener zahlreich in scheinbar quirlständigen
Büscheln zu 6—10 in Begleitung von 3—5 Blättern. Treibt die
Terminalknospe dieser verkürzten Blüthenzweige aus, so verholzen
häufig die unteren schlafenden Augen, und die blattlosen Blüthen-
büschel erscheinen noch dichter gedrängt. Die dreieckig-lanzettlich
zugespitzten Kelchzipfel sind fast doppelt so lang als die schmalen,
länglich-ovalen, zugespitzten Blätter der Corolla, die wie die des
Kelches von gelblichgrüner Färbung sind. Ueber die Gestaltung der
Frucht vermag ich leider noch nichts zu sagen, da ich die Pflanze
Ende Mai sammelte und zur Zeit noch keine Spur von Fruchtbildung
zu sehen war.
Zum Vergleiche mit den nächststehenden Rhamnus-Arten wäre
nur Rh. intermedius Steud. et Hochst. zu erwähnen. Ah. infectoria
L. und Rh. tinetoria W. K. besitzen beide Blattstiele, die meist
4—5 mal kürzer als das eiförmige oder eilängliche Blatt sind. In
gleicher Hinsicht ist Rh. prunifolia Sibth. ausceschlossen, während
sich Rh. intermedius Steud. et Hochst. durch die Blattform unserer
Pflanze am meisten nähert, sich aber durch den relativ weit kürze-
ren Blattstiel (= '/, der Blattspreite) durch die häufig untermisch-
ten länglich-ovalen aber nie kreisrunden, sondern stets kurz zuge-
spitzten Blätter, durch die langgestielten und zahlreicheren Blüthen,
dureh die Form der Corolla sofort von der Rh. orbieulata unter-
scheiden lässt. — Noch wäre Rh. petiolaris Boiss. des Orients (Sy-
rien, Kleinasien) aufzuführen, von welcher ich leider nur die stark
behaarte Varietät „velutina“ Boiss. gesehen habe; und mit welcher
sie in keiner Weise übereinstimmte. Boissier (Fl. ovient. p. 1) be-
227
zeichnet wohl die Blätter: „foliis petiolo eis subaequilonro vel pa-
rum breviore“ und „a basi cuneata vel rarius rotundata vel subcor-
data“, was Beides auf eine Anzahl der mehr oder weniger varliren-
den Blattformen passen könnte, aber das folgende „foliis oblongis
acutis vel acuminatis* schliesst auch diese Möglichkeit aus, ebenso
wie in geographischer Hinsicht diese Annahme sehr wenig Wahr-
scheinliches für sich hat.
Belgrad, im Mai 1837.
Era
Galiwn Jarynae (6. Mollugo X polonicum).
Von Dr. E. Woloszezak.
Difert a @. Mollugine: caule stricto inferne minus mani-
feste angulato; ramis inflorescentiae, longioribus et apicem versus
angustioribus foliis et gracilioribus pedunculis plus minusve erectis
nec unquam deflewis; a @. polonico: folüs brevioribus et obtusio-
ribus, ramis inflorescentiae et crassioribus pedunculis magis distan-
tibus. In Galicia, in caedibus silvae Janoviensis prope Jarynam inter
parentes.
— a —
Hieracium eiliatum n. sp.
Von Br. Blocki.
Diagnose. Rhizom schief, oberirdische Stolonen treibend.
Stolonen röthlich, dünn, sehr verlängert (bis 5 Dem. lang), peitschen-
förmig, blüthentragend, eine kurze Strecke niederliegend, dann bogig
in die Höhe aufsteigend, mit decrescirenden Blättern besetzt, von
denen die unteren mit den untersten Stengelblättern und die oberen
mit den oberen Stengelblättern conform sind. Stengel im unteren
Theile röthlich, steif aufrecht, 2—5 Dem. hoch, an der Basis 3 bis
4 Mm. dick, innen hohl, fein längsgestreift. Blüthensiand dolden-
rispig, vor dem Aufblühen geknänelt, dann mehr oder weniger locker,
15- bis 30köpfig. Blätter intensiv blau bereift, fast hechtblau,
steiflich, im getrockneten Zustande papierdünn. Grundständige
Blätter 8—10 Cm. lang, länglich-lanzettlich, im oberen Drit-
tel am breitesten (1'5—2 Cm., selten 3 Cm. breit), gegen den Grund
hin allmälig verschmälert, spitzlich, an der Spitze etwas zusammen-
Ben (nur die zwei untersten abgerundet stumpf), an den Rän-
ern entfernt gezähnelt, mit meist röthlichem, deutlich hervor-
- tretendem Mittelnerv. Stengel mit 5—7 decrescirenden Blättern be-
setzt, von denen die drei unteren nahe bei einander inserirt sind
und in der Gestalt mit den Wurzelblättern übereinstimmen; obere
Stengelblätter von einander ziemlich weit entferut, eilänglich,
allmälig zugespitzt, sitzend, das oberste lineal, ein 2 bis
19
223
3 Köpfchen tragendes Aestchen stützend. Blühendes Köpfchen 7 Mm.
lang (ohne ligulae), 5 Mm. breit, in der Mitte etwas eingeschnürt,
mit gerundeter Basis; Hüllschuppen lineal, in eine stumpfliche
Spitze allmälig verschmälert, 1 Mm. breit, an den Rändern weisslich-
grün. Blätter beiderseits gegen die Ränder hin, sowie der Blatt-
rand und der Mittelnerv unterseits mit langen (3—4 Mm.),
an der Basis zwiebelartig verdickten, wagrecht abstehenden,
steiflichen Haaren ziemlich dicht besetzt; sonst ist die beiderseitige
Blattfläche, insbesondere gegen die Blattspitze hin ganz kahl.
Ueberdiess tragen die Blätter auf der Unterseite eine ziemlich
dichte Flockenbekleidung (Sternhaare), welche jedoch später fast
gänzlich verschwindet. Der ganze Stengel, sowie die Kopfstiele
und der Mittelstreif der Kopfhüllblättchen sind mit 3—4 Mm. langen
(einige sogar 5 Mm. lang), wagrecht abstehenden, steiflichen, an
der Basis zwiebelartig verdickten, weisslichen Haaren dicht beklei-
det (besonders dicht an der Spitze und der Basis des Stengels);
die Haare an der Spitze des Stengels und innerhalb des Blüthen-
standes sind in ihrer unteren Hälfte schwärzlich. Die Flocken-
bekleidung des Stengels nimmt nach unten an Dichtigkeit all-
mälig ab, so dass der untere Stengeltheil fast flockenlos erscheint;
gegen den Blüthenstand hin bedecken die Sternhaare den Stengel
und ebenso die Kopfstiele und den Mittelstreif der äusseren Hüll-
blättchen sehr dicht. Der oberste Theil des Stengels (besonders
dicht unter dem Blüthenstande), die Kopfstiele und die Hüllblättchen
besitzen ausserdem eine ziemlich reichliche (minder reichlich als
z. B. bei H. Auricula L.) Bekleidung, bestehend aus sehr kurzen,
drüsentragenden Haaren. Blüthenfarbe blassgelb, einige Rand-
blüthen unterseits röthlich gestreift. Blüthezeit beginnt in der ersten
Hälfte des Juni.
Standort. Auf Holzschlägen und trockenen Wiesen in der
ganzen Umgegend von Lemberg nicht selten. Bisher von mir beob-
achtet in Holosko, Kleparöw, Lesienice und Zubrza. In Kleparöw und
Zubrza wächst diese jedenfalls sehr distinete Art in Gesellschaft mit
H. pratense Tausch, H. polonicum m., H. leopoliense m. und H. Au-
rieula L., mit welch letzterem es in Lesienice einen eclatanten
Mischling bildet.
— tn —
Mein wissenschaftliches Streben und Schaffen.
Eine Autobiographie von Rudolf v. Uechtritz.
Yorwort.
... Der ich gelebet sonder Wanken...
Die Lücke, die der botanischen Welt durch den unerwarteten
Hingang unseres Freundes Rudolf v. Uechtritz erwachsen ist, wird
nicht allein in Schlesien, sondern auch an anderen Orten tief empfunden
229
werden. Denn was den Dahingeschiedenen neben seiner ausserordent-
lichen Befähigung als Naturhistoriker ganz besonders auszeichnete.
das war eine unverbrüchlich geübte Selbstlosigkeit, eine übergrosse
Mittheilsamkeit und eine rastlose Freudigkeit im Untersuchen und
Forschen. Darüber, so meine ich, herrscht nur eine Stimme. Daher
geschah es, dass der Zudrang seines Urtheils über botanische Dinge
tbeilhaftig zu werden, im Laufe der Zeit sich ungemein mäch-
tig gestaltete, da er, als treuer Helfershelfer in allen strittigen
Fragen, nie müde wurde, den Anfänger wie den Erfahrenen that-
kräftig zu unterstützen und gleichsam mit Mittheilungen zu über-
schütten. Der „Mann mit den langen Briefen“ machte das wissen-
schaftliche Arbeiten leicht und bequem. Man hat ibn gesehen mit
der grössten Aufopferung von Zeit eine sehr ausgebreitete Corre-
spondenz unterhalten und gewisse Wünsche seiner Correspondenten
mit allem Eifer verwirklichen, denn er hielt die Sache des Anderen
für seine eigene. Und diess war nicht anders möglich.
Er als Optimist glaubte vor allem an den Ausbau und die
Reife seiner Wissenschaft, der er so hingebend diente und kannte
keine Nebenzwecke, noch jene „goldenen“ Ziele, denen man heutzu-
tage nur allzuoft nachrennt. Wie strahlte sein Auge, wenn man der
alten Botaniker gedachte, die, kümmerlich nach aussen, um der Sache
selbst, ihre Welt und ihre Befriedigung unter Pflanzen fanden!
Seine Excursionen glichen wahrhaftigen Kräuterfahrten im vollen
Sinne des Wortes; nichts wurde auf diesen Wanderungen für gering
erachtet und selbst dem gewöhnlichsten Kraute eine neue Seite der
Betrachtung abgewonnen. Der botanischen Freunde gedachte er
besonders bei solchen Gelegenheiten. Da wurden die Funde sorgfältig
gebucht und sichergestellt, ein Verfahren, dem Gedächtnisse zu Hilfe
zu kommen. Ihn selbst durchdrang dabei jene hohe Freude, die alles
andere vergessen liess. „Wenn ich eine mich interessirende Pflanze,
die ich noch nicht kannte, zu sehen bekam, so fühlte ich mich gesund,
obgleich ich krank, und zwar sehr krank war“, gesteht er in einem
seiner Briefe. Allein „die Guten sterben jung“. Und so ist er dahin-
gegangen in der Vollkraft seiner Jahre, ohne die unzähligen Unter-
suchungen und Beobachtungen zum vollen Abschluss gebracht zu
haben, aber er bleibt unvergessen und lebt fort im Gedächtnisse
seiner Fachgenossen.
Nach wissenschaftlichem Brauche tragen Arten und Hybriden
in den Gattungen Brassica, Delphinium, Euphrasia, Prangos, Or-
chis, Epilobium, Hieracium seinen Namen als Zeichen der Anerken-
nung und selbst ein blühendes Zweiglein des Hieracium burbatum
Tausch, das einem Trauerkranze verborgen beigefügt wurde, konnte
auch als sinnige Andeutung und Erinnerung an sein Lieblingsstu-
dium gelten.
Da viele Aufsätze des Dahingegangenen in der „Oesterreichischen
botanischen Zeitschrift“ (der erste im Jahre 1857) veröffentlicht
worden sind, so erschien es gerechtfertigt nach dem Wunsche seiner
Mutter, der Frau Baronin v. Uechtritz, auch in dieser Zeitschrift
sein Leben, von ihm selbst im Jahre 1883 geschrieben und in seinem
Nachlasse vorgefunden, unter der Aufschrift: „Mein wissenschaftliches
Streben und Schaffen“ unverändert zum Abdrucke eelangen zu lassen.
Möge dieser objeetive Rechenschaftsbericht seines Wirkens jene Wür-
dieung finden, die wir von einer nachsichtigen Mitwelt gewohnt sind!
Ernst Junger in Breslau.
R. v. Uechtritz, nach einer photograph Moment-Aufnahme vom J. 1886,
Ich, Rudolf Friedrich Carl v. Uechtritz, Sohn des früheren
Rittmeisters, späteren Privatiers Max F. S. v. Uechtritz und seiner
noch jetzt lebenden Ehefrau Johanna, geb. Siemon, protestantischer
Confession, bin am 31. December 1838 zu Breslau geboren. Meine
Seliulbildung habe ich zunächst auf der Vorschule des hiesigen Gym-
—
231
nasiums zu Maria Mazdalena, später — von 1849 bis 1857 — an
diesem selbst genossen. Seit Beeinn des Jahres 1858 besuchte ich
das hiesige k. katholische Gymnasium. welches ich im August des-
selben Jahres mit dem Zeuenisse der Reife verliess, um mich an der
Breslauer Universität dem Studium der Naturwissenschaften zu wid-
men. Von Michaelis 1858 bis Ostern 1863 hörte ich Vorlesungen bei
den Herren Professoren: Goeppert, F. Cohn, Körber, Grube,
Römer, Löwig, Marbach, Braniss und Röpell, wurde indessen
durch ein im Frühjahr 1862 ausgebrochenes rheumatisches Leiden,
welches secundär die Brustorgane, speciell das Herz afticirte, verhin-
dert, mich in geordneter Weise zu einem Staatsexamen vorzubereiten,
da mir zeitweise jede angestrengtere Thätiekeit ärztliclı untersagt war.
Da mein Vater als Freund naturwissenschaftlicher Studien und
im Gebiete der beschreibenden Botanik und Entomologie in früheren
Zeiten selbst schriftstellerisch wirkend im Besitze grösserer Samm-
lungen war, so hatte diess die Folge, dass das Interesse für Natur-
gegenstände schon in frühem Kindesalter bei mir erwachte. Dieser
Neigung, welche bis zu dem im Jahre 1851 erfolgten Tode meines
Vaters von seiner Seite einem liebevollen, zugleich von einer geregelten
Ueberwachung begleiteten Verständnisse begegnete, bin ich bis zum
heutigen Tage zu keiner Zeit untreu geworden und ihr habe ich es
wesentlich zu danken, dass in Zeiten schweren körperlichen Leidens,
an denen mein späteres Leben leider nur zu reich gewesen ist, meine
geistige Widerstandsfähigkeit stets die Oberhand behielt.
Anfangs mehr der Entomologie, namentlich der Coleopterologie
ergeben, mit welcher Disciplin sich mein Vater in seinen späteren
Lebensjahren fast ausschliesslich beschäftigt hatte, widmete ich seit
seinem Tode meine freie Zeit vorherrschend der Botanik, da ich bald
gewahr wurde, dass eine Zersplitterung der Kräfte sich mit meiner
Stellung als Schüler nicht wohl vertrug.
Dass nichtsdestoweniger meine Neigung später mehrfach mit
‘ den Forderungen der Schule in Collision gerieth, war theils eigene
Schuld, theils aber trug dazu auch der Umstand bei, dass gerade in
jener Zeit die Pflege der Naturwissenschaften auf den preussischen
Gymnasien eine äusserst beschränkte war.
In dem anregenden Umgange mit einem Theile der Breslauer
wissenschaftlichen Coryphäen, von denen mehrere später meine ver-
ehrten akademischen Lehrer werden sollten, hatte ich bereits wäh-
rend meiner Gymnasialzeit die günstigste Gelegenheit, meine Kennt-
nisse zu erweitern und ich beschloss schon damals, mich ganz dem
Studium der Naturwissenschaften, speciell demjenigen der Botanik,
zu widmen. Dereinst eine Flora meiner Heimat zu verfassen, schwebte
mir namentlich als erstrebenswerthes Ziel vor und zu diesem Zwecke
unternahm ich, soweit es irgend meine Zeit erlaubte, zahlreiche Ex-
cursionen, namentlich auch nach den damals noch weniger durch-
forsehten Landestheilen. In der bald gewonnenen Erkenntniss, dass
eine ausreichende Uebersicht der Flora eines grösseren Gebietes nur
durch die Berücksichtigung der Vegetationsverhältnisse der Nachbar-
232
länder zu erlangen sei, besuchte ich ausserdem, sowohl als Schüler,
wie später als Student, und zwar grossentheils zu Fuss, Mähren
(1855), Westgalizien und das nordwestliche Ungarn mit der hohen
Tatra (1856), Oberbaiern, Nord-, West- und Südtirol mit angrenzen-
den Theilen Bündtens, dann Venetien und das Triestiner Gebiet
(1858), Thüringen und Franken (1860), die Gegend von Leipzig und
Halle (1861), endlich einen Theil der Provinz Brandenburg, beson-
ders die Umgebung von Frankfurt an der Oder und Berlin (1862).
Durch meine im letzteren Jahre beginnende Kränklichkeit wurde
ich später leider gezwungen, diese Ausflüge auf meine Hejmatsprovinz
zu beschränken und während der Jahre 1868 bis 1875 musste ich
überhaupt auf Excursionen gänzlich verzichten. Immerhin aber sind
mir die auf jenen Reisen gesammelten Eıfahrungen für die Folgezeit
von Wichtigkeit gewesen und kommen mir noch heute oft genug
zu Gute.
Schon frühzeitig suchte ich Verbindungen mit auswärtigen Fach-
genossen anzuknüpfen, nicht allein um meine Sammlungen zu ver-
vollständigen, sondern auch um meine Gesichtspunkte zu erweitern.
Unter der Zahl meiner Correspondenten, die im Laufe der Zeit das
dritte Hundert bereits überschritten hat, finden sich nicht wenig
Namen, die in der wissenschaftlichen Welt einen anerkannten Ruf
besitzen; ich erwähne von Verstorbenen u.a.: Auerswald, Th. Bie-
nert, Boreau, Alexander Braun, Buchinger, Christener, Fenz],
Elias Fries, Grisebach, Hausmann, Juratzka, Lagger, Milde,
Neilreich, E. Purkyn&, L. Reichenbach, Ritschl, Sanguinetti,
Scheidweiler, ©. H. Schultz Bip., F. W. Schultz, Schur,
Sonder, A. Thielens, Tommasini, Wilms; von Lebenden: O.D.
Allen, Bail, J. @. Baker, Barbey, Beckhaus, Arthur Bennett,
Alfred Bennett, Blocki, A. Blytt, Boissier, ') Borbäs, Buchenau,
Christ, Crepin, Deseglise, Drude, Duval-Jouve, Emin-Bey,
W. 0. Focke, Freyn, Garcke, Grecescu, E. Hackel, Hauss-
knecht, Haynald, Heidenreich, Huter, Kanitz, A. Kerner,
Klinggräf, Knapp, Kny, Koernicke, M. Lamotte, J. Lange,
Levier, ©. J. Lindeberg, Löw, Magnus, Maximowicz, F. W.
Moore, Mortensen, Naegeli, Nicholson, Nitschke, Norrlin,
Nyman, Oborny, Paira, Patze, Penzig, A. Peter, Pirotta,
Rehmann, G. Reichenbach, Roeper, Rostafinski, G. Rouy,
Sadebeck, Scheutz, Schweinfürth, Gf.Solms-Laubach, Staub,
Strobl, Todaro, Urban, Van Heurck, Willkomm, Winslow,
Wittrock. Einen besonders regen Verkehr unterhalte ich seit Jah-
ren mit Ascherson, Celakovsky, Janka und Pan£ie, deren Stu-
dien sich vielfach mit den meinigen eng berühren, so dass ein häufi-
ger Ideenaustausch erforderlich geworden ist.
(Schluss folgt.)
‘) Da dieser Abriss im Jahre 1883 niedergeschrieben wurde, so befinden
sich in dieser Liste einige inzwischen Verstorbene. J.
_—>- ——
ID
us
s%]
‚Zur Rubusflora Bosniens,
Von H. Sabransky.
Unlängst erhielt ich von Herrn Prof. E. Brandis S. J. aus
Travnik eine Suite Brombeeren zur Begutachtung eingesendet. Ab-
gesehen von einer bestimmt neuen Art aus der Focke’schen Reihe
der Adenophori, von der aber Schösslinge leider nicht vorliegen, fand
ich keine Novität darunter. Doch dürften immerbin die Standorte
für den Batographen nicht uninteressant sein, wesshalb ich sie hier
mittheile:
1. Rubus hirtus W. et K. Verbreitet in der Bergregion um
Travnik und ebenso formenreich wie in Ungarn, Niederösterreich,
Deutschland etc.; auf Hochwaldblössen bei Ilidjie, beim Dorfe Jan-
kovici (Brandis Exs.n. 11), Zlotici (Exs. n. 2), Grlonica (Exs. n. 9).
2. R. macrophyllus Whe et N., Focke Syn. p. 215. Mit der
österreichisch-deutschen Pflanze völlig übereinstimmend: in schattigen
Waldungen beim Militärspital in Pirota nächst Travnik (Exs. n. 16).
— Wohl bisher der südöstlichste Standort für diese nette Wald-
brombeere.
3. R. sulcatus Vest. Focke Syn. p. 119. Pirota, schattige Stellen
beim Bache (Exs. n. 17). Durch die grossen, leuchtenden Blüthen
ebenso ausgezeichnet und unverkennbar, wie der Typus aus Oester-
reich-Ungarn, Deutschland ete.
4. R. candicans Whe. (R.thyrsoideus Aut.) Waldgegend zwischen
Tojniea und Bosovata; die Form R. thyrsanthus Focke var. euodes
G. Br. bei Grahovik (Exs. n. 5).
5. R. tomentosus Borkh. Scheint um Travnik sehr gemein zu
sein: im Kalkgerölle bei Castell Travnik (Exs. n. 10), beim Pirota-
spital (n. 3), am Vlasie bei Catici (n. 8). an Feldrändern bei Gra-
hovik eine Form mit dichtbehaarten Schösslingsaxen (n. 4).
6. R. idaeus L. Am Vlaßic: in subalpinen Wäldern bei Catici
(Exs. n. 7).
7. R. saxatilis L. Am Plateau des VlaSic, ebenso an der Süd-
seite dieses Berges (Exs. n. 12 und n. 14).
8. R. caesius L. Die gewöhnliche Alluvialform am Defilee bei
Travnik, bei Rama (n. 13) u. s. w.
Wien, am 12. Mai 1897.
_— Hrn
234
Beitrag zur Flora des nördlichen Mährens und des
Hochgesenkes,
Von Dr. Ed. Formänek,
k. k. Professor am böhmischen Gymnasium in Brünn.
Am 1. August des vorigen Jahres verliess ich Brünn und nahm
einen längeren (einmonatlichen) Aufenthalt in Gross-Ullersdorf, be-
suchte von hier aus die Gegend von Deutsch-Liebau, die Bradlsteine,
Rabenseifen, Buchelsdorf, Wüst-Seibersdörf, Blauda, Böhm.-Märzdorf,
Nikles, Grumberg, Kl.-Mohrau, den Rothen Berg, Keilig, Gr. See-
bere, Bärenkamm, Schweizerei, Altvater, die Schäferei, Peterstein,
Hohe Haide, Gr. Kessel, Saugraben, Bärmuttergraben, Franzens-Jard-
haus, Kriech, Kiesgraben, Kleppel, Berggeist, Hörndlsteine, Hofberg,
Backofensteine, Schieferheide, Gr. Hirschkamm, besuchte ferner Rö-
merstadt, Bautsch, Wigstadtl, Odrau, Söhle mit zwei- bis dreitägi-
gem Aufenthalte in einem jeden der zum Schlusse angeführten Orte
und kam am 14. September in Brünn an.
Charakteristisch für das nördliche Mähren sind folgende Pflan-
zen: Equisetum nemorosum, silvaticum, palustre, Polypodium phego-
pteris, dryopteris, Pteris aquilina, Asplenium septentrionale, tricho-
manes, Aspidium spinulosum, lobatum, Cystopteris fragilis, Lycopo-
dium annotinum, clavalum, Danthonia decumbens, Melica uniflora,
Brachypodium silvaticum, Lolium remotum, Nardus strieta, Carex
leporina, echinata, remota, Goodenoughrüi, panicea, pallescens, silvatica,
flava, Oederi, Luzula albida, multiflora, Allium oleraceum, Polygo-
natum verticillatum, Paris quadrifolia, Orchis maculata, Epipactis
latifolia, Euphorbia duleis, Mercurialis perennis, Daphne Mezereum,
Phyteuma spicatum, Campanula rotundifolium, trachelium, Orepis
succisaefolia, paludosa, Hieracium tridentatum, boreale, Prenanthws
purpurea, Hypochoeris radicata, Chrysanthemum parthenium, Sene-
cio Fuchsiü, Centaurea decipiens, Cirsium canum, rivulare, olera-
ceum, Carlina acaulis, Valeriana oficinalis, Valerianella Morisonit,
Asperula odorata, Lonicera wylosteum, nigra, Pulmonaria obscura,
Verbascum thapsus, Digitalis ambigua, Veronica Tournefortü, Ori-
ganum vulgare, Stachys silvatica, Lysimachia nemorum, Vaceinium
vitis idaea, Ramischia secundiflora, Pirola minor, Monesis grandi-
flora, Thalietrum aquilegifolium, Ranunculus Flammula, lanugi-
nosus, Actaea spicata, Turritis glabra, Erysimum cheiranthoides,
Drosera rotundifolia, Parnassia palustris, Viola palustris, silvestris,
Moehringia trinervia, Stellaria graminea, Dianthus deltoides, Silene
gallica, Melandryum rubrum, Hypericum quadrangulum, hirsutum,
Impatiens noli tangere, Epilobium collinum, obscurum, palustre, Chae-
rophyllum aromaticum, hirsutum, Hibes grossularia, Sedum mawi-
mum, Sanguisorba ofieinalis, Rubus plicatus, Vicia hirsuta, Lathy-
rus silvestris.
Meinen Dank spreche ich aus dem Herrn Postexpeditor Ferd.
Kaueı und dem Herrn Gerichtsadjuncten J. Marek, ersterem für
235
” Begleitung in der Gr.-Ullersdorfer, Letzterem in der Römerstädter
erend.
? Nach genauer Einsicht in die die bereisten Gegenden betreffende
Literatur constatire ich, dass von den hier citirten Standorten keiner
° bisher im Drucke erschienen ist!) und dass nur aus Versehen ein
- bereits veröffentlichter Standort hier Aufnahme finden konnte.
Im Nachfolgenden die Aufzählung der Standorte, welche ich in
dieser Jahreszeit zu ermitteln Gelegenheit hatte.
Equisetum arvense L. Gemein. a. nemorosum Al. Br. Gr.-Ullersdorf,
Neudorf, Buchelsdorf, Pföhlwies, Nikles, Römerstadt, Irmsdorf,
| Deutsch-Liebau, Bautsch, Wigstadtl, Lautsch, Odrau.
— limosum L. a. Linneanum Döll. Oborny’s Fl. v.M. u. ö. Schl.
p. 84. Gr.-Ullersdorf, Blauda, Kl.-Mohrau, Krondörfl, Wiestadtl,
b. verticillatum Döll. Römerstadt, Odrau.
— silvaticum L. a. praecox Milde 1. c. Bradlsteine bei Deutsch-
Liebau. Gr.-Ullersdorf, Marschendorf, Neudorf, Deutsch-März-
dorf, Beckengrund, Wüst.-Seibersdorf, Ludwigsthal, Reigersdorf,
Altvater-Wald, Kl.-Mohrau, Krondörfl, Wermsdorf, Irmsdorf,
Bautsch, Wigstadtl; b. capillare Hoffm. 1. e. Berggeist, in der
Kriech, Dämmbaude, Hochwald bei Janowitz, Nikleser Wald.
— palustre L. a. wertieillatum Milde 1. c. Gr.-Ullersdorf, Zöptau,
Rahenseifen, Neudorf, Beckengrund, Buchelsdorf, Ludwigsthal,
Stolleuhau, Aspendorf, Grumberg, Römerstadt, Janowitz. b. nu-
dum Duby 1. e. Po’ätky bei Krummwasser. c. tenue Döl. 1. c.
Deutsch-Liebau, Petersdorf.
Polypodium vulgare L. Bradlsteine bei Deutsch-Liebau, Reigersdorf,
Öbrenberg bei Buchelsdorf, Gundersdorf, Viehwald u. a. OÖ. bei
Bautsch, Hirnich bei Neudörfl, Heide u. a. OÖ. bei Werdenberg,
häufig bei Odrau (Scheuergrund, Galgenbusch, Wesidler Wald
ete.), Pohor.
— phegopteris L. Trausnitz bei Petersdorf,. häufig bei Gr.-Ullers-
| dorf (Rother Berg, bei der Tess ete.), Buchelsdorf, Märzdorf,
| Wüst-Seibersdorf, Pföhlwies, Nikles, Altvater-Wald, Goldenfluss,
Kl.-Mohrau, Blaschke, Kleppel, Wermsdorf, Kiesgraben, Rother
| Berg, Hochwald bei Janowitz, häufig bei Römerstadt (Grund-
| wald, Schlossberg ete.), Irmsdorf, Lautsch, Scheuergrund u. a. 0.
bei Odran.
— dryopteris L. Petersdorf, Zöptau, Marschendorf, Buchelsdorf,
Gross-Ullersdorf, Neudorf, Deutsch-Märzdorf, Wüst-Seibersdorf,
Ludwigsthal, Pföhlwies, Nikles, Altvater-Wald, Goldenfluss, Kl.
Mohrau, Blaschke, Wermsdorf, Kiesgraben, Kleppel, Berggeist,
Gr. Hirschkamm, Hirschbrunn, Dämmbaude, Janowitz, Kömer-
stadt, Irmsdorf, Bautsch, Wigstadtl, Odrau.
’) Mit sorgfältiger Genauigkeit habe ich besonders Adolf Oborny’s
Flora von Mälırın und österr, Seitlesien, von welcher im November 1886 der
vierte, die Gattungen von Rosı Mayeri bis Schluss behändelnde Band er-
schien, durchgeschen. 2
236
Pteris aquwilina L. Rother Berg und Höflerberg bei Gross-Ullersdorf,
Neudorf, Stollenhau, Nikles, Altvater-Wald, Wigstadtl.
Asplenium serpentini Tausch. Massenhaft auf Felsen im Nikleser
Walde.
septentrionale Hoffm. Kleppel, Kl. Mohrau, Krondörfl.
trichomanes L. Hutberg, Karlsberg und Schwarzer Stein bei
Gr.-Ullersdorf, Kleppel, Wermsdorf, Marschendorf, Buchelsdorf,
Neudorf, Beckengrund, Deutsch-Märzdorf, Reigersdorf, Pföhlwies,
Böhm.-Märzdorf, Nikles, Altvater-Wald, Kl. Mohrau, Pohorer
Wald und Scheuergrund bei Odrau, Lautsch.
adulterinum Huds. Altvater-Wald.
viride Huds. Altvater-Wald.
Athyrium filix femina Roth. a. dentatum Döll. Ob. Fl. v. M. und
ö. Schl. p. 71. Gross-Ullersdorf (Oborny), Buchelsdorf, Becken-
grund, Kl. Mohrau. b. jissidens Döll. 1. c. Kleppel, Winkelsdorf,
c. multidentatum Döll. ]. ec. Odrau.
alpestre Nyl. Backofensteine, Schieferheide, Gr. Hirschkamm,
Peterstein etc.
Aspidium spinulosum Swartz. a. genuinum Celak. Prodr. Fl. B. p. 10.
Bradlsteine bei Deutsch-Liebau, Gross-Ullersdorf, Reigersdorf,
Nikles, Kl. Mohrau, Uhustein, Römerstadt, Gundersdorf, Bautsch,
Wigstadtl, Lautsch, Scheuergrund bei Odrau. b. dilatatum Sm.
1. e. Petersdorf, Pohorer Wald bei Odrau.
lobatum Sw. Wermsdorf, Kiesgraben, Kriech, Wald bei der Ruine
Neuhaus, Lautenhübl bei Nikles.
— filie mas Sw. a. genwinum Milde. Deutsch-Liebau, Petersdorf,
Böhm.-Märzdorf. b. crenatum Milde, häufig bei Gr.-Ullersdorf,
Marschendorf, Stollenhau, Reigersdorf, Pföhlwies, Blauda, Nikles,
Altvaterwald, Kl. Mohrau, Kriech, Gr. Hirschkamm, Römerstadt,
Bautsch, Odrau.
Cystopteris fragilis Bernh. Bradlsteine bei Deutsch-Liebau, Peters-
dorf, häufig bei Gr.-Ullersdorf (Kreuzberg, Badegrund, Hutberg,
Schwarzer Stein ete.), Rabenseifen, Buchelsdorf, Neudorf, Becken-
grund, Brandwald und Brünnel bei Deutsch-Märzdorf, Wüst-
Seibersdorf, Reigersdorf, Aspendorf, Pföhlwies, Blauda, Strän bei
Böhm.-Märzdorf, Nikles, Altvater-Wald, Kl. Mohrau, Krondörfl,
Blaschke, Marschendorf, Wermsdorf, Kleppel, Berggeist, Hof-
berg, Schlössel, Kriech, Römerstadt, Bautsch, Wigstadtl, häufig
bei Odrau.
Lycopodium selago L. Dämmbaude, Saugraben, Kriech.
annotinum L. Reigersdorf, Aspendorf, Winkelsdorf, Kleppel, Berg-
geist, Kriech, Keilig, Rother Berg.
clavatum L. Gr.-Ullersdorf, Ludwigsthal, Stollenhau, Geppersdorf,
Reisersdorf, Römerstadt, Gundersdorf, Viehwald bei Bautsch,
Wigstadtl, Lautsch, Odrau.
Juniperus communis L. Verbreitet im b. @. In Buchelsdorf traf ich
einige 15 Meter hohe Bäumchen.
237
Juniperusnana Willd. Schieferhaide (Oborny)! Backofensteine, Hirsch-
brunn, Gr. Hirschkamm, Hohe Heide.
Abies larix L. Deutsch-Liebau, Petersdorf, Gross-Ullersdorf, Blauda,
B. Märzdorf, Römerstadt, Bautsch, Odrau.
Sparganium ramosum Huds. Gross-Ullersdorf, D. Märzdorf, Römer-
stadt, Irmsdorf, Odrau etc.
Setaria viridis Beauv. Gr.-Ullersdorf, Neudorf, Beckengrund, Bautsch,
Odrau.
Milium effusum L. Altvater, Saugraben, Bärmuttergraben, Franzens-
Jagdbaus, Hochwald bei Janowitz, Grundwald bei Römerstadt.
Calamagrostis epigeios Roth. D. Liebau, Liebesdort, Petersdorf, Raben-
seifen, Gr.-Ullersdorf, Ludwigsthal, Römerstadt, Bautsch, Wig-
stadt], Odrau. k
— lanceolata Celak. Prodr. Fl. B. p. 37 a. riparia Celak. Wig-
stadtl. b. montana Celak. 1. c. Backofensteine, Schieferheide,
Grosser Hirschkamm, Peterstein, Saugraben, Bärmuttergraben,
Schlössel, Kriech.
Alopecurus geniculatus L. Petersdorf, Gross-Ullersdorf, Ludwigsthal,
Blauda.
Phleum alpinum L. Peterstein, Janowitzer Haide etc. (Oborny), Gr.
Hirschkamm, Dämmbaude, Auerhahnbaude, Saugraben, Schlössel,
Franzens Jagdhaus, Kriech.
Anthoxanthum odoratum 1. Gr. Hirschkamm.
Arrhenatherum elatius M. et K. Noch bei Janowitz und Römerstadt.
Aira flexuosa L. In tieferen Lagen noch bei Wermsdorf und Kleppel.
Deschampsia caespitosa Beauv. Noch am Altvater, Bärenkamm, Pe-
terstein etc.
Koeleria cristata Pers. Verbreitet im b. @., in höheren Lagen im
Beckengrund und bei Janowitz.
Molinia coerulea Mönch. a. urundinacea Schrank. Mähr.-Schönberg,
Gross-Ullersdorf (Oborny), Neudorf, D. Märzdorf, Philippsthal,
Wiesenberg.
Danthonia decumbens DC. Rabenseifen, Petersdorf, Zöptau, Mar-
schendorf, Wiesenberg, Gross - Ullersdorf, Neudorf, Buchels-
dorf, Stollenhau, Geppersdorf, Kleppel, Janowitz, Römerstadt,
Irmsdorf.
Milica uniflora Retz. D. Liebau, Petersdorf, Gr.-Ullersdorf, Nikles,
Kl. Mohrau, Römerstadt, Odrau.
— eiliata L. Bautsch, Odrau.
Dactylis glomerata L. "Gemein, var, violacea m. Blüthenährchen vio-
lett angelaufen, Rispe in der Regel länger als beim Typus.
Nicht selten in den höheren Lagen der Sudeten, so Altvater,
hier fast nur in dieser Form, bei der Tess in Gross-Ullersdorf,
Marschendorf, Beckengrund, Kl. Mohrau.
Glyceria fluitans R. Br. D. Liebau, Petorsdorf, B. Märzdorf, Bautsch,
Wigstadtl, Odrau.
— plieata Fr. Gross-Ullersdorf ete. (v. Nioss]), Neudorf, D. März-
dorf, Blauda.
238
Brachypodium silvatieum P. Beauv. Bradlsteine bei Deutsch-Lieban,
Trausnitz bei Petersdorf, Rabenseifen, Zöptau, Gross-Ullersdorf,
Pföhlwies, Nikles, Wermsdorf, Kriech!, Römerstadt, Bautsch,
Odrau.
Festuca gigantea Vill. Buchelsdorf, Kleppel, Janowitz.
— silvatica Vill. Rother Berg im Gesenke.
Lolium remotum Schrank. Reitendorf, Gr.-Ullersdorf, Marschendorf,
Neudorf, Beckengrund, Wüst-Seibersdorf, Reigersdorf, Klein-
Mohrau.
Jardus strieta L. Bradlsteine bei D.-Liebau, Gr.-Ullersdorf, Ludwigs-
thal, Stollenhau, D.-Märzdorf, Blaschke, Woitzdorf, Kl. Mohrau,
Grumberg, Janowitz, Römerstadt, Gundersdorf, Bautsch, Wigstadtl,
Odrau.
(Fortsetzung folgt.)
ee
Mittheilungen über die Hieracien des Riesengebirges.
Von Gustav Schneider,
Bergverwalter in Schmiedeberg im Riesengebirge !).
(Fortsetzung.)
2. Gruppe. Alpina foliosa Tausch ex p. (als Varietät?).
Stengel aufrecht, etwas hin und her gebogen, am Öbertheile
zuweilen undeutlich, längsstreifig, weniger dicht und kürzer behaart
als bei voriger Gruppe, am Öbertheile weniger dichtfilzig, zuweilen
nur mittelmässig sternhaarig von —+ dunkleren Sternhaaren; eben-
daselbst mit deutlich erkennbaren feinen, kurzen Drüsenhaaren besetzt,
die sich nach abwärts allmählich verlieren, wärend die Sternhaare —
zuletzt sehr vereinzelt — bis zur Stengelbasis hinab vorkommen;
drei- bis achtblättrig, ein- bis zehnköpfig. Bei den mehrköpfigen ent-
springen die mit Sternhaaren + dichtfilzie und mit feinen kurzen
Drüsenhaaren, auch mit schwarzen Borsten und grauweissen Zotten-
haaren bekleideten Kopfstiele stets aus den Blattachseln-Blätter +
mit einem Stich ins Blaugrüne; mit Ausnahme der stylosen Formen,
welche häufig dünnhäutige, mehr graugrüne Bebhlätterung zeigen,
ziemlich derb, bei kräftigen Exemplaren fast lederartig, zerstreut
behaart. Die stylosen, weichbläitrigen Formen sind gewöhnlich stark
behaart. Grundblätter zur Blüthezeit in der Regel vertrocknet, selten
einzelne oder mehrere und in diesem Falle gewöhnlich in einer oder
mehreren Nebenrosetten, die sich aus überwinterten, ruhenden Knospen
. entwickelt haben, vorhanden; sehr verschieden gestaltet (eiförmig,
‘) Jetzt in Cannersdorf bei Hirschberg in Pr.-Schlesien.
®) Das Citat H. alpinum foliosum Wimmer ist unrichtig. Tausch be-
zeichnete unsere Pflanze bereits 1828 mit diesem Namen. Regensburger Flora.
XI. Jahrgang. 1. Band. Ergäuzungsbl. pag. 63.
u AT u a ce
y
239
spatelförmig, breit, oder länglich, lanzettlich, stumpf oder zugespitzt,
zuweilen mucronat, ganzrandig. gezähnelt oder gezähnt). Stengelblätter
lanzettlieh, länglich, bis liueal-lanzettlich, seltener den Grundblättern
ähnlich, stets von unten nach oben an Grösse, meist allmählich ab-
nehmend (die obersten selır selten bracteenförmig), stumpf bis spitz,
selten ganzrandig, meist gezähnelt oder gezähnt, oft mit sehr grossen
Zähnen. Kopthüllen weniger dicht, vorherrschend kurzhaarig, zuweilen
mit spärlich eingemengten, sehr feinen Drüsenhaaren. Hüllschuppen
schwärzlichgrün, nur die wenigen äussersten kurz, breitlich, stumpflich,
sehr selten blatt- oder bracteenartig, die übrigen fast gleich-
gestaltet, lineallanzettlich, + zugespitzt, nur bei FH. calenduliflorum
Backh. bis 3Mm. breit, stumpflich. Ligularsaum und Zähnchen nur
bei eben genannter Form reichlich, sonst kürzer und zerstreuter be-
haart mit feinen weissen, seidenartigen Haaren.
3. H. calenduliflorum Backh. = H. alpinum var. 3. H. Halleri
ß. spathulatum Wiram. (sec. R. v. Uechtritz).
Bei Abfassung meiner vorjährigen Mittheilungen über die Hieracia
des Riesengebirges, stand ich noch unter dem Einflusse der früheren
Uechtritz’schen Ansicht, die auch in die Fiek’sche Flora von Schlesien
übergegangen ist, dass H. calenduliflorum Bakh. eine Varietät des
H. ewimium desselben Autors sei. Durch die Gefälliskeit der Herren
Fiek und Öborny (von Letzterem namentlich erhielt ich sehr zahl-
reiches frisches Material), hatte ich Gelegenheit grössere Mengen
von ostsudetischen Alpinen kennen zu lernen, resp. zu studiren —
darauf kommt es ja bei so variablen Pflanzen, wie diess die Hieracien
sind, ganz wesentlich an — und bin zu der Ueberzeugung gelangt,
dass H. calenduliflorum Backh. und H. eximium ejd. speeifisch ver-
schieden (was Uechtritz in litt. auch zugegeben hat), ja einander
nicht einmal ähnlich sind und dass meine, durch eine Bemerkung
meines Freundes R. v. Uechtritz auf der betreffenden Etiquette ver-
anlasste Angabe in den vorjährigen Mittheilungen über die Auffindung
eines, zu dem typischen FH. eximium Backh. gehörigen Exemplars
am Grossen Teich des Riesengebirges eine unrichtige war. Ich ver-
suche, das H. calenduliflorum Backh. nach dem mir aus den Ost- und
Westsudeten, namentlich von letzteren, in grosser Anzahl (weit über
100 Exemplare) vorliegenden Materiale nachstehend zu beschreiben,
wobei ich meine Verwunderung darüber nicht unterdrücken kann,
dass eine so stattliche und grossköpfige Pflanze, die im Riesengebirge
durchaus nicht selten ist, von den neueren Floristen (Fiek und
Winkler) in den Westsudoten übersehen werden konnte. — Zuerst
erkannt wurde sie von Dr. Ferd. Pax auf einer in meiner Begleitung
unternommenen Exeursion im September 1881 am Gehänge. Ich habe
sie dann später auf den Wiesen an der Kleinen Lomnitz über dem
Melzergrunde, in der Pantsche über dem Kleinen Teich, an den
oberen Teichrändern, am Brunnenberge unterhalb der Kapelle, auf
der Weissen Wiese, am Oberrand des Aupakessels, auf dem Koppen-
lan unweit der Riesenbaude, am Kleinen Teich und am Kiesberg
spärlich, auch ein styloses Exemplar), ‘Professor Sagorski aus
240
Pforta im Juli 1886 zahlreich auf Wiesenflächen bei der Rennerbaude
gesammelt.
Stengel 15 — 35 Cm. hoch, längsgestreift, aufrecht, oder bei
sehr hohen Individuen etwas aufsteigend, hin und her gebogen, ein-
köpfig, + reichlich beblättert, mit über 5 Mm. langen, schwarz-
füssigen, graulichweissen Zottenhaaren mässig behaart; am Obertheile
ziemlich reichlich, nach unten mehr zerstreut mit schwarzen Borsten-
haaren besetzt, unter dem Kopfe dichtfilzig von graulichweissen
Sternhaaren, welche weiter nach unten immer zerstreuter auftreten
und über der Basis nur vereinzelt vorkommen. Drüseneinmengung
unter dem Kopfe + reichlich, weiter nach unten und in der unteren
Stengelhälfte zerstreut, gegen die Basis ganz verschwindend. Blätter
dunkelgrün, etwas glauceseirend, beiderseits und am Rande reichlich
behaart mit kurzen, weichen, weisslichen Haaren. Grundblätter zur
Blüthezeit + vorhanden oder doch in einer oder mehreren Neben-
rosetten noch grün; äussere (breit- oder schmal-) spatelförmig, ganz-
randig, mueronat, zuweilen am Rande mit zerstreuten, kleinen Drüsen
besetzt, wodurch sie gezähnelt erscheinen; innere länglich-lanzettlich,
zuweilen nach oben spatelförmig verbreitert, in den langen, breit-
geflügelten Blattstiel allmählich verschmälert, mit gefalteter Spitze,
unregelmässig grob bis buchtig gezähnt, oft mit eingeschalteten
kleineren Zähnchen; die Zähne stehen nicht selten im rechten Winkel
gegen den Mittelnerv, bei allen der breite, weisse Mittelnerv fast
immer deutlich hervortretend. Stengelblätter von unten nach oben
an Grösse sehr schnell abnehmend, 4—8 am ganzen Stengel; untere
den Grundblättern + ähnlich, jedoch weniger tief gezähnt; mittlere
länglich-lanzettlich, zuweilen gezähnelt, gewöhnlich aber, wie die
oberen, lineal- lanzettlichen ganzrandig. Die dicht unter dem Kopfe
stehenden bracteenförmig, grün. Kopfhüllen halbkugelie, zuweilen
am Grunde gestutzt, mittel- bis ansehnlich gross (bis reichlich 3 Cm.
im Durchmesser). Hüllschuppen breit (bis 3 Mm.) stumpf, bis 15 Mm.
lang, schwarzgrün, mit am Grunde schwarzen, grauweissen, langen
Zottenhaaren und dichtstehenden kurzen, schwarzen Borsten reichlich
bekleidet. Ligulae tiefselb, sowie die Zähne mit langen, feinen Seiden-
haaren ziemlich reichlich behaart. Griffel in vivo gelb oder bräunlich,
beim Trocknen dunkler oder schwarz werdend. Man kann zwei Formen
unterscheiden:
a) normale, mit vollkommen ausgebildeten Ligulis;
b) stylosum, mit verkümmertem Ligularsaum und weit hervor-
ragenden Griffeln.
Den Köpfen und dem Indument nach steht unsere Pflanze den
subfoliosen Alpinen, in der Beblätterung den foliosen näher, wir stellen
sie daher zwischen FH. tubulosum und H. polymorphum.
4. H. polymorphum n. sp. = H. montanum wihi olim = AH.
alpinum foliosum Tausch pro parte.
Dass die Tausch- und Wimmer’sche Bezeichnung H. alpinum
foliosum als Speciesname nicht aufrecht erhalten werden kann, wird
‚Jedem, der sich einigermassen mit alpinen Hieracien beschäftigt hat,
ln
241
klar sein; ebensowenig kann dieselbe als Bezeichnung einer Varietät
oder Subspecies des Z. alpinum L. im Sinne der meisten neueren Auto-
ren Verwendung finden. Wimmer verstand unter seinem FH. alpinum
foliosum sowohl mein jetziges H. polymorphum mit seinen ver-
schiedenartigen Gestalten, wie auch das total von diesem verschiedene
H. tubulosum Tausch und sämmtliche stylose Formen (Wimm. Fl.
von Schles. ed. III 1857 pag. 306). Zu ZH. alpinum L. rechnete er
auch das ZH. decipiens Tausch als Varietät unter dem Namen me-
lanocephalum, gab aber in den Erläuterungen zu den Diagnosen
bereits zu, dass sowohl dieses, wie sein als Varietät ausgegebenes
H. alpinum foliosum besondere Arten sein könnten.
Den von mir zuerst gewählten Namen „JZ. montanum“ haben
die Herren Nägeli und Peter bereits vor mir einem Piloselloid
beigelegt. Obgleich diese Herren in der Wahl von bereits für
Archieracien verbrauchten Namen nicht eben sehr scrupulös bei
Benennung ihrer zahlreichen neuen Species und Subspecies unter
den Piloselloiden vorgegangen sind (ich habe diess beim Studium der
Nägeli-Peter’schen Monographie der Piloselloiden in mehr als 30 Fällen
bemerkt; am meisten mussten Jordan’sche, Lindeberg- und Froe-
lich’sche Bezeichnungen herhalten), eassire ich hiermit die Benennung
„montanum“ und wähle dafür die weit passendere „polymorphum“,
welche vor ihrer Publication im Jahresberichte der Schles. Ges. £.
vaterl. Cult. pro 1885 noch nicht verbraucht war.
Specielle Diagnose wird in der angekündigten Monographie der
Westsudetischen Hieracien gegeben werden.
Ich unterscheide nunmehr folgende Varietäten:
a. var. Fritzei F. Schultz (erweitert) = H. alpinum foliosum
Wimm. ex p.
Stengel ein- bis mehrköpfig (letztere Form ist Fler. alpinum
foliosum var. pleiocephalum Uechtr. pro parte minore), kurzhaarig,
Stengelblätter lineal-lanzettlich, zugespitzt oder stumpf, ganzrandig
oder gezähnelt, resp. gezähnt. Köpfe verschieden gestaltet: bauchig,
halbkugelig, selten kreiselförmig, Griffel dunkel.') Fehlt, wie es
scheint, in den Ostsudeten; in den Westsudeten häufig. Nach Fritze
und Ilse auch in der hohen Tatra. Dabei sind folgende Formen zu
unterscheiden:
l. angustius = H. Fritzei F. Schultz.
2. latius.
ß. var. pseudopersonatum mihi. Vergl. Diagnose in dieser Zeit-
schrift 1886, p. 23. Die mehrköpfigen sind die var. plejocephalum
Uechtr. pro parte majore. In meinem Herbar befindet sich ein Indi-
viduum mit zwei Trieben, von denen der eine einköpfig, der andere
vielköpfig ist. Die Uechtritz’sche Bezeichnung dürfte zu -cassiren sein,
wenn man dieselbe nicht etwa für ein folioses Alpinum reserviren
') Die Griffelfarbe ist bei Exsiecaten als diagnostisches Merkmal nicht zu
brauchen, weil auch ganz goldgelbe Griffel beim Trocknen nicht selten schwarz
werden. x
Oesterr, botan, Zeitschrift, 7, Heft 1887, 20
242
will, das ich seit fünf Jahren am grossen Rade beobachte, und wel-
ches sich das besondere Vergnügen macht, alljährlich in anderer Ge-
stalt zu erscheinen. Im Jahre 1881 erhielt ich es von Dr. F. Pax
zweiköpfig mit stark bekleidetem Stengel und Köpfen, der var. M.
Fritzei F. Schultz in Beblätterung und Habitus nahe kommend;
1832 bis 1886 beobachtete, respective sammelte ich es selbst;
1882 waren am 27. August nur niedrige einköpfige Individuen zu
finden; 1883 sammelte ich am 16. September ganz von denselben
Stöcken bis 25 Cm. hohe vierköpfige Individuen, zum Theil mit
16 Cm. langen Grund- und 10 Cm. langen unteren Stengelblättern,
welche bis 2:5 Cm. breit, entfernt wellenförmig gezähnt, länglich-
lanzettlich, in den breiten, breitgeflügelten Blattstiel ganz allmählich
verschmälert waren, Indument wie in 1881. Am 14. September 1884
traf ich dieselben Pflanzen ein- bis vierköpfig mit etwas schwächerer
Bekleidung; die Grundblätter bei 2 Cm. grösster Breite nur 7 Cm.
lang, breit-lanzettlich, scharf gesägt; unterstes Stengelblatt lanzett-
lich, 1'6 Cm. breit, 5 Cm. lang, ungestielt, sowie das darüber ste-
hende, den untersten Kopfstiel stützende, mit breitem Grunde sitzend,
gezähnelt. Ganze Pflanze höchstens bis 16 Cm. hoch. Am 1. Sept.
1885 habe ich diese Pflanzen in einer Ueppigkeit wieder gesammelt,
wie ich sie vorher und auch im vorigen Jahre nicht gesehen. Grösste
Höhe 33 Cm., grösste Kopfzahl 10, Stengel und Kopfhüllen mit
kurzen, dicken, schwarzen Borsten besetzt, nur der untere Stengel-
theil bis zu dem, den untersten Kopfstiel stützenden Stengelblatte
zerstreut behaart, der übıige Stengeltheil, die Kopfstiele und Hüllen
sehr schwach und kurz behaart oder haarlos. Grundblätter 9 Cm.
lang, breit-lanzettlich, im obersten Drittheil am breitesten (15 Cm.),
in den im unteren Drittel sehr verschmälerten, zuletzt sehr schmal
geflügelten Blattstiel verschmälert, seicht gezähnt, aber mit einzel-
nen schärferen, in eine kurzgestielte Drüse endigenden Zähnen ver-
sehen, Stengelblätter lanzettlich, bis 6 Cm. lang bei ca. 1—1'3 Cm.
Breite, an der Basis stielartig verschmälert, sitzend, gezähnelt bis
scharf gezähnt. Am 13. August 1886 besuchte ich diese Pflanzen
wieder. Wenn ich diesen Standort nicht so genau kennen würde, wie
diess der Fall ist, hätte ich an eine Verwechslung glauben müssen,
denn alle Stöcke, denen ich nie mehr als einen Trieb entnehme,
hatten wieder ähnliche Tıiebe produeirt, wie ich sie 1882 gesehen
und 1881 von F. Pax erhielt; Stengel und Kopfhüllen zeigten wieder
reichliche Behaarung'); Beblätterung und Habitus waren wieder der
var. Fritzei ähnlich; unter einigen 20 Trieben befanden sich nur
zwei zweiköpfige, alle übrigen waren einköpfig. Hier können nur
mehrjährige Culturversuche Klarheit in die Verhältnisse bringen. Ich
beobachte nun schon viele Jahre lang Hieracien an ein und dem-
selben Standorte, aber eine solche Veränderlichkeit bei denselben
Individuen ist mir noch nicht vorgekommen. Uebrigens ist es nicht
'!) Man vergl. das pag. 203 d. Zeitschr. über das veränderliche Indument
bei den subfoliosen Alpinen Gesagte.
243
ganz unmöglich, dass die var. pseudopersonatum mit dem Fries'-
schen H. personatum (Epier. Hier. p. 45 als Species) identisch ist,
da bekanntlich dessen Beschreibungen nicht immer mit den von ihm
ausgegebenen Pflanzen übereinstimmen. Ich besitze Exemplare des
pseudopersonatum mihi, zu denen Uechtritz (in sched.) bemerkte:
„Aehnlich sah, meines Wissens, die Pflanze aus, welche mir Fries
vor Jahren als H. personatum Fr. bestimmte!“ Auch fand ich im
Jahre 1886 auf dem Koppenplan hierher gehörige Pflanzen mit grün
gebliebener Blattrosette, mehr lanzettlichen Grundblättern und ange-
drückten äusseren Hüllschuppen.
Ausser in den Westsudeten kommt unsere Pflanze auch in den
Ostsudeten am Glatzer Schneeberge (Oborny! Fiek!), nach For-
mänek daselbst an der Dürren Koppe, und falls das Rehmann’sche
H. alpinum 2. debile, wie zu vermuthen, hieher gehört, auch in der
Hohen Tatra vor.
(Fortsetzung folgt.)
— —
Flora des Etna.
Von Prof. P. Gabriel Strobl.
(Fortsetzung.)
1361. Lotus angustissimus L. Guss. *Syn. et * Herb.!, Rehb. D.
Fl. 136 I!, graeilis W *Raf. I. Meist niederliegend; schlank, reich-
ästig, zerstreut abstehend zottig; Blättchen verkehrt eiförmigkeilig,
Nebenblätter eilanzettlich; Bracteen ebenso oder zwei- bis dreizählig
mit schmäleren Blättchen; Blüthenstiele ein —zweiblüthig, etwas über
blattlang; Kelch sammt den lanzettlich-linearen, die Röhre an Länge
um die Hälfte übertreffenden Zähnen sehr lang rauhhaarig; Krone
den Kelch überragend, 5— 6 Mm. lang, hochgelb, auch getrocknet
gelb; Hülsen gerade, 15—2°5 Cm. lang, 1 Mm. breit. ZL. Levieri
Heldr. ji. litt. aus Lucca (l. Levier!) kann ich davon nicht unter-
scheiden. Auf feuchten Wiesen bei Catania (Guss. Syn.) und Milo
(Herb. Torn!, Torn. in Herb. Guss!). April, Mai ©.
1362. Tetragonolobus purpureus Much. Lotus Tetrag. L. *Raf. I,
- *Cat. Cosent., *Bert. fl. it. Guss. Syn. et *Herb.! Auf krautigen
- Fluren, Feldrändern und Lavaströmen der Tiefregion häufig: Aus
Catania von Cosentini erhalten (Bert., Herb. Guss!), um Acicastello
(Herb. Torn!), um Catania und von da nach Ognina (Herb. Reyer!),
in der Ebene des Simeto! März, April ©.
1363. T. biflorus (Dsr.) DC, Lot., bifl. Dsr. *Raf. I, Guss. Syn.
et Herb.!, L. maritimus *Cat. Cosent. Auf krautigen Fluren und in
Culturen Siziliens häufig, aus der Tiefregion des Gebietes jedoch
nur von Raf. und Cosent. angegeben. April, Mai ©.
1364. Bonjeania recta (L.) Rchb. fl. germ. exe. et D. Fl. 135
I, II!, * Bert, fl. it., Lotus rectus L. Guss. Syn. et *Herb.! An Flüssen,
20 *
244
Wasserleitungen und zwischen feuchtem Gebüsch bis 2000°: Ans
Catania von Cosentini erhalten (Bert., Herb. Guss!), am Simeto und
seinen Einflüssen unterhalb Adernd sehr gemein, seltener unterhalb
Bronte! April— Juni %.
1365. Physanthyllis tetraphylla (L.) Boiss. Voy., Rehb. D. Fl.
128 II, III!, Vulneraria tetr. Guss. Syn. et *Herb!, Anthyllis tetr.
L. *Bert. fl. it. Auf trockenen, krautiren Rainen, in Wein- und
Olivengärten Siziliens sehr gemein, im Gebiete jedoch ziemlich selten:
Aus Catania von Cosentini erhalten (Bert., Herb. Guss!), um Acica-
stello (Herb. Torn!), Misterbianco! März, April ©.
1366. Psoralea bituminosa L. Guss. Syn. et *Herb.!, Rchb. D.
Fl. Tfl. 139! Auf Lavaströmen, Mauern, Felsen, buschigen Abhängen
sehr gemein, meist v. ß angustifolia Guss. (mit schmal eilanzett-
lichen, ziemlich kahlen, intensiv grünen Blättern und sehr langen
Blüthenstielen): Ueberall um Catania (!, Cosent. in Herb. Guss!,
Herb. Torn!), Acicastello (!, Herb. Torn.!, Herb. Reyer!), Mister-
bianco, Mascalucia, Gravina, Ognina, längs der Eisenbahn bis Taor-
mina, besonders bei Acireale, in der Ebene des Simeto bis Adernd!
März — August 2%.
1367. Glyeyrrhiza glabra L. *Cat. Cosent. Auf lehmigen Fel-
dern und an Eisenbahndämmen der Tiefregion, besonders in der Ebene
des Simeto und des Alcantara, äusserst gemein, auch auf Meersand
der Arena an Weingärtenrändern häufig! Juni— August %.
1368. Robinia Pseudacacia L. In der Tiefregion, besonders an
der Ostküste, z. B. bei Acireale, sehr häufig cultivirt und verwildert!
NB. Die von Cat. Cosent. in der Ebene des Simeto angegebene Phacu
prostrata ist mir unbekannt, auch die von Raf. aus der Tiefregion
angeführte Galega offieinalis L. fehlt in Sizilien.
1369. Astragalus Epiglottis L. *Raf. I, Guss. Syn. et Herb.!
Auf trockenen, steinigen Kalkhügeln Siziliens nach Guss. überall,
aus dem Gebiete bisher nur von Raf. angegeben. März, April ©.
1370. A. hamosus L. *Cat. Cosent., *Bert. fl. it., Guss. Syn.
et Herb.! Auf Rainen und Feldern der Tiefregion: Aus Catania von
Cosentini erhalten (Bert. 1. e.), um Catania (Herb. Torn!), in
Weingärten bei Annunziata (Herb. Reyer!), an Eisenbahndämmen
gegen Ognina sehr häufig, noch häufiger in der Ebene des Simeto!
April, Mai ©.
1371. A. boeticus L. *Raf. I, Guss. Syn. et Herb.! Bisher nur
von Raf. aus der Tiefregion des Gebietes angegeben und von mir in
Weingärten, sowie an grasigen Felsrändern der Ebene des Simeto
gegen das Meer hin häufig gesammelt. März, April ©.
1372. A. monspessulanus L. Guss. *Syn. et Herb! Auf lehmig-
kalkigen Hügeln um Bronte (Guss. 1. c.); ich sammelte die Art
häufig in den Nebroden und zwar die Normalform mit ziemlich
kahlen, unterseits angedrückt kurzpflaumigen Blättern und ungefleckten
245
Hülsen, ganz übereinstimmend mit Exemplaren Südfrankreichs und
des Gardasee's. April, Mai %.
1373. A. caprinus L. Guss. Syn. et Herb!, *Cat. Cosent.,
excapus *Raf,. I, non L. Auf trockenen Lehmhügeln und Kalkbergen
Siziliens nicht selten, auch aus der Tiefregion des Gebietes von Raf.
und aus der Ebene des Simeto von Cosent. angegeben. März—Maäi %.
1374. A. siculus Biv. *Raf. Car., *Raf. II, III, *Presl A. sie.,
* Brunner, * Bert. fl. it., * Philippi, *Gemellaro, *Guss. Syn. et *Herb.!,
*Torn. cart., *Torn. geogr., siculus « aetnensis * Heldr. Cat. Unter-
scheidet sich von dem äusserst ähnlichen nebrodensis (Guss.) mihi
— siculus b. nebrodensis Guss. Syn. et Herb.!, der in den Nebroden
seine Stelle vertritt, durch länger stachelspitzige, in der Jugend kurz
zottigseidige, graugrüne, erwachsen jedoch ziemlich kahle, stets be-
deutend kleinere und nur 3—6paarige Blättchen. deren Endpaar fast
immer vom Stachel des Blattstieles überragt wird; ferner besitzt der
Kelch eine 5 Mm. lange, krautige Röhre (bei xebr. fehlt sie fast)
und 4 Mm. lange, grüne, kaum stachelspitzige, bedeutend schwächer
wolligzottige Zähne (bei nebr. sind sie 5—6 Mm. lang, weisslich-
häutig, äusserst dicht schneeweiss zottigwollig, und mit kurzer, kahler
Stachelspitze und reichen fast bis zum Kelchgrunde), und fleisch-
rothe Blüthen (nebr. besitzt weisse Blüthen mit rothlinirter Fahne).
— Im schwarzen Lavasande der Hochregion (7— 8000) ausser-
ordentlich gemein und hier die hervorragendste Etnapflanze, aus
deren Polstern die meisten der hier noch vorkommenden Pflanzen
hervorsprossen; daher von allen Etnabesuchern erwähnt; steigt aber
auch, allerdings allmälig seltener werdend, durch die ganze Wald-
region bis in die obere Tiefregion herab; ich fand ihn am gewöhn-
lichen Aufstiege über Nicolosi vom Beginne der Wälder (3000) bis
fast zur Grenze des Pflanzenwuchses überall, ferner ebenso gemein,
ja grosse Strecken hindurch überhaupt als einzigen Vertreter der
Pflanzenwelt, im Val del Bove, ebenso vom Cerritawalde aufwärts,
viel seltener an der Westseite vom Bosco Maletto an. Von den
älteren Angaben hebe ich folgende heraus: „Zwischen 6000 und 7500°*
Presl), „vom Etna oberhalb Nicolosi durch Cosentini, Schouw.,
ranger, Brunner und Gussone erhalten“ (Bert.), „gegen das
obere Ende der Waldregion, zwar schon bei der casa de Rinazzi
(3291), aber erst bei 4800° häufig; in der offenen Region vor-
herrschend, die Stelle der Alpenrosen vertretend, dichte vollkommen
halbkugelige Rasen bildend, die 2—2'5‘ hoch sind und höchstens
_4— 5° Durchmesser haben, ganz mit dem Ansehen einer Ruhebank,
aber den Arglosen mit den stachelspitzigen Blattstielen jämmerlich
stechend; ich traf ihn nicht über 7500 (Philippi); „steigt über
8200“ (Brunner); „von 7500° bis zur Timpa del Barile, 7948°*
(Gemellaro); „348—7948°“ (Torn. Cart.); am Etna bei Niecolosi und
im Giessbache von Caltabiano (Guss. Syn.), im Valle del Trifoglietto
Cosent. in Herb. Guss.!), Bosco Rinazzı, Gervasi, Monti Scavo (Herb.
orn.!). Mai—Juli ©. ö
246
NB. A. arenarius L. und Cicer L. von Cat. Cosent. aus der
Ebene des Simeto angegeben, fehlen in Sizilien.
1375. Biserrula Pelecinus L. *Raf. I, *Biv. cent. II, *Bert,.
fl. it., Guss. Syn. et *Herb.! An dürren Stellen des Etna (Biv. II,
Biv. in Herb. Guss.!), aus Catania von Cosentini erhalten (Bert.
l. c., Herb. Guss.!), um Catania (Herb. Torn., Torn. in Herb. Guss!),
an Eisenbahndämmen zwischen Ognina und Acicastello stellenweise
häufig! April, Mai ©.
1376. Scorpiurus subvillosa L. muricata *Cat. Cosent. Variirt
in Sizilien: « genuina Gr. Godr. (Blüthenstiele 2—4blüthig, Aussen-
rippen der Gliederhülsen mit langen, kahlen, etwas hakigen Stacheln
dicht besetzt); ß eriocarpa Guss. (wie «, aber Stacheln noch länger
und fein rauhhaarig); acutifolia Viv. unterscheidet sich davon durch
kurzstachelige Früchte und spitze, die Blüthenstiele überragende
Blätter. Auf sonnigen, krautigen Hügeln, auf Fluren, in Saaten, Wein-
und Olivengärten bis 2000° beide Varietäten gemein: Catania (!, Herb.
Torn. « und £!), um Annunziata gemein (Herb. Reyer « und £!)
überall in der Ebene des Simeto (« und £!), um Adernd, Bronte!’
April, Mai ©.
1377. Coronilla valentina L. Auf Kalkfelsen in Süd- und West-
Sizilien (Guss. Syn. et Herb.!), von Raf. II und Tratt. Scuderi auch
in der Waldregion des Etna, aber wohl irrig, angegeben; vielleicht
Verwechslung mit Emerus L., die in Sizilien häufig, aber für unser
Gebiet noch ausständig ist.
1378. Cor. scorpioides (L.) Koch *Bert. fl. it. Guss. Syn. et
Herb.! In Saatfeldern, Wein- und ÖOlivengärten bis 2000° gemein:
Um Catania, Acicastello (!, Herb. Torn.!), aus Catania von Cosentini
erhalten (Bert. 1. c.), um Misterbianco, überall in der Ebene des
Simeto bis hinauf nach Bronte! April— Juli ©.
1379. Ornithopus compressus L. *Bert. fl. it., Guss. Syn. et
Herb.! Auf sonnigen Abhängen, in Feldern und Gärten der Tief-
region, sowie im schwarzen Lavasande der Waldregion bis 5000°
gemein: Aus Catania von Consentini erhalten (Bert. 1. c.), um
Catania, Milo, am Monte Pd (Herb. Torn.!), Acicastello (Herb. Reyer!),
Ognina, vom Meere bis in die Wälder oberhalb Nicolosi überall,
besonders in der Ebene hinter Nicolosi oft wie angebaut, im Valle
Calanna, im Serrapizzutawalde etc.! März— Mai 9.
1380. Hippocrepis unisiliguosa L. *Cat. Cosent., *Bert. Fl. it.,
Guss. Syn. et *Herb.!, *Philippi, unis. var. biflora *Raf. I, III (also
in der Tief- und irrig auch in der Hochregion angegeben). Auf
sonnigen, krautigen Hügeln, in Saat- und Brachfeldern häufig: Aus
Catania von Cosentini erhalten (Bert., Herb. Guss.!), in der Ebene
des Simeto an vielen Orten angetroffen (!, Cat. Cosent., Philippi).
März, April. ©.
247
1381. H. multisiliquosa L. Guss. *Syn. Add. et *Herb.! An kran-
tigen Orten der Laven bei Catania (Torn. in Guss. ]. c.!), um Cata-
nia überall an krautigen Orten (Herb. Tornab.!), häufig in Feldern
und zwischen Weingärten der Ebene des Simeto nahe dem Meere!
April, Mai. ©.
1382. Hedysarım coronarium L. *Cat. Cosent., Cosent. Mem.,
*Bert. Fl. it., Guss. Syn. et Herb.! Auf Fluren, Feldern, an grasi-
gen Flussrändern bis 2000° sehr häufig: Aus Catania von Cosen-
tini erhalten (Bertol. 1. e.), in immenser Zahl am Ufer des Simeto
(Cosent. Memor.), besonders wichtig als Viehfutter in der Arena
(Cat. Cosent.), in Weingärten bei Annunziata (Herb. Reyer!), über-
all in der Ebene des Simeto bis Paternd hinauf (!, Herb. Reyer!,
Herb. Torn.!), um Misterbianco und selbst noch um Bronte! April,
Mai. ©.
1383. H. capitatum Dsf. *Bert. Fl. it., Guss. Syn. et *Herh.!,
spinosissimum Presl Fl. sie., non L. Variirt mit bleichen, weisslichen
Blüthen — H. pallidum *Raf. Il, *Biv. cent. II, non Desf. Capitat.
unterscheidet sich von spinosissimum L. W. Lge. III, 262 aus Spa-
nien nach W. Lge. und meinen spanischen Exemplaren nur durch
doppelt so grosse (12—17 Mm.), intensiv rosen- oder purpurrothe
Blüthen, deren Fahne das Schiffehen meist überragt, dichter zottige
und länger weichstachelige, meist zweigliederige Hülsen, reicherblü-
thige Dolden, spitzere, längere, schmälere Fiederchen. Bei Randazzo
von Parolini gesammelt (Bert. ]. e.), um Catania (Cosent. in Herb.
Guss.!), in Lavagründen links von der Strasse durch Ognina (Herb.
Reyer!), äusserst gemein auf sandigen Fluren längs des Simeto unter-
halb Paternd! Var. pallidum: Auf Hügeln bei Catania in der Con-
trada di Pintudattilo (Biv. cent. II). April, Mai. ©.
1384. Onobrychis caput galli (L.) Lam. *Bert. Fl. it., Guss.
Syn. et *Herb.! Hedysarum ce. g. L. *Raf. II. Ein- oder zweijährig,
Kelch von Kronenlänge, Hülse flaumig, grubig, überall bestachelt;
die Stacheln des Kammes lang, aus flacher, dreieckiger Basis schnell
dornig verschmälert, an der Spitze gerade oder hakig; die der Scheibe
etwas kürzer und konisch, an der Basis weder flach, noch bedeutend
verbreitert. Auf trockenen Hügeln und Feldern Siziliens sehr häufig,
im Gebiete jedoch ziemlich selten: Aus Catania von Cosentini er-
halten (Bert. 1. e.), auf Hügeln bei Bronte (Herb. Guss.!). April,
Mai. ©, ©).
1385. On. aequidentata (S. Sm.) D’Urv. Guss. Syn. et Herh.!,
foweolata DC. Prodr. Von voriger verschieden durch den Kelch über-
ragende Kronen und die Stacheln der Hülsen: die des Kammes sind
n, dreieckig, nur doppelt so lang, als am Grunde breit, gegen
ie Ränder an Grösse abnehmend, ihre Dornspitze kurz, gelb; die
der Scheibe sind sehr kurz, konisch; stimmt genau mit dalmat. und
türkischen Exemplaren; foveolata DC. ist nur eine Varietät derselben
mit niedrigem Stengel, etwas breiteren, stärker behaarten Blättern,
248
stärker grauzottigen Hülsen und kahlen Gruben derselben. — Auf
dürren Hügeln und Feldern, am sandigen Meerstrande Siziliens sehr
häufig, daher im Gebiete gewiss nur übersehen. März—Mai. ©.
1386. Oicer arietinum L. Häufig eultivirt und auch manchmal
verwildert in der ganzen Tiefregion bis Bronte und sogar noch gegen
den Bosco Maletto hinauf (ca. 3000). Mai ©.
(Fortsetzung folgt.)
—i
Literaturberichte.
Engler A. und Prantl K., Die natürlichen Pflanzenfamilien nebst ihren
Gattungen und wichtigeren Arten, insbesondere den Nutzpflanzen, unter
Mitwirkung zahlreicher hervorragender Fachgelehrten. Leipzig, W. Engel-
mann, 1887. Lieferung 1—5, gr.-8°, 15 Bogen, mit zahlreichen Holzschnitten.
Jeder Naturfreund, der sich mit systematischer Botanik be-
schäftigt und sein Wissen nicht allein auf die Erkenntniss der ihn
umgebenden heimischen Flora beschränkt, sondern auch sein Augen-
merk den herrlichen Blumenschätzen der Tropenwelt zuwendet oder
sich überhaupt Kenntniss erwerben will über den Pflanzenwuchs irgend
eines fernen Landes, hat in seinen Studien sehr bald empfunden, dass
unsere botanische Literatur in dieser Beziehung gar kein allgemein
verständliches und zu gleicher Zeit den wissenschaftlichen Anforde-
rungen genügendes Hilfsbuch aufzuweisen hat. Es herrscht eben ein
entschiedener, namentlich von Botanikern in fernen Ländern sehr
gefühlter Mangel eines Handbuches der systematischen Botanik oder
überhaupt eines Werkes, welches im Stande wäre, sowohl den Fach-
botaniker, als den Laien mit den für sie wichtigen und interessanten
Pflanzen bekannt zu machen. Nur in grösseren Museen und Fach-
bibliotheken waren dem Wissbegierigen die aus vielen umfangreichen
Folianten und kostbaren Bänden bestehenden Hilfsquellen zugänglich,
welche nur in fremder Sprache, oft auch ohne Zugabe der den Text
belebenden Abbildungen zum Ziele führen sollten. Wer jedoch z. B.
nach dem berühmten Werke Genera plantarum von Bentham und
Hooker oder nach dem jetzt veralteten Endlicher’schen Werke
gleichen Namens sich bis zur Bestimmung der Gattung einer ihm
interessant erscheinenden tropischen Pflanze durchgearbeitet hatte,
war sich dessen wohl bewusst, dass er ein schweres Stück Arbeit
mühselig überwunden, da eben diese, doch anerkannt besten, in latei-
nischer Sprache geschriebenen Werke nicht für Pflanzenliebhaber
bestimmt sind, demnach dem Anfänger grosse Schwierigkeiten bereiten
und auch der Abbildungen entbehren. Letzteren Mangel behob wohl
ein noch immer brauchbares französisches Hilfsbuch für Systematik,
nämlich Le Maout und Decaisne’s „Traite general de botanique“,
in glänzender Weise, aber eine ausführliche Behandlung der Pflanzen-
249
gattungen wurde uns durch dieses Buch nicht gegeben, da es seinem
Plane nicht entsprach. Wir haben jedoch bisher keine besseren Hand-
bücher und andere ebenfalls in fremder Sprache verfasste leisten den
vielen Anforderungen, welche an dieselben gestellt werden, noch
weniger Genüge; es fehlt aber überhaupt an einem umfassenden
Werke, welches nach wissenschaftlichen Grundsätzen ein Gesammt-
bild der Pflanzenwelt in systematischer und doch dabei allgemeiner
verständlicher Weise zur Darstellung zu bringen suchte. Bei den
enormen Schwierigkeiten, die sich an das Zustandekommen eines
derartigen Werkes knüpfen, müssen wir den dahin abzielenden nun
realisirten Entschluss, welchen sich die zwei rühmlichst bekannten
Systematiker und Pflanzengeographen Prof. A. Engler und K. Prantl
im Vereine mit anderen hervorragenden Botanikern, wie: Prof. A.
Eichler, OÖ. Drude, E. Warning, Ch. Luerssen, F. v. Mueller,
E. Pfitzer, E. Hackel, P. Ascherson und zahlreicher anderer
Forscher gestellt haben, geradezu bewundern, denn er gibt Zeugniss
von dem unermüdlichen Eifer, welchen die Deutschen von jeher
gerade in der Bewältigung der schwierigsten wissenschaftlichen Pro-
bleme und Aufgaben an den Tag gelegt haben. Dass dieses Unter-
nehmen aber auch in so vollkommen zweckentsprechender Weise ver-
wirklicht wurde, ist ein neues Verdienst der bekannten Verlagsfirma
Engelmann in Leipzig.’ Das grossartig angelegte, auf etwa 350 Druck-
bogen berechnete und mit vielen tausend Abbildungen zu schmückende
Werk: „Die natürlichen Pflanzenfamilien“, von dem uns bisher fünf
Lieferungen (jede zu dem billigen Preise von 1'/, Mark) vorliegen,
erfüllt in glänzender und vollkommenster Weise, entsprechend dem
vorhin genannten Bedürfnisse, seinen Zweck, d.i. in allgemeiner ver-
ständlicher Form ein in deutscher Sprache geschriebenes,
grösseres, wissenschaftliches Handbuch für systematische
Botanik zu werden. Es bietet eine Fülle von Anregung und Be-
lehrung, und entsprechend den vielfachen Bedürfnissen nimmt die
Behandlung des Stoffes auch Rücksicht auf anatomische Merkmale,
biologische Thatsachen, auf die geographische Verbreitung und Nutz-
anwendung sämmtlicher (auch fossiler) Gattungen und wichtigsten
Arten und gliedert sich demnach bei jeder Familie in folgende Ab-
schnitte: 1. Wichtigste Literaturangaben. — 2. Merkmale in knapper
Form und allgemein verständlicher Darstellung. — 3. Vegetations-
organe (mit Rücksicht auf die Existenzbedingungen). — 4. Anato-
mische Verhältnisse. — 5. Blüthenverhältnisse (mit Rücksicht auf
Entwicklung und Bestäubungseinrichtungen). — 6. Frucht und Samen
(mit Rücksicht auf Entwicklung und namentlich auf Verbreitungs-
mittel). — 7. Geographische Verbreitung. — 8. Verwandtschaftliche
Beziehungen der Familie. — 9. Eintheilung der Familie in Unter-
familien und Gruppen. — 10. Charakterisirung der Gruppen und
Schlüssel zur Bestimmung der Gattungen. — 11. Anführung aller
bekannten Gattungen, zwar ohne ausführliche Diagnosen, aber mit
kurzer Angabe der wirklich unterscheidenden Merkmale, sowie des
Vorkommens und der Artenzahl. — 12. Anführung der Arten, welche
250
an der Vegetationsdecke der Erde hervorragenden Antheil nehmen,
sowie namentlich der Nutzpflanzen, ihrer Producte und der schäd-
lichen Arten im Zusammenhange mit der systematischen Gruppirung
der Gattung. — Eine grosse Anzahl mit ganz besonderer Sorgfalt
ausgewählter Figuren dient zur Erläuterung und Ergänzung des
Textes. Dieselben beschränken sich jedoch nicht allein auf die Wie-
dergabe morphologischer und anatomischer Merkmale, sondern bieten
auch Habitusbilder oder stellen einzelne, wichtigere Arten dar. Da
die Bearbeitung auch die Kryptogamen umfassen wird, so kann man
schon jetzt behaupten, dass „Dienatürlichen Pflanzenfamilien*
als das beste Handbuch für systematische Botanik ein un-
entbehrliches Hand- und Nachschlagebuch für jeden Bo-
taniker zu werden verspricht. Selbstverständlich erforderte der
Umfang des Werkes eine Gliederung des Inhaltes, der in 4 grössere
Theile und diese wieder in mehrere Abtheilungen zerfällt wurde. Dem
natürlichen Systeme entsprechend, enthält der1. Theil die Kryptogamen,
der 2. die «ymnospermen und Monocotyledoneae, der 3. die chori-
petalen und der 4. die gamopetalen Dicotyledoneae. In zweckmässiger,
das regelmässige Erscheinen der Lieferungen fördernden Weise werden
die Abtheilungen nebeneinander veröffentlicht, wie es die 5 Liefe-
rungen darlegen, in welchen OÖ. Drude die Palmen und Cyeclan-
thaceae, F. Buchenau die Juncaceen, A. Engler die Stemonaceae
und Liliaceae und im Vereine mit A. Eichler und A. Prantl die
Cycadeen und Coniferae in vorzüglichster, der oben angeführten Glie-
derung des Stoffes genau entsprechender Weise monographisch bear-
beiteten. Wir hoffen noch wiederholt auf den gediegenen Inhalt dieses
allen Botanikern zu empfehlenden Werkes zurückzukommen und wollen
nur noch erwähnen, dass die Verlagsfirma jenen Abonnenten, die ge-
ringere botanische Vorkenntnisse genossen haben, ein Heftchen kosten-
frei überlassen wird, welches eine für Jedermann verständliche Er-
klärung der botanischen Kunstausdrücke enthalten wird, um diesem
verdienstvollen Werke die grösste Verbreitung zu sichern. Beck.
The Survey of Western Palestine. By the Rev. Tristram.
In diesem von Palestine Explor. Fund herausgegebenen Pracht-
werke ist eine Flora Palästinas (Gefässpflanzen 3002 Species) er-
schienen. Es ist keine neue Pflanze aufgezählt, nur einige von Paine
in Moab gesammelte Species, die er in der Pal. Explor. Soc. Rev. 3
beschrieben, dürften dem grossen botanischen Publikum selbst dem
Namen nach unbekannt sein, wesshalb wir sie hier anführen: Tri-
gonella minima, Trifolium velivolum (Gilead), (Ervum lens is cer-
tainly wild in Moab, Punica granatum apparently indigenous), Ce-
phalaria tenella (Gilead), Trachelanthos foliosa (Asperifol. — Gilead),
Phelipea gossypina (Baker msc. in herb. Kew ex collect. Paine —
Hesbon), incana (Moab), Salvia paratica (Gilead), Plantago phaeo-
pus (Moab), Allium lachnophyllum, Bromus argyphaeus (Gilead,
Nadelwälder), — ungezählt die für Palästina neuen Vorkommnisse,
251
wie Rheum ribesin Moab. Tristram zählt 161 äthiopische und 27
nordindische Pflanzen in Palästina neben 251 endemischen. Aller-
dings ist diess nach den Gegenden verschieden. Die Gegend um das
Todte Meer (250 Species) hat entschiedenen Wüstencharakter. Von
160 Spee., die Tristram im Wadi Zuweirah sammelte, sind 27
europäisch und nordindisch, 135 afrikanisch (von denen 37 nach In-
dien reichen, 23 nach den Canaren — 17 nach Aden!). Das Jordan-
thal scheidet sich scharf ab von den östlichen und westlichen Ber-
gen. Diese Wüstenpflanzen sind nicht etwa spät eingewandert, son-
dern nach Analogie der Fische und Vögel alte tropische Remanenzen,
die Tristram in die Eocenzeit zurückverlegt. Es stossen somit in
Palästina drei Floren zusammen — die Nordeuropas (Libanon, Berge
von Galiläa; Wälder von Peräa), die Mediterranflora (Küste) und
Wüstenflora (Jordanthal und Gegend um das Todte Meer).
Dr. J. Palacky.
Ascherson-Schweinfurth, Illustration de la Flore d’Egypte. Kairo 10. Fe-
bruar 1887.
Diese Flora, die einem wahren Bedürfnisse entspricht, speciell
seit den Entdeckungen von Letourneux, schliesst ab mit 1257 Pha-
nerogamen, einem Farren (Adiantum capillus veneris (im Nilthal,
der kleinen Oase und der nordöstlichen Küste) und zwei Marsilea-
Arten (davon diffusa Leprieur in der kleinen Oase). Sie zählt 56
Species als endemisch in Egypten auf, ein gewaltiger Unterschied
gegen Delile. Doch dürfte man noch einzelne Species in Arabien
und der Sahara wiederfinden. Neu beschrieben werden Helianthemum
Antoni Schweinf. (Galala), Silene apetala var. alewandrina Aschers.,
Spergularia salina var. alexandrina Aschers. (Zygophyllum beren-
cense Schwfth. ined. nom. sol.), Phagnalon barbeyanum Asch., (nord-
östliche Wüste), Attractylis mernepthae Asch., Schw. Suez-Adjernd),
Carthamus tinctorius v. inermis Asch., Verbascum Letourneuai (spi-
nosum Asch., marmaricum Letourn.), Haloxylon Schweinfurthi Asch.
(— Anabasis articulata), Salsola velkenii (Saleje), Najas pectinata
Magnus (Caulinia Presl, horrida A. Br.) — abgerechnet die von
Körnieke beschriebenen Weizenspielarten etc. Es zeigt sich, dass
der Nordwesten (von Marmarika zum Nil) rein mediterran ist und
ca. 200 Species nicht weiter nach Egypten gehen, dass das Nilthal
so einförmig und arm bleibt, wie es bisher geschildert wurde, dass
aber die östliche Wüste (die sogenannte arabische, wovon hier der
Nordosten als isthmische Wüste abgetrennt wird), viel reicher ist
als die arme westliche oder libysche, dass im Gebirge einzelne süd-
lichere Formen, die an den Sinai und Abyssinien mahnen, auftreten,
und dass bis jetzt Egypten eine stattliche Zahl von Endemismen
in der Wüste besitzt, die allerdings vielleicht noch in Arabien ge-
funden werden dürften; schwerlich wohl in der Sahara, deren Ar-
muth wieder durch die Collect. Flatters bestätigt worden ist.
; Dr. J. Palacky.
252
Heimerl Ant. Beiträge zur Anatomie der Nyetagineen. I. Zur Kenntniss
des Blüthenbaues und der Fruchtentwicklung einiger Nyetagineen: Mira-
bilis Jalapa L. M. longiflora L. Orybaphus nyctagineus Sweet, (Denkschr.
d. NR Cl. der k. Akad. der Wissensch. Wien, LII. Bd. 1887.
3 Tfln.
Die wichtigsten Ergebnisse der Untersuchung sind: 1. Die
Samenknospe der untersuchten Nyctagineen stellt eine Mittelform
des campylotropen und anatropen Ovulums dar und füllt die Frucht-
knotenhöhle völlig aus. 2. Es existirt ein Leitapparat der Pollenschläuche
in vollendeter Ausbildung. 3. Die zu Dreien vorhandenen Antipoden-
zellen sind schon vor der Befruchtung mit Membranen umgeben
und bleiben auch nach derselben noch länger erhalten. 4. Die Endo-
spermbildung ist nur unbedeutend und vorübergehend, Perisperm-
bildung findet dagegen massenhaft statt. 5. Die reife Frucht wird
von einer sehr dünnen, braunen Haut umkleidet, welche entwicklungs-
geschichtlich aus zwei Lagen besteht: die äussere wird von der col-
labirten Aussenepidermis des Fruchtknotens gebildet, die innere, rela-
tiv stärkere Lage stellt dis Testa des Samens dar. 6. Die Wand des
reifen Fruchtperigons zeigt einen complieirten Bau, doch lässt sich
am Querschnitte immer ein mittleres Sklerenchym, dann ein äusseres
und inneres gerbstoffführendes Parenchym, endlich Epidermen beider
Seiten nachweisen. 7. Rhaphidenschläuche finden sich: reichlich in
der kurzen Verlängerung der Blüthenaxe, an welcher der Frucht-
knoten sitzt; im unteren Perigonabschnitt (welcher sich zu einer
harten Hülle um die Frucht ausbildet); in geringer Menge auch in
der Fruchtknotenwandung. Dem Gewebe der Samenknospe fehlen sie.
— Die anatomischen Details dieser gründlichen Untersuchung sind
durch zahlreiche, vom Autor gezeichnete Figuren auf drei Steintafeln
in Quart in einer ebenso eleganten als naturgetreuen Ausführung
illustrirt. Burgerstein.
Willkomm Dr. Moriz: Forstliche Flora von Deutschland und Oester-
reich, oder forstbotanische und pflanzengeographische Beschreibung
aller im Deutschen Reiche und österreichischen Kaiserstaate heimi-
schen und im Freien angebauten oder anbauungswürdigen Holzge-
wächse. 2. Auflage. 82 Holzschn. 968 pag. Leipzig, Winter’sche Verlags-
handlung.
Schon bei Erscheinen der ersten Lieferungen der nunmehr voll-
ständig vorliegenden zweiten Auflage bot sich Gelegenheit, auf die
wesentlichen Vorzüge derselben hinzuweisen (vergl. Oest. bot. Ztschr.
1886, p. 206) und das schon damals Gesagte kann mit Bezug auf
die späteren Lieferungen nur wiederholt werden. Dem Umfange nach
weist die zweite Auflage gegenüber der ersten einen Zuwachs von
fünf Bogen Text und acht Figuren auf; der Inhalt ist vielfach um-
gearbeitet und erweitert. Die ausführliche Besprechung von 34 Arten
wurde neu aufgenommen und entsprechend den heute allgemein ge-
brauchten Systemen die Anordnung der Arten gänzlich geändert.
Theilweise Neubearbeitung oder beträchtliche Erweiterung haben die
Coniferen, die Gattungen Ulmus, Fraxinus, Acer, Juglans U. a. er-
ze)
fahren. Die Aenderungen ergaben sich theilweise in Folge monogra-
phischer Bearbeitungen, zum Theile durch Benützung und Zusammen-
fassung der zerstreuten forstbotanischen Literatur. Die Eintheilung des
Stoffes ist im Grossen und Ganzen ungeändert geblieben. Die Einleitung
umfasst eine Darstellung der Morphologie der Holzgewächse, eine
Besprechung der allgemeinen Bedingungen des Vorkommens und der
Verbreitung der Holzpflanzen, der pflanzengeographischen Zonen und
Regionen des Florengebietes, ferner eine Uebersicht des Systemes
(Modifieation nach Endlicher und Unger) und der vorzugsweise
benützten Quellenwerke. Den grössten Theil des Werkes umfasst die
systematische und pflanzengeographische Schilderung der Holzge-
wächse Deutschlands und Oesterreichs mit ausführlichen Beschrei-
bungen, Synonymenverzeichnissen, Literaturnachweisen, Darstellungen
der Verbreitung, der forstwirthschaftlichen Bedeutung ete. Diesem
Theile sind auch die zahlreichen schönen Abbildungen beigegeben.
Als Anhang ist dem Werke eine Uebersicht der Unkräuter und
Standortspflanzen des Waldes und des Waldbodens Mitteleuropas
nach ihrem Vorkommen beigezeben, und vertritt dieselbe das in der
ersten Auflage enthaltene alphabetische Verzeichniss forstlicher Un-
kräuter. Die äussere Ausstattung, sowie der Druck des Werkes macht
der Verlagshandlung alle Ehre. Wettstein.
Kirchner Dr. O.: Neue Beobachtungen über die Bestäubungs-Einrich-
tungen einheimischer Pflanzen. Stuttgart 1886. 66 pag.
Die Abhandlung enthält die vom Verfasser im Sommer des
Jahres 1886 gemachten Beobachtungen über die Bestäubungseinrich-
tungen von 144 einheimischen, den verschiedensten Familien ange-
hörigen Pflanzen. Nur bei einer relativ kleinen Anzahl schildert der
Verfasser den Verlauf der Befruchtung und beschränkt sich bei der
Mehrzahl der geschilderten Fälle darauf, das Verhalten der Ge-
schleehtsorgane während des Aufblühens, ihre Stellung, die an ihnen
im Verlaufe der Blüthezeit vorkommenden Veränderungen und Be-
wezungen auf Grund sorgfältiger Beobachtungen zu beschreiben. Eine
Deutung und Erklärung der beobachteten Verhältnisse war schon
desshalb nicht möglich, da keinerlei Beobachtungen über den Einfluss
des Insectenbesuches oder anderer die Kreuzbefruchtung vermitteln-
der Vorgänge gemacht wurden. Die Arbeit enthält daher ein immer-
hin schätzbares Material, das jedoch erst durch weitere in der ange-
deuteten Richtung auszuführende Beobachtung volle Verwerthung
finden kann. Wottstein.
Botanisches Taschenbuch, enthaltend die in Deutschland, Deutsch-Oesterreich
und der Schweiz wild wachsenden und im Freien eultivirten Gefässpflanzen,
nach dem natürlichen Systeme geordnet und zum Bestimmen einge-
richtet von Dr. Friedrich Kruse, Professor am königl. Wilhelms-Gym-
nasium in Berlin. 8° XVIII, 469 Seiten. Broschirt 4 Mark, geb. 5 Mark.
Verlag von Hermann Paetel, Berlin 1887.
Während in den bisher erschienenen. Bestimmungsbüchern nach
254
dem Linn@'schen Systeme zwei besondere Tabellen aufgestellt sind,
welche zur Bestimmung der Familien und der Gattungen dienen, wo-
durch eine Uebersicht des bei der Untersuchung zurückgelegten Weges
unmöglich wird, ist es ein grosser Vorzug des vorliegenden Taschen-
buches, dass es mittelst einer einzigen Anordnung für die Familien
und Gattungen nach dem natürlichen Systeme die Pflanzen bestim-
men lehrt und dabei stets einen klaren Ueberblick des Ganges der
Untersuchung gewährt. Alle diesem Florenreiche angehörenden offi-
cinellen Gewächse sind nach der neuesten Ausgabe der Pharmacopoea
germanica als solche bezeichnet. So grosse Vorzüge das Taschenbuch
einerseits für den Pflanzenfreund hat, so können wir doch anderer-
seits eben im Interesse des Werkes nicht zu bemerken unterlassen,
dass wir beispielsweise in den Gattungen Viola, Thymus, Rosa, Ru-
bus ete. manche alte, streng geschiedene Art vergebens suchen, ein
Mangel, der bei einer nächsten Auflage dieses sonst so zweckdien-
lichen Führers auf botanischen Excursionen leicht vermieden werden
könnte. J.
Verhandlungen der k. k. zoologisch-botanischen Gesellschaft in Wien.
Jahrgang 1887, I. Quartal.
Auch in diesem Vierteljahrshefte ist der vorwiegend grössere
Theil der Botanik eingeräumt, welche daselbst durch die nachstehen-
den Abhandlungen vertreten ist: Arnold, Dr. F., „Lichenologische
Ausflüge in Tirol“. Die vorliegende XXIII. Serie der diesfälligen
Mittheilungen bringt die Resultate der vom Autor in den Jahren
1878 bis 1886 im Fassa- und oberen Fleimserthale unternommenen
Excursionen, an denen sich im Juli und August 1884 Prof. Lojka
aus Budapest betheiligt hat. Bei der Gruppirung der aufgeführten
Flechtenarten wurde die Ausscheidung derselben nach dem Substrate
— als die bewährteste — beibehalten. — Harring F.. „Floristische
Funde aus der Umgebung von Stockerau in Niederösterreich“. Der
Verfasser, welcher seit mehreren Jahren dieses bei den Botanikern
Wiens als floristisch uninteressant bisher gemiedene Terrain näher
durchforscht und auch bereits in der „Oesterr. botan. Zeitschrift“,
Jahrg. 1835, p. 369 und p. 388—692, einige der bemerkenswerthesten
Funde bekannt gemacht hat, geht im Vorliegenden mehr ins Detail
und behandelt besonders die Gattungen Salix und Rosa eingehender.
— Haszlinski F. A., „Einige neue oder wenig bekannte Discomi-
ceten*. (Mit einer Tafel.) Bezugnehmend auf die letzten Arbeiten des
Autors über ungarische Discomyceten, welche derselbe als Vorarbeit
zu einer ungarischen Pilzflora betrachtet, bringt er nun die Ergeb-
nisse seiner neueren Beobachtungen in einer kritisch gehaltenen Zu-
sammenstellung von 81 Pilzarten, die sämmtlich in seinem Vater-
lande vorkommen. — Kronfeld, Dr. M., „Ueber die Beziehungen
der Nebenblätter zu ihrem Hauptblatte“. (Mit einer Tafel, getreue
Abbildungen von Lathyrus Aphaca enthaltend.) Der gelungenen Aus-
255
führungen K.'s über diesen Gegenstand wurde bereits in diesem
Blatte, Februar-Heft, unter den „Vereins-Nachrichten“ gedacht. —
Kunze, Dr. Otto, „Nachträge zur Clematis-Monographie“. Den An-
lass zu dieser Publication gab Herrn Dr. Carl Richter’s in den Ver-
handlungen d. z.-b. @., Bd. XXXVI, p. 215, erschienener Artikel:
„Was ist Atragene Wenderothüö?“ — Wettstein, Dr. R. v., „Ueber
zwei wenig bekannte Ascomyceten“. Es sind dies: Peziza aquatica
Lam. et D. Cand. Flor. frang. und Hypomyces Trichoderma Hoffm. G.,
deren ausführliche Diagnosen gebracht und näher erläutert werden.
— Zukal Hugo, „Ueber einige neue Ascomyceten“. Als neue Genera
werden Baculospora und Gymnodiscus aufgestellt und nebst den
Species B. pellucida und @. neglectus beschrieben. Ferner werden noch
einige neue Arten vorgeführt. Von sämmtlichen genannten Pilzen sind
auf einer Tafel instructive Abbildungen vorhanden. M. Prihoda.
AO —
Correspondenz.
Wien, am 4. Juni 1887.
Gestern habe ich auf einem Spaziergange in die Kriau des
Wiener Praters, etwa in der Mitte derselben, Ölematis integrifolia L.
in zwei blühenden Stöcken angetroffen. Diese schöne Pflanze ist meines
Wissens neu für die Praterflora.. — Lepidium perfoliatum L. fand
ich im Umkreise einer alten Schwarzpappel ebenfalls in der Kriau;
es fällt daselbst durch sein massenhaftes Vorkommen in hohem
Grade auf. Kronfeld.
Wien, am 5. Juni 4887.
Dass die Drüsen, welche die Unterseite der Blättehen beklei”
den, für die Sonderung der Formen der Arten, ja für die Umgren-
zung gewisser Gruppen innerhalb der Gattung Rosa von grossem
Belange sind, ist längst bekannt, und es bedarf weder gelehrt sein
sollender Abhandlungen, noch langer Erläuterungen und Belehrungen,
um diese Thatsache in ein klares Licht zu setzen. Selbstverständlich
begleiten obenerwähnte Eigenschaft noch andere Charakteristica, denn
ohne die letzteren würde es in vielen Fällen sehr schlimm mit der
Umgrenzung selbst einer Form, ja eines Individuums nur nach dem
alleinigen Merkmale der Drüsen an der Unterseite der Blattlamina
stehen. Dass die Drüsen an der Unterseite der Blättchen selbst
innerhalb des Individuums ohne die begleitenden anderen Charakte-
ristica kein verlässliches und sicheres Merkmal sind, um diesen
Nachweis zu führen, braucht man Materialien nicht so weit herzu-
holen wie etwa aus Spanien, wir haben in Niederösterreich deren
genug. So besitze ich eine Rosa micrantha var, permiwta (Desegl.)
aus der Gegend von Gloggnitz in Niederösterreich, bei welcher am
selben Stamme der eine Zweig ziemlich dieht drüsige, der andere
völlig drüsenloso Unterseiten der Blättchen. zeigt, die anderen Merk-
256
male sind aber an beiden Zweigen ganz congruent, so Pedunkeln,
Scheinfrüchte, Bestachelung, Griffel, Sepalen ete.; wir hätten also
am selben Individuum Zweige (nach einer neuen Theorie —!) zu
beobachten, von welchen die einen sich offenbar eines Regenmaxi-
mums zu erfreuen hatten, während die anderen unter dem gewiss
traurigen Einflusse eines Minimums standen (!). Was die Voreilig-
keit in Creirung neuer Formen betrifft, so unterschreibe ich völlie
und ganz die beherzigungswerthen Ausführungen des Herrn J. B.
Keller, und wünsche nur, dass sich in erster Linie gewisse Leute
daran halten sollten, welche aus einem Umkreise weniger Stunden
gleich auf einmal dutzendweise neue Formen beschreiben, und Arten
nur nach drei oder vier Blüthenexemplaren creiren, ich halte dies
gewiss für eine grosse Voreiligkeit, und betrachte es ebenso als meine
Pflicht, darauf aufmerksam zu machen. Eine grosse Voreiligkeit
ist es ferner, was von Seite des Herrn Keller über die Rosa Leo-
poliensis Blocki alles geschrieben wird. Obwohl ich vor einem 18-
blättrigen Zweige alle Achtung besitze, die so einem Zweige gebührt,
so kann ich doch nicht umhin, hier die Bemerkung einzuschalten,
dass auch andere, wenn auch nicht gerade - 18blättrige Zweige der
R. Leopoliensis Blocki in der botanischen Tauschwelt eursiren, welche
von der Original-Etiquette des Herın Blocki begleitet sind, und
von welchen ich eines zu besitzen das Unglück habe, welches selbst
unter dem Mikroskope keine Spur von Drüsen an der Unterseite der
Blättchen zeigt, wie auch die echte Rosa frutetorum Besser keine
Spur solcher Drüsen aufzuweisen hat. Letzteres wird Herrn J. B.
Keller gewiss zur Beruhigung dienen, sowie die Versicherung, dass
andere Leute mindestens ebenso genau die Pflanzen untersuchen wie
ebenerwähnter Herr, wenn sie auch zu anderen Resultaten kommen
sollten. Dass Rosa coriifolia var. Erlbergensis H. Br. nichts mit
R. Leopoliensis Bl. zu thun hat, wie voreiliger Weise behauptet
wird, brauche ich hier nur anzudeuten. Ich bin weit entfernt, Herın
Btocki irgend ein Unrecht zuzufügen, trete auch nicht als Verthei-
diger dieses Herın auf, da er sich gewiss am besten selbst und
jedenfalls besser vertheidigt, als dies voreiliger Weise die Leute
für ihn thun, gebe auch zu, dass die R. Leopoliensis, die er im Auge
hat, Drüsen an der Unterseite der Blättchen hat, sowie die unter
den Nummern 5 und 44 von Herın Dr. Woloszezak ins Gefecht
geführten Exemplare, die mit der Sache eigentlich gar nichts zu thun
haben, besitzen, muss mich aber nachdrücklichst verwahren, dass
eine Pflanze, die bisher nicht beschrieben wurde, und von welcher
ich authentische Belegstücke in Händen habe, welche die Eigen-
schaften nicht zeigen, die ihr nachträglich zugeschrieben werden,
dazu benützt wird, um in ebenso voreiliger als animoser Weise
ein Urtheil zu fällen, dem jede Berechtigung abgesprochen werden
muss. Neuerdings liefert diese Thatsache den vollen Beweis, dass
eben Nomina sola unter gar keiner Bedingung respectirt werden
dürfen. Trotz der Verwahrung voreiliger Gegnerschaft, welche gleich
zu Beginn des Aufsatzes über „Flächendrüsigkeit ete.* mit der Ver-
257
sicherung eine Sache von allgemeinem Interesse zu besprechen, Hand
in Hand geht, tritt eben das persönliche Moment in jeder Zeile her-
vor und macht die ganze Angelegenheit zu einem Schlag ins Was-
ser. Zum Schlusse will ich noch bemerken, dass in Registrirung von
Thatsachen gewiss nie und nimmer den guten Arbeiten Anderer die
Anerkennung versagt werden und persönliche Gegnerschaft überhaupt
nicht, wenigstens meinerseits, in Betracht kommen darf. Braun.
Huszt, am 24. Mai 1887.
Mein seit achtzehn Monaten kranker, 73 Jahre alter Gatte
Ludwig Vägner wurde in jüngster Zeit auch noch von einem Augen-
leiden befallen und musste sich in Budapest einer Operation unter-
ziehen. Gegenwärtig ist er so geschwächt, dass er weder lesen noch
schreiben, viel weniger botanisch sich beschäftigen kann. In Folge
dessen ersuche ich alle seine geehrten Correspondenten ihre etwaigen
Zuschriften und Sendungen vorläufig zu sistiren.
Karoline Vägner.
Brünn, am 6. Juni 1887.
Der Besuch der Lultscher Gegend führte mich auf die Liliovä
hora bei Lultsch, ich fand hier: Oytisus capitatus, Vieia pisiformis,
Genista germanica, Sedum maximum Suter, Silene nutans, Turritis
glabra, Linaria genistaefolia, Vincetowicum officinale, Galium ver-
num, Asplenium septentrionale, A. viride. Auf dem Kolben bei Auer-
schitz fand ich ausser den schon bereits in d. Zeitschr. 1836, p. 286
angeführten Arten noch Crambe tataria und Owytropis pilosa.
Dr. Formänek.
Orsova, am 7. Juni 1887.
Ich bereise heuer zum zweiten Male das Banat. Die Vegetation
steht jetzt hier in vollster Entwicklung. Die Flora dieses gottgeseg-
neten Winkels ist bekanntlich die reichste Ungarns; ein Botaniker
muss wohl beim Anblicke so eines sonnigen Bergabhanges an der
Donau in Extase kommen und findet reichlich den Lohn seiner Mühe.
Auf Bergen um Orsova blüht jetzt Orchis papilionacea L. und corio-
phora L., Trifolium incarnatum var; speciell auf dem Allionberge
Stachys nitens Jka., Achilles compacta W., crithmifolia W.K., Si-
lene Armeria L. (auch an der Eisenbahn gegen Toplecz zu häufig),
an einer Stelle gegen Vodieza die mannshohe Ferulago monticola
B. H., Convolrulus sylwatieus W. K., Campanula lingulata W. K.,
Moenchia mantica Bartl., Scabiosa banatica W. K. Am 2. Juni
unternahm ich von Herkulesbad einen 13stündigen Ausflug über die
- Prolazschlucht auf den Domugled. Im Prolazthale ist Lathyrus Hal-
_ lersteinii Baumg. und Asparagus sylvaticus W. K. häufig, auf Felsen
_ prangt Cerastium banaticum Koch, Dianthus petraeus W. K., Silene
petraea W. K., Calamintha rotundifolia Benth., Campanula diver-
gens W., Athamanta Matthioli Heufl, /satis praecow Kit, Sesleria rigida
| Ossterr. botan. Zeitschrift, 7, Heft 1887, 21
.
}
©
258
Heuff, Jurinea maerocalathia C. Koch mit der herrlichen Centaurea
atropurpurea W.K., eine wahre Zierde der Banater Flora, Aethionema
sawatile R. Br., am Fusse der Felsen macht sich im Schatten Moeh-
ringia pendula Fenzl breit, hoch oben am senkrechten Felsen machte
mir Hieracium Heuffelii Jka grosse Freude, es ist aber ebenso wie
der schöne Edrajanthus graminifolius A.D.C. nur mit Lebensgefahr
zu erreichen. Weiter oben in der Waldregion traf ich Cynoglossum
montanum Lam., Peltaria alliacea L., Orchis speciosa Host, Are-
monia agrimonoides Neck, Potentilla sp., Geranium bohemicum L.
Den Gipfel zieren tausende Blüthenköpfchen der Asperula capitata
Kit. und taurina W., in ihrer Gesellschaft findet sich T’hlaspi bana-
ticum Uechtr., Cineraria Clusiana Host, Pedicularis comosa L.,
Thymus acieularis W.K., Blätter des Colchieum pannonieum G. $.,
Arabis procurrens W. K., Draba lasiocarpa Roch, Syringa vul-
garis L., Ferulago silvatica Rb., die Rosetten des Sempervivum assi-
mile Schott und patens Grsb., welche ich v. J. im August in Blüthe
sammelte. Unterhalb des Gipfels steht ein Wäldchen Pinus Pinaster
Roch?. Beim Abstieg durch das Zerelehthal nahm ich Geranium
macrorrhizon L. mit, auch wächst dort Linum flavum L. var. uni-
nerve Roch, Pedicularis comosa L., Centaurea atropurpurea W. K.,
Scutellaria altissima L. und eine herrliche Jurinea sp.; ebendort traf
ich im Monate August v. J. Asperula eiliata Roch und taurina W.,
Galium Kitaibelianum R. S., Peucedanum longifolium W. K. und
Seseli gracile W.K. Im Üernathale kommt obige Pinus häufiger vor,
Arabis procurrens W.K. ist an allen Mauern häufig. Bei der „Räuber-
höhle“ fand ich Hypericum Rochelianum G. S., Delphinium fissum
W. K., Siler trilobum Sep., Physocaulus nodosus Tsh., Peltaria.
Limodorum abortivum Sw., Campanula spathulata W. K., Silene
petraea W. K. und Dianthus petraeus W. K. Am 5. Juni fuhr ich
zum eisernen Thore. Die Vegetation ist dort geradezu entzückend;
gleich bei Verciorova auf Felsen ist Oytisus Heufelii Wierzb. mit
der Tunica illyrica, weiter thalabwärts an Abhängen gegen die
Donau: Scutellaria albida L. neben Geranium purpureum Vill. und
Viola macedonica B. H., Alsine cataractarum Jka, Stachys nitens Jka,
Achilles compacta W., Dianthus giganteus d’Urv. etc. etc. Gegen
das rumänische Doıf Guravoye ist Saponaria glutinosa M. B., Milium
holeiforme M. B., Cerastium banaticum Roch, Silene Armeria L.,
Onobrychis alba Desv., Centaurea atropurpurea W.K. ete. Unendliche
Freude bereitete mir das Auffinden des von H. v. Janka entdeckten
Standplatzes von Dianthus pinifolius S. S. Herr v. Janka theilte
mir die Vermuthung mit, dass der Standort wohl durch den Bahnbau
in Verlust gerathen sein möge; diess bestätigt sich aber zum Glücke
nicht. Er kommt gegenüber dem serbischen Dorfe Sip auf Felsen in
eirca 80—90 grossen Stöcken vor. — Mit all diesen Schätzen beladen,
wollte ich den Heimweg nach Orsova antreten, doch hatte ich noch
grosse Schwierigkeiten an der rumänischen Grenze zu bestehen, Der
ungarische Zollwächter wollte mich um keinen Preis mit den Pflan-
zen hereinlassen, ich musste mich auf Pontius und Pilatus berufen,
259
um durchzukommen; endlich, da er keine Vitis in meiner Mappe
fand, liess er mich passiren. A. v. Degen.
Lemberg, am 9. Juni 1887.
Vor zwei Jahren entdeckte ich an der Bahn zwischen $. Wisznia
und Rodatyceze bei Lemberg einen Bastard zwischen Salix aurita und
S. silesiaca, was mir sehr sonderbar erschienen, da S$. silesiaca aus
der Umgebung von Lemberg unbekannt gewesen war. Durch das Auf-
finden eines weiblichen Individuums von S. silesiaca bei Zubrza nächst
Lemberg wurde die Sache aufgeklärt. Man konnte nun sogar anneh-
men, dass diese Weide eine weitere Verbreitung hier haben könne.
Und in der That fand ich sie heuer auch bei Basiowka, eine Meile
südwestlich von Lemberg, in grösserer Anzahl von Individuen in
beiden Geschlechtern in Gesellschaft von Hybriden aus ihr und der
S. aurita. Die bisherige sehr ungünstige Witterung gestattete nicht,
neue Funde dieser Weide zu constatiren, doch zweifle ich nicht, dass
die Weide an zahlreichen Stellen sporadisch um Lemberg vorkommt.
Ob auch im Janower Wald, ist mir zweifelhaft.
Dr. Woloszezak.
Budapest, am 10. Juni 1887.
Die Erklärung Dr. Wofoszezak’s über die Flächendrüsigkeit
der Rosa leopoliensis Blocki = R. frutetorum Bess. gilt nicht für
die R. leopoliensis, welcheich aus den Händen BYocki’s besitze, denn
Dr. Woloszezak spricht über zwei Lemberger Rosen, meine Exem-
plare aber hat Btocki bei Bileze in Südostgalizien gesammelt. Die
subfoliaren Drüsen suche ich immer mit dem Objective Nr. 4 des
Hartnack’schen Mikroskopes, und ich kann jedem Systematiker,
wenn er mit der Loupe im Zweifel bleibt, diese Objective empfehlen.
Desswegen habe ich mehrere Formen aus der Scabratis unterschei-
den können. Dass die subfoliaren Drüsen verschwinden können, habe
ich in meiner Monogr. Rosar. erwähnt, sie bleiben aber bei den Sca-
bratis auf den kleineren unteren Blättchen öfters beständiger. Uebri-
ens möchte ich eine „Rosa frutetorum“ mit subfoliaren Drüsen den
sepiaceis orthosepalis oder den Tomentellis einreihen. Eine solche
R. frutetorum, welche Braun für den Typus dieser Art behauptet,
erwähne auch ich in meiner Monogr. Rosar., p. 438, aus dem Herbare
Haynald; aber wenn wir uns auch wörtlich an die Beschreibung
des Autors halten, so glaube ich, ist Z. frutetorum immer ein Cen-
_ trum vieler Formen, welche von einander nur wenig verschieden sind.
Daraus kann man auch die verschiedenen, mehr minder abweichenden
' Exemplare der R. frutetorum aus der Hand von Besser erklären.
- Dass auf einem Strauche 1—2 Peduneuli oder Receptacula 1—2 Glan-
dulas tragen, diese 1—2 Drüsen kaun man wohl schwerlich für ein
- charakteristisches Merkmal nehmen. Solche fand Cr&pin auf R. sol-
stitialis (Prim. Monogr. Rosar. V. p. 241) und hat Simkovies (Si-
monkai) wahrscheinlich diese bei Paulis gefunden (var. rariglanda
Simk. Term. rajzi füz. IX. p. 42). Auch ich bemer te diese Glan-
260
dulas raras auf R. hemitricha Rip. (Monogr. Ros. „Bekes värmegye
flöräja“, p. 98), aber ich kann hier behaupten, dass an verschiedenen
Stöcken dieser Art; bei Vesztö fand ich nur einmal wenige Drüsen
an dem Pedunkel unter ganz kahlen Fruchtstielen derselben Inflore-
scenz. — Dass Salvia dumetorum Andrz. bei Budapest vorkommt, hat
schon längst Hofrath Professor A. v. Kerner constatirt. Aber auch
S. pratensis kommt hier vor, bald allein, bald mit $. dumetorum
zusammen und jedenfalls sind viele Uebergänge oder Mittelformen
zwischen beiden zu finden, welche bald der ersteren, bald der zweiten
näher kommen. Es ist also die Möglichkeit gegeben, dass BFocki
(Oesterr. Botan. Zeitschr. 1887, p. 220) eine Zwischenform vor Auge
hatte, welche noch der S. pratensis näher steht, und diese hat er
f. parviflora genannt. Eine S. pratensis var. parviflora hat aber zu-
erst nicht Bfocki, sondern Willkomm aufgestellt. v. Borbäs.
Gnezda, am 19. Juni 1887.
Der Wahrheit die Ehre! — Ich habe im Frühling 1886 die von
mir später als Galeobdolon luteum v. tatrae beschriebene Pflanze an
drei entlegenen Fundorten gesammelt, und als ich darüber mit mir
im Reinen war, diese Form als Gegenextrem zum @. ß. montanum
zu publieiren, sammelte ich noch im Herbste davon an zwei weiteren
Fundorten. Wohl an 100 Stück gingen dabei durch meine Hände,
allein ich sah dabei keinen einzigen Ausläufer und habe daher auch
bei meiner Beschreibung dieses Punktes nicht Erwähnung gethan.
Dieses Jahr, in welchem Jupiter pluvius hier vollständig herrscht,
überraschte mich die Thatsache, dass man fast keine Pflanze des
Galeobdolon der Tatraform ohne Ausläufer findet. Als ich die erste
Pflanze ausriss, glaubte ich, es sei ein Ausläufer von Glechoma he-
deracea daran hängen geblieben, bis ich mich überzeugte, dass selber
ein Theil der Pflanze selbst sei. Diese Ausläufer sind der Form nach
zweierlei, entweder mit rundlich nierenförmigen oder mit kurz schwach
herzförmigen Blättern paarweise besetzt, welche gestielt sind. Die
Ausläufer finden sich bis '/, Meter Länge, wurzeln bis jetzt, Mitte
Juni, noch nicht, wohl aber sind manche am Ende mit 1—2 Blüthen-
quirlen besetzt. Wie es sich mit diesen Ausläufern weiter verhält zu
erforschen, werde ich mir sehr angelegen sein lassen. Kommen selbe
nur in periodischen Jahrgängen vor? Denn unerklärlich bleibt es mir,
warum ich voriges Jahr keinen fand (Uebersehen ausgeschlossen) und
dieses Jahr trägt jede Pflanze fast mindestens einen. Ullepitsch.
ze
Personalnotizen.
— Dr. Hubert Leitgeb, Professor der Botanik an der Uni-
versität Graz, wurde von der kais. Akademie der Wissenschaften in
Wien zum wirklichen Mitgliede gewählt.
261
— Dr. J. E. Areschoug, emer. Universitäts-Professor der
Botanik, ist am 7. Mai, 76 Jahre alt, in Stockholm gestorben.
— Dr. Heinrich Wawra Ritter v. Fernsee, k. k. Marine-
Stabsarzt a. D. ist am 24. Mai, 57 Jahre alt, in Baden bei Wien
gestorben. Die Oesterr. botan. Zeitschr. brachte sein Porträt nebst
einer biographischen Skizze schon im Jahre 1867.
— Dr. W. Zopf ist zum a. o. Professor an der Universität
Halle ernannt worden.
— Dr. T. F. Hanausek, Professor in Wien, hat das Referat
über pharmaceutische und technische Botanik in Just’s Jahresbericht
übernommen.
— Dr. Ed. v. Regel in Petersburg wurde seiner Ver-
dienste um den russischen Gartenbau wegen zum geheimen Rath
ernannt.
— Dr. V. F. Brotherus und Dr. Kihlmann begleiten als
Botaniker die Expedition zur Erforschung des Inneren der Halb-
insel Kola.
— J. I. Kiekx, Professor der Botanik und Director des botani-
nischen Gartens an der Universität in Gent ist, 45 Jahre alt, ge-
storben.
Vereine, Anstalten, Unternehmungen.
— In einer Sitzung der kais. Akademie der Wissen-
schaften in Wien am 5. Mai überreichte Dr. Hans Molisch,
Privatdocent an der Wiener Universität, eine im pflanzenphysiologi-
schen Institute ausgeführte Arbeit: „Ueber einige Beziehungen zwi-
schen anorganischen Stickstoffsalzen und der Pflanze“. Die wichti-
geren Resultate derselben sind: 1. Nitrate sind im Pflanzenreiche
allgemein verbreitet; in krautigen Gewächsen findet sich in der
Regel auffallend mehr davon vor als bei Holzgewächsen. 2. Nitrite
konnten, trotzdem dieselben im Boden häufig vorkommen, in keiner
einzigen der untersuchten (etwa 100) Pflanzen aufgefunden werden.
Die bisherigen Angaben über das angebliche Vorkommen von Nitri-
ten in verschiedenen Gewächsen beruhen auf Täuschung und unrich-
tiger Interpretation. Die Pflanze besitzt das Vermögen, Nitrite bei
ihrer Aufnahme mit überraschender Schnelligkeit zu reduciren und
dies ist offenbar auch der Grund, warım man dieselben in der
Pflanze stets vermisst. Nitrate können hingegen auffallend lange,
Wochen, ja Monate lang innerhalb der Pflanzenzelle verweilen, bevor
sie zerstört werden. 3. Nitrite wirken im (Gegensatze zu Nitraten
schon in verhältnissmässig verdünnten Lösungen (0'1—0'01 Procent
auf verschiedene Gewächse schädigend. 4. Pflanzen, denen Sticksto
nicht in Form von Nitraten, sondern nur in Form von Nitriten oder
ar
202
Ammoniak geboten wird, enthalten niemals Nitrate. Daraus geht
aber hervor, dass weder die salpetrige Säure, noch das Ammoniak
in der Pflanze eine Oxydation zu Salpetersäure erfahren. Die Pflanze
hat, vielleicht mit Ausnahme der Bacterien, entgegen der Ansicht
von Berthelot und Andre, nicht die Fähigkeit, aus Stickstoff-
verbindungen Nitrate zu erzeugen. Alles Nitrat der Pflanze stammt
von Aussen, und wenn sie mehr davon enthält als ihr Substrat, so
ist der Ueberschuss einfach durch Speicherung zu erklären. 5. Diphe-
nylamin, in Schwefelsäure gelöst, eignet sich vortrefflich zum Nach-
weis von Nitraten unter dem Mikroskope. Es ist jedoch hiebei zu
beachten, dass da, wo bei Einwirkung der Schwefelsäure rasch
Huminkörper entstehen, wie diess bei verholzten Geweben in beson-
derem Grade der Fall ist, die Reaction hiedurch mehr oder minder
behindert wird. 6. Die Arbeit enthält ferner einige Beobachtungen
über das localisirte Auftreten von solchen Substanzen, welche Guajak-
emulsion und gleichzeitig Jodkaliumstärkekleister bläuen.
— Monats-Sitzung der k. k. zoolog.-botan. Gesellschaft
am 1. Juni 1887. Botanische Vorträge: Dr. M. Kronfeld lieferte
einen interessanten „Beitrag zur Biologie der Blüthen der Orchideen“
auf Grund wiederholter Versuche über den Einfluss der Befruchtung
der Narben durch Insekten. Der Vortragende wies unter gleichzei-
tiger Demonstration an zwei lebenden Exemplaren von Orchis Morio
nach, dass bei belegten Pflanzen die Veränderung nicht auf die An-
schwellung des Fruchtknotens beschränkt bleibt, sondern ein kräfti-
geres Wachsthum der ganzen Pflanze und eine im Vergleich zu
unbelegten Exemplaren, welche nach dem Verblühen einschrumpfen,
beträchtliche Verlängerung der Internodien entsteht; ferner sprach
Derselbe: „Ueber das Keimen der Mistel“ und die bei diesem Genus
beobachtete Poly-Embryonie. — Prof. Dr. Burgerstein machte
Mittheilung von einem Werke, an dem er seit mehreren Jahren
arbeitet, nämlich eine „Monographie der Beobachtungen über die
Transspiration der Pflanzen“. Der 1. Theil, eine Uebersicht der
gesammten dem Autor bekannt gewordenen Literatur, ist bereits
vollendet. — Dr. O. Stapf berichtete über die von der zoolog.-botan.
(iesellschaft im Mai d. J. unternommene Excursion in das illyrische
Litorale und nach dem Quarnero, deren äusserst günstiges Ergebniss
alle Erwartungen übertrifft. Prihoda.
— Das botanische Museum und Laboratorium zu Ham-
burg ist durch Beschluss des Senates und der Bürgerschaft zu einem
wissenschaftlichen akademischen Staatsinstitut erweitert und mit
demselben ein botanisches Laboratorium für Waarenkunde verbun-
den worden. Zum etatsmässigen Director des Gesammtinstitutes ist
der Begründer und bisherige Leiter des botanischen Museums Pro-
fessor Dr. Sadebeck ernannt worden. Derselbe wird im Sommer-
semester Morphologie und Entwickelungsgeschichte der Blüthen-
pflanzen lesen und ausserdem das botanische, resp. mikroskopische
Practicum, sowie die Exeursionen leiten. Die anderen analogen natur-
|
m.»
263
wissenschaftlichen Institute in Hamburg sind das zoologische und
mineralogische Museum (Prof. Pageustecher und Gottsche jun.),
der botan. Garten (Prof. Reichenbach), die Sternwarte (Rümcker),
das physikalische und das chemische Staatslaboratorium (Voller
und Wibel).
— Ein „Thüringischer botanischer Tauschverein“ wurde von
Professor E. Sagorski in Pforta bei Naumburg a. S. gegründet,
die Statuten desselben werden auf Verlangen zugesendet.
— Aus der photographischen Druckerei von Stengel und Mar-
kert in Dresden (Grosse Plauen’sche Strasse) ist soeben eine Erinne-
rungsgabe im Form eines elegant ausgestatteten Albums „1. Inter-
nationale Gartenausstellung zu Dresden, Mai 1887“ betitelt, in
Schwarz- und Golddruck ausgeführt, hervorgegangen, welches eine
Serie von zwölf gelungenen photographischen Aufnahmen der Aus-
stellung nach der Natur darbietet. Nicht bloss die Aussteller, son-
dern Alle, welche die Ausstellung zu bewundern Gelegenheit hatten,
werden diese Erinnerungsblätter als werthvolles und freundliches
Andenken begrüssen. Jede Mappe enthält eine Reihe äusserer und
innerer Ansichten der Haupthalle, des Königs- und Literatur-Pavil-
lons, der Hanisch’schen und Seidel’schen Halle, verschiedener ein-
zelner Partien des Ausstellungsterrains, der Ehrenpreise, der bedeu-
tendsten und schönsten Blumengruppen etc. in Kabinetsgrösse aus-
geführt. Der mässige Preis (3 Mk., nach auswärts portofrei 3:50
Mk.) dürfte dem Album die weiteste Verbreitung sichern.
Botanischer Tauschverein in Wien.
Sendungen sind abgegangen an die Herren Steininger, Schep-
pig, Roth.
Aus Niederösterreich eingesendet von Prof. Dichtl: Anthyllis
Jacquini, A. polyphylla, Arabis hirsuta, A. hispida, A. parviflora,
A. Turrita v. puberula, Artemisia scoparia, Carex Halleriana,
Hieracium austriacum, H. maculatum. H. saxatile, H. sciaphilum,
Melampyrum augustissimum, M. commutatum, M. subalpinum, Se-
necio barbareaefolius, Teuerium Scordium, Valerianella mixta, Vera-
trum nigrum, Veronica orchidea.
Von Scheppig eingesendet von Berlin: Alisma natans, Aspe-
rugo procumbens, Aspidium Oreopteris, Atriplew nitens, Onidium ve-
nosum, Corydalis fabacca, Ouscuta lupuliformis, Galinsoga parviflora,
HHieracium pratense, Lepidium sativum v. erispum, Melica unijlora,
Orchis coriophora, Polygala comosa, Potamogeton natans, ‚Potentilla
intermedia, P, mirta, Rubus Bellardii, R. villicaulis, Scheuchzeria
palustris, Silene conica, Sisymbrium Loeseli, Sparganium minimum,
Thalictrum flewuosum, Veronica latifolia, Vieia pisiformäs; aus 'Thü-
ringen: Androsace elongata, Polygala austriaca; aus der Lausitz:
264
Carea tomentosa; Festuca Myurus; von Rügen: Eryngiwn maritimum,
Radiola linoides.
Aus Salzburg eingesendet von Aust: Brachypodium silvaticum,
Carex canescens, Ö©. firma, CO. limosa, Cerastium latifolium, Chaero-
phyllum hirsutum, Chrysanthemum alpinum, Crocus albiflorus, ©.
vernus, QCuscuta Trifolii, Epilobium palustre, Equisetum palustre,
Erigeron droebachensis, Euphrasia pumila, Festuca alpina, F.rubra
f. fallax, Galium scabrum, G. uliginosum, Geranium palustre, Hie-
racium pratense, H. vulgatum, Hutchinsia brevicaulis, Hypericum
humifusum, Juneus trifidus, Lepidium perfoliatum, Luzula mawima,
Mentha sativa, Meum mutellina, Potentilla aurea, Ranunculus mon-
tanus, Rhododendron ferrugineum, Rosa dumalis, Pt. pseudocuspidata,
R. trichoneura f. Steiniana, Rubus hirtus, Salix daphnoides, Sesleria
disticha, 8. tenella, Silene alpina, 8. quadrifida, Spergularia rubra,
Utrieularia minor.
Obige Arten können nach beliebiger Auswahl im Tausche
oder käuflich die Centurie zu 6 fl. (12 R. Mark) abgegeben werden.
Inserat.
In unserem Commissionsverlage erschien:
The Species of Fieus
of the Indo-Malayan and Chinese Countries
by ö
G. King
Superintendent of the Royal Botanice Garden. Calcutta,
Part. I. Palaeomorphe and Urortigma,
In Fol. XIII and 66 pag. with 86 plates.
Preis 26 Mark.
Von demselben Verfasser erschienen:
On some new species of Ficus from New-Guinea. 8. 1887. 20 pag. M. 1,20.
On the fertilization of Ficus hispida. 8. 1887. 6 pag. with plate M. 1,50.
On three new Himalayan Primulas. 8. 1886. 4 pag. with 3 plates M. 1,50.
On 2% new species of Ilex from the Eastern Himalaya. 8. 1886. 4 pag. with
2% plates M. 1,—
BERLIN. N. W., Carlstrasse 11.
R. Friedländer & Sohn.
Diesem Hefte liegt bei ein Prospect „&artenkunst
und Gärten“ von Paul Parey in Berlin.
Redacteur und Herausgeber Dr. Alexander Skofitz. — Verlag von ©. Gerold’s Sohn.
C. Ueberreuter'sche Buchdruckerei (M. Salzer) in Wien.
Oesterreichische
Botanische Zeitschrift,
Die österreichische e Exemplare
botanische Zeitschrift Org arn die frei durch die Postbe-
erscheint zogen werden sollen, sind
den Ersten jeden Monats. £ blos bei der Bedaction
ür (IV. Bez., Mühlgasse Nr. 1)
Man pränumerirtauf selbe
mit 8 fl. öst. W. zu pränumeriren.
002. “09 . Botanik und Botaniker. „san
ganzjährig, oder mit
4 fl. öst. W. (8 R. Mark) Pränumeration
halbjährig. ee €. Gerold’s Sohn
Inserate in Wien,
die ganze Petitzeile N: & sowie alle übrigen
15 kr. öst. W. = = Buchhandlungen.
XXXTVII. Jahrgang. WIEN. August 1887.
INHALT. Neue Pflanzenarten. Von Dr. Celakovsky.— Rosa leopoliensis. Von Blocki. — Pflanzen
aus Dalmatien. Von Bornmüller. — Hieracien. Von Schneider. — Zur Flora von Galizien.
Von Dr. Woloszezak. — Flora von Nord-Mähren. Von Dr. Formänek. -—- Autobiographie. Von
Uechtritz. — Flora des Etna. Von Strobl. - Literaturberichte. — Correspondenz. Von Keller,
Rassmann, Blocki, Dichtl, Formänek, Richter, v. Borbäs. — Personalnotizen. — Ver-
eine, Anstalten, Unternehmungen. — Sammlungen. — Botanischer 'Tauschverein. — Inserat.
Ueber einige neue orientalische Pflanzenarten.
Von Dr. L. Öelakovsky.
I. Gattung Thymus L.
Thymus pulvinatus n. sp. Caespitoso-pulvinatus, caudiculis
liqnosis, crassis, decorticatis, prostratis, ramis novellis arcuato-
ascendentibus, brevissimis, dense foliatis, floriferis c. 3—4 cm. longis,
hirtis, awilliis inferioribus fascieuliferis. Foliis angustis, linearibus,
uninervis, marginibus usque ad nervum medium validum albidum valde
revolutis, propterea subulatis. faleiformi-curvatis (c. 15 mm.
longis), glauco-viridibus, densissime wvelutino-pubescenti-
bus, pilis longis validis pectinato-ciliatis, crebre glanduliferis, glan-
dulis parvis, guttiformibus, incoloratis; folüs floralibus (bracteis)
saepe rubentibus, basi latioribus ibidemque non revolutis, penniner vüis,
parte superiore lineari-subulato-revolutis, calyces valde superamtibus.
Capitulis densis subglobosis; floribus subsessilibus, bracteolis lineari-
subulatis suffultis. Calycis pauce hirsuti ad medium bilabiati labio
superiore lalto, apice 3dentato, dentibus ejus brevibus subulatis; den-
tibus labii inferioris labio superiori subaequalibus, subulatis, ciliatis.
Corollae purpureae tubo elongato, calyce sesquilongiore.
Mons Ida Troadis: in monte Capu-Dagh (leg. P. Sintenis:
Iter trojanum 1883, 12 Julio florens, nomine „Thymus hirsutus
MB.“ determ. P. Ascherson.
Die Art sieht wohl habituell dem 7’h. hirsutus MB. ähnlich,
ist aber durchaus und bedeutend verschieden; denn unter Anderem
Ossterr, botan. Zeitschrift, 8, Heft. 1887 2
2606
hat der 7’h. hörsutus M B. (der mir vom Mons Taurus von Kotschy
vorliegt) feinere, dünne, fast fädliche, nicht so polsterartige Stengel,
ganz anders behaarte, nämlich von kurzen und etwas längeren Haaren
nicht sehr dicht rauhhaarige, aber keineswegs so sammtartie behaarte
Blätter ohne bemerkbare Drüsen, viel lockerere Köpfe, gestielte Blü-
then. Ausserdem sind seine blüthenstützenden Blätter‘ schmäler,
nur einfach einnervig wie die Stengelblätter, die Kelche kleiner,
deren Oberlippe kürzer ist als die Zähne der Unterlippe und bis
über die Mitte tief dreispaltig, die Corollen klein mit im Kelche
ganz eingeschlossener Röhre.
Wie man sieht, ist der T’h. pulvinatus durch viele Merkmale
vom Th. hirsutus zu unterscheiden; seine sammtartige Behaarung
erinnert an den T’hymus holoserieus Gel. (Th. striatus Boiss. p. p.)
von der Insel Cephalonia, der freilich sonst besonders in den Blättern
und Deckblättern weit verschieden ist.
Thymus humillimus n.sp.Caespitoso-pulvinatus, caudieulispro-
cumbentibus, foliis annorum prolapsorum longe conservatis densissimis
diu obtectis, ramulis novellis brevissimis (floriferis I—1'/, em. longis),
dense foliatis; fascieulis awillaribus approximatis. Folia viridia,
linearia, obtusa, margine bullato-revoluta, brevia (ce. 6 mm.
longa), pilis brevissimis hirtula et pilis longioribus ciliata, floralia
vix latiora, uninervia, calyces parum superantia, glandulis (etiam
sub lente) minus conspicuis. Capitula parva, paueiflora; floribus
subsessilibus. Calycis ad medium vel ultra bilabiati, rubentis, parce
hirsuti labium superius ad '/, vel ultra 3-fidum; dentes labii infe-
riores illo aequilongi, subulati, eiliati. Corollae purpureae tubus vix
dentes calycinos superans.
Mons Ida Troadis: in jugo (leg. P. Sintenis: Iter trojanum
1883 Julio, determ. Aschers. nom.: „Thymus hirsutus MB.
forma alpina“.)
Auch dieser T’hymus ist vom Th. hörsutus sicher mehr wie
als Form oder Varietät verschieden durch den dichten kurzzwei-
gigen, zwergigen Wuchs, die dicht beblätterten Stämmchen und Zweige,
durch die lang erhalten bleibenden, ganz anders behaarten Blätter,
die ungestielten Blüthen und eine ganz andere Kelchoberlippe. Ebenso-
wenig lässt er sich mit dem 7%. pulvinatus vereinigen; er unterscheidet
sich sofort schon durch die grasgrüne (nicht graugrüne) Farbe der
durch die Umrollung wie aufgeblasen aussehenden Blätter, durch
die fast ebenso dicht sammtige aber gröbere Behaarung, auch da-
durch, dass von den vorjährigen Blättern die Haare abgefallen sind
und diese Blätter wie höckerig-punktirt (chagrinirt) erscheinen. Die
Blätter des T’h. humillimus sind auch viel kürzer und stumpf, die
schmäleren Blüthendeckblätter haben nur einen hervortretenden,
mittleren Nerven, der Kelch ist ebenfalls abweichend und die Krone
weit kleiner und besonders auch kurzröhriger.
Thymus sedoides n. sp. Decumbens; ramis veterioribus
liqnosis, duris, decorticatis, ramulosis, ramulis sterilibus partim
elongatis, härtis, remote foliosis, apice rosulatis, ramulis novellis
267
brevissimis imbricato-rosulatis, caulieulis jloriferis brevissimis,
arcte imbricato-foliatis, in ramulis elongatis terminalibus et awil-
laribus, omnibus brevissime retrorsum hirtulis. Fola parva rigida,
ovalia, obtusa, basi angustata et pilis rigidis ciliata, insuper saepius
ad medium usque pilis brevibus ciliolata, superficie primo aspectu
glabra, sub lente flutem brevissime papilloso-pilosiuscula, supra im-
punctata, subtus glanduloso-punctata, subtus nervis cerassis ele-
vatis 5— 7 margine arcuato-conjunctis marginata, quadri-
farie imbricata, supra concava. JBacemi brevissimi, capituliformes,
pauciflori, floribus in awillis foliorum floralium caulinis confor-
mium singulis breviter pedunculatis, bracteolis duabus setaceis
instructis. Calyces campanulati, nervosi, sparse puberuli, ad medium
usque bilabiati, dentibus labü superioris vix ad '/, partem fissi bre-
vibus, triangulari-lanceolatis, asperulis nec eiliatis, labii inferioris ilis
aequilongis, brevissime ciliatis.
Mons Ida Trojanus: in nemor. montan. Szu-Szus- Dagh (leg.
Sintenis Julio 1883. „Thym. Serpyllum L. var. squarrosus Boiss.“
determ. Ascherson).
Eine im Habitus und in den Merkmalen ausgezeichnete Art.
Sie bildet ausgebreitete, holzige Stämmchen mit verlängerten
Internodien, an denen theils sehr kurze, wenige mm. lange sterile
Blattrosetten und etwas längere (1 —2 cm. lange) Blüthensprossen
zerstreut stehen. Dieselben bestehen aus ganz verkürzten Internodien,
daher die Blätter an ihnen dicht vierreihig dachziegelig gestellt
sind, so dass diese Rosetten und Stengelchen denen einer Crassulacee,
z.B. eines Sedum, etwas ähnlich sehen (daher der Name). Die Blät-
ter sind nur 2—3 mm. lang, dicklich, abstehend, die oberen stark
oberseits concav; auch ihre Nervatur ist ausgezeichnet, und würde
hiernach die Art zu den Marginaten Kerner’s zu rechnen sein. Die
Corollen sind klein, mit eingeschlossener Röhre (an den vorliegen-
den Exemplaren weiss).
Ich gebe zu, dass der Thymus rigidus Schott et Kotschy Anal.
bot. III (vom Bulgar-Dagh in Cilicien, Kotschy! mir vorliegend),
der nach Boissier synonym ist mit Th. squarrosus Fisch. et Mey.
und mit Sipyleus Boiss. Diagn. [., mit obigem Th. sedoides näher
verwandt ist, doch ergeben sich beim Vergleiche ganz bedeutende
Verschiedenheiten.
Schon der Habitus des T'h. rigidus ist ein anderer, da die aus
niedergestreckten Stämmchen aufsteigenden sterilen und blühenden
Zweige verlängert, 8—10 cm. lang sind, ihre Stengelglieder durch-
_ wegs verlängert, daher die Blattpaare von einander entfernt und
- durchaus nicht dachziegelig sind. Die Stengelblätter sind weit grösser,
bis 7 mm. lang, bogig zurückgekrümmt, länglich, zur Basis in einen
längeren, steifen, breiten Blattstiel verschmälert , die untersten viel
kleineren aber breit oval bis fast rundlich, sehr stumpf. Auf der
Blattoberseite finden sich ebenfalls, wiewohl weniger zahlreiche, Drüsen.
Dis Bakleidung mit sehr kurzen papillenartigon Haarspitzen auf den
Blättarn isi aber sbanfalls vorhanden, und “abenso ist die Nervatur
22”
268
ähnlich, nur sind die bogigen Seitennerven zum Rande mehr ver-
dünnt, daher der durch ihr Aneinanderlegen entstehende Randnerv
nicht so gleichmässig dick wie beim 7%. sedoides. Die ebenfalls
kurzen, rundlichen Blüthenköpfehen sind viel reichblüthiger und aus
dreiblüthigen axillären Cymen (nicht aus einzelnen Achselblüthen
wie beim Th. sedoides) zusammengesetzt. Der Kelch ist rauhhaarig,
dessen Oberlippe bis zur Hälfte in drei lanzettliche, pfriemlich zuge-
spitzte, stachelspitzige Zähne gespalten, die Zähne der Unterlippe lang,
kämmig-gewimpert.
Dass hiernach die hier proponirte Art vom Th. rigidus oder
squarrosus deutlich und gut verschieden ist, kann keinem Zweifel
unterliegen. Ich hatte anfangs nur den Zweifel, ob nicht der Th.
squarrosus Fisch. et Mey. oder der Th. Sipyleus Boissier mit dem
Th. sedoides identisch ist, da Boissier bei seiner stark zusammen-
ziehenden Methode in der Synonymik nicht immer verlässlich ist.
Allein die Originalbeschreibungen der Autoren stimmen keineswegs
zum Th. sedoides, passen vielmehr sehr gut auf den Kotschy’schen
Th. rigidus, daher Boissier’s Zusammenstellung der Synonyma in
diesem Falle gerechtfertigt erscheint.
Ungerechtfertigt ist aber die Zusammenziehung des T'h. rigidus
als Varietät mit dem T’hymus serpyllum, schon wegen der margi-
naten Blattnervation und der fast sitzenden Blüthen der orientali-
schen Art.
Thymus Sintenisii n. sp. Radix et rhizoma crassum,
lignosum, ramis elongatis tenuibus, diffusis, procumbentibus (vel ar-
cuato-adscendentibus?), obsolete tetragonis, brevissime puberulis, sub
nodis hirtis. Folia spathulato-lineari-oblonga, obtusa, ad basim
cuneato-angustata, plana (non revoluta), erassiuscula, glanduloso-
punctata; nervo medio subtus paullum eminente, lateralibus conspicuis
nullis, glabra, basi ad plus quam tertiam partem ceiliata et supra
saepe pilis rigidis rarissimis instructa; in awillis fasciculos foliorum
minorum sepius stipitatos foventia. Cymae in capitulum ovale con-
gestae, —Öflorae ; floribus pedicellatis. Calya infra medium bilabiatus,
ewtus hirsutus, labio superiore intus hirsuto, breviter 3dentato, den-
tibus ejus triangulari-lanceolatis ; dentibus labüi inferioris labio superiori
aequilongis, subulatis, ciliatis.
In Chersoneso prope Maitos legit Sintenis 1883, 29./8., edit.
nomine „Th. heterotrichus Griseb.“
Dieser T’hymus wurde von H. Sintenis, laut Datum im Herbst,
nach der Blüthezeit gesammelt, so dass mir nur die sterile Pflanze
und ein trockenes Stengelfragment mit der abgeblühten Inflorescenz
vorliegt, daher ich über die (bereits abgefallenen) Bracteen und die
Corollen nichts aussagen kann. Nach der in Boissier’s Fl. Orient.
herrschenden Anschauung und Darstellung würde er zu T’h. serpyllum
n. angustifolius Boiss. gehören. Aber dieses ist, wie schon Kerner
bemerkt hat, ein Gemenge verschiedener Formen (so ist z. B. Th.
argaeus Boiss et Bal.. vom Mons Argaeus in Cappadocien, leg.
Kotschy, gewiss eine eigenthümliche Art), und die vorliegende
269
Pflanze vom Chersonesos ist auch gewiss verschieden vom Th. angu-
stifolius Pers, des mittleren Europa, der im Gebiete der Flora
- Orientalis schwerlich noch gefunden wird (s. auch Kerner’'s Sche-
dae ]).
Der Th. heterotrichus Griseb. hat wohl einige Aehnlichkeit mit
der Pflanze von Sintenis, in der Consistenz der Blätter, auch in
der Bildung gestielter axillärer Blattbüschel, unterscheidet sich aber
offenbar durch den nicht derartig niederliegenden Wuchs, weit grös-
sere zum Grunde länger gestielte ‘Blätter (diese in dem verlän-
gerten Haupttriebe bis 2 cm. lang, beim Th. Sintenisii höchstens
lcm.), die nur am Grunde gewimpert, oberseits stets kahl, unter-
seits, so wenigstens an den Haupttrieben, mit deutlichen Seitennerven
versehen sind. Ferner ist die Kelchröhre weiter und kürzer, die
Kelchoberlippe tiefer dreispaltig, innen kahl.
Obzwar ich nun den Th. Sintenisii wegen mangelnder frischer
Blüthentrauben nicht vollkommen kennen gelernt habe, so bin ich
doch selbst nach dem Vergleiche der vegetativen Theile überzeugt,
dass er nicht zum 7’h. heterotrichus Gris., als welcher er ausgege-
ben wurde, gehören kann, noch zu einer anderen der mir bekannten
oder sonst beschriebenen Arten. Denn auch der 7’h. parvifolius C. Koch
und Th. rariflorus C. Koch (bei Boissier Synonyma des Th. ser-
pyll. n. angustifolius) sind, wenn die Beschreibungen (die ich aus
Walpers kenne) exact sind, ebenfalls in mehreren Stücken ver-
schieden.
Als Thymus cimicinus Blume, der nach Ledebour bisher
nur bei Astrachan (Eichwald) angegeben, habe ich einen von Becker
bei Sarepta gesammelten und als Th. odoratissimus latifolius bezeich-
neten, aber vom T’h. odoratissimus M B. („var. angustifolia“ Becker)
weit verschiedenen, aus dem Herbarium horti Petropolitani stam-
menden T’hymus bestimmt. Die Beschreibung des Th. ceimieinus in
Ledeb. F]. ross. passt ganz gut; noch sei hinzugefügt, dass die
Kelchoberlippe immer über dem Haarkranz durchaus dicht behaart
ist und die Blüthen sehr bald und stark herabgeschlagen erscheinen.
Nahe verwandt ist ihm (jedoch wohl verschieden) der Thymus dumu-
losus Boiss. n. sp. in Peronin’s Plantes de Cilicie.
Rosa leopoliensis n. sp.
Von Br. Blocki.
Diagnose: Strauch mittelgross bis gross, von dunkelgrüner
Farbe. Stacheln röthlich, derb, schwach sichelförmig gekrümmt, an
der Basis breit, an den Zweigen zu 3—4 unter jedem Blattstiel ge-
häuft, an den sterilen heurigen Trieben sehr dicht aufgetragen, un-
gleich. Blattstiele dicht behaart, mit wenigen kurzen Stachelchen
und zahlreichen kurzen Drüsen besetzt, Blättchen mittelgross,
270
zu 7, nur an den Blüthenzweigen zu 5, fast lederig, genähert, ober-
seits dunkelgrün, unterseits graugrün, elliptisch, kurz zugespitzt,
bis zur eiförmigen Basis gesägt; das Endblättchen mit schwach-
herzförmiger Basis; das unterste Blättchenpaar zweimal kleiner
als das nächstfolgende. Die Blätter beiderseits dicht anliegend be-
haart, unterseits zwischen den stark hervortretenden Nerven +
dicht mit sehr kurzen meist röthlichen Drüsen besetzt.
Sägezähne nach der Spitze der Blättchen hin an Grösse zunehmend,
ziemlich abstehend, kurz dreieckig spitz, davon viele mit einem kür-
zeren drüsig bespitzten Zähnchen versehen. Nebenblättchen länglich,
unterseits an den Nerven und an den Rändern behaart, sonst kahl,
an den Rändern überdiess dicht drüsig, mit abstehenden, spitzen
Oehrchen. Nebenblättchen der blüthenständigen Blätter stets grösser
und breiter (bis 2 Cm. lang und 1 Cm. breit) mit vorgestreck-
ten, zugespitzten Oehrchen. Blüthen einzeln, resp. zu dreien ge-
büschelt; Blüthenstiele 1 Cm. lang, kürzer als die sie stützenden
Deckblättchen, dicht unter der Frucht mit 2--5 ziemlich kurz-
gestielten Drüsen besetzt. Receptakeln kugeligeiförmig, nach
oben etwas verschmälert, ganz kahl. Kelchzipfel fiederspaltig,
mit langem und schmalem, linealkeulenförmigem Endlappen ver-
sehen, unterseits mit kurzen röthlichen Drüsen dicht be-
kleidet, nach der Anthese ausgebreitet, dann aufgerichtet,
bis zur Fruchtreife bleibend. Blumenkrone mittelgross, dunkel-
rosenroth. Griffelköpfehen gross, erhaben, dicht behaart. Schein-
frucht gross, eikugelig, 2mal länger als ihr Stiel, dunkelroth.
Standort: In der Umgebung von Lemberg an folgenden
Standorten: Am „kleinen Sandberg“, zwischen Zniesienie und dem
„Kaiserwäldehen“ und endlich in Hofosko an zwei Stellen. Sonst nur
in Bileze in Südostgalizien von mir beobachtet.
Bemerkungen: Von der systematisch nächstverwandten R.
frutetorum Bess. (in „Enum. pl. Volh. ete.“*) und Borbäs (Monogr.
rosar. pag. 450) unterscheidet sich R. leopoliensis m. sehr erheblich
durch die drüsige Behaarung, welche am Rücken der Kelchzipfel,
sowie auf der Unterseite der Laubblättchen + dicht aufgetragen ist').
Getrocknete, ganz instructive Exemplare dieser ausgezeichneten Art
von Zniesienie (von Dr. Wotoszczak in meiner Gesellschaft gesam-
melt) haben Herrn H. Braun vorgelegen gelegentlich der Bearbei-
tung dessen „Rosae agri leopoliensis a Dr. Woloszezak lec-
tae* (in Spraw. kom. fizyogr. Krak. 1886), und ich kann daher
nicht umhin, meiner gar grossen Verwunderung Ausdruck zu geben,
dass Braun bei der Prüfung der genannten Exemplare subfoliare
Drüsen an denselben nicht bemerkt hat, wiewohl dieselben auf allen
Blättern sehr reichlich aufgetragen sind, ja Dr. Woloszczak Herrn
') An den Bilezeer Exemplaren der R. leopol., an deren Laubblättchen
Borbäs die eben gedachten Drüsen mit dem Objectiv Nr. 4 des Hartnack’schen
Mikroskopes nicht bemerkt zu haben behauptet, sehe ich dieselben mit ge-
wöhnlicher Loupe, selbst an getrockneten Exemplaren, ganz genau,
271
Braun auf dieselben ganz ausdrücklich aufmerksam machte. Trotz
alledem gedenkt H. Braun in der Diagnose dieser Rose nieht mit
einem Worte der subfoliaren Drüsen und zieht ganz einfach meine
„R. leopolitana* als Synonym zu R. frutetorum Bess., welch letz-
tere Art — nebenbei gesagt — im Hinblick auf den Umstand, dass
Besser bei der Vertheilung seiner Rosenarten nichts weniger als scru-
pulös vorgegangen ist, und speciell unter dem Namen R. frutetorum
allerlei diverse Arten vertheilte (vide Borbäs ]. ec.) — lediglich
einen mythisch-historischen Werth besitzt. — Bei dieser Gelegenheit
erachte ich für meine Pflicht, im Interesse der polnischen Floristen
und meiner heimatlichen Flora meiner tiefbegründeten Ueberzeugung
entschieden Ausdruck zu geben, wonach Braun’s obgenannte, die
Lemberger Rosen betreffende Abhandlung, wiewohl dieselbe, ober-
flächlich betrachtet, imponirend sich präsentirt — im Grunde ge-
nommen nur sehr problematischen wissenschaftlichen Werth besitzt
und in viel höherem Grade für die galizische Rhodologie verhäng-
nissvoll zu werden im Stande ist, als es das bekannte, auch in der
besten und schönsten Absicht verfasste Werk A. Knapp’s betreffs
der Hieracien wurde. Dass dem so ist, muss jeder Unvoreinge-
nommene einsehen, wenn er den Umstand in Betracht zieht, dass
H. Braun bei der Verfassung obgenannter Abhandlung — darin dem
Schweizer Rhodologen Christ folgend — den ganz und gar phan-
tastischen Standpunkt vertrat, dass die nach meiner tiefbegründeten
Ueberzeugung trotz Haeckel, Huxley, Seidel u. A. nichts weniger
als wissenschaftlich begründete Descendenztheorie eine über jeden
Zweifel erhabene Wahrheit ist, in Folge dessen H. Braun, nicht
beachtend, dass es „nicht die Aufgabe der Wissenschaft ist, Gründe
für anziehende Theorien aufzusuchen, sondern die Natur so vorzu-
stellen, wie sie wirklich ist“, in Folge dessen also H. Braun sehr
zahlreiche, diverse, wiewohl systematisch ziemlich verwandte Ar-
ten der Lemberger Rosenflora per fas et nefas in den Bereich
einer einzigen Generalspecies (Sammelspecies) zieht, eine künst-
liche, zu keiner der hineingezogenen Arten genau passende Diagnose
dieser Generalspecies verfertigt und nachher einzelne, zu dieser künst-
lichen Species gehörige Arten (nach Braun’s Auffassung lauter Sub-
species, Varietates, Subvarietates resp. Formae) kaum mit
einigen Worten würdigt, so dass es nicht einmal dem Autor selbst
elingen würde — und ich bin dessen sicher — ohne Hilfe der bei
er Verfassung der Diagnosen vorgelegenen Originalexemplare sich
in diesem descendenztheoretischen Chaos zurechtzufinden. Uebrigens
darf man bei der Benützung der genannten Braun’schen Abhand-
lung den Umstand nicht ausser Acht lassen, dass die Verlässlich-
keit Braun’s in Betreff seiner Diagnosen zu Folge der Aflaire „R.
leopoliensis“ für jeden Unbefangenen ziemlich viel zu wünschen übrig
lassen muss.
Lemberg, am 12. Juli 1887.
in
Fünf Pflanzen aus Dalmatien,
z. T. neu für die Flora der österr.-ung. Monarchie.
Von J. Bornmiüiller.
Nicht allein die zerklüfteten Felsengebirge der Bocche di Cat-
taro Süddalmatiens und die anderen montenegrinischen Grenzgebirge
weisen, wie die neueren botanischen Forschungen in jenen doch
ziemlich bekannten Gegenden immer wieder zeigen, noch eine ganze
Reihe hervorragender Novitäten auf, sondern auch die niederen
Strandgebiete in nächster Nähe der Städte und Ortschaften verloh-
nen noch, sorgfältig durchforscht zu werden, da Beispiele von geradezu
überraschenden Neuheiten aus jenen Distrieten durchaus nicht zu
den Seltenheiten gehören. — Mag das wildzerrissene akrokerannische
Gebirgsland, die botanisch fast gänzlich unbekannte Albania, welcher
das Meer vom jungfräulichen Boden doch mitunter ein Samenkorn
hinweggespült und einem wirthlicheren Gestade zuführt, die Heimat
dieser fremdartigen Gäste sein, deren Erscheinen uns in Staunen
setzt, sollen wir den Winden und Vögeln die Einschleppung neuer
Samen aus jener zackigen Terra incognita, die sich dem Besucher
der montenegrinischen Lovcenspitze in so grossartiger Weise,” in
einer ununterbrochenen Reihe schneeflimmernder Alpenketten präsen-
tirt, zuschreiben, oder mag in der That die Durchforschung Süd-
dalmatiens noch so oberflächlich sein, dass eine Pflanze von auffallender
Schönheit, so eigenartiger Gestalt, eine fusshohe schwarzpurpurne
Lysimachia, dem Auge eines Visiani und sonst jenen hervorragen-
den Botanikern, welche einst das elende Städtchen Budua mit ihrem
Besuche beehrten, entgehen konnte; kurzum, als mir ein ungeahntes
Choleramandat die Weiterreise nach dem Süden versagte, und ich
bei meinem unfreiwilligen Aufenthalt in Budua den ersten Ausflug
mit Büchse und Spaten unternahm, war ich nicht wenig überrascht,
als ich eine Viertelstunde südlich von der Stadt, halb auf felsigem
Grund, halb im Meeressand, inmitten zahlloser Sideritis romana L.
und Sideritis purpurea Vis., gerade auf der classischen Stätte der
seltenen Matthiola glandulosa Vis. (Flor. dalm. III. pag. 124) in
grossen Mengen eine stattliche purpurfarbige Pflanze anzutreffen,
die in der Tracht eines kleinen Verbascum mir völlig fremd war,
die ich in ihrem sonderlichen Aussehen keiner Familie einzureihen
wusste.
Lysimachia Linum stellatum in nächster Nähe hätte mir die
Zusammengehörigkeit, dieselbe Centralplacenta der unverkennbaren
Primulaceenkapsel sofort verrathen müssen, aber der abnorme Blü-
thenstand und im Besonderen der Umstand, dass diese Pflanze
Visiani nicht in seiner Flora aufgenommen und ihm folglich un-
bekannt geblieben sein sollte, liess mir den Gedanken nicht auf-
kommen, dass es sich um eine griechisch-orientalische Pflanze handle,
nämlich um Lysimachia atropurpurea L. sp. 209 (Palladia atropur-
273
purea Seh. Sp. II 423) die sonst nur noch in Thracien und Mace-
donien beobachtet worden ist.
Es ist diess somit ein interessanter Fund, ein sehr weit nord-
westwärts vorgerückter Standort, der wohl quer durch Albanien mit
dem macedonischen Verbreitungsgebiet in Verbindung steht, da diese
Lysimachia an der Westküste der Balkanhalbinsel nur im äussersten
Süden anzutreffen ist.
Auf einer einfacheren Weise mag sich
2. Trifolium physodes Stev. (Cupanix Tin.) in die dalmati-
nische Flora eingeschlichen haben. Sie befindet sich unweit der
Landungsstelle von Cattaro in dem Gestein eines trockenen Fluss-
bettes, ihre Heimat erstreckt sich über das südliche Griechenland
und Sicilien, und ist jedenfalls — nach dem Standort zu schliessen
— mit Waare eingeführt worden.
3. Cerinthe auriculata Ten. wächst in Gemeinschaft mit Zr-
folium physodes Stev., unweit des Meeres bei Cattaro; sie stammt
aus dem Innern des Landes, ist wenigstens jenseits der Grenze auf
montenegrinischem Gebiet häufig an Wegen und Culturstätten anzu-
treffen, beispielsweise am Wege nach Cettinje, im Dorf Njegusch, an
den ersten Häusern vor Cettinje und an Feldern bei Cettinje. —
Sie wächst bei Cattaro gesellig mit Smyrnium perfoliatum Mill., Me-
landrium divaricatum Rehb. fil., Trifolium nigrescens Vis., Tr.
dalmatieum Vis., Tr. tomentosum L., Dr. resupinatum L., Tr. repens,
Tr. Molinieri Balb., Tr. pratense L. u. a. m.
4. Fumaria anatolica Boiss. ist in der Flora Ragusas an
schattigen Weinbergsmauern nicht selten. Bereits aus Istrien bekannt,
war diese griechisch-orientalische Pflanze in Dalmatien zu erwarten
gewesen. Wie sie in Südfrankreich Einkehr gefunden hat, mag sie
auch hier eingeschleppt worden sein, wie ja auch ihr Vorkommen
im Banat vom Hauptverbreitungsgebiet sehr isolirt ist. — Ich be-
merke nebenbei, dass Fumaria anatolica Boiss. in warmen Lagen
sich sehr leicht einbürgert und leicht zu einem lästigen Unkraut
werden kann; so z. B. hier im botan. Garten in Belgrad, wo sie im
letzten Jahre nur ganz vereinzelt auftrat, bereits aber anfängt, un-
ausrottbar zu werden. Fumaria agraria Lag. vermag nicht gegen
sie aufzukommen und ist bei Paralleleultur, wenn das Beet nicht
frühzeitig von der benachbarten Fumaria anatolica gereinigt wird,
nicht durchzubringen.
5. Erwähne ich noch: Pallenis spinosa Cass. Pf. pallida m. nov.
var., die nur eine Farbenvarietät der typischen sattgelben P. spinosa
Cass. ist, in ähnlichem Verhältniss wie Anthemis tinctoria zu A.
allida DC. oder Adonis aeslivalis L. zu Adonis citrina Hofm. Die
lüthen dieser Varietät sind strohgelb, sie wächst gemeinschaftlich
mit dem Typus zusammen, zahlreich an sonnigen Abhängen bei
'Spalato am Wege nach $. Stefano, woselbst sich stellenweise die
duukelfarbige Species ausschliesst.
| Belgrad (kgl. botan. Garten) im Mai 1887.
—_— —— £
j
274
Mittheilungen über die Hieracien des Riesengebirges,
Von Gustav Schneider,
Bergverwalter in Schmiedeberg im Riesengebirge.')
(Fortsetzung.)
y. spathulifolium mihi non Vukot. Da die ältere Bezeichnung
nur einem Piloselloid (subsp. 2 des H. rubricatum Naeg. Peter) aus
Croatien zukommt, nehme ich keinen Anstand, dieselbe für mein
Archieracium beizubehalten.
Stengel 12—13 Cm. hoch, hin- und hergebogen, einköpfig, 2 bis
4blätterig, mässig (ziemlich gleichmässig am Ober- und Untertheil)
kurzhaarig mit hellen in den oberen */, des Stengels schwarzfüssigen
Haaren; im unteren Drittel fehlen die schwarzen Zwiebelborsten,
oberwärts sind schwarze Borsten- und feine Drüsenhaare eingemengt.
Ganz oben ist der Stengel reichflockig bis fast filzig bekleidet; die
Flockenbekleidung nimmt gegen die Stengelmitte ab und verschwin-
det gegen die Stengelbasis fast ganz. Blätter grasgrün, ziem-
lich weich, beiderseits ziemlich reichlich kurzhaarig, am Rande
gewimpert. Grundblätter zur Blüthezeit in der primären Ro-
sette wenige (gewöhnlich zwei) noch grün, zuweilen in Nebenro-
setten auch mehrere vorhanden; breit-spatelförmig, in einen breit-
geflügelten, mässig langen Blattstiel verschmälert oder eilanzettlich
mit schmal geflügeltem Blattstiel, gezähnelt (oft sehr undeutlich) mu-
eronat, meist faltspitzig, circa 6 Cm. lang. Untere Stengelblätter
meist länger als die Grundblätter (7—8 Cm.) spatelig-lanzett-
lich, nach unten wenig verschmälert, sitzend, mit deutlich hervortre-
tendem weisslichen Mittelnerv; unregelmässig gezähnelt oder gezähnt,
zuweilen mit einzelnen, sehr grossen Zähnen; zugespitzt, faltspitzig;
oberste Stengelblätter viel kleiner, lanzettlich; ganzrandig, gezähnelt
oder gezähnt, zugespitzt, sitzend. Bei den stylosen Formen sind die
Blätter ganzrandig oder nur sehr undeutlich gezähnelt. Kopfhüllen
15 Mm. lang, + kreiselförmig; Hüllschuppen wenigreihig,
sämmtliche gleichfarbig schwärzlich, breitlich, stumpflich, dicht
zottig von kurzen, graulich weissen Haaren. Zungenblüthen etwa
10 Mm. über dieHüllschuppen hervorragend, mitkurzen, feinen,
weissen Seidenhaaren auf den Flächen und am Rande sehr spärlich, an
den Zähnen reichlicher behaart. Blüthenfarbe goldgelb, Griffel dunkel.
Aus den Ostsudeten nicht bekannt, in den Westsudeten nicht
häufig, zuweilen truppweise beisammen wachsend, z. B. am Nord-
fusse der Brandkoppe des Brunnenberges. In der hohen Tatra sam-
melte ich diese Varietät im Felkerthale. Im Herbar Ullepitsch
liegen drei als A. alpinum L. von Aurel Scherfel im Kohlbachthale
gesammelte und bestimmte Pflanzen vor, von denen die eine zu var.
er
pathulifolium m., die zweite zu FH. alpinum var. ß. melanocephalum
Tausch, die dritte zu H. alpieola Schleich. ß. chodopecum Griseb. gehört.
*) Jetzt in Cunnersdorf bei Hirschberg in Pr.-Schlesien.
275
Letztere Pflanze ist zweiköpfig und liest in demselben Herbare
noch in sechs einköpfigen Exemplaren aus dem Felkerthale vor, von
A. Scherfel als H. glandulosum n. sp., von Blocki als 4. Ulle-
pitschii n. sp. neu benannt! Wo soll das hinaus, wenn Jeder den
ihm unbekannten, aber von anderen Autoren längst unterschiedenen
und benannten Formen, die selbst die allerneuesten Monographen
anerkannt haben, neue Namen beizulegen berechtigt zu sein glaubt?!
Die Tatraform des ZH. alpieola Schleicher gehört zu der von Grise-
bach bereits 1852 als rhodopeum beschriebenen Form des Rhodope-
gebirges und steht dem X. petraeum Friv. aus dem Balkan am
nächsten, welches Naegeli und Peter unter sorgfältigster Angabe
der diagnostischen Unterschiede (Monographie der Piloselloiden pg.283)
als Subspecies ebenfalls zu Z. alpicola Schl. ziehen. Streng genom-
men gehört vorstehende Bemerkung nicht in eine Abhandlung über
westsudetische Hieracien; indessen glaube ich, dass der gewissenhafte
Schriftsteller keine Gelegenheit vorübergehen lassen darf, die sich
gerade darbietet, um dem Treiben dieser Wiedertäufer unter den
Botanikern entgegenzutreten.
Die Beblätterung des H. polymorphum v. spathulifolium erinnert
einerseits an H. pedunculare Tsch., wesshalb es von ungeübten Beob-
achtern als solches ausgegeben worden ist, andererseits an HM. calen-
duliflorum Backh. und wurde desshalb auch wohl von Sammlern,
welche nur auf die Beblätterung, nicht aber auf den Gesammthabitus
einer Pflanze zu achten gewohnt sind, für eine Uebergangsform zu
diesem gehalten. Man vergleiche den Schlusssatz meiner vorjährigen
Mittheilungen.
d. var. Uechtritzianum mihi als Species (vergl. diese Zeitschr.
1886 pg. 23). ')
Diese durch rundliche, stumpfe Grundblätter und eigen-
thümlich gestellte Stengelblätter, sowie schaftartigen, meist
steif aufrechten Stengel auffällige, im Biesengebirge seltene, aus
anderen Gebirgen noch nicht bekannte Form habe ich im Jahre 1886
weiter zu beobachten Gelegenheit gehabt; ziemlich zahlreich auch in
einer niedrigen, weniger robusten Gestalt. Der Form der Kopfhüllen
und Hüllschuppen wegen habe ich sie seit dem Herbste 1886 als
Varietät des H. polymorphum ausgegeben; denn wenn ich das
Dechtritzianum, der abweichenden Beblätterung wegen als Species
beibehalten wollte, müsste diess mit var. spathulifolium ebenfalls
geschehen, welches noch dazu am häufigsten mit kreiselförmigen
Köpfen vorkommt, während die halbkugelige Form der Köpfe bei
H. polymorphum als Regel gilt. Ich möchte mir nicht gern einen
bekannten östlichen Schriftsteller zum Muster nehmen, der aus einer
systematisch mittelmässigen Varietät drei Species macht, wie es
- scheint, nur um ihnen patriotische, oft schon längst von andern ver-
brauchte Namen geben zu können, dabei aber mit der Publikation
') Die Phrase: „folia subeoriacea“ in der eitirten Diagnose bitte, als nur
auf die robusten Formen passend, zu streichen. v
276
der zu seinen Novitäten gehörigen Beschreibungen und seiner „sub-
jeetiven, tief begründeten Auffassung des Speciesbegriffes“ ausseror-
dentlich zurückhaltend ist.
Bei allen, vorstehend sub «. bis d. genannten Varietäten kom-
men stylose Formen vor, welche in der Regel weichblättriger, dichter
und länger behaart sind als die normalen und häufig nicht mit Sicher-
heit in die betreffenden Unterabtheilungen eingereiht werden können,
wie diess schon bei Besprechung der stylosen Formen bei H. alpinum
erwähnt wurde.
3. Gruppe. Alpina malitiosa mihi.')
Stengel aufrecht oder aufsteigend, oft hin- und hergebogen, zu-
weilen selbst wellenförmig geschlängelt, mehr oder weniger längsge-
streift, ein- bis vielköpfig, ein- bis vielblättrig, selten blattlos, kurz-
haarig, nach unten oft verkahlend; am ÖObertheile dichtfilzig
bis zerstreut steruhaarig; Sternhaare gegen die Basis sehr vermindert,
ganz unten fast 0. Drüsenbekleidung des Stengels oben + dicht oder
zerstreut, abwärts bald verschwindend. Die Kopfstiele der Neben-
köpfe entspringen häufig nicht aus einer Blattachsel, in
der Regel ist aber die Insertionsstelle durch eine Bractee gestützt.
Blätter grasgrün bis graugrün, selten etwas glaucescirend oder
glauk, beiderseits + behaart, meist etwas derb. Grundblätter zur
Blüthezeit sowohl in der primären Rosette, wie auch in Neben-
rosetten + zahlreich, oft sehr zahlreich vorhanden, ei- bis länglich-
spatelförmig bis länglich-lanzettlich, meist in den langen, die eigent-
liche Blattplatte oft um das anderthalbfache an Länge übertreffenden
ziemlich schmal geflügelten Blattstiel ganz allmälig ver-
schmälert, ganzrandig oder (selbst tief-) gezähnt; die Zähne oft mit
einer Stieldrüse besetzt, entweder stumpf, häufig mucronat, oder —
die lanzettlichen — in eine lange, feine Spitze vorgezogen.
Stengelblätter lanzettlich bis lineallanzettlich oder lineal, gezähnt
oder ganzrandig, meist mit lang vorgezogener Spitze; am Ober-
theile des Stengels zuweilen eins oder einige durch schmallineale
Bracteen vertreten. Kopfhüllen kurz und meist ziemlich dicht zottig
behaart mit + eingemengten feinen Drüsenhaaren oder drüsenlos.
Hüllschuppen schmal mit lang vorgezogener Spitze, mit
Ausnahme der äussersten, etwas kürzeren und stumpflicheren Reihe,
gleichgestaltet, vielreihig, dunkel bis schwarz. Ligularsaum
fast kahl, die Zähnchen mit kurzen, dicklichen, weissen Haaren +
gewimpert.
5. H. ewimium Backh. — H. alpinum 4. H. sudeticum W Gr.
Diese Pflanze ist ebenso, wie das verwandte decipiens Tausch
bisher von den schlesischen Floristen am unzutreffendsten behandelt
worden und auch die neueren Floren des Sudetengebietes (ich meine
‘) Diesen Namen gab ich der in Rede stehenden Gruppe mit Rücksicht
auf den Umstand, dass die beiden hieher gehörigen Species grosse und tüchtige
Systematiker, wie Grisebach, Uechtritz, Oborny und selbst Dr. A. Peter
aufs Glatteis geführt haben.
u Kce
277
die Flora von Schlesien von Fiek und die Oborny’sche Flora, denn
die neueste sudetische Flora vom Volksschullehrer W. Winkler ist
in Beziehung auf das genus Hlieracium einer kritischen Besprechung
nicht würdig) sind über die Schwierigkeiten, welche in der Deu-
tung dieser tückischen Formen liegen, nicht sehr glücklich hin-
weggekommen. Hat doch selbst Uechtritz noch im Jahre 1870
zwei Individuen seiner später aufgestellten Varietät chrysostylum des
H. eximium im Herbar Fiek als Z. decipiens Tausch, forma longi-
folia, bestimmt; andere Autoren bestimmten und bestimmen zum
Theil noch eine kurzgestielte, breitblättrige Form des H. ewimium
genuwinum, welche am Glatzer Schneeberge vorkommt, als H. nigre-
scens Willd. In der Flora von Schlesien hat Fiek das A. eximium
als Varietät des #4. alpinum dargestellt und wie schon weiter oben
bemerkt wurde (auf Veranlassung von Uechtritz) das total ver-
schiedene ZH. calenduliflorum desselben Autors damit vereinigt, worin
ihm auch Oborny gefolgt ist. (Alle früheren Autoren hielten diese
beiden Species auseinander.) Diese unrichtigen Auffassungen scheinen
durch die Unkenntniss der Backhouse’schen Originaldiagnose ent-
standen zu sein, denn was Fries in der Epier. Hierac. pg. 43 und
Babington im Manual of British Botany, 7. Auflage, 1874, pg. 212,
über diese beiden Pflanzen schreiben, ist einestheils unzureichend
anderntheils nicht immer zutreffend. Leider habe ich mir die Back-
house’schen Originaldiagnosen ebenfalls nicht verschaffen können
(auch Uechtritz besass dieselben nicht), doch hatte Letzterer von
Backhouse selbst bestimmte Pflanzen aus Schottland erhalten, so
dass wir wenigstens wissen, welche Hieracien Backhouse unter der
Benennung eximium und calenduliflorum verstanden hat. Unzutreffend
sind bei Fries (l. ec.) die Angaben bei H. eximium: Involuera basi
truncata, bei H. calenduliflorum: Involucra basi rotundata.
Gestutzte Kopfhüllen kommen, wenigstens bei den Sudeten-
pflanzen, gerade bei H. eximium genuinum und chrysostylum selten,
dagegen bei MH. calenduliflorum häufiger, bei beiden aber aus-
nahmsweise — nicht als Regel — vor. Auch Babington sagt:
involuere truncate sowohl bei H. ewimium, wie bei calenduliflorum.
Die Hüllschuppen beschreibt Bab. bei 4. ewimium: phyllaries (. e.
squamae involuceri) many linear-attenuate, outer phyll. small lax;
bei H. ealenduliflorum: phyllaries many linear-attenuate, outer phyll.
lax, was bei calenduliflorum mit den Originalpflanzen aus Schottland
ebenso wenig übereinstimmt, wie mit den sudetischen. Ich beschreibe
daher das H. eximium nach meinen eigenen Beobachtungen wie folgt:
Stengel aufrecht, etwas hin- und hergebogen, stielrund, zuweilen
hohl, + deutlich längsstreifig, einfach oder ästig, verschieden
dicht behaart bis fast kahl; oberhalb mit Drüsenhaaren, Borsten und
Sternflocken + dicht bekleidet, welche nach abwärts vermindert, an
der unteren Stengelpartie aber sehr zerstreut auftreten oder ganz
fehlen. Grundblätter zur Blüthezeit -+ zahlreich vorhanden, + behaart
bis fast kahl. Stengelblätter lanzettlich, in eine lange Spitze
vörgazogen, nach oben in der Regel ih schmallineale Bräüc-
278
teen übergehend. Kopfhüllen diek eylindrisch oder halbku-
eelig mit abgerundeter oder gestutzter Basis, gross oder mit-
telgross (bis 20 Mm. und darüber lang), kurz und dicht behaart,
drüsenlos; Hüllsehuppen ziemlich schmal, mit Ausnahme der
äusseren Reibe in eine lange, feine Spitze vorgezogen, dunkel
bis fast schwarz. Zungenblüthen auf den Flächen und am Rande
spärlich, an den Zähnchen reichlicher behaart. Blüthenfarbe tiefgelb,
beim Trocknen meist mit einem Stiche ins röthliche, bis fast orange.
Blüthezeit beginnt gegen Mitte Juli.
Ich unterscheide innerhalb der Species ewimium Backh. folgende
Formen, deren Diagnosen ich später veröffentlichen werde:
a) var. genuinum m. umfasst die dunkelgrifflichen, mässig be-
haarten Gestalten der Ostsudeten in folgenden Formen:
a. typieum. Die hohen schmalblättrigen Formen mit langgestielten
Blättern;
ß. pseudonigrescens mihi = H. nigrescens Aut. plur. non Willd.
Niedrigere, breitblättrige Formen mit kurzgestielten Blättern,
welche ich bisher nur vom Glatzer Schneeberge, als H. nigre-
scens Willd, falsch bestimmt, gesehen habe.
b) var. chrystostylum Uechtr. Hiezu gehören die gelbgriffligen,
stärker bekleideten Gestalten der Ostsudeten in folgenden Formen:
&. normale. Hohe, gross- und vielköpfige Formen mit vorherrschend
gezähnten und langgestielten Blättern;
ß. tenellum Backh. Niedrige, einköpfige Formen mit vorherrschend
ganzrandigen, meist kurzgestielten Blättern.
Mit letztgenannter Form dürfte das H. cochleare Huter aus
Tirol zu vergleichen sein; leider liegen mir von demselben nur vier
Individuen vor.
(Fortsetzung folgt.)
—i
Zur Flora von Galizien.
Von Dr. Eustach Woloszezak.
Eine der interessantesten Localitäten des Janower Waldes bei
Lemberg, nämlich die Umgebung von Jaryna, ist schon seit längerer
Zeit ziemlich gut bekannt, weniger die von derselben entfernteren. Eine
botanische Fusstour auf den die Hauptstrasse des Janower Waldes
kreuzenden Wegen in der Richtung von Süd nach Nord schien mir
daher angezeigt. Ich verliess die Bahn in Kamienobrod bei Grodek,
gelangte über Dobrostany, Karezmary und Starzyska bis Majdan und
kehrte über Leluchowka, Janow, Zalesie und R. Rzesna nach Lem-
berg zurück. Ich will hier nur nennenswerthe Pflanzenfunde an-
führen.
Aus Dobrostany Scerophularia Scopoliü, aus dem an Karczmary
grenzenden Theile des Janower Waldes: Orchis coriophora, Biera-
279
eium Bauhini, Auricula >xX Bauhini, Bauhini x Pilosella, Pilosella,
Auricula, polonicum und Auricula > polonicum, Symphytum tubero-
sum, Salix silesiaca und Aconitum septentrionale (non moldavicum),
welches hier in zahlreicheren Individuen auftritt, während es bei Ja-
ryna selbst spärlich ist.
Nördlich von Jaryna in der Richtung gegen Majdan sah ich
Salix silesiaca an mehreren Stellen und glaube, dass sie auch weiter
nach Norden vordringt, ferner S. aurita X silesiaca, Ribes rubrum,
Iris sibirica und bohemica, Aquilegia vulgaris, Gladiolus imbricatus,
Hieracium Bauhini, polonicum, vulgatum und wumbellatum, Viola
montana und Centaureo, austriaca. Manches, was bei Jaryna vor-
kommt, mochte, weil im Juni, als ich die Tour machte, noch nicht
hinreichend entwickelt, von mir übersehen worden sein; Cineraria
aurantiaca und Scorzonera purpurea, die auch bei Jaryna seltener
sind, ebenso Sulir livida wurden jedoch hier vermisst.
Aus Majdan nenne ich das Geum aleppieum, und von dem in
der Nähe mitten im Walde befindlichen sandigkalkigen Fels Stolowy
kamien (Tischstein) den verkannten Cotoneaster orientalis. Selbst
ohne Blüthen und Frucht lässt er sich von ©. vulgaris und tomen-
tosa unterscheiden. Im Habitus ähnelt er dem ©. vulgaris, in Form
und Behaarung der Blätter dem €. tomentosa, dessen Habitus in
Folge der durch die Inflorescenz bedingten Art der Verzweigung an
Mespilus germanica erinnert. Von dem einige Schritte vom Tisch-
stein entfernten Fels nenne ich, weil das Uebrige bekannt, blos die
Carexz pediformis, welche hier bei weitem üppiger wird, als an dem
von mir zuerst entdeckten sandigen Standorte beim israelitischen
Friedhofe in Lemberg.
Aus Zalesie erwähne ich: Festuca psammophila Hack., Sawi-
fraga tridactylites, Hieracium Auricula > Pilosella und Rosa mi-
cans, letztere drei auf einem Kalkhügel, Störuthiopteris germanica
am Fusse desselben; am R. Rzesna Rumew aquaticus und Hottonia
palustris.
Bei dieser Gelegenheit will ich auch der Carem Buekii ge-
denken, welche meines Wissens in Galizien noch nicht gefunden
wurde. Sie wächst auf Wiesen zwischen $S. Wisznia und Rodatyceze
in der Nähe von Eguwisetum variegatum und Iris bohemica, die hier
auf kalkigfelsigen Stellen auftritt.
Schliesslich muss ich einige Worte hier anfügen mit Rücksicht
_ auf den in der vorigen Nummer dieser Zeitschrift erschienenen Ar-
_ tikel des Herrn Braun, in welchem derselbe behauptet, dass meine
ins Gefecht geführten Exemplare der Rosa leopoliensis mit der
Sache, d. h. mit dem Streite über die A. leopoliensis eigentlich
gar nichts zu thun haben. Vor Allem will ich bemerken, dass ich
in meinem diessbezüglichen Aufsatze an kein (Gefecht gedacht habe;
ich wollte weder Herrn Btocki vertheidigen, noch Herrn Braun’s
Verdienste um die Kosenkunde schmälern, sondern nur im Interesse
der Wahrheit reden. Nachdem Herr Btocki irrthümlich auch nicht
drüsighlätterige Rosenstücke als seine Rosa leopoliensis ausgegeben
230
hatte, wie ich es nach der Erklärung des Herrn Prof. Dr. Borbäs
glauben muss, konnte man streng genommen nur über bestimmte
Rosenexemplare streiten, indem thatsächlich, weil nicht beschrieben
— keine R. leopoliensis existirte. Wenn aber Herr Braun die R.
leopoliensis in seiner Arbeit über meine Rosen als Synonym bei
seiner Varietät der R. frutetorum aufgeführt hat, wurden gerade
meine Exemplare Nr. 5 und 44 zu Originalen der R. leopoliensis
Bt. gestempelt, und musste ich schliesslich beim bekannten Streite
mitreden.
Lemberg, 4. Juli 1887.
—
Beitrag zur Flora des nördlichen Mährens und des
Hochgesenkes.
Von Dr. Ed. Formänek,
k. k. Professor am böhmischen Gymnasium in Brünn,
(Fortsetzung.)
Care» paueiflora Ligthf. Keilig, Kl. und Gr. Seeberg.
— muricata L. D.-Liebau, Bautsch, Wigstadtl, Odrau.
— leporina L. D.-Liebau, Petersdorf, Rabenseifen, Gr.-Ullersdorf,
Buchelsdorf, Neudorf, Beckengrund, D.-Märzdorf, Wüst-Seibers-
dorf, Nikles, Blaschke, Kl.-Mohrau, Wermsdorf, Kleppel, Keilig,
Bärenkamm; Leitenberg, Altvater etc. (v. Niessl)!, Dämm-
baude, Gr. Hirschkamm, Schieferheide, Berggeist, Saugraben,
Kiesgraben, Römerstadt, Irmsdorf.
— echinata Murr. (1770). D. -Liebau, Liebesdorf, Gross-Ullersdorf,
Buchelsdorf, Neudorf, D.-Märzdorf, Wüst-Seibersdorf, Ludwigs-
thal, Stollenhau, Nikles, Potatky bei Krummwasser, Kl.-Mohrau,
Krondörfl, Kleppel, Keilig, Uhustein, Bärenkamm, Altvater,
Dämmbaude, Peterstein, Römerstadt, Wigstadtl.
— canescens L. Rother Berg.
— remota L. Bradlsteine und Krausenbüschel bei Deutsch-Liebau,
Brandwald bei Deutsch-Märzdorf, Wüst-Seibersdorf, Wermsdorf,
Kiesgraben, Kriech, Janowitz, Römerstadt, Wigstadtl, Lautsch,
Scheuergrund u. a. 0. bei Odran.
— Goodenoughii Gay. (1839). Ob. Fl. v. M. u. ö. Schl. p. 178.
Verbreitet und zwar zumeist in der Form juncella Fr., so bei
Gr.-Ullersdorf (Oborny), Ludwigsthal Reigersdorf, Potatky bei
Krummwasser, Grumberg, Kl.-Mohrau, Krondörfl, Rother Berg,
Altvater, Schieferheide, Janowitz, Römerstadt, Bautsch, Wig-
stadtl, Odrau.
— — var. turfosa Fr. sp. Gr. Hirschkamm.
— pilulifera L. Gr.-Ullersdorf.
— limosa L. Kl. Seeberg.
es
281
Carer flacca Schreb. Gr.-Ullersdorf.
— panicea L. Gr.-Ullersdorf, Ludwigsthal, Krummwasser, Klein-
Mohrau, Krondörfil, Wigstadtl, Odrau.
— pallescens L. Gross-Ullersdorf (v. Niess!), hier sehr häufig;
Deutsch-Liebau, Petersdorf, Rabenseifen, Zöptau, Marschendorf,
Buchelsdorf, Neudorf, Wiesenberg, Wüst-Seibersdorf, Ludwigs-
thal, Reigersdorf, Klein-Mohrau, Krondörfi, Bärenkamm, Auer-
hahnbaude, Knoblochgraben, Bärmuttergraben, Janowitz, Römer-
stadt, Fichten bei Irmsdorf, Bautsch, Wigstadtl, Odrau.
— silvatica Huds. Trausnitz bei Petersdorf, Rabenseifen, Gr.-Ullers-
dorf, Brandwald bei Deutsch-Märzdorf, Wüst-Seibersdorf, Pföhl-
wies, Wald bei der Ruine Neuhaus, Nikles, Altvaterwald, Kies-
graben, Kriech; Wiesenberg, Winkelsdorf, Wermsdorf (Oborny)!,
so Spitzberg etc.; Janowitz, Grundwald und Schlossberg bei
Römerstadt. R
— flava L. a. macrorrhyncha Celak. Prodr. Fl. B. p. 71. Gross-
Ullersdorf, Ludwigsthal, Grumberg, Kiesgraben, Kriech, Römer-
stadt. b. brachyrhyncha Celak. 1. ec. Reigersdorf.
— 0Oederi Ehrh. Potatky bei Krummwasser, Kl.-Mohrau, Krondörfl,
Dämmbaude. {
— ampullaces Good. a. normalis Celak. Prodr. Fl. B. p. 73. Gross-
Ullersdorf, Neudorf, Römerstadt.
Heleocharis palustris R. Br. Noch bei Römerstadt.
re re vaginatum L. Saugraben, Gr. Hirschkamm, Schiefer-
eide.
— latifolium Hoppe. Gr.-Ullersdorf, Beckengrund.
Juncus glaucus Ehrh. D.-Liebau, Wigstadtl, Odrau.
— filiformis L. Peterstein, horizontaler Weg von der Schäferei zum
Franzens-Jagdhause.
— trifidus L. Auf felsigen Stellen der Backofensteine ganze Rasen
bildend.
— squarrosus L. Wigstadtl, Kunzendorf.
— compressus Jeq. Verbreitet in der Petersdorfer, Gr.-Ullersdorfer,
Grumberger und Klein-Mohrauer Gegend.
— bufonius L. Gemein im b. G.
Luzula silvatica Gaud. Saugraben, Franzens-Jagdhaus, Kriech, Gr.-
Hirschkamm, Schieferheide, Hofberg, Hörndlsteine.
— albida DC. Gross-Ullersdorf, Marschendorf, Wüst-Seibersdorf,
Klein-Mohrau, Odrau, Lautsch, Neudörfl, Werdenberg, var. ru-
bella Hoppe. Rother Berg, Bärenkamm, Altvater, Peterstein,
- Gr. Hirschkamm, Hofberg.
— multiflora Lej. Petersdorf, Gross-Ullersdorf, Wüst-Seibersdorf,
Grumberg, Kl.-Mohrau, Römerstadt, Odrau. Var. fusconigra Oel.
Saugraben, Gr. Hirschkamm.
— sudetica Presl. Horizontaler Weg von der Schäferei zum Fran-
zens-Jagdhaus. Saugraben, Gr. Hirschkamm, Schieferheide.
Allium sibiricum Willd. Saugraben, Bärmuttergraben.
— oleraceum L. D.-Liebau, Liebesdorf, häufig bei Gr.-Ullersdorf,
Oesterr. botan. Zeitschrift. 8. Heft 1887. 2:
282
Neudorf, Beckengrund, B.-Märzdorf, Nikles, Bautsch, Wigstadtl,
Odrau, Neudörfl; Blauda, Wiesenberg (Oborny)!
Muscari comosum Mill. D.-Liebau, @r.-Ullersdorf.
Streptopus amplexifolius DU. Saugraben, Bärmuttergraben, Franzens-
Jaedhaus, Kriech.
Smilacina bifolia Desf. Gemein, in höheren Lagen: Peterstein, Hohe
Heide, Gr. Hirschkamm.
Convallaria majalis L. Bradlsteine bei D.-Liebau, Gross-Ullersdorf,
kömerstadt, beim Podelsky-Bach bei Irmsdorf, Wigstadtl,
Odrau.
Polyoonatum offieinale All. Petersdorf, Gr.-Ullersdorf, Blauda, B.-
Märzdorf.
— multiflorum All. Zöptau, Hutberg, u. a. O. bei Gr.-Ullersdorf,
Neudorf, Kl.-Mohrau, Römerstadt, (Grundwald ete.), Wigstadtl,
Odrau, Hirnich bei Neudörfl.
— verticillatum All. Ludwigsthal, Reigersdorf, Pföhlwies, Nikleser
Wald, Altvater Wd. Kl. -Mohrau, “Kleppel vom Altvater über
den Peterstein auf allen Gipfeln bis zum Berggeist und Röhrberg
und von der Schäferei, dem Saugraben und dem Franzens-Jagd-
haus bis in den Kiesgraben und zu den Köhlerhütten u. a. 0.
bei Wermsdorf.
Paris quadrifolia L. Am Wege zu Kriech oberhalb Wermsdorf und
vielen anderen Punkten im Sudetenzuge vom Glatzer Schnee-
berg ab bis gegen Bärn und Rautenberg (Oborny) Trausnitz
bei Petersdorf, Gr.-Ullersdorf, Brandwald und Brünnel bei D.-
Märzdorf, Hinterbusch u. a. O., bei Wüst Seibersdorf, Ludwigs-
thal, Reigorsdorf, Pföhlwies, Nikles, Altvaterwald, Kl.-Mohrau,
Kleppel, Berggeist, Janowitz, Grundwald, u. a. O., bei Römer-
stadt, Fichten bei Irmsdorf.
Colehicum autumnale L. Goldenfluss, Kl.- Mohrau, Römerstadt,
Janowitz, Wigstadtl, Kl. Hermsdorf, Lantsch, Odrau, massen-
haft bei Schönau, Söhle.
VeratrumlobelianumBernh..Saugraben, Bärmuttergraben, Franzens-Jagd-
haus, Kriech, Kiesgraben bis zu den Köhlerhütten, bei Werms-
dorf, Hofberg, Berggeist bis zum Römerberg bei .Kleppel, Hoch-
wald bei Janowitz. I
Triglochia palustris L. Gr. Ullersdorf (Paul), Karlsquelle u. a. O.,
Petersdorf.
Alisma plantago L. Gemein, var. laneeolatum Aut. bei Blauda und
Wisgstadtl.
Orchis maculata L. Gr.-Ullersdorf, Beckengrund, D.-Märzdorf, Kl.-
Mohrau, Kleppel, Wermsdorf, Kiesgraben , Berggeist, Peterstein,
Janowitz, Neufeld, Römerstadt, Irmsdorf.
— latifolia L. D.-Liebau, Gr.-Ullersdorf, D.-Märzdorf, Wermsdorf
Kriech, Römerstadt.
(Fortsetzung folgt.)
———
283
Mein wissenschaftliches Streben und Schaffen.
; Eine Autobiographie von Rudolf v. Uechtritz.
(Schluss.)
Durch einen derartigen Verkehr mit Männern der Wissenschaft,
von denen ich zudem einen Theil persönlich kennen zu lernen Ge-
legenheit fand, wurde mit der Zeit eine ausgebreitetere und geläu-
tertere Formenkenntniss erzielt, aber zugleich auch die Einsicht
gewonnen, dass eine solche nicht den Endzweck der botanischen
Systematik bilden könne, umso eher, als ein Theil dieser Epoche
meiner wissenschaftlichen Entwicklung mit dem Auftreten der Dar-
win’schen Theorie zusammenfiel, die später eine so grosse Bedeutung
gerade für die Fortschritte jener Disciplin und der Pflanzengeographie,
der ich ebenfalls schon lange ein reges Interesse zugewendet hatte,
gewinnen sollte. Was den Darwinismus anbetrifft, so muss ich aller-
dings bekennen, dass ich mich längere Zeit demselben gegenüber
ablehnend verhalten habe und wie viele Andere seinen Werth we-
sentlich in der ihn begleitenden Anregung zur Lösung einer Fülle von
wissenschaftlichen Fragen zu erblicken glaubte. Ein einfaches Vorurtheil
wäre gewiss leichter zu überwinden gewesen, so aber war mir die
Descendenztheorie im Principe im Gegentheile vollkommen sympathisch,
während die eigenen im Laufe der Zeit angesammelten Erfahrungen,
wie ich damals anzunehmen mich für berechtigt hielt, in zu vielen
Fällen dagegen sprachen. Hatte ich doch gerade bei Weitem den
grösseren Theil der deutschen Phanerogamen — und nicht wenige
_ genauer — sowohl in spontanem, als in eultivirtem Zustande zu
beobachten Gelegenheit gehabt und mir in Bezug auf ihre gegen-
seitige Abgrenzung ein eigenes Urtheil zu verschaffen gesucht. Je
öfter ich diese Verhältnisse geprüft hatte, desto deutlicher erschien
mir das Bestreben der Formen nach Beständigkeit vorzuwiegen. An-
geblich existirende Zwischenglieder erwiesen sich häufig nur als auf
irrigen Beobachtungen oder Auffassungen beruhend; mitunter stellten
sich dieselben auch als Kreuzungsproducte heraus. Der Gedanke lag
somit nahe, dass wenigstens für die Jetztzeit und für die ausser-
tropischen Gebiete die Lehre Darwin’s nicht als der Wirklichkeit
entsprechend aufzufassen sei.
Erst die eingehendere Beschäftigung mit gewissen schwierigeren
und formenreichen Gattungen, namentlich mit den Hieracien, deren
tudium ich bis heute mit kurzen Unterbrechungen einen ansehn-
ichen Theil meiner Zeit in der Absicht geopfert habe, dereinst eine
fassendore monographische Bearbeitung zu lieforn, überzeugte mich
on der Haltlosigkeit meiner früheren Anschauungen.
Genöthigt, alle Formen, auch die fremden, in den Kreis meiner
etrachtungen zu ziehen, lernte ich allmälig eine Reihe von That-
hen aus eigener Erfahrung kennen, dio sich mit der Annahme der
nstanz der Arten nicht in Einklang bringen liessen. Ausser manchen
deren heute als Gemeingut der Wissenschhaft anerkannten Wahr-
23*
284
nehmungen, die damals zum Theile erst die Aufmerksamkeit der
Beobachter in Anspruch zu nehmen begannen, frappirte mich nament-
lich auch die Erscheinung, dass in allen denjenigen Hochgebirgen,
welche endemische Typen jener Gattung aufzuweisen haben, die Mehr-
zahl der Formen noch heute in so naben Beziehungen zu einander
steht, dass es bei genauerer Kenntniss derselben nicht schwer hält,
von vereinzelten Ausnahmen abgesehen für die Gesammtheit einen
oder mehrere Stammbäume ohne Zuhilfenahme gewagterer Hypo-
thesen zu entwerfen, was namentlich auch von den alpinen Hieracien
der Sudeten gilt.
Diese Ergebnisse, die mit ähnlichen, vorzugsweise in neueren,
die phylogenetischen Verhältnisse berücksichtigenden Monographien
niedergelegten im Einklange standen, haben mich in Verbindung mit
dem weiteren manche anderweitige Bedenken beseitigenden Ausbau
der Theorie des berühmten englischen Forschers zu einem entschie-
denen Anhänger desselben umgestempelt, dessen Ueberzeugung um
auf so festerem Boden steht, als sie nicht sprungweise, sondern
Schritt für Schritt im Kampfe mit dem Zweifel gewonnen wurde.
Der extremen Richtung, die mehr und mehr den Boden der exacten
Beobachtung verlässt, stehe ich indessen noch gegenwärtig ferne.
Meine Studien wurden jedoch durch die weiteren Fortschritte
meines Leidens zuletzt völlige gehemmt. Als ich nach jahrelanger
Unterbrechung meine früheren Beschäftigungen allmälig wieder auf-
nehmen konnte, habe ich einfach den Faden, so gut es eben ging,
wieder an der Stelle angeknüpft, wo ihn das Geschick zerrissen hatte.
In der Zeit, während der ich noch immer ans Zimmer gebannt war,
sind wissenschaftliche Arbeiten zugleich meine einzige Erholung ge-
wesen und ich habe damals den Werth geistiger Thätigkeit mehr
denn je schätzen gelernt. Durch die thatkrältige Unterstützung hie-
sirer und auswärtiger Fachgenossen, die mich in zuvorkommendster
Weise mit Material versahen, wurde ich trotz meiner im Uebrigen
denkbarst ungünstigen Situation in den Stand gesetzt, auf einzelnen
Gebieten nicht ganz ohne Erfolg zu wirken und zugleich einen Theil
des Versäumten nachzuholen.
Immerhin aber war ich durch die dringend gebotene Rück-
sichtsnahme auf meinen Gesundheitszustand gezwungen, meine Thä-
tigkeit von nun ab auf bestimmte Grenzen zu beschränken. Die früher
gewonnenen Erfahrungen schrieben mir zum Theile den Weg vor, den
ich einzuschlagen hatte und günstige Umstände erleichterten mein
Bestrebungen. Dieselben gingen von nun ab vorzüglich dahin, mi
eine möglichst umfassende Kenntniss der gesammten Phanerogamen
Flora Europas und der verwandten Gebiete, namentlich auch der
Mediterranländer, zu verschaffen. Meine für diesen Zweck ohnehin.
bereits nicht ganz unbrauchbaren Sammlungen zu vergrössern, fiel
mir bei meinen ausgedehnten Verbindungen nicht schwer und so war
ich bereits 1873, als zwei befreundete schlesische Botaniker, die
Herren Fritze und M. Winkler, eine Reise nach Südspanien unter-
285
nahmen, im Stande, die gesammte sehr beträchtliche Ausbeute des
Ersteren zu bestimmen.
| Ein 1876 erneuter Aufenthalt M. Winkler’s in Spanien, der
' in diesem Jahre die meisten Provinzen dieses Landes, sowie einen
Theil Portugals mit ausgezeichnetem Erfolge durchforschte, ermög-
liehte mir die Erweiterung meiner Studien über die Flora der iberischen
Halbinsel, wobei mir die Beihilfe der verdienstvollen Verfasser des
Prodromus florae hispanicae, mit denen ich schon früher in Verbindung
getreten war, in dankenswerthester Weise zu Theil wurde.
Ein nicht minder reges Interesse gewann ich fast gleichzeitig
für die Vegetations-Verhältnisse der Balkanländer, deren botanische
Schätze nach Grisebach’s so erfolgreicher Reise vorzugsweise durch
die langjährigen Forschungen Pan£it’s, später dureh die Thätigkeit
Janka’s und Anderer erschlossen worden waren. Auch hier gestattete
das in reicher Fülle mir zu Gebote stehende Material vielfach selb-
ständige Information, vor allem auf dem Felde der Hieraciographie,
da gerade die Habichtskräuter in jenem Gebiete durch eine erstaun-
liche Fülle von Formen vertreten sind, deren Kenntniss umsomehr
an Bedeutung gewinnt, als sich hier die mitteleuropäischen mit den
orientalischen berühren und der Reichthum an Endemismen ein auf-
fallend grosser ist. Da ich in den Stand gesetzt war, so ziemlich das
meiste von dort überhaupt bekannt Gewordene, darunter vieles in
Menge, selbst prüfen und theilweise auch Culturversuche vornehmen
zu können, so übernahm ich später die Bearbeitung der Gattung für
den Catalogus Cormophytorum et Anthophytorum Serbiae, Bosniae etc.
von Ascherson und Kanitz.
Der Aufenthalt der Gebrüder Sintenis in der Dobrudscha
während der Jahre 1872 bis 1875 bot mir ferner Gelegenheit, die
Flora dieses bisher in floristischer Hinsicht fast völlig unbekannt
gebliebenen, dabei in pflanzengeographischer Hinsicht besonders merk-
würdigen Landstriches ausreichend kennen zu lernen. Wiewohl den
Hauptzweck der Expedition ormithologische Forschungen bildeten, so
waren doch die botanischen Sammlungen, welche hauptsächlich der
ältere Sintenis angelegt hatte, ebenfalls werthvoll und beträcht-
lich. Fast 1100 Species von Phanerogamen, die zum Theile von
vielen Standorten und fast durchwegs in sehr instructiven Exem-
plaren aufgelegt waren, ermöglichten der Hauptsache nach die Aus-
füllung einer bisher vielfach fühlbar gewordenen Lücke in der Kennt-
niss der Verbreitung einer erheblichen Zahl von Gewächsen. Ueber
der Publication der im Manuscripte zum grössten Theile längst
beendeten Arbeit hat indessen ein eigener Unstern gewaltet. Da mir
das Gesammtmaterial nur auf eine verhältnissmässig kurze Zeit behufs
Revision zur Verfügung stand und der Sammler später mehrfach
grössere botanische Reisen unternahm, so fehlte es an Gelegenheit,
eine Anzahl gerade der interessantesten Typen, zu deren sicheren
Bestimmung die Benützung grösserer auswärtiger Sammlungen nöthig
gewesen wäre, von neuem zu prüfen, und der in diese Zeit treflendo
Tod Grisebach's, der in gewohnter liebenswürdiger Weise seinen
286
Beistand zugesagt hatte, bewog mich umsomehr, vorläufig von der
Veröffentlichung der vollständigen Arbeit abzustehen, als beinahe
gleichzeitig meine Betheiligung an einem anderen Werke erforderlich
wurde. Nichtsdestoweniger ist wenigstens der grössere Theil der ge-
wonnenen Resultate insoweit verwerthet worden, dass ich für Kanitz's
Enumeratio pl. Romaniae auszugsweise die erforderlichen Angaben
lieferte.
Durch die vorerwähnten Aufgaben, denen sich ähnliche gerin-
geren Umfanges zugesellten, war selbstverständlich meine Thätigkeit
auf dem Gebiete der heimischen Flora wesentlich eingeschränkt wor-
den. Gleichwohl wurden fast alljährlich die bekannt gewordenen Zu-
gänge in den Verhandlungen der botanischen Section der schlesischen
Gesellschaft veröffentlicht, respective näher besprochen und nament-
lich auch kritischen Gattungen, wie Hieracium, Rosa u. s. w. fort-
dauernd besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Da seit dem Erscheinen
der dritten Ausgabe der Wimmer’schen Flora von Schlesien bereits
über 20 Jahre verflossen waren, so wurde inzwischen das Bedürfniss
einer neuen Bearbeitung der schlesischen Phanerogamen ein drin-
sendes und die von anderer Seite vielfach erfolgten Aufforderungen,
einer solchen mich selbst zu unterziehen, wie diess schon vor Jahren
mein eigener Wunsch gewesen war, mehrten sich stetig. Da es indess
keineswegs wünschenswerth erschien, die bisherigen Studien mit einem
Mal abzubrechen, da ferner für eine Anzahl kritischer Gattungen
trotz mehrfacher Vorarbeiten ein genügender Abschluss noch nicht
erreicht war und vor allem es mein Gesundheitszustand immer noch
nicht gestattete, die Provinz in gleicher Weise wie ehedem selbst
nach allen Richtungen von neuem zu untersuchen, so beschloss ich,
freilich nicht ohne inneres Widerstreben, die Lösung der Aufgabe
einem befreundeten Fachgenossen, von dessen Befähigung ich mich
in den letzten Jahren persönlich zu überzeugen Gelegenheit gefunden
hatte, anzuempfehlen.
So unterzog sich denn der Apotheker E. Fiek zu Hirschberg
in Schlesien der Bearbeitung der neuesten Flora unserer Provinz, die
im Jahre 1881 beendet wurde. Ohne Frage wäre ein gemeinsames
Zusammenarbeiten dem Gelingen des Werkes am förderlichsten ge-
wesen und ein solches hätte auch unserem beiderseitigen Wunsche
am ehesten entsprochen, doch war dies wegen der Entfernung der
Wohnorte nicht möglich und so ist denn mein Antheil ein relativ
geringer geblieben. Derselbe beschränkte sich einerseits auf gewisse
Rathschläge, eine flüchtige Durchsicht des Ganzen und auf Einschal-
tung mancher bisher noch nicht veröffentlichter Einzelnheiten, an-
dererseits auf eine etwas ausführlichere Revision gewisser Genera
(speciell Fieracium), welche Fiek ohnehin schon meist auf Grund
der von mir anderwärts gelieferten Vorarbeiten behandelt hatte, sowie
auf die selbständige Ausarbeitung des zweiten Theiles der pflanzen-
geographischen Einleitung, welcher die Vegetationslinien unseres Ge-
bietes behandelt.
287
Für die nächste Zukunft dürfte, wofern es mein Gesundheits-
zustand erlaubt, meiner botanischen Thätigkeit durch den Umstand,
dass ich der deutschen botanischen Gesellschaft als Commissionsmit-
glied für die deutsche Flora angehöre, voraussichtlich ein bestimmtes
Ziel vorgezeichnet sein, ohne dass ich desshalb auf anderweitige
wissenschaftliche Arbeiten Verzicht zu leisten beabsichtige.
Breslau, im Juni 1883.
—i
Flora des Etna.
Von Prof. P. Gabriel Strobl.
(Fortsetzung.)
1387. Vieia narbonensis L. *Biv. cent. II, *Bert. Fl. it. Vartirt
in Sicilien: «. integrifolia (Ser.) DU. Prodr. — «. genuina Gr. Godr.
— narbonensis (Guss. *Syn. et *Herb.! Blättchen ganzrandig oder fast
ganzrandig, Nebenblätter ganzrandig oder sparsam gezähnt, Stengel
und Blüthenstiele zottig, Hülsen an den Nähten langzottig, Zotten
auf kurzen Warzen sitzend. ß. serratifolia (Ser.) Koch Syn., Vicia
serr. Jacg. Guss. *Syn. et *Herb.! Alle Blättchen grob spitzig-ge-
zähnt, Nebenblätter dicht eingeschnitten-gezähnt, Stengel oberwärts
ziemlich kahl, Hülsen an den Nähten langzottig, Zotten auf länge-
ren Warzen sitzend. y. intermedia mihi. Wie £., aber die unteren
Blättchen ganzrandig und nur die oberen grobgezähnt. Auf sonnigen,
buschigen und steinigen Abhängen der Tiefregion Siciliens ziemlich
selten, auch im Gebiete: Aus Catania von Cosentini erhalten (Bert.
l. ce. @.), um Catania (Guss. Syn. «. und %., Cosentini in Herb.
Guss. ß.'!), an bebauten Stellen des Etna Biv. 1. c. «.), an sandigen
Orten des Etna bei Pedara (Herb. Tornab. £.!); var. y. fand ich
häufig im Favorita-Parke bei Palermo. April—Juni. ©.
1388. V. Faba L. Allenthalben ceultivirt in der Tiefregion, vor-
züglich längs der Ostküste, besonders als Nahrung des ärmeren Vol-
kes (!, Philippi); steigt bis über 2000, z. B. um Nieolosi; wird
nach Torn. Cart. oft zerstört von Orobanche pruinosa. Mai, Juni. ©).
1389. V. bithmiea L. Guss. Syn. et *Herb.! Leicht erkennbar
dureh die 1—2paarigen, rundlichen bis eiförmigen unteren und 2-
bis 3paarigen lanzettlichen bis lineallanzettlichen oberen Blättchen,
kurzen, 1—2blüthigen Blüthenstiele und violetten, über 15 Cm.
langen Fahnen; habituell ganz, wie Lathyrus pratensis. Auf Wiesen
und Weiden, in Saatfeldern und Gärten bis über 2000° sehr häufig:
Um Catania (!, Cosent. in Herb. Guss.!, Herb. Tornab.!), Nicolosi
(Herb. Torn.!), in der Ebene des Simeto bis Paternö (!, Herb. Reyer!).
April, Mai. ©).
1390. V. striata M. B. Guss. *Syn., pannonica *Biv. cent. II,
*Raf, Il, non Jacq., pannon. var. ß. Bert. Fl. it. Auf Weiden und
Wiesen des Etna (Biv.1l.e., Biv. in Guss, Syn.); sah kein Exemplar,
DD
O0
[ee]
1391. V. melanops S. Sm. Fl. gr. Prodr. II, 72 (1813), Bert.
Fl. it., trieolor S. M. Fl. rom. Pr. (1813), Guss. *Syn. et *Herb.!
Blättchen 5—9paarig, die unteren verkehrteiförmig-keilig, ausgeran-
det, die oberen länglich-elliptisch mit Stachelspitze; Nebenblätter
halbpfeilförmig, klein, gefleckt; Blüthen hängend, eine sehr kurz ge-
stielte, 1—3blüthige Traube bildend; Fahne gelbgrün, Flügel an der
Spitze sammtig purpurschwarz, Schiffehen gelbbräunlich, kurz, Auf
Laven, in Gärten und Feldern bis 2200‘ sehr häufig: Catania (Co-
sent. und Heldr., Guss. Syn. et Herb.!, Herb. Tornab.!), Licodia,
Misterbianco, Belpasso (Gasparrini in Guss. Syn. et Herb.!), Ni-
colosi (Torn. in Guss. Syn. add. et Herb.!), sandige Orte am Monte
Po bei Pedara (Herb. Torn.!), Lavagründe hinter dem grossen Stein-
bruche bei Catania und gegen Acicastello (Herb. Reyer!), von Cata-
nia bis über Nicolosi stellenweise sehr häufig, z. B. bei Mascalucia,
ebenso um ÖOgnina, besonders gemein längs der Eisenbahn! Mäız,
April. ©.
1392. V. grandiflora Scop. Guss. Syn. et Herb.! Variirt in
Sicilien: «. Scopokana Koch. Syn. Blättchen sämmtlich kurz, fast
verkehrtherzförmig oder verkehrteiförmig, die obersten 1 Cm. lang,
6 Mm. breit; stimmt aufs genaueste mit Exemplaren aus Fiume
und Istrien. ß. Kitaibeliana Koch Syn. = V. sordida W. K. plant.
rar. Taf. 133 (1812), non M. B. (1808). Obere Blättchen länglich
keilig, z. B. bei 15 Cm. Länge 5 Mm, breit; Blüthe kahl, gelb,
über 2 Cm. lang. Zeigt, mit Exemplaren Ungarns, Siebenbürgens,
des Banates verglichen, ebenfalls keine Differenz, ausser dass die
Blättchen der sicil. Exemplare bloss 2—3paarig sind. Hieher gehört
wohl auch die von Bivona piant. ined. p. 10 auf Weiden des Etna
angegebene laccida Biv., die nach Biv. ähnlich der sordida ist. —
In Hainen und an Waldrändern der Tiefregion beide Varietäten nicht
selten: Catania (Cosentini in Herb. Guss.!) im Vallone di Ulli
(Herb. Torn.!), am Amenanus vor Misterbianco, um Motta S. Ana-
stasia, in der Ebene des Simeto bis Paternd! April, Mai. ©.
1393. V. hybrida L. Bert. Fl. it., Guss. *Syn. et Herb.! Blätt-
chen 4—6paarig, schwach zottigflaumig, gestutzt-ausgerandet, die
unteren verkehrteiförmig, die oberen länglich; Blüthen einzeln, axil-
lär, fast sitzend; Fahne zottig-flaumig, den Kelch fast zweimal über-
ragend; Kelchzähne ungleich, pfriemlich, kürzer, als die zottig-Hau-
mige Röhre; Hülsen elliptisch-Jänglich, zottigflaumig, Haare nicht
auf Höckern. Spuria *Raf. Car., *Raf. I, Guss. *Syn. et *Herb!
unterscheidet sich davon nach Raf. und Guss. durch längliche,
stumpfe oder gestutzte, nicht ausgerandete Blättchen, schwefelgelbe,
20—25 Mm. (nicht bleichgelbgrüne, 15—18 Mm.) lange Blüthen
mit an der Spitze verbreiterten Flügeln und zottigen, die Flügel
überragender Fahne; doch sind diese Merkmale so unbeständig und
durch so mannigfache Uebergänge mit denen der hybr. verbunden
(z. B. finden sich selbst im Herb. Guss. Exemplare der hybr. mit
über 20 Mm. langen Blüthen und stark verbreiterten Flügeln!), dass
289
man spuria höchstens als grossblüthige Varietät betrachten kann,
oder, wie Presl F]. sie. that, einfach als Synonym behandeln muss.
Unter Saaten, zwischen Gebüsch, auf Lavaströmen und sonnigen Ab-
hängen bis 3000° beide Varietäten häufig: «.: Aus Catania von Guss.
erhalten (Bert.), um Catania (Cosent. in Herb. Guss., Herb. Reyer!),
Lavagründe um ÖOgnina und gegen Acicastello, auf den Monti Rossi
(Herb. Reyer!), zwischen Catania und Nicolosi! var. ß.: In der Tief-
region des Etna und noch bei Milo (Raf. 1. c.), um Acireale (Guss.
Syn.), Catania alla petriera (Tornab. in Guss. Syn. add. et Herb.!,
Herb. Torn.!), um Ognina, in der Ebene des Simeto, oberhalb S. Ni-
cola dell’ Arena! März, April. ©.
1394. V. hirta Balb. *Bert. Fl. ital, Guss. Syn. et *Herb.!
Besitzt gleich Zutes L. zum Unterschiede von der nächstverwandten
hybrida kahle Fahne, ziemlich breite Kelchzähne und auf Höckern
sitzende, weisse Behaarung der Hülsen, aber bei meinen Exemplaren
der Zutea aus Frankreich, England, Deutschland, Südtyrol und Ober-
italien ist die Pflanze ziemlich kahl oder schwach flaumig, die Blätt-
chen sind 4—7paarig und etwas entfernt, die unteren verkehrteiför-
mig, die oberen länglich, die Blüthen schwefelgelb oder schwach
purpurn, die Hülsen sparsam rauhhaarig; bei hörta hingegen, die von
Toscana bis Sicilien, in Südspanien und Griechenland sehr verbreitet
ist, ist die Pflanze stark abstehend rauhhaarig, die oberen Blättchen
sind 7—10paarig, genähert, lanzettlich-lineal bis lineal, stachelig zu-
gespitzt, die Blüthen weisslich (@. ochroleuca) oder tief purpurblau
(B. purpureo-coerulea m.) die Hülsen dichter und länger rauhhaarig,
Haare auf grösseren Höckern. — Unter Saaten, und auf sonnigen,
krautigen Hügeln beide Varietäten gemein, ein geschätztes Viehfutter:
Aus Catania von Cosent. erhalten (Bert. «., Herb. Guss. £.!), um
Catania überall (Herb. Tornab.! «. und £.), am Wege nach Nicolosi,
äusserst gemein in der ganzen Ebene des Simeto («. und £.!). März
bis Mai. ©.
(Fortsetzung folgt.)
Literaturberichte.
Vöchting Hermann. Ueber die Bildung der Knollen. Physiologische
Untersuchungen. Mit 5 Tafeln und 5 Figuren im Text. Bibliotheka Bo-
tanica, herausg. von Uhlworm und Haenlein 14887, Heft Nr. 4. Cassel,
Theodor Fischer, 55 Seiten. Preis 8 M.
Diese neue gediegene Arbeit des bekannten Physiologen sucht
die Bedingungen festzustellen, welche die Bildung der Knollen und
290
die bestimmte Orientirung der Knollen, d. h. die Localisation verur-
sachen. Die Veranlassung zu einer näheren Behandlung dieses Pro-
blems, „war einmal der Umstand, dass dasselbe Beziehungen zur
Lehre vom Stoffwechsel bot, sodann die Thatsache, dass das Licht
einen bedeutenden Einfluss auf die fraglichen Vorgänge ausübt!“ Verf.
hat in der Arbeit nur Stengelgebilde berücksichtigt, die Wurzel-
knollen sind einstweilen ausser Acht gelassen worden. Am ausführ-
lichsten ist die Knollenbildung der Kartoffel (Sechswochenkartoffel)
studirt worden, ausserdem ist die Knollenentwicklung von Ullueus
tuberosus, von Helianthus tuberosus und von Begonia (egenstand der
Untersuchung gewesen. Die kritische Sichtung der diese Materie
behandelnden Publieationen leitet den ersten grösseren Abschnitt,
der der Kartoffel gewidmet ist, ein. Von hohem Interesse ist das
Auftreten eines halbstengel-, halbknollenförmigen Gebildes, das
Vöchting als Vortrieb bezeichnet und das an der Spitze der
Knollen sich mitunter entwickelt. Verf. untersuchte nun das Verhal-
ten der Knollen mit Vortrieben unter verschiedenen Bedingungen,
im Dunkeln bei verhinderter Wurzelbildung, im Boden ohne Auf-
treten von Laubsprossen, und kennzeichnet die Wechselbeziehung des
Mutterknollens zur jungen Pflanze. Das Resultat der zahlreichen
Versuche besagt, dass es in allen Fällen gelungen ist, den Mutter-
knollen in das System der Pflanze einzufügen, an manchen Objecten
kam der polare innere Gegensatz zwischen Scheitel und Basis des
Knollen in auffallender Weise zum Ausdruck. Der nächste Abschnitt
behandelt die Knollenbildung an oberirdischen Theilen und den
Einfluss von Licht und Dunkelheit und der Schwerkraft. Oberirdische
Knollen können sich wohl im Dunkeln wie im Hellen bilden, im
letzteren Falle nicht einmal 50 selten, wie die Literatur beweist ').
Verf. experimentirte mit Stecklingen, von welchen eine Hälfte mit
ihrem Basistheile in die Erde gesteckt wurde, während die übrigen mit
der morphologischen Spitze in dem Substrate staken. Aus dem Er-
gebnisse konnte gefolgert werden, „dass die. Sprosse der Kartoffel
verticibasal sind, so zwar, dass ausser den Wurzeln an der Basis
die Knollen, an der Spitze die Laubsprossen erzeugt werden“. Das
Licht wirkt auf die Bildung und das Wachsthum der Knollen hem-
mend ein, die Schwerkraft beeinflusst den Knollenbildungsprocess,
„in einer Weise, welche mit den sonst bezüglich der Wirkung dieser
Kraft gemachten Erfahrungen im Einklauge stebt“. Von grossem
Interesse sind auch die Mittheilungen über die Knollenbildung von
Ullucus, Helianthus, von Begonia discolor und B. Boliviensis; auch
die histologischen Verhältnisse erhielten eingehende Berücksichtigung.
Die wichtigsten Vorkommnisse sind auf den fünf Tafeln in natür-
licher, '/, oder */, Grösse abgebildet. Dass ein so genialer, gewis-
senhafter und fleissiger Forscher, wie Vöchting in seiner neuesten
‘) Vergleiche diese Zeitschrift 1886 Nr. 11: T. F. Hanausek, Ober-
irdische Kartoffelknollen.
291
Arbeit uns nur Vorzügliches und für weitere Forschungen Anregen-
des zu bieten vermag, ist von Vorhinein selbstv erständlich, dass aber
eine Verlagshandlung in unserer bücherscheuen Zeit eine derartige Arbeit
so prächtig ausstattet, dass sie überhaupt ein so kostspieliges und
werthvolles Unternehmen, wie die Herausgabe der Bibliotheka
Botanica auszuführen wagt, verdient die vollste rückhaltloseste
Anerkennung. Wir wünschen, dass diese Anerkennung allseits ge-
theilt wird. Dr. T. F. Hanausek.
Repertorium annuum literaturae botanicae periodicae curavit G. C. W.
Bohnensieg, custos bibliothecae societatis Teylerianae. Tom. oct. Pars I.
MDCCCLXXIX. Harlemi, Erven Loosjes, 1886.
Von diesem Jahresverzeichnisse der botanischen periodischen
Literatur liegt uns derzeit der im vorigen Jahre erschienene zweite
Theil des achten Bandes vor, welcher das Jahr 1879 umfasst. Die
Einrichtung und Behandlung des Repertoriums ist genau dieselbe,
wie bei den früheren Jahrgängen. Es wurden von 297 Zeitschriften
oder Organen gelehrter Gesellschaften Auszüge gemacht und dar-
unter zumeist diejenigen bei den einzelnen Abhandlungen eitirt, in
welchen eine Besprechung oder Inhaltsanzeige der letzteren enthalten
ist, in anderen Fällen wurde die ursprüngliche Quelle genannt, und
nur selten ist bloss angegeben, wo lediglich der Titel eines Auf-
satzes hervorgehoben wurde. Die Zusammenstellung der Literatur
in diesem Bande bezieht sich auf die neuen Pflanzenbeschreibungen
von Moosen, Farnen und Blüthenpflanzen, wobei die Angiospermen
der letzteren, und zwar die Monokotylen und Dikotylen für sich, in
alphabetischer Ordnung ihrer Familien gereiht sind. Hierauf folgt
die Literatur der einzelnen Florengebiete und diejenige vermischten
Inhaltes, sowie die der angewandten Botanik, mit einigen Zusätzen
und Ergänzungen zu früheren Abschnitten, namentlich zu dem im
1. Bande dieses Jahrganges enthaltenen Literatur- Verzeichnisse über
allgemeine und specielle Morphologie und über Pflanzenphysiologie.
Ein Index der Autoren-Namen, sowie ein solcher der Pflanzen-Fa-
milien und -Gattungen schliesst den Band zweckmässig ab, welcher
sich wie seine Vorgänger als ein sehr brauchbares Nachschlagewerk
bestens empfiehlt. K.
Stadler, S. Dr. Beiträge zur Kenntniss der Nectarien und Biologie der
Blüthen. Mit 8 lithographirten Tafeln. Berlin (Friedländer) 1886. Preis
8 Mark.
Eine erhebliche Lücke in der botanischen Literatur auszufüllen,
unternimmt es Verf. in der schönen vorliegenden Arbeit, die Ana-
tomie und Physiologie der Nectarien zur Darstellung zu bringen.
Von den 17 eingehend untersuchten Pflanzen nimmt Aselepias Cornuti
besonderes Interesse in Anspruch. Es kommen nach Stadler’s Ausfüh-
rungen bei dieser Pflanze zweierlei Nectarien vor: 1. die tutenförmi-
gen Anhängsel der Staminen, 2. die spaltförmigen „Narbenkammern“,
909
Ohne auf die Fülle weiterer Einzelnheiten einzugehen, mögen von den
schliesslichen Ergebnissen folgende als die wichtigsten hervorge-
hoben werden: 1. Nebst kahlen gibt es auch behaarte Nectarien
(Cydonia iaponica, Melittis Melissophyllum, Oenanthera Lamarkiana).
2. Gefässbündel „bilden einen integrirenden, nie fehlenden Bestand-
theil, wenn auch nicht des Nectariumgewebes, so doch des Necta-
riumbodens.....* 3. Die wichtigsten Inhaltsstoffe der Nectarien sind
Proteinsubstanzen, Glykose (aus Stärke hervorgegangen), Gerbstoff,
oxalsaurer Kalk und fettes Oel. 4. Bezüglich der Secretion sind
vier Modi zu unterscheiden: a) S. durch nicht euticularisirte
Membranen: Kniphofia, Agave, Lathraea. b) Durch Spaltöffnun-
gen (allgemeinster Fall). ec) Durch cuticularisirte Membranen
ohne Abhebung der Cuticula: Lilium auratum, Passiflora
coerulea, Impaticus. d) Durch cutieularisirte Membranen mit
Abhebung der Cuticula: Asclepias Diervilli. — 8 Tafeln mit
155 Figuren erläutern den Text des für die Kenntniss der Nectarien
durchaus werthvollen Buches. Kronfeld.
Die Culturvarietäten der Pflanzen. Von W. O. Focke. Sep.-Abdruck aus
den Abhandl. des Naturw. Ver. Bremen. Bd. IX, S. 447 —468.
In dieser Schrift legt der Verfasser seine Anschauungen über
die Veränderungen vieler Pflanzen nieder, welche durch den Einfluss
der Cultur herbeigeführt werden, er betrachtet die Wirkungen der
Cultur, wie sie zur Entstehung „guter Arten“ beitragen, und wie
nothwendig es für den vorurtheilsfreien Beobachter sei, den Cultur-
varietäten der Pflanzen eine besondere Beachtung zu schenken. Je
nach dem Grade und der Art ihrer Veränderlichkeit durch die Cul-
tur stellt Focke sechs Gruppen zusammen, welche in möglichster
Kürze Folgendes enthalten. I. Gruppe. Die Cultur ändert an den
Pflanzen nichts, als dass sie natürliche Farbenabänderungen, zufällige
Variationen und Mastprodukte ausgelesen, festgehalten und fortge-
züchtet hat. Z.B. Hyacinthus orientalis L., Crocus vernus Al., Nur-
eissus poeticus L. u. v. a. II. Gruppe. Ausser Farbenabänderungen,
wesentlichen Blüthenfüllungen und Mastprodukten dürften am be-
achtenswerthesten die Aenderungen in der Tracht sein, die vielfach
auf einer stärkeren oder geringeren Ausbildung der Seitenzweige be-
ruhen. Z. B. Aster chinensis L., Lobelia erinus L., Mirabilis jalappa
L. ete. III. Gruppe. Während bei den bisher betrachteten Cultur-
gewächsen die Züchtung entweder vorzugsweise auf die Blumen oder
auf den Ertrag an Samen gerichtet war, umfasst diese Gruppe solche
Arten, bei denen man fast ausschliesslich die Grösse und die che-
mische Zusammensetzung (Geschmack, Färbung, Zuckergehalt) ein-
zelner Organe (Wurzeln bei Daucus und Beta, Früchte bei Ribes
grossularia) beachtet hat. Die in der IV. Gruppe vereinigten Cultur-
pflanzen zeigen die gemeinsame Eigenthümlichkeit, dass jede von
ihnen in unseren Gärten als eine äusserst variable Art erscheint,
die zahlreiche Cultursorten geliefert hat, während wir wissen, dass
sie nicht von einer, sondern von zwei oder mehreren wohl unter-
293
schiedenen, natürlichen Grundformen stammt. So sind die „Cinera-
rien“ unserer Gewächshäuser aus Kreuzungen von 5—6 canarischen
und maderensischen Senecio-Arten hervorgegangen. Die Freiland-
Azaleen unserer Gärten stammen aus Kreuzungen von vier nord-
amerikanischen Rhododendron-Arten u. s. w. V. Gruppe. In dieser
sind verschiedene Pflanzen zusammengestellt, welche wegen ihrer
Früchte und Samen gebaut werden, und deren beste Sorten aus
Kreuzungen verwandter Arten oder Unterarten entstanden sind. Die
hybriden Fruchtpflanzen zeigen in einfachster Weise, dass die Leh-
ren über die Sterilität der Pflanzenmischlinge im Prineip völlig un-
haltbar sind. Als Beispiele dienen von Obstsorten unsere Weinrebe,
die Erdbeere, der Apfel- und Birnbaum, ferner eine einjährige Cul-
turpflanze, nämlich die Erbse, deren werthvollste Sorten durch ab-
sichtliche Kreuzungen der weissblumigen (Pisum sativum) und der
buntblumigen (P. arvense) Unterart gewonnen sind. In die VI. und
letzte Gruppe sind jene Culturpflanzen gestellt, deren Formenkreise
aus verschiedenen Arten und daneben oft aus solchen Zwischenglie-
dern bestehen, welche den Eindruck selbständiger Arten machen,
obgleich sie in Wirklichkeit nur aus Kreuzungen hervorgegangen
sind, z. B. Primula pubescens Jacg. aus Pr. Auricula L. X hirsuta
All., Pr. hortensis aus Pr. acaulis Jaeg. X oficinalis Jacq. u. v.a.
Mit eingehenden Betrachtungen über Auslese, Kreuzung, Inzucht
und Ernährungsweise schliesst der Verf. seine interessanten Ausein-
andersetzungen über den Werth des Studiums der Culturvarietäten
der Pflanzen.
H. Braun. Rosae a. ec. d. Dre. Woloszezak in agro leopolitano, anno
1885 lectae. W. Krakowie 1886. 8. p. 4—22, mit einer Tafel.
Nach einer kurzen polnischen Einleitung zählt der Verf. 34
Rosenarten oder Varietäten auf, mit besonderer Berücksichtigung der
literarischen Quellen, mit Standortangaben, klaren kritischen Bemer-
kungen und ausführlichen Beschreibungen der Varietäten. Die Rosen
sind bier als Arten, Subspecies und Varietäten betrachtet. Pimpi-
nellifoliae, Alpinae, Synstylae fehlen ganz, Gallicanae nur
Rosa austriaca var. leiophylla Borb., — Montanae 2, Caninae nudae 5
mit einer Rosa canina subsp. Desvauwii H.Br. (R. olaucescens Desv.
non Wulf.) und R. montivaga subsp. arenicola H.Br. — Caninae
biserratae 5, Can. hispide 1, Can. pubescentes 8, auch R.
coriifolia Fr. mit 5 Varietäten der R. frutetorum Bess. hier gerech-
net. — R. dumetorum subsp. tuberculata Borb. ist vielleicht nicht
die echte dalmatinische Pflanze. welche ich bisher von keinem ande-
ren Standorte gesehen habe. — R. solstitialis und R. frutetorum
sind ausführlich erklärt und mit letzterer wird PR. leopoliensis Blocki
vereinigt; die niederösterreichische A. frutetorum aber zu der von R.
seretana Braun gezogen. R. frutet. var. Silesiaca H. Br. (non Christ)
wurde var. sambucifolia genannt — Caninae collinae sind 3,
Rubiginosae svavifoliae nur 1 (R. rubiginosa var, mieranthi-
formis H. Br., also ohne alle Sepiaceen, Micranthen, Scabraten),
294
Tomentosae 4, Vestitae 4 aufgezählt, also herrschen hier — nach
diesem Aufsatze — besonders die beharrt blättrigen Rosen vor. Aus
den Collinis ist eine PR. sarmatica und R. Wittmanii n. sp. be-
schrieben, die letztere auch abgebildet. Bei Rosa Suferti Kirschl.
ist eine subsp. Herbichä bei R. euvestita Borb. (R. vestita God. non
alior.) eine subspec. polonica und bei Rosa umbelliflora Sw. eine
subsp. sudetica H. Br., neu beschrieben. Zum Schlusse sind die er-
wähnten Rosen im Index zusammengestellt. — Viele Druckfehler! —
Wir empfehlen diese sehr wichtigen Angaben warm jedem Freunde
der Rhodologie. v. Borbäs.
— a
Correspondenz.
Wien, am 4. Juli 1887.
Dass man den Sinn meiner in Nr. 6 pag. 207 dieser Zeitschrift
ausgesprochenen Vermuthung des Grundes anormaler Drüsiekeit
— nicht wird widerlegen können, wusste ich sehr genau, da sie
sich auf die von mir beobachtete Thatsache stützen konnte, dass
bei zahlreichen im Blüthenstadium fraglichen Rosen die charakteri-
stische Drüsigkeit erst im Fruchtstadium zur vollen Entwicklung
gelangt. — Wenn aber der Sinn meiner obeitirten Vermuthung
(nota bene bezüglich einer typisch drüsenlosen Coräfolia - Form)
lautend: „diese Art verspäteter theilweiser Drüsenbekleidung
bei unveränderter Dichte des übrigen Tomentums kann man wohl
nichts anderem mehr als dem Einflusse plötzlicher Tempera-
tur- und Insolationsvermehrung in der Zeit eines Regen-
maximums auf den exponirten Theil des Strauches zuschreiben,
demnach als eine blosse vorübergehende Erscheinung (luxurianter
Entwicklung) erklären* — ausgelegt wird, wie in Nr. 7 pag. 256
(Zeile 2 bis 6 von oben) dieser Zeitschrift steht „wir hätten also
am selben Individuum Zweige (nach einer neuen Theorie —!) zu
beobachten, von welchen die einen sich offenbar eines Regenmaxi-
mums zu erfreuen hatten, während die anderen unter dem gewiss
traurigen Einflusse eines Minimums standen“ (Heinr. Braun!) — so
ist diess eine muthwillige Sinnesverdrehung vor den Augen der
gesammten Lesewelt dieser Zeitschrift, eine Unwahrheit also, die
wohl auf einen Eelat aber......... bei dem Geschichtsschreiber
der österr. Botanik rechnen darf, eine Unwahrheit, insolange bis in
der freien Natur nicht lauter isolirt stehende, sondern sich entweder
in diehte Gruppen oder an verschieden dichten und hohen Waldes-
rändern mehrfach durchschlingende, daher theilweise beschattete
' Sträucher gibt! Es war hier nur von einem vorübergehenden Drüsig-
werden der Petiolen und Serratur typisch drüsenloser Rosen die Rede,
deren Glossiren mich an die schonende Nichtbesprechung der vielen
Mängel der „Beiträge zur Kenntniss einiger Arten der Gattung
Rosa“ Wien 1885 (im Verlage der k. k. zool.-botan. Gesellschaft)
295
des Herrn H. Braun erinnert, welches (Drüsigwerden) für biolo-
gische mit Betrachtungen über die Frage nach der Constanz der Art
innig verknüpfte Fragen immerhin interessant bleibt — was man
hingegen (um nur ein einziges Beispiel zu erwähnen) selbst von
dem Juvel seiner „Beiträge“ d.i. der l. c. Seite 120 (62) beschrie-
benen systematischen Einheit, Rosa glabrata, dessen beide Varietäten (!)
a, fructu globoso, . fructu ovoideo-oblongo eodem in ramo stirpis
(teste Braun!) vereint vorkommen etc., weit weniger sagen könnte.
Selbst die Köpfe unserer erhabensten Species (denn nur von solchen
ist hier die Rede) der R. alpina und R. pendulina vergl. 1. c.
pag. 112 (54) mit ıhren Schwärmen von Varietäten und Subvarietäten
— müssten hierüber bedenklich wanken, und uns armen Rosenfexen
neue Verlegenheiten bereiten! Wenn es aber kein menschliches Begin-
nen ohne Fehler sibt, und der liebe Gott seinen Glückskindern
noch über viele Hundert europ. Genera ein offenes unbetretenes
Feld zur Verfügung stellt, dann ist ein Beginnen mit dem blossen
Vorsatz; „lieber Bestehendes zu verdrängen als Nichtbestehendes
zu schaffen“ ein niemals gänzlich zu rechtfertigendes. ')
J. B. Keller.
Wien, am 8. Juli 1887.
Gestatten Sie mir, Ihnen eine Mittheilung zu machen, die, ob-
gleich von keinem grossen wissenschaftlichen Werthe, doch als ein,
wenn auch kleiner Beitrag zur Flora von Niederösterreich von In-
teresse sein dürfte. Ich habe nämlich heuer im Juni auf der Türken-
schanze in der Nähe des neu angelegten Parkes Vicia pannonica
P. purpurascens DÜ. in wenigen Exemplaren gefunden. Ich erlaube
mir noch zu bemerken, dass bei Vicia pannonica in Neilreich’s
Flora von Niederösterreich die Bemerkung steht: „Vicia purpurascens
DC. kommt hier nicht vor etc.“ Moriz Rassmann.
Lemberg, am 4. Juli 1887.
Folgende interessante, von mir gesammelte Daten aus der
Flora von Lemberg, verdienen dahier erwähnt zu werden: 1. Ga-
lium Wirtgenii F. Schltz., auf sonnigen Grastriften in Kleparöw und
oberhalb dem k. k. Invalidenhause; 2. Flieracium boreale Fries, an
Holzschlägen in Lesienice und Hofosko, spärlich; 3. Salix Caprea
L. f. glabra („foliis fruetibusque omnino glabris“), in einem
einzigen Exemplare auf einer feuchten Wiese in Lesienice. Die von
Herrn Krupa in „Sprawozd. Komis. fizyogr. Krak.“ von Lesienice
angegebene Salix livida Wahlb. wächst in Lesienice gar nicht und
überhaupt nirgends bei Lemberg. Br. Blocki.
Kalksburg bei Wien, am 5. Juli 1887.
Ich erlaube mir einen nicht uninteressanten Fund bekannt zu
geben. So weit ich mich umgesehen, ist in Niederösterreich Carum
*) Mit Diesem betrachten wir die leidige Polemik als allerseits abge-
schlossen. x Die Red.
296
Bulbocastanum bislang nicht angegeben; auf einer Wiese am Gais-
berge fiel mir schon im Vorjahre eine Umbellifere in Frucht auf,
und ich nahm einige Exemplare mit, ohne auf den knolligen Wurzel-
theil besonders zu achten. Neilreich liess mich bei der Bestimmung
ganz im Ungewissen, so dass ich heuer Blüthenexemplare mit Wurzel-
knollen sammelte und nun sicher war, eine für die Flora Wiens
neue Art vor mir zu haben. Mir ist es freilich zweifellos, dass die
Samen dort angebaut wurden; aber der Boden scheint der Pflanze
recht zuzusagen, da sie nun schon mehrere Quadratmeter bedeckt.
Hoffentlich bürgert sich dieselbe immer mehr ein. Auch mehrere
Potentilla-Arten finden sich um Kalksburg, welche immerhin Erwähnung
verdienen. So ist P. incrassata Zimmeter, welche nach Prof. Zim-
meter’s Gruppirung und Aufzählung (Steyr 1884) bei Neuwaldegg
angegeben ist, am Zugberg und Kaufberg gerade nicht selten; P.
Kerneri Borb. fand ich am Zugberg. Eine dritte aus der Gruppe
der Canescentes dürfte vielleicht neu sein, wenigstens bedeutete mir
Herr Blocki, dem ich einige meiner Potentillen zur Bestimmung
sandte, dass die Form eine ausgezeichnete sei. Auch P. serotina Vill.
scheint besonders zwischen Kalksburg und Mauer gerade häufig zu
sein. P. A. Dichtl 8.J.
Brünn, am 6. Juli 41887.
Prof. Alb. Zimmeter hatte die freundliche Gewogenheit meine
Potentillen gütigst zu determiniren und zu revidiren, wofür ich ihm
meinen tiefgefühlten Dank ausspreche. Im Nachfolgenden führe ich
einige interessante Formen an, von denen einige neu sind für die
Flora Mährens. Ich fand: Potentilla decumbens Jord., bei Eiben-
schitz. P. crassa Tausch, am Markrabstvi bei Medlanko. P. obseura
Aut. bei Brünn. P. incanescens Opie., bei Retkowitz. P. Uechtritzii
Zim., an Rainen hinter Husowitz. P. polyodonta Borb., Eisenbahn-
damm bei Billowitz, Schwarzawaufern im Schreibwalde. P. leiotricha
Borb., Misskegel bei Walrowitz. P. Wiemanniana Günth. et Sch., Kl.
Hostihrädek. P. subrubens Borb., Herotitz bei Tischnowitz. P. rubens
Crantz, Brünn, Schimitz, Reigern, Lowtschitz, Wischau, Polehradie,
Kromau. P. aestiva Hall. f., Jureiner Berg. P. explanata Zim.,
erna horä nächst Raitz. P. subarenariana Borb., Schreibwald, Sebro-
witz, P. serotina Vill. Schimitz, Obran, Karthaus, Medlänko, Dou-
bravnik, Kuhberge, Sebrowitz, Schreibwald, Inndorf, Bysterz. P. opaca
L. x arenaria Borkh., Kuhberge bei Brünn. P. subopaca Zim., Gel-
ber Berg und Raine bei den Pulverthürmen bei Brünn. P. turi-
censis Siegfrd., Melatina Thal bei Billowitz. P. autumnalis Opie.,
Purkwathal bei Blansko. Dr. Formänek.
Budapest, am 8. Juli 1887.
Um mir die mir fehlenden und vergriffenen Jahrgänge 1856
und 1857 Ihrer Zeitschrift zu verschaffen, war ich genöthigt eine
ausgebotene complete Serie von 1851—1835 zu kaufen, so dass ich
Jetzt die Jahrgänge 1851—1855 incl. und 1858—1885 incl. doublet
297
besitze. Ich würde diese 33 Bände, tadellos erhalten und gebunden,
für 80 fl. abgeben. Ludwig Richter.
(Sugar ut 3.)
Budapest, am 10. Juli 1887.
Durch die schönen Tilien-Exsiecaten, welche mir Freund H.
Braun geschenkt hat, angeregt, habe ich heuer die Ofner Tilia-
Arten näher untersucht, obgleich ich schon vom Jahre 1884 eine
ziemlich reiche Tiliensammlung besitze. Am interessantesten war es
mir, hier zwei hybride Tiia zu entdecken: eine 7". platyphyllos X
super- Ulmifolia (T.’subparvifolia m.) zwischen dem Leopoldifelde und
dem sogenannten Thiergartenwalde bei Ofen, welche auch, was die
Blüthezeit betrifft, zwischen den genannten Eltern eine wahre Mittel-
form ist Sie blühte am 29. Juni, wo die Formen der 7. platy-
phyllos und T. europaea L. (T. intermedia autor., non Host) ver-
blüht waren, an 7’. Ulmifolia aber noch keine oder nur wenig
geöffnete Blüthen waren. Diese 7. subparvifolia ist der T. Ulmi-
folia näher stehend, aber die untere Seite der kleineren Blätter nicht
so weisslich, doch viel blässer, als jene der 7. plathyphyllos oder
europaea; die Nerven sind spärlich behaart, hie und da auch die
jungen Zweige. Neben dieser Linde steht eine besondere Varietät
der T. yyramidalis Host, welche so breite Bracteen besitzt (3—4 Cm.
breit), wie ich es bisher an anderen nicht gesehen habe. Diese bis
zum Grunde des Fruchtstieles herablaufenden Bracteen sind ausser-
dem über 10 Cm. verlängert. Ob nun diese var. latissima m. eigent-
lich zu der T. pyramidalis Host „fructu angulato“, oder zu der 7
Hosteana m. (T. intermedia Host) „fructo rotundo* gehört, werde
ich erst im Herbste sehen. — Bei dem „Saukopfe“ habe ich eine
andere Hybride gefunden. Sie ist mehr eine Tilia super-europaea X
Ulmifolia (T. subflavescens m.) und mit Viscum album stark belastet.
Sie stand am 3. Juli in schönster Blüthe, hat grosse, kahle Blätter,
die Vorderseite ist etwas gelblich-blass, bedeutend blässer als bei
T. europaea; auch die Blüthen gelblich, wesswegen der Baum schon
von Weitem gelblich aussah. Sowohl an der 7’. subparvifolia als
auch T'. subflavescens war die Inflorescenz ungefähr sechsblüthig.
Die letztere, welche viel länger zugespitzte Blätter besitzt als die
£ 2 könnte man wohl zu der T. pallida Wierzb. als
Varietät ziehen, aber bekanntlich hat 7. pallida zu lange Bracteen,
und weissliche Petala wie die 7. Ulmifolia. — Auch andere inter-
essante Tilien habe ich bei Ofen gesammelt, wie 7". vitifolia und
pyramidalis Host, T'. lava Wollny! welche so geformte Blätter besitzt,
wie die T'. corylifolia Host, sowie sehr lange ins Röthliche spielende
Bracteen, ferner T. Ulmifolia var. maior Spach, T. platyphyllos var.
luriflora Spach ete. — In dem Monorer Walde fand ich Erodium
eilreichii Jka., aber keinen Dianthus polymorphus (nur D. Ponte-
ae), bei Ofen sammelte ich viele Potentillen, darunter auch P.
; und brachyloba m., Inula semihirta und J. Hausmanni,
ei den Kalköfen im Kühlen Thale. Da steht‘ die Quercus hiemalis
Oesterr. botan. Zeitschrift. 8. Heft 1887, 24
298
Stev. (@. pedunculata var. australis Heuff. non Link 1819) mit
17 Cm. langen Fruchtstielen. ®. extensa Schur gehört nicht hieher,
denn eine kahlblättrige Form hat zwar lange (5—7 Cm.) Frucht-
stiele (herb. palat. caes. Vindob. und univers. Leopol.), aber die
Blätter sind bei dieser 15 Cm. lang, also die Länge der Fruchtstiele
im Vergleiche dieser entspricht nicht der @. hiemalis Stev. (@. fili-
pendula Jka. Vuk.), @. extensa Schur „foliis..... subglabris, margine
pilosis“, betrachte ich aber als ein Synonym der behaartblättrigen
Stieleiche (@. pedunculiflora C. Koch). Die „herrliche Jurinea*
(Oe. botan. Ztschr. 1887, p. 258) dürfte meine J. subdecurrens sein,
welche durch die halbherablaufenden Blätter besonders von J. macro-
calathia C. Koch verschieden ist. Fleracium Herculis m. 1875 (H.
Heufeli Jka., non Gris. 1852) halte ich für einen Bastard von einer
Form des H. Pilosella mit H. sabinum oder mit einer Form des
H. cymosum. v. Borbäs.
Personalnotizen.
— Dr. Moritz Willkomm wurde zum Rector der deutschen
Universität in Prag gewählt. |
— Dr. H. @. Reichenbach erhielt das Comthurkreuz des
sächsischen Albrechtsordens.
— Hofrath Dr. A. Kerner Ritter v. Marilaun hat eine Be-
rufung an Stelle des verstorbenen Professors Eichler nach Berlin
erhalten und dieselbe trotz der glänzenden Aussichten abgelehnt.
— Professor Dr. P. Ascherson ist von seiner ägyptischen
Reise am 29. Juni wohlbehalten in Berlin wieder eingetroffen.
Vereine, Anstalten, Unternehmungen.
— Monatsversammlung der k. k. zoologisch-botanischen
Gesellschaft in Wien, am 6. Juli 1887. Dr. Kronfeld hielt einen
Vortrag über das Ergrünen von Keimlingen. Hierauf besprach unter
Demonstration an mitgebrachten Exemplaren Dr. Ritter v. Wett-
stein einige neue Funde im Bereiche der niederösterreichischen Flora.
als: Bunium Bulbocastanum auf dem Geisberge bei Rodaun. Diese
Umbellifere wurde schon früher von anderen Botanikern (H. Braun)
am selben Standorte gefunden, scheint dort jedoch eingeschleppt zu
sein, und dürfte bald wieder verschwinden; — Sedum micranthum
Bast. apud DC. im Gurhofgraben bei Aggsbach; Saussurea hybrida
Wettstein (S. pygmea X discolor) von der Veitsch. Derselbe sprach
ferner über eine noch näher klarzustellende neue Form des T'hlaspi
montanum, und zeigte schliesslich einen merkwürdigen Fall von
299
Faseiation an einem lebenden Exemplar von Zilium candidum.
Selbes ist vierzehnstengelig und trägt circa 100 Blüthen.
M. Prihoda.
—
Sammlungen,
„Herbier general analytique.*“ Da den öffentlichen Her-
barien: die einzelnen Theile der Pflanze, welche zur Bestimmung
derselben nothwendig sind, nur selten, meist aber gar nicht heige-
geben sind, dieselben vielmehr durch den Trocknungsprocess oft
unbrauchbar werden, so hat sich M. Buysmann in Middelburg
(Holland) zur Herausgabe obigen Herbars veranlasst gesehen, umso-
mehr als Proben davon eine günstige Beurtheilung fanden. Dasselbe
umfasst vorläufig nur Phanerogamen und werden jeder Species bei-
segeben: 1. Analysen auf dem Herbarbogen, einzelne gut erhaltene,
zur Bestimmung wichtige Organe der Pflanze. 2. Analysen von flei-
schigen Organen in Alkohol, damit sie mit der Lupe oder mit dem
Mikroskope untersucht werden können. 3. Früchte und Samen, kleine
fleischige Früchte, wie Beeren etc. sind ebenfalls im Alkohol bei-
gegeben. Man kann auf Medicinalpflanzen, auf technische, ornamen-
tale, seltene oder kritische Pflanzen subscribiren. Der Preis beläuft
sich für die Species der aussertropischen Pflanzen auf Mk. 1.—,
für die der subtropischen oder tropischen Gewächse auf Mk. 2.—.
Auf Wunsch werden Proben von Pflanzen oder Analysen zur Be-
gutachtung eingesendet.
Botanischer Tauschverein in Wien.
Sendungen sind abgegangen an die Herren Aust, Koener,
Callier.
Aus Niederösterreich eingesendet von Aust: Allium Scorodo-
prasum, Amaranthus silvestris, Borago oficinalis, Bryonia alba,
Carex Hornschuchiana, Cephalanthera pallens, Cerastium glutinosum,
Chenopodium murale, Festuca pallens, F. stricta, Fumaria Schlei-
cheri, Galium austriacum, Geranium molle, Hypericum montanum,
Linum austriacum, Lonicera pallida, Malcolmia africana, Marru-
bium remotum, M. vulgare, Melica uniflora, Mwyosotis hispida, M.
stricta, Orobanche Epithymum, ©. gracilis, Polygonum mite, Poly-
podium Bobertianum, Potentilla caulescens, P. Windobonensis, Rosa
spuria, Bubus bifrons, BR. Wahlbergi, Rumen Patientia, Saliv Mau-
ternensis, Nenecio paludosus, Tragus racemosus, Viola austriace, V.
collina, V. mirabilis, V. multicaulis.
Aus Böhmen eingesendet von Pastor: Arabis Haller, Aspi-
dium dilatatum, A. Filie mas, Athyrium Filix femina, Bartsia al-
x
300
pina, Circaca alpina, Ouscuta major, Polypodium Druyopteris, Polyp.
Phegopteris, P. vulgare, Potentilla aurea, Pulsatilla alpina, Ranun-
culus aconitifolius, Viola lutea.
Aus Oberösterreich eingesendet von Steininger: Campanula
barbata, Cineraria rivularis, Daphne Oneorum, Gentiana nivalis,
Hieracium villosum, Lunaria rediviva, Potentilla longifolia.
Aus Niederösterreich eingesendet von Dr. Richter: Anthyllis
affinis, Arabis sagittata, Carex strigosa, Cotoneaster tomentosa, Glau-
cium flavum, Hieracium amplewicaule, Jurinea mollis, Melampyrum
barbatum, Ononis procurrens, Prunus Chamaecerasus, Schoenus fer-
rugineus, Viola ambigua.
Aus Ungarn eingesendet von v. Degen: Artemisia annua, A.
lednitzensis, Astragalus austriacus, A. exscapus, Crypsis ac uleata,
Dianthus Pontedei ‘a2, Echium rubrum, Geranium lucidum, Lepi-
dium erassifolium, Ononis hircina, Poa sterilis, Polygonum gramini-
folium, Ranunculus lateriflorus, Scutellaria Columnae, Thlaspi Jan-
kae, Trinia vulgaris, Walerianella Morisonii var. dasycarpa, Viola
maulticaulis. Aus Niederösterreich: Echinops ruthenicus.
Öbige Arten können nach beliebiger Auswahl im Tausche
oder käuflich die Centurie zu 6 fl. (12 R. Mark) abgegeben werden.
Inserat.
Verlag von Julius Springer in Berlin N.
Soeben erschien:
Die
Flechten Deutschlands.
Anleitung
zur
Kenntniss und Bestimmung der deutschen Flechten
Von
P. Sydow.
Mit zahlreichen in den Text gedruckten Abbildungen.
Preis M. 7.—
Zu beziehen durch jede Buchhandlung.
Redacteur und Herausgeber Dr. Alexander Skofitz. — Verlag von ©. Gerold’s Sohn.
C. UVeberreuter’sche Buchdruckerei (M. Salzer) in Wien.
Oesterreichische
Botanische Zeitschrift,
Die österreichische Exemplare
botanische Zeitschrift Organ die frei durch die Post be-
erscheint zogen werden sollen, sind
den Ersten jeden Monats. für blos bei der Redaction
Man pränumerirtauf selbe : (IV. Bez., Münlgasse Nr. 1)
mit 8 fl, öst. W zu pränumeriren.
“= Botanik und Botaniker. „" Ne
ganzjährig, oder mit Buchhandels übernimmt
4 fl. öst. W. (3 R. Mark) Pränumeration
halbjährig. Brög €. Gerold’s Sohn
Inserate in Wien,
die ganze Petitzeile N: ES sowie alle übrigen
15 kr. öst. W. 2) = Buchhandlungen.
x
XXXVIL Jahrgang. WIEN. September 1887.
INHALT. Zur Rosenflora von Agram. Von Vukotinovic. — Hieracium polonicum. Von Btocki.
— Flora von Nord-Mähren. Von Dr. Formänek. — Hieracien. Von Schneider. -— Tirol-Fahrt.
Von Freyn. — Flora des Etna. Von Strobl. - Literaturberichte. — Correspondenz. Von Wies-
bauer, Spitzner, Formänek, v. Borbäs, Blocki. — Personalnotizen. — Vereine, Anstalten,
Unternehmungen. — Sammlungen. — Botanischer Tauschverein.
Zur Rosenflora von Agram.
Von L. v. Vukotinovic.
Die Umgebung Agrams zeichnet sich bekanntermassen durch
keinen besonderen Reichthum ihrer Flora aus; eine Ausnahme von
dieser Thatsache bilden besonders die Quercus und Rosen — und
ich werde nicht irren — wenn ich noch die Rubus hinzufüge. Da
ich mich aber bisher an den Rosen schon hinreichend zerstochen
habe, so hatte ich nicht den Muth mit einer ähnlichen Gattung
anzubinden.
In meiner letzten Abhandlung von 1886 führe ich 160 theils
Arten, theils Formen und Varietäten von Rosen an, die in der Um-
Er Agrams und im Küstenlande vorkommen; wenn wir von
ieser Summe 50—60 abziehen, die im Küstenlande oder in ent-
fernteren Gegenden wachsen, so bleiben noch immer für die zunächst
um Agram liegenden Gegenden 100 Rosen, die sich mit voller Be-
rechtigung unterscheiden und trennen lassen; ich bin aber überzeugt,
dass ein geübterer Rhodologe, oder ein vielleicht weniger strenger,
noch so manche Rose finden würde, die besonders hervorgehoben zu
werden verdiente.
Die Klagen sind nicht unberechtigt, dass man mit den Rosen
zu viel herumwirthschaftet, je nun wir müssen bedenken, dass diesen
- Läuterungs-Process auch andere Gattungen durchmachen mussten,
. 2. B. Hieracium, Mentha, Rubus, Epilobium, Euphrasia, Gentiana
ee. ete., ist einmal die Krisis beendet, wird so manches ausgeschieden
und das lebensfähige verbleibt. Bei meinen ununterbrochenen Excur-
sionen findet sich noch immer etwas, was, wenn auch nicht stets
Ossterr. botan. Zeitachrift. 9, Haft. 1887 25
302
von mir, so doch ganz gewiss von den scharfen Augen des Magist.
pharm. Eduard Wormostiny entdeckt wird. Als Nachtrag zu der
oberwähnten Abhandlung theile ich die Beschreibung von folganden
drei Rosen mit:
I. Rosa hyprida Schleich. fr. setosissima Vuk.
Strauch niedrig, vielstämmig, theilweise mit kräftigen
gebogenen oder geneigten Stacheln, theilweise mit pfrie-
migen, dünnen, zahlreichen Nadeln und gemengten schwarz-
drüsigen Borsten reichlich besetzt; (die Nadeln und Borsten
zum Theil im Sommer abfällig) Blättchen etwas lederartig 5, oval-
spitzlich, oder eiförmig, rundlich gekerbt, gezähnt, die meisten Zähn-
chen eingeschnitten; oberseits glatt, unterseits graugrün, kleinhaarig,
Mittel- und Seitennerven leicht behaart und schwarzdrüsig; Blattstiele
flaumig und weich bestachelt, mit dunkeln Drüsenblüthen besetzt,
die Stacheln häufig auf die Mittelrippe übergehend; Nebenblättchen
lanzettlich, Oehrchen und Randseiten drüsig bewimpert, unterseits
glatt, äusserlich fläumlich behaart und drüsig; Deckblättchen lanzettlich
gleich lang oder kürzer als die Blüthenstiele; Blüthenstiele und
Receptakeln drüsig-borstig, Kelchzipfel zwei ganz, am
Rande filzig; die drei äusseren gefiedert, die Fiederlappen
dunkel und gestielt-drüsig; Blumenblätter lebhaft rosa; Schein-
frucht klein, vertrocknend, borstig; Scheibe konisch,
Griffel lang, locker, unbehaart.
Am Berge Maicenovo, am Waldrande, oberhalb dem Dorfe
Zvetaj nächst Gratan unweit Agram. Zwischen den vielen Abände-
rungen, die in dieser Rosenreihe hier besonders häufig erscheinen,
steht diese Form vereinzelt da, mit ihren niedrig gedrängten strauch-
artigen, vielstämmigen und vielzweigieen Habitus und besonders
mit ihrer zahlreichen zwei-dreierleiartigen Bestachelung. (Detexit
Wormostiny.)
II. ad sepiaceas. Rosa semiscabra. Borb. et. Vuk. (Rad.
südsl. Akad. Bd. 83, 1886 unrichtig beschrieben, jetzt rectifieirt.)
Strauch 1—1'/, M. hoch; Aeste locker; Stacheln kurz, gebogen;
Blüthenzweige selten mit zerstreuten Borsten oder Nadeln besetzt;
Blättchen 5—7, oval, elliptisch, kurz, gespitzt oder spatelförmig,
einfach gesägt, die Zähnchen jedoch klein eingeschnitten und drüsig;
oberseits kahl, unterseits an den Rippen behaart und drüsig; Blatt-
stiele flaumig, zerstreut drüsig und bestachelt; Nebenblättehen am
Rücken und den Rändern drüsig, Blüthenstiele kahl, Kelchzipfel ge-
fiedert und drüsig gewimpert, nach der Blüthe zurückgeschlagen
von der reifen Frucht abfällig; Blüthen ziemlich gross, blassrosa;
Scheinfrüchte mittelgross, rundlich; Griffel behaart.
Dr. Borbäs hatte ursprünglich die R. Zagrabiensis Braun
und Vuk. semiscabra benannt, was mir unbekannt blieb und ich
hatte einer zweiten Rose den Borbäs’schen Namen gegeben, deren
Beschreibung ich hiermit veröffentliche; R. semiscabra dem Habitus
nach der R. Zagrabiensis ähnlich, jedoch von derselben sehr ver-
schieden; erstens fehlt der resinose Geruch, die Früchte sind kleiner
309
und rundlich, endlich sind die Kelchzipfel zurückgebogen; — bei
R. Zagrab. sind die Scheinfrüchte gross, kuglig, birmförmig, Kelch-
zipfel aufgerichtet. AR. semiscabra kommt an Waldrändern und son-
stigen schattigen Stellen vor bis in die höheren Berge reichend; ist
ein lockerer Strauch, während R. Zagrab. dicht gedrängt bogig und
sehr reichblühend ist.
III. Rosa glauca Vill. fr. salieifolia Vuk. Strauch kräftig, bis
2M. hoch; Hauptstamm schwach bestachelt; Stacheln gerade, kurz,
an den bogigen Zweigen kurz und hakig, zahlreiche Blüthenzweige
verlängert kniebogig blattlos und gabelig getheilt; Blätt-
chen 5—7, lanzettlich, an beiden Seiten verdünnt (ähnlich
den Weidenblättern), einfach gezähnt, mit hin und wieder einge-
schnittenen Zähnchen graugrün, beinahe beiderseits gleich; der
Mittelnerv verdickt. Blattstiele an der Basis fläumlich zuweilen mit
einem Stächelchen versehen; Nebenblättchen ziemlich breit oval,
lanzettlich mit tiefen zugespitzten Oehrchen beiderseits fläumlich,
kleindrüsig gerändert, am Rücken und Basis röthlich; Deckblätter
verbreitert, den Blüthenstielen gleich oder blattartig und überragend;
Blüthenstiele kahl einzeln verlängert; Receptakeln eiförmig;
Kelchzipfel lanzettlich, verlängert; die drei äusseren gefiedert
beiderseits befläumelt, an den Rändern filzig, nach der Blüthe
rückgebogen, bald darauf gehoben, ausgebreitet, theil-
weise aufrechtstehend, vor der Reife abfällig; Blüthen mittel-
gross, rosa; Scheinfrucht eiförmig, kugelig, ziemlich gross;
Scheibe klein, Griffel kurz, köpfig, diehthaarig oder wollig.
In den Hecken an der Strasse Bienik-Salata; auch an anderen
Orten, aber jedenfalls seltener.
Die Bestachelung, die Farbe der Blätter, dann die ausgebreiteten
später aufgerichteten Kelchzipfel veranlassten mich diese Rose zu
den Montanen im Allgemeinen und insbesondere in den Formenkreis
der Glauken zu stellen. Besondere Merkmale die Rosa salieif. unter-
scheiden, führe ich gar nicht an, weil eben Alles an ihr eigenthümlich
und verschieden ist.
Hieracium polonicum n. spec.
“ Von Br. Blocki.
Diagnose: Rhizom schief, unterirdische Ausläufer treibend.
Ausläufer röthlich, nur an der Spitze beblättert, sonst schuppig,
schwach behaart, 2 Mm. dick, bis 1:5 Dem. lang. Stengel an der
Basis meist röthlich, steif aufrecht, 2—6 Dem. hoch, fein längsge-
streift, nur im unteren Theile beblättert. Blüthenstand doldenris-
pig, vor dem Aufblühen geknäuelt, später -- weitschweifig locker,
15—30köpfig. Blätter intensiv grün, schwach glänzend, dünn,
im getrockneten Zustande papierdünn. Grundständige Blätter auf-
25
304
recht abstehend, lanzettlich länglich im oberen Drittel am
breitesten, zur Basis allmälig verschmälert, stumpflich, an den
Rändern entfernt gezähnelt, 12—20 Um. lang, 2—3 Cm. breit,
mit deutlich hervortretendem, im unteren Theile meist röthlichen,
2 Mm. dickem Mittelnerv. Stengel im unteren Theile vierblättrig,
die Blätter decrescirend, von der Gestalt der Grundblätter, jedoch
zugespitzt, das oberste zweimal kürzer und schmäler als das
zweitnächste. Blühendes Köpfchen 7 Mm. lang (ohne Ligulae), 4 Mm.
breit, ziemlich allmälig in den Stiel verschmälert; Fruchtköpfehen
5 Mm. breit. Ligulae schmal, tief goldgelb; Blüthenscheibe
15 Cm. im Durchmesser; Hüllschuppen schmal lineal, stumpflich,
etwas über 0°5 Mm. breit, an den Rändern blassgrün. Blätter bei-
derseits mit weisslichen, 1 Mm. langen, abstehenden, ziemlich
steiflichen Haaren sehr dicht besetzt; die Behaarung des Blatt-
randes (besonders gegen die Blattbasis hin) und des Mittel-
nerves unterseits zweimal länger, rückwärts gerichtet. Ueberdiess
tragen die Blätter in der ersten Jugend auf der Unterseite eine
ziemlich reichliche Flockenbekleidung, welche jedoch bald gänz-
lich verschwindet. Die Behaarung des Stengels ist sehr dicht auf-
getragen: die Haare weisslich, wagrecht abstehend (an der
Stengelbasis zurückgekrümmt), im unteren Theile des Stengels,
sowie dicht unter dem Blüthenstand und an den Köpfchenstielen
und Hüllblättchen fast 2 Mm. lang, sonst nur etwas über 1 Mm.
lang; die Haare an der Spitze des Stengels und innerhalb des Blü-
thenstandes sind in ihrer unteren Hälfte schwärzlich. Die Flocken-
bekleidung des Stengels verschwindet schon in der Mitte des Stengels
fast gänzlich; gegen den Blüthenstand hin bedecken die Sternhaare
den Stengel und ebenso die Kopfstiele ziemlich dicht. Der obere
Theil des Stengels (besonders dicht unter dem Blüthenstande), die
Köpfchenstiele und die Hüllblättchen besitzen ausserdem eine sehr
reichlich aufgetragene Bekleidung, bestehend aus sehr kurzen
(kaum 0°5 Mm. langen) drüsentragenden Haaren.
Standort: In Holzschlägen und auf Waldwiesen in ganz Ost-
galizien gemein. Auch besitze ich diese Art aus Kongress-Polen
(legit. Karo pro H. pratensi, und aus Mähren [legit. J. Bubela)]).
Bemerkungen: Was die systematische Verwandtschaft anbe-
langt, so steht mein ZH. polonicum dem borealalpinen H. aurantia-
cum L. am nächsten, namentlich bezüglich der Blattfarbe und der
Bekleidung der Blätter, es unterscheidet sich jedoch von demselben
auf den ersten Blick durch kürzere und viel lichtere Behaarung der
Blüthenköpfehen und des obersten Stengeltheiles, durch fast dreimal
kleinere Blüthenköpfchen und endlich durch goldgelbe Blüthenfarbe.
Von H. pratense Tausch, mit welchem alle galizischen Floristen
(auch v. Uechtritz) mein H. polonicum confundirt haben, unter-
scheidet sich dasselbe sehr erheblich durch rein grüne (nicht grau-
grüne), dünnere, nur in der ersten Jugend mit Sternhaaren bekleidete
Blätter, kürzere und steifere Behaarung des Stengels, durch fast
Aue ME MÜTTEE
305
zweimal kleinere Blüthenköpfchen, dunklere Blüthen und end-
lich durch schmälere Ligulae.
— dt —
Beitrag zur Flora des nördlichen Mährens und des
Hochgesenkes.
Von Dr. Ed. Formänek,
k. k. Professor am böhmischen Gymnasium in Brünn.
(Fortsetzung.)
Gymnadenia conopsea R. Br. D. Märzdorf, Beckengrund, Buchels-
dorf, Peterstein, Saugraben, Bärmuttergraben, Janowitz, Perschl,
u. a. OÖ. bei Römerstadt, Irmsdorf.
— albida Rich. Saugraben, Bärmuttergraben, Fr. Jagdhaus, Gr.
Hirschkamm.
Epipaetis latifolia All. Gr. Ullersdorf (Oborny), Bradelsteine bei
D.Liebau, Petersdorf, Rubenseifen, Zöptau, Marschendorf, Bu-
chelsdorf, Neudorf, D. Märzdorf, Wüst-Seibersdorf, Reigersdorf,
Pföhlwies, Jeppersdorf, Blauda, Nikles, Altvaterwald, Goldenfluss,
Kl. Mohrau, Krondörfl, Blaschke, Kleppel, Wermsdorf, Kies-
graben, Kriech, Janornitz, Römerstadt, Gundersdorf, Bautsch.
Neottia nidus avis Rich. Kleppel, Berggeist, Römerstadt.
Iris pseudoacorus L. Blauda.
Euphorbia duleis L. «. lasiocarpa Neil. Oborn. Fl. v. M. u. 6.
S. p. 281. Gr. Ullersdorf, Buchelsdorf, Neudorf, Brünnel bei D.
Märzdorf, Wüst-Seibersdorf, (Hinterbusch u. a. O.), Pföhlwies,
Wald bei der Ruine Neuhaus, Nikles, Altvaterwald, Kl. Mohrau,
Wermsdorf, Kiesgraben, Hochwald bei Janovitz, Römerstadt.
— amygdaloides L. Wigstadtl, Lautsch, Pohorter Wald und Scheuer-
grund bei Odrau.
— esula L. Verbreitet und noch bei Gr. Ullersdorf, Blauda und Römer-
stadt.
— cyparissias L. Gemein, in höheren Lagen: Ohrenberg bei Bu-
chelsdorf, Janowitz, Römerstadt.
Mercurialis perennis L. Wiesenberg, Mähr. Schönberg (Oborny),
Gr. Ullersdorf, Buchelsdorf, D. Märzdorf, Wüst-Seibersdorf,
Reigersdorf, Pföhlwies, Blauda, Nikles, Altvaterwald, Kleppel,
Berggeist, Janowitz, Römerstadt, Wigstadtl, Lautsch, Odrau.
Alnus incana DC. Buchelsdorf, Winkelsdorf, Janowitz.
Betula verrucosa Ehrh. In kleinen geschlossenen Beständen bei Gr.
Ullersdorf, Marschendorf und Blauda.
Fagus silvatica L. Strauchartige Exemplare am Gr. Hirschkamm
und auf der Hohen Haide.
%
306
Salix wiminalis L. Gr. Ullersdorf, B. Märzdorf, Nikles.
— silesiaca Willd. Saugraben, Bärmuttergraben, Hohe Haide, Gr.
Hirschkamm.
— caprea L. Gemein, am Hutberge bei Gr. Ullersdorf, eine inter-
essante virescentia.
Rumex sanguineus L. D. Liebau, Bautsch, Wigstadtl, Lautsch,
Odrau (Schlosser). y
— obtusifolius L. «. silvestris Wall. sp. Celak. Prodr. F. B. p. 157.
Gr. Ullersdorf, Philippsthal, Neudorf, Beckengrund, D. März-
dorf, Wüst-Seibersdorf, Reigersdorf, Nikles, Kl. Mohrau.
— aquaticus L. Um Odrau.
— alpinus L. Bärenkamm, Peterstein, Saugraben, Gr. Hirsch-
kamm.
— arifolius All. Vom Gr. Hirschkamm bis zum Berggeist und
Kleppel hinuntersteigend.
Polygonum bistorta L. Ullersdorf (Oborny) Rabenseifen, Petersdorf,
Reitendorf, Marschendorf, Philippsthal, Wiesenberg, Wermsdorf,
Buchelsdorf, Goldenfluss, Kl. Mohrau, Krondörfi, Wahlbergsdorf,
Blaschke, Janowitz, Neufeld, Römerstadt, Irmsdorf, Gr. Stoll,
Wigstadtl, Odrau.
— amphibium L. Römerstadt.
— minus Huds. D. Liebau.
— convolvulus L. Gemein, in kühleren Lagen bei Janowitz, Römer-
stadt und Irmsdorf.
— fagopyrum L. Verwildert beim Pföhlwies und bei Altvaterwald.
Chenopodium bonus Henricus L. Gemein und noch bei Kl. Mohrau
und Römerstadt.
Urtica dioica L. Gemein, var. subönermis Uechtr. bei der Tess in
Gr. Ullersdorf, Trausnitz bei Petersdorf, bei der Oppa unter-
halb der Schäferei, Hochwald bei Janowitz, Römerstadt.
Bryonia albaL. An Zäunen und in Hecken bei Blauda, B. Märzdorf
und Nikles.
Canabis sativa L. Verwildert bei Gr. Ullersdorf.
Daphne mezereum L. Wiesenberg, Zöptau, Gr. Ullersdorf ete.
(Oborny!), Rabenseifen, Rudelsdorf, Buchelsdorf, Beckengrund,
Deutsch Märzdorf, Ludwigsthal, Pföhlwies, Nikles, Werms-
dorf, Kiesgraben, Kriech, Franz. Jagdhaus, Hochwald bei Jano-
witz, Grundwald u. a. O. bei lömerstadt, Wigstadtl, Odrau.
Thesium alpinum L. Peterstein, horizontaler Weg von der Schäferei
zum Franz. Jagdhaus, Saugraben, Gr. Hirschkamm, Schiefer-
heide, Backofensteine, Hörndlsteine, Hofberg, Berggeist.
Asarum europaeum L. Gemein und noch auf der Kriech.
Jasione montana L. Verbreitet in der Gr. Ullersdorfer Mähr. Schön-
berger, Kl. Mohrauer, Römerstädter, Bautscher und Odrauer
Gegend.
307
Phyteuma spicatum L. Petersdorf, Rabenseifen, Zöptau, häufig bei
Gr. Ullersdorf, Buchelsdorf, Neudorf, Ludwigsthal, Reigersdorf,
Pföhlwies, Blauda, Goldenfluss, Kl. Mohrau, Wermsdorf, Klep-
pel, Dämimbaude, Peterstein, Saugraben, hier Ende August
blühend, Bärmuttergraben, Kiesgraben, Gr. Hirschkamm, Back-
ofensteine, Hofberg, Berggeist, Wigstadtl, Odrau. Var. sphaero-
cephalum mihi. Blüthenspindel verkürzt, Blüthenähre fast
kugelförmig, Pflanze niedriger und gedrungener, Stengel stärker.
Gr. Kessel im Gesenke.
Campanula barbata L. In tieferen Lagen bei Wermsdorf (Oborny)
Röhrberg bei Kleppel im Brandwalde bis Braunseifen hinunter-
steigend.
cerviearia L. Odrau, Hirmich bei Neudörfl.
rotundifolia L. f. albiflora m. An der Strasse von Gr. Ullers-
dorf nach Neudorf.
trachelium L. Gemein, «. albiflora m. Verbreitet in den Thälern
und Ausläufern des Gesenkes, in zwei Abänderungen, bei der
häufigeren Form sind alle Blüthen weiss, wo hingegen bei der
selteneren nur einige Blüthen weiss sind, während die anderen, in
der Regel die unteren, normal gefärbt sind (P. variegata m.), letztere
Form am Steinig bei Beckengrund und bei Neudorf. Var. «. fand ich
am Haärtberge, Rothen Berge und bei der Tess bei Gr. Ullersdorf,
Marschendorf, Buchelsdorf, Kirchberg bei Neudorf, Pföhlwies,
Nikleser und Altvaterwald, Spitzberg u. a. O. bei Wermsdorf;
P. nemoralis mihi, Pflanze zarter und üppiger, Blätter weicher,
obere schmäler und länger, Kelche spärlicher behaart als beim
Typus. An feuchten und schattigen Stellen bei Gr. Ullersdorf
nicht gerade selten, so bei der Tess, im Schlossparke, am Hut-
berge etc.
Crepis grandiflora Tausch., Hirschbrunnen etc. (Oborny), Saugraben,
Bärmuttergraben, Kriech, Kiesgraben bis fast nach Wermsdorf,
suceisaefolia Tausch. Peterstein, Saugraben etc.; Gr. Hirsch-
kamın, Backofensteine, Berggeist, Janowitz.
paludosa Mönch. Selbst noch auf den höchsten Kämmen, so
noch auf der Hohen Haide, Ameisenhügel ete. (Oborny), Gipfel
des Altvaters, Peterstein, Auerhahnbaude, Saugraben, Bärmutter-
graben, Franz. Jagdhaus, Kriech, Kiesgraben, Berggeist, Bradl-
steine und Krausenbüschel bei D. Liebau, Zöptau, Marschen-
dorf, gemein bei Gr. Ullersdorf, Buchelsdorf, Neudorf, Becken-
grund, D. Märzdorf, Wüst-Seibersdorf, Ludwigsthal, Nikles,
Altvaterwald, Kl. Mohrau, Wermsdorf, Kleppel, Hochwald bei
Janowitz, Römerstadt, Bautsch.
(Fortsetzung folgt.)
—
308
Mittheilungen über die Hieracien des Riesengebirges.
Von Gustav Schneider.
(Fortsetzung.)
ec) var. pseudeximium mihi. Das ewimium des Riesengebirges,
stark beblättert, schwach behaart mit grossen, in der Regel
an der Basis gestutzten Köpfen, welches ich aus den Ostsudeten
noch nicht gesehen habe. Stengel bis 36 Cm. hoch, meist deutlich
längsgestreift, 1- bis 5köpfig, bis Sblättrig; zerstreut kurzhaarig,
nach oben mit zerstreuten Borsten- und Drüsenbaaren + spärlich
besetzt; unmittelbar unter dem Blüthenkopfe dunkel, graufilzig;
Flocken abwärts bis zur Stengelmitte sehr vermindert; untere
Stengelhälfte mit sehr zerstreuten Borstenhaaren besetzt, sehr
mässig mit kurzen grauen Haaren behaart, ganz unten fast
flocken-, drüsen- und borstenlos. Kopfstiele der Nebenköpfe
fast immer aus der Achsel eines grünen Laubblattes ent-
springend, bogig aufsteigend, etwas länger und dichter behaart
als der Hauptstengel, von Sternhaaren + graufilzig mit zerstreuten
Drüsenhaaren besetzt. Blätter dunkelgrün, glaucescirend, derb,
ziemlich reichlich kurzhaarig, gewimpert. Von den Grundblättern
sind zur Blüthezeit meist mehrere vorhanden; oval oder breit lanzett-
lich in den gleichlangen oder fast gleichlangen, zuweilen undeutlich,
meist aber deutlich geflügelten BJattstiel etwas herablaufend, +
weitläufig gezähnt, die Zähne mit sitzenden oder gestielten
Drüsen versehen oder gesägt — gezähnt mit grossen, oft bis weit
nach unten an den Flügeln der Blattstiele hinabrückenden stiel-
drüsigen Zähnen, zwischen denen ein bis mehrere kleine Zähnchen
eingeschaltet sind. Stengelblätter bis zur Stengelmitte sehr
wenig, darüber hinaus plötzlich bedeutend an Grösse ab-
nehmend, länglich- bis breitlanzettlich mit in der Regel unge-
falteter scharfer Spitze; unterste langgestielt, in den breitgeflügelten
Blattstiel + verschmälert oder herablaufend, die darüber stehenden
mit kürzeren Stielen, die mittleren mit stielartig verschmälertem
Grunde sitzend; alle + grob gezähnt oder sägezähnig mit einge-
schalteten kleinen Zähnchen; bei den untersten rücken die
Sägezähne zuweilen am Stiele bis zur Basis hinunter; die
Zähne sind stets mit sitzenden oder gestielten Drüsen besetzt. Die
über der Stengelmitte inserirten Hochblätter sind lineallanzettlich
bis lineal, gezähnelt oder gezähnt, fein zugespitzt, ganz oben unter
dem Kopfe zuweilen bracteenförmig, alle nach unten stielartig ver-
schmälert sitzend. Kopfhüllen 17—20 Mm. lang, halbkugelförmig,
am Grunde abgerundet oder häufig daselbst gestutzt. Hüllschuppen
ziemlich schmal, meist fein gespitzt, die äusseren zuweilen nur spitz-
lich, schwarzgrün, die inneren oft heller oder heller gerandet,
mit grauen, schwarzfüssigen kurzen oder mässig langen Haaren mässig
behaart, drüsenlos, Zungenblüthen spärlich und sehr kurz behaart.
309
Blüthenfarbe tiefgelb, nach dem Trocknen mit einem Stich ins Röth-
liche bis fast orange. Griffel dunkel.
Im Riesengebirge nicht häufig auf Grasplätzen über den Teichen,
am Gehänge unter der kleinen Koppe, auf Wiesen an der kleinen
Lomnitz und am Ziegenrücken, fehlt wie es scheint, in den Ostsudeten.
Dr. A. Peter in Potonie’s Flora von Nord- und Mitteldeutsch-
land. Berlin 1887, pas. 461 stellt 7. eximium Backh. als Subspecies
zu H. rhaeticum Fr. Ich kenne das H. rhaeticum Fr. nur aus der
Beschreibung des Autors (Fries Epier. Hier. pag 46), wonach dasselbe
ein Hypophyllopodum ist, während FH. ewimium Backh. als ein richtiges
Phyllopodum bezeichnet werden muss. Mag nun dieser Umstand
von Dr. Peter für nebensächlich angesehen werden oder Fries mit
seiner Diagnose nach Peter’scher Ansicht Unrecht haben, so ist doch
keineswegs zu billigen, dass die ältere Backh ouse’sche Bezeichnung
der Subspeeies beigelegt wird, während der neuere Fries’sche Name
zur Benennung der Species dient. Dr. Peter sieht das H. ewimium
für ein alpinum < silvaticum — so haben Nägeli und Peter unser
gutes altes murorum umgetauft — an; das wird wohl Niemand
unterschreiben, der das H. eximium einigermassen kennt. Eher könnte
man an irgend ein anderes alpines Aurellum und H. vulgatum denken,
wenn man sich auf dergleichen, durch keine einzige Thatsache unter-
stützte, phylogenetische Hypothesen einlassen will, denen Nägeli
und Peter in ihrer verdienstvollen Monographie manch gutes Stück
Systematik zum Opfer gebracht haben, was sie zum Theil (z. B. im
2. Bande 1. Heft, pag. 53) selbst zugestehen.
Auch die Peter’sche Auffassung des H. atratum Fr. als alpinum
silvaticum (murorum) ist als bei den Haaren herbeigezogen zu
ezeichnen. Man könnte mit demselben Recht das ZZ. echioides Lumn.
als eine Zwischenform Hieracium > canis vulpes aufstellen, weil
es nach beendigter Anthese und nach längerem Liegen im Herbar
fuchsrothe Haare bekommt. — In der Nomenclatur sind die
Herren Nägeli und Peter überhaupt nicht consequent vorgegangen,
wie ich diess bereits in der deutschen bot. Monatschrift bei H.
pratense Tausch erwähnt habe und wie diess Uechtritz in der weiter
unten folgenden Besprechung der Nägeli-Peter’schen Monographie
auch hervorgehoben hat. — Wenn die Herren Autoren die Bezeich-
nung H. Auricula (= H. dubium L. fl. suecica ed. II pag. 272 pro
parte. 1755) mit verändertem Autornamen darum beibehielten, weil
sich dieser Name (seit Erscheinen der Flore Er von Lamk.
und DC. 1805) in der botanischen Literatur allgemein ein-
gebürgert hat, mussten sie auch die, mindestens eben so lange
und eben so allgemein eingebürgerte Bezeichnung H. murorum (etwa
mit der Bezeichnung Aut. omn. L. pro parte) beibehalten, wenn
auch Linn& darunter zwei verschiedene Species, nämlich als var. a das
spätere H. caesium Fries (Fr. Symb. pag. 112) und unter var. b
murorum — silvaticum das murorum im Sinne aller Autoren seit Linn &
emeint hat. Eben so unpraktisch, wie die Wiederherstellung des
en nat'schen collinum für pratense Tsch. erscheint, weil der Name
310
collinum vielfach von anderen Autoren zur Bezeichnung von Formen
benützt worden ist, welche mit dem FF. pratense Tsch. nichts zu
schaffen haben, ist der Gebrauch der Bezeichnung silvatieum für
murorum, denn es gibt ein 7. silvaticum Lamk., welches synonym
mit HI. vulgatum Fr., ein H. silvaticum Bertol., welches synonym
mit dem zu der Italicis Fr. gehörigen H. virga aurea Coss., ein
H. silvaticum Tausch, welches synonym mit ZH. gothicum Fr. und
ein H. silvaticum Plur. Aut., welches synonym mit ZH. tridentatum
Fr. ist ete., während selbst der Anfänger weiss, was mit der Bezeich-
nung H. murorum Aut. omn. L. ex p. gemeint wird. Die in der
Epier. Hierac. pag. 10 von Fries erwähnte turris Babylonica in der
Benennung der Hieracien wird daher durch die genannten Herren
Autoren nicht abgetragen, sondern noch erhöht, was gewiss Jeder
bedauern wird, der diese ausgezeichnete Monographie mit Aufmerk-
samkeit studirt hat. — Es dürfte für die Leser dieser Zeitschrift
von besonderem Interesse sein, wenn sie das Urtheil des sel. Uechtritz,
dieses erossen Pflanzen- und insbesondere Hieracienkenners über die
Nägeli-Peter’sche Monographie erfahren, ich lasse dasselbe daher
nachstehend wörtlich folgen bis auf die eingeklammerte Stelle, die
sich in ihrem Wortlaut nicht zur Veröffentlichung eignet, deren Sinn
aber richtig wiedergegeben ist.
Uechtritz schrieb an mich:
Breslau, am 23. Februar 1885.
„Verehrter Freund! Jetzt ist das jahrelang mit Sehnsucht er-
wartete Werk von Nägeli und Peter über die Piloselloiden endlich
erschienen und ich habe seit einigen Tagen ein Dedicationsexemplar.
— Vor der Arbeit habe ich riesigen Respect bekommen; sie bietet
erheblich mehr, als zu erwarten stand und ich glaube sie wäre noch
besser ausgefallen, wenn ihr eigentlicher Bearbeiter (Dr. Peter) nicht
so arg unter dem Einflusse des ideellen Autors gestanden hätte. In
dem dicken Buche steckt schmählich viel geistige und mechanische
Arbeit, um es ganz zu verdauen, gehören Jahre und auch dann wird
Einem sicher nicht Alles klar werden, eben weil mit anderem Material
gearbeitet worden ist und vor Allem, weil man in dieser Weise
Culturversuche gar nicht nachmachen kann.
Die Schwächen des Werkes liegen zum Theil gleich auf der
Hand; die meisten sind Folgen der Verzögerung und wenn man sich
auf den Standpunkt der Autoren stellt, sind es zum Theile keine
oder doch nur schwer vermeidbare und den Werth des Ganzen nicht
zu stark beeinträchtigende. Aber praktisch machen sie sich doch recht
oft fühlbar und Manches hätte sich vermeiden lassen. Das Riesenge-
birge und Gesenke sind reichlich mit Material betheiligt und es
finden sich sogar eigene nur von dort bekannte Formen oder Sub-
species, wie die Firma lautet. Mau wird jetzt in Schlesien viel H.
Pilosella klauben müssen! Manche uns bekannte seltene Sachen werden
ganz anders eingereiht, einige gewiss mit Unrecht.
a u Ve a Dr in ”
ll
Die Auffassung der Arten entspricht oft der meinigen in er-
freulicher Weise, so speeiell bei der schwierigen Gruppe der Cymosa,
“die ich erst in diesem Winter einmal wieder im Zusammenhange
durchgearbeitet habe. Die Synonymik und überhaupt die Beobach-
tungen der Vorgänger kommen vielfach zu kurz fort, doch entspricht
letzteres speciell dem Grundsatze, nur selbst gesehenes Material zu
verarbeiten. Ueber einzelne Auffassungen würden Sie staunen; in
der Nomenclatur und Synonymik ist sehr Vieles, worüber sich
mindestens streiten lässt, Manches was ich wenigstens für falsch
oder unpraktisch halte, so die Wiederherstellung der Bezeichnung eollinum
Gochnat für pratense, obwohl der Autor Tausch’sche Originale des
letzteren gesehen hat, während er weder @ochnat’sche, noch überhaupt
solche von dessen Standort sich verschaffen konnte. Dass er H.
praealtum als H. florentinum bezeichnet, hätte eher Gründe, aber
praktisch ist es so wenig, als für Bauhini Schult. einen neuen Titel
erfinden, noch dazu sträflicherweise Z. magyaricum. Aber im Ganzen
brinst das Werk einen Fortschritt in das Studium der Gruppe,
richtiger eine Art Revolution. — In der Auffassung der hybriden und
nicht hybriden Zwischenformen unter eine neue Art liegt viel Methode
— das ist Näreli — aber Sie können sich denken, was praktisch
mitunter für Unsinn daraus entsteht. Doch sind die einzelnen Formen,
die stets sehr sorgfältig beschrieben werden, zum Glück streng ge-
sondert. Interessant ist die Thatsache, dass 7. aurantiacum mit am
formenreichsten in den Sudeten auftritt. Z. rubrum ist etwas Bild-
schönes, was nach der ersten Beschreibung wahrhaftig nicht zu er-
warten war, ich möchte es aber doch schon für einen dem aurantia-
cum näheren Bastard halten. r
R. v. Uechtritz.“
6. HA. decipiens Tausch nee Froel nec aliorum = H. alpinum
ß. melanocephalum Wimm. non Tausch = H. nigrescens V elenovsky
non Willd. = HM. alpinum Halleri Rehm. nee Wimm. nec Vill.
In meinen vorjährigen Mittheilungen hatte ich das A. decipiens
Tausch in die Gruppe der foliosen Alpinen gestellt, weil ich es
nicht besser unterbringen konnte. Ich war mir wohl bewusst, dass
es eigentlich dahin nicht gehöre, hatte aber keinen passenderen
Platz dafür disponibel. Nachdem ich durch Oborny’s Güte die nähere
Bekanntschaft des ostsudetischen erimium gemacht und mich über-
zeugt hatte, dass das breitschuppige stumpfblätterige H. calenduli-
forum gar nicht mit erimium verwandt ist, war nichts natürlicher,
als die Vereinigung der beiden schmal- und spitzschuppigen, im In-
dument und der Beblätterung, ja im ranzen Habitus einander nahe-
stehenden Species /. ewimium Backh. und deeipiens Tausch in eine
Gruppe. Ueber letzterem und H. niyrescens Willd. waltet ein eigener
Unstern. Die meisten neueren Floristen vereinigen das H. deeipiens
und nigrescens zu einer Speeies, wohl der ähnlichen Kopfhüllen
wegen, denn habituell sind beide Pflanzen total verschie-
| j . .
den, auch im Indument sind Unterschiede nachweisbar. Wer der
312
Erste gewesen ist, der diese unnatürliche Vereinigung vorgenommen
hat, habe ich aus der umfangreichen einschlägigen Literatur, die ich
zu diesem Zwecke durchgesehen habe, nicht ermitteln können. Der
Autor des H. decipiens, welcher in der Regensburger Flora 1828
(Ergänzungsblätter pag. 66) dasselbe als var. integrifolium: „foliis
subdendatis, caule unifloro“ allerdings zu H. nigrescens Willd. gezo-
gen hat, hob diese Vereinigung im Jahre 1837 in derselben Zeit-
schrift (Beiblätter zum ersten Band pag. 69 und 70) ausdrücklich
wieder auf. Die Diagnose lautet nunmehr: „caule paucifolio, pauci-
floro aut unifloro villoso, foliis radicalibus aggregatis spathulatis, in
petiolum decurrentibus, denticulatis dentatisve, caulinis lanceolatis
utringue attenuatis, anthodio dense imbricato, nigricante villoso.“
Dazu bemerkt Tausch: „Diese Art steht den Blättern nach dem 4.
alpinum, den Blüthen nach dem ZH. nigrescens nahe und ist eine
ausgezeichnete Mittelform zwischen beiden. Sie unterscheidet sich
von H. nigrescens durch häufige, schmale, lang herablaufende Wur-
zelblätter, durch den zottigen, mehr beblätterten Stengel und die
zottigen Anthodien.“ Besser hat seither Niemand den Unterschied
zwischen beiden in Rede stehenden Species charakterisirt.
Ich unterscheide vorläufig bei H. decipiens Tausch folgende
Formen:
Var. a. oceidentale. Stengel dicklich bis dick, Drüsenbeklei-
dung desselben unmittelbar unter dem Kopfe reichlich; Drüsen
langgestielt. Hüllen in der Regel kurzzottig; Zotten dunkel
graulich, schwarzfüssig mit deutlich eingemengten Drüsen. Hüll-
schuppen dunkel, fast schwarz, innere selten und nur verein-
zelt heller. Blätter ganzrandig oder wenig gezähnt. Flocken
am Stengel mässig bis reichlich, auf den Hüllschuppen zer-
streut.
Diess ist die Form des Riesengebirges, woselbst sie von circa
1000 M. Seehöhe bis 1600 M. von der neuen schlesischen Baude
bis aufs Rehhorn überall häufig vorkommt. Auch aus der Tatra, je-
doch nicht aus den Ostsudeten bekannt.
Var. b. orientale. Stengel dünn und schlank. Drüsenbeklei-
dung desselben mässig oder spärlich; Drüsen kurzgestielt.
Hüllen in der Regel langzottig; Zotten weisslich, ohne oder
mit undeutlich erkennbarem schwarzem Fuss. Drüsen an der
Hülle fehlend oder der Zottenbekleidung wegen nicht erkennbar.
Hüllschuppen schwarzgrün, die inneren sämmtlich heller
oder heller gerandet. Blätter durchweg gezähnelt oder gezähnt.
Flockenbekleidung am Stengel gering, auf den Hüllen 0 oder fast 0.
Ist mir bisher nur vom Glatzer Schneeberg aus den Ostsudeten
zu Gesicht gekommen; im Riesengebirge kommen ähnliche, jedoch
nicht ganz mit den ostsudetischen übereinstimmende Formen vor.
Die vorstehend besprochenen drei Gruppen bilden zusammen
eine Abtheilung der alpinen Aurellen, welche sowohl in Beziehung
auf den Gesammthabitus, wie auf das Indument und die Beblätte-
rung von den nachfolgenden beiden Gruppen ziemlich verschieden
313
ist. Innerhalb dieser so gedachten Abtheilung kann man manche
_ Gestalten als Zwischenformen auffassen, welche Uebergänge zwischen
- den heterogensten Formen vermitteln. So lässt sich eine Reihe 7.
alpinum genuinum, melanocephalum Tausch, grande Wimm., tubu-
losum, calenduliflorum, ewimium pseudonigrescens, pseudeximium,
decipiens; ferner H. alpinum typicum, melanocephalum, aterrimum,
spathulifolium, Fritzei, pseudopersonatum, eximium chrysostylum,
erimium pseudonigrescens, pseudewimium, deeipiens u. S. w. auf-
stellen, was aber praktisch keinen Zweck hat; eben so wenig wie
phylogenetische Hypothesen, auf die wir verzichten wollen, bis die
nicht nächweisbaren, bekannten „grossen Unbekannten“, die in den
Criminalprocessen, wie in der Abstammungslehre eine so grosse
Rolle spielen, nämlich die fehlenden Zwischenformen aufgefunden
sein werden.
(Schluss folgt.)
Meine dritte Tirol-Fahrt. *)
Von J. Freyn.
2... Gewohnterweise war es bei Antritt der Reise mein erster
Wunsch, das bestverabscheute Prag mit all seinen Missdüften nur
möglichst rasch hinter den Rücken zu bekommen und als ich daher
am 25. Juli von hier wegfuhr, ruhte ich nicht eher, als bis ich in
Innsbruck war. Ich weiss es nicht mehr, ob die Fahrt 18 oder 20
Stunden dauerte; satt hatte ich sie aber gründlich, und ich war
froh, endlich wieder meine Gehwerkzeuge gebrauchen zu können.
Innsbruck, das ich 1885 im Regen verlassen hatte, sah ich
heuer in eitel Sonnenschein wieder. Es liegt reizend; wer dort aber
nichts zu thun hat, der kann vor Langweile sterben. Sehr unangenehm
war ich durch das Nachmittags erfolgte plötzliche Einfallen des
Föhn’s überrascht — ich kenne die Sorte von früher her und wusste,
was mir bevorstand; freilich, dass es so dick kommen sollte, konnte
ich nicht voraussehen. Einmal ausgeruht zögerte ich also nicht, am
97. Juli am zeitlichsten Morgen bei tagheller Dämmerung mit der
Arlbergbahn gen Westen zu fahren. Die Partie entlang des Inn bis
Landeck fand ich keineswegs überraschend, so lange man die zerris-
sense nördliche Kalkalpenkette sieht, jedoch recht schön. Schön war
auch der Tag. Nach einer scharfen Biegung der Bahn zeigte sich
aber zuerst im Westen, dann, gelegentlich Ueberquerung der Süd-
thäler, auch im Süden verdächtiges Wolkenpack und meine Unken-
rufe, die von der Gesellschaft ursprünglich als professionsmässiger
*, Aus einem Briefe an E. Hackel zu Nutz und Frommen allen denen
erzählt, die selbst heutzutage noch Lust haben einen botanischen Reisebericht
zu lesen. N
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Pessimismus gebrandmarkt worden waren, erfreuten sich nun eines:
bedeutenden Ansehens.
In Landeck vertraute ich meine Knochen einem mit beträcht-
licher Bedächtigkeit dahin stampfenden Omnibus an und, nach etli-
cher Atzung — bei welcher sich mein Magen selbst gegenüber dem
Weine als ätzsicher erwies, eroberte ich am Omnibus einen Platz
beim Kutscher und fort ging’s nach Süden den Inn aufwärts. Nau-
ders war das Ziel und das wollte ich auch bei Regen erreichen, um
keinen Preis wäre ich in Landeck geblieben.
Die Omnibusfahrt verlief ganz nach dem im westlichen Tirol
üblichen Programme. Die biederen Reisenden werden bei jeder Post,
die stets auch ein Wirthshaus ist, prompt abgeliefert und zum Essen
und Trinken angehalten. Ich hatte aber schon in Landeck genug und
wollte meine Magenwände nicht gleich am ersten Tage durchätzen
lassen. Irgendwo unterwegs bekam ich zwei schöne Nachbarinnen
auf den Bock herauf — und das war gut, denn sie waren sehr lustig
und die Landschaft auch nicht darnach, diese Coneurrenz aushalten zu
können. Andererseits konnte ich es keineswegs als angenehme, ge-
schweige denn als nothwendige Zugabe zur Fahrt betrachten, als
wir irgendwo eine ganz abscheulich übelriechende Suppe, ditto Rind-
fleisch, gebratenes Leder und verdünnte Cichorie als Mittagmahl
vorgesetzt bekamen. Den zu dieser Zeit schon stromweise herab-
schüttenden Regen hatte ich vorhergesehen, und nahm selben denn
als selbstverständlich mit in den Kauf. Als Nutzanwendung merkte
ich mir aber neuerdings die schon so oft bestätigte Regel, dass man
in Tirol kein Rindfleisch essen soll.
Von der Mittagsstation ab, deren Namen ich mit dem Mantel
der christlichen Nächstenliebe zudecken will, wurde der Regen
immer dicker; zu sehen gab es gar nichts mehr als „Schnürl“-
Regen, und so salvirte ich mich denn in das vorher sorgfältig ge-
miedene Innere des Marterkastens. Das war mit Rücksicht auf meine
liebenswürdige Gesellschaft gewiss bärenmässig gehandelt, ich sehe
es vollkommen ein, zum durchweicht werden fühlte ich aber gar
keinen Beruf in mir und es regnete doch schon eine gute Stunde.
Ich gab also auch die beabsichtigte Fusstour hinauf die Finster-
minzstrasse auf und sah von dieser derart gar nichts, bis das er-
lösende Wort „Nauders“ erschallte.
Der hkegen hatte zu dieser Zeit, es war schon vorgerückter
Nachmittag, aufgehört; die Wolken lungerten aber am Kirchendach
herum und fegten noch etwas später den Marktplatz. Meinem Grund-
satze getreu, stieg ich natürlich nicht „auf der Post“ ab, sondern
Just gegenüber „beim Löwen“. Dorthin hatte ich meine Sachen und
45 Kilogramm Papier direct von Prag aus vorausgeschickt gehabt
und ich fand Alles zu meinem Empfange bereit. Ein sehr hübsches,
reines Zimmer ward mir angewiesen und dann der Tanzsaal des
Ortes mit einem riesenlangen, unangestrichenen Tisch — Alles zum
handtiren mit vielen Pflanzen wie geschaffen. Auch der Dachboden
mit zahlreichen gespaunten Wäschleinen wurde mir zum Papier-
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trocknen zur Verfügung gestellt und unten im Fleischerladen die Wage,
damit ich meine Packete nach Posteewicht zusammenstellen könne.
Das war Alles ganz prächtig und ich empfehle deshalb dieses gast-
freundliche Haus mit seinen bereitwilligen Bewohnern allen Denen,
die nach mir kommen; sie werden auch keine grosse Rechnung zu
erwarten haben. Da ich also Alles zu meiner grössten Zufriedenheit
vorbereitet fand, machte ich mich sofort auf den Weg ins „Nauderer-
Thal“, um wenigstens an der Strasse zu recognosciren, was etwa
bei dieser Seehöhe (1360—1450 Meter) vorkäme — und jetzt kommt
die Botanik!
Aber mit Hindernissen; denn die Wiesen beiderseits der Strasse
fand ich zunächst glatt geschoren und erst als ich auf die halb-
verrasten Geröll-Ausbreitungen des Arsangsbaches stiess — eines
von Osten kommenden Wildwassers — fand ich überhaupt Etwas. Es
waren aber echte centralalpine Typen, wie Laserpitium hirsutum Lam.,
L. Gaudini Mor., Epilobium Fleischeri Hochst., die theilweise, wie
z. B. Achilles moschata Wulf. von den benachbarten Hochalpen
heruntergeschwemmt waren. Solche echte Alpenpflanzen kommen im
Nauderer Thale gar viele vor, was ja bekannt ist; es freute mich
aber doch, so in aller Bequemlichkeit ausserdem noch Leucanthemum
alpinum Lam., Cardamine resedifolia L., Alchemilla pubescens M. B.,
und andere Arten wiedersehen zu können, wie sie sich in subalpiner
Gesellschaft von Trisetum alpestre P. B., Erigeron angulosus Gaud.,
Myricaria germanica Desv. und dergleichen trotz der Tieflage ganz
wohl befanden. Regen und Dunkelheit beschleunigten endlich meine
Rückkehr nach Hause.
Am nächsten Tage war es sehr schön — aber bis etwa 1700 M.
herab war Alles verschneit. Das war nun stark gegen das Programm
und ich entschloss mich daher, anstatt „hinauf“ lieber „hinab“ zu
gehen und dieses „Hinab“ konnte also nur die Finsterminzklause
sein, die mir der schnöde Regen gestern so gründlich verdorben
hatte. Da aber der Tag lang und mein Unternehmungsgeist gross
war, so wurde ein Umweg eingeschlagen. Dieser artete jedoch in
allerhand Herumklettereieu aus und währte mit anderthalb Stunden
Rast 16 Stunden, so dass ich endlich zu nachtschlafender Zeit todt-
müde nach Nauders kam, wo sie bereits für mich zu fürchten be-
gannen. Wo war ich aber gewesen? — Zuerst auf dem westlich von
Nauders gelegenen Voralpenberg „Kohlstätte*, dessen Nadelwälder
sehr viel Phyteuma Halleri All. und Chaerophyllum Villarsii Koch
und dessen Wiesen noch viel mehr COrepis alpestris Tausch, und
Onobrychis montana D. Ü., sowie einzelne Cirsium acaule X. Eri-
thales beherbergen; dann steil hinunter zum Inn durch Wälder
mit Pinus engadinensis und über den Fluss hinweg nach Martins-
bruck im untern Engadin. Nun war ich in der Schweiz und ich
hatte, um nach Finsterminz zu gelangen, zwei Wege offen, beide an
den Lehnen des Piz Mondin, hoch ober dem Inn; der eine Weg
unten, der andere 2—300 M, höher, beide an stellenweise recht gar-
stigen Steilpartien hinführend. Um jedoch möglichst hoch zu gelangen,
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wählte ich den oberen, d. h. ich stieg von Martinsbruck nach Durch-
schreitung der warmen, pflauzenreichen Buschregion, geradeaus den
Nadelwald hinan, bis ich auf den gesuchten Weg traf. Derselbe führt
ziemlich rasch ansteigend auf eine plateauartige Erbreiterung am
Östgehänge des Piz Mondin, welch’ letztere mit Hochwiesen (Plan
d’Ors) bedeckt ist. Bevor man dahin gelangt überschreitet man einen
alten Lawinengang, auf dessen Gerölle viel Ononis rotundifolia L.
und bei etwa 1300—1400 M. auch Astragalus onobrychis L. wächst.
Plan d’Ors ist sehr trocken und pflanzenarm, an einem Bächlein
jedoch, welches aus der Schlucht des „Mühlbaches“ hervorkommt,
steht Flieracium dentatum Hoppe und sehr viel Cortusa Matthioli L.,
welche hier, so nahe an der Westgrenze ihrer Verbreitung so schön
und üppig wächst, wie nur irgend in den Karpathen. In der
Schlucht des Mühlbaches selbst, da wo der Bach wasserfallartig
herabstürzt, gesellten sich viele Voralpenpflanzen hinzu, an trockenen
Stellen noch Polygala microcarpa Gaud. und Crepis alpestris Tsch.
und einzelne Flieracium dentatum Hoppe. Hier fand ich auch die
bisher noch nie mit Früchten gefundene Jungermannia Hornschu-
chiana N. ab E. reichlich fruchtend.') Die Krummholzregion reicht
hier in breiten Streifen tief in die Waldregion hinab und besteht
hauptsächlich aus Pinus Mughus Scop., Alnus viridis D. C. nebst Al-
penrosen u. dgl. Die so charakteristische Formation aus Latschen
Hippophae und .Berberis, wie sie gewisse Thäler des Glocknerge-
bietes auszeichnet, sah ich diessmal nicht.
Der anfänglich sehr breite Weg verliert sich endlich in einem
förmlichen Verhau massenhaft niedergebrochenen Waldes. Ohne Mög-
lichkeit hindurchzukommen oder an den Abstürzen herumzugelangen,
stieg ich an einer Schlucht hinab und gelangte, nachdem ich noch
Hieracium scorzoneraefolium mitgenommen hatte, am Spätnachmittag
zum Novell-Hof, einem einsamen Gehöfte in der Inn-Klause, des-
sen grenzenloser Schmutz mich an die Salaschen der niederen Tatra
erinnerte. Die Leute waren aber sehr freundlich; ihr Aussehen zeigte
indessen keineswegs dafür, dass sie in der gepriesenen Republik
just eine Stätte besonderer irdischer Glückseligkeit gefunden hätten.
Nach Sonnenuntergang überschritt ich das schwankende, halbmorsche
Ding, so sie in Finsterminz Innbrücke heissen, und betrat wiederum
Oesterreich — freilich just an einem Punkte, der lebhafter, denn an-
derswo früheren Glanz, früheren Reichthum mit jetzigem Elend in
unvermittelten Gegensatz bringt. Die neue Strasse führt nämlich
hoch über der bestandenen hinweg, und damit ist der Wohlstand
jetzt etliche hundert Meter höher gerückt. Das bitterste Stück waren
nun die 400 M., die ich von der Innbrücke wieder bis Nauders hinauf
musste; an die werde ich denken. Nur die prächtig erhaltene Strasse,
deren Tracenführung nur ein Ingenieur genügend würdigen kann,
erregte noch mein Interesse.
') Vergl. hierüber Schiffner: Botan. Centralblatt 1887, Bd. XXX,
Seite 22.
A
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Mir zum Spotte war der 29. Juli ein Prachttag, doch musste
ich Pflanzensklave sein und einlegen. Erst Mittags war ich fertig;
- der Schnee war auch heruntergeschmolzen und somit ging es sogleich
den nächsten Berg hinauf, um wenigstens den erübrigten halben
Tag auszunützen. Der Besuch war dem „Schmalzkopf“ zugedacht.
Der für die verfügbare Zeit schier endlose Weg brachte mir im Val
di Costei zwar wieder Jungermannia Hornschuchiana ce. fr., Cortusa,
Linnaea und Luzula Sieberi Rehb. ein — letzteres eine echte
Tiroler Pflanze und keineswegs mit L. sicula identisch — weiter
hinauf aber bei der Labauner Alm (c. 2100 M.) sah ich Alles abge-
weidet, auch, so weit das Auge reicht, Vieh. Das war ein böser
Fall. Aergerlich liess ich den Schmalzkopf links und stieg die
nächste Rinne rechts hinan, direct auf die Höhe des „Geisbleisen-
kopfes* los. — Alles abgeweidet! Erst hoch oben bei 2500 bis
2700 Meter fand ich Oxytropis lapponica Gaud., Draba dubia Su-
ter, Luzula lutea D. C., Carex nigra All., Myosotis alpestris Schmidt,
Geum reptans L., Euphrasia pulchella A. Kern., Primula oenensis
Thom., P. olutinosa Wulf. und manche Andere — aber eine höchst küm-
merliche Vegetation; endlich sank die Sonne und da traf ich noch
Pedicularis tuberosa L., Alsine recurva Wahlb., Arenaria ciliata L.
u. del. Mit förmlichen Sätzen stürmte ich aber jetzt hinab, um in
der Dämmerung wenigstens noch den Fahrweg aufzufinden. Früher
als ich es dachte, hatte ich ihn und sehr bald war ich zu Hause.
Es war aber im Grossen eine miserable Excursion, denn ähnlich
artenarme Alpen sah ich bisher nur noch auf den Quarziten in der
niederen Tatra und auf dem Urgebirge des Muntje-le-mare-Stockes
im westlichen Siebenbürgen.
Während der nächsten drei Tage mit dem Trocknen der Pflan-
zen beschäftigt, hatte ich nur Gelegenheit zu kurzen Ausflügen im
Nauderer Thale, von denen sich der eine bis Reschen über das
Reschen-Scheidek hinüber erstreckte. Der Pizlat, auf den ich es ab-
gesehen hatte, war aber tief herab verschneit und so begnügte ich
mich denn mit dem, was ich unten fand. Erwähnenswerth erschei-
nen mir neben Erysimum helveticum D. C., Rosa pomifera Herm.
und Equwisetum variegatum Schleich. wieder manche Hochalpenarten,
die sich im Nauderer Thale stellenweise recht breit machen. Dazu
zähle ich Dryas, Oxytropis lapponica Gaud., ©. Halleri Bge., Draba
Thomasii Koch, Euphrasia variabilis Freyn, Alchemilla pubescens
M. B., A. glabra Kern., u. A. m. Die Moorwiesen mögen überhaupt
eine reiche Ausbeute geben, aber sie waren fast durchaus schon ge-
mäht. Nicht unerwähnt kann ich den verhältnissmässigen Reichthum
an Cirsien-Bastarden lassen. Namentlich finden sich alle denkbaren
gonioklinischen Formen von ©. acaule x heterophyllum ; nur verein-
zelt sah ich den überhaupt seltenen Bastard: ©. acaule>< Erisi-
thales, öfters ©. heterophyllum >< Erisithales.
Die vielen romanischen oder ganz fremdartig klingenden Na-
men um Nauders machten in mir den Wunsch rege, zu erfahren,
wie lange es wohl her sein möge, seit diese Gegend germanisirt
Oosterr. botan. Zeituchrift, ©, Heft 1887, 6
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sei. Der Umstand, dass gar viele Namen noch verhältnissmässig
rein romanisch klingen, liess die Erwartung begründet erscheinen,
am Friedhofe noch alte romanische Inschriften zu finden — aber
vergeblich. Die ältesten, tief ins vorige Jahrhundert zurückreichen-
den Epitaphe haben nur deutschen Text. Ich schrieb mir aber ein
„Sprüchel* auf, welches zwar nur die Namen einer Reihe um Nauders
wirklich vorkommender Gehöfte neben einander reiht, vom Volke
gereimt gesprochen, aber dennoch den ganz eigenthümlichen Klang
der Sprache wiedergibt. Hier ist es:
„Stablis, Verwelles, Pertisch und Konpatsch,
Gufriss, Tenriss, Tieff und Vriatsch.“
Nachdem ich alles Trockene nach Prag, Papier und nasse
Pflanzen jedoch nach Trafoi voraus gesendet hatte, sass ich Abends am
2. August am Postwagen, konnte aber der fürtrefflichen bestehenden
Einrichtung wegen nur bis Mals gelangen. Dort kommt man bei
stockfinsterer Nacht an, steigt aus und wird in die „Post“ hinein com-
plimentirt, ohne auch nur nach einem anderen etwa vorhandenen
Wirthshause Umschau halten zu können. Gegen alle Grundsätze in
der Post abgestiegen, konnte ich auch der verdienten Strafe nicht
entgehen. Das Zimmer war schlecht und gestattete vor üblem Ge-
ruche nicht recht zu schlafen. Essen und Bedienung war gleichfalls
schlecht, und ich fühlte mich nur als „ein Stück Passagier“, der
nolens volens so und so viel sitzen lassen muss. Dafür weckte mich
Früh auch Niemand und so wurde mir der Plan vereitelt, von Mals
aus nach Prad zu Fusse zu gehen, unterwegs den Astragalus venostanus
Kern. zu sammeln und doch noch die über das Stilfser Joch gehende
Post in Prad zu erreichen. Dieses Misslingen erbitterte mich derart,
dass ich zur Strafe kein Trinkgeld hergab. Früh beim Einsteigen in
den Wagen — kein Omnibus, sondern ganz bequeme viersitzige
Landauer — sah ich just der „Post“ gegenüber ein anderes Wirths-
haus. Schlechter hätte ich es dort auch nicht treffen können, wie ich
hörte, aber billiger. Jedenfalls war ich froh, als ich fortkam.
Demjenigen, der Geduld hat und guten Humor, bietet das Rei-
sen in diesem westlichsten Theile Tirols seine eigenthümlichen Reize
und ich kann daher der Verlockung nicht widerstehen, durch Er-
zählung des von mir durchgemachten Beispiels das Meinige dazu
beizutracen, dass Jeder erfahre, wessen er sich zu versehen hat,
wenn ihn das Gelüste in den oberen Vintschgau führt. Für jene Reisen-
den, die im Hauptwagen nicht Platz haben, werden nämlich „Bei-
wagen“ (die schon erwähnten Landauer) beigestellt, wogegen ja nichts
einzuwenden ist und auf solch einen Landauer wies mich auch meine
Fahrkarte. Die Fahrt ging nun in einem Zuge über Spondinig, wo
- die Stilfser Jochstrasse von der Etschroute abzweigt bis Prad, der
ersten Poststation an der Jochstrasse; man erreicht Prad von Mals
aus in ganz kurzer Zeit, 1'/,—2 Stunden, wenn ich mich recht
erinnere. In Prad bei der Post noch Früh abgeliefert, muss man
aussteigen; Alles wird abgepackt und Publikus hat nicht unter einer
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Stunde auf die vom unteren Vintschgau herauf kommende Post zu
warten. Sobald die kommt, zeigt es sich natürlich, dass ein Beiwa-
gen beigestellt werden muss. Der kommt endlich. Nun wird wieder
aufgepackt, man setzt sich nach dem Range, welchen die Fahrschein-
Nummer anweist und fort gehts, bis Trafoi? — o nein; gleich bei
der nächsten Post Beidewasser (von den Deutschen mit Vorliebe
Gomagoi genannt!) heisst es Halt! Aussteigen! Umpacken! und der
brave Reisende muss abermals einen neuen Sitz in einem anderen
Wagen warm sitzen. Nun, da war meine Geduld aber doch zu Ende.
Ich liess die ganze Karrenwirthschaft stehen und zog mit Büchse
und Stock bewaffnet in dem schönen Alpenthale zu Fuss bergauf
weiter. Das Thal ist sehr schön und es geht sich auf der prächtig
erhaltenen Strasse so ausgezeichnet, ganz sanft ansteigend, dass ich
im Handumdrehen in Trafoi war — viel, viel früher als die Post.
In Trafoi stieg ich auf specielle Empfehlung hin auf der „Post“
ab, wohin ich denn auch meine Sachen dirigirt und gleich von Prag
aus eine Papierreserve von 10 Kilogramm gesendet hatte. Da das
Wetter prächtig war, so begnügte ich mich, das mir angewiesene
Zimmer zu occupiren und rannte spornstreichs aufs Stilfser Joch.
Ich staunte darüber, wie hoch hier die Thalpflanzen ansteigen. Ver-
bascum Thapsus L. sammelte ich bei 2100 M., Euphorbia Cypa-
rissias L. bei 2200 M., Cotoneaster integerrima Med. bei 2500 M.,
Agatophytum Bonus Henricus Moq. gar bei 2700 M. Seehöhe. Aus-
serdem fand ich eine ganze Reihe Pflanzen, die ich bisher noch
nicht lebend gesehen hatte und die theilweise wenigstens echte Cen-
tralalpen-Pflanzen sind, wie Euphrasia hirtella Jord. (neu für Oester-
reich-Ungarn), E. alpina Lam., Koeleria hirsuta Gaud., Sempervivum
“ Wulfenii Hoppe, S. Widderi Lehm., dann aber Potentilla grandi-
flora L., Senecio tiroliensis Kern., Pinus Cembra L. mit Zapfen,
Orygraphis vulgaris m.') ete. — ich war sehr zufrieden. Aus dem
„Ebenen Ferner“ kommt just vom Stilfser Joch herab ein Quell-
bach des Trafoier Baches; dem Schueefeld ist ein Schuttkegel
vorgelagert auf dem Moehringia polygonoides M. K., Carew nigra
All, Arenaria biflora L. und viele andere Hochalpenpflanzen wach-
sen. Hier entdeckte ich zufällig eine garibaldinische Kanonenkugel
aus dem Jahre 1859. Meine naheliegenden Betrachtungen fanden
indessen ein jähes Ende durch einen Donnerschlag gerade ober mir.
Hundert Meter unter dem Joch angekommen bestand die unange-
nehme Wirklichkeit, in der ich sofort mittendarin war, in dem Muss:
Aber gleich umkehren! Alles war in Wolken gehüllt und es begann
mit jener Gründlichkeit zu regnen, welche dem Betroffenen sofort die
Ueberzeugung beibringt, dass hier alle Regenschirme zwecklos sind.
Bevor ich noch das nahe Franzenshöhe erreichen konnte, gab es
denn auch keinen trockenen Faden mehr an mir und ich stürmte
') Gleich /damumeulus glacialis L., worüber mein Aufsatz in der Flora
1887, pag. 136, zu vergleichen. Hier nur so viel, dass es bereits eine O, glacialis
Bge. gibt, der Name „glacialis“ also für unsere Art nicht verwendbar ist.
26*
320
daher mehr, als dass ich ging, bis Trafoi hinab, um mich umkleiden
zu können.
Die biedere Frau Wirthin hatte es aber in meiner Abwesen-
heit anders beschlossen und hatte mich umquartirt und noch jemand
Anderen zu mir gesperrt. Es war ein stallartiges Loch und stank
auch ganz abscheulich nach Pferden. Später erfuhr ich das sei das
Kutscherzimmer gewesen. Indessen hatte ich vorerst nicht Zeit zu
Betrachtungen; zuerst musste ich trocken sein, dann ging es zum
Essen. Dort, im freundlichen Speisesaal, stellte sich mir der säch-
sische Botaniker Artzt vor, Ingenieur wie ich, und der Abend ver-
längerte sich desshalb etwas. Meine Galle war für den anderen Tag
aufgespart.
(Fortsetzung folgt.)
—
Flora des Etna.
Von Prof. P. Gabriel Strobl.
(Fortsetzung.)
1395. Vieia peregrina L. *Bert. fl. ital., Guss. *Syn. et *Herb.!,
leptophylia Raf. Car. (aus Taormina), *Raf. I (aus der Fussregion
des Etna). Blättchen entfernt 5—6paarig, schmal linearkeilig, (bis
2 Mm. breit), gestutzt oder ausgerandet mit Stachelspitze, oft drei-
spitzig; Blüthen einzeln, kurzgestielt; die zwei oberen Kelchzähne
breiter und kürzer zusammenneigend, die unteren so lang als die
Röhre; Krone purpurn, Hülse etwas gestielt, länglich-linear, Unter -
Saaten und auf buschigen Abhängen der Tiefregion nicht selten.
Aus Catania von Cosentini erhalten (Bert., Guss. Syn. et Herb,!
Herb. Tineo!), am Fusse des Monte Pileri (Herb. Torn.!), am Wege
nach Nicolosi, in der Arena, häufig an den Ufern des Simeto! April,
ai. Q).
1396. V. sativa L. Guss. Syn. et Herb.!, mucrocarpa Bert. Fl.
ital., Tod. Fl. sic. exsiec. Nr. 398! sat. «. macrocarpa Mor. (eine
Form mit grösseren, breiteren Hülsen und Blättern). Hoch, robust,
flaumig; Blättchen 4—7paarig, flaumig, stachelspitzig, die unteren
verkehrtherzförmig, die oberen verkehrteiförmiglänglich, gestutzt aus-
gerandet, 15—25 Mm. lang, 5—12 Mm. breit; Nebenblätter zer-
schlitzt, die obersten halbpfeilförmig, gefleckt; Blüthen zu 1—2, fast
sitzend; Kelch flaumig, ungefähr 15 Mm. lang, wovon die Hälfte
auf die parallelen, geraden, lineal zugespitzten, gleichlangen Zähne
entfällt; Krone über 22 Mm. lang, mit violetter Fahne und purpur-
violetten Flügeln; reife Hülsen flaumig oder kahl, gelbbraun, circa
6 Cm. lang, 9—10 Mm. breit, linear, erhaben netznervig, im Kelche
sitzend; Samen glatt, kugelig zusammengedrückt, mit circa 5 Mm.
Durchmesser, schwarzbraun, selten weiss (var. Zeucosperma Mnch.).
Vor den folgenden Arten besonders ausgezeichnet durch die Grösse
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aller Theile, zumal der Blüthen und Hülsen. Variirt mit durchaus
verkehrtherzförmigen Blättchen — var. obeordata Rehb. — var. ob-
" ovata Ser. in DC. Prodr. I, 361 (Corsiea, leg. Sieber!), ferner mit
länglichlinearen mittleren und oberen Blättehen = var. angustifolia
Willk. (non V. ang. Rth.), z. B. Graz, Maly!, ferner mit linearen
oder linearkeiligen mittleren und oberen Blättchen —= var. linearis
Lge. Pug., W. Lge. III, 294, z. B. Nebroden Sieiliens!; eine selt-
same Varietät endlich fand ich häufig in Saatfeldern um Catania
und versandte sie als v. diversifolia mihi: Reichästig, bei den mei-
sten Aesten die untersten 1—2 Blätter 2—3paarig gefiedert mit
verkehrtherzförmigen, sehr kleinen Blättchen, die mittleren Blätter
mit sehr langen, linealen (bis 2 Cm. langen, 3—4 Mm. breiten), die
obersten mit etwas kürzeren und breiteren, keiligen Blättchen; einige
Aeste besitzen nur lineale, andere nur keilige Blättchen; in Blüthen,
Nebenblättern ete. kein Unterschied von der Normalform. — Unter
Saaten und auf Fluren sehr gemein. Aus Catania von Cosentini-
erhalten (Herb. Guss. forma macrocarpa!), auf Weiden um Paternd
(Herb. Torn.!), um Misterbianco und Acicastello (Herb. Reyer!), um
Mascalucia, überall in der Ebene des Simeto, einzeln sogar in der
Waldregion oberhalb Nicolosi bis 4000; var. diversif. häufig unter
Saaten am Simeto! März, April. ©.
1397. V. cordata Wulf. Guss. *Syn. et *Herb.!, sativa Bert.
Fl. it. Unterscheidet sich von sativa L. durch bedeutend niedrigeren,
schlankeren Wuchs, kleinere, selten über 1 Cm. lange, durchaus ver-
kehrtherzförmige oder obere keilige, aber ebenfalls ausgerandete, oft
tief zweilappige Blättchen mit langer Stachelspitze, kleinere, seichter
gezähnte Nebenblätter, 18 bis höchstens 20 Mm. lange Blüthen und
nur 35—5 Cm. lange, 4—6 Mm. breite, schwächer nervige, eben-
falls lederbraune Hülsen, kleinere, schwarze oder scheckige, aber
ebenfalls zusammengedrückte Samen; sonst ganz wie sativa, für deren
kleinere Form man sie halten könnte; auch fehlt es nicht an Zwi-
schenformen: eine solche ist cordata var. Cosentini (Guss. Syn. et
Herb.! als Art) — V. segetalis Thuill., sat. ß. segetalis Ser. DC.
Prodr. II, 361, angustifolia var. segetalis Gr. Godr. I, 459?, W. Lge.
III, 295, non = var. consentina Spr. aus Calabrien. Von «. genuina
verschieden durch ziemliche Kahlheit, höheren Wuchs, bis auf einige
wenige verkehrtherzförmige untere Blätter durchwegs längliche oder
linealkeilige lange Blättchen (15—3 Cm. Länge, 3—5 Mm. Breite),
alle stumpf bis ausgerandet mit Stachelspitze; Hülsen wie bei cor-
data «. 5—6 Mm. breit, nicht schwarz werdend (auch meine fran-
zösischen Exemplare der seget. besitzen lederbraune reife Hülsen!);
Blüthen 14—18 Mm. lang, fast einfärbig blau; Same lederbraun, ellip-
tisch, zusammengedrückt. Stimmt genau mit schmalblätterigen For-
men der cordata aus Krain, dem Standorte Wulfen's; von sativa
var. linearis durch viel schlankeren Wuchs, kleinere Blüthen, schmale,
schwachnervige Hülsen, von der habituell ebenfalls sehr ähnlichen
| re durch regelmässigen Kelch, sitzende Hülsen und etwas
r
5 ie A Au
eitere Blättehen verschieden. Unter Saaten auf Fluren, Lavafeldern,
322
sonnigen, krautigen Hügeln gemein: Um Catania überall (!, Herb.
Tornab.!, Cosent. in Herb. Guss.!), Lavagründe gegen Acicastello
(Herb. Reyer!), um Ognina, in der Arena und der Ebene des Simeto!
var. Cosentini: „Unter Saaten und an krautigen Orten um Catania,
an den Feldern von Santo Todaro, einem Hügel westlich von Cata-
nia auf lehmigem, tertiärem Gries* (Cosent. Descrizione), unter Saa-
ten um Catania (Cosent. in Guss. Syn. et Herb.!), und Nicolosi
(Torn. Guss. Syn. add. et Herb.!, Herb. Torn.!). April—Juni. ©.
1398. V. angustifolia Rth. Gr. Godr., W. Lge. Von cordata
verschieden durch kleinere, nicht zweilappig ausgerandete Blätter,
höchstens 15 Mm. lange Kronen, die Länge der Kelchzähne über-
treffende Kelchröhren, nur bis höchstens 5 Mm. breite, endlich
schwarz werdende Hülsen mit kugeligen, nicht zusammengedrückten
Samen. Folgende als Arten beschriebene sicil. Formen sind nach
meinen Erfahrungen nur Varietäten: «. genuina — V. angustifolia
Guss. *Syn. et *Herb.! Pflanze in allen Theilen kleiner, als cordata,
Aeste ziemlich schlank und lang, die untersten Blättchen 1—3paarig,
klein, verkehrtherz- bis eiförmig, die obersten 3—5paarig, schmal
linear, Spitze abgerundet oder spitz, mit Stachelspitze; geht vielfach
in ß. über.
ß. heterophylla —= V. het. Presl del. prag. et Fl. sie., Guss.
*Syn. et *Herb.! Wie «., aber Wuchs niedriger, compacter, die un-
tersten Blättchen 2—3paarig, verkehrtherzförmig, sehr klein, die
obersten 4—6paarig, länglich bis fast lineal, bis 12 Mm. lang, Spitze
stumpf oder abgestutzt bis ausgerandet, Nebenblätter gefleckt, ge-
zähnt, halbpfeilförmig, Blüthe bis 14 Mm. lang.
y. maculata = V. mac. Presl Fl. sie, Guss. Syn. et Herb.!
Gleicht ganz der var. ß. in niedrigem Wuchse, starkflaumiger Be-
haarung, Zahl der kleinen Blattpaare, Gestalt und Färbung der Ne-
benblätter; aber Behaarung meist noch dichter, die untersten Blätt-
chen fast kreisförmig oder sehr breit verkehrtherzförmig, die oberen
verkehrtherzförmig oder länglich verkehrteiförmig, stumpf bis ausge-
randet mit Stachelspitze. Habituell ganz wie eine kleine cordata
Wulf. «. oder wie pyrenaica Pourr., welche aber durch kahle, freu-
diggrüne Blätter, breite Kelche und grosse Blüthen sich schnell
unterscheidet.
ö. cuneata — V. cun. Guss. Syn. et Herb.! Bert. Fl. it., Gr.
Godr., W. Lge. Habituell ganz wie %., Zahl der Blattpaare, Hülsen
und Samen ebenfalls identisch, nur die Gestalt der Blättchen weicht
ab: die untersten sind kurz, verkehrtherzförmig, die obersten länger,
linealkeilig, alle tief ausgerandet zweilappig, Stachelspitze länger bis
kürzer, als die Lappen. — Im Gebiete wurden gefunden: «. unter
Saaten bei Catania (Guss. Syn. et Herb.!, Herb. Tornab.!), in der
Ebene des Simeto! £. in sandigen Giessbachbetten bei Catania (Co-
sent. in Guss. Syn. et Herb.!), bei Acicastello (Herb. Reyer!), sehr
gemein an Feldrändern und grasigen Stellen von Motta S. Anastasia
gegen den Simeto hin! y.: Um Catania und auf Lavagründen links
von der Strasse durch Ognina (Herb. Heyer!) gemein zwischen Laven
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gegen Ognina und bis Acicastello, an Wegrändern und auf Lava-
hügeln vom Meere nach Nicolosi und sogar in die Waldregion hinauf
bis 4000° häufig! d.: um Catania und am Pantano di Lentini (Herb.
Reyer!). März, April. ©.
1399. V. lathyroides L. Guss. *Syn. et *Herb.! Von voriger,
zumal der habituell sehr ähnlichen var. maculata verschieden durch
meist kleineren Wuchs, 1—3paarige Blättchen mit fast durchaus
einfachen Ranken, ganzrandige, halbpfeilförmige, ungefleckte Neben-
blätter, winzige blaue Blüthen von Kelchlänge, höckerige, kugelig-
würfelige Samen. — Auf sonnigen krautigen Abhängen und in lichten
Wäldern bis 5000° häufig: Catania (Heldreich in Guss. Syn., Herb.
Torn.!), Bronte (Guss. Syn.), Etnawälder, Bosco Maletto (Bivona in
Herb. Guss.!), am Monte Po bei Pedara (Herb. Torn.!), Monti Rossi,
Bosco di Malpasso 4000° (Herb. Reyer!), in den Wäldern oberhalb
Nieolosi 3—5000'! auch Sardegna sammelte sie am Etna! var. b.
glabrata Guss. Syn. add. (mit fast fusshohem Stengel und kahlen
Blättchen) sammelte Tornabene im Lavasande um Nicolosi (Guss.
Syn. et Herb.!). März, April. ©.
1400. V. cassubica L. Bert. Fl. it., Guss. *Syn. et *Herb.! In
Wäldern des Etna (Guss. Syn., Biv. in Herb. Guss.!), in Wäldern
bei Milo und im Vallone di Milo, Catania Cosentini (Herb. Guss.!);
die in Guss. Syn. erwähnte Varietät mit grauzottigen Stengeln und
Blüthenstielen: Etna al Puntalasso, Contrada delle Giarre (Cosent.
in Herb. Guss.!). Juni, Juli. %.
1401. V. altissima Dsf. Fl. atl. IL, 163, W. Sp. pl. III, 1100,
*Bert. Fl. it., Guss. *Syn. et *Herb.!, Gr. Godr. I, 465, polysperma
Ten. Sehr hoch, ganz kahl, untere Blättchen 3—5paarig, elliptisch,
obere 6—-9paarig, länglich, stachelspitzig; obere Nebenblätter fast
eiförmig, ringsum borstig gezähnt, meist gewimpert; Blüthenstiele
länger als die Blätter, ziemlich reichblüthig; die oberen Kelchzähne
sehr kurz, die unteren fast von der Länge der Röhre, lanzettlich-
linear; Blüthen 13—16 Mm. lang, weisslich, an der Spitze bläulich,
reife Hülsen linear, über 4 Cm. lang, 6—7 Mm. breit, ziemlich
kahl, 6—10samig. Von ambigua und deren Verwandten schon durch
die Nebenblätter und Hülsen leicht unterscheidbar. An Zäunen und
zwischen Berggesträuch: Am Etna in der 'Tarderia, um Randazzo
(Guss. ]. e.!), um Milo (Bert., Guss. 1. e.!). Mai, Juni. 2%.
1402. V. atropurpurea Dsf. Fl. atl., *Bert. Fl. it., Guss. Syn.
et *Herb.! Ausgezeichnet durch ziemlich reichblüthige, langgestielte
Trauben mit abstehenden bis hängenden, fast 15 Cm. langen, weiss-
lichen, in der oberen Hälfte purpurschwarzen Blüthen und grossen,
dicht seidig-zottigen Hülsen. Auf Wiesen und Saatfeldern Sieiliens
nicht selten, auch im Gebiete: Aus Catania von Öosentini erhalten
(Bert, Herb. Guss.!), an sandigen Stellen um Catania (Horb.
Tornab.!). April, Mai. ©.
(Fortsetzung folgt.)
Tr
324
Literaturberichte.
Steininger Hans: Beschreibung der europäischen Arten des Genus Pe«
dicularis. Separat-Abdruck aus dem „Botanischen Centralblatt* Band
XXVII/XXX. 1886/87. gr. 8 (72 S.). Cassel 1887. Druck von Friedr.
Scheel.
Wie der obige Titel sagt, bringt der Verf. eine Beschreibung
der europäischen Pedicularis-Arten, welche er selbst nicht als eine
eigentliche Monographie dieser Gattung angesehen wissen will. Er
gruppirt die verschiedenen Species, bei welchen er zweckmässig nur
die ganz gut unterscheidbaren Formen näher bespricht, nach den
von C. J. Maximowicz in Diagn. plant. nov. asiat. II. 1887 auf-
gestellten Untergattungen und Sectionen. Die letzteren erweitert er
um zwei neue in dem Subgenus Anodontae Max., indem er die
Section „Acaules* von „Sceptra Max.“ abtrennt und für die sehr
eigenthümliche, unvermittelt dastehende Pedicularis limnogena Kerner
eine eigene Gruppe „Limnogenea“ bildet. Abgesehen von den Ba-
starden und Varietäten werden 47 Arten genau beschrieben (um
5 mehr als Nyman im Conspeetus florae europaeae aufführt), ihre
geographische Verbreitung und Höhenlage sorgfältig angegeben, und
es wird ihre Synonymik entsprechend berücksichtigt. Zur leichteren
Bestimmung der einzelnen Arten sind die zu einer Untergattung
gehörigen nach ihren unterscheidenden Charakteren in analytischer
Uebersicht zusammengestellt. Der Verf. hatte sich bei seiner Arbeit
der Unterstützung namhafter Botaniker und insbesondere des ihm
befreundeten Herrn Prof. A. Zimmeter zu erfreuen, von welchem
Letzteren wir bekanntlich die schätzbare Monographie: „Die europ.
Arten der Gattung Potentilla (Steyr) und den darauf sich stützenden
„Schlüssel zur Bestimmung der deutschen, österr.-ungar. und Schweizer
Potentilla-Arten“ (im Botaniker-Kalender 1887) besitzen. Es scheint
nur ein erfreuliches Zeichen der Zeit, dass unsere Lehrer an Volks-
und Bürgerschulen durch Arbeiten solcher Art mit denen ihrer
deutschen Collegen zu wetteifern beginnen. Dr. A. Kornhuber.
Zehnter Bericht des Botanischen Vereins in Landshut (Bayern) über die
Vereinsjahre 1886—87. Landshut 1837.
Dieser sehr thätige Verein in der alten bayerischen Universi-
tätsstadt und dem dermaligen Hauptorte von Niederbayern, dessen
Wirksamkeit wir bei der Besprechung des neunten Berichtes im
letzten Jahrgange dieser Zeitschrift hervorgehoben haben, bringt im
vorliegenden zehnten Bande seiner Publicationen neben den ge-
schäftlichen die Vereinsangelegenheiten betreffenden Mittheilungen
zwei wissenschaftliche Abhandlungen und einen Anhang. Die erstere
derselben ist eine mykologische, von Herrn Andr. Allescher,
nämlich die II. Abtheilung seines Verzeichnisses in Südbayern be-
obachteter Pilze, welche die Gymnoasei (9 Arten) und die Pyreno-
myceten (451 Arten) enthält, nebst einem Nachtrag zu den früher
von ihm aufgezählten Basidiomyceten jenes Florengebietes von 78
für letzteres neuen Arten, ferner mit einer beträchtlichen Anzahl
N
325
neuer Standorte, in deren Auffindung er insbesondere von Freiherrn
v. Lassberg und von Schnabl unterstützt wurde. Einige gut ent-
wickelte Pilze, deren Unterbringung unter bisher beschriebene Arten
dem Verfasser nicht gelang, sind kurz beschrieben, auf zwei Tafeln
Abbildungen in ihren Fruchtformen erläutert und, soviel als möglich
nach der Unterlage oder der Nährpflanze benannt, wie: Nectria
Hippocastani, Lophiostoma minimum, Otthia Staphyleae, Cucurbi-
taria Pruni avium und Pruni Mahaleb, Sphaerella Dipsaci, Mas-
saria fagicola, Diaporthe Ligustri, Valsa salicicola, Crataegi, nemo-
ralis, Rhamni, Laburni und quereicola und Oryptospora Quereus.
Die andere Abhandlung, von August Loher, enthält eine Aufzählung
der um Simbach am Inn wildwachsenden Phanerogamen (784 Arten)
und Gefässkryptogamen (25 Arten). In dieselbe sind 18 in der Um-
gebung des Bahnhofes aufgetretene Pflanzen, wie Rapistrum rugo-
sum, Nasturtium austriacum, Turgenia, Aanthium spinosum, Plan-
tago arenaria u. a. als eingeschleppt und noch unbeständig nicht
aufgenommen, sondern gesondert aufgeführt. Erweitert wird diese
Aufzählung noch durch einen Anhang, ein Verzeichniss von Pha-
nerogamen, die in Simbachs Umgebung nicht, wohl aber zwischen
dem Inn und der Salzach, namentlich um Heiming, sich finden und
vom Herrn Dekan Lachamer beobachtet wurden. Da über jene
Gegenden bisher keine floristischen Angaben vorlagen, so sind diese
Beiträge ebenso schätzenswerth für die Erweiterung unserer Kennt-
niss von der Verbreitung der Gewächse, als sie ein recht erfreuliches
Zeugniss eines regen Vereinslebens bilden, an welchem Männer der
verschiedensten Berufsrichtung, besonders Lehrer, Seelsorger, Aerzte
u. Ss. w., eifrigen Antheil nehmen. Dr. A. Kornhuber.
Monographie der Gattung Hedraeanthus. Von Dr. Richard von Wett-
stein, Privatdocent an der k. k. Universität in Wien. Besonders abgedruckt
aus den Denkschriften d. k. Akad. d. Wissensch. math.-naturw. lasse;
LIII. Bd. II. Abth. gr. 4. 28 Seiten. Mit 4 Tafel und 1 Karte. Wien 1887.
In Commission bei Carl Gerold’s Sohn.
Nach einer eingehenden Erörterung der morphologischen Ver-
hältnisse, sowie des anatomischen Baues der in Rede stehenden
Gattung kommt der Verfasser auf die systematische Stellung der-
selben zu sprechen. Da anfangs die hiehergehörigen Arten mit
Campanula vereinigt, dann von De Candolle zu Wahlenbergia ge-
stellt, jedoch von demselben Autor später als eine eigene Gattung
abgetrennt, endlich in neuester Zeit von Bentham und Hooker
wieder mit Wahlenbergia vereinigt wurde, so sind die Ausführungen
des Verfassers, dass Hedraeanthus eine selbstständige Gattung bilde,
von grossem Interesse. Ergaben schon die morphologischen und ana-
tomischen Unterseliiede die Nothwendigkeit einer Trennung von den
übrigen Campanulaceen-Gattungen, so ist Hedraeanthus schon durch
die an der Spitze sich öffnende, schliesslich ganz offene Kapsel ver-
schieden. Wenn auch die Unterschiede der Gattungen Hedraeanthus
und Wahlenbergia hinsichtlich des differenten Fruchtbaues, des cha-
rakteristischen kopfigen Blüthenstandes, der Blattstructur und -Stellung
326
an und für sich gering sind, so trägt doch ihre geographische Ver-
breitung zur Charakterisirung der Gattungen bei. Wie aus der bei-
gegebenen Karte ersichtlich, “finden sich die Mehrzahl der Arten aus
dem Genus Hedraeanthus in einem geschlossenen Verbreitungsbezirke,
dessen Centrum in Dalmatien und den benachbarten Theilen Bosniens
und Croatiens gelegen ist, und das sich von dort über den südöst-
lichen Theil Krains, über Istrien, Croatien, Serbien, das südwestliche
Siebenbürgen, den Banat, Montenegro, Macedonien, Griechenland,
Sieilien, Süd- und Mittelitalien erstreckt. Ausserhalb dieses Gebietes
liegt nur eine Art H. Owerinianus Rupr., die der alpinen Region
des Kaukasus eigen ist. Bei der Gattung Wahlenbergia sehen wir
dagegen den Stamm in seiner Hauptmasse als einen tropisch-australen.
Bei der nun folgenden Uebersicht der Arten der Gattung Hedraeanthus
finden wir in Form eines analytischen Schlüssels in der I. Section:
Uniflori vier Arten, nämlich HZ. Owerinianus Rupr., H. Pumilio
Port., H. Dinaricus A. Kern. und H. serpyllifolius Vis. In der
I. Seetion: Capitati sieben Arten, und zwar: H. Kitaibelii DC.,
H. Serbicus A. Kern, H. Dalmaticus DC., H. tenuifolius W. K.,
H. caricinus Schott., ig graminifolius L. und H. Oroaticus A. Kern.
Jede dieser Arten ist mit den Synonymen, einer vollständigen Dia-
gnose, der geographischen Verbreitung, Blüthezeit und Betrachtungen
mit der am nächsten stehenden Art eingehend besprochen. Die hiezu
von dem Autor entworfenen Zeichnungen veranschaulichen in ebenso
klarer Weise die vorhergehenden Erläuterungen, wie denn überhaupt
die Arbeit von dem Fleisse und dem tiefen Wissen dieses unermüd-
lichen Forschers zeugt.
Beiträge zur Flora von Horn. Von Augustin Bachinger, Gymnasial-
Professor. Horn 1887. Verlag von F. Oesterreicher in Horn. 8. 37 Seiten.
Von diesem in floristischer Beziehung verhältnissmässig wenig
gekannten Gebiete Niederösterreichs gibt der Verfasser ein Verzeichniss
nebst Standortsangaben und Blüthezeit jener phanerogamen Pflanzen,
welche in der Umgebung von Horn im Umkreise von zwei bis drei
Stunden entweder wildwachsend oder eultivirt vorkommen. Wenn
auch, wie der Autor selbst zugibt, dadurch kein vollständiges Bild
der Flora Horns geschaffen wurde, so bildet diese Schrift dennoch
einen schätzenswerthen Beitrag zur Kenntniss unserer heimischen
Flora. Die in Neilreich’s Flora von Niederösterreich für einige
Standorte angegebenen Bezeichnungen sind durch neue, dem heutigen
Gebrauche entsprechende Namen ersetzt. J.
Burnat et Aug. Gremli. @enre Rosa, revision du Groupe des Orien-
tales. Geneve et Bäle. H. Georg, libraire. — Edition 1887. gr. oct. VI.
und 90 Seiten.
Die durch ihre Arbeiten betreffend das Genus Rosa bestens
bekannten Autoren erläutern in vorliegender Arbeit jene höchst
interessante Gruppe von Formen, welche Crepin im Bulletin de la
327
Societe roy. d. bot. d. Belgique VIII. p. 258 (1869) grösstentheils
unter dem Namen „Örientales“ zusammenfasste. Das Material aus
ebenerwähnter Gruppe, welches den Verfassern zu Gebote stand, war
ein ziemlich bedeutendes, so das Herbar Boissier, das Musealherbar
zu Florenz, Herbarien Webb und Crepin ete. Nach einer Einleitung,
worin sowohl der zu behandelnde Stoff ausführlich auseinandergesetzt,
als auch die Anschauungsweise der Autoritäten betreffs einzelner For-
men der Gruppe dargelegt und sachlich besprochen wird, gehen die Auto-
ren zur Abhandlung der einzelnen Formen und Arten über. Zunächst
werden die Formen behandelt, welche früher den Gruppen der Euru-
biginosen und Sepiaceen zugezählt wurden, so Rosa asperrima Godet
(Micrantbae), R. interjecta Bur. et Gremli nov. spec. syn. R. glutinosa
Boiss. fl. Orient. II. p. 679 p. p. (Haussknecht Exsiec. Nr. 367)
(Eurubiginosae); R. Seraphini Viv. (Sepiaceae), R. sicula Tratt. (Gra-
veolentes), welche diessmal mit vollem Rechte von R. Seraphini
Viv. gesondert wird mit den Varietäten «. veridica Christ. (subvariet.:
ligustica Burn. et Gremli, subsessiliflora Bur. et Gr.), ß. Gussonei Bur.
et Gr. (mit der? subvar. aemula Bur. et Gremli), die algerischen,
marokkanischen, sowie die speeifisch orientalischen (griechischen
und kleinasiatischen) Formen der R. sicula Tratt. Ungemein aus-
führlich wird die R. Thureti Burn. et Gremli suppl. Ros. Alp. marit.
p. 17 et 78 (R. calabrica var. ß. Thureti Burn. et Gr., R. glutinosa
Gussone prod. fl. sie. I. p. 573 non Sibth. et Sm. R. glutinosa f.
sicula Christ. in Flora 1877 p. 446) besprochen. Dieser folgen R.
Strobliana Burn. et Gremli n. sp. (Eurubiginosae) (Syn. R. Her-
manni Burn. et Gremli obs. Roses Ital. p. 30, R. nebrodensis Strobl
exsice. fl. nebrod. 1874, Christ in Flora 1877 p. 447 non Gussone),
R. Coqueberti Burn. et Gremli (R. sicula X glutinosa?) (Syn. R.
rubiginosa ex herb. Gust. Coquebert de Montbret Nr. 1434 Aucher
Eloy herb. d’Orient, Graecia Nr. 1434); R. Oeta Burn. et Gremli
n. sp. (R. glutinosa X glauca vel Pouzini X glutinosa?). Es folgen
ferner die eigentlichen Orientales und zwar zunächst: R. glutinosa
Sibth. et Sm. fl. graec. prod. I. p. 348 (1806) non alior., als Synonyme
werden dazu R. pustulosa Bert., R. Libanotica Boiss., R. poterüi-
folia Schott et Kotschy, R. Dalmatica A. Kerner und R. Calabrica
Huter. Porta et Rigo exsiec. zum Theil mit Unrecht eitirt; unter
den Variationen der R. glutinosa Sibth. et Sm. wird A. pulverulenta
M.aB. des kaukasischen Florengebietes erwähnt, diese ausgezeichnete
Form würde wohl besser als Subspecies unter R. glutinosa ihren Platz
finden, mit besserem Rechte als viele der vorerwähnten Subspecies.
Die R. Tuchetica Boiss. fl. Orient. II. p. 673, wird entgegen der
Ansicht Cr&pin’s ebenfalls mit vollstem Recht von A. glutinosa
Sibt. et Sm. abgetrennt. Bei R. Heckeliana Tratt. Ros. monog. Il.
p. 85 (1823) wäre zu erwähnen, dass die Autoren wohl, wie den
Ausführungen zu entnehmen ist, keine Öriginalien vorliegen hatten,
auch ist hier das wichtige Citat „AR. mollis Heckel“ vergessen. Als
Varietäten werden dieser Species «. Parnassi (Sibth. et Sm.) syn.
R. Heckeliana var. graeca Burn. et Grml.ms. Rt. Heckeliana f. semi-
328
haplodonta Borbäs prim. monog. hRos. hung. p. 499 (1880), ferner
ß. atrichoclada Borbäs 1. e. p. 499 (1880) angereiht. Der R. Hecke-
liana Tratt. zunächst werden R. derelicta Burm. et Gremli obs.
Roses Ital. p.31, R. Guwiecardii Burn. et Gremli n. sp. (Heckeliana
> glutinosa ?) Heldreich exsiec. Nr. 2681 (1852), R. Olympica
Burn. et Gremli n. sp. (syn. A. pygmea var. Olympica Jos. Clementi,
sertul. orient. Taurini 1855 p. 40, R. glutinosa ß. tomentella Boiss.
fl. Orient. p. 679, R. orientalis var. b. Olympica Desegl. eat. rais.
p. 109, 1876), R. Orphanidis Boiss et Reuter diagn. pl. orient. aus-
führlich besprochen. Als letzte wird die R. orientalis Dupont mit
den zwei Varietäten «. Oliveriana Seringe und ß. Balbisiana Seringe
angeführt, welch’ letztere ich in der Bearbeitung der persischen Ro-
sen der Pollack’schen Expedition ausführlich auseinandersetzte. Was
die Sichtung des Materiales betrifft, so ist dieselbe überall eine klare
und gründliche, die Synonymik, Diagnose, geographische Verbreitung
und die kritischen Besprechungen sind ausführlich und präcis und
in einer Art gehalten, welche nur durch gründliches Studium
ermöglicht wird. Es liessen sich wohl noch zahlreiche Bemerkungen
über die nach Ansicht des Referenten hie und da nicht ganz rich-
tige Auffassungsweise und Abgrenzung der einzelnen Formen anknüp-
fen, im Allgemeinen jedoch ist vorliegender monographischer Versuch
als durchaus gelungen und zum Studium dieser interessanten Gruppe
als empfehlenswerth zu bezeichnen. Auch gestattet der knapp bemes-
sene Raum eben kaum mehr als ein gedrängtes Inhaltsverzeichniss
dieser ausführlicheren Arbeit zu liefern, da eine kritische Bespre-
chung wohl als eine selbstständige Arbeit nicht aber als Referat zu
betrachten und aufzufassen wäre, Braun.
Borbäs Vince: Nehäny füzbokor mäsodvirägzäsäröl (Ueber die zweite
Blüthe einiger Weidenarten). Erdeszeti Lapok 1887, p. 233—238.
Ref. zählt hier die Varietäten und Standorte der Salix rosma-
rinifolia L. auf, welche ganz in die Tiefebene des Alfölds hinein-
dringt. Die a) angustifolia Wulf. ist am meisten verbreitet (Nagy-
Körös, Vesztö, Palics, Klein-Zell im Eisenburger Comitat ete.), die
b) latifolia Neilr. oder 8. pratensis Host. (Räkos, Vesztö, auf dem
„Sziladi läp“, Elöpatak, Plitvicaer Seen ist seltener, während die
c) argyrotricha Borb., foliis utrinque argenteo-, sericeogue tomentosis,
also der S. argentes Sm. im Formenkreise der nördlichen 8. repens
L. entsprechend, aber von ihr durch schmälere und an der Spitze
nicht zurückgekrümmte Blätter verschieden, am Räkos bei Pest, bei
Palics und auf dem „Sziladi läp“') vorkommt. Alle drei Varietäten
fand Ref. von Juli bis Mitte September in verschiedenen Jahren
massenhaft zum zweitenmal blühen, und constatirte er auch reife
Samen von der zweiten Blüthe (Puszta-Sz. Mihäly, Csepelinsel,
7.—10. Sept. 1879). Diess ist auch die Ursache, wesshalb dieses
') Ein schwingender Boden mit Zypnum durchwachsen.
|
329
kleine sandbindende Sträuchlein an manchen Orten (Budapest, Palics)
so massenhaft vorkommt. Ref. hat ferner auch S. aurita bei Osäkäny
im Eisenburger Comitate Mitte August 1882 mit reichlichen zweiten
Blüthen gesehen. Ferner ist die zweite Blüthe der S. amygdalina
in der Form von S. semperjlorens Host. bekannt. Diese blüht und
fructifieirt bei der Budapester Donau im ganzen Sommer und Herbste,
aber auch die S. triandra L. (S. amygdalina b) concolor Koch) fand
Ref. in Iräz bei Vesztö im August von 1877—1884 öfters in zweiter
Blüthe. Ref. meint, dass die Vegetationszeit des Alfölds lang genug
ist, um eine zweite Blüthe dieser Sträucher jährlich hervorzurufen.
v. Borbäs.
Bäumler J. A. Beiträge zur Cryptogamenflora des Pressburger Comi-
tates. Sonderabdruck aus den Verhandlungen des Vereines für Natur-
und Heilkunde zu Pressburg. Jahrg. 1887, 8°, 59 8.
Wie aus der Einleitung der angezeigten Schrift zu entnehmen
ist, so beabsichtigt der Verfasser die Ergebnisse seiner Forschungen
in zwanglosen Aufsätzen niederzulegen, um dieselben als Bausteine
zur Verfügung zu stellen, wenn sich in späterer Zeit ein Botaniker
fände, der ein einheitliches Werk über die Cryptogamenflora dieses
Gebietes schaffen würde. Nach einem kurzen Rückblick auf die Ent-
wicklung der Pflanzenkunde im Pressburger Comitate, woraus die
wenig erfreuliche Thatsache hervorgeht, dass im Verlaufe von fast
hundert Jahren nur sechs Arbeiten vorhanden sind, die auch auf
Cryptogamen Rücksicht nehmen — beginnt B. mit der Aufzählung
der Pilze. Es werden die Sphaeropsideen (152 Arten), Melan-
conieen (28), Hyphomyceten (103) und Ascomyceten (157),
zum Abschlusse gebracht. Diese 440 Arten gehören 161 Gattungen
an. In systematischer Beziehung ist Verfasser ganz Saccardo ge-
folgt, sowohl was Nomenclatur, als auch Gruppirung anbelangt.
Jeder Art ist auch die Seitenzahl beigesetzt worden, wo sie im
„Sylloge Fungorum“ steht. Die Unterlage des Pilzes, der Fundort
und die Jahreszeit ist genau angegeben; bei zahlreichen Arten Mass
der Sporen und Sporenschläuche. Aufnahme sollen auch jene Pilze
finden, welche in Lumnitzer’s Flora Posoniensis und Endlicher's
Flora Pos. verzeichnet sind. Die Beobachtungen anderer Botaniker
jedoch werden nur dann Berücksichtigung finden, wenn darüber B.'s
erbarium Belege enthält. Die Aufstellung neuer Arten will Ver-
fasser möglichst vermeiden und nur in wenigen Fällen mussten Be-
schreibungen entworfen werden. Als neue Arten sind daher ausführ-
lieh beschrieben: Phyllostieta Zahlbruckneri, Comarosporium Viburni,
Septoria Holulyi, Uryptosporium lunulatum, Melanconium pallescens
und Vertieillium Aphidis. — Phyllachora Campanulae Fuck. wird
in das Sphaeropsideen-Genus Placosphaeria Sace. eingereiht und
dieses Vorgehen eingehend begründet. Es freut uns aufrichtig, etwas
Zusammenhängendes über die jedenfalls reiche Öryptogamenflora des
Prossburger Comitates, sozusagen ein classischer Boden bezüglieh der
390
Botanik Ungarns, zu erfahren. Es möge daher noch der Wunsch
beigefügt werden, dass die Fortsetzungen der „Beiträge“ möglichst
rasch auf einander folgen. Vs.
Die Rose. — Gymnasial-Schulprogramm des Cistereitenordens zu Stuhlweissen-
burg für das Schuljahr 1886/87. Von Ferdinand Läjer. Seite 1-72.
(Ungarisch.)
In dieser theils populären, theils wissenschaftlichen Betrachtung
der Gattung Rosa stellt Verfasser die seit ältesten Zeiten literarisch
vorhandenen Angaben zusammen. Nach einer allgemeinen Einleitung,
in welcher Verfasser auf Grund geschichtlicher Entwicklung auf die
mehrfach geänderte Beziehung zwischen dem Menschen und der
Pflanze hinweist, schildert er in historischer Reihenfolge all jene
Motive, welche den Menschen mit den Vegetabilien in immer nähere
Verbindung brachten. — Die einzelnen Abschnitte der Abhandlung
umfassen: I. Die Schönheit der Rose. II. Die frühesten Nachweise
der Rose auf Grund geschriebener Denkmäler und Sagen. III. Die
Rose bei den Morgenländern. IV. Die Bedeutungen der Rose. V. Die
Rose in den Gebräuchen der Völker. VI. Rosenwasser und Rosenöl.
VI. Die Rose in der Heilkunde und im Aberglauben. VIII. Die
geographische Verbreitung der Rosenarten und ihrer cultivirten
Formen. IX. Namhafte Rosenexemplare. Rein botanischen Inhaltes
ist bloss das VII. Capitel, wo unter Anderem erwähnt wird, dass
Plinius nur 11 Hauptformen und 4 Unterformen unterschied. Erst
im 16. Jahrhundert wurde dieser Gattung mehr Aufmerksamkeit
geschenkt, besonders in der Zeitperiode, wo Matthioli und Taber-
nämontanus botanisch thätig waren; welche in Deutschland allein
8—10 Arten unterschieden. Später, in der Zeit Tournefort’s, im
17. Jahrhundert kannten die Botaniker 25 Rosenarten, welche jedoch
Linne bis auf 10 reducirte, indem er sagt: „die Rosenarten sind
sehr schwer zu unterscheiden und zu charakterisiren, es scheint mir
beinahe, als hätte die Natur mehrere Arten mit einander vermischt,
oder — ihr Spiel treibend — aus einar Art die Zeit hindurch meh-
rere neue erschaffen, daher ist es, dass wer nur wenige gesehen,
dieselben viel besser zu unterscheiden weiss, als Jener, der weit mehr
gesehen.“ Verfasser beschäftigt sich ferner in diesem Capitel mit
der Abstammung der verschiedenen in Gärten der Cultur unter-
worfenen Arten und Spielarten der Rose, kennzeichnet die zahlreichen
in der rationellen Gärtnerei gebräuchlichen Methoden für Anpflanzung,
Aeugelung, Pfropfen -— sowie das Vorgehen bei der Hybridisirung.
K. Schilberszky.
Simonkai, Dr. Lud. Enumeratio florae Transsilvanicae vaseulosae eri-
tica. Ex mandatu societatis scientiarum naturalium regiae Hungaricae.
Budapest 1886, XLIX u. 678 8. 8.
Die botanische Kenntniss Siebenbürgens war nach dem Erscheinen
von Fuss’ „Flora Transsylvaniae exeursoria“ und Schur’s „Enume-
4 has
331
ratio plantarum Transsylvaniae* in ein Stadium der Zerfahrenheit
gerathen, dass man an deren Bannung vollends zweifeln und ein
‘ bedeutender Botaniker, wie V. von J anka in den beiden genannten
Werken ein Sündenregister der siebenbürgischen Botaniker "erblicken
musste. Von da ab haben sich die desolaten Verhältnisse insoferne
gebessert, als eine Reihe kritischer Arten aufgeklärt worden, und
blieb eine Revision der gesammten vorhandenen Angaben nach wie
zuvor ein unabweisbares Postulat. Es war somit eine glückliche Wahl
seitens der königl. ungarischen naturwissenschaftlichen Gesellschaft,
als diese sich im Jahre 1880 unter Anderem auch für die vom Verf.
damals projectirte Revision der siebenbürgischen Flora entschieden,
und ihm eine Subvention, mit der Andere wenig oder gar nichts
ausgerichtet hätten, gewährt hat. S. verkannte nicht den Ernst der
übernommenen Aufgabe, und trachtete, derselben soweit es seine
socialen und materiellen Verhältnisse gestatteten, gerecht zu werden.
Das hohe königl. ung. Cultusministerium gewährte ihm zeitweise
einen längeren Urlaub, während Dr. Th. von Ciesielski, Professor
der Botanik in Lemberg, das dort befindliche Schur’sche Herbar
fascikelweise zuschickte. So konnte er die Herbarien in Hermannstadt,
Klausenburg, Budapest und Wien durchsehen, während Gönner und
Freunde das Ihrige beitrugen, um die angestrebte Vollständiekeit
zu erreichen. Nach der Einleitung folet die Uebersicht der auf Sieben-
bürgens Flora bezüglichen Literatur, das erklärende Standortsver-
zeichniss unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Benennungen,
eine Charakteristik der siebenbürgischen Flora, darunter ein Vergleich
mit der deutsch-österreichischen und streng ungarischen, während die
endemischen Pflanzen Siebenbürgens zuletzt namhaft geworden. In
dem nunmehr folgenden Theile gibt der Verf. eine kritische Auf-
zählung der bisher bekannten Gefässpflanzen Siebenbürgens. Der Text
ist, mit Ausnahme der kritischen Bemerkungen, ungarisch und für
letztere auch lateinisch. Grosses Gewicht wurde auf die Nomenclatur
und Synonymik gelegt, welche ganz modern gehalten sind. Ebenso
fehlt es auch nicht an einer Reihe von neuen Arten, Varietäten und
Bastarden, insgesammt 29, deren Namhaftmachung zu weit führen
würde. Ein sorgfältig abgefasstes Synonymenregister bildet den Schluss.
Das Werk verdient, weil eine längst gefühlte Lücke ausfüllend, die
eingehendste Beachtung. Druck und Ausstattung sind gefällig, doch
hätte eine grössere Abwechslung in der Wahl von Lettern den Worth
des Ganzen noch mehr erhöht. Joseph Armin Knapp.
——
Correspondenz.
Mariaschein in Böhmen, am 24. Juli 1887.
Im 5. Hefte der Oesterr. botan. Zeitschrift brachte Herr Prof.
Voss eine Mittheilung über Doppelzwiebel. Solche Doppelzwiebel
finden sich hier oft bei Tulipa silvestris; die in Grasgärten oder
332
richtiger auf Gartenwiesen häufig vorkommt, aber selten blüht. Beim
Versetzen einiger Exemplare in den eben angelegten Schulgarten
grub ich etwas tiefer und fand fast jedes Exemplar, wenigstens jedes
zweite mit einer Doppelzwiebel (+ 10 Cm. von einander entfernt)
versehen. Ausserdem hat ein hiesiger Zögling heuer ein zweiblüthiges
Leucojum vernum gesammelt, dessen eine Blüthe normal, die andere
abnormal mit 10 Staub- und 10 Perigonblättern versehen ist.
J. Wiesbauer 8. J.
»
Prossnitz, am 5. August 1887.
In der Umgebung von Wischau fand ich unter Anderem bei
Drysic: Euphorbia virgata W. Kit., Hypochoeris maculata, Oro-
banche epithymum DC., Verbascum phoeniceum, Thymus Marschallianus
Willd., Salvia verticillata, Conringia orientalis Andrzej., Papaver
rhoeas PB) strigosum Bönigh., Silene otites Smith, Linum flavum,
austriacum, Rosa austriaca Crantz, complicata Gren., vinodora Kern,
Obornyana Christ, hirta H. Braun, Lathyrus latifolius. Bei Pistovie:
Potamogeton lucens, Avena tenuwis Mönch, Melica ciliata P) transsil-
vanica Schur, Alisma plantago P) lanceolatum, Euphorbia polychroma
Kerner, Hieracium cymosum, Inula conyza DC., Gallium elongatum
Presl, Pulmonaria mollissima Kern., Geranium columbinum, Rubus
plicatus Wh., candicans Wh., fossicola Holuby, caesius f., aquatica
Wh., Rosa coriifolia Fries, Potentilla canescens Bess. Bei Ratie:
Allium falax Schult., rotundum, Chenopodium polyspermum, Carduus
crispus, Artemisia absinthium, Gallium boreale, Sinapis alba, Papa-
ver argemonme, Geranium divaricatum Erh. Scleranthus perennis, Rosa
glauca Vill, Pirus torminalis. Im Schlosspark daselbst an der Schloss-
mauer wachsen zahlreich verwildert Centranthus ruber DC,, Antir-
rhinum majus und Gypsophyla paniculata. Bemerkenswerth ist unter
dem Cerchovna Hradech ein mächtiger Epheu, Hedera helix, mit
armdickem Stamm und sehr grossen Blättern, die eine ganze Felsen-
wand bedecken. W. Spitzner.
Brünn, am 6. August 1887,
Der Besuch der Polauer Gegend führte mich nach Schakwitz,
Ich fand bei Schakwitz: Poa dura, Sagittaria sagittaefolia, Hydro-
charis morsus ranae, Salvia silvestris, Reseda lutea, Silene otites,
Caucalis daucoides, Chaerophyllum bulbosum, Spiraea filipendula.
Dr. Formänek.
Vesztö, 7. August 1887.
.Johann v. Csatö schickte mir im Sommer 1886 aus Sieben-
bürgen einen Juniperus, welcher zwar keine Früchte hatte, aber nach
den Blättern ungefähr die Mitte zwischen J. Sabina und J. commu-
ee
u ZU U Du
333
nis hält, dem ersteren näher stehend, aber durch beträchtlich län-
gere Nadeln sicher von ihm verschieden. Ich bestimmte diesen Juni-
perus nach Boissier's Fl. orient. als J. foetidissima Willd., in wel-
chem J. sabinoides Gris. als Syn. gezogen wird, und ich gratulirte
dem glücklichen Entdecker, denn ich erfuhr von Pichler, dass Hof-
rath v. Kerner diese Art in Croatien nachzusuchen ihm besonders
empfahl; was wir aber am Velebit sammelten war nur J. Sabina.
Den siebenbürgischen Juniperus beschrieb später Csat6ö in Magyar
Növenytani Lapok (1886) X. pag. 145 als J. Kanitzü Cs. (J. Sabi-
na > communis), zu Ehren des Prof. A. Kanitz, dem patriotischen
Begründer der ungar. botanischen Zeitschrift. Nun lege ich auf meine
erste Bestimmung nicht viel Gewicht, denn ich sah die Früchte die-
ses Juniperus Kanitzöi nicht; andererseits versicherte mich aber Csat6,
dass dieser Wachholder nach dem Vorkommen zwischen den ge-
nannten Eltern, sowie nach den systematischen Merkmalen ein wah-
rer Hybrid zu sein scheint, und so kann er von J. foetidissima ver-
schieden sein. Nun überrascht uns Simonkai mit seiner neuen Enum.
Florae (sie.!) Transsilv., wo pag. 597 J. Kanitzii ein J. Sabina L.
wäre!, eine Pflanze, welche die halbe Länge der Blätter von J. com-
munis besitzt! In dieser eitirten Arbeit finden wir aber zahlreiche
Zusammenziehungen und Unrichtigkeiten, man soll nur Mentha oder
Rosa vergleichen. So ist auch Typha Schuttleworthüi wt Janka,
Rohrbach und Borbäs nur 7”. latifolia L.!, also weder die syste-
matischen Merkmale, noch die viel frühere Blüthezeit wurden berück-
sichtigt, obwohl ich diese Pflanze zwischen Ujszäsz und Nagy Käta
in diesem Jahre schon am 31. Mai verblüht sah. Und dabei weiss
man, dass die Vegetation des Tieflandes sich etwas später erweckt,
als in Gebirgsgegenden. Dianthus Armeriastrum Wolfn. wäre auch
nur D. Armeria, obwohl ich diese Nelke in 70 Exemplaren‘) im
Baenitz herb. europ. von Nagy-Enyed, sowie auch Phleum serrula-
tum von Szekelykö ausgab. Dianthus Ameriastrum ceultivirte Ker-
ner in Innsbruck aus Samen, welche ich ihm von Petrozseny schickte
und blieb die Pflanze constant. Sie hat jedenfalls mehr constantes
Merkmal, als Tilia grandifolia und T. platyphyllos, welche Simon-
kai specifisch trennen will. Auch muss ich gegen die Vereinigung
meiner Lappula heteracantha (Led.) mit Echinospermum Lappula
protestiren, denn Verf. hat meine Pflanze nicht gesehen. Rosa spi-
nosissima und R. pimpinellifolia L., zwei schwache Formen, welche,
wenigstens in Ungarn, nicht bestimmt verschieden sind, sind gr
trennt angeführt; aber dafür werden zahlreiche sehr gute Arten der
neuen Rhodologen, ohne dass sie Verf. geprüft oder gesehen hätte,
dutzendweise zu einer heterogenen Art gezogen, doch Rosa spuria
Pug. als R. Marisensis Simk. et Braun, R. dacica Borb. aber
als R. barcensis als neue Arten angeführt. Aus einem Briefe von
Freund Braun erfuhr ich jedoch, dass er auf die Mitautorschaft
der R. Marisensis nicht besonders stolz ist. Galium flavicans Borb.
*) 100 Exemplare liegen auch in Wien für die Flora exs. Austr-Hung.
Oesterr. botan. Zeitschrift, 9. Heft 1887, 27
334
in Flor. com. Temes. 1884, (G. ochroleucum Kit., non Wolff.),
über welche Art ich heuer in Oe. B. Z. berichtete, ist 1887 wiederum
in @. Marisense Simk. umgetauft. Mit Inula hybrida ist aber
pax nobis, denn Verf. bekennt jetzt nach den Erklärungen von Ösat6,
Borbäs, Beck, Schiller, dass sie mit der österreichischen Z. ensi-
folia > germanica exemplaribus indermediis conjungitur. Nun etwas
über Quercus Csatdi, welche ich heuer in Oe. B. Z. besprach. Diese
wäre nach Verf., in Erdesz. Lap. 1887, pag. 41 (5. März 1887) un-
zweifelhaft eine Qu. Robur X lanuginosa und zwar der letzteren
näher verwandt, 1. e. 415 (5. Juni 1887) ist Qu. Osatoi schon nur
wahrscheinlich diese Combination, endlich in der eitirten neuen
Enumeratio (5. August 1887) ist Qu. Osatoi Borb. — Qu. Streimü
> sessiliflora! — Ich glaube, jedoch für diejenige Combination zu
sein, welche ich 1. ce. erörterte. Rumex biformis Menyh. kann man
ferner nicht beibehalten, denn es besteht schon ein älterer R. bifor-
mis Lange! Unsere Pflanze werden wir also R. odontocarpus (Sän-
dor) nennen. Diesen Namen habe ich aus dem Herbare der Buda-
pester Universität in meiner Fl. Budap. 1879 als Synon. publieirt
und nun freue ich mich, dass dieser Name in Anwendung gelangt,
denn er rührt von einem sehr fleissigen und scharfsinnigen Beobach-
ter her, der aber seine reichen Erfahrungen und kritischen Beschrei-
bungen, welche im eitirten Herbare, auf den Etiquetten zu lesen
sind, nicht herausgeben konnte. Ich habe diesem fast unbekannt
hochverdienten Verewigten ein Epilobium Sandorii in meiner Be-
schreibung der ungarischen Epilobium-Arten 1879 gewidmet, und
gehört zu diesem Hybriden das neue E. biharicum Simk.
v. Borbäs.
Siedliska (Galiz.), am 9. August 1887.
Nachstehende weitere Daten aus der galizischen Flora verdienen
dahier hervorgehoben zu werden: Potentilla pallida Lehm. (P. recta
Zimmet., an L.?) in Hotosko und im „Kaiserwäldchen“ b. Lemberg,
durchaus identisch mit Lehmann’s mir vorliegenden Originalexem-
plaren aus Deutschland; Pot. leopoliensis m. im „Kaiserwäldchen*“;
Pot. leucopolitanoides m., ibidem; Pot. supererecta X reptans, in
Pawiowa b. Sieniawa, unter den Stammeltern; Zappa minor X tomen-
tosa, beim Polytechnicum in Lemberg unter den Stammeltern; Pul-
monaria mollissima im Revier Lupa b. Sieniawa mit Agrimonia
odorata und Hieracium boreale Fr. Br. Btocki.
Personalnotizen.
— Dr. S. Schwendener wurde zum Rector der Universität
Berlin für das nächste Studienjahr gewählt.
335
— Dr. W. Pfeffer, Professor in Tübingen, ist zum 0.Profes-
sor der Botanik und Director des botanischen Gartens der Universi-
tät Leipzig ernannt worden.
— Dr. Vincenz Kosteletzky, emer. Professor der Botanik und
Director des botanischen Gartens an der Universität Prag, ist am
18. August zu Dywitz bei Prag im 87. Lebensjahre gestorben.
— Paul Conrath, Assistent an der deutschen Technik in
Prag, hat eine Reise nach Transkaukasien unternommen.
— H. Wawra v. Fernsee’s sehr gelungenes Porträt nebst
einer biographischen Skizze desselben, verfasst von Dr. G. Beck,
ist in der Wiener illustr. Gartenzeitung Nr. 8 erschienen.
Vereine, Anstalten, Unternehmungen.
— K.k. zoologisch-botanische Gesellschaft. — In Er-
gänzung des Berichtes (S. 298) über einen Vortrag von Dr. v. Wett-
stein in der Monatsversammlung der zo0l.-botan. Gesellschaft am
6. Juli, betreffend einige neue Funde im Bereiche der niederöster-
reichischen Flora wäre noch nachträglich zu bemerken, dass das da-
bei erwähnte Bunium Bulbocastanum vom Geisberge bei Rodaun,
von welchem auch Exemplare den Anwesenden vorgezeigt wurden,
von Professor Dr. A. Kornhuber am obigen Standorte im Juni
d. J. in zahlreichen Exemplaren entdeckt und auch als solches er-
kannt wurde.
— Die 60. Versammlung deutscher Naturforscher und
Aerzte findet vom 18. bis 24. d. M. in Wiesbaden statt. Als Ge-
schäftsführer fungiren Dr. R. Fresenius, Geh. Hofrath und Profes-
sor und Dr. A. Pagenstecher, Sanitätsrath; als Einführender in
die botanische Section Apotheker Vigener in Biebrich und als deren
Schriftführer Garteninspeetor Dr. Cavet. Die Geschäftsführung be-
findet sich: Kapellenstrasse 11 in Wiesbaden.
——
Sammlungen.
— Das von Dr. A. Pokorny, Direetor des Leopoldst. Comm.
Gymnasium, hinterlassene Herbarium wurde von dessen Witwe dem
Unterrichtsministerium mit der besonderen Widmung für das pflan-
zenphysiologische Institut der Wiener Universität zum Geschenke
emacht. Obiges Herbarium ist eine der grössten Privatsammlungen
esterreichs.
—— je.
330
Botanischer Tauschverein in Wien.
Sendungen sind eingelangt: Von Herrn Dr. Kornhuber, mit
Pflanzen aus Niederösterreich. — Von Herrn Pastor mit Pflanzen
aus Böhmen. — Von Herrn Piceioli mit Pfilanzen aus Italien,
Sendungen sind abgegangen an die Herren K. Strobl und
v. Crespigny.
Vorräthig: (B.) = Böhmen, (Bd.) = Baden, (Br.) = Berlin,
(Cr.) = Croatien, (E.) = England, (I.) — Istrien, (M.) —= Mähren,
NOe.) — Niederösterreich, (OOe.) = Oberösterreich, (P.) — Polen,
(Rp) — Rheinprovinzen, (S.) = Salzburg, (Sl.) — Schlesien, (St.)
— Steiermark, (T.) = Tirol, (U.) = Ungarn, (W.) —= Westfalen.
Neotia Nidus avis (ODe. P.), Nepeta pannonica (U.), Neslia,
paniculata (OOe. P.), Nigella arvensis (Br. NOe. P. U.), Nigritella
angustifolia (NOe. T.), Nonnea pulla (Cr. U.), Nuphar luteum (W.),
Nymphaea alba (W.), candida (B.), semiaperta (Sl.), Odontites Ko-
chii (1.), Oenanthe erocata (E.), fistulosa (W.), Lachenalii (Bd. E.),
Phellandrium (Rp.), Oenothera muricata (Br.), Omphalodes scorpioides
(O0e. U.), Ononis Columnae (NOe.), repens (NOe. O0e.), Orchis
coriophora (Br. St.), latifolia (OÖe.), maculata (NOe.), mascula Mr
NOe.), militaris (NOe. OOe. Rp.), Morio (M. NOe. U.), Rivini (W.),
sambucina (M. NOe. U.), speciosa (OOe.), Trraunsteineri (S.), ustu-
lata (NOe. T.), variegata (NOe. ÖOe.), Origanum vulgare (U.), Or-
laya grandijlora (NOe.), Ornithogalum nutans (NOe.), tenuifolium
(B.), Ornithopus compressus (Calabrien), perpusillus (Pommern),
Orobanche minor (Bd.), ramosa (P.), Rapum (Bd.). Orobus panno-
nieus (NOe. U.), vernus (NOe.), versicolor (Cr.), Oryza sativa (1.),
Östericum palustre (Br.), Ostirya carpinifolia (St.), Owalis Acetosella
(NOe. OOe.), strieta (Cr. P. St.), Oxytropis pilosa (NOe. Rp.), Pae-
onia tenuifolia (Siebenbürgen), Panicum Orus galli (B. U.), milia-
ceum (B.), sanguinale (B.), Papaver alpinum (NOe.), Argemone (B.
-NOe.), hybridum (E.), Rhoeas (NOe. P.), Parietaria difusa (W.),
erecta (U.), Parnassia. palustris (Cr. Sl. U.), Passerina annua (NOe.
P.), hirsuta (Italien), Pedicularis foliosa (OOe.), Jacguini (O0e.),
incarnata (OOe.), palustris (NOe.), silvatica (M. OOe. P.), Peganum
Harmala (U.), Peltaria alliacea (NOe.), Peplis Portula (P.), Petasites
albus (Sl. U.), oficinalis (NOe. St.), Petrocallis pyrenaica (NOe.),
Petroselinum sativum (Br.), segetum (E.), Peucedanum Chabraei
(NOe.), Phaca australis (S.), frigida (NOe.), Phalaris arundinacea
(B. P. St.), picta (Sl.).
Obige Arten können nach beliebiger Auswahl im Tausche
oder käuflich die Centurie zu 6 fl. (12 R. Mark) abgegeben werden.
Redacteur und Herausgeber Dr. Alexander Skofitz. — Verlag von ©. Gerold’s Sohn.
C. UVeberreuter'sche Buchdruckerei (M. Salzer) in Wien.
Oesterreichische
Botanische Zeitschrift,
Die österreichische : Exemplare
botanische Zeitschrift Oroan die frei durch die Post be-
erscheint > zogen werden sollen, sind
den Ersten jeden Monats. fü blos bei der Redaction
Man pränumerirtauf selbe a (IV. Bez., Mühlgasse Nr. 1)
mit 8 fl. öst. W. zu pränumeriren,
(16 R. Mark) Botanik und Botaniker. _ '" Wese ass
ganzjährig, oder mit Buchhandels übernimmt
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halbjä = PS c. na Sohn
Inserate in Wien,
die ganze Petitzeile 0. sowie alle übrigen
15 kr. öst. W. N= 10. linie
u _ _ _ . . _ ._ _. ._ _. — — — _—
XXXVII Jahrgang. WIEN. October 1887.
INHALT. Ueber einige neue orientalische Pflanzenarten. Von Dr. L. Celakovsky.— Teratologie
der Wallnuss. Von Dr. Borbäs. — Flora von Nord-Mähren. Von Dr. Formänek. — Hieracien.
Von Schneider. — Tirol-Fahrt. Von Freyn. — Flora des Etna. Von Strobl. -— Literatur-
berichte. — Correspondeuz. Von Formänek, Blocki, Simonkai, Schilberszky, Karo. —
Personalnotizen. — Vereine, Anstalten, Unternehmungen. — Botanischer Tauschverein. — Inserate.
Ueber einige neue orientalische Pflanzenarten.
Von Dr. L. Öelakovsky.
I. Gattung Cerastium L.
Das Cerastium grandiflorum in Boiss. Fl. Orient. I. pag. 727
kann schon der Beschreibung nach: „pilis retrorsis brevibus incanum
vel ad folia glabratum“ mit der echten Pflanze Waldstein-Kitaibels
nicht identisch sein. Denn die letztere ist durch einen weissen, wei-
chen, feinen, kraus-langhaarigen, angedrückten oder unregelmässig
abstehenden Filz aller krautigen und trockenhäutigen Theile ausge-
zeichnet. Ich habe das €. grandiflorum W. K. nur aus Dalmatien
und Croatien gesehen, kann daher nicht sagen, inwieweit die aus
den südslavischen und griechischen Ländern (Montenegro, Hercego-
wina, Bosnien, Serbien, Macedonien, Thessalien, Aetolien) angegebene
Pflanze dazu gehört oder nicht gehört. Was aber die kleinasiatischen
"Standorte betrifft, auf welche sich Boissier’s Bemerkung bezieht,
dass sie nicht grau behaart Vnlgegrdh sondern nur etwas grau oder
verkalilt (canescentes vel glabratae) sind, so ist mir wahrscheinlich,
dass sie wohl alle oder zum Theil nicht zum echten ©. ke
forum gehören werden'), wofür die noch folgenden Beobachtungen
sprechen.
') Die kaukasische Pflanze ist wohl echt, nach der Beschreibung Lede-
our’s und nach Boissier's Bemerkung: planta macedonica et caucasica in-
ae sunt. ’
Ossterr. botan. Zeitschrift. 10, Heft 1887, 28
338
(©. brachyodon n. sp.) Dass Boissier seinerzeit sehr verschie-
dene Pflanzen als ©. grandiflorum determinirt hat, bezeugt eine mir
vorliegende Scheda zu einer Kotschy’schen Pflanze vom Berge
Bimgöll in Armenien („in nudis arenosis versus jugum summum montis
Bimgöll alt. 8000 ped. 23. August 1858 n. 524“). In der Fl. Orient.
wird die N. 524 der Kotschy’schen Exsiccaten unter ©. grandiflo-
rum nieht mehr eitirt, sondern unter ©. gnaphaloides Fenzl, obwohl
mit einem etwas anders lJautenden Standort; in Armenia merid. prope
Bitlis. Die bei der Scheda 524 als €. grandiflorum liegende Pflanze
hat nun mit der Waldstein-Kitaibel’schen Art gar keine Aehnlichkeit,
aber auch vom ©. gnaphalioides Fenzl (Kotschy, vom Bulgar Dagh
im Taurus, 8—9000°, determ. Fenzl!), dem sie freilich schon viel
ähnlicher sieht, ist sie deutlich verschieden. Das ©. gnaphalioides ist
durch eine dichte Wollbekleidung aus langen weichen Haaren, beson-
ders auf den jüngeren Blättern, am Blattgrunde, auf den Kelchen,
durch länglich-ovale oder spatelförmige, hellgrüne, getrocknet gelb-
lich werdende Blätter und durch einen ganz ungewöhnlich breiten,
resp. am Ende der Bracteen und Kelchblätter langen scariösen Rand
dieser Theile ausgezeichnet.') Die Pflanze von Bimgöll hat ein
lockeres, viel kürzeres, wenig auffälliges Wollhaar, lineal-längliche,
dunkelgrüne, derbere Blätter, wenigstens um ein Drittel kleinere
Kelche, minder breiten Hautrand der Kelch- und Deckblätter, die
Kapsel spaltet bei beiden Pflanzen mit ziemlich breiten, flachen,
kaum umgerollten Zähnen, doch sind diese Zähne bei der Bimgöll-
Pflanze nur doppelt so lang als breit und die kleinere Kapsel selbst
zur Spitze kegelförmig verschmälert, beim ©. gnaphalioides aber sind
die Kapselzähne dreimal länger als breit und die breitere Kapsel zur
Spitze wenig schmäler. Habituell sieht die Bimgöllpflanze einem (©.
arvense recht ähnlich, von dem es sich aber durch die nicht umge-
rollten Kapselzähne und die weiche, drüsenlose Behaarung sogleich
unterscheidet. Ich glaube nicht, dass man die Form des Bimgöll noch
zum ©. gnaphalioides bringen kann und bezeichne sie als ©. brachyo-
don (mit Bezug auf die kurzen Zähne der Kapsel).
(©. adenotrichum n. sp.) Sintenis hat ferner von seiner Troja-
nischen Reise (1883) ein Cerastium vom Berge Ida (in marmor. mon-
tis Szu-Szus-Dagh, 20. Juli 1883, Nr. 609) mitgebracht, welches von
P. Ascherson ebenfalls für ©. grandiflorum bestimmt und so ver-
theilt worden ist. Der Wuchs, die schmalen linealen Blätter, die
angeschwollenen Knoten der unteren Stengelglieder, die verlängerten
1 bis 2 obersten Stengelglieder unterhalb der Inflorescenz erinnern
allerdings an €. grandiflorum, die Kapsel springt auch mit 10 flachen,
geraden, etwas abstehenden Zähnen auf, aber an eine Identität mit
'‘) Nyman führt das ©. gnaphalioides mit kleiner Schrift nach ©. to-
mentosum, also als Subspecies dieses letzteren an, mit der Standortsangabe
Montenegro. Von C. tomentosum aber ist die Fenzl’sche Art, die Boissier
nur aus Kleinasien angibt, gewiss verschieden, somit muss das „CO. gnapha-
lioides“ von Montenegro auf einer falschen Bestimmung beruhen.
339
diesem, sei es auch als eine besondere Varietät desselben, ist doch
nicht zu denken. Die auffälligste Verschiedenheit besteht in der ganz
anders gearteten Behaarung. Die Bestimmung der Trojaner Pflanze
als C. grandiflorum erklärt sich nur, wenn man den Umstand berück-
sichtigt, dass die Behaarung des ©. grandiflorum gemeiniglich für
sehr veränderlich gehalten wird (daher auch ©. banaticum Heuff. für
eine Varietät dieser Art angesehen worden, worüber später), während
sie in Wahrheit ganz constant ist und nur insoferne wandelbar zu
sein scheint, als an älteren Basaltheilen des Stengels der Filz, der
überhaupt leicht abkratzbar ist, sich öfter zuletzt verliert. Bei der
Trojaner Pflanze ist aber nirgends eine Spur von dem Filze des ©.
grandiflorum vorhanden, vielmehr ist die ganze Pflanze auf Stengeln,
Blättern, Blüthenstielen, Bracteen und Kelchen mit sehr feinen,
kurzen, horizontal abstehenden, auf den Axentheilen ganz dichten,
auf Blättern und Kelchen weniger dicht stehenden Drüsenhaaren be-
setzt, daher ich die Art, welche offenbar neu ist, Cerastium adeno-
trichum benenne. Drüsenlose Haare fehlen fast ganz, nur am Stengel-
grunde, wo die Drüsenhaare nicht oder nur spärlich auftreten, findet
man etwas steifere und ein wenig längere, doch zerstreute drüsenlose
Haare. In Folge der kleinen reichlichen Drüsenhaare ist die ganze
Pflanze sehr klebrig, daher man ihr kleine Erdkrümchen und Sandkörn-
chen anhaften findet. Schon durch diese ganz verschiedene Behaarung
wäre das ©. adenotrichum vom ©. grandiflorum genugsam verschieden.
Es gibt aber ausserdem noch eine Reihe anderer Verschiedenheiten.
Die Blätter sind nicht so lang (die längsten nur 3'/, Cm.) als beim €.
grandiflorum (hier bis 5 Cm. lang), die oberen lineallanzettlich, über
der Basis am breitesten und dann zum Grunde zugeschweift ver-
schmälert. Beim ©. grandiflorum sind auch die obersten Blätter am
Grunde gleich breit oder noch etwas breiter. Der Blüthenstand der
Trojaner Pflanze ist armblüthiger, meist nur eine 2—3blüthige, fast
doldenartige Cyme, die 1—2 seitlichen Blüthen nicht oder wenig
länger gestielt als die Mittelblüthe und ihr Stiel selten aus der Achsel
eines seiner Vorblätter eine kurzgestielte Blüthe dritten Grades
tragend. Beim €. grandiflorum sind die Cymen öfter bis 10- und
mehrblüthig, die Seitenzweige 1. und 2. Grades verlängert und wieder
dichotomirend. Die Blüthen des ©. adenotrichum sind kleiner als die
des €. grandiflorum, sowohl die Kelche als auch die Blumenblätter,
die, so viel die getrocknete Pflanze schliessen lässt, nur so gross wie
beim ©. arvense zu sein scheinen. Die Kelchblätter und Bracteen
besitzen einen breiten, grünen und vom weissen Hautrande scharf
abgesetzten Mittelstreif, während sie beim ©. grandiflorum grössten-
theils durchscheinend seariös sind und nur ein kleinerer Theil der
pe, ohne sich vom Hautrande scharf abzugrenzen, grünlich gefärbt
eint.
(Cerastium banaticum Heuff.) Eine andere Art, die bisher
eistens für eine Varietät des ©. grandiflorum gehalten worden, ist
©. banaticum Heufl. (C. grandifl. ß. banaticum Rochel, ©, grandijl.
. glabrum Koch). Doch bemerkt Nyman im en „species
340
distincetissima seenndum Janka“, scheint aber nicht recht davon über-
zeugt zu sein, da er es trotzdem als Varietät des ©, grandijlorum
verzeichnet. Ganz gewiss ist es eine von ©. grandiflorum verschiedene
Art, ebenso wie das (©, adenotrichum. Wir besitzen sie im böhmischen
Museumsherbar zweimal von Rochel selbst, einmal als ©, grandifl.
b. banaticum Rochel sel. pl. banat. bezeichnet, von der Kolumbacser
Höhle im Banat, dann mit der Scheda ©. sufruticosum Lamk? e ru-
pestribus Banatus 1815.
Die Behaarung dieses ©. banaticum ist nun wieder von jener
des ©. grandiflorum wesentlich verschieden. Drüsenhaare fehlen zwar
gänzlich, wie bei diesem, jedoch statt eines weichen gekrausten Filzes
finden sich hier kürzere, steifere, nach rückwärts gekehrte Haare
(Boissier’s „pilis retrorsis brevibus“ würde hier passen), und zwar
ist der obere Theil des Stengels sammt den Blüthenstielen durch sie
ringsum flaumig, an den untersten Stengelgliedern aber nur in zwei
von den Commissuren der Blätter herablaufenden Streifen behaart.
Die Kelche sind ebenso, aber mehr angedrückt, nur am Grunde etwas
abstehend behaart.') Die Blätter sind gegen den Grund gewimpert,
sonst kahl oder nur mit sehr zerstreuten Härchen, der Gestalt nach
denen des ©. grandiflorum allerdings gleichend (auch an der Basis
alle breiter), obwohl kürzer. Die Inflorescenz ist armblüthig, meist
2—3blüthig, alle Blüthen ziemlich langgestielt, die Kelchblätter haben
einen breiten grünen und scharf abgesetzten Mittelstreif, der mit ver-
schmälerter Spitze in den minder breiten Hautrand auslauft. Die
Pflanze ist in allen Theilen kleiner, dünnstengeliger als das ©. gran-
diflorum.
Aus Allem geht hervor, dass Rochel, dann Koch und A. das
©. banaticum mit Unrecht für eine Abart des ©. grandiflorum ange-
sehen haben. Gegenüber Jenen, welche vielleicht die Behaarungs-
unterschiede, welche hier ganz besonders hervorstechen, für unwesent-
lich erklären und sich auf die wirklich variable Behaarung anderer
Cerastium-Arten, z. B. ©. arvense, brachypetalum u. s. w. berufen
würden, ist soviel zu bemerken: Wenn Cerastium brachypetalum in
der einen Form (dem ©. tauricum Spreng.) eine doppelte Behaarung
besitzt, aus längeren drüsenlosen und kürzeren drüsentragenden Haaren
bestehend, wenn die Menge der Drüsenhaare hiebei sehr varüirt und
manchmal gering ist, so werden wir eine Form, der die Drüsenhaare
ganz fehlen, ohne dass sonst die langen drüsenlosen Haare einen
anderen Charakter besässen und ohne dass sonst wesentlichere Unter-
schiede hinzukämen (das typische ©. brachypetalum Desportes), freilich
für eine blosse drüsenlose Varietät derselben Art erklären müssen.
Aber wenn die Haare mehrerer verwandter, aber auch sonst noch sich
unterscheidender Pflanzen, wie hier das ©. grandiflorum, banaticum,
adenotrichum, durchaus verschiedenen Bau besitzen, so liegt darin
‘) Koch beschreibt die Behaarung mit den Worten: „kahl, Blüthenstiele
krausflaumig und die Haare an der Basis der Blätter schlängelig, nicht steif“
nicht zutreffend.
>41
ebenso gut ein Ausdruck einer zur Zeit scharf contrastirenden (spe-
eifischen) Verschiedenheit, wie etwa in der Blattform u. dgl.
(Cerastium tomentosum L.) Noch eine Art findet man in den
- Herbarien bisweilen mit dem €. grandiflorum verwechselt, nämlich
das ©. tomentosum L., und das ist weniger zu verwundern, da dieses
dieselbe filzige Behaarung besitzt wie jenes. So fand ich, um von
anderen belanglosen Fällen zu schweigen, bei der Scheda: „C. gran-
diflorum. Auf Felsen bei Carlopago. D. Schlosser Vukotinovic* ausspr
einigen Stengeln der richtigen Pflanze auch 3 Stengel des ©. tomen-
tosum beigemengt. Die Flora Croatica führt unter Cer. decalvans
Schl. Vuk., welches sich vom ©. tomentosum nicht unterscheidet, nur
den Berg Klek bei Ogulin an; der Standort bei Carlopago wäre also
für tomentosum noch zu notiren. Die Art ist vom (©. grandiflorum
leicht durch breitere, flache Blätter, kleinere Blüthen und viel schmäler
scariöse Kelchblätter zu unterscheiden.
(Cerastium dahuricum Fisch.) Von H. Krätky in Tiflis erhielt
ich ein riesiges Cerastium aus dem Kaukasus, welches ohne Zweifel
zum ©. dahurieum Fisch. gehört, jedoch eine eigene Varietät dar-
stellt, die sich durch riesige Blüthen (Kelchblätter 15 Cm. lang)
und durch eine dicht zottige Behaarung der oberen Stengelglieder
und der Cymenzweige, auch durch stärkere Behaarung der oberen
Blätter auszeichnet. Die Blüthenstiele aber sind wie sonst fast kahl,
die (noch junge) Cyme sehr reichblüthig und gedrungenblüthig. Die
normale Form (von Hohenacker in Unio itiner. ausgegeben mir vor-
liegend) hat oberwärts kahle, unten zerstreut behaarte Stengel (daher:
„glaucum, inferne saepe villosulum caeterum glabrum.“ Boiss. Fl. Or.
und „nudiusculum Ledeb. Fl. ross.) und die Kelche nur 10 Mm. lang.
Die Varietät mag als ß. hirsutum bezeichnet werden.
———
Zur Teratologie der Wallnuss,
Von Dr. Vincenz v. Borbäs.
„Se ajtaja, se ablakja, Mögis negy
kisaszony lakja® (Ungarisches
Volksräthsel: Weder Thür noch
Fenster, doch wohnen darin viel
Fräulein).
I. Wallnüsse in Vogelgestalt. — In dem er. (Közlöny)
der kön. ungar. naturwissenschaftlichen Gesellschaft (Heft 158,
anno 1882 p. 429) sind zwei Wallnusssamen abgebildet, welche ganz
wunderbar Enten oder Hühnern täuschend ähnlich sind. Das Secre-
tariat dieser Gesellschaft gab mir die Samen, nach welchen die
Photographie der Abbildung gemacht wurde, zur Untersuchung und
ich veröffentlichte l. ce. 477—78 darüber meine Meinung, welche
auch in Erdeszeti Lapok 1883, p. 15960 reprodueirt wurde.
342
An drei Exemplaren dieser, einem sitzenden Vogel ähnlichen
Kerne der Wallnüsse war nur je ein Cotyledon entwickelt, die
Furchen desselben waren seichter, die Cotyledonen also nicht so
runzelig, wie gewöhnlich. Der die beiden Cotyledonen in normalen
Nüssen verbindende Theil war vorhanden, und entsprach dieser dem
Kopfe des Vogels, während das um den Keim herumliegende Ge-
webe den Schnabel darstellte, in welchem das äusserlich nicht sicht-
bare Wurzelchen gleichsam die Zunge bildete. Dieser Schnabel ist
bald von oben und unten, bald seitlich zusammengedrückt, bald ist
er konisch, so dass er bald dem Schnabel der Ente, bald des Huhnes
ähnlicher war. Den hinteren Theil des Vogelkopfes repräsentirt der
Nabel des Samens.
Die Vogelgestalt erscheint im sitzenden Zustande; Füsse fehlen,
während die sich aufwärts krümmenden Kanten des einzigen Coty-
ledons die Flügel darstellen. Dieses Cotyledon weicht von dem nor-
malen Keimblatt dadurch ab, dass während die beiden einander zu-
gekehrten Seiten des normalen Keimblattes so zu sagen flach sind,
bei den drei Exemplaren dieser einsamenlappigen Wallnuss die zwei
Seiten des einzigen Cotyledons sich in die Stelle des anderen fehlen-
den Cotyledons, oder, wenn man sie sich in der Vogelgestalt vorstellt,
beiderseits aufwärts krümmen und die Flügel bilden. Der Grund dieser
interessanten Erscheinung ist also eigentlich nur das einzige Keimblatt,
an welchem auch die Einbuchtung zwischen den beiden Zinken des
normalen Cotyledons („die zwei Fräulein des Volksräthsels“) fehlt
oder doch sehr klein bleibt.
An einem vierten Kerne waren beide Cotyledonen vorhanden,
allein ungleichseitig und ungleichförmig ausgebildet. Das eine war
genug gross, aber ungelappt, das andere fast viermal kleiner. In
diesem Falle kann man also die Vogelgestalt von Seite des ganzen
Keimblattes sehen und die Flügel des Vogels sind hier ungleich,
während bei den drei Exemplaren der einsamenlappigen Wallnuss
nur ein halbes Cotyledon als im Flügel zu sehen ist, die beiden
Flügel waren aber ziemlich symmetrisch.
Diese vier Exemplare der Wallnuss in Vogelgestalt, wurden
ohne Schale eingeschickt und so konnte ich mir damals die Ursache des
Fehlens oder Verkümmerns des einen Keimblattes nicht recht erklären.
Seither habe ich aber viele Wallnüsse näher untersucht, wo die
Schalen schon äusserlich deformirt erschienen, und fand ich darin
immer interessante und lehrreiche Verunstaltungen des Kernes.
So sah ich z. B. eine Wallnuss aus zwei Schalen gebildet, aber
die eine davon war ungefähr viermal kleiner und kürzer als die
andere, ausserdem war sie zugespitzt, eiförmig, lanzettlich. Die ganze
Frucht war also schon äusserlich schief, ja sogar war die Spitze der-
selben etwas spitz und gekrümmt.
Im Innern dieser Wallnuss fand ich den Kern mit zwei Samen-
blättern, aber es war nur je die Hälfte von beiden neben einander
entwickelt. Wenn man diesen Kern, welcher also zwei halbe Coty-
ledonen hat, auf der verkümmerten Seite liegen lässt, so ist dieser
BER)
schiefe Kern ungefähr einer ruhenden Taube ähnlich, denn die zwei
halben und grubigen Cotyledonen stellen die zwei Flügel der Taube
dar, während die Spitze des Kernes, wo der Keim ruht, sich etwas
schnabelförmig krümmt und spitz endigt.
Die Ursache dieser Bildung ist offenbar die Deformation der
Schale. Die zwei halben Cotyledonen lagen in dem Innern der grös-
seren, also viel geräumigeren Schale und haben zur Entwicklung ge-
nügenden Raum gehabt, während die Seite der Wallnuss mit der
kleineren Schale nicht sehr convex, sondern mehr flach war und hier
also keinen genüsenden Raum zur Entwicklung der anderen Seiten
der beiden Cotyledonen bot. Dabei hat sich die Spitze der Nuss mehr
minder schnabelförmig entwickelt.
I. Wallnuss mit halbirten Cotyledonen. Ferner habe
ich eine Wallnuss gesehen, welche nur aus einer einzigen Schale be-
stand; von einer zweiten Schale war keine Spur zu sehen. Diese
Frucht hatte also nur eine Naht, und so war die Bildung dieser
Schale jener der Amygdaleen ähnlicher. Auch diese Nuss war schief.
An der Seite der Bauchnaht war sie mehr cylindrisch, die andere
Seite aber mehr rundlich gewölbt, ohne erhabenen, der Bauchnaht
entsprechenden Rückennerv. Auch konnte man sie nicht symmetrisch
(zygomorph) nennen, wie eine Frucht der Amygdaleen oder Legu-
minosen.
Der Schale entsprechend war auch der Kern asymmetrisch. Auch
hier entwickelte sich nur je eine Hälfte der zwei Cotyledonen und zwar
in der geräumigen Rückenseite der einzigen Fruchtschale, während
die Zinken der Samenlappen an der Seite der Bauchnaht unentwickelt
blieben, Hier waren also auch zwei halbe Cotyledonen.
II. Wallnuss mit anderthalb Cotyledonen. Eine Frucht
war aus zwei Blättern (Schalen) gebildet, aber das eine war fünfmal
kleiner als das andere. Oberflächlich gesehen, konnte man fast glauben,
dass diese Nuss aus fünf Fruchtblättern entstanden ist. Es ist auf-
fallend, dass trotz der areal grösseren Ausbreitung der einen Schale
doch die ganze Nuss nicht sehr schief war.
Dieser abnormen Entwicklung musste sich auch der wachsende
Samen anpassen. Der eine Samenlappen ist schief, eine Seite des-
selben ist ziemlich normal entwickelt, von der anderen Seite aber ist
nur der untere Lappen vorhanden.
Das andere Cotyledon ist einseitig entwickelt, also hat der ganze
Kern kaum anderthalb Cotyledonen. Dieses halbe Cotyledon ist jetzt
ungelappt, grösser als gewöhnlich, nur etwas schmäler als die beiden
Zinken der normalen Nuss zusammen. Dieses halbe Cotyledon lag
und entwickelte sich in dem geräumigeren Inneren der breiteren
Schale, während an der Stelle des fehlenden Samenlappens die schiefe
Seite der kleineren Schale sich befand und ihre geringe Convexität
hinderte die Entwicklung des anderen Cotyledons.
| Jene Kante, welche von dem Rücken des Cotyledons bis zu der
e der Nuss (Keimling) geht, verbindet sich an der hemicoty-
344
ledonaren Seite mit dem kleineren Lappen des anderen grösseren
Cotyledons. Die sonst abgeplattete Spitze des Kernes bildet jetzt eine
einfache Falte und die Spitze wird einer dreiseitigen Pyramide ähn-
licher, aber an der Seite der Falte bleibt eine Furche. Wenn man
die kleinere Zinke des grösseren Cotyledons von der Seite sieht,
könnte man sie oberflächlich auch zu dem halbirten Cotyledon rech-
nen, wenn sonst die Structur des Kernes nicht dagegen spräche.
(fr. Erdesz. Lap. 1884. p. 99—100.)
IV. Dreisamenlappige Wallnuss (Juglans trieotylea). Ich
habe auch eine dreischalige Wallnuss untersucht. Eine Schale war
grösser und mehr convex als die zwei anderen einzeln und deswegen
die ganze Frucht schief. Die Dreizahl wiederholte sich auch im In-
nern dieser Nuss. Sie war im unteren Theile sechsfächerig, der Kern
dreisamenlappig, er hatte also sechs Zinken und die Spitze des Samens
bildete eine dreiseitige Pyramide.
Der dreisamenlappige Kern war, wie die ganze Schale, schief.
Die Zinken und die Bucht der zwei Cotyledonen war genügend gross,
die Bucht aber des dritten Samenlappens im Raummangel ist so seicht
geblieben, dass man ihn fast ungelappt nennen könnte. Auch die
Zinken der zwei anderen Cotyledonen sind nicht gleichförmig in Folge
der Deformation der Nussschale.
Die ganze Nuss war zu hartschalig und fächerig, und so konnte
ich den Kern nicht im Ganzen herausnehmen, sondern nur stück-
weise, und dann habe ich ihn zusammengeklebt und so untersucht.
Es ist erwähnenswerth, dass mit der Bildung der Frucht aus drei
Blättern auch der Samenlappen dreizählig geworden ist und dass aus
diesem Samen ein Keimling mit drei wirtelständigen Blättern ent-
standen wäre.
Die Verunstaltungen der Wallnuss sind aber fast unendlich.
So habe ich Juglans trieotyles auch in einer Schale gefunden, welche
sicher nur aus zwei Fruchtblättern entstanden ist. Drei Nähte auf
der schiefen Frucht waren äusserlich bestimmt nicht zu finden.
Eine der beiden Schalen ist ungefähr der fünfte Theil der an-
deren und ist sie als lanzettförmiges Stück zwischen den beiden Rän-
dern der grösseren Schale zu sehen.
Zwei Cotyledonen der Juglans tricotylesa entwickelten sich im
Innern der grösseren Schale, der dritte Samenlappen lag an der Seite
der kleineren Schale, er blieb aber in Folge von Raummangel schiefer
und kleiner als die zwei anderen. Die Tricotyledonie erkennt man
> hier durch die dreiseitige Pyramide der Spitze des Kernes
sofort.
Auch das Innere dieser J. tricotylea ist erwähnenswerth. Dieses
ist nämlich, obgleich die Frucht nur aus zwei Blättern gebildet wird,
im unteren Theile sechsfächerig, also ist mit der Dreizahl der Samen-
lappen auch der innere Theil der Wallnuss modificirt.
Dass in zweischaligen Früchten der Wallnuss doch die Fächer
vermehrt werden, erkläre ich daraus, dass der Fruchtknoten der
345
Wallnuss im Anfange nur einfächerig ist und die Fächer erst nach
der Befruchtung entstehen'), und zwar in der Zahl der Zinken der
jungen Frucht, also bei einer J. tricotylea sechszählig.
Hier ist noch erwähnenswerth, dass das Centrum der sechs
Fächer nicht im Centrum der Basis der Nuss liegt, wie in obiger
dreischaligen und sechsfächerigen Wallnuss und gewöhnlich bei der
zweischaligen und vierfächerigen Frucht, also nicht dort, wo man
die Wallnuss mit dem Messer gewöhnlich zu öffnen pflegt, sondern
es sind die sechs Fächer sammt ihrem Centrum auf eine Naht un-
gsefäihr 6 Mm. lang hinaufgeschoben. Die Centralachse der sechs
Fächer ist nämlich, in der Lage der kleineren Schale, in Folge des
schiefen Wachsthums und ungleichen Druckes, in einer 6 Mm. langen
Entfernung von der Basis, unter rechtem Winkel gebrochen, mit der
Naht verwachsen und dadurch sind zugleich die Fächer von der
Basis etwas höher gestellt worden.
—
Beitrag zur Flora des nördlichen Mährens und des
Hochgesenkes.
Von Dr. Ed. Formänek,
k. k. Professor am böhmischen Gymnasium in Brünn,
(Fortsetzung.)
Hieracium pilosella L. Gemein, bei Blauda eine Pflanze mit zwei
verwachsenen Blüthenköpfehen und am Gr. Hirschkamm nächst
des Hirschbrunnens zwergige Exemplare mit kleinen Blüthen-
körbchen, die derf. niveum J. Müll. Arg. zunächst stehen, var.
nigrescens Fr. Saugraben, Petersteine.
— auricula L. Verbreitet. Bei Ludwigsthal fand ich Exemplare
ohne oberirdische Ausläufer und am Rothen Berge Pflanzen mit
dunklen Köpfchen.
— praealtum Koch. «. genuinum. Petersdorf, Zöptau, häufig bei
Gr. Ullersdorf, Buchelsdorf, Winkelsdorf, Reigersdorf, Pföhlwies,
Sträu u. a. 0. bei B. Märzdorf, Nikles, Grumberg, Kl. Mohrau,
Werdenberg; ß. Bauhinii Bess. Bradlsteine u.a.O., bei D. Liebau,
Märzdorf.
— piülosella < praealtum NIr. «. pseudobrachiatum Celak. Prodr, F. B.
p. 787. D. Liebau, Geppersdorf, B. Märzdorf.
— aurantiacum L. Peterstein, Saugraben, Bärmuttergraben.
— pratense Tausch. Römerstadt.
— alpinum L. f. holosericeum Backh. Horizontaler Weg von der
Schäferei zum Franz. Jagdhaus, Saugraben; f. eaimium Backh.
Gr. Hirschkamm, Schieferheide.
*) Luerssen, Medic.-pharmac. Botanik IL, p. 504. — Eichler,
Blüthendiagr. IL, 39. e
346
Hieracium nigritum Uechtr. Zwischen dem Altvater und der Schäferei,
Saugraben.
murorum L. £. microcephalum Uechtr. Stollenhau, Fichtenberg
bei Geppersdorf, f. cinereum mihi. Blätter unterseits, besonders
auf den Nerven, sammt dem Blattstiele und dem Stengel grau-
filzig. Diese Form steht dem FM. einerascens Jord. nahe, ist
jedoch durch die nicht ganzrandigen Blätter, die dunkel gefärb-
ten Haare und die schwärzlichen Griffel von demselben ver-
schieden. Kl. Mohrau.
tridentatum Fr. Marschendorf, Wermsdorf (Oborny), Petersdorf,
Zöptau, nicht selten bei Gr. Ullersdorf, Ohrenberg bei Buchels-
dorf, Neudorf, Fichtberg bei Geppersdorf, Wüst-Seibersdorf,
Kiesgraben, Perschl u. a. O. bei Römerstadt, Fichten bei Irms-
dorf, Viehwald bei Bautsch, Odrau.
prenanthoides Vill. «. bupleurifolium W. Gr. Saugraben, Bär-
muttergraben, Gr. Hirschkamm. P. angustifolium Tausch. Hirsch-
brunnen, Franz. Jagdhaus (Oborny), Kl. Seeberg, Bärenkamm,
Peterstein, Saugraben, Bärmuttergraben, Kriech!, Gr. Hirsch-
kamm, Schieferheide, Backofensteine, Hörndlsteine bis auf den
Hofberg.
barbatum Tausch. Fr. Epier. Bradlsteine bei D. Liebau in Mäh-
ren und als neuen Bürger für Schlesien fand ich diese schöne
Art im Pohofer Wald bei Odrau, am Hirnich bei Neudörfl und
in der Heide bei Werdenberg und sicher noch mehrfach, daher
die von R.v. Uechtritz in den „Resultaten der Durchforschung
der schlesischen Phanerogamenflora* vom Jahre 1885 ausge-
sprochene Vermuthung, dass diese Art auch noch in Schlesien
gefunden wird, durch diesen Standort ihre Bestätigung findet.
boreale Fr. Wiesenberg, Marschendorf ete. (Panek), D. Liebau,
Liebesdorf, Petersdorf, Rabenseifen, Philippsthal, Buchelsdorf,
Neudorf, Reigersdorf, Geppersdorf, Pföhlwies, B. Märzdorf,
Nikles, Römerstadt, Irmsdorf, Bautsch, Wigstadtl, gemein bei
Odrau, Lautsch, Neudörfl, Werdenberg; ß. chlorocephalum Uechtr.
Stollenhau, Wüst-Seibersdorf. — Bei Pföhlwies und am Hutberge
bei Gr. Ullersdorf fand ich eine f. ramulosum mihi mit zahl-
reichen Seitenästen, die bald über der Mitte entsprangen und
von da an bis zum Gipfel des Stengels verliefen, bei manchen
Exemplaren befanden sich auch in den Axeln der zwei bis drei
unteren Blättern ähnliche Seitenäste, der Stengel ist dicht be-
blättert, die Blätter in der Mittelaxe genähert.
umbellatum L. Verbreitet, var. lactaris Bertol. Gr. Ullersdorf,
ae, Römerstadt, Wigstadtl, var. coronopifolium Bernh. Bei
Odrau.
Mulgedium alpinum Cass. Saugraben, Bärmuttergraben, Kriech.
Sonchus uliginosus M.Bieb. Rudelsdorf, Ludwigsthal, Stollenhau,
Kl. Mohrau.
2. Ja A Zu Zu
347
Prenanthes purpurea L. Rabenseifen, Trausnitz, Gr. Ullersdorf, Bu-
chelsdorf, Deutsch Märzdorf, Reigersdorf, Pföhlwies, Wald bei
der Ruine Neuhaus, Blauda, Nikles, Altvaterwald, Grumberg,
Goldenfluss, Kl. Mohrau, Wermsdorf, Kleppel, Janowitz, Römer-
stadt, Bautsch, Wigstadtl.
Hiypochoeris radicata L. D. Liebau, Petersdorf, Rabenseifen, Mar-
schendorf, Gr. Ullersdorf, Buchelsdorf, Beckengrund, Neudorf,
Ludwigsthal, Geppersdorf, Pföhlwies, Grumberg, Goldenfluss,
Kl. Mohrau, Krondörfi, Wermsdorf, Kleppel, Janowitz, Neufeld,
Römerstadt, Irmsdorf, Bärn, Bautsch, Gundersdorf, Wigstadtl,
Kl. Hermsdorf, Neudörfl, Odrau.
— uniflora Vill. Schieferheide, Backofensteine ete. (Öborny). Hori-
zontaler Weg von der Schäferei zum Franz. Jagdhaus, Saugra-
ben, Bärmuttergraben, Gr. Hirschkamm.
Leontodon opimus Koch. Horizontalweg von der Schäferei zum
Franz. Jagdhaus, Saugraben.
— autumnalis L. Noch am Berggeist.
Tragopogon orientalis L. Bautsch, Wigstadtl, Odrau.
Solidago alpestris W. Kit. Peterstein, Saugraben, Bärmuttergraben,
Gr. Hirschkamm, Schieferheide bis fast auf den Hofberg.
Inula conyza DC. Karlshöhe bei Gr. Ullersdorf, Kl. Hermsdorf,
Lautsch, Neudörfl, Odrau, Pohor.
— britannica L. Gemein, in höheren Lagen bei Römerstadt und
Fichten bei Irmsdorf.
— helenium L. Gr. Ullersdorf, Philippsthal, Altdorf.
Bidens radiatus DC. Bautsch, Wigstadtl, Mankendorf bei Odrau.
Anthemis tinctoria L. Bautsch, Wigstadtl, Neudörfl, Odrau, Pohor.
Matricaria inodora L. Gemein, selbst noch bei Römerstadt.
OUhrysanthemum leucanthemum L. Gr. Hirschkamm, Hirschbrunn; bei
Grumberg fand ich ein Exemplar mit drei verwachsenen Blü-
thenkörbehen. Var. hirsuta mihi. Blüthenköpfe grösser als beim
Typus, über 4 Cm. im Durchmesser, selten darunter, Stengel-
blätter breit, sammt diesem lang und zerstreut behaart, mittlere
und untere Blätter mit herzförmiger Basis halbumfassend, eine
schöne durch ihre Tracht auffallende und dem Anscheine nach
nur auf trockene kurzgrasige Stellen gebirgiger Gegenden be-
schränkte Form. Ich fand diese Varietät am Hirnich bei Neu-
dörfl nächst Odrau, hierher werden höchst wahrscheinlich, mit
Vorbehalt eines ferneren Studiums, die von mir in d. Z. 1884
pag. 198, als die Var. foliosa (partim), Willk. Führer in die
Fl. D. bezeichneten Formen vom Hluboky bei Wsetin und Ho-
recky bei Frankstadt gehören.
— parthenium Pers. An der Strasse, im Schlossparke und bei der
Tess in Gr. Ullersdorf, Marschendorf, Buchelsdorf, D. Märzdorf
(hier auf Gartenschutt), Wüst-Seibersdorf.
— tanacetum Karsch, Gemein im b. G., selbst noch bei Werms-
dorf, Woitzdorf, Kleppel und bei Braunseifen circa 800 M.
348
Achilles ptarmica L. Gr. Ullersdorf, Blauda und zwar auf Wiesen
beim Angerwalde (Oborny), hier namentlich massenhaft in
Eisenbahngräben nächst des Bahnhofes, Nikles, spärlich bei Rö-
merstadt und Irmsdorf.
— millefolium L. var. alpestris W. Gr. in Fick, Fl. v.S. p. 223.
Altvater, Peterstein, Saugraben, Gr. Hirschkamm, Schieferheide,
Backofensteine.
Erigeron acris L. Kiesgraben.
— canadensis L. Janowitz, Römerstadt.
Arthemisia absinthium L. Cultivirt und verwildert bei Zöptau, so
auf der Hohen Warte etc.
Filago apieulata G. E. Smith. Werdenberg, Odrau.
Gnaphalium norvegieum Gunner. Horizontaler Weg von der Schä-
ferei zum Franz. Jacdhaus, Saugraben, Bärmuttergraben, Kriech,
Gr. Hirschkamm, Schieferheide.
— dioieum L. D. Liebau, Gr. Ullersdorf, Reigersdorf, Geppersdorf,
Blauda, Schlössel, Peterstein!, Gundersdorf, Bautsch.
Doronicum austriacum Jacq. Peterstein, Saugraben, Bärmuttergraben,
Franz. Jagdhaus, Gr. Hirschkamm.
Senecio crispatus DC. «. rivularis Rehb. Saugraben, Berggeist.
— Jacquinianus Rehb. (S.nemorensis L. «. genuinus Celak., Fiek
etc.) Rother Berg, Uhustein, Leiterberg, typisch zwischen
dem Altvater und der Schäferei und bei der Dämmbaude,
Auerhahnbaude, Saugraben, Bärmuttergraben, Tessgrund, Franz.
Jagdhaus, Kriech, Gr. Hirschkamm, Backofen- und Hörndlsteine,
Hofberg, Hochwald bei Janowitz.
Fuchsii Grel. Marschendorf, Gr. Ullersdorf (Oborny), Rabenseifen,
Zöptau, Wiesenberg, Buchelsdorf, Neudorf, D. Märzdorf, Ludwigs-
thal, Pföhlwies, Geppersdorf, Blauda, Nikles, Altvaterwald,
Goldenfluss, Kl. Mohrau, Wermsdorf, Rother Berg, Keilig, Kies-
graben, Berggeist, Braunseifen, Hochwald bei Janowitz, Römer-
stadt, Bautsch, Klein Hermsdorf, Odrau. Var. salicifolius Wallr.
Trausnitz bei Petersdorf, Gr. Ullersdorf.
Petasites ofieinalis Muck. Gr. Ullersdorf, Neudorf, D. Märzdorf,
Nikles, Kl.-Mohrau, Römerstadt.
Homogıme alpina Cass. Saugraben, Bärmuttergraben, Kriech und von
da bis ins Merthathal bei Wermsdorf hinuntersteigend, Schiefer-
heide, Hofberg, Berggeist bis auf den Röhrberg bei Kleppel.
Adenostyles Alliariae Kern. Saugraben, Bärmuttergraben.
Eupatorium cannabinum L. Grundwald bei Römerstadt, Wigstadtl,
Klein Hermsdorf, Lautsch, Neudörfl, gemein bei Odrau.
' Serratula tinctoria L. a. integrifolia Wallr. b. heterophylla Wallr.
in Fiek. Fl. p. 243 a. et b. bei Wigstadtl.
Lappa tomentosa Lamk. D. Liebau, Petersdorf, Ludwigsthal, B.
Märzdorf, Nikles, Bautsch, Wigstadtl, Odrau.
— minor DC. B. Märzdorf.
349
Centaurea jacea L. a. decipiens Thuil. sp. Petersdorf, Gr. Ullersdorf,
Beckengrund, Ludwigsthal, Reigersdorf, Aspendorf, Janowitz,
Römerstadt, Irmsdorf, Neudörfl, Odrau, b. pratensis Thuil. sp.
Petersdorf, Neudorf, Buchelsdorf, Janowitz, Römerstadt, Gunders-
dorf, Bautsch, Wigstadtl.
Patpees pseudophrygia C. A. Meyer. Bautsch, Wigstadtl, Neudörfl,
rau.
— cyanus L. Noch bei Römerstadt.
Carduus acanthoides L. Petersdorf, Gr. Ullersdorf, (Karlshöhe ete.),
Blauda, B. Märzdorf, Gundersdorf, Bautsch, Kl. Hermsdorf,
Lautsch, Odrau.
— crispus L. Rabenseifen, Zöptau, Wermsdorf, Gr. Ullersdorf,
Philippsthal, Reigersdorf, B. Märzdorf, Römerstadt, Wigstadtl,
Kl. Hermsdorf.
— personata Jaqu. Franz. Jagdhaus (OÖborny), Saugraben, Kriech,
Wermsdorf, Kl. Mohrau, Irmsdorf!
Cirsium palustre Scop. Gemein, var. opacum mihi. Pflanze kräftiger,
Blätter breiter, die oberen länger, alle unterseits mattgrün.
Angerwald bei Blauda.
— canum Mönch. 1794. Werdenberg, Odrau.
— rivulare Link. Gr. Ullersdorf, Buchelsdorf, Beckengrund, D. März-
dorf, Wüst-Seibersdorf, Nikles, Kl. Mohrau, Janowitz, Römer-
stadt, Irmsdorf.
— oleraceum Scop. Gemein, in höherer Lage am Berggeiste.
Carlina vulgaris L. Var. nigrescens mihi. Petersdorf, Gr. Ullersdorf,
Odrau.
— acaulis L. D. Liebau, Janowitz, Römerstadt, Gr. Stoll, G@unders-
dorf, Bautsch, Wigstadtl, Lautsch, Odrau.
Dipsacus silvestris Huds. Schönau, Söhle.
Trichera arvensis Schrad. a. integrifolia W. Gr. Karlshöhe und Kreuz-
berg bei Gr. Ullersdorf, Beckengrund. Bei Geppersdorf fand ich
ein Exemplar mit fehlenden Stengelblättern und einer Rosette
von grundständigen Blättern, Hüllblätter sind breitlanzettlich,
die äusseren überragen weit die Blüthen.
— silvatica Schrad. Trausnitz bei Petersdorf, Gr. Ullersdorf, Reigers-
dorf, Blauda, häufig bei Bautsch und Gundersdorf, Wigstadtl,
häufig bei Odrau.
Sueceisa pratensis Mönch. Häufig im b. G.
Scabiosa lueida Vill. Am Gr. Hirschkamm, hier namentlich häufig
am Hirschbrunnen und längs der Ufer des hier entspringenden
Bächleins.
— ochroleuca L. D. Liebau, Petersdorf, Gr. Ullersdorf, Blauda,
Bautsch, Wigstadtl, Odrau.
(Fortsetzung folgt.)
— le — ı\
Mittheilungen über die Hieracien des Riesengebirges,
Von Gustav Schneider.
(Schluss.)
4. Gruppe, Alpina Pseudo-Pulmonarea mihi.
Stengel aufrecht, deutlich gestreift, wenig- (1—2) blättrig,
hin- und hergebogen, vielköpfig bis nur einköpfig, einfach oder ästig,
mit + gerade oder bogig aufsteigenden, an der Abzweigung durch
ein Stengelblatt oder eine Bractee gestützten Aesten, resp. Kopf-
stielen. Stengel nach oben fast kahl, nach unten mit kurzen,
weisslichen, schwarzfüssigen Zottenhaaren 4 behaart. Oberhalb, bei
den einköpfigen am Stengel, bei den mehrköpfisen an den Kopf-
stielen + filzig von graulichen Sternhaaren, abwärts zerstreut flockig,
gegen die Basis flockenlos. Kopfstiele, bei den einköpfigen der
Öbertheil des Stengels (oft sehr dicht), drüsenhaarig. Blätter trüb
bis lebhaft grün, selten etwas glaucescirend, dünnhäutig bis ziem-
lich derb, rauhhaarig bis fast kahl. Grundblätter zur Blüthezeit,
oft sehr zahlreich, vorhanden, deutlich in Blatt platte und
einen meist sehr langen Stiel geschieden, eiförmig, stumpf-
lich, am Grunde bis über die Mitte mit grossen, meist in eine
sitzende Drüse endigenden stumpflichen oder spitzen Zähnen, auch
wohl mit eingeschalteten, kleinen Zähnchen versehen (murorum-artig)
oder breitlanzettlich, zugespitzt, fast am ganzen Rande mit ungleichen,
tief eingeschnittenen, stets in eine + langgestielte Drüse endigen-
den Zähnen gesägt gezähnt; (vulgatum-artig); selten ganzrandig nur
mit einem Zahn oder wenigen Zähnen. Stengelblätter lanzettlich,
gesägt gezähnt; nach oben, seltener auch in der unteren Stengel-
hälfte, zuweilen durch schmallineale Bracteen vertreten.
Kopfhüllen kurzzottig und borstig behaart mit reichlich
eingemengten Drüsen. Hüllschuppen etwas breitlich; in den in-
neren Reihen die äusseren kürzer als die inneren, entweder die äus-
seren stumpflich, die inneren spitzlich oder alle gleich gestaltet;
schwarzgrün bis tief schwarz, die innersten häufig blassgrün oder
blassgrün (zuweilen weisslich) berandet. Ligularsaum + behaart
oder kahl, Zähne sehr kurz und fein gewimpert.
7. H. nigrescens Willd. (vergl. diese Zeitschrift pro 1886,
pag. 24) würde nach Nägeli-Peter’scher Manier als ein alpinum-
murorum zu bezeichnen sein. Scheint in den Ostsudeten zu fehlen;
was ich als H. nigrescens vom Glatzer Schneeberg bisher gesehen
habe, gehört zu H. ewimium Backh.
8. H. glandulosodentatum Uechtr. Nach oben genannter Manier
ein alpinum-vulgatum. Endemische, westsudetische Pflanze.
5. Gruppe. Alpina Pseudo-Prenanthoidea mihi.
Stengelaufrecht, hin- und hergebogen bis fast gerade aufrecht, stiel-
rund, zuweilen undeutlich gestreift, viel- (4—8) blätterig, ein-
ae,
sol
köpfig oder mehr- bis vielköpfig. Obertheil des Stengels bei den ein-
köpfigen, bei den mehrköpfigen die Kopfstiele unterhalb des Kopfes
von grauen Sternhaaren schwachfilzig bis reichflockig, dieht drüsen-
haarig von langgestielten, meist grossen Drüsen und schwarz-
borstig, weiter abwärts zerstreut flockig oder flockenlos; zottig be-
haart oder kahl. Blätter dunkel- bis trübgrün, nicht selten bräunlich
berandet, derb, seltener etwas dünnhäutig und weich (letzteres vor-
zugsweise in tieferen Höhenlagen); rauhhaarig bis fast kahl. Grund-
blätter zur Blüthezeit meist schon vertrocknet, selten 2—3,
zuweilen mehrere in Nebenrosetten vorhanden. Stengelblätter
meist halbstengel umfassend (prenanthoides-artig), selten nur
mit breitem Grunde sitzend. Kopfhüllen + zottig und drüsig bekleidet.
Hüllsehuppen breitlich, stumpf oder stumpflich; die äusseren dunkel-
grün bis fast schwarz, die inneren zuweilen heller berandet oder
ebenfalls dunkel. Ligularsaum fast kahl, Zähne mit sehr kurzen
weissen Haaren spärlich bewimpert. Endemische westsudetische Arten.
9. H. bohemiecum Fries (Vergl. diese Zeitschrift pro 1886,
pag. 25). Nach Nägeli Peter als H. alpinum-prenanthoides zu be-
zeichnen.
10. H. peduneulare Tausch nee Naeg.-Pet. nec aliorum = MH.
sudeticum Stbg. u. Fries. exp. = H. albinum Tausch non Fries.
Dürfte nach Nägeli-Peter’scher Manier als ein Fritzei-bohemi-
cum zu bezeichnen sein.
Wenn man die ersten drei Gruppen der alpinen Aurellen in
eine Abtheilung bringt, so sind die letzten beiden in eine zweite als
Zwischenformen zu vereinigen.
Ueber hybride Archieracien nächstens Näheres.
Hieraeia Pulmonarea Fries Abth. Alpestria ejd.
2. Gruppe. Alpestria spuria Uechtr.
Hieracium Purkynei Celak.
In den „Resultaten der bot. Durchforschung Böhmens 1884*
pag. 8 hat Prof. Gelakov sky auf Grund von zwei getrockneten Exem-
plaren, welche Cyrill Purkyn& 1884 an dem Kahlen Berge neben
der Kesselkoppe sammelte, ein neues Hieracium unterschieden, wel-
ches derselbe mit H. Wimmeri Uechtr. vergleicht. Ich kenne diese
Pflanze bereits seit 1882 von der Kesselkoppe selbst und zwar von
deren Südabhang gegen die Hofbauden. Sio ist jedenfalls sehr selten,
denn ich habe auf meinen zahlreichen Excursionen bisher erst vier
Individuen, darunter eine abweichende Form im vorigen Jahre go-
funden. Uechtritz, dem ich bis auf die 1886 gefundene, diese
Pflanzen sämmtlich vorgelegt und theilweise dedieirt habe, bemerkte
auf der Etiqustte zu einem Exemplar, das ich fraglich als atratum
(subnigrescens) Fr. bezeichnet hatte und welches sich noch in mei-
nem Besitz befindet: „Nieht atratum, sondern zu einer der kleinen
392
Arten der Alpestria-Gruppe und höchst wahrscheinlich ein anor-
males Individuum von ZH. psevdalbinum mit geringerer Zahl von
Stengelblättern und reichlicherer Bekleidung der Blätter und Blatt-
stiele.*“ Die Celakovsky’sche Diagnose bedarf in Betreff der Blüthen-
farbe der Berichtigung. Die Färbung der ligulae ist bei der leben-
den Pflanze — die (. allerdings nicht gesehen hat — goldgelb wie
bei H. albinum Fr. und bekommt erst beim Trocknen den Stich
ins Rothe, ganz ebenso, wie diess bei trocken eingesammelten und
gut getrockneten H. Wimmeri, nigritum, ewimium, vulgatum alpestre
etc. der Fall ist; auch ist die Blüthenfarbe von H. Wimmeri nicht
viel heller, als bei 4. Purkynei, höchstens hell goldgelb, auf keinen
Fall aber hellgelb zu nennen. Die von mir beobachteten Pflanzen
hatten mit Ausnahme der abweichenden, im Jahre 1886 gesammel-
ten Form, auf die ich noch zurückkommen werde, keineswegs kurz-
gestielte Grundblätter. Bei den noch in meinem Herbarium befind-
lichen Exemplaren sind die Blattstiele eben so lang oder fast eben
so lang, wie die Blattplatte. (4, 8—5 zu 5 Cm.)
Was nun die systematische Stellung dieser Pflanze betrifft, so
ist sie zunächst nicht mit 4. Wimmeri Uechtr., sondern mit H. inte-
grifolium Lange var. alpestre Uechtr. (= H. moravicum Freyn') = H.
albinum des grossen Kessels im Altvatergebirge, Fiek. Fl. von Schles.
non Fries) zu vergleichen, der sie durch die Gestalt und Bekleidung
der Grundblätter, Form und Bekleidung des Blüthenstandes und der
Blüthenköpfe, sowie durch die Gestalt des unteren Stengelblattes so
nahe kommt, dass ich sie geradezu für identisch halten würde, wenn
die ostsudetische Pflanze nicht in der Regel noch mindestens ein
(gestieltes) Stengelblatt mehr besässe. Fehlt dieses, wie diess bei einem
in meinem Besitz befindlichen Individuum der Fall ist, so kann die
ostsudetische Pflanze nicht von der Celakovsky’schen unter-
schieden werden, zumal die getrockneten Blüthen bei beiden dotter-
gelb, Form und Bekleidung des Kopfstandes und der Kopfhüllen,
mit Ausnahme der bei 7. moravicum etwas geringeren weisslichen
Behaarung der Köpfe gleich sind.
Um mir ein endgiltiges Urtheil erlauben zu können, ist das
mir vorliegende Material zu gering (2 Purkynei, 8 moravicum) doch
wollte ich an dieser Stelle auf die nahe Verwandtschaft dieser Pflanze
aufmerksam machen, und stelle weitere Beobachtungen anheim.
Was die oben erwähnte, im August 1886, an der Kesselkoppe
nur in einem Individuum gefundene, abweichende Form anlangt, so
fehlt bei ihr das untere, für die Celakovsky’schePflanze charak-
teristische Stengelblatt, ferner zeigen von den 7 vorhandenen Grund-
blättern, welche sämmtlich kürzer gestielt sind, als das Purkynei
meines Herbars, zwei deutlich die Zahnung des H. murorum, das
eine an der Blattbasis sogar rückwärts gerichtete Zähne. Im Uebrigen
ähnelt diese Pflanze, der auch die weissen Haare an den Hüllschup-
‚') Der Kürze wegen werde ich diesen Namen in den nachfolgenden
Auseinandersetzungen gebrauchen.
a u u TE A
er u U
399
pen fehlen, so sehr dem FM. Purkımei Celak.. dass ich keinen An-
stand nehme, sie für hybrid und zwar für ein 7. murorum x Pur-
kımei zu halten.
Vor Kurzem habe ich für meine Monographie der westsudeti-
schen Hieracien die Abtheilung Alpestria spuria Uechtr. einer gründ-
lichen Revision unterzogen, wobei mir neben den Notizen über bei
den lebenden Pflanzen gemachte Beobachtungen über 200 Exsiccate
zu Gebote standen.
Bei dieser Gelegenheit habe ich nachstehende Verwandtschafts-
reihen zusammengestellt, die ich jedoch keineswegs in phylogene-
tischem Sinne aufzufassen bitte.
H. albinum Fr. vermittelt den Anschluss an die Eualpestria
Uechtr. und steht unter diesen dem ZH. Engleri habituell am näch-
sten. FH. chlorocephalum schliesst die Reihe der Eualpestria gegen
die alpinen Aurella, denen es sich in dem regelmässigen Bau der
Hüllschuppen nähert, während es habituell den übrigen Arten der
Abtheilung Eualpestria näher verwandt ist. Eine ähnliche Stellung
nimmt übrigens das H. Bocconei Griseb. aus den Tyroler und
Schweizer Alpen ein.
Hieracia Sect. Alpestria spuria Uechtr.
albinsm Fries non aliorum
ze rt ze <a Te ee Ze
coreonticum K. Knaf seudalbinum Uechtr.
asperulum Freyn Wimmeri Uechtr. moravieum Freyn
m v
erythropodum Uechtr. Purkymei Celak.
var. subintegrifo-
lium G. Schnd. Wimmeri x muro-
rum subcaesium
Uechtr. Purkymei X muro-
rum G. Schnd.
erythropodum Uechtr.
var. dentatum Freyn
erythropodum x
vulgatum UVechtr. murorum subcae-
sium Fries
zn
prenanthoidesVill. vulgatum Fries murorum L.
Wie aus vorstehender Darstellung zu ersehen, gehen die Al-
pestria habituell nach drei Richtungen aus, einmal zu H. prenan-
thoides Vill., dann zu H. murorum L. und zu A. vulgatum Fr.
und verhalten sich hierin ganz ebenso wie die Alpina, von denen
FH. bohemicum Fr. gegen H. prenanthoides Vill. H. glanduloso-
dentatum Uechtr. gegen H. vulgatum Fr. und H. nigrescens Willd.
gegen H. murorum L. habituelle Annäherung zeigen.
Schmiedeberg, im Januar 1887. ,
Oesterr. botan. Zeitschrift. 10. Heft 1897, j 20
Berichtigung.
= Seite 238, Zeile 43 von unten soll nach „Blattachseln“* ein Punkt
stehen.
Seite 238, Zeile 4 von unten ist statt „Cannersdorf“ zu lesen „Cun-
nersdorf“.
Seite 274, Zeile 3 von-unten ist statt „pathulifolium‘ zu lesen „spa-
thulifolium“.
Seite 274, Zeile 2 von unten ist statt „chodopecum‘‘ zu lesen „rho-
dopeum“.
Meine dritte Tirol-Fahrt, ')
Von J. Freyn.
(Fortsetzung.)
Am 4. August gab es denn zunächst Krieg. Ich beschwerte
mich und wollte ein anderes Zimmer; die Wirthin vertröstete mich.
Ich wanderte aber aus und zwar wollte ich entweder nach Sulden
oder Franzenshöhe oder Sa. Maria übersiedeln, nur fort aus diesem,
so unnachahmlich geleiteten Hause. Zuerst probirte ich es aber noch
in Trafoi selbst, denn ich erinnerte mich an der „Schönen Aus-
sicht“ vorüber gewandert zu sein. So stieg ich denn die fünfzig Me-
ter tiefer, zu diesem Gasthause, das wenigstens den Vorzug hat,
einen wirklich prächtigen Ausblick auf den Madatsch-Gletscher und
die Trafoier Eiswand zu gewähren. Und siehe da, in der „Schönen
Aussicht* traf ich es auch ganz gut und der Besitzer, sowie seine
Leute waren sofort bestrebt, Rath zu schaffen. Da ich nie Schlaf-
kameraden mag, musste ich mich zwar mit einem winzigen Käm-
merchen begnügen, zum Pflanzentrocknen bekam ich aber ein leer-
stehendes Bauernhaus mit gewaltisem, gemauerten Ofen. Das war
mein Fall. Ich richtete mich sofort häuslich ein und betrieb die
Geschichte nun im Grossen, d. h. mit künstlicher Trocknung des
Papiers und der Pflanzen. Zwischen der „Schönen Aussicht“ und
dem Bauernhause fand ich dabei in Gesellschaft von Hieracium tri-
dentatum Fr. das echte H. lanceolatum Vill. Herr Artzt besuchte
mich und zeigte sich sehr erfreut, dass ich es so gut getroffen hatte.
Bei diesen günstigen Aspecten bummelte ich Nachmittags, nach
beendetem Pflanzeneinlegen rasch noch zu den „Heiligen drei Brun-
nen“; denn die dortseitige Thalwand ist Kalk, die hierseitige aller-
hand Schiefergestein. Ich kann aber männiglich nur rathen, den
Spaziergang bleiben zu lassen. Botanisch interessirte mich nur Eu-
phrasia variabilis Freyn, die hier fast so tief herab geht, wie im
!) Aus einem Briefe an E. Hackel zu Nutz und Frommen allen denen
erzählt, die selbst heutzutage noch Lust haben einen botanischen Reisebericht
zu lesen.
309
Nauderer-Thal, und Sibbaldia bei nur 1500 M. Seehöhe, also just
1000 M. unter ihrem eigentlichen Terrain. Im Fichtenwald traf ich
- guch auf Linnaea und auf den Geröllhalden wächst allenthalben
my
u a u
Polemonium caeruleum L. — aber jenseits am Kalk gab es sehr
wenig Interessantes. Die gewaltige Mure bei den „Heiligen drei Brun-
nen“ ist bedeckt mit Silene glareosa Jord. und Trisetum disticho-
phyllum P. B. nebst einzelner Poa distichophylla Gaud., bietet aber
sonst gar nichts; auf der anderen Seite unter dem Ortler-Ferner
wächst auf Kalkblöcken Poa minor L. und im dichten Ericetum Pi-
rola media Sw. zahlreich und sehr grossblüthig (von der nordischen
wahrscheinlich verschieden); sonst fehlen alle interessanten Pflanzen.
Die „Heiligen drei Brunnen“ selbst machten mir einen be-
fremdenden Eindruck, denn das Wasser entströmt dünnen Röhren,
welche den Brüsten bunt bemalter Heiligen-Statuen eingesetzt sind;
noch befremdeter war ich, als ich später im anstossenden Hypnetum
die halbverfaulten Holzrohre liegen sah, welche das „Heiligs Wasser“
direet aus dem Sumpf den drei Statuen zuführten und somit auch
der @läubigen-Schaar. Das Wasser schmeckt aber auch damach. Die
Seenerie selbst ist unbedeutend, mag indessen ihren Reiz haben, wenn
das vielleicht hundert Meter breite Thalbeet des Trafoier Baches
voll Wasser ist und dieses felsblockkollernd dahin donnert. Diesen
Anblick hatte ich nicht; ich sah nur die schneeweissen Geröllmas-
sen von Kalk oder Dolomit und musste mir das grossartige Bild
im Geiste selbst bilden. Zwei alte Damen, die ich im Wirthshause
kennen gelernt hatte und die selbander reisten, störten mich in
diesen meinen Betrachtungen nicht und ich liess sie auch bei ihrer
Meinung, dass es hier unvergleichlich schön sei.
Den Abend mit Dr. Wagner aus Königshütte und Frau, dann
Ingenieur Artzt sehr angenehm zugebracht. Erstgenannter kommt
von Bozen und hat Pflanzen mit, die er uns andern Tags früh mit
grösster Bereitwilligkeit vorweist. Der Ofen im Bauernhaus arbeitet
gut; am 5. August waren alle Pflanzen fertig getrocknet, mit Aus-
nahme der Crassullaceen, die ich überhaupt noch gar nicht einge-
legt hatte. Angenehme Bekanntschaft gemacht mit Professor Lud-
wig aus Berlin und Her Metzener aus Düsseldorf, beide Land-
schaftsmaler; dann mit Baron Priehl, einem sehr naturfreundlichen
bayerischen Militär.
Am 6. August schönes Wetter. Somit gilt es Achillea nana
L. bei Franzenshöhe und Ranunculus parnassifolius L. vom Worm-
ser Joch, endlich Dianthus neglectus Lois. und Braya pinnatifida
Koch vom Braulio zu holen — lauter echte Centralalpen-, theil-
weise sogar Westalpen-Arten, die hier ihre Ostgrenze erreichen (aus-
genommen den Ranuneulus). Unterhalb Franzenshöhe, näher zum
„Weissen Knott“ fand ich hübsche Hieracien, darunter HM. Boecconei
Gris., H. Christi Arvet! (neu für Oesterreich), H. amplewicaule L.,
u. a. m. In Franzenshöhe vertiefte ich mich in den Anblick eines
Panoramas der verschiedenen Ortler-Gletscher, welches Payer
seinerzeit gezeichnet hat. Niemand wird die Treue des Bildes be-
29*
396
zweifeln, es kann also als Document dafür gelten, in welch ausser-
ordentlicher Weise die Gletscher in den wenigen Jahren zurück-
gegangen sind. Die Differenz muss beim Madatsch-Ferner 200 M.
betragen. Das war Alles sehr anregend und unterhaltend, die ge-
suchte Achilles fand ich aber doch nicht, auch sonst nichts Bes-
seres. Die Kalkalpen waren abgeweidet, oben hinauf lag Schnee;
von der gegenüberliegenden Lehne nahm ich Gentiana Favrati Rit-
ter., Polygala pseudoalpestris Gren. (neu für Oesterreich) und etliche
gemeine Orchideen mit, um selbe nach einer von mir in Nauders
durch Zufall entdeckten Methode zu trocknen; sie wurden auch ganz
hübsch.
Weiter hinauf fanden sich sehr interessante Semperviven; aus-
ser den ziemlich zahlreichen S. Wulfenii Hoppe, S. arachnoideum
L. und S. montanum L., namentlich auch alle drei hieraus mögli-
chen Hybriden, welche wegen der gründlichen Verschiedenheit der
Eltern alle sehr auffällig sind; die Combination arachnoideum x Wul-
fenüi findet sich in zwei verschiedenen, die beiden anderen in Mittel-
formen. Poa caesia Sm., P. laxa Hänke und viel Koeleria hirsuta Gaud.
und Zuzula lutea DU. standen allenthalben, je nach dem Substrat. Es
bringt einen eigenartigen Eindruck hervor, wenn man Trifolium alpi-
num L., T. pallescens Schreb., Festuca violacea Vill., F. Halleri All.,
Sagina Linnaei Presl, Potentilla grandijlora L., Euphrasia minimaJeqg.
etc. ete. im Strassengraben wachsen sieht — und so ist es an der
Stilfser-Joch-Strasse. Ein kleiner Seitensprung zu dem Schneefeld,
an dem ich die Kanonenkugel fand, lieferte zahlreiche Arenaria
Marschlinsii Koch, und etwa in gleicher Höhe fand ich den meines
Wissens bisher noch nicht beschriebenen Bastard Epilobium anagal-
lidifolium X collinum. Am Joch selbst, ganz oben bei 2800 M. See-
höhe, duftete es genau so, wie vor gewissen Einkehr-Wirthshäusern
am flachen Lande. Pflanzen gab es keine, Schnee genug. Jenseits
eines solchen Schneefeldes sah ich, etwas ober meinem Standorte
zahlreiche und prachtvolle Owygraphis vulgaris, vom dunkelsten
Purpur bis zum reinen Weiss in allen Farbenabstufungen prangen
und in Riesen-Exemplaren. Als ich die hatte und auf der italieni-
schen Seite hinunter wollte, zeigte es sich, dass die Schneewand
einige Meter hoch gegen die Strasse abfalle — zurück wollte ich
nicht, also machte ich es wie die Sehulbuben und rutschte pfeil-
schnell hinab — zum Schrecken eines eben vorbeigehenden nord-
deutschen Ehepaars.
Vom Stilfser Joche aus geniesst man einen guten Ausblick
auf den Ortler selbst, dessen Spitze von Trafoi aus nicht gesehen
werden kann, sowie auf die höchste Gletscherwelt, die sich um die
Hochgipfel des Monte Scarluzzo, die Geisterspitze etc. beiderseits der
Reichsgrenze ausbreitet. An der anderen Thalwand nach der Tiroler
Seite hin, liegt die Korspitze, von der grüne Matten und Geröll-
halden, aber keine Gletscher herabziehen. Nach Süden und Westen
spernt der Piz Umbrail alle Aussicht; er steht recht breitspurig als
Wächter des Wormser Joches da, welches 200 M. tiefer als das
357
Stilfser Joch liest und aus dem Val Muranza im Canton Grau-
bündten ins Valtellino in der Lombardei herüberführt. Abgesetzt
sebarf, wie die Reichs-Grenzen, berühren sich an dieser Stelle auch
die Grenzen dreier Sprachgebiete: deutsch, italienisch und romanisch,
zwei aufstrebenden und sich ausbreitenden und einem, welches un-
vermeidlichem Untergange entgegensieht.
Unmittelbar am Wormser Joch, aber schon einige Schritte von der
Schweizer Grenze entfernt, in Italien darin, liegt die Cantoniera Sa.
Maria nell’ giogo di Stelvio, gewöhnlich kurzweg Sa. Maria geheissen,
in 2500 M. das höchst gelegene ständig bewohnte Wohnhaus Eu-
ropas. Es war zeitlich am Nachmittag als ich dort anlangte, und auf
meine zusammengelesenen italienischen Brocken eine prompte deutsche
Antwort bekam. Der Wirth hält mit Rücksicht auf die weit über-
wiesende Mehrheit seiner Gäste eine deutsche Kellnerin. Das war
erfreulich; der Wein auch gut, das Essen von dort üblicher Quali-
tät und mir zu fett. Ich bestellte denn Nachtquartier und begab
mich auf die Suche nach dem Ranunculus parnassifolius, der dort
nahe am Posthause wachsen soll — leider umsonst. Primula oenen-
sis Thom., Ranunculus plantagineus All., Gentiana ulpina Vill.,
Aretia alpina Lam. Eriophorum Scheuchzeri Hoppe, Euphrasia mi-
nima Jeq., Carex curvula All., Hieracium glanduliferum Hoppe,
Cerastium tripmmum Vill., Arabis caerulea Hänke waren meine Aus-
beute, aber nicht der gesuchte Ranunkel. Curios ist der Pflanzen-
wuchs auf einem nun aufgelassenen Theile der Stilfser-Jochstrasse:
der aus allem möglichen Gestein bestehende Strassenschotter ist
mit Alpenpflanzen bedeckt, unter denen Phyteuma paueiflorum L.,
Draba Wahlenbergii Hartm., ß. heterotricha Koch und Poa alpina
L. durch Zahl ihrer Vertreter am hervorragendsten sind. Es war
stockfinster als ich zurückkam. Zwei Norddeutsche, die zum ersten
Male die Alpen besuchten, waren inzwischen eingetroffen und zeigten
sich sehr erfreut, mit Jemandem deutsch und über die Alpen reden
zu können. Ich ging jedoch bald schlafen, nicht ohne vorher noch
mit Staunen gesehen zu haben, dass in diesem einsamen, weitentle-
2 und höchst gelegenen Gehöfte, neben einem italienischen
ocalblatte auch die „Revue Wagnerienne* aufliegt.
Am anderen Morgen zeitlich galt es dem Piz-Umbrail, dessen
zerschründete Dolomitwand mir schon gestern imponirt hatte, und die
als Wahrzeichen der Gegend weithin sichtbar ist. Die Matten ober
Sa. Maria fand ich aber alle abgeweidet und voll Vieh. Mühsam
nur fand ich endlich den Dianthus „neglectus“, der aber nur D.
glacialis Hke. ist, wie ja auch bereits vermuthet worden ist; die
Braya fand ich insoferne sehr zahlreich, als ich muthmasse, dass
selbe mit der dort allgemein verbreiteten grosswüchsigen Form von
Cardamine resedifolia L. identisch ist. Von Achillea nana keine Spur.
Ganz oben, etwa 2750 M. hoch, unmittelbar unter der noch 300 M.
höheren, vollkommen pflanzenleeren Dolomitwand des Umbrail zieht
sich eine Mulde hin, welche noch mit Schuee gefüllt war. An den
schneefrei gewordenen Stellen fand ich indessen nicht viel Be-
858
sonderes; Draba Hoppeana Bud. stand sehr selten unter Formen
von D.aizoides L., etlichen Saxifragen und Potentillen. Ich eilte des-
halb wieder herunter, nahm auch hier Koeleria hirsuta Gaud.,
Luzula lutea DÖ. und Daphne striata Tratt. mit und wollte den
Ranunculus parnassifolius auf der Seite gegen den Ortlerstock zu
finden. Allein es gelang nicht, obwohl ich an den Lehnen des Monte
Scarluzzo so hoch stieg, bis ewiger Schnee und Eis jeder Vegeta-
tion den Weg versperrten und ausser kümmerlichen Moosen, Geum
reptans L. sparsamer Oxygraphis und winziger Sawifraga Sequierii
All. nichts mehr wuchs. Nun stöberte ich noch auf dem Plateau
des Wormser Jochs herum, um das dort weit und breit allen Bo-
den überziehende Potentilla-artige Ding blühend zu finden, das ich
gestern unaufgeblüht nicht erkennen konnte. Und siehe da! Alchemilla
pentaphyllea L. war's: wieder eine der centralalpinen Arten, u. zw.
eine, von deren charakteristischem Ansehen man sich nach den
Trockenexemplaren nicht die richtige Vorstellung macht. Meine Rie-
senbüchse war aber nunmehr prall voll, keine Idee, „auch nur ein
Bröserle* noch hineinzupressen — somit Geschwindschritt bis Trafei,
woselbst am 8. und 9. die Pflanzen fertig getrocknet wurden.
10. August. Achilles nana und Ranunculus parnassifolius ge-
ben mir keine Ruh. Ich muss also nochmals nach Franzenshöhe,
will dort die Hochlage der Kalklehne untersuchen und dann noch-
mals aufs Wormser Joch. Diesmal machte ich mich vom „Weissen
Knott* weg hinüber über den Bach zum Madatschferner und auf
die Kalklehne. Das erste was ich fand war eine der seltensten Hy-
briden: Achilles Krätiliana Brügg. (= atrata > moschata); dann
kam ich auf Sawifraga Hosti; Tsch., Hieracium oxydon Fr., H.
pseudoporrectum Christener = H. Neilreichii Beck, und endlich
standen ober dem Wirthshause in Lehnen, die kürzlich schneefrei
geworden waren, Carew mucronata All., Crepis Jacquinü Tsch., (.
hyoseridifolia Tsch. (schöner als am Piz Umbrail), Papaver pyrenai-
cum DC., Euphrasia alpina Lam. etc. herum, aber beileibe keine
Achilles nana. Missmuthig gab ich sie auf und zog wieder über
das Stilfser Joch nach Sa. Maria, wo ich schon zeitlich eintraf. Ich
suchte nun an allen Bächen und am Wormser Joch nach dem Ra-
nunkel, wieder vergebens. Noch missmuthiger machte ich mich noch-
mals auf den Piz Umbrail hinauf, woselbst ich neulich Viola calca-
rata L. sah, aber wenige mitnahm, weil sie in der Büchse ohnehin
REHOLRL würde. Sie blieb aber schön und da wollte ich also mehr
aben.
Oben war es nun besser als vor vier Tagen. Viola calcarata
L., Alsine biflora Whlbg. (also eine hochnordische für Italien neue
Art), Oxytropis Halleri Bge., O. lapponica Gaud., Draba Johannis
Host., D. Wahlenbergii Hartm., Gentiana tenella Rottb., Hieracium
leucochlorum Arvet fanden sich nach und nach ein, Potentilla minima
Hall. fil. erfüllte alle Vertiefungen und Sazxifraga oppositifolia L.
überzog weites Felsenterrain mit dem wunderbaren Karmiproth ihrer
grössten Blüthenpracht, hierin nur mit dem feurigsten Azurblau
359
der Viola calcarata und dem Schneeweiss des Cerastium lalifolium L.
wetteifernd.
Ein fast wie eine Messerschneide dastehender Rücken eines weit-
hin sichtbaren weissen Gesteines lockte mich gegen den Sattel hin,
der den Piz Umbrail mit dem Monte Braulio verbindet. Das weisse
GesteinwarTalk und darauf stand neben Drabacarinthiaca Hoppe genug
Achillea nana L. Nun war mir geholfen. Also noch geschwind hinauf auf
den Umbrail-Grat (+ 3000 M.), den ich aber vollkommen pflanzen-
leer, selbst ohne Kryptogamen fand, um die Aussicht bei sinkender
Sonne zu betrachten. Gegen die Schweiz hinüber war sie prächtig,
unabsehbar — leider schoben sich aber das Münsterthal ungeheure
Wolkenmassen herunter, tief unter den Bergspitzen bleibend, aber
das Thal selbst ganz erfüllend. Da hiess es nun rasch zurück, um
noch vor Einhüllung der Uebersicht den Fusssteig zu finden, der
etwa '/, Stunde vor dem oben erwähnten Talk-Rücken endet. Kaum
hatte ich ihn aber erreicht, so zogen auch schon die ersten Wolken-
fetzen das Val Tellino herauf und die Cantonniera stak schon im
dichtesten Nebel, als ich dort eintraf.
Von meinem Zimmer aus sah ich später dem wunderbaren
Treiben der sich jagenden Wolkenfetzen zu. Bald strahlten Ebenen-
Ferner und die Schneeflächen des Monte Scarluzzo vom Mondlicht
übergossen klar herüber, bald jagten Wolkenschatten darüber hin,
bald waren die Berge, bald die Cantonniera dick in Wolken gehüllt.
Es war bezaubernd schön: mir bangte aber vor morgen, denn die
italienische Post konnte nicht herauf, weil irgendwo ober Bormio
die Strasse übermuhrt worden war und die österreichische Post aus
gleicher Ursache nicht verkehrte. Wenn es regnete, war ich also
eingesperrt.
Es regnete aber nicht, sondern es war sonnig und sehr schön,
als ich Früh die Nase zum Fenster heraussteckte. Unter diesen gün-
stigen Umständen dachte ich den Ran. parnassifolius auf der Seite
des Val Muranza, beziehentlich auf den Gehängen der Röthelspitze
zu suchen — und machte mich schleunigst auf den Weg. Ich durch-
eilte die nun schon viel freudigeren, von Saliw herbacea L.
durchsetzten, aber leider auch schon mit Vieh besetzten Alche-
milla-Matten östlich vom Wormser Joch, gewann den Rand der
von der Röthelspitze herabziehenden Schneefelder, aber nicht den
gesuchten Ranunkel. Dunkle, vollkommen vegetationsleere oder
mit schwarzen Laubmoosen überzogene, ausgedehnte kiesige oder
steinige Flächen waren mit zerstreuten Gruppen stets gleich-
artigen Phanerogamen wie besprenkelt. Da deckte den blanken
Kiesboden die rosenfarbene Aretia alpina, dort standen hunderte von
schneeweissen Androsace obtusifolia All. beisammen, hier drängten
sich die violetten Glocken von Soldanella pusilla Bgt. als Nach-
barn kleiner Polster von Sawifraga androsacea L. Ueberall dazwi-
schen, bald einzeln, bald in Gruppen, aber immer in dem triefend
nassen Kiesboden oder an den Ufern der Gerinnsel stand schneeweiss,
zart rosa, dunkelroth bis dunkelpurpur die prächtige Oxygraphis mit
360
ihren rostfarben-filzigen Kelchblättern — oder steckte Carew curvula
AN. vorsichtig die ersten gelben Antheren zwischen den dunkelgrü-
nen, steifen, sichelförmigen Blattbüscheln hervor.
So übertraf sich denn die Natur selbst in dieser Hochlage
und zauberte noch am Ausklange des Pflanzenlebens jenes wunder-
bare Bild von jungfräulicher Frische und Zartheit hervor, welches
hundertmal gesehen, uns immer wieder ergreift und einen Augen-
blick die Schattenseiten des Lebens vergessen macht.
Im Eifer des Suchens hatte ich mich aber wieder einmal nicht um
das Wetter gekümmert, und als ich mich zufällig umsah, schob sich
ein dicker, weisser Wolkendamm das Val Muranza herauf und hatte
mich bereits erwischt, ehe ich trotz sofortigen Aufbruches die Stilf-
ser Jochstrasse noch erreichen konnte. Diese war aber auch im Ne-
bel nicht zu verfehlen, wenn ich mich an der Bergwand hinhielt, und
vermied abwärts zu steigen, und so zog ich denn eilig weiter nach
Tirol. Noch einmal betrat ich den Sattel des Stilfser Joches, noch
einmal kletterte ich an dem jetzt schneefreien Gehänge der Drei-
sprachenspitze hinauf um daselbst Potentilla frigida Vill. und Sawi-
fraga ewarata Vill. zu holen — dann trabte ich aber so schnell
es ging hinunter, denn in den Wolken rumorte es gewaltig und
nass wollte ich nicht wieder werden. Den Kilometer in 8 Minuten
(bergab!) machend, erreichte ich Trafoi just als die ersten Regen-
tropfen fielen. Nun konnte es aber regnen so viel es mochte, und
es regnete auch.
(Schluss folgt.)
—e—
Flora des Etna.
Von Prof. P. Gabriel Strobl.
(Fortsetzung.)
1403. Vicia incana Vill., Candolleana Ten. Fl.nap., Guss. *Syn.
et *Herb.! Gerardi DC. Fl. fr., *Raf. II, *Bert. Fl. it., non Jacq.,
Stabiana Ten. Fl. nap. — Diagnose meiner am M. S. Angelo bei
Neapel und am Etna gesammelten Exemplare: Sehr hoch, Stengel,
Blatt- und Blüthenstiele kurz abstehend zottiggrau; Blättchen ziem-
lich angedrückt seidiggrau, 12 —16paarig, länglichlauzettlich, stachel-
spitzig, ziemlich parallelnervig, die obersten bis 2 Cm. lang und
kaum 3 -4 Mm. breit; obere Nebenblätter ganzrandig, laug linear-
lanzettlich, untere halbpfeilförmig mit linearlanzettlichem Basallap-
pen; Traube langgestielt, reichblüthig, Blüthen hängend; Kelchröhre
weiss, kurzglockig (2 Mm. lang), die zwei oberen Kelchzähne sehr
kurz, spitz dreieckig, die drei unteren über 2 Mm. lang, lanzettlich-
borstig, nebst der Röhre dicht zottigflaumig; Fahne 10 Mm. lang,
blauviolett, zurückgeschlagen, ausgerandet, Saum von der Länge des
Nagels, länger als die blauvioletten Flügel, diese länger als das
Ze u
36l
weisslichblaue, an der Spitze tief blauviolette Schiffehen; Hülse ge-
stielt (Stiel länger als die Kelchröhre), fast kahl, ca. 2:5 Cm. lang,
7—8 Mm. breit, länglichlanzettlich. Meine Etnapflanzen sind mit
den neapolitanischen vollkommen identisch, beide gehören zur var.
Stabiana (Ten.) —= b. aetnensis Guss. (obere Nebenblätter schmal
linear, Blüthenstiele abstehend behaart, Fahne 10 Mm. lang, wäh-
rend «. genuina —= Gerardi DC. fast ausnahmslos halbpfeilförmige
Nebenblätter, angedrückt behaarte Blüthenstiele, 12 Mm. lange Fahne
besitzt. Meine Exemplare der Normalform aus Südtirol und Nord-
italien weichen von der Normalform Siciliens nur ab durch bedeu-
tend schwächer behaarte, ziemlich grüne Blätter — klimatische
Differenz. «. genuina: In Wäldern des Etna (Bert. von Guss. er-
halten, Cosent. in Guss. Syn.), Catania (Cosent. in Herb. Guss.!);
ß. Stabiana: Wälder des Etna (Guss. Syn.), Etna im Vallone di
Milo (Herb. Guss.!), häufig im Cerritawalde (4—5500‘) unter Eichen,
auf der Serra di Solfizio zwischen Kastanien und Farrenkräutern
(3—5000°) stellenweise grosse Büsche bildend! Mai—Juli. %.
1404. V. triflora Ten. Fl.nap. Unter Saaten in der Ebene von
Catania (Guss. Syn.). April, Mai. ©. Sah kein Exemplar.
1405. V. dasycarpa Ten. Viag. (1830), *Bert. Fl. it., Guss.
Syn. et *Herb.! Ziemlich kahl oder etwas abstehend flaumig bis
seidig, Blättchen meist 5—7paarig, länglichlinsar oder länglichlan-
zettlich, stumpflich, stachelspitzig; Nebenblätter lanzettlich, halb-
pfeilförmig; Trauben auf die Blätter überragenden Stielen, ziemlich
reichblüthig; Blüthen einerseitswendig; Kelch sparsam zottigflaumig,
die zwei oberen Kelchzähne sehr kurz, dreieckig, die drei unteren
ziemlich von der Länge der Röhre, lanzettlieh; Krone 11—13 Mm.
lang, fast linear, Fahne blau, Flüge) und Schiffchen weisslich, letz-
teres an der Spitze mit blauem Flecke, selten Krone ganz weiss
oder blau; Hülsen ziemlich kahl, breit länglich, stark zusammenge-
drückt, 25>—30 Mm. lang, 8—10 Mm. breit, meist 5samig; varlirt
sehr in der Länge der Blüthenstiele (ß. elongata Guss. Syn. besitzt
solche von doppelter Blattlänge), in Habitus, Blüthenreichthum und
Blattbreite; var. graeilis Guss. Syn. ist eine schlanke, schmalblätte-
riee Form mit armblüthigen Trauben von Blattlänge. Vicia varia
Host. — villosa ß. glabrescens Koch Syn. I, 214 aus Franken, Baiern,
Istrien ete. lässt sich von dasycarpa kaum unterscheiden durch be-
deutend höberen Wuchs, reicherblüthige Trauben, 8—12paarige Blätt-
chen und dürfte als nördliche Race derselben zu betrachten sein. —
Auf Wiesen und krautigen Abhängen, zwischen Gebüsch und in lich-
ten Wäldern (0—5000°) äusserst gemein: Aus Catania von Cosen-
tini erhalten (Bert., Herb. Guss.!), Etna, Contrada di Puntalasso
bei Giarre (Cosent. in Herb. Guss.!), um Catania überall (!, Herb.
Torn.!), Acicastello, Cavaleri, am Fusse des Monte Pileri (Herb.
Torn.!), um Ognina (!, Herb. Reyer!), vom Meere bis Nicolosi und
von da durch die ganze Waldregion sehr gemein, oft mit der fol-
Er» Art gemischt und doch meist scharf von derselben geschie-
en, im Serrapizzutawalde, im Valle Calanna, auf der Serra di Sol-
362
fizio, von Milo zum Cerritawalde, von Bronte zum Bosco Maletto
ete, März—Mai. ©.
1406. V. pseudocracca Bert. am. it. Guss. *Syn. et *Herh.!
Von dasycarpa vorzüglich verschieden durch länglichlineare, nur
5—6 Mm. breite, weniger zusammengedrückte Hülsen, ferner durch
stärker seidigflaumige Behaarung, meist nur 3—5paarige Blättchen
und ärmerblüthige Trauben; doch sind die Grenzen zwischen beiden
sehr verwischt, daher man, wenn reife Früchte fehlen, über die Zu-
gehörigkeit mancher Formen in Zweifel geräth; die Blättchen va-
riiren von länglich bis schmallinear, die Blüthen sind bei der Nor-
malform bleichblau («. coerwlescens m.), bei der Etnapflanze hingegen
meist weiss (ß. alba *Guss. Syn. add. et *Herb.!). An sandigen
Küsten, auf krautigen Abhängen, zwischen Gebüsch und in lichten
Wäldern ebenso gemein, als dasycarpa. Häufig an Zäunen des Etna
(Biv. in Herb. Guss.!), Catania (Cosentini in Herb. Guss.!), Etna
am Fusse der Serrapizzuta (Torn. in Herb. Guss.!, Herb. Torn.!),
Nicolosi, Giarre, Wälder von Bronte und Maletto (Herb. Guss.!),
Zaffarana (!, Herb. Tormab.!), Bosco Malpasso (Herb. Reyer!); auch
von mir wurde var. 8. an sämmtlichen Standorten der vorigen Art
in Menge, die Normalform hingegen nur an sandigen Küsten um
Catania gesammelt. März—Mai. ©.
1407. V. ambigua Guss. Syn. et *Herb.!, pseudocracca var. P.
Bert. Fl. it. In ziemlicher Kahlheit, Blüthenstielen, Blüthen, Hülsen
und Habitus ebenfalls der dasycarpa sehr ähnlich und vielleicht nur
Varietät derselben; sie zeichnet sich aus durch höheren, robusteren
Wuchs, 4—8paarige, elliptische oder elliptischlängliche, stumpfe, bei
eirca 2 Cm. Länge fast 1 Cm. breite, also stets 2—3mal breitere
Blättchen, als dasycarpa besitzt, die Kelchröhre überragende untere
Kelchzähne, etwas grössere Blüthen (15—18 Mm.) und noch brei-
tere Hülsen (über 1 Cm.). Auf krautigen Hügeln und an Zäunen um
Acireale, Giarre, Caltabiano (Herb. Guss.!), Catania (Herb. Torn.!).
März—Mai. ©.
1408. V. elegans Guss. Syn. et Herb.!, Bert. Fl. it. Lässt sich
von varia Host weder habituell, noch in der Menge der Blättchen-
paare, noch in Behaarung, Nebenblättern, Blüthenstielen und Hülsen
auch nur im mindesten unterscheiden; denn sie ist ebenfalls hoch,
mit 8—12paarigen, angedrückt flaumigen Fiedern, halbpfeilförmigen
unteren, ganzrandigen oberen Nebenblättern, sehr reichblüthigen Stie-
len von ungefähr Blattlänge, einerseitswendigen, hängenden Blüthen,
länglichlanzettlichen, ea. 2:5 Cm. langen, 6—8 Mm. breiten, kahlen
Hülsen; auch ist die Fahne ebenfalls angenehm blauviolett, ausge-
randet, ca. 15 Cm. lang, Flügel und Schiffchen weisslich blau, letz-
teres an der Spitze ebenfalls mit purpurschwarzem Flecke; als ein-
zige Differenzen sehe ich die schmallinearen Blättchen, von denen
bei 1—2 Cm. Länge die unteren höchstens 3 Mm., die oberen nur
1—2 Mm. breit sind, und die meist längeren Kelchzähne, so dass
die zwei oberen lanzettlich, fast halb so lang, als die Röhre, die
drei unteren fast lineal und etwas länger, als die Röhre sind; doch
363
sind auch diese Differenzen zu variabel, als dass man beide mit
Sicherheit stets unterscheiden könnte; so fand ich z. B. in Istrien
Exemplare der varia, welche manche Exemplare der elegans aus den
Nebroden an Schmalheit der Blättchen sogar noch übertreffen. Va-
rürt P. tenuifolia Guss. (Blättchen nur 1 Mm. breit). In feuchten
Hainen, an Bächen und Zäunen, auf sonnigen Hügeln Sieiliens häu-
fig, im Gebiete jedoch von mir nur um Catania und am Bache vor
Misterbianco gesammelt. Maäi—Juli. ©, %.
1409. V. leucantha Biv. Guss. Syn. et Herb.! Gleich den fol-
genden ausgezeichnet durch höchstens 8 Mm. lange, bleiche, den
Kelch wenig überragende Krone, höchstens fünfsamige Hülsen, An-
nuellität (Sectio Ervoides Gr. Godr., von Lens besonders verschie-
den durch nicht so tief getheilten Kelch und auf der Innenseite un-
behaarte Griffelspitze). Flaumig, meist ziemlich hoch, Blättchen 6—
vielpaarig, länglichlinear oder elliptisch, abgerundet mit Stachelspitze,
klein; Nebenblätter halbpfeilförmig, tief gezähnt; Blüthenstiel 3- bis
10blüthig, kürzer als das Blatt; Blüthen einerseitswendig, hängend ;
Kelchröhre 2 Mm. lang, Zähne linealborstig, 3—4 Mm. lang, ziem-
lich gleich, nebst der Röhre dicht langseidigflaumig; Krone 8 Mm.
lang, weiss ins Bläuliche, Flügel um '/, kürzer, an der Spitze pur-
purschwarz; Hülse 2—3 Cm. lang, 7—10 Mm. breit, netznervig,
hängend, zusammengedrückt, flaumig, 3—5samig, Same kugelig,
schwärzlich. Die in Habitus, Blüthen, 6—10paarigen Blättchen äus-
serst ähnliche disperma DC. ist durch folgende Merkmale gut ver-
schieden: Nebenblätter halbpfeilförmig lineallanzettlich, ganzrandig;
Blüthenstiele nur 2—4blüthig; die zwei oberen Kelchzähne bedeu-
tend kürzer; Blüthen mehr blau, 5 Mm. lang; Hülsen kaum 2 Cm.
lang, 7—8 Mm. breit, kahl, constant zweisamig. In den Nebroden
und auf anderen Bergen Siciliens ziemlich häufig, aus der Tiefregion
des Gebietes bisher nur von Raf. I als parvijlora Biv. angegeben;
ich sammelte sie auf den Kalkhügeln des nahe gelegenen Taormina;
disperma, um Finale und Castelbuono nicht selten, scheint dem Ge-
biete gänzlich zu fehlen. März, April. ©.
1410. V. hirsuta (L.) Koch Guss. *Syn. et *Herb.! Ervum
hirsutum L. Sp. pl. 1039, Bert. Fl. it., Cracca minor Gren. Godr.
I, 475. Ebenfalls den vorigen äusserst ähnlich, doch verschieden
durch schmälere, fast lineale Blättehen, lang borstiggezähnte untere
Nebenblätter, pfriemliche, einander gleiche, die Röhre ebenfalls über-
treffende Kelchzähne, nicht einmal 4 Mm. lange, weissliche Blüthen,
nur 1 Cm. lange, 4—5 Mm. breite, zweisamige, flaumige («. erio-
carpon Gr. Godr) oder endlich kahle (ß. lejocarpon Mor. = Ervum
Terronii Ten. Fl. nap. app. 5 Hülsen; £. variirt auch (z. B. am Gar-
dasee!) mit durchaus ganzrandigen, linealen Nebenblättern, von de-
nen die unteren 1 Oehrchen tragen (v. integrum mihi). In Wäldern
und Gebüschen des Etna bei Maletto (Guss. Syn. et Herb.!), um
Milo, Catania (Herb., Torn.!), häufig auf dem Lavastrome zwischen
Catania und Ognina! (v. «). April—Juni. ©.
364
1411. V. graeilis Lois. fl. gall., Guss. *Syn. et *Herb.!, Tod.
Fl. sie. exs. Nr. 295 (Palermo!) W. Lge. Ill 307, Ervum gracile
DC., Gr. Godr. I 475, longifolium Ten. Fl. nap., aristatum *Raf. 1,
DC. Prodr. Il 367, tenwifolium Lag. Ausgezeichnet durch Schlank-
heit, sehr lange und schmale, fast lineare, spitze, stachelspitzige, 2—
4paarige Blättchen, ganzrandige, halbpfeilförmige oder lineare Ne-
benblätter, das Blatt endlich weit überragende, grannige, 1—5blüthige
Blüthenstiele, spitz dreieckige, kaum der Röhre gleichlange, ziemlich
gleiche Kelchzähne, doppelt so lange, bläulichweisse Blüthen, schmal-
lineare (z. B. bei 12 Mm. Länge 3 Mm. breite), 3—5samige Hül-
sen; teirasperma (L.) Mnch. unterscheidet sich davon durch länglich-
lineare, stumpfe, kurz stachelspitzige Blättchen, 1--2blüthige, nicht
grannige Blüthen- und Fruchtstiele von Blattlänge, sehr ungleich
kurze Kelchzähne, kleinere blaue Blüthen und 4samige Hülsen. An
Zäunen, zwischen Gebüsch und in Wäldern um Catania und Lentini
((uss. Syn. et Herb.!); ich besitze sie aus vielen südlichen Gegen-
den Europas. März, April. ©.
1412. V. pubescens (DC.) Boiss., Biebersteinii Bess. Guss. Syn.
et Herb.!, Ervum tetraspermum *Cat. Cosent., non L. Habituell
mit tetrasp. leicht zu verwechseln; besitzt längliche bis lanzettliche,
bedeutend kürzere, breitere und spitzere, stachelspitzige obere Blätt-
chen, lanzettlich zugespitzte, die Röhre überragende, ziemlich gleiche
Kelchzähne, weissliche Blüthen, das Blatt überragende, 1—5blüthige
Blüthenstiele, etwas niedrigeren, kräftigeren Wuchs; var nebrodensis
mihi aus den Nebroden ist constant einblüthig und nur 1—3 Dm.
hoch. An denselben Standorten, wie vorige, in Sicilien nicht selten,
bisher aus dem Gebiete und zwar aus der Ebene des Simeto, nur
von Cat. Cosent. angegeben. März—Mai. ©.
(Fortsetzung folgt.)
ER een
Literaturberichte.
Zukal Hugo. Untersuchungen über den biologischen und morphologi-
schen Werth der Pilzbulbillen. Aus den Verh. d. zool.-bot. Gesellsch.
in Wien, 1886, S. 123—136, 1 Taf.
Verfasser hat mit dieser Arbeit einen sehr werthvollen Beitrag
zur Entwicklungsgeschichte der Pilze geliefert. Er wies die von Ei-
dam aufgefundenen und als normale Fortpflanzungsgebilde angespro-
chenen, sclerotienartigen „Bulbillen“ bei einer Reihe von Pilzen, wie
bei Arten von Dendryphium, Helicosporangium, Haplotrichum, Me-
lanospora, Peziza nach und zeigt in lückenloser Untersuchungsfolge
die Entstehung und Ausbildung derselben. Schliesslich kommt er zu
dem Resultate, dass die Bulbillen als mehr oder minder unent-
wickelte Fruchtkörper anzusprechen sind, die sich in Folge von Stö-
rungen in heterogener Weise ausbilden, nachdem es ihm gelang, aus
grösseren Bulbillen unter günstigen Bedingungen Fruchtkörper zu
369
erziehen. Immerhin sei mit den Worten Zukal’s anzunehmen, dass
die Bulbillenform ein häufiges normales Entwicklungsstadium vieler
Fruchtkörper darstelle. Beck.
Zukal Hugo. Ueber einige neue Ascomyceten. S. A. aus den Verh. der
zool.-bot. Gesellsch., Wien, Jahrg. 1887, S. 39—46, 1 Taf.
Der durch seine mycologischen Untersuchungen rühmliehst be-
kannte Verfasser veröffentlicht in dieser Arbeit die ausführlichen
Beschreibungen mehrerer neuer Ascomyceten, welche zumeist in
seinen Culturen eingehend beobachtet wurden. Im Besonderen finden
wir beschrieben zwei neue Gattungen Baculospora (zunächst der
Gattung Melanospora) und Gymnodiscus ein neues Genus der Asco-
bolei, ferner mehrere neue Arten, als Sporormia elegans, Gymnoas-
cus reticulatus, Sordaria Wiesneri, Cladosporium abietinum, Chaeto-
conidium arachnoideum, die biologisch interessante Pleospora_ colle-
matum, welche in Symbiose mit einer Physma-Art lebt und somit
den noch unbekannten Fall darstellt, dass zwei Pilze mit einer Alge
(Nostoc) im Convivium vereinigt sind. Auch mag erwähnt werden,
dass Zukal das Mycel, welches Prof. Wiesner auf Papyrusblättern
der Sammlung „Erzh. Rainer“ constatirte, durch vergleichende Ent-
wicklungsstudien mit grösster Wahrscheinlichkeit als der Sphaerellu
Cannabis Wint. angehörig nachweisen konnte. Beck.
K. Friderichsen & O. Gelert: Danmarks og Slesvigs Rubi. Separatab-
druck aus „Botanisk Tidsskrift. XVI. Bd. 1.—2. Heft. Kjobenhavn. 1887.
138 Seiten.
Die Verfasser wurden von Prof. J. Lange aufgefordert, die
Brombeeren Dänemarks und Schleswigs einer eingehenden systema-
tischen Bearbeitung zu unterziehen. Dass sie sich ihrer Aufgabe mit
tüchtiger Sachkenntniss und grossem Fleisse entledigt haben, ist
aus vorliegender Arbeit, die zu den gediegensten in diesem (Gebiete
gezählt werden kann, zu ersehen. Dieselbe gibt eine grösstentheils
nach Focke's Synopsis geordnete Uebersicht von 41 Arten, 32
Unterarten und Varietäten, und ca. 20 Hybriden der Cimbrischen
Rubusflora. Nahezu sämmtliche Formen sind mit sehr ausführlichen
(dänischen) Diagnosen versehen.
Neu beschrieben sind: 4. Barbeyi For. Grm., contiguus O.
G., Langei G. Jensen, Gelertü K. Fr., anglosawvoniceus OÖ. G., mo-
nachus G. Jensen, milliformis sp. coll.'), pyracanthus Lange'), imi-
tabilis K. Fr.‘), Friesii G. Jensen‘), Fioniae K. Fr.?), centiformis'),
Mortensenii egregiusculus'‘), simulatus K. Fr.'), Warmingü G. Jen-
sen'), gothieus Fr. & O. G.'). Von systematischen Neuerungen be-
*, Sind sämmtlich Corylifolii.
*) Diese oder doch eine sehr nahestehende Form (R. ken: y carin-
thiacus ın.) besitze ich aus Klagenfurt (leg. Jabornegg als R. De ): ı
x elerent,
366
merken wir, dass die Adenophori Focke's, bekanntlich eine Sam-
meleruppe von höchst verschiedenen Formen, unter die übrigen
(ruppen vertheilt werden, was entschieden zu billigen ist. Dass aber
an die Stelle der Adenophori eine neue „ret naturlig Gruppe“ der
Egregii geschaffen wurde, das hält Ref. nicht für geboten.
Mit besonderer Sorgfalt haben die Verf. die Gruppe der Cory-
lifolien bearbeitet. Das Interesse, welches das Werkchen dem Syste-
matiker bietet, lässt es bedauern, dass dasselbe blos in dänischer
Sprache erschienen ist. Sabransky.
W. ©. Focke: Die Rubi der Canaren. ‚Separatabdruck aus den Abhandl.
des naturw. Vereins in Bremen. Bd. IX, S. 405 — 407.
Von den Canarischen Inseln war bisher bloss der durch West-
europa um das Mediterrangebiet weit verbreitete AR. ulmifolius Schott.
bekannt. Der verdienstvolle Verf. beschreibt nun zwei weitere Arten
aus dem erwähnten Gebiete: R. Bollei n. sp., von Dr. Bolle in
der Lorbeerregion auf Palma gesammelt, und R. Canariensis n. Sp.,
von Teneriffa (leg. Bourgeau). Beide Arten nähern sich stark an
gewisse südamerikanische Typen an und sind, wohl selbst endemisch,
von den auf anderen atlantischen Inselgruppen (Madeira, Azoren)
bekannten Endemarten vollkommen verschieden. Sabransky.
A. Gremli: Neue Beiträge zur Flora der Schweiz. IV. Heft. Aarau, Ph.
Wirz-Christen 1887, kl. 8°, 401 Seiten. Preis 2 M.
Den Inhalt dieses Heftchens bildet eine Zusammenstellung und
theilweise Besprechung aller seit dem Erscheinen des III. Heftes
(1883) gemachten neuen Funde an Pflanzen, eine strenge Kritik der
Brügger’schen Bastarde im Allgemeinen und der Weidenbastarde
im Besonderen von K. Buser, endlich Beiträge zur Flora der Can-
tone Thurgau und Schaffhausen. Bei dem bekannten Fleisse des
Verfassers in seinem Lande die Errungenschaften auf dem Gebiete
der Floristik zu sammeln und sie zum Gemeingute Aller zu machen,
wird diese Schrift nicht verfehlen, auch in den Nachbarländern
grosses Interesse zu erregen.
Grundriss der Botanik von Dr. Max Zaengerle, Professor am königl. Real-
gyınnasium zu München. 8°, 240 Seiten. München, Verlag von Gustav
Taubald, 1887.
Von demselben: Grundzüge der Chemie und Naturgeschichte. I. Theil: Bo-
tanik. 8°, 19% Seiten. München 1837, im selben Verlag.
In dem „Grundriss der Botanik“ bespricht der Verfasser im
ersten Abschnitte die äussere und innere Morphologie, sowie auch
die Physiologie der Pflanzen mit jener kurzgefassten Präcision, wie
sie für den Gebrauch an mittleren und höheren Lehranstalten am
367
zweckentsprechendsten ist, während der zweite Theil des Buches der
speciellen Botanik gewidmet wird. Wir finden darin das künstliche
Pflanzensystem von Linne und ein natürliches System abgehandelt,
worauf der Lernende mit dem Bestimmen der Pflanzenfamilien nach
beiden Systemen vertraut gemacht wird.
Nachdem das zweite Werk lediglich ein Auszug des eben be-
sprochenen ist, und hauptsächlich für den Unterricht an Mittel-
schulen dient, so sprechen die Vorzüge des ersteren für die Em-
pfehlung des letzteren.
Bericht über die Thätigkeit der botanischen Section der schlesischen
Gesellschaft im Jahre 1886, erstattet durch Prof. Dr. Ferdin. Cohn.
Reich an Zahl und noch mehr an interessantem, gediegen
bearbeitetem Stoff sind die in diesem Berichte mitgetheilten, wäh-
rend zehn Sitzungen der genannten Section auf die Tagesordnung
gelangten Besprechungen, von denen besonders nachstehende hervor-
zuheben wären: Prof. Engler über seine Untersuchungen der den
weissen oder todten Grund in der Kieler Bucht bildenden Spaltpilze.
Derselbe über die pelagischen Diatomaceen der Ostsee und speciell
über die dort gefundenen Arten von Chaetoceros, ferner über sein
Aquarium zur Beobachtung von Seealgen. — Prof. Cohn legte fer-
ner einen von Prof. Eichler in Berlin dargeliehenen Band des
Herbars, welches J. J. Rousseau in seinem letzten Lebensjahre an-
gelegt hat. Weiters sprach er über die vorzugsweise im letzten Jahr-
zehent bei Menschen und Thieren beobachteten meist tödtlich ver-
laufenden Krankheiten, welche durch Einlagerung körniger Pilzeon-
cremente in die degenerirten Gewebe charakterisirt sind. Ein anderer
sehr instructiver Vortrag desselben Forschers betraf das Tabascha
und die chemische Analyse dieses in den Internodien baumartiger
Bambus-Arten als mehr weniger derbe Concremente von Sandkorn-
bis Wallnusserösse vorkommenden, im Orient als Heilmittel ver-
wendeten Produktes. Schliesslich sprach derselbe über eine grönlän-
dische Thermalalge, welche er als identisch mit der in Italiens Thermen
beobachteten Lymphia thermalis Rub. erkannte. — Weiters seien er-
wähnt: D. R. Schuhe’s Bericht über eine von ihm im Juli v. J.
nach den siebenbürgischen Alpen unternommene Reise, welche eine
ausserordentlich reiche Ausbeute seltener Pflanzen der pontischen
Flora lieferte. Dr. Eidam mit einem ausführlichen Vortrage, be-
treffend Untersuchungen über die Familie der Gymnoascaceen. —
Prof. Hieronymus über Blüthe und Blüthenstand der Centrolepi-
daceen. Biologische Notizen brachten Dr. Otto Müller über (die
Ranken der Üueurbitaceen, und Herr Glauer über Aggregation in
den Tentakelzellen von Drosera rotundifolia. — Ober-Stabsarzt
Schröter sprach eingehend über die auf Hutpilzen vorkommenden
Mucorineen und Dr. H. Kunisch über die erste Pflanze des schle-
sischen Muschelkalks. Diese Pflanze lässt sich in das Genus Voltzia
Brongniart einreihen und wurde vom Vortragenden nach ihrem Fund-
308
orte Krappitz mit dem Species-Namen Krappitzensis belegt. —
Von Interesse für Systematiker ist Dr. Pax’s Vortrag über Primu-
laceen und dürfte die von ihm beantragte neue Gruppirung der For-
men Beachtung verdienen. — Im der sechsten Sitzung am
23, März 1886 erschien Rudolph v. Uechtritz das letztemal vor
dem Auditorium, indem er erstens die im Jahresberichte pro 1885
veröffentlichten Novitäten der schlesischen Phanerogamenflora aus
dem Jahre 1885 vorlegte und hierauf über die vom Apotheker Fick
in Hirschberg eingesendete, dem gegenwärtigen Bande einverleibte
Abhandlung: „Beitrag zu den Vegetationsverhältnissen Ober-Schle-
siens“ referirte. Eine zweite Abhandlung des ebengenannten Verf.
unter dem Titel: „Resultate der Durchforschung der schlesischen
Phanerogamenflora im Jahre 1886“ enthält zahlreiche Angaben für
das Territorium neuer Pflanzen. M. Prihoda
Jahresbericht der naturhistorischen Gesellschaft zu Nürnberg 1886,
In dem Specialberichte über die Thätigkeit der botanischen
Section wird unter Anderen das Resultat der floristischen Forschung
im engeren Heimatsgebiete pro 1886 bekannt gegeben. Es besteht
in mehreren interessanten Funden für die Nürnberger Flora neuer
Speeies; ferner in der Wiederauffindung von im Gebiete durch lange
Zeit vermissten Pflanzen und schliesslich in bemerkenswerthen Be-
obachtungen über die geographische Verbreitung einer namhaften
Anzahl von Pflanzen-Species. M. Prihoda.
Annals of Botany.
Unter diesem Titel erscheint ein alle Zweige der botanischen
Wissenschaft umfassendes Werk, herausgegeben von der Universität
Oxford, zu welchem die hervorragendsten englischen Botaniker bereits
ihre Mitarbeiterschaft zugesagt haben. Die „Annals“ werden illustrirt
sein und der Preis pro Band 1 Pfd. Sterlg. 1 Sh. betragen. Sub-
scribenten wollen sich wenden an „The Secretary to the Delegates,
Clarendon Press, Oxford.“
a
Correspondenz.
Triest, am 410. September 1887.
Auf der Vutia luka und auf dem Berge Trebevit bei Sarajevo
fand ich eine Viola aus der Verwandtschaft der V. tricolor, die sich
durch so charakteristische und wesentliche Merkmale von allen ihr
zunächst stehenden Arten unterscheidet, dass ich es für nothwendig
halte, dieselbe mit dem Namen Viola bosniaca mihi zu bezeichnen
und eine kurze Beschreibung derselben zur vorläufigen Kenntniss zu
bringen. Blätter lanzettlich bis eirund, stumpf. Blumenblätter ver-
er
309
kehrteiförmig, dunkelviolett, Schlund gelb; Staubfäden eiförmig,
Staubbeutel rundlich, braun; Kelchblätter lanzettlich mit ganzrandi-
gem bis dreilappigem Grunde und schmalem trockenhäutigen weissen
Rande. Sporn pfriemenförmig, von der Mitte an schwach nach ab-
wärts gebogen. Dr. Formänek.
Probabin (SO.-Galizien), am 10. September 1887.
Heuer habe ich in Nordgalizien neue Standorte zweier nordi-
scher Weiden entdeckt, nämlich: Salix livida in Rzyezki bei Rawa
(in Gesellschaft mit Pedicularis Sceptrum, Ostericum palustre, Pin-
guicula vulgaris, Salir rosmarinifolia ete.) und S$. myrtilloides in
Majdan bei Sieniana (in Gesellschaft mit Vaceinien, Andromeda po-
lifolia, Eriophorum vaginatum, Saliw myrtilloides X aurita etc.) —
Die echte Potentilla pilosa Willd. (P. obscura Zimmet., nicht iden-
tisch mit P. leucotricha Borb.) kommt auch in Nieder-Oesterreich
und zwar am Laaerberg bei Wien vor, wo sie Dr. R. v. Wett-
stein gesammelt und für P. recta L. ausgegeben hat. Ich habe
dieselbe in zwei sehr instructiven Exemplaren im Herbar des Herın
Siegfried aus Winterthur gesehen. In Galizien habe ich Potentilla
pilosa W. nirgends beobachtet. — Fasciation bemerkte ich in Gali-
zien an folgenden Pflanzen: Abies ewcelsa, Salix purpurea, 8. (a-
prea, Hieracium wirosum, Ranunculus Philonotis und Asparagus
offieinalis. — Hier in Probabin (bei Horodenka) wächst auf Gyps-
felsen in grosser Menge Euphorbia gracilis Bess. (species distinctis-
sima, ab E. (yparissias optime diversa) in Gesellschaft mit Gypso-
phila altissima, Cephalaria cornieulata, Aconitum Anthora v. flore
coeruleo, Sisymbrium junceum, Mercurialis ovata, Erysimum exal-
tatum etc. Br. Btocki.
Arad, am 14. September 1887.
In einer Correspondenz des vorigen Heftes dieser Zeitschrift
(pag. 332—334) schreibt Borbäs, dass Juniperus Kanitzii Csat6
nicht identisch sei mit J. Sabina L., dass Rosa Marisensis Simk.
et Braun mit R. spuria Pug., Rosa Barcensis Simk. mit R. Da-
eica Borb. und Epilobium Biharicum Simk. mit E. Sandorii Borb.
zusammenfalle; dass Quercus Osatoi Borb. eine Hybride sei zwischen
Qu. sessiliflora und Qu. Robur; endlich dass meine „Enumeratio
Florae Transsilvanicae vasculosae eritica* am 5. August 1887 er-
schienen sei. Ich muss alle diese Behauptungen Borbäs’ für un-
richtig erklären, indem ich es gründlich beweisen kann, dass sich
Borbäs in allen seinen aufgeführten Aussprüchen stark geirrt habe.
Die Art und Weise aber, in welcher er seine Bemerkungen macht,
sowie auch der Umstand, dass er nur behaupten, aber nichts kri-
tisch beweisen thut, entheben mich der Pflicht, diese nur zu be-
dauernde Angelegenheit einer ausführlichen Erörterung zu unterziehen.
k Dr. L. Simonkai.
Oeterr. botan. Zeitschrift. 10. Heft 1897. 30
370
Budapest, am 48. September 1887.
Die beiden ersten Wochen des Monats August brachte ich
abermals in der reizenden Umgebung des Piliserberges zu, woselbst
ich unter andern Dipsacus pilosus L. in einigen Exemplaren vor-
fand, und zwar sowohl auf dem Territorium des Pester, wie auch
des Graner Comitates. (Rarior ad torrentes eirculi pilisiensis v. g.
ad Sz. Andre, Visegradum. Sadler.) Borbäs fand sie auch am
Pilisberg.. — Zwischen Csobänka und Weindorf an der Strasse traf
ich Echium altissimum Jacq. an. — Des Notirens werth halte ich
ferner Carex marima Scop. (= ©. pendula Huds.), welche ich von
einem Waldschlag des Pilis mitnahm; auch bei Pomar, am „Kö-
hegy“ fand ich sie. (Ad rivulum montanum prope Tötfalü reperit.
Cl. Heuffel. Sadler.) — Die Eichenbäume (hier vorwiegend Quer-
cus Cerris und sessiliflora) sowohl wie die Buchen trugen eigen-
thümlicherweise fast ohne Ausnahme keine Früchte. Nach der Aus-
sage der Schaf- und Kuhhirten blühten die genannten Bäume mit
Ausnahme einiger Cerris-Eichenbäume im heurigen Frühjahre gar
nicht. Im Gegentheil war in derselben Gegend im vorigen Jahre eine
reiche Eichelernte. — Ein Ast von Viburnum Opulus blühte am
12. August im Klostergarten, neben P. Szt. Kereszt an einer sonni-
gen Stelle am östlichen Fusse des Pilis. Der Strauch war ausserdem
voll mit rothen, bereits reifen Bseren bedeckt. — Fruchtzwillinge
brachte ich in meine teratologische Sammlung von Reine-claude und
Nuss. K. Schilberszky.
Warschau, am 5. September 1887.
Bringe Ihnen zur Nachricht, dass ich am 12. dieses Monats
nach Irkutsk nach Sibirien reise, wo ich bleibend am Militärspitale
angestellt worden bin. Da ich künftigen Sommer tüchtig botanisiren
werde und käuflich Herbarien dortiger Pflanzen zu versenden gedenke,
bitte ich Alle, die sich für solche interessiren, sich brieflich an mich
zu wenden. Adresse: F. Karo, Apotheker am Kriegshospital in Ir-
kutsk, Sibirien. Briefe recommandirt. F. Karo.
— in —
Personalnotizen.
— Dr. Georg Winter ist am 16. August in Connewitz bei
Leipzig gestorben.
— Ludwig v. Vukotinovit in Agram wurde durch die Ver-
leihung des Ritterkreuzes des österreichischen Leopoldsordens aus-
gezeichnet.
— Hugo Lojka, Professor in Budapest, ist am 7. September,
44 Jahre alt, gestorben.
— Josef Tmäk, der sich jetzt mit der Flora von Neusohl
beschäftigt, ist zum Gymnasiallehrer in Neusohl ernannt worden.
|
By
— Vietor Szepligeti ist als Lehrer der Naturgeschichte an
der städtischen Bürgerschule des V. Bezirks in Budapest angestellt
worden.
— Dr. G. Volkens hat sich an der Universität Berlin als
Privatdocent für Botanik habilitirt.
Vereine, Anstalten, Unternehmungen.
— Die Enthüllung eines Denkmals, welches dem Horace Be-
noit de Saussure zur Erinnerung an die ihm 1787 zuerst gelun-
gene Ersteigung der Spitze des Montblanc, in Chamounix errichtet
worden ist, fand am 28. August in festlicher Weise statt.
— Am 8. December d. J. vollendet Friedrich Traugott
Kützing sein achtzigstes Lebensjahr. Ein Comite hervorragender
Vertreter der Wissenschaft hat sich vereinigt, um dem hochverdien-
ten Forscher bei ‚dieser Gelegenheit als Zeichen der öffentlichen An-
erkennune von Seiten der Fachgenossen eine Ehrengabe anzubieten.
Diejenigen, welche sich an dieser Ehrengabe betheiligen wollen, wer-
den ersucht, ihren Beitrag baldigst an den Schatzmeister des Co-
mites, „Herrn Otto Müller, Berlin, W., Köthenerstrasse 44 einzu-
senden.
— ar —
Botanischer Tauschverein in Wien.
Sendungen sind abgegangen an die Herren Dicht] und Pastor.
Vorräthig: (B.) = Böhmen, (Br.) —= Berlin, (By.) = Bayern,
(Cr.) — Croatien, (E.) — England, (F.) — Frankreich, (G.) = 6Ga-
lizien, (I.) = Istrien, (M.) — Mähren, (Mk.) = Mecklenburg, (NOe.)
— Niederösterreich, (OOe.) —= Oberösterreich, (P.) — Polen, (S.) =
Salzburg, (Sl.) —= Schlesien, (St.) = Steiermark, (Sz.) —= Schweiz,
(T.) = Tirol, (U.) = Ungarn, dw) — Westfalen.
Phillyrea media (1.), Phleum asperum (Baden), Boehmeri (B.
M. Mk. P.), Michelii (NOe.), nodosum (NOe.), Phlomis tuberosa (NOe.),
Phragmites commamis (Mk. O0e. Sl.), Physalis Alkekengi (M. O0e.
2 Phyteuma _betonicaefolium (S.), canescens (U.), orbiculare (By.
NOe.), spicatum (By. NOe.), Phytolacca decandra (St.), Pieris cere-
poides 8), Pimpinella na (Br. NOe.), nigra (P.), Sawifraga (B.),
Pingwieula alpina (NOe. 8. N, lusitanica (F.), vulgaris (Br. NOe.
„7 o altissima (U.), arenaria (Sl. U.), Cynops (NOe. S2.),
lanceolata (B.: 006.), major (B.), media (B.), microstachia (Sl.), tenui-
flora erhal, Platanthera bifolia (NOe.), Poa alpina D annua
Br badensis (Rheinprov.), bulbosa (NOe.), compressa (P.), fertilis
B.), loliacea (1.), nemoralis (B. S. Sl.), pannonica (G.), podolica (G.),
polonica (G.), pratensis (NOe. P.), sterilis (U.), trivialis (P.), versi-
372
eolor (&.), Podospermum Jaequinianum (B.), Polyenemum arvense
(Br.), Heufeliüi (U.), Polygala amara (NOe. T.), austriaca (Thürin-
gen), calvarea (S2.), Chamaebuwus (NOe.), comosa (B. Br. P.), major
(NOe.), nicaeensis (Cr.), Polygonum arenarium (U.), domulosum (F.),
dumetorum (M.), Fagopyrum (O0e.), Hydropiper (B. P.), lapathifo-
lium (B. P.), mite (NOe. P.), negleetum (W.), Persicaria (P.), tata-
ricum (Br. W.), viriparum (NOe. OOe. T.), Polypogon litoralis (E.),
maritimum (F.), mar. v. subspathaceum (Cagliari), monspeliensis (B.),
Populus nigra (St.), tremula (B. Sl.), Potamogeton densus (W.),
luitans (M.), lucens (Br. S.), natans (B. Br.), polygonifolius (W.),
rufescens (Lausitz), trichoides (Br.), Potentilla alba (OOe. Sl. U.),
anserina (B. NOe.), argentes (M. U.), aurea (B. OOe. S.) caulescens
(NOe. O0e. S.), einerea (Cr. M. P. U.), Olusiana (St.), collina (G.),
Fragariastrum (O0e. S. W.), intermedia (Br.), mierantha (St.) mizta
(Br.), recta (G.), rupesiris (Sl. St. U.), supina (NOe. P.), Tomma-
sinü (1.), verna (NOe. OOe.), Vindobonensis (NOe. U.)
Öbige Arten können nach beliebiger Auswahl im Tausche
oder käuflich die Centurie zu 6 fl. (12 R. Mark) abgegeben werden.
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I. Band. 2. Lieferung. I-VII. S. 233—410 und 2 Tafeln.
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Carl Ricker.
St, Petersburg. Nevsky Prosp. Nr. 14.
Redacteur und Herausgeber Dr. Alexander Skofitz. — Verlag von ©. Gerold’s Sohn.
C. Ueberreuter'sche Buchdruckerei (M. Salzer) in Wien.
Öesterreichische
Botanische Zeitschrift.
Die österreichische x Exemplare
botanische Zeitschrift Or oan die frei dureh: die Postbe-
erscheint > zogen werden sollen, sind
den Ersten jeden Monats. f blos bei der Redaction
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GR 209 .„ Botanik und Botaniker. „Ni:
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die ganze Petitzeile N: 31 sowie alle übrigen
15 kr. öst. W. 7 = Buchhandlungen.
XXXYVI. Jahrgang. WIEN. November 1887.
INHALT. Ueber einire Iris-Arten des botanischen Gartens in Wien. Von Dr. Stapf. — Cirsium
Przybylskü. Von Dr. Eichenfeld. — Zur Flora von Bosnien. Von Gonrath. — Rosa Hedevigaz
Von Btocki, — Flora von Nord-Mähren. Von Dr. Formänek. — Tirol-Fahrt. Von Freyn.—
Flora des Etna. Von Strobl. -— Conservirung von Abietineen. Von Bornmüller. — Literatur-
berichte. — Correspondenz. Von Rassmann, Borbäs, Kissling, Blocki, Spitzner, Formä-
nek, Voss, Boresch, Schneider, Ascherson. — Personalnotizen. — Vereine, Anstalten,
Unternehmungen. — Botanischer Tauschverein. — Inserate,
Ueber einige Iris-Arten des botanischen Gartens
in Wien.
Von Dr. Otto Stapf.
Eine der am reichsten vertretenen Gattungen des botanischen
Gartens der Wiener Universität ist die Gattung Iris. Eine grosse
Zahl von Arten derselben ist offenbar schon seit Decennien in Cul-
tur, ein anderer nicht unbedeutender Theil kam erst in letzterer
Zeit durch die Bemühungen Professors v. Kerner hinzu. Im vorigen
und heurigen Jahre mit der Sichtung und Ordnung dieser Gruppe
betraut, fand ich mannigfaltige Anregung, mich mit einzelnen Arten
und deren Verwandten eingehend zu beschäftigen. Die Gelegenheit
zur Untersuchung eines so reichen lebenden Materiales erschien mir
um so kostbarer, als wenige Gattungen so schwer nach trockenen
Pflanzen zu studiren sind, wie Iris, und zudem der Erhaltungs-
zustand derselben oft ein recht mangelhafter ist. Ich glaube darum
auch meine Studien nicht unverwerthet lassen zu sollen, wenn sie
auch nicht den Gegenstand erschöpfen und meine Mittheilungen dar-
über mitunter selbst aphoristisch erscheinen mögen.
Diesen einleitenden Worten will ich nur noch eine Bemerkung
über die Art einer zweckmässigen Präparirung der Jris-Blüthen für
das Herbar hinzufügen. Es empfiehlt sich nämlich immer sofort beim
Einlegen der frischen Pflanzen einzelne Blüthen knapp über der
Perigonröhre durchzuschneiden und die auseinanderfallenden Theile,
die Abschnitte des Perigons und des Griffels und die Pollenblätter
Oesterr. botan. Zeitschrift. 11. Heft 1887, B7
374
für sich sorgfältig zu pressen. Nur in dieser Weise gelingt es, die
Form und gewöhnlich auch die Farbe der Blüthentheile so zu er-
halten, dass sie zu Vergleichen und zu genauerem Studium über-
haupt benützt werden können. Selbst an sorgfältig getrockneten gan-
zen Blüthen kann man diese oder jene Einzelheit nicht mehr er-
kennen. Besonders schwer wird es gewöhnlich, die Umrisse der Ab-
schnitte zu bestimmen. Versucht man dann unter Anwendung von
kaltem oder warmem Wasser zu präpariren, so ist nur zu häufig
die Blüthe verloren, ohne dass man zu dem gewünschten Ergebniss
gelangt ist. Jene Art der Analyse ist dagegen vollständig mühelos
und ermöglicht ohneweiters durch blosses Nebeneinanderlegen der
Präparate einen eingehenderen Vergleich.
1. Iris Ruthenica Gawl. Ker.
und deren Verwandte.
Im botanischen Garten werden Iris humilis M. B. und Iris
Ruthenica Gawl.-Ker gezogen. Die verwirrte Synonymik hat Janka
in der Oe. B. Z. 1868, pag. 383, aufzuklären versucht. In Ueber-
einstimmung mit den Ergebnissen seiner kritischen Untersuchung
stehen denn auch die Literaturangaben im Texte der Schedae ad
Flor. Austr.-Hung. zu Jris caespitosa Pall. Nr. 123 und zu Jris
humilis M. B. Nr. 1293. Ueber die /. humilis herrscht heute voll-
ständige Klarheit. Ich habe daher auch nichts weiter darüber zu
bemerken. Anders verhält es sich mit J. Ruthenica, beziehungsweise
J. caespitosa. Darüber seien mir einige Worte gestattet. Zuerst tritt
der Name J. Ruthenica im Bot. Mag. 1123 (1794) auf. Autor ist
nach der Chiffre G., welche sowohl der lateinischen Diagnose, wie
dem englischen Text nachgesetzt ist, Gawler-Ker. Gewöhnlich
wird aber Aiton als Autor angeführt und dazu Hort. Kew. 2. ed.
vol. I. 117 (1810) eitirt. Die betreffende Stelle im Hort. Kew. stammt
übrigens von Dryander, welcher demnach an Aiton’s Statt zu -
nennen wäre. Indessen beruft sich auch Dryander schon a. a. 0.
auf Gawler-Ker als den Autor der /. Ruthenica. Soviel über den
Ursprung des Namens J. Ruthenica. Wichtiger ist die Frage, was
ist /. Ruthenica Gawl.-Ker. Bot. Mag. Nr. 1123 und ist sie iden-
tisch mit der in demselben Werke unter Nr. 1393 abgebildeten
Art und noch mehr mit /. caespitosa Pall. von der sie Janka für
specifisch verschieden hält. Auf den ersten Blick scheint es, als ob
die /ris auf t. 1123 und jene auf t. 1393 zwei völlig verschiedene
Pflanzen seien, obwohl sie der Autor beide als J. Ruthenica bezeich-
net und von der zweiten nur sagt, es sei bloss ein üppigeres und
besser entwickeltes Exemplar. Er hätte aber noch hinzufügen sollen,
dass die Abbildung auf t. 1123 ausserdem missglückt sei und theil-
weise im Widerspruch zu dem beschreibenden Text steht. Dies gilt
vor allem in Bezug auf den Stengel. Auf der Tafel ist die Pflanze
fast stengellos dargestellt, im Texte heisst es: „stem extrafoliaceous,
om
BY
1)
about two inches high“. Ferner sind die äusseren Perigonab-
schnitte im Bilde nur wenig breiter als die inneren, und fast linear,
' während die Beschreibung sagt: „inner segments nearly three
times narrower (se. than the outer)“. Sieht man daher von diesen
Abweichungen ab, so beschränkt sich der Unterschied auf das Ver-
hältniss zwischen der Länge des Fruchtknotens und der Perigon-
röhre und die Länge des Blüthenstieles. Auf letzteren Punkt ist von
den verschiedenen Botanikern, die sich mit diesem Gegenstande be-
schäftigten, kein Gewicht gelegt worden und, wie ich glaube, mit
Recht, da in der That an den Blüthen eines und desselben Stockes
beträchtliche Schwankungen in dieser Hinsicht vorkommen. Das ver-
schiedene Längenverhältniss zwischen Fruchtknoten und Perigon-
röhre jedoch hat schon Grisebach veranlasst, die kurzröhrige Form
als /. caespitosa Pall. von der langröhrigen I. Ruthenica „Ait.* zu
trennen. Ihm ist Janka gefolgt und seiner Auffassung entsprechen
auch die Angaben in den Schedae ad flor. Austr.-Hung. Nr. 665.
Dieser J. caespitosa Pall. entspricht aber auch die von Maximo-
wics aufgestellte Varietät ß. brevituba der I. Ruthenica (Mel. biol.
X. 704. 1830). Kehren wir nochmals zu den Abbildungen im Bo-
tanical Magazin zurück, so stellt t. 1123 wegen des „tube... about
the length of the germen“ ebenfalls 7. caespitosa und t. 1393 die
I. Ruthenica der eben genannten Autoren dar. Dieses Längenver-
bältniss zwischen Fruchtknoten und Perigonröhre ist aber allem An-
scheine nach keineswegs ein so beständiges und bestimmtes. Auch
unter den mir aus Siebenbürgen vorliegenden Exemplaren aus Ham-
mersdorf, Klausenburg, Giresau und Torda kommen, wenn schon
das Verhältniss meist 1:1 ist, doch auch nicht wenige mit deutlich
längerer Perigonröhre und selbst solche vor, wo das Verhältniss fast
1:2 ist (75 und 8 gegen 13 und 14 Mm.). Uebrigens gibt auch
Fuss in seiner Fl. Transsilv. pag. 637 an: „perigonii tubus ovarium
...2—3plo superans“, Was dagegen das asiatische Russland be-
trifft, so scheinen sich dort nach den Angaben von Maximowics
die Verbreitungsgebiete beider Formen zu decken. An klimatische
oder ähnliche äussere Einflüsse als entscheidende Umstände für das
Auftreten der einen oder anderen Form ist kaum zu denken, es hat
vielmehr die Annahme die meiste Wahrscheinlichkeit für sich, dass
man es hier mit zwei genetisch gleichwerthigen Formen zu thun hat,
die durcheinander auftreten und von denen stellenweise wohl auch
die eine oder die andere überwiegt. Damit ist nicht ausgeschlossen,
dass nicht etwa eine von ihnen irgendwo, z. B. die kurzröhrige Form
in Siebenbürgen diesem von dem Hauptgebiete losgelösten Bezirke
Pr Oberhand und schliesslich die alleinige Herrschaft bekommen
sollte.
Aus dem Gesagten folgt bezüglich der Benennung noch, dass
der Art der Name J. Ruthenica Gawl.-Ker zukommt, da das Alter
des Pallasischen Namens caespitosa nicht ausforschbar ist und Link
ihn erst 1820 in den Jahrbüchern I. 3, pag. 71 hervorhob. Die kurz-
röhrige Form entspricht dann der J. caespitosa Pall. u der var
376
brevituba Max., während die langröhrige als die augenscheinlich häu-
figere für die typische Form angenommen werden mag.
Maximowies beschreibt a. a. O. pag. 705 noch eine Varietät
y. nana der I. Ruthenica, welche der Beschreibung nach jedenfalls
weiter von den besprochenen Formen abweicht, als diese unterein-
ander. Sie ist wie die nahe verwandte 7. uniflora Pall. und die etwas
ferner stehenden J. Grijsi Max. dem äussersten Osten eigen. Da das
Vorkommen der J. Ruthenica in Siebenbürgen eine so merkwürdige
pflanzengeographische Erscheinung ist, so mögen nur einige Worte
darüber gestattet sein.
Innerhalb des weiteren Formenkreises, welchem J. Ruthenica
angehört, lassen sich drei Gruppen unterscheiden, deren Glieder sich
untereinander näher stehen, als irgend welchen Formen einer der
anderen Gruppen:
1. Die Gruppe der Iris Ruthenica mit J. Ruthenica Gawl.-
Ker (in beiden Formen) selbst, mit Z. nana Max., I. uniflora Pall.
und /. Grüsi Max. Das Gebiet der J. Ruthenica umfasst die Ge-
sammtheit der südsibirischen Gebirgssysteme, greift im Südwesten
bis auf die Berge am Ili und auf den Thian-Schan, im Südosten
auf die Anhöhen um Kalgang im nördlichen China über und erstreckt
sich nordwärts einerseits bis in die Niederungen von Omsk, anderer-
seits über das Stromgebiet der oberen Lena hinaus bis an den
Ochotskischen Meerbusen. Zu diesem gewaltigen Areale kommen nun
noch die wenigen Standorte im mittleren Siebenbürgen hinzu, un-
zweifelhaft Ueberbleibsel aus einer Zeit, wo noch das ganze mittlere
und östliche Europa unter der Herrschaft eines typischen Steppen-
klimas stand. Diesem Ueberrest aus einer Periode des grössten Vor-
dringens der /. Ruthenica nach Westen, steht das Auftreten einer
kleinen Zahl sehr nahe verwandter Arten, wie solche im Westen
ganz fehlen, an der östlichen Verbreitungsgrenze gegenüber. So
schliesst sich J. nana unmittelbar im äussersten Südosten, I. uniflor«
im Osten an, indem erstere die Gebirge um Kalgang und am Pei-ho-
flusse, diese das Gebiet vom Baikal-See südost- und dann ostwärts
bis an die mandschurische Küste bewohnt. Eine dritte Art, Z. Grösi,
findet sich in ziemlicher Entfernung im Südosten in der Provinz
Fo-kien gegenüber der Insel Formosa, im Verbreitungsgebiete der
I. ensata, jener Art, zu welcher sie von der J. Ruthenica zunächst
hinüberführt.
Wie eine Reihe anderer Ueberreste aus der nunmehr verdräng-
ten mitteleuropäischen Steppenflora, hat auch diese Jris-Gruppe im
Westen nicht bloss an Boden, sondern auch an Kraft zur Entfaltung
ie verloren.
3. Iris humilis M. B.
Neben J. Ruthenica beherbergt das siebenbürgische Bergland
noch eine zweite merkwürdige Art von naher Verwandtschaft, die '
J. humilis M. B. Während aber die Gruppe der J. Ruthenica vor-
377
züglich den Osten und Nordosten des gemässigten Theiles von Eur-
asien bewohnt, liegt das Verbreitungsgebiet der Gruppe der I. hu-
- mälis mehr nach Südwesten. Nur eine Art gehört dem mittleren
Asien an. J. humilis ist auf Siebenbürgen und das südwestliche
Russland beschränkt; der östlichste Standpunkt ist im nordwestlich-
sten Theile des Kaukasus. Die nächstverwandte Art I. Ludwigi
Max. (Mel. biol. X., pag. 693 f.) gedeiht mit 7. Ruthenica ver-
mischt im Altai innerhalb eines, soviel bis jetzt bekannt, sehr be-
schränkten Bezirkes. Zwei andere unter sich ebenfalls sehr nahe
verwandte Arten bewohnen Theile des Mittelmeergebietes, u. zw.
I. unguieularis Algier, I. Öretensis Griechenland, einen Theil der
jonischen Inseln, Rhodos, Karien und das syrische Küstenland, so
dass sich die ersteren zwei einerseits und die letzten zwei anderer-
seits wie Parallelreihen gegenüberstehen. Keine von ihnen besitzt
weite Verbreitung und ihre Bezirke sind vollständig von einander
getrennt. Das Gebiet der Gruppe ist in isolirte Bezirke aufgelöst
und innerhalb derselben hat jede Weiterentwicklung zu neuen Arten
aufgehört.
. Iris tenuifolia Pall. Wie die erste Gruppe besitzt auch
die der eben genannten Art gegenwärtig noch eine grosse Ausdeh-
nung und gehört mehr dem Osten an. Wie jene ist auch sie an der
Östgrenze reicher gegliedert und besitzt auf europäischem Boden
einen Aussenposten, der allerdings einen ganz natürlichen Anschluss
findet. Die grösste Verbreitung hat I. tenuifolia selbst. Sie erstreckt
sich von Turkestan über die südliche Songarei und Mongolei bis zur
chinesischen Proyinz Kansu und den Daurischen Alpen, wozu dann
noch ein Bezirk in den kaspischen Steppen an der unteren Wolga
und am Ural kommt. In den iranischen Steppen wird sie durch
I. Songarica Schrenk vertreten, mit welcher sie in Turkestan und
der südlichen Songarei zusammentrifft. Nahe verwandte Arten der
I. tenuifolia sind im Osten I. Bungei Max. (Mel. Biol. X., pag. 695)
und I. ventricosa Pall. Jene bewohnt einen kleinen District’ in der
südlichen Mongolei, wo sie neben der J. tenuifolia auftritt; diese
verbreitet sich über ein weiteres Gebiet in mehr nordöstlicher Rich-
tung: von der chinesisch-mongolischen Grenze bis an die Daurischen
Alpen und den Argun und Urulungui.
(Fortsetzung folgt.)
—
Cirsium Przybylskii (nov. hybr.).
(©. oleraceum Scop. x ©. paueiflorum Spr.)
Von Dr. M. Ritt. v. Eichenfeld.
©. caule toto folioso superne arachnoideo, peduneulis brevibus
drachnoideis; foliis amplewicaulibus subtus arachmoideis ovatis oblon-
378
gis, infernis petiolatis, superis sessilibus, pinnatifidis vel pinnatisectis,
pinnis ovatis horizontalibus vel antrorsum versis, capitulis 5—6
congestis, cylindratis, bracteatis; anthodii squamis paulum purpu-
rascentibus, lineari-lanceolatis, in spinulam brevem attenuatis, apice
patentibus; corollae ew ochroleuco purpurascentis limbo quam
tubo longiore.
Öreseit in prato humido valliculae cujusdam subalpinae mon-
tium Seethaleralpen prope Judenburg in Stiria, solo schistoso et cal-
careo mixto, rarissime inter parentes. Nomen inditum in honorem
domini B. Przybylski, diligentissimi scrutatoris florae Stiriacae,
qui plantam die XX. Julii 1885 invenit.
Diese ungefähr einen Meter hohe Pflanze ist sofort als Bastard
von Cirsium paueiflerum und ©. oleraceum kenntlich. Von ersterer
Pflanze hat sie den Blüthenstand und die spinnwebige Behaarung
der Blätter und des oberen Theiles des Stengels, welche Behaarung,
ebenso wie bei (©. paueiflorum nach oben zu intensiver wird; von
letzterer die Blätter, deren Fiedern ganz denen des ©. oleraceum
gleichen. Die Blüthenfarbe hält die Mitte zwischen der der Stamm-
eltern. Dasselbe gilt von der Farbe der Anthodialschuppen, welche
grün und röthlich überlaufen sind.
Wien, 6. October 1887.
— dd
Ein weiterer Beitrag zur Flora von Banjaluka, sowie
einiger Punkte im mittleren Bosnien.
Von Paul Conrath,
Assistent an der deutschen Technik zu Prag.
Im Jahre 1882 veröffentlichte F. Hofmann in dieser Zeit-
schrift ein reichhaltiges Verzeichniss von Pflanzen, welche er in der
Umgebung von Banjaluka gesammelt hatte. Ich habe mich im Hoch-
sommer vorigen Jahres mehrere Wochen in jenem Orte aufgehalten
und hatte Gelegenheit durch zahlreiche Excursionen die Ueberreste
der Flora kennen zu lernen.
Da ich dabei mehreres, theils für die dortige Gegend, theils
für ganz Bosnien Neue auffand, und da Hofmann nur eine Auf-
zählung der Namen von Pflanzen mit Ortsnamen ohne die Art
und Weise des Vorkommens derselben gibt, was ja doch den Bo-
taniker gewiss auch interessirt, so halte ich mich zur Veröffentli-
chung des Nachfolgenden für berechtigt. Ich werde mich jedoch dar-
auf beschränken, ausser den neuen Standorten, nur bei den inter-
essanteren Pflanzen die Art und Weise des Vorkommens zu erwähnen,
und gedenke am Schlusse der Aufzählung einen Blick auf die Ge-
sammtheit, d. h. auf die Pflanzenvergesellschaftungen der Umgebung
Banjalukas zu werfen. Einige auf meiner späteren Reise von Ban-
319
jaluka nach Sarajevo gesammelten Pflanzen will ich in die Aufzäh-
lung einschalten.
Ich halte es für gut, derselben eine kurze Schilderung der
Lage Banjalukas mit besonderer Berücksichtigung des zu Tage tre-
tenden geognostischen Substrates, das ja den Träger der Pflanzen-
welt bildet, vorauszuschicken.
Banjaluka liegt in einer kesselartigen Erweiterung des roman-
tischen Thales, das sich der smaragdgrüne Vrbas durch die meso-
zoischen Sedimente des nördlichen Bosniens, die etwa eine Stunde
südlich der Stadt, bei Gorni Seher eine Nordostgrenze erreichen,
gefressen hat. Gezwungen durch einen niedrigen Serpentinzug, der
von Südosten kommt und etwa 2 Stunden nördlich von Banjaluka
das Vrbasthal verquert, verengt sich dasselbe auf eine kurze Strecke
und bildet dann abermals eine kesselartige Erweiterung, die sich bei
Klasnice wieder schliesst. Von hier aus nimmt das Vrbasthal con-
stant bis an die nördliche Landesgrenze, also in der Richtung gegen
Gradiska an Breite zu.
Die schon erwähnten mesozoischen Sedimente im Süden von
Banjaluka bilden einen von Gorni Seher in östlicher Richtung zie-
henden bewaldeten Gebirgszug, der mehrere deutliche Kuppen er-
kennen lässt, und den ich im Nachfolgenden als die „Ponirkette“*
(nach dem höchsten Punkte, dem Ponir vrh 421 M.) bezeichnen
will; sie geht bis an das Thal der Vrbanja, die sich bei Banjaluka
mit dem Vrbas vereint, und begrenzt den ganzen südöstlichen und
östlichen Horizont. Das Material, aus welchem diese Gebirgspartie
zusammengesetzt erscheint, ist ein dichter, grauer, anscheinend pe-
trefaktenfreier Kalkstein, den wir als cretaceische Bildung aufzu-
fassen haben. Ganz dasselbe Gestein setzt sich westlich von Gorni
eher, also am linken Ufer des Vrbas fort und staut sich hier zu
einem höheren Gebirgsstock mit Karstcharakter, welcher die Aus-
sicht nach südwestlicher Richtung verwehrt.
Unterteuft wird dieser graue Kreidekalk von einem meist dun-
kelrothen Plattenkalk, der zwar eine sehr untergeordnete Rolle spielt,
den ich aber der Vollständigkeit wegen anführen wollte. Er tritt
öfters an der Strasse von Gorni Seher nach Sitnica zu Tage und
dürfte nach Mojsisovies') ein Aequivalent des oberjurassischen
Aptychenkalkes der Alpen sein. Wenden wir unsere Blicke nun nach
Westen und Nordwesten, so liegt ein grossentheils bebuschtes, aus-
gedehntes Hügelland vor uns, das wir als den Grund eines grösseren
Meeresbeckens mit variablem Niveau aus der späteren mesozoischen
und darauffolgenden känozoischen Zeit aufzufassen haben, und wel-
ches dereinst den grössten ‘Theil des nördlichen und nordöstlichen
Bosniens bedeckte.
Die Ablagerungen, welche hier zu Stande kommen, sind theils
plattig sich absondernde, hell klingende Kalke, theils kalkhaltige
Lehme, die jaspisähnliche Rollstücke führen. Das lehmartige Sedi-
*) Grundlivien der Geologie von Bosnien und Herzegowina. Wien 1880.
%
380
ment betrachte ich mit Paul!) als diluvialen sogenannten „Berg-
lehm“. Die hellen leichten Kalke dürften nach den zahlreichen Con-
gerienabdrücken, welche sie enthalten, aus dem oberen, vielleicht
auch noch aus dem mittleren Tertiär sein. Nummulitenkalke konnte
ich nicht ermitteln.
Im Norden, Nordosten und Osten jenseits der Vrbanja stiess
ich mehrmals auf Serpentine und ähnliche Gesteine (Gabbro), welche
z. B. bei Vrbanja von dünnen, weissen, bisweilen röthlichen oder
srünlichen Dolomitlagen durchsetzt sind, die jedenfalls secundäre
Kluftausfüllungen sind. Umlagert sind diese Gesteine meist wieder
von dem kalkigen Lehm, der auch am linken Ufer der Vrbanja der
Ponirkette vielfach vorgelagert ist. Sie bilden, wie schon früher
erwähnt wurde, eine von Südost nach Nordwest ziehende Kette, die
auf der geologischen Uebersichtskarte von Bosnien von Mojsiso-
wics, Tietze und Bittner deutlich hervortritt, die aber viel näher
an die Vrbanja beim Orte gleichen Namens herantritt, als es auf
dieser Karte der Fall ist. Der Zug markirt sich im Terrain durch
einen mit recht hübschem Laubwalde besetzten Rücken (Trapisten-
wald), hinter dem malerisch schön gelegenen Trapistenkloster bei
Banjaluka. Nach Paul ]. c. werden diese serpentinähnlichen Gesteine
als Gebilde aus der mittleren oder oberen Procaenzeit aufzufassen
sein. Von eigentlichen Flyschgesteinen der Kreide fand ich nur harte
graue, schiefrige Kalkmergel im Surtojlia-Thal anstehen. Die oberste
Schichte des "ausgedehnten Exercierplatzes bei Banjaluka und viel-
leicht auch des Untergrundes der Stadt selbst besteht aus Vrbas-
schotter verschiedener Abkunft, der den tertiären Kalken aufgelagert
ist, wie die Kohlenausbisse am Ufer des Vrbas nächst der Kaserne,
sowie die „Kalkriffe* im Flusse selbst, welche von Neritina stra-
gulata Mühlf. und Melanella Holandri Fer. sp. var. legitima und
var. laevigata Rssm. bewohnt sind. (Auf Steinen im Surtojlia Bache
lebt Melanopsis Esperi Fer.)
Dies dürfte zur Orientirung genügen und ich will nun zur Auf-
zählung der gesammelten Pflanzenarten übergehen. Dabei werde ich
mich nach dem „Catalog“ von Ascherson et Kanitz halten, um
die Uebersicht zu erleichtern; wenn ich mich auch nicht mit der
Nomenclatur daselbst befreunden kann.
Aspidium lobatum Sw. ß. angulare Metten var. hastulata Kze. (Asp.
hastulatum Ten.) Berg Hum bei Jaice; Kalk c. 1000 M. Nach
Luerssen in Rabenhorsts Kryptogamenflora pag. 349 eine süd-
liche (Südeuropa) und westliche (England, Irland) Form.
Asplenium adiantum nigrum L. subspec. nigrum Heufl. var. lanei-
folium Heufl. Verbreitet auf Kalkfelsen der Ponirkette.
— subspec. Serpentini Heufl. var. genuina Milde (Aspl. Serpentini
Tsch.) Serpentinfelsen bei Vrbanja n. B.°)
‘) Beiträge zur Geologie des nördlichen Bosniens. Jahrbuch der k. k. geo-
log. Reichsanst. 1879.
®) B. bedeutet immer Banjaluka.
u VEN
381
Phegopterig Robertianum A. Br. Kalkfelsen im Surtojlia-Thale bei
Gorni Seher.
Custopteris fragilis Bernh. var. antriscifolia Koch. Desgleichen.
Equisetum telmateja Ehrh. Verbreitet in der unteren Region der
Ponirkette.
Pinus nigra Armold (P. nigricans Host.), ein Baum zwischen Fel-
dern bei Vrbanja.
Pinus — ? Auf Kalkfelsen am Berge Hum bei Jaice; das gesam-
melte Material ging mir leider verloren.
Abies alba Mill. Wälder bei Sitnica (zwischen Banjaluka und Jaice).
Sorghum Halepense Pers. Grasige Hänge westlich von Banjaluka und
in Grasgärten daselbst.
Alopecurus utriculatus Prs. Wiesen bei Zalusani nördlich v. B.
Leersia oryzoides Sw. Feuchte Wiesenplätze im Rakovac-Thal
bei B.; aus den angrenzenden Ländern bereits bekannt und süd-
lich nach Boissier fl. or. bis Nordafrika gehend.
Cynodon dactylon Pıs. Ufer des Vrbas bei der Kaserne in B.
Piptatherum paradovum Beauv. Kalkfelsen bei Gorni Seher.
Lasiagrostis Calamagrostis Luk. Lehnen bei Janjice an der Bosna-
Bahn.
Sesleria elongata Hst.; Kalkfelsen am rechten Ufer des Vrbas bei
Gorni Seher; Berg Hum bei Jaice; Kalk e. 1000 M.
Melica uniflora Retz. Wälder am Ponir bei B.
— nebrodensis Guss. Kalkfelsen bei Gorni Seher.
Eragrostis pilosa Beauv. An und auf Wegen im Lager bei B.
Molinia eoerulea Much. Serpentinfelsen bei Vrbanja in Rinnsalen.
Festuca montana Stbg. und Hoppe (M. B.) Bergwälder der
Plane in der Ponirkette; diese östliche Art erreicht hier eine
Südgrenze.
— gigantea Vill. Wälder der Ponirkette; geht noch südlicher bis
in das Narenta-Thal. (Siehe Beck, Flora von Südbosnien etc.
pag. 45.)
Brachypodium silvaticum Beauv. Wie vorige; erreicht hier eine
Südgrenze der Verbreitung.
Bromus mollis L., leiostachys Pers. (glabratus Döll.) Ufer des Vrbas.
— arvensis L. Mit ungescheckten Aehrchen; ebenda
Uyperus flavescens L. var. gracilis m. Stengel und Blätter aufrecht,
letztere höchstens 0°5 Mm. breit, Hüllblätter alle mehr oder
weniger aufrecht, das unterste einer Fortsetzung des Halmes
ähnlich. Nähert sich habituell dem (©. pannonicus Jeq., von wel-
chem er durch flachere Aehrchen mit blassgelben Spelzen, durch
halb so grosse, beiderseits gewölbte Früchtehen verschieden ist.
(Bei ©. pannonicus sind die Früchtehen planconvex bis concav-
convex.) Trockene Wiesen bei Ivanjska an der Militärbahn.
— fuscus L. var. rivularis m. Stengel und Blätter aufrecht, bis
3 Dem. hoch, Aehrchen in zusammengesetzter Spirre, die Spirren-
äste sehr ungleich, die längsten mehrmals (bis 5mal) länger als
die Achrehen; Spelzen mit grünem Mittelkiel, zu beiden Seiten
desselben weiss durchscheinend, an den Rändern dunkelroth. —
So an einem Rinnsal an der Südwestlisiere von B. mit der var.
virescens Hffm. Diese Form entfernt sich habituell sehr von dem
©. fuscus L. der feuchten sandigen Teichränder und Flussufer
und nähert sich dem ©. calidus Kern. und ©. glaber L. Von
ersterem ist er verschieden durch schmälere (höchstens 3 Mm.
breite) und kürzere (höchstens die Spirre erreichende) Blätter.
Von ©. glaber L. ebenfalls durch schmälere Blätter, sowie durch
doppelt kleinere Aehrchen mit ungefurchten Spelzen.
Cyperus longus L. Feuchte Wiesen bei Zaluzani unweit B.; aus
sämmtlichen Nachbarländern bereits bekannt,
Veratrum nigrum L. Surtojlia-Thal bei Gorni Seher auf Kalkfelsen;
Berg Hum bei Jaice sehr häufig; Kalk c. 1000 M.
Allium carinatum L. Grasige Lehnen an der Westlisiere v. B.
— pulchellum Don. Lehnen am rechten Flussufer bei Vrbanja;
auf Felsen im Surtojlia-Thal bei Gorni Seher. Aus den angren-
zenden Ländern bereits bekannt. Durch die halbeylindrischen
Blätter und zwiebellose Dolde zu unterscheiden und doch wohl
Art. (Vergl. Kerner Veget. Verh. in Oest. bot. 2. XXVII und
Freyn, Nachträge zur Flora von Süd-Istrien, V. z. b. G. 1881,
pag. 30.)
Ruscus Hypoglossum L. Im Walde auf dem Hum bei Jaice.
Himantoglossum hircinum L. Hügel bei Budjak nächst B.; Werk VII
bei B.
Cephalanthera pallens Rich. Laubwälder um B.
Epipactis mierophylla Sw. Laubwald bei Rakova6 B.
‚Alnus incana DC. An der Strasse zwischen Travnik und Janjice.
Populus tremula L. Hügel westlich v. B.
Salix caprea L. Wälder bei Sitnica.
Quercus cerris L. Wälder und Gebüsche bei Ivanjska an der Mili-
tärbahn. .
— sessiliflora Sm. Dessgleichen.
Carpinus duinensis Scop. Auf Felsen, Hügeln und Bergen um B.
häufig; steigt ziemlich hoch an der Strasse nach Kadina voda.
Juglans regia L. Am Berge Plane bei B. im dichten Walde.
Parietaria erecta M. K. Zwischen Geröll am Berge Plane.
Beta vulgaris Mogq. y. orientalis Mog. in De Candolle Prodr. XTIL.,
pag. 56. (Beta vulgaris var. foliosa in Ascherson Fl. aegypt.;
B. orientalis Roth., Beta folosa Ehrenb., B. Benghalensis Roxb.
nach Mog. 1. e.) Am Castellberge in Jaice in grosser Anzahl
auf Kalkgerölle anscheinend wild.
Alle Blüthen, die ich untersuchte, hatten drei Narben!
Thesium intermedium Schrad. Grasige Hügel an der Westlisiere
von B.; sonnige Lehnen im Rakovac-Thal; erreicht um B. eine
Südgrenze der Verbreitung.
Dipsacus pilosus L. Am Bache bei Ivanjska an der Militärbahn.
Scabiosa incanescens Freyn. in litt. ad. Brandis. Auf sonnigen
bebuschten Hügeln westlich von B. häufig mit einer Form, welche
383
die mittleren Stengelblätter tief und schmal zerschnitten hat
(var. tenuisecta m.) Die Art steht nach freundlicher Mittheilung
H. Freyn’s der Sc. dalmatica Hut. et Kerner in sched. am
nächsten.
Trichera eiliata Nym. (Knautia eiliata Coult in De Candolle
Prodrom. pag. 651, Koch. Syn. Ed. I p. 344, Knautia eiliata
Spreng. in Boiss. Fl. or. vol. III pag. 127.) Grasige Lehnen am
linken Ufer der Crkvina bei Banjaluka.
Von Tr. arvensis Schrad. durch die steifere, rauhere und
längere Behaarung, die stengelumfassenden, breiteren Blätter und
die kleineren Blüthenköpfe verschieden. Meine Exemplare zeigen
im unteren Theile des Stengels rückwärts gerichtete Behaarung,
die ich jedoch auch an böhmischen Exemplaren der Tr. arvensis
Schrad. finde (Boiss. 1. c.), dagegen sind sie überall drüsenlos
(nicht pedunculis subglanduloso pilosis Koch 1. c.). Die mittleren
Stengelblätter sind am Grunde mehr oder weniger tief aber im-
mer deutlich eingeschnitten, die obersten lanzett und ganz, alle
angedrückt steifhaarig. Die Farbe der Blüthen ist rothviolett (sor-
dide albi in DC. 1. c. albidis et carneis in Boiss. 1. c.). Trotz
dieser abweichenden Blüthenfarbe, die ja auch bei Tr. arvensis
Schrad. sehr variirt, glaube ich diese Pflanze, wegen der übrigen
angeführten Merkmale zu Tr. ciliata Nym. stellen zu sollen.
Boissier 1. c. erwähnt nichts von den stengelumfassenden
Blättern. 7
-— bosniaca n. sp. Stengel aufrecht bis 1 M. hoch, kahl, nur
unter den Blüthenköpfen eine kurze Strecke abstehend steifhaarig,
Blätter alle kahl, untere und mittlere Stengelblätter läng-
lich bis länglich elliptisch, lang zugespitzt, im obern Drit-
tel am breitesten, gegen die Basis allmälig und lang
verschmälert, mit stengelumfassendem Grunde sitzend,
die mittleren in den Achseln mit 2 lanzettlichen, '/, so langen
Blättehen, in den oberen Zweidritttheilen, mehr oder weniger
ungleich entfernt grob gezähnt, im unteren Drittel
ganzrandig, obere Blätter länglich lanzett, ganzrandig, die an
den seitenständigen Blüthenstielen klein, eiförmig, länglich; Blü-
thenstiele sehr lang (bis 20 Cm.), die seitlichen kürzer; Hüllblätter
eiförmig, zugespitzt, kahl, kürzer als die Blüthen, die innern
schmäler; Blüthen violett, Randblüthen strahlend, äusserer Kelch
dicht rauhhaarig, am Rande undeutlich gezähnt, innerer doppelt
kleiner, ebenso behaart, mit 8 etwa 3 Mm. langen Borsten.
Wiesen und Gebüsche zwischen dem Bahnhofe bei B. und
dem Vrbas, gegen das Trapistenkloster zu.
Von 1. nt Nym. und Tr. Fleischmanni Nym.
durch die Form und Serratur der Blätter, die Drüsenlosigkeit
von Tr. neglecta garen) durch die Kahlheit und Drüsenlosigkeit,
ete. von Tr. arvensis Schrad. durch die Kahlheit, Form und
Serratur der Blätter, Wuchs ete. von Tr. bohemica (Schmidt)
354
durch die nicht zerschnittenen Blätter, die im oberen Drittel
am breitesten sind etc. verschieden.
Suceisa australis Rb. Feuchte Wiesen bei Ivanjska an der Militär-
bahn.
(Fortsetzung folgt.)
Rosa Hedevigae n. spec.
Von Br. Blocki.
Diagnose: Strauch mittelgross bis gross, aufrecht, von inten-
siv grüner Farbe, mit ausgebreiteten Aesten und aufrechten, ziem-
lich dicht bestachelten Stämmen. Stacheln derb, bis 1'5 Cm. lang,
von länglicher Basis allmälig sichelförmig gekrümmt. Blatt-
stiel dicht behaart, drüsig und bestachelt. Blättchen zu 7, bis 45 Cm.
lang, Endblättchen von schwach herzförmiger Basis breitelliptisch,
zugespitzt, Seifenblättchen verhältnissmässig schmäler als das End-
blättchen, elliptisch, kurz zugespitzt; alle doppelt gezähnt-gesägt.
oberseits dunkelgrün, glänzend, unterseits blassgrün mit vor-
ragenden Hauptnerven, beiderseits mit sehr kurzen sammtartigen
Haaren dicht besetzt, unterseits ausserdem auf der ganzen Fläche
dicht drüsig bekleidet. Sägezähne eiförmig, zugespitzt, ab-
stehend, mit winzigen Drüsen an den Rändern. Nebenblättchen
schmal, linealkeilig, flach. Oehrchen schmaldreieckig, spitz, abstehend,
unterseits behaart, kleindrüsig gerändert, die der blüthenständigen
Blätter ebenso wie die Deckblätter breiter, länglich. Blüthenstiel
länger als die Deckblättchen, meist zu 3—5, selten einzeln, schwach
drüsig borstig, stets gerade. Kelchzipfel eiförmig, mit langem,
schmalem Endanhängsel, 15 Cm. lang; die drei äusseren fieder-
spaltig, mit kurzen und kaum 0'5 Mm. breiten, drüsig gewim-
perten Fiedern, alle am Rücken dichtdrüsig, nach dem Verblühen
rückwärts abstehend, vor der Fruchtreife vertrocknend und ab-
fallend. Blumenblätter ganzrandig, ziemlich klein, blassrosa.
Griffel im kurzen mit spärlichen Haaren bekleideten Köpfchen,
auf ziemlich breitem, fast flachem Discus sitzend. Scheinfrucht
schwach drüsig bekleidet, 1:5 Cm. lang, 1 Cm. dick, eiförmig,
über der Mitte sehr deutlich halsig verschmälert, scharlach-
roth, auf 15—2 Cm. langen Stielen.
Standort: In lichten Gebüschen an steilen Uferabhängen des
Dniester und Seret in Südostgalizien. Von mir bisher nur in Sin-
köw (am Dniester) und in Myszköw (am Seret) beobachtet; am erst-
genannten Standorte in ziemlich vielen Exemplaren.
Bemerkungen: Von allen bisher bekannt gewordenen Arten
der Gruppe „Tomentosae“ unterscheidet sich Rosa Hedevigae mihi
385
sehr erheblich besonders durch oberseits glänzende Blätter, wel-
ches Merkmal jedoch an getrockneten Exemplaren verloren geht.
Probabin (Südostgalizien), am 10. September 1887.
—i —
Beitrag zur Flora des nördlichen Mährens und des
Hochgesenkes,.
Von Dr. Ed. Formänek,
k. k. Professor am böhmischen Gymnasium in Brünn,
(Fortsetzung.)
Valeriana ofieinalis L. Wiesenberg und herab bis Mähr. Schönberg
(Oborny) Rabenseifen, Zöptau, Buchelsdorf, Aspendorf, Pföhl-
wies, Goldenfluss, Kl.-Mohrau, Wermsdorf, Kiesgraben, Römer-
stadt, Irmsdorf, Gundersdorf, Bautsch.
— Bee a Mikan. Saugraben, Bärmuttergraben, Kriech, Werms-
dorf.
Valerianella dentata Poll. Gr.-Ullersdorf, Wiesenberg etc. (Oborny)
D. Liebau, Petersdorf, Rabenseifen, Zöptau, Buchelsdorf, Neu-
dorf, Blauda, Nikles, Grumberg, K1.-Mohrau, Krondörfl, Wahl-
bergsdorf, Römerstadt, Bautsch, Wigstadtl.
Sherardia arvensis L. Gemein und noch bei Gr.-Ullersdorf, Römer-
stadt und Gr.-Stoll.
Asperula odorata L. Häufig bei Mähr.-Schönberg, Goldenstein etc.
(Oborny), Petersdorf, Rabenseifen, Zöptau, Gr.-Ullersdorf, Neu-
dorf, Beckengrund, Pföhlwies, Nikles, Altvaterwald, Kl.-Mohrau,
Rother Berg, Kriech, Berggeist, Römerstadt, Bautsch, Wigstadt],
Odrau, Pohor.
Galium silvaticum L. Verbreitet im b. G.
— palustre L. Petersdorf, Rabenseifen, Zöptau, D. Märzdorf, Wüst-
Seibersdorf, Blauda, Nikles, Altvaterwald, Grumberg, Kl.-Mohrau,
Blaschke.
— cruciata Scop. Blauda, Bautsch, Wigstadtl, Odrau.
— vernum Scop. Busch- und Milbeswald bei Gundersdorf, Bautsch,
Wigstadtl, Kl.-Hermsdorf, gemein bei Odrau, Lautsch, Neudörfl,
Werdenberg, Pohofr.
— rotundifolium L. Gr.-Ullersdorf, Waltersdorf, (Oborny), Traus-
nitz bei Petersdorf, Blauda, Nikles, Altvaterwald, häufig bei
“undersdorf, Bautsch, Wigstadtl, Lautsch, Werdenberg, Pohor,
häufig bei Odrau.
Lonicera aylosteum 1. Wiesenberg EN y), Petersdorf, Rudelsdorf,
Zöptau, Marschendorf, Neudorf, D. Märzdorf, Ludwigsthal, Rei-
gersdorf, Pföhlwies, Nikles, Kl.-Mohrau, Krondörfl, Blaschke,
Kömerstadt, Irmsdorf, Gundersdorf, Bautsch, Odrau.
NQ;:
Btojß)
Lonicera nigra L. Bradlsteine bei D. Liebau, Gr.-Ullersdorf, Marschen-
dorf, Buchelsdorf, Beckengrund, Neudorf, Brünnel und Brandwald
bei D. Märzdorf, Hinterbusch bei Wüst-Seibersdorf, Goldenfluss,
Kl.-Mohrau, Krondörfl, Blaschke, Wermsdorf, Kiesgraben, Kriech,
Janowitz, Römerstadt, Irmsdorf, Gundersdorf, Viehwald u. a. O.
bei Bautsch.
Sambucus racemosa L. Kirchberg bei Neudorf, Stollenhau, Goldenfluss,
Kl.-Mohrau, Viehwald bei Bautsch, Odrau.
— ebulus L. In höheren Lagen selbst bei Wüst-Seibersdorf, im
Gesenke (Oborny), Bradlsteine bei D. Liebau, Gr.-Ullersdorf,
Stollenhau, Aspendorf, Geppersdorf, Perschl u. a. O. bei Römer-
stadt, häufig bei Gundersdorf und Bautsch, Wigstadtl, Lautsch,
Neudörfl, Werdenberg, häufig bei Odrau.
Viburnum opulus L. Bradlsteine bei D. Liebau, Stollenhau.
Ligustrum vulgare L. D. Liebau, Anlagen in Gr.-Ullersdorf.
Vinca minor L. Häufig in einem Bauernwalde bei Neudorf nächst
Gr.-Ullersdorf, Gundersdorf.
Menyanthes trifoliata L. Blauda, Janowitz und auf Wiesen beim
Grundwalde bei Römerstadt.
Gentiana germanica Willd. Schlossberg und Grundwald bei Römer-
stadt, zu dieser Form gehören auch die in d. Z. 1884 p. 204
sub Gentiana amarella L. a. genuina angeführten Standorte und
soll auf dieser Seite statt „a. genuina“ stehen „b. germanica
Willd. sp.* Celak. Prodr. Fl. B. p. 293.
Erythraea centaurium Pers. D. Liebau, Petersdorf, Rabenseifen,
Marschendorf, @.-Ullersdorf, Neudorf, Ludwigsthal, Reigersdorf,
Blauda, Bautsch, Wigstadtl, gemein bei Odrau.
Myosotis intermedia Link. D. Liebau, Gr.-Ullersdorf, Bautsch, Wig-
stadt], Odrau.
— palustris Roth. f. albiflora Bautsch, Wigstadtl.
Pulmonaria obscura Du Mort. Gr.-Ullersdorf. Beckengrund, Reigersdorf,
Kl.-Mohrau, Römerstadt.
Lycopsis arvensis L. D. Liebau, Liebesdorf, bei der Tess u. a. O.,
bei Gr.-Ullersdorf.
Symphytum ofieinale L. var. albiflora m., bei der Tess in Gr.-Ullers-
dorf, Marschendorf, Philippsthal, Neudorf, Kl.-Mohrau, Blaschke.
— tuberosum L. Viehwald bei Bautsch, Wigstadtl, Odrau.
Polemonium coeruleum L. Verwildert in und aus Gärten bei Gr.-
Ullersdorf und Buchelsdorf, am letzteren Standorte selbst auf
Wiesen unter dem Öhrenberge.
Convolvulus sepium L. Lautsch, Odrau, Mankendorf.
Cuscuta epilinum Weihe D. Märzdorf.
— major DC. Auf Rubus caesius bei Odrau.
— epythymum Murr. Auf Lotus corniculatus bei Bautsch, auf
Scabiosa bei Wigstadtl und auf Alanunculus acris L. bei Odrau.
387
Solanum nigrum L. Var. humile Bernh. Odrau.
— dulcamara L. Gr.-Ullersdorf, Wiesenberg ete. (Rieger). D.
a Petersdorf, Rabenseifen, Zöptau, Wigstadtl, Lautsch,
rau.
Lyeium barbarum L. Wigstadtl, Lautsch, Odrau, Mankendorf, Schönau.
Atropa belladona L. Bradlsteine bei D. Liebau, Petersdorf, Bautsch,
Wigstadtl, Kl.-Hermsdorf, Lautsch, Hirnich bei Neudörfl, Wer-
denberg (Heide etc.) massenhaft auf Holzschlägen im Pohorer
Walde und im Scheuergrunde bei Odrau. |
Verbascum phlomoides L. ampl. a. genuinum Celak. Prodr. p. 313.
D. Liebau, Bautsch, Lautsch, Neudörfl, Odrau. b. thapsiforme
1. e. Bautsch, Odrau.
— thapsus L. Gr.-Ullersdorf, ete. (Oborny), D. Liebau, Trausnitz,
bei Petersdorf, Rabenseifen, Zöptau, Wiesenberg, Buchelsdorf
(hier in der f. semidecurrens Celak.), Reigersdorf, Janowitz,
Römerstadt, Gundersdorf, Bautsch.
— Iychnitis L. Lautsch, Odrau.
— nigrum L. Petersdorf, Rabenseifen, Zöptau, Gr.-Ullersdorf, D.
Märzdorf, Wüst-Seibersdorf, Geppersdorf, Nikles, Grumberg, Kl.-
Mohrau, Woitzdorf, Odrau.
Scrophularia nodosa L. Am Berggeiste!
—- Scopolii Hoppe. Dämmbaude.
Linaria vulgaris Mill. Gemein, in höheren Lagen bei Janowitz und
zahlreich an Mauertrümmern nächst des Hirschbrunnens.
Digitalis ambigua Murr. Winkelsdorf (Oborny)! bei der Tess in
Gr.-Ullersdorf, Philippsthal, bei den Köhlerhütten u. a. O. bei
Wermsdorf, Kleppel, Rother Berg, Schlössel, Kriech, Kiesgraben,
Hofberg, Berggeist.
Veronica oficinalis L. Gemein, in höheren Lagen am Öhrenberge
bei Buchelsdorf, Kriech, Berggeist.
— chamaedrys L. Gemein, auf einer Wiese bei der Tess bei Gr.-
Ullersdorf fand ich ein Exemplar, welches zwischen den zwei
hervortretenden Haarreihen, ebenfalls behaart war, so dass es
den Eindruck einer ringsum, aber ungleichmässig behaarten
Pflanze machte, diese schöne Varietät bezeichne ich, falls sie
sich bewähren sollte, als die polytricha mihi.
— longifolia L. Im Schlossparke bei Gr.-Ullersdorf, wahrscheinlich
nur verwildert.
— arvensis L. Gemein, in höheren Lagen um Wiesenberg (Oborny),
Gr.-Ullersdorf, Buchelsdorf, Marschendorf, Wermsdorf, Nikles,
B. Märzdorf, Janowitz, Römerstadt.
_ a L. Trausnitz, Gr.-Ullersdorf, Bärenkamm.
— verna L. D. Liebau.
— Tournefortii Gmel. (1805) Gr.-Ullersdorf (0 borny), D. Liebau,
Trausnitz bei Petersdorf, Zöptau, Marschendorf, Reigersdorf,
Pföhlwies, Blauda, B. Märzdorf, Nikles, Römerstadt, Bautsch,
Wigstadtl, Werdenberg, Odrau.
— agrestis L. Wigstadtl.
%
388
Pedieularis palustris L. Römerstadt, Gr.-Stoll.
— silvatica L. Kl.-Mohrau, Krondörfl, Woitzdorf, Wigstadtl, Kun-
zendorf.
Rhinanthus serotinus Schönheit. Trausnitz bei Petersdorf, Wermsdorf,
Kiesgraben, Römerstadt.
— hirsutus All. Gr.-Ullersdorf, Zöptau, Wigstadtl, Odrau.
— alpinus Baumg. Horizontaler Weg von der Schäferei zum Franz.
Jagdhaus, Gr.-Hirschkamm, Schieferheide, Backofensteine.
Euphrasia picta Host. Bärenkamm, Schlössel, Saugraben, Backofen-
steine, Hofberg.
— strieta Host. Verbreitet selbst noch am Trausnitz bei Raben-
seifen, bei Buchelsdorf und Beckengrund.
Melampyrum nemorosum L. Noch bei Wüst-Seibersdorf und im
Grundwalde bei Römerstadt.
— pratense L. D. Liebau, Petersdorf. Gr.-Ullersdorf, Marschendorf,
Philippsthal, Kl.-Mohrau, Blaschke, Janowitz, Römerstadt, Wig-
stadtl, Odrau.
— silvaticum L. Hohe Heide, Verlorene Steine, Berggeist etc.
(Oborny) Keilig, Rother Berg, Peterstein, Saugraben, Bär-
muttergraben, Franz. Jagdhaus, Kriech, Köhlerhütten, bei Werms-
dorf, Gr.-Hirschkamm, Backofensteine, Hofberg, Hochwald bei
Janowitz.
Lycopus europaeus L. In einer abweichenden Form bei Gr.-Ullers-
dorf (Oborny), D. Liebau, Beckengrund, Ludwigsthal, Bautsch,
Odrau etc.
Origanum vulgare L. Petersdorf, häufig bei Gr.-Ullersdorf, Zöptau
und Marschendorf, Beckengrund, Reigersdorf, Aspendorf, Pföhl-
wies, B. Märzdorf, Kleppel!
Thymus montanus W. K. Wiesenberg, Gr.-Ullersdorf ete. (Oborny)
Petersdorf, Rabenseifen, Zöptau, Buchelsdorf, Winkelsdorf, Bek-
kengrund, Wüst - Seibersdorf, Reigersdorf, Nikles, Grumberg,
Kl.-Mohrau, Römerstadt.
Ballota nigra L. Noch um Odrau und Wigstadtl.
Salvia verticillata L. D. Liebau, B. Märzdorf.
Nepeta cataria L. Verwildert auf der hohen Warte bei Zöptau,
Aspendorf, im Aufstiege zum Pohorer Wald u. a. O. bei Odrau.
Galeopsis ladanum L. Bautsch.
— tetrahit L. In höheren Lagen bei Buchelsdorf, Kl.-Mohrau,
Franz. Jagdhaus (weissblühend) Römerstadt.
— pubescens Bess. Gr.-Ullersdorf, Bautsch, Odrau.
— versicolor Curt. Wald bei der Ruine Neuhaus nächst Nikles,
Spitzberg bei Wermsdorf, Scheuergrund u. a. OÖ. bei Odrau hier
auch die f. parviflora Knaf. Celak. Prodr. p. 356.
Betonica ofieinalis L. D. Liebau, Grasplätze bei Blauda, Wigstadtl,
Lautsch, Werdenberg, Odrau.
(Fortsetzung folgt.)
— a —
380
Meine dritte Tirol-Fahrt. ')
Von J. Freyn.
(Schluss,)
Am 11. und 12. hatten ich und der Ofen viel zu thun; am 13.
waren fast alle Pflanzen trocken und wanderten nach Prag und ich
selbst wieder hinunter ins Vintschgau; die Richtung war jetzt Bozen.
Um nächsten Tags von Eyrs weg die Post benützen zu können,
wollte ich in Trafoi einen Einspänner miethen. Für den sollte ich
aber 11'/, fl. bezahlen (für 15 Kilometer!) und das verscheuchte in
mir die Sucht nach Bequemlichkeit. Darum schnallte ich Stock,
Schirm und Plaid über meine Büchse und wanderte fürbass thalab-
wärts frisch und fröhlich wie ein Student. Unterwegs nahm ich rasch
noch einige interessante Pflanzen auf (Calamagrostis lanceolata Roth.,
Calamintha nepetoides Jord., Digitalis lutes L. u. a) und traf sehr
zeitig schon in Eyrs ein.
Dort wussten sie am Telegraphenamt nicht, wo Görz ist und
wunderten sich nicht wenig, dass das eine gar nicht so sehr ent-
fernte österreichische Provinzial-Hauptstadt ist. Im Uebrigen war es
„auf der Post“ recht gut und behaglich, trotzdem sie das einzige
Einkehrhaus im Orte ist.
Es wäre ungerecht, wenn ich bei dieser Gelegenheit nicht dank-
bar des besonderen Entgegenkommens gedenken sollte, welches ich
in Tirol bei allen Postanstalten gefunden hatte, und Du wirst es
mir aufs Wort glauben, dass ich den jeweiligen kleinen Postämtern
mit meinem massenhaften Gepäck gewiss genug zu schaffen gege-
ben habe. Dasselbe wurde aber stets, oft sogar ausser der Amts-
stunde, angenommen und sofort befördert, worauf es mir natürlich
am meisten ankam: in Trafoi unterzog das Fräulein Post-Expeditorin
meine Packete sogar einer Probeabwage, weil ich in meinem Gast-
hause keine Wage vorfand, und mir doch daran lag, die vorgeschrie-
benen 5 Kilo nicht zu überschreiten. Diese Gefälligkeit der Postämter
gegen das Publikum ist eine wirkliche Lichtseite der dortigen Reisen.
Anderen Morgens ging es wieder im Landauer Etschthal ab-
wärts. Es liesse sich über diese Fahrt viel erzählen, denn das all-
mälige Auftreten wärmeliebender, südlicher Gewächse, je weiter man
sich dem Meraner Kessel näherte, war sehr bemerkenswerth. Ich
begnügte mich übrigens all’ die in warmen, südlichen Farbentönen
prangenden Burgen und Schlösser, die ersten Edelkastanien, die ersten
Achillea tomentosa L. nur im Vorbeifahren zu grüssen und trachtete
Bozen zu erreichen. Der Ausblick auf Meran, den man vom Wagen
aus am Abhang des Marlinger Berges so nebenbei geniesst, war
aber so verlockend, die vor dem erstaunten Auge sich ausbreitende
') Aus einem Briefe an E. Hackel zu Nutz und Frommen allen denen
erzählt, die selbst heutzutage noch Lust haben einen botanischen Reisebericht
zu lesen. ä
Ossterr, botan. Zeitschrift. 11. Heft 1887, 82
390
Landschaft war bei aller Grossartigkeit so lieblich schön, dass ich
beschloss, in Meran einen Tag zu verweilen. So that ich denn auch,
hiezu nicht in letzter Linie durch den Wunsch bestimmt, wieder
einmal meine lieben Mediterranpflanzen von Aug zu Aug zu sehen.
So suchte ich mir denn eine nach Süd gerichtete Lehne aus, fand
nach einigem zwecklosen Suchen auch hin und begrüsste freudig den
jahrelang entbehrten Anblick von Ostrya, Celtis, Ficus und Peuce-
danum venetum Koch, nebst Amarantus patulus Bert. und nahm
schliesslich das hie und da bis meterhohe Sempervivum Schottii
Baker mit, das dort häufig ist — im Grossen und Ganzen war es
aber mit der krautartigen Vegetation bereits zu Ende. Einem nie-
dergehenden Gussregen entging ich durch Einfall in das nahe Gast-
haus. Von dort genoss ich noch eine prächtige Aussicht über das
Etschthal, mit dem Profil des Gantkofel-Absturzes zur Rechten und
liess mir eine Flasche vortrefflichen Traminer gut munden. Die
dicke Luft presste mir aber so viel Schweiss aus, dass ich meinen
gesammten Vorrath an. Taschentüchern aufbrauchte.
Am 15. wollte ich Fimbristylis bei Ober-Mais finden. Man sieht
aber nur Villen und Parks mit prachtvollen exotischen Coniferen
u. del. Somit zog ich ab, besah lieber Meran mit seinen reizenden
Villen, fand dabei Nicandra physaloides und Oxalis corniculata
und fuhr dann mit der Bahn nach Bozen. Diese Bahn ist in
Oesterreich ein Unicum; man kann auf derselben nur I. oder III.
Classe fahren — eine II, Classe gibt es nicht. Diese eigenthümliche
Einrichtung ist jedenfalls im Interesse der armen, kranken Meran-
Pilger getroffen, aber nicht zum Wohle ihrer Geldbeutel.
In Bozen nahm ich beim Stigl-Wirth Quartier und entdeckte
da auch sofort den Trockenboden, und dieser war voll von gespann-
ten Wäschleinen. Nachdem Gepäck und Papier von Trafoi aus auch
bereits eingetroffen war, so konnte die Geschichte also wieder los-
gehen.
Am Abend meiner Ankunft in Bozen hatte ich Gelegenheit
das Panorama des „Schlern* und der „Rosszähne* im rothen Licht
der untergehenden Sonne zu bewundern — es war zum ersten und
letzten Male. Das Wetter war unsicher geworden, trübe, aber nicht
heiss, letzteres, wenn man aus den Hochalpen zu 300 M. Seehöhe
und noch dazu in den Kessel von Bozen niedersteigt, gewiss eine
Annehmlichkeit.
Die Unsicherheit des Wetters liess mich andern Morgens zö-
gern, etwas zu unternehmen; zuletzt entschloss ich mich aber den-
noch auszufliesen und zwar auf die „Mendel“, deren Schroffen als
Wahrzeichen des Etschthals bei Bozen gelten können.
Der Weg über Sigmundskron nach Eppan war in seiner Schat-
- tenlosigkeit furchtbar. Paliurus nalım ich als Andenken mit, als getreues
Sinnbild dieser dornigen Partie. In St.Michael in Eppan musste ich der
drückenden Schwüle wegen brav dem Wein zusprechen und dann
suchte ich über Stock und Stein die „Eislöcher von Eppan“. Unter-
wegs gelangt mau in ein weites Feld, welches völlig mit colossalen
391
Porphyrtrümmern besäet ist, just so, als wäre der Gipfel des nahen
Matschatsch einmal herabgestürzt und im Falle auf hunderttausend
Stücke zersprungen, die nun herumliegen und dem Menschen das
Gehen sauer machen. Dieses Trümmerfeld ist nun mit einem Walde
von Edelkastanien dicht bewachsen und in diesem, sowie an seinen
Rändern fand ich häufig Dianthus Seguierii Vill. (der echte, nicht
die bei uns so benannte Art) in bester Blüthe und endlich auch
die Eislöcher. Letztere sind dadurch merkwürdig, dass darin kein Eis
zu sehen und auch nicht zu spüren ist; aber es wächst dort Zlieracium
amplewicaule L. und Agrostis rupestris All. (bei 5—600 M. See-
höhe) nebst Centaures amara L. Ich war froh, als ich aus dem
von Amelanchier durchsetzten, miserablen Gestrüpp wieder her-
auskam und die neue Mendelstrasse gewonnen hatte. Die Kasta-
nienwälder ziehen hier hoch hinauf, der Porphyr ist ganz mit ihnen
bedeckt, weiterhin auch die Schiefer. Das oberste ist eine etwa 500
bis 700 M. holie Dolomitwand an der die Strasse in vielen Kehren
recht kunstvoll hinangeführt ist. Wir sind in der Region der Dolo-
mitalpen. Thymus pannonicus Hausm., Hieracium porrifolium L.,
Silene Sawifraga L., Asperula montana Rehb., Laserpitium Gau-
dini Moretti, Festuca speetabilis Jan, Paederota Bonarota L., Cyti-
sus purpureus Scop., Laburnum alpinum Med., Ostrya carpinifolia
Seop., Galium rubrum L. und purpureum L., Achilles tanacetifolia
All., Urtica hispida DC., das sind beiläufig die charakteristischesten
Pflanzen dieser prächtigen Landschaft — der dort gewonnene Durst
war aber unsagbar, zumal die Sonne herunterbrannte, wie nur im
August möglich.
Oben am Mendel-Passe grosse Bauthätigkeit. Das alte Wirths-
haus wird umgebaut, zwei Villen daneben neu aufgebaut. „Selva in
bando“') steht auf mehreren Tafeln für männiglich zu lesen und
erinnert uns, dass wir wieder einmal die Sprachgrenze überschritten
haben. Der „Selva in bando“ wurde also durchstreift. Es ist ein
schütterer Lärchenwald mit beigemengten Buchen, Fichten und (spär-
lichen) Tannen, welcher wegen der Beschaffenheit der Secundär-Flora
ein eigenthümliches Vegetationsbild bietet. Der Boden ist nämlich
von einem Ericetum bedeckt, dessen Hauptbestandtheile Erica carnea
L., Calluna und Arctostaphylos oficinalis W. G. sind und das von
Sorbus Aria und 8. Chamaemespilus-Büschen unterbrochen wird.
Diese Haideformation hat einen, wie es scheint, reichen Pflanzen-
wuchs; Galium rubrum L. ist dort häufig, Linum viscosum L. mit
seinen rothen Blüthen stellenweise, /lieracium ericetorum n. Ssp.?)
truppweise, zula nivea DC. und eine feurig karminrothe De-
tonica allgemein ete. etc. Da es zu regnen anfing und finster
wurde, kehrte ich ins Wirthshaus zurück. Dort ging es bald
lustig zu. Die Wirthin, eine junge, fröhliche Badenserin, machte die
') = Bann-Wald,
*) Eine a. a. Stelle zu beschreibende Art aus der Gruppe der Alpestria,
welche mit H. jaceoides Arvet verwandt ist. * 4
32
392
Honneurs, und als es endlich zum Schlafen ging, staunte ich über
den Comfort des mir angewiesenen Zimmers; solchen hätte ich mit-
ten in dem Trubel des Umbaues nicht erwartet. Zeitlich Früh sollte
ich geweckt werden, denn ich wollte die Ro@n-Alpe besteigen.
Am 17. August Früh wurde ich prompt geweckt; es goss aber
wie aus Kannen. Angezogen war ich indessen und so setzte ich mich
denn in den amerikanischen Schaukelstuhl, der in meinem Zimmer
stand und schlief und schlief bis es heller Tag war. Um 8 Uhr
herum hörte der Regen auf, die ganze Mendel stak aber in Wolken.
Mit der Roön-Alpe war es nichts gewesen, somit wollte ich wenig-
stens den näheren Penegal besteigen. Das gelang zwar, ich hatte
aber weder eine Aussicht — denn die Wolken rührten sich nicht
— noch fand ich Pflanzen, denn oben waren die Wiesen just frisch
gemäht. Es war aber immerhin interessant, die charakteristische Ve-
getationsform da oben zu sehen: in den Bergwiesen stehen viele aber
sehr zerstreute Bäume von Lärchen und Fichten, einzelne abgerun-
dete Büsche von Sorbus Aria und S. Chamaemespilus und viele pol-
sterartige Kaupen von Erica carnea oder Calluna oder Arctostaphy-
los. Die Wiese selbst wimmelte von einer weissen Euphrasia. Der
grauenhafte, etwa 1000 M. tiefe Absturz des Penegal gegen das
Etschthal schien sich während des Nebels ins Bodenlose zu verlie-
ren — dem wich ich aus, trotzdem an seinem oberen Rande Arte-
misia pedemontana wachsen soll. Am Rückwege nahm ich noch das
unförmliche Cirsium spathulatum Moretti mit, das sich in den Rui-
nen eines Hauses breit machte, und dann eilte ich nach Bozen. In
St. Michael kam ich gerade noch zurecht an, um den Omnibus, der
von Kaltern nach Bozen fährt, zu benützen und das war mir ange-
nehm, denn die Sonne brannte wieder tüchtig herunter, oben der
Mendelrücken blieb aber in den Wolken.
In Bozen fand ich meinen Hauptmann von Trafoi wieder und
wir beschlossen anderen Tags den Gunschnä zu besteigen; er, weil er
dort einen guten Wein wusste; ich, weil ich Südpflanzen wollte.
Der Wein war mir aber auch recht. Der Regen wollte jeden Augen-
blick herunterfallen, hatte aber ein Einsehen und blieb tagsüber
hübsch oben. Die Exeursion ergab Pistacia Terebinthus L., Centran-
thus ruber L., Opuntia nana Vis., Punica, Ficus, Prunus fruticans Weih.
u. dgl., aber keinen Heteropogon. Der Wein war wirklich gut und
die Aussicht gegen Trient zu und über Bozen hinüber sehr schön
aber dunstig. Abends regnete es. — Prof. Schmiedeknecht aus
Jena ist da und wir verabredeten für morgen einen Ausflug nach
Sigmundskron. Er sammelt Wespen und ich Pflanzen. Da wir aber
manche gemeinsame Bekannte haben und er sich auch um die Pflan-
zen interessirt, von denen er seine Wespen abklopft, so kommen
wir famos miteinander aus. — Die Pflanzen wollen nicht trocknen;
der Ofen von Trafoi geht mir ab.
Am 20. ging es denn per Bahn nach Sigmundskron. Eine ziem-
liche Schwitzpartie! Indessen fand ich die in den Gebüschen hier
allgemein verbreitete, wie verdorrt aussehende Agrostis tarda Bartl.
399
sofort. Interessantere Arten waren aber Peucedanum venetum Koch,
Cyperus Monti L., Odontites Kochi F. Schltz. Centaurea nigrescens v.
transalpina Hausm., Trifolium patens DC., Linaria italica Trev. und im
Flusskiese der Etsch stellenweise kleine Bestände von Ononis Natrix L.,
Silene Armeria L. und einzelner T’ommasinia. Das Warten auf den Zug
war sehr lustig, denn das Bier war gut, der Abend herrlich und wir
Beide in bester Stimmung. Das Wetter bleibt aber unsicher; Latte-
mar, Schlern etc. sind seit meiner Ankunft in Bozen in Wolken ge-
hüllt und zu einer Hochgebirgstour kommt es desshalb nicht. Ich
muss zufrieden sein, die nächsten Umgebungen Bozens besuchen zu
können, dabei von Tag zu Tag hoffend, ich käme doch noch auf den
Schlern hinauf.
Eine Pracht-Exceursion ergab sich aber dennoch und das war
jene, die ich mit Schmiedeknecht ins Eggenthal machte. Der In-
zenieur, welcher diese Strasse geplant und gebaut hat, hat sich ein
Denkmal gesetzt für alle Zeit. An wilder Romantik wetteifert die
enge Schlucht keck mit irgend einer landschaftlichen Schönheit; der
Gipfel des Schönen ist aber erreicht, da wo die Strasse vor dem
Tunnel-Eingang über den Wasserfall hinführt, der die Wässer des
Eggenbaches in wüthendem Anprall felsenaushöhlend zur Tiefe
schleudert. Botanisch war der Ausflug durch Tommasinia, Lactuca
virosa L., Carpesium cernuum L. und in St. Justina, durch Setaria
ambigua Guss. gekennzeichnet. Auch der Wespenmann fand nicht
viel und der Regen schadete uns Beiden.
Am 23. sah ich mir das sagenumwebte Runkelstein an. Wenn
mein Magen angeätzt gewesen wäre, hier wäre der Wein vollends
durchgekommen. Es lief aber gnädig ab, denn nicht einmal der ob-
ligate Viertel-Liter war hinunterzubringen. Dafür war aber vom Schlosse,
das eben wieder hergestellt wird, auch nichts zu sehen. Nun zog
ich die Talfer aufwärts weiter. Das letzte Hochwasser hat die Haus-
mann’schen Standorte ruinirt und es war gar nichts Besonderes zu
finden. Nur Hieracium oaydon Fr. sah ich mehrfach an Felsen und
brachte es im Regenschirm mit nach Hause. Bidens bullata fängt
erst an zu blühen. Merkwürdigerweise ist jene Form des H. oaydon
die ich hier am Porphyr, also am kieselreichen Gestein sammelte,
von der Kalkform, die z. B. an der Mendelstrasse wächst, nicht
verschieden. Ich muthmasse übrigens, dass Hausmann’s H. Schmädtii
eben dieses H. oaydon ist, welches von Hausmann doch unmöglich
übersehen worden sein konnte.
Am 24. August den Schlern definitiv aufgegeben; es geht also
wieder nordwärts. In Sterzing wird Halt gemacht, sofort zu P. Hu-
ter nach Ried gegangen und mit ihm der beabsichtigte Hieracien-
Ausflug für morgen verabredet. P. Huter hat jetzt sehr viel Arbeit
mit den Buchinger’schen Sammlungen, die er sichtet und zum
Vertheilen ordnet. Wer P. Hutor’s wundervolle Exsiecaten kennt,
kann sich auch sofort die Strenge vorstellen, mit welcher Letzterer
an die Sammlung geht. Ein Berg weggeworfenen alten Zeugs sammt
Zetteln verbarrikadirt beinahe das eine Zimmer. Wir sahen Einiges
304
von den Buchinger’schen Sachen durch und fanden recht Schönes
und Seltenes darunter. In der „alten Post“ in Sterzing übernachtet.
Ein recht gutes, anständiges Haus mit wohlthuendem Comfort und
nicht theuer.
Früh sehr zweifelhaftes Wetter. P. Huter kommt zu meiner
Freude aber doch und so zogen wir denn selbander gegen den Jau-
fen zu — ein pflanzenarmes Thonschiefer - Gebirge, welches aber
mehrere sehr interessante Habichtskräuter birgt, die mein liebens-
würdiger Führer dahier vor einigen Jahren entdeckt hat. Natürlich
regnete es, aber die gewünschten Hieracien waren alle da. Ich meine
H. Bocconei Gris., H. ochroleueum Schleich., H. jurassicum Gris. —
also wieder centralalpine Arten, dann aber auch 7. Vippetinum Hu-
ter, das für mich ein Bastard ist u. zw. von H. jurassicum wahr-
scheinlich mit 7. murorum oder H. vulgatum. Auch einige schöne
Cirsien-Bastarde und meine hier massenhafte Fuphrasia variabilis
wurden eingelegt, dann wurde aber der Rückzug angetreten. Im
Jaufendörfel hatten wir beim Herrn Curat Mittagsrast gehalten und
waren daselbst auf das Freundlichste aufgenommen und bewirthet
worden.
In Sterzing verpackte ich Alles in die Büchse und sendete
diese, so wie sie war, auf gut Glück nach Prag mit schwacher Hoff-
nung, dass wenigstens einige der leider triefend nassen Pflanzen frisch
grün bleiben würden. Nächsten Tags fort nach München. Der Aus-
sichtswagen war von Vertretern sogenannter „besserer Stände“ be-
setzt. Dieselben hatten aber die Aussicht in rücksichtslosester Weise
in Beschlag genommen und den Zutritt zu den noch unbesetzten
Fenstern durch Berge sogenannten „Handgepäcks* verlegt. Nun war
ich eigens deshalb I. Classe gefahren, um den Aussichtswagen be-
nützen zu können, und es wird mir daher wohl Niemand verübeln,
dass ich ob solcher unqualifieirbarer Rücksichtslosigkeit unmuthig
war. Ich wollte eben losplatzen, als zum Glück ein Theil der an-
spruchsvollen Sippe ausstieg. In München regnete es selbstverständ-
lich und darum stieg ich erst gar nicht aus, sondern fuhr gleich in
einem Zuge bis Regensburg weiter. Wer aber nicht da war, war
Freund Celakovsky, mit dem ich dort ein Stelldichein verabredet
hatte. Auch Dr. Singer war nicht da, sondern in den Alpen. Ich
ergötzte mich also allein an der Stadt und der Walhalla; sah im
Geiste die Hauptbilder deutscher Geschichte an mir vorüber ziehn,
bis zum Falle des „heiligen römischen Reiches deutscher Nation“
und bis zur Wiedererstehung des neuen Reiches und dann ging es
fort in die Nacht hinein.
Am 28. August Früh zeitlich roch ich schon bei Kuchelbad
das alte Prag. — — — —
Prag, im November 1886.
—
Flora des Etna.
Von Prof. P. Gabriel Strobl.
(Fortsetzung.)
1413. Lens esculenta Mnch. Ervum Lens L. Leicht erkennbar
durch aufrechte, robuste Stengel, 5—7paarige Blättchen, 1—3blü-
thige, begrannte Blüthenstiele von Blattlänge, linearpfriemliche, die
Kelehröhren bedeutend übertreffende und der weisslichen Krone min-
destens gleichkommende Kelchzähne, fast quadratische um ein Viertel
längere, als breite, 12—16 Mm. lange, einsamige Hülsen. In der
Tiefregion bis über 2000, z. B. noch um Bronte und Maletto, häufig
eultivirt und verwildert. Mai—Juli. ©.
1414. L. nigricans (MB.) Gr. Godr. Ervum nigr. MB. Guss.
Syn. et *Herb.! Viel zarter mit meist aufsteigenden Stengeln und
Aesten; Blättchen nur 2—4paarig, verkehrt eiförmig, die oberen
länglich, flaumig rauh mit Dornranke; Nebenblätter gezähnt; Blü-
thenstiele grannig, über blattlang, 1—2blüthig; Kelchzähne gewim-
pert, bedeutend länger, als die kurze Kelchröhre und die bläuliche
Krone; reife Hülse länglich-quadratisch, meist 10 Mm. lang, 6 Mm.
breit, braungelb (nicht schwarz), 1—2samig; Same ganz sammt-
schwarz oder lichter gefleckt. Auf trockenen steinigkrautigen Berg-
abhängen und in lichten Wäldern (2—3000/): Am M. San Nicola
bei Nicolosi (Torn. in Herb. Guss! Herb. Torn.!), unter Kastanien
des Serrapizzutawaldes sehr häufig! April, Mai. ©.
1415. L. Lenticula (Schreb.) Sturm, Ervum Lentic. Schreb.,
uniflorum Ten. Guss. *Syn. et *Herb.! Von der äusserst ähnlichen
nigrie. nur verschieden durch zarteren Wuchs, ziemliche Kahlheit,
ganzrandige, halbpfeilförmige untere und lineallanzettliche obere Ne-
benblätter, stets einblüthige, grannenlose, meist über blattlange Blü-
- thenstiele, etwas kleinere, flaumige oder kahle («. erio-, ß. lejocarpon
mihi), 1—2samige Hülsen, schwach gewimperte Kelchzähne, Blüthen
von mindestens Kelchlänge. L. Lentic. aus Cherso und Dalmation
lässt sich von der Pflanze des Etna und der Nebroden absolut in
nichts unterscheiden, sogar die Samen sind bei beiden gleich: linsen-
förmig, lederbraun, schwarzgefleckt mit weissem Hilus. Auf steinig-
krautigen Bergabhängen (2—4000/): Am Etna um Bronte (Guss.
Syn.), Wald von Maletto (Guss. Herb.!); ich sammelte var. ß. Zejoc,
an Hohlwegrändern neben dem Monte Zio und an buschiggrasigen
Abhängen unterhalb des Bosco Maletto. April, Mai. ©.
1416. Pisum elatius MB., biflorum *Raf. Car., arvense *Cat.
Cosent., non L., maritimum *Cat. Cosent.?, non L., arvense b. varie-
gatum Guss. Syn. et *Herb.! variirt «. genwinum: Samen braun,
dunkelmarmorirt, Wuchs meist höher, kletternd, Blättchen und Ne-
benblätter kaum seegrün, doppelt so gross ß. melanospermum mihl,
396
Samen schwarz, Wuchs meist niedriger, nicht kletternd, Blättchen
und Nebenblätter stark seegrün, nur halb so gross. Arvense L. dif-
ferirt von beiden durch sehr grosse, schwächer gezähnte Nebenblätter,
die mit Ausnahme einiger unterer durchaus eiförmigen, ganzrandigen
Blättehen und besonders durch nicht fast kugelige, sondern zusam-
mengedrückt eckige Samen. Auf Lavaströmen, buschigen, krautigen
Abhängen der Tiefregion häufig: Am Etna (Raf. Car.), in der Ebene
des Simeto (Cat. Cosent.), um Catania (Cosent. in Herb. Guss.!)
Zaffarana, Ognina (Herb. Reyer!) Misterbianco, Mascalucia! April—
Juni. ©.
NB. P. sativum L. wird in der unteren Etnaregion sehr häufig
eultivirt. (!, Philippi, Schouw, Herb., Torn.!)
1417. Lathyrus Clymenum L. *Raf. I, articulatus *Raf. II,
tenuifolius Dsf. Guss. Syn. et *Herb.! Ausgezeichnet durch die blatt-
artigen, blattscheibenlosen unteren Blattstiele, 2—4paarigen, mitt-
leren und oberen Blättchen, grosse, purpurrothe Fahne, blaue Flügel,
flache, am Rücken gefurchte Hülse. Articulatus L. unterscheidet sich
davon durch weisse Flügel, knotige, am Rücken gekielte Hülsen,
stumpfe Griffel. Varürt in Sicilien: «. tenuifolius Gr. Godr. (Stengel
und Blattstiele schmal geflügelt, Blättchen lineal bis lineallanzettlich).
ß. latifolius Gr. Godr. (Stengel und Blattstiele breit geflügelt, Blätt-
chen länglich bis lanzettlich). Unter Saaten auf Wiesen, Lavaströ-
men, buschigen Abhängen, beide Var. gemein, oft als Futterpflanze:
Um Catania überall (!, Cosent. et Torn. in Herb. Guss.!, Herb. Torn.!
Herb. Reyer!), Milo, Zaffarana (Herb. Torn.!), Ognina, Misterbianco
(!, Herb. Reyer!), in der Ebene des Simeto, von Bronte nach Ma-
letto, von Torregrifo bis Nicolosi s. hfg., seltener in Roggenfeldern
der Waldregion bis 3500’! April, Mai. ©.
1418. L. Ochrus (L.) DC., *Bert. Fl. it., Guss. Syn. et *Herb!
Leicht kenntlich an den fehlenden Blattscheiben, den grossen, läng-
lich ovalen Phyllodien und grossen, gelben Blüthen. In Gärten und
Saatfeldern sehr häufig: Aus Catania von Cosentini erhalten (Bert.,
Herb. Guss!) in der Ebene des Simeto überall bis Paterno (!, Herb.
Torn!). März, April. ©.
1419. L. Aphaca L. *Raf. II, *Bert. Fl. it., Guss. Syn. et
Herb.! Ausgezeichnet durch rankenförmige Blätter und sehr grosse
herzf. spiessförmige Nebenblätter; Blüthen axillär, einzeln langge-
stielt, gelb; afinis Guss., habituell damit identisch, differirt nach
Guss. Syn. add. durch Kronen von doppelter Kelchlänge mit brei-
teren Flügeln und doppelt so breiter Fahne und ganz kahle Blüthen-
stiele; meine Exemplare (L. af. Guss. in Baenitz herb. eur. „Attica
l. Heldreich“) kann ich von Aphaca kaum durch etwas stärker see-
grüne Färbung unterscheiden. Unter Saaten, auf Brachfeldern, an
buschigen Abhängen in Sicilien gemein, im Gebiete ziemlich selten:
397
Aus Catania von Cosentini erhalten (Bert.), um Catania, Gervasi,
am Etna (Herb. Torn.!), in der Ebene des Simeto! April— Juni. 9.
1420. L. Nissolia L. Statt der Blätter nur linearlanzettliche,
rankenlose, spitze Phyllodien vorhanden, Krone purpurn. In sonnigen
krautigen Waldlichtungen Siciliens selten: Wälder des Etna gegen
Bronte, Maletto (Guss. Syn. et Herb.!) und Adernd (Guss. Syn.)
Mai, Juni. ©.
1421. L. setifolius L. Sehr schlank, Blättchen einpaarig, sehr
lang und schmallinear zugespitzt; Stiele einblüthig, Blüthen purpurn,
klein (8—10 Mm.); Hülsen gestielt, elliptisch länglich (24—28 Mm.
lang, 10 Mm. breit), 2—3samig, Samennaht weder verdickt noch
geflügelt, Samen circa 5 Mm., kugelig, höckerig. Auf sonnigen, krau-
tigen Hügeln Sieiliens nicht selten, höchst wahrscheinlich auch im
Gebiete; ich sammelte ihn noch bei Taormina. April, Mai. ©.
1422. L. sphaericus Retz, sph. b. neapolitanus Guss. Syn. et
*Herb.!, neapol. Ten. Syll., nervatus Presl del prag. angulatus Bert. Fl.
it. quoad pl. siec., non L. Von setifolius verschieden durch robusteren
Wuchs, breitere, lang lineallanzettliche Blättchen, über 1 Cm. grosse,
scharlachrothe Blüthen, schmallineare, 25 — 36 Mm. lange, 4 Mm.
breite, ziemlich cylindrische, stark nervige Hülsen mit mindestens
8 circa 3Mm. grossen, kugeligen, glatten, schwarzbraunen Samen.
Steht in Ten. Syll. als neapolitanus Ten., lässt sich aber von der
Pflanze Südtirols, Istriens, der Schweiz, nicht unterscheiden; angu-
latus L., verschieden durch schmälere, fast lineare Blätter, den Blatt-
stiel weit überragende Blüthenstiele purpurne Blütben, nicht erhaben
netznervige Hülsen und eckige, kleinhöckerige Samen, fehlt in Siei-
lien; erectus Lag. — stans Vis., ebenfalls äusserst ähnlich, differirt
durch kleine lilablaue Blüthen und sehr kurze, grannenlose Blüthen-
stiele. Auf Lavaströmen, sonnigen krautigen Abhängen und in Wall-
Jichtungen bis 3000‘ häufig. Catania (Cosent. in Herb. Guss., Herb.
Torn., Herb. Reyer!), Etna, sandige Orte (Herb. Guss., Herb. Torn.!),
Lavagründe gegen ÖOgnina und Acicastello (! Herb. Reyer!), in der
Hochebene von Nicolosi, sehr häufig an grasigen Hohlwegrändern
links vom Monte Zio, seltener unter Kastanien der Serrapizzuta!; eine
ziemlich behaarte Varietät liegt als b. pilosus Guss. in litt. im Herb.
Guss. auf: Catania (Cosent.), Chiusa dell’ agnone! April, Mai ©.
1423. L. Cicera L. Cie. b. dubius Guss. Syn. et *Herb.!, du-
bius Ten., erythrinus Presl Fl. sic. purpureus Presl del prag., non
Dsf. Vorigen zwei Arten ähnlich, aber verschieden durch robusteren
Wuchs; kürzere lanzettliche untere und lang lanzettlichlineare obere
Blättchen, grosse, halbpfeilförmiglanzettliche Nebenblätter, dreieckig-
lanzettliche, zugespitzte, gleichlange Kelchzähne von doppelter Länge
der Röhre, 13—15 Mm. lange, purpurrothe Blüthen, 25—35 Mm.
lange, fast 1 Cm. breite, längliche, 3—5samige, netznorvige, zusam-
398
mengedrückte, an der Samennaht tief gefurchte Hülsen. Ich sehe
keine constante Differenz zwischen meinen Exemplaren Sieiliens und
denen Neapels, Oberitaliens, Istriens, Dalmatiens, daher die Namen
Presl's und Tenore’s einfach Synonyme zu Cicera sind. Auf son-
nigkrautigen Hügeln der Tiefregion Siciliens sehr häufig, auch im
Gebiete: Catania (Cosent. in Herb. Guss., Herb. Torn., Herb. Reyer!),
Lavagründe bei Ognina (Herb. Reyer!), an grasigen Stellen unter
Kastanien des Monte Nocilla oberhalb Nicolosi häufig. (!, circa
3000’). April, Mai. ©.
1424. L. sativus L. Dem vorigen äusserst ähnlich, fast nur
verschieden durch noch grössere, ganz weisse oder blaupurpurne Krone
mit weisslichem Schiffchen und rhombischlängliche, an der Samen-
naht gekrümmte und doppelt geflügelte Hülsen mit cavernösen,
weissgrünen Samen. Variirt mit breit lanzettlichen bis fast linealen
Blättchen. Als Futterpflanze in Sieilien öfters cultivirt, im Gebiete
aber auch anscheinend wild: Thonhügel neben Feldwegen bei An-
nunziata (Herb. Reyer!), in Lavaströmen zwischen Torregrifo und
Nicolosi beide Blattextreme häufig, zugleich mit Olymenum (!, 1800’).
April, Mai. ©.
1425. L. Gorgoni Parl. Guss. *Syn. et *Herb.! Dem L. sat.
und Cicera habituell sehr ähnlich, aber verschieden durch durchaus
breitlanzettliche (Breite mindestens 5 Mm.), lange Blätter, ca. 13 Mm.
lange, hochgelbe, rothgestreifte Fahne, hochgelbe Flügel und bleich-
gelbes Schiffehen; Wuchs hoch und üppig. Stengel ziemlich breit
geflügelt, Blättchen einpaarig mit dreispaltiger Ranke, Nebenblätter
gross, halbpfeilförmig breitlanzettlich, die einblüthigen, oberhalb der
Mitte gegliederten Blüthenstiele von mehr als Blattlänge, die gleich-
sestalteten spitzlanzettlichen Kelchzähne von doppelter Länge der
Röhre, die Hülsen kahl, breitlinear, zusammengedrückt netznervig,
nicht geflügelt. — Auf Fluren und unter Saaten bei Catania (Cosent.
in Guss. Syn. add. et Herb.!), an feuchten, grasigen Feldrändern unter-
halb Paternd an einer Stelle sehr häufig! März, April. ©. Ich fand
ihn noch bei Syracus, Parlatore bei Palermo.
NB. L. hirsutus L., annuus L. und odoratus w. siculus L., alle
drei in Sicilien ziemlich verbreitet, wurden im Gebiete noch nie be-
obachtet.
(Fortsetzung folgt.)
—i
Conservirung von Abietineen,
Von J. Bornmüiller.
Die einfachste und wohl noch beste Methode, Abietineen mit
hinfälligen Nadeln für das Herbar so zu conserviren, dass im trocke-
399
nen Zustand die Nadeln am Zweig haften bleiben, scheint noch nicht
so bekannt zu sein oder wenigstens Glauben zu finden, als sie es ver-
dient. Mir ist es jetzt gelungen, eine grössere Anzahl von Omorika
wohlbehalten in meinem Herbar liegen zu haben, die ich vor sechs
Wochen in ihrer Heimat, in den wildromantischen Gebirgsgegenden
des südöstlichen Serbiens mitgenommen habe, die seit der Präpara-
tion kaum eine Nadel abgeworfen haben. Obgleich ich das Bündel
Zweige, welches ich am 28. August bei Zaovma vom Baume brach,
zwölf Tage auf der Reise mit mir herumschleppte, wobei ich es in
einem Sacke auf dem Rücken des Pferdes der sengendsten Sonne
aussetzte und es nicht einmal täglich befeuchtete, dann es schliess-
lich noch tagelang im trockenen Zimmer liegen gelassen und ver-
gessen hatte, dass bereits die Nadeln in bedenklicher Menge abzu-
fallen begannen, so machte ich dennoch den Versuch, von dem ich
einmal gehört und den ich selbst oft vergeblich probirt hatte, und
steckte, um so das Vorhandene vielleicht noch zu retten, den ganzen
Bündel in einen grossen Kessel siedenden Wassers. Volle zwanzig
Minuten kochten die Zweige, dann war das ganze Harz herausge-
kocht und schwamm wie grosse Fettblasen auf der seltsam duften-
den Brühe. Doch auch da hatte ich noch wenig Vertrauen zu der
Sache, liess die Zweige noch zwei Tage lang, stundenlang der Sonne
ausgesetzt, liegen, brachte sie aber dann in Papier und merkte bald,
dass mein Verfahren nicht ganz umsonst, ja von grossem Erfolg
gekrönt sei. Eifrig wechselte ich jetzt täglich das feuchte mit mög-
lichst warmem Papier und — die Nadeln haften heute noch fest wie
an einer Edeltanne an den Zweigen, die kurz vorher die Nadeln
schon fallen liessen.
Wohl sind die Zweige für das Herbar völlig ausgetrocknet,
kann aber nicht dafür garantiren, ob sie auch nach sechs Monaten
eben so gut erhalten sind, als nach sechs Wochen. Die Sprödigkeit
und Gebrechlichkeit wird sich wohl steigern, aber die Nadeln werden
sich allem Anschein nach nicht von selbst vom Zweige loslösen.
Und wäre auch diess der Fall, für viele Zwecke ist das Kochen mit
sechswöchentlicher Garantie von grossem Werthe. Bisher ist es noch
Niemanden gelungen, einen instructiven Zweig Omorika mit Zapfen
und Belaubung über die Grenzen Serbiens und Bosniens zu bringen,
selbst Belgrad hat noch nicht einen solchen gesehen (ein hiesiger
Zeichner musste zu dem Mittel greifen, um sich eine Vorstellung
von einem Omorikazweig zu machen, Nadel für Nadel mit Gummi
a) so ist die Möglichkeit leicht geschaffen, auch einen weit
entfernt Wohnenden im Norden oder Westen Europas an Natur-
exemplaren zu zeigen, wie eine spontane fruchttragende Omorika
benadelt ist. Die kleinen Omorikapflanzen, die wir in unseren deut-
schen Arboreten noch mit Argusaugen bewachen, tragen wohl alle
noch das feinnadelige Jugendgewand — in der Heimat trifft man
schon zwei Fuss hohe Pflanzen mit breiter Benadelung — lassen
aber nichts von dem erkennen, wie grundverschieden sich das Blatt
an der älter werdenden Pflanze umgestaltet, das da mehr einer Abies
400
als einer Picea gleicht. Das Gleiche gilt von der Färbung der Nadeln.
Leider geht die blaue Färbung, die die flache Unterseite des Blat-
tes so zart beduftet, und namentlich an den Astspitzen mit der
grünen Oberseite so lieblich contrastirt, beim Kochen verloren, doch
ist diess der einzige Verlust, den man gern in Kauf nimmt gegen-
über einem blattlosen Zweig, von dessen einstmaliger Belaubung
man sich aus einem Häufchen Nadeln, welches in einem Papier-
Dütchen dem nichtssagenden Skelette beiliegt, kaum eine Vorstel-
lung machen kann.
Noch sei bemerkt, dass auch Zweige von Picea excelsa, welche
sich unter den Omorikazweigen befanden, sich unter gleicher Be-
handlung gleich gut erhalten haben.
Interessirenden, die sich mit einem kleinen Zweig und guten
Zapfen begnügen, bin ich gern bereit, soweit meine Exemplare aus-
reichen, zu dienen.
Belgrad, am 8. October 1887 (kgl. botanischer Garten).
— ei
Literaturberichte.
Gaunersdorfer Joh. Prof. Dr. Das Verhalten der Pflanze bei Vergif-
tungen speciell durch Lithiumsalz. In den landw. Versuchsstationen,
Berlin 4887, Seite 171—206. Mit 3 Abbildungen.
Lithionsalze wurden bei physiologischen Versuchen schon öfter
verwendet, einerseits um die Schnelligkeit des sogen. Transspirations-
stromes zu bestimmen, andererseits um die eventuelle Ersetzbarkeit
des Kaliums durch Lithion darzuthun. Bei derartigen Experimenten
wurde nur zu oft stillschweigend die Voraussetzung gemacht: das Lithion
sei für die Pflanze indifferent. Wie unberechtigt eine solche Annahme
ist, beweist Gaunersdorfer’s vorliegende gründliche Schrift. Nach
dieser ist in Uebereinstimmung mit früheren Versuchen von Nobbe,
Schröder und Erdmann Lithion für die Mehrzahl der Pflanzen
schon in verhältnissmässig geringen Mengen als Gift zu betrachten.
— Pflanzen, welche normal Lithion enthalten, widerstehen dem Gifte
länger als lithionlose. Während z. B. Blätter von Cirsium rivulare
(Lithionpflanze) 1'1 pro millige Lösungen von schwefelsaurem Lithion
viele Tage ganz gut vertragen, vertrocknen Blätter von Clematis
recta, welche für gewöhnlich kein Lithion enthalten, unter Braun-
werden schon bei einer Concentration von 0'8 pro mille. Verf. zeigt
ferner, dass das Lithion durch den Transspirationsstrom aufwärts
geschafft wird, und dass die Menge des aufgenommenen Lithions der
jeweiligen Transspirationsgrösse ungefähr proportional ist. Bezüglich
der Ablagerungsorte sagt er: „Die Ablagerung erfolgt namentlich in
den ausgewachsenen Blättern, mit welchen bei ihrem Vertrocknen
und Abfall immer ein Theil des schädlichen Metalles aus dem Boden
und aus der Pflanze entfernt wird. Die jungen Blätter und Spross-
enden, sowie die Reproductionsorgane sind durch das Fehlen der
401
verholzten leitenden Elemente vor Schädigung, wenigstens bei gerin-
gen Concentrationen der Lösung geschützt, indem eben Lithion in
sie nicht eintritt“. Durch Versuche an verletzten Zweigen konnte,
was wohl schon von vorneherein zu vermuthen war, festgestellt wer-
den, dass Lithion nicht nur in der Richtung der Verdiekungsschich-
ten der Zellhaut, sondern auch senkrecht darauf geleitet wird. Um
das Verhalten der Bodenpflanzen bei Vergiftung mit Lithionsalz
kennen zu lernen, wurden Topfpflanzen (Aesculus, Pinus, Tropae-
olum, Hedera) mit verdünnten Lösungen verschiedener Concentra-
tion ein- oder zweimal begossen. Also behandelte Pflanzen nehmen
das Lithion nur langsam auf, vertragen es im Boden ohne Schaden
durch Jahre und scheiden das aufgenommene Salz durch die abfal-
lenden Blätter wieder aus. H. M.
L. Danger. Unkräuter und pflanzliche Schmarotzer. Ein Beitrag zur Er-
kenntniss und Bekämpfung derselben für Landwirthe und Gartenfreunde.
Hannover, Carl Meyer (Gustav Prior), 4887. 8°, VIII und 466 Seiten.
Preis 2 Mark 40 Pf.
Es ist ein vielseitig gebildeter Landwirth, der uns in anspruchs-
loser Form mit seinen Erfahrungen über die Bekämpfung der Un-
kräuter bekannt macht, der aber auch mit richtigem Verständniss
die Forschungsresultate der Wissenschaft verwerthet und die Theorie
in die Praxis überträgt. Das Buch enthält drei Abschnitte. In dem
ersten, dem allgemeinen Theil, werden die Schädlichkeiten der Un-
kräuter, ihre Entstehung und Verbreitung, letztere in Beziehung auf
die verschiedenen Bodenarten und ihre Feinde, ihre Eintheilung be-
handelt; die Angabe der Mittel, die zur Bekämpfung der Unkräuter
möglich und nothwendig sind, schliesst diesen Abschnitt. Verf. unter-
scheidet diese Mittel als physikalische (Entwässerung und Entsäue-
rung des Bodens), mechanische (rechtzeitige Bodenbearbeitung mit
vorzüglichen, gut gehandhabten Geräthen), und als chemische; als
letztere werden Lösungen von Kainit, Kochsalz, Schwefelsäure ete.
angegeben. Der zweite Abschnitt bietet die Beschreibung der wich-
tigsten „Wurzel-“ und „Samenunkräuter“, die allerdings auf wissen-
schaftlichen Werth nur geringen Anspruch macht, aber durch die
Einflechtung biologischer Details und der wichtigsten Bekämpfungs-
arten gerade für die Kreise, denen das Buch gewidmet ist, den
schätzbarsten Bestandtheil der Danger’schen Arbeit ausmacht. Die
pflanzlichen Schmarotzer bilden das Substrat des dritten Abschnittes.
Ihre Beschreibung stützt sich durchgänglich auf die bekannten Unter-
suchungen von Kühn, Hallier, Brefeld, Frank u. A.
Dr. T. F. Hanausek.
Dr. Robert Keller. Die Blüthen alpiner Pflanzen, ihre Grösse und
Farbenintensität. Vortrag, gehalten im 8. A. C. in Winterthur. Verlag
bei Benno Schwabe. Basel 1887. Preis 80 Pf.
In dem 36 Octavseiten umfassenden Heftchen finden wir unter
402
Benützung der Werke von Darwin, Müller und Nägeli ein Bild
entworfen, wie die Alpenpflanzen theils durch die Grösse der Blu-
men, theils durch deren Farbenintensität ein Anziehungsmittel für
die sie umschwärmenden Inseceten sind, wie diese zu unbewussten
Blumenzüchtern werden und dadurch zur Erhaltung der Art beitra-
gen. Auf Grund objeetiver Messungen, Berechnungen und Verglei-
chungen wird das Zurücktreten von Weiss und Gelb, dagegen aber
das Hervortreten von Roth bei den Alpenblumen begründet. Wenn
auch der Gegenstand des Vortrages schon oft erläutert wurde, so
werden doch die anregende Sprache und die Einfachheit der Darstel-
lung dasselbe Interesse wachzurufen vermögen, das man den Vor-
gängen in der Natur jederzeit entgegenbringen soll. J.
Verhandlungen der k. k. zoologisch-botanischen Gesellschaft in Wien.
II. Quartal 1887.
Das botanische Wissen ist durch nachstehende fünf Abhand-
lungen vertreten: Beck Günther Dr. „Uebersicht der bisher bekann-
ten Kryptogamen Niederösterreichs“. Hiemit bietet der Autor ein
Präcursivum zu seiner im Manuscripte vollendeten, mit Nachweisen
und Standortsangaben ausgestatteten Aufzählung der Kryptogamen
Niederösterreichs, deren Veröffentlichung er einer späteren Zeit vor-
behalten hat, und bezweckt Dr. Beck mit dieser Vorarbeit schon
jetzt zu zeigen, welche reichen Schätze an Sporenpflanzen dieses
Kronland beherbergt, sowie andererseits, welche Lücken in der Kennt-
niss derselben noch auszufüllen wären. Aufgezählt werden 799 Gat-
tungen, 2303 Arten. — Höfer Franz; dessen „Beitrag zur Krypts-
gamenflora von Niederösterreich“ ist eine aus den Etiquetten des
von Pater Sales v. Schreybers, Chorherrn des Stiftes Klosterneuburg,
hinterlassenen Herbars geschöpfte Ergänzung des Pokorny’schen
Werkes, in Bezug auf Standortsangaben von 33 verschiedenen Arten.
— Richter Carl Dr., „Notizen zur Flora von Niederösterreich“.
Die Resultate mehrjähriger botanischer Excursionen des Verf. wer-
den an einer stattlichen Reihe von mitunter seltenen Pflanzen nach-
gewiesen, insbesonders sind die Gattungen Rosa, Rubus und Viola
reichlich bedacht, von letzterer ist Viola Wettsteinii als vom Verf.
neu aufgestellte Species eingehend besprochen und mit Diagnose
versehen. — Voss W. Prof. „Materialien zur Pilzkunde von Krain.*
(Mit 1 Tafel.) Gegenwärtige Arbeit schliesst sich an die vom sel-
ben Autor unter gleichem Titel, IV. Folge, würdig an. Diessmal sind
es die Ergebnisse seines Amonatlichen Aufenthaltes im obern Save-
Thale, welche mitgetheilt werden. Die Zahl der mit Angabe der
Fundorte aufgeführten Arten beträgt 246. Als Anhang folgt eine
Aufzählung neuer Fundorte von Pilzen aus der Umgebung von Zirk-
lach, wo letztere vom Pfarrer S. Robit zu Ulrichsberg gesammelt
wurden. Schliesslich ist der in seiner Ausführlichkeit einer Abhand-
lung gleichkommende Sitzungsbericht über Dr. Otto Stapf’s Vortrag:
403
„Die Stachelpflanzen der iranen Steppen* als besonders instructiv
zu erwähnen. Moritz Prihoda.
Rostling vstavatovite jejich tvar a rozSireni (Orchideae Jus.). Od Dr. Ed.
Formänka. Sonderabdruck aus dem Jahresberichte des böhmischen Gym-
nasiums in Brünn für das Schuljahr 1886/87. Brünn. Verlag des Verfas-
sers. 8. 17 Seiten.
Nach einer eingehenden Erörterung der morphologischen Ver-
hältnisse der interessanten Familie der Orchideen bringt der Ver-
fasser einen sorgfältig zusammengestellten Schlüssel zur Bestimmung
der mährischen und schlesischen Arten, sodann folgt die Diagnose
und die geographische Verbreitung der einzelnen Arten. Neu für das
Florengebiet ist Epipactis microphylla Sw., welche Jos. L. Holuby
am Lopenik entdeckte.
—i
Correspondenz.
Wien, am 8. October 1887.
Ich will bier nur in Kürze zweier neuer und ziemlich ergie-
biger Standorte der seltenen Orobanche arenaria Borkh. Erwälnung
thun, welche meines Wissens bis jetzt noch nicht bekannt sind. Ich
fand diese Pflanze im Juli 1. J. zerstreut auf Wiesen der Hügel-
reihe zwischen Sievring und Neustift mit Orobanche elatior Sutton.,
ferner in hohen und kräftigen Exemplaren auf der von der Sievringer
Hauptstrasse rechts gelegenen Höhe mit Xeranthemum annuum L.,
endlich an einzelnen Stellen auf Hügeln gegen Grinzing. Schliesslich
möchte ich noch bemerken, dass diese Orobanche sowohl von der
Türkenschanze (hier wohl erst seit 1886), als auch von dem Stand-
platze in Grinzing, den J. Hein angibt, vollständig verschwunden ist.
Moriz Rassmann.
Budapest, 20. September 1887.
Einige Robinienbäume hatten am 7. August bei Vesztö und am
12. August 1887 bei Okäny im Biharer Comitate, aber nicht weit
von V£sztö zweite Blüthen und am 23. Juli 1880 habe ich solche
bei Hatvan gesehen. Am 2. September 1887 blühte am Adlersberg
hei Öfen Vinca herbacea, am 3. September im Kühlenthale Cornus
sanguinea und Melampyrum nemorosum mit blauen und weissen
Schopfen. — Am 3. Juli d. J. fand ich mit Schilberszky zweite
Blüthen an Sorbus semiineisa m. Term. tud. Közl. 1879 p. 34, Oest.
bot. Zeitschr. 1883, p. 130. Meine S. semipinnata in Math. &s Term.
tud. Ertes. 1882/83 ($. Aria var. graeca? X aucuparia) hat weder
mit 8. intermedia Sehult. noch mit Pirus semipinnata Bechst. etwas
zu thun, denn diese haben keine leierförmigen Blätter (foliis inferne
pinnatifidis) und verrathen nicht so stark die Verwandtschaft mit
404
S. aucuparia als meine Pflanze. Sorb. intermedia Schult. kann man
nicht behalten, denn Schult. hat keine Pflanze so benannt, sondern
er eitirt in Oesterreichs Fl. 1814 p. 61 die Pyrus intermedia Ehrh.
Beitr. IV p. 20 (efr. die Geschichte der Pulmonaria mollissima und
Amaranthus commutatus Kern.). So konnte meine Sorb. semipinnata
wegen Pirus semipinnata Bechst. bleiben, ich benenne sie jedoch
S. dacica; ebenso taufe ich meine Potentilla longifolia (non Sieb.) in
P. longifrons um. — In der neuen Enumeratio Florae Transsilva-
nicae fehlen T’hymus, Quercus und Potentilla dacica, Pleurospermum
pubescens m., Hieracium Borbäsii Uechtr. Oe. B. Z. 1875, Tanär
eeyl. Közl. 1878 (descript.), Syringa vincetowieifolia Baumg., Borb.
Oe. B. Z. 1885, pag. 105, Ceratophyllum demersum var. carinatum,
Carex subsphaerocarpa m., Quercus devensis et Triticum indumen-
tosum Simk. ete. — Verbascum collinum Schrad. (Verb. nigrum x
Thapsus) ist am Büdös sicher, denn ich habe dort auch die Eltern
gesehen. V. thyrsoideum Host ist, wie ich mich erinnere, nach dem
Herbar-Exemplare Host’s —= V. austriacum, so hat damit mein
V. abietinum nichts zu thun. Dieses wächst in Oesterreich sicher
nicht. Ueber Polygala Chamaebuxus efr. Oe. B. Z. 1885 p. 347, also
kommt sie in Siebenbürgen sicher vor. — Ueber Polemonium sage
ich in Oe. B. Z. 1885 pag. 76 nicht, dass es an der Tordaer Kluft
vorkommt, sondern zwischen den Köstetö und St. Annasee in der
Büdösgebirggruppe. — Centaurea nigrescens var. megalolepis, Epi-
lobium Lamyi, Arenaria leptoclados und Melilotus altissimus wach-
sen sicher in Siebenbürgen. — Zu Centaurea nigr. var. megalolepis
gehört wahrscheinlich die ©. salicifolia aut. Transsilv. (non M. B.!),
welche ich in Willd. Herb. untersuchte, in Ungarn aber noch nicht
finden konnte. Wenn ferner Barth mir ein richtiges Epilobium
Lamyi, einem Anderen aber Ep. adnatum schickt, so ist das nicht
mein Fehler. Melilotus altissimus Thuill., Menyh. (M. macrorrhizus
Kern. olim.), efr. Kern. sched. II. p. 13, kommt bei den Grosswar-
deiner Thermen in riesigen Exemplaren vor, also warum musste er
bei Klausenburg fehlen? In der That wächst er zwischen Rohr und
Glyceria aquatica bei dem kleinen Bächlein, welches die Tiefe des
„Szenafüvek* bei Klausenburg durchfliesst. — Im Gegentheile be-
zweifle ich, dass der echte M. macrorrhizus der Donaugegend mit
kleineren und mehr grau behaarten Kelchen und Früchten in Sieben-
bürgen wächst. — Inula hybrida Baumg. fand ich unlängst im
Kammerwalde bei Ofen; I. Hausmanni bei den Kalköfen in Kühlen-
thal ist etwas abweichend davon, welche ich auch heuer am Drei-
hotterberge und bei Menes (Engler, Jahrb. VIII, pag. 236) fand,
die Inflorescenz ist nämlich durch lange Blättchen umhüllt.
Borbäs.
Budapest, 8. October 1887.
Im letzten Hefte dieser Zeitschrift, p. 369, schreibt Simonkäji,
dass ich „nur behaupte und nichts kritisch beweisen thue“. Dem
405
gegenüber muss ich bemerken, dass Simk. dieses nur sagen kann,
weil er, wie ich ihm unlängst gezeigt habe‘), die wissenschaftlichen
Zeitschriften nicht liest. So habe ich in Oe. B. Z. 1887, p. 196 bis
199, sowie in „Erdeszeti Lapok“ 1887, p. 506—509 gegenüber Simk.'s
Meinung genügend „kritisch bewiesen“, dass Quercus Csatoi Borb.
nur Qu. Robur X sessiliflora sein kann, worauf er mir bisher „kri-
tisch“ nichts geantwortet hat. Uebrigens glaubt ein jeder Botaniker,
Simk. ausgenommen, dass nur jene Exemplare der Qu. C'satoi Borb.
authentisch sein können, welche ich als Autor beschrieb und für
Qu. Robur x sessiliflora erklärte; im Gegentheile sind diejenigen
Exemplare, welche Simk. für Qu. Steiniix sessiliflora hält und mit
meiner Qu. Csatoi identifieirt, entweder unrichtig, oder wurden sie
von Simk. falsch erklärt. — Hätte ferner Simk. die Oe. B. Z. 1886,
p. 393 und 1885 p. 72 gelesen, so hätte er Anfangs August 1887
mein Galium flavicans 1884 nicht unnützerweise in @. marisense
(riehtiger marusiale oder marusiense) umgetauft. Ueber Juniperus
Kanitzii Csat6 habe ich mitgetheilt, dass sie die halbe Länge der
Blätter der J. communis besitzt, also J. Sabina nicht sein kann, —
dass aber Rosa marisensis Simk. = R. spuria Pug., R. barcensis
Simk. 1887 — R. dacica Borb. 1880 ist, dafür habe ich die com-
petenteste Autorität, H. Braun eitirt, der diese Rosen ex autopsia
gut kennt! — Epilobium Sandorii Borb. erklärte ich in Ertekezesek
der ungar. Akademie als „prolem E. Kerneri (aut E. alpini) et E.
alsinifolii hybridum“ [Bd. IX, Nr. 16, p. 26 (1879)], und habe ich
dort diese Pflanze Siebenbürgens genügend von Ep. alsinifolium
unterschieden; doch zieht Simk. mein E. Sandorii ohne alle kriti-
sche Erklärung, einfach unrichtig zu E. alsinifolium, die von mir
angedeutete Combination aber benennt er E. biharicum Simk. —
Auch will Simk. behaupten, dass seine Enumeratio Florae etc. nicht
am 5. August 1887 erschien. Hier hat Simk., wie auch in obigem,
nicht aber ich, „stark geirrt*, denn in dieser Enumeration, welche
angeblich im Jahre 1886 erscheinen sollte, eitirt Simk. selbst
pag. 487 solche Angaben, welche am 5. März 1887 erschienen sind
(Simk.’s Werk umfasst 678 Seiten), das Vorwort des Secretärs da-
tirt aber vom 10. Juli 1887, und so konnte diese Enumeration nur
Ende Juli oder Anfang August 1887 erscheinen, wie ich behauptete.
v. Borbäs,
Kilb in Niederösterreich, am 30. September 1887.
Achillea ptarmica L. wird zum Bertramessig-Erzeugen auch im
Waldviertel eultivirt, z. B. in Kottes. Aconitum Lycoctonum L. geht
in den Voralpen des Pielachthales als Pflanzengrenze heraus bis zum
Hohenstein 1184 M. Asclepias cornuti Decaisne. Die Seidenpflanze
wird eultivirt in Kilb; milcht sehr stark und scheint wassergierig
') Erdeszeti T,apok 1887, p. 348—355.
Oenuterr. botan, Zeitschrift, 11, Heft 1887, 33
406
zu sein. Alchemilla arvensis Scop. ist wohl auch in unserem Viertel,
V.O©. W. W. nicht zufällig, sondern allgemein verbreitet, aber nicht
in so grosser Menge, wie im Waldviertel; hier in Kilb jetzt noch
auf Stoppelfeldern zu sehen. Allium wrsinum L. steht hier in Kilb
an der Pflanzengrenze; hört auf mit einem Uebergange der Berg-
region in die Ebene. Amorpha fruticosa L. eultivirt in Retz und
hier in Kilb gesehen. Andropogon ischaemum L. erreicht seine Grenze
bei Retz am Manhartsberge, bei Kottes gegen die Donau hinaus
schon in Mühldorf. Abutilon Avicennae Gaertn., die schöne glockige
Malvacee wird hier in Kilb cultivirt und blüht von Juni bis Octo-
ber. Adenostyles alpina Döller «. viridis Döller erreicht die Grenze
am Hohenstein 1184 M. Allium acutangulum Schrad. var. petraeum,
Grenze Hohenstein. Allium carinatum L. Prinzenbachgraben bei
Kirchberg a. d. P. Alnus incana DC. Pielachthal. Althaea rosea
Cav. in Kilb eultivirt. Anemone pulsatilla L. forma latiseeta = Pul-
satilla grandis Wend. ist bei Retz (Steinparz) auf Neogenhügeln,
aber auch im Donauthale auf den Höhen von Förthof bei Stein zu
finden. Antirrhinum orontium L. Pflanzengrenze im V.U.M.B. ober
dem Manhartsberg bei Retz. Arabis eiliata R. Br. Pflanzengrenze: Hof-
berg 800 M. bei St. Gotthard unterscheidet sich von hirsuta in den
Früchten; bei jener sind die Samen näher beisammen und stehen
die Früchte mehr ab als bei hirsuta und sind grösser; proalpin.
Arabis alpina L. erreicht seine Grenze im Pielachthale am „Gais-
bühl“ bei Rabenstein; ist wichtig zur Bestimmung der Voralpen-
grenze. Arabis T’haliana nicht bloss auf Schiefer, auch auf Mergel-
kalk bei Kilb. Aristolochia sipho L’Herit breitet sich immer mehr
aus und bereits in Bauerngärten um Kilb zu treffen. Aster canus
W.K. bei Retz am „Golitschn“ vielleicht nur verwildert. Ane-
mone silvestris L. blüht heuer zum zweiten Male hier in den Bergen.
Aspidium aculeatum Döll. ist auch eine Leitpflanze zur Bestimmung
der Voralpengrenze am „Gaisbergkogl“ bei Kilb 700 M.
P. Benediet Kissling.
Lemberg, am 4. October 1887.
1. Aus der Gegend von Horodenka (bei Zaleszczyki), wo ich
im vorigen Monate zu botanisiren Gelegenheit hatte, verdienen noch
nachfolgende, in phytogeographischer Hinsicht besonders interessante
Daten dahier hervorgehoben zu werden, nämlich: Anchusa procera
Bess. (species ab A. oficinali optime diversa) in Horodnica; Alsine
setacea, höchst gemein auf Gypsfelsen in Probabin, Babin') Strzyleze;
Allium paniculatum Kern., auf Kalk- und Gypstriften in Probabin
und Strzyleze; Cephalaria corniculata R. et S., auf Gyps- und Kalk-
felsen in Probabin und Horodniea; Centaurea Marschalliana Spr.,
auf Gypsfelsen in Strzyleze und Babin, sehr zahlreich; Dianihus
‘) Das Dorf Babin liegt schon in der benachbarten Bukowina, 3 Klm,
weit von Probabin.
407
pseudobarbatus Bess. auf Kalktriften in Zezawa bei Horodnica; Ery-
simum exaltatum M.B. (E. canescens Slehdz., non Roth.; E. cere-
pidifolium Rehm. non Reichb.), auf Gyps- und Kalkfelsen in Pro-
babin, Babin, Strzyleze und Horodnica zahlreich; Festuca vallesiaca
Schl., auf sonnigen Gyps- und Kalktriften überall gemein; Gypso-
phila altissima L. (G. fastigiata Racib. in Spraw. Kom. fiziogr. Krak.
1886, nec alior.), auf Gypsfelsen in Probabin, Babin, Strzyleze;
Galium Wirtgenii F. Sch., auf grasigen Gypstriften in Probabin in
Gesellschaft mit Potentilla recta L., Laserpitium latifolium, Mercu-
rialis ovata, Heracleum flavescens, Veronica multifida L., Orobus
lacteus M. B., Euphorbia gracilis Bess., Centaurea azillaris W.K.,
Pulmonaria molissima ete., Hieracium pseudobifidum m. (ad interim),
auf steilen felsigen Uferabhängen des Dniester zwischen Horodnica
und Babin, zahlreich — eine höchst interessante Art, deren Dia-
gnose später folgt; — Jurinea arachnoidea Bge. (J. mollis auct.
galic.), ungemein zahlreich auf Gyps- und Kalktriften in Probabin,
Babin und Strzyleze; Lactuca saligna L. in Probabin; Phyteuma
canescens W. K., auf Gypsfelsen in Probabin, Babin und Strzyleze;
Poa pannonica Kern., auf Sandsteinfelsen am steilen Dniesterufer
zwischen Horodnica und Bahin; Poa versicolor Bess., auf Sandstein-
felsen zwischen Probabin und Horodnica; Sisymbrium junceum M. B.,
auf Gypsfelsen in Probabin und Horodnica; Spiraea spec. (affinis
S. mediae Schm. et S. pikowiensi Bess.), in Gebüschen an steilen
Uferabhängen des Dniester zwischen Zezawa und Iwanie, zahlreich
Blätter auch im Herbste gänzlich behaart); Sesleria Heufleriana
chur, an steilen Dniesterufern zwischen Horodnica und Babin, höchst
gemein; Silene chlorantha Ehrh., auf Kalktriften in Stizyleze; Vero-
nica incana L., ibidem. — 2. Mein Hieracium Ullepitschii aus dem
ungar. Tatrageb. ist entgegen der Behauptung G. Schneiders
ganz entschieden von dem südeuropäischen, mir in zahlreichen Exem-
plaren v. Janka’s vorliegenden H. rhodopeum Gris. als Art ver-
schieden, somit die Aufstellung einer neuen Species meinerseits ge-
rechtfertigt erscheint. — 3. Der Güte meines sehr geehrten Gönners
v. Janka verdanke ich auch, dass ich Ledebour’s Originalexem-
plare des Thalictrum petaloideum L. vom Altaigebirge mit dem
ostgalizischen Th. uncinatum Rehm. zu vergleichen Gelegenheit hatte,
was meine frühere, lediglich auf Vergleichung der Diagnosen basirten
Behauptung, Th. unein. sei identisch mit dem sibirischen Th. peta-
loideum L., glänzend bestätigt hat. Diese Bemerkung möge M. Ra-
eiborski zur Kenntniss nehmen, welcher Herr in der Sitzung der
Krak. phys. Comm. vom 20. März ]. J. meine das Th. unein. Rehm.
betreffende Meinung als eine durchaus unbegründete bezeich-
nete und die Auffassung Dr. Rehmann’s aufrechthielt.
Br. Blocki.
Prossnitz in Mähren, am 4. October 1887.
Am Plateau Drahan bei Protivanov fand ich: Phleum nodo-
sum, Festuca gigantea Vill., Brachypodiam pinnatum P. B., Carew
408
remota, leporina, silvatica, pallescens, Juncus filiformis, Polygonatum
vertieillatum, Gladiolus imbricatus (zweiter Standort im Brünner
Kreise), Polygonum bistorta, Alnus incana, Phyteuma spicatum, Cam-
panula persicaefolia albiflora, Hypochoeris maculata, Senecio nemo-
rensis, Serratula tinctoria, Carlina acaulis, Lycopsis arvensis, Sta-
chys silvatica, Cuscuta epilinum Whe., Circaea alpina, Actaea spi-
cata, Camelina foetida Fr., Viola palustris, Hypericum quadrangulum,
tetrapterum Fr., Rosa glauca Vill., complicata Gven., hirta H. Br.,
corüfolia Fr., dumetorum Thuill., umbellifera Sw., BRubus caesius
f. aquaticus Whe., Kaltenbachi Metsch., Anthyllis vulneraria. Aus
der Umgebung von Littau erwähne ich ZAudbeckia laciniata, Di-
psacus laciniatus, Geranium palustre, Epilobium adnatum Griseb.,
Oenothera biennis, Rosa umbellifera Sw., Rubus plicatus Whe. et
N., Potentilla supina. Neu für die Flora Mährens sind: Crepis foe-
tida L., bei der Eisenbahnstation Lult nächst Wischau, jedoch sehr
spärlich. Ich fand nur zwei Exemplare, das eine liess ich am Stand-
ort. Vicia narbonensis L., heuer gebaut bei Bedihost anstatt Vicia
faba, die von Blattläusen stark angegriffen wird. W. Spitzner.
Brünn, am 6. October 1887.
In der Umgebung von Seelowitz fand ich: Sclerochloa dura,
Stipa Joannis Uelak., Asparagus oficinalis, Euphorbia polychroma
Kern., virgata, Hieracium vulgatum Fr. f. maculatum Sm., Inula
hirta, VWincetowieum offieinale, Lithospermum offieinale, purpureo-
coeruleum, Thalictrum collinum Wallr., Anemone silvestris, Erysi-
mum repandum, Coringia orientalis Andr., Viola mirabilis, Silene
nutans, Caucalis daucoides, Prunus chamaecerasus, Tetragonolobus
siligquosus Roth. Dr. Formänek.
Laibach, am 12. October 1887.
Es wird Sie und die Leser Ihres Blattes gewiss interessiren,
dass sich zu Jdria in Krain auf Anregung des Herrn Material-
Verwalters Wilhelm Leithe ein Local-Ausschuss gebildet hat, um
zu berathen, in welcher Weise eine würdige Feier zur Erinnerung
an J. A. Scopoli (am 8. Mai 1888 wird es hundert Jahre, dass
der berühmte Gelehrte starb) zu veranstalten sei. — Bei dieser Ge-
legenheit soll auch die Euthüllung einer Gedenktafel am Wohnhause
des gefeierten Naturforschers stattfinden. Voss.
Pras, am 13. October 1887.
>)
An den zahlreichen Crataegus-Sträuchern, die sich auf dem
Abhange des Kuchelbader Berges befinden, kam keine einzige voll-
kommene Fruchttraube, höchstens hie und da ein vereinzeltes Frücht-
chen vor. Die meisten waren vollständig leer, während sie andere
Jahre von Früchten bedeckt waren. Sollte dieses Fehlschlagen der
409
Früchte vielleicht in der anhaltend kalten Witterung während der
Blüthezeit zu suchen sein? L. v. Boresch.
Cunnersdorf in Pr. Schlesien, am 6. October 1887.
Schon vor 2°/, Jahren haben die Herren v. Nägeli und A.
Peter ein Zferacium polonicum = H. cernuum Fries subsp. polo-
nicum N. P. (Vergl. Monographie der Piloselloiden p. 347) publieirt.
Im Uebrigen ist die Lemberger Pflanze, welche Herr Btocki p. 303
beschreibt, ebenfalls von genannten Autoren in derselben Monogra-
phie p. 312 bereits beschrieben und H. brevipilum N. P. (subsp. von
H. collinum N. P. Gochnat?) benannt worden mit ausdrücklicher An-
gabe des Standortes Lemberg (ausserdem aus Liefland, Ostpreussen,
Siebenbürgen, Serbien und Dalmatien angegeben). — Wenn Herrn
Blocki’s H. galiciense, wie er selbst angibt (Deutsch. bot. Monat-
schrift 1886, p. 24), identisch mit H. pratense X praealtum Rehm.
ist, so ist es auch schon einmal da gewesen, nämlich in derselben
Monographie p. 670 als H. nosalicum N. P., nach dem Berge Nosal
bei Zakopane in der Tatra so benannt; wird von den Autoren der
Grex Molendianum ihres H. arvicola — florentinum- pratense (einer
nicht hybriden Zwischenform) als subsp. zugetheilt.
G. Schneider.
Berlin, 10. October 1887.
Der rübmlichst bekannte Reisende Paul Sintenis (derzeit zu
Kupferberg in Schlesien), dessen botanische Sammlungen aus der
Dobrudscl:a, Cypern, Troas und Porto-Rico die Wissenschaft um so
viele peue Formen, die Herbarien und die Gärten um so umfang-
reiches, so vorzüglich erhaltenes Material bereichert haben, wird im
nächsten Frühjahr und Sommer im westlichen Armenien behufs
botanischer Forschungen längeren Aufenthalt nehmen. Der Pflanzen-
reichthum dieses Hochlandes ist durch die Sammlungen von Kotschy,
Huet de Pavillon, Balansa und Anderen hinreichend bekannt,
aber noch keineswegs erschöpft. Herr Sintenis hofft 5—600 Arten
einsammeln zu können, welche er den P. T. Herren Subscribenten
zum Preise von 20 Mark (10 fl. ö. W. in Gold) die Centurie über-
lassen würde. Nach Beendigung der Reise wird der Preis auf 25 Mark
(fl. 12:50 ö. W. in Gold) pro Centurie erhöht werden. Die Hälfte
der subseribirten Summe würde vor der Abreise des Herrn Sintenis,
welche Ende Jänner 1888 stattfinden wird, einzuzahlen sein, die
andere Hälfte nach dem Empfang der Sammlungen. Sämmtliche zu
sammelnden lebenden Pflanzen, Knollen, Zwiebeln etc. hat Herr
Max Leichtlin in Baden-Baden übernommen, an welchen man auch
die subscribirten Beträge einzuzahlen bittet. Die Bestimmung der
Ausbeute übernahm der hervorragende Kenner und Erforscher der
orientalischen Flora, Herr Dr. O. Stapf in Wien. A. Ascherson.
— 0 —— %
410
Personalnotizen.
— Dr. H. F. G. Graf von Strömfelt, Docent der Botanik
an der Universität Upsala ist als Amanuensis an der botanischen
Abtheilung des naturhistorischen Reichsmuseums zu Stockholm an-
gestellt worden.
— Dr. August Vogl, Professor der Pharmakologie wurde für
das laufende Studienjahr zum Rector der Universität Wien gewählt.
— Dr. Robert Caspary, Professor der Botanik und Director
des botanischen Gartens der Universität Königsberg, ist am 18. Sep-
tember, 70 Jahre alt, gestorben.
— Karl Schilberszky wurde an der Budapester staatlichen
Samencontrolstation als Assistent angestellt.
_—
Vereine, Anstalten, Unternehmungen.
— In einer Sitzung der kais. Akademie der Wissen-
schaften in Wien am 21. Juli übersandte Prof. Emerich Räthay
folgende vorläufige Mittheilung: „Die Geschlechtsverhältnisse im
Genus Vitis und ihre Bedeutung für die Ampelographie.* Es ist
längst bekannt, dass gewisse Reben polygamisch sind. Und ebenso
weiss man von der verwilderten Vitis vinifera, dass sie zweihäusig
vielehig ist und es von ihr Stöcke gibt, welche nur männliche Blü-
then und daher niemals Früchte entwickeln. Höchst interessante
Beobachtungen über die Geschlechtsverhältnisse von V. vinifera
publieirte K. Portele. Nach ihm zeigen die Pollenzellen der cul-
tivirten Sorten zwei Hauptformen. Sie sind entweder „mehr ellip-
tisch“ oder „mehr zugespitzt“. Diese beiden Formen sind an be-
stimmte Traubensorten gebunden und schon durch äusserlich erkenn-
bare Blüthenunterschiede bestimmbar. Die Ergebnisse meiner Unter-
suchungen über die Geschlechtsverhältnisse im Genus Vitis lassen
sich in folgende Sätze zusammenfassen: 1..Sowohl die verwilderten
als auch die cultivirten Individuen von V. vinifera sind mit Rück-
sicht auf die Staubgefässe entweder langmännig oder kurzmännig.
2. Die Pollenzellen aller Jangmännigen Individuen sind tonnenförmig.
3. V. vinifera ist im verwilderten Zustande androdioecisch, indem
ihre kurzmännigen Individuen hermaphroditische und fertile Blüthen,
ihre langmännigen Individuen dagegen männliche, also sterile Blü-
then erzeugen. 4. Die eultivirten Individuen sind, wenn sie einer und
derselben Sorte angehören, je nachdem die letztere Stecklinge eines
langmännigen oder kurzmännigen Sämlings darstellt, selbst entweder
sämmtlich langmännig oder kurzmännig.
— Der botanische Garten nächst dem Johannäum-Gebäude in
Graz wird im künftigen Jahre aufgelassen, dagegen ein neuer bo-
tanischer Universitätsgarten errichtet werden.
in —
411
Botanischer Tauschverein in Wien.
Sendungen sind eingelangt: Von Fräulein v. Boresch mit
Pflanzen aus Böhmen. — Von Herrn de Crespigny mit Pflanzen
aus England. — Von Herrn Wick mit Pflanzen aus Baden.
Sendungen sind abgegangen an die Herren: Felsmann,
Schmidt, Richter, Keller.
Aus Niederösterreich eingesendet von Dr. Kornhuber; Carum
Bulbocastanum.
Aus Böhmen eingesendet von Pastor: Actaea spicata, Aspidium
lobatum, Asplenium Trichomanes, Carex pendula, Cornus alba, Cystop-
teris fragilis, Homogyne alpina, Hypericum humifusum, Lamium
maculatum, Levisticum offieinale, Orchis latifolia, Trollius europaeus,
Turritis glabra, Valeriana sambueifolia.
Aus Italien eingesendet von Piccioli: Acer Opalus, Aira ca-
pillaris, Arisarum proboscideum, Aristolochia rotunda, Centaurea
nigrescens, Örepis leontodontoides, Geranium nodosum, Luzula nivea,
Nigella damascena, Orobanche gracilis, Sedum Cepaea, Sisymbrium
Zannonü, Trifolium nigrescens, Ventenata avenacea.
Aus Böhmen eingesendet von Boresch: Ailanthus glandulosa,
Cerastium brachypetalum, Colutea arborescens, Corydalis cava, Oytisus
Laburnum, Fraxinus excelsior, Juglans regia, Lycopus europaeus,
Populus nigra, Sedum rupestre, Senecio silvaticus, 8. viscosus, Tawus
baceata, Vieia sativa.
Aus England eingesendet von Crespigny: Helosciadium nodi-
forum, Oenanthe fluviatilis, Populus canescens, HRosa micrantha,
Rubus fruticosus v. Lindleyanus, R. Hystriv, R. rusticanus, R.
saltuum, Rumew maritimus, Salie wundulata, Scirpus maritimus,
Sison Amomum, Zamnichellia pedicilata.
Aus Baden eingesendet von Wick: Arctostaphylos officinalis,
Elodea canadensis, Prucastrum obtusangulum, Euphorbia Chamaesyce,
Gagea stenopetala, Heliotropium europaeum, Polycarpon tetraphyllum,
Polyenemum majus, Seutellaria minor, Trifolium scabrum.
Aus dem Isergebirge: Crocus banatieus.
Obige Arten können nach beliebiger Auswahl im Tausche
oder käuflich die Centurie zu 6 fl. (12 R.-Mark) abgegeben werden.
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412
Verlag von Arthur Felix in Leipzig.
Einleitung
in die
Paläophytologie
vom botanischen Standpunkte aus bearbeitet
H. Grafen zu Solms-Laubach
Professor an der Universität Göttingen.
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Redacteur und Herausgeber Dr. Alexander Skofitz. — Verlag von ©, Gerold’s Sohn.
©. Veberreuter'sche RBuchdruckerei (M. Salzer) in Wien.
Oesterreichische
Botanische Zeitschrift.
Die österreichische Exemplare
botanische Zeitschrift Org an die frei Surchaie Post be-
erscheint zogen werden sollen, sind
den Ersten jeden Monats. für blos bei der Redaction
Man pränumerirtauf selbe (IV. Bez., Mühlgasse Nr. 1)
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nserate in Wien,
die ganze Petitzeile N: 12 sowie alle übrigen
15 kr. öst. W. == = Buchhandlungen.
XXXVIL Jahrgang. WIEN. December 1887.
INHALT. Ueber einen abnormen Fruchtkörper von Agaricus procerus Scop. Von Dr. Wettstein.
— Ueber einige Irıs-Arten des botanischen Gartens in Wien. Von Dr. Stapf. — Rosa Herbi-
chiana. Von Blocki. — Zur Flora von Rappoltenkirchen. Von Wiedermann. — Zur Flora von
Bosnien. Von Gonrath. — Botanische Notizen. Von Kissling. — Flora von Nord-Mähren.
Von Dr. Formänek. — Excursion, Von Procopianu-Procopovici. — Flora des Etna. Von
Strobl. -— Literaturberichte. — Correspondenz. Von Blocki, Formänek, Borbäs, Born-
müller. — Personalnotizen. — Vereine, Anstalten, Unternehmungen. — Botanischer Tausch-
verein. — Inserate. — Inhalt.
Einladung zur Pränumeration
auf den XXXVLIII. Jahrgang (1888)
der
Oesterreichischen
Botanischen Zeitschrift.
(Oesterr. botan. Wochenblatt.)
Auf die „Oesterreichische botanische Zeitschrift‘, welche von dem
hohen k.k. österreichischen und dem hohen k. ungarischen
Ministerium für Cultus und Unterricht den Mittelschulen
empfohlen wurde, pränumerirt man mit 8 fl. österr. W. (16 R. Mark)
auf den ganzen Jahrgang oder mit 4 fl. österr. W. (8 R. Mark) auf
einen Semester und zwar auf Exemplare, die frei durch die Post
bezogen werden sollen, nur bei der Redaction: Wien, IV. Mühl-
gasse Nr. 1.
Alle Buchhandlungen des In- und Auslandes nehmen ebenfalls
Pränumerationen an. Die Versendung an die Buchhandlungen hat die
Verlagshandlung ©. Gerold’s Sohn in Wien übernommen.
Von den bereits erschienenen Jahrgängen können noch voll-
ständige Exemplare gegen nachfolgende Preise bezogen worden:
2. und 3. Jahrgang zu 1 fl. (2 R. Mark) — 9. bis 22. Jahrgang zu
2 fl. (AR. Mark) — 23. bis 36. Jahrgang zu 5 fl. Er Mark) —
Osstorr. botan. Zeitschrift. 12, Haft 1887,
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37. Jahrgang 8 fl. (16 R. Mark). Bei Abnahme sämmtlicher Jahrgänge
von der Redaction, 20 Procent Nachlass.
Einzelne Hefte können nur vom laufenden und letztvergange-
nen Jahrgange abgegeben werden.
Von den bisher erschienenen 35 Porträts der „Gallerie öster-
reichischer Botaniker“ können einzelne Exemplare & 50 kr. (1 R. Mark)
abgegeben werden,
Skofitz
(IV. Mülhlgasse Nr. 1).
Ueber einen abnormen Fruchtkörper von Agaricus
procerus Scop.
Von Dr. Richard v. Wettstein.
Am 14. September d. J. fand ich am Rande eines Fichten-
waldes nächst Mühlau bei Innsbruck einen abnorm ausgebildeten
Fruchtkörper von Agaricus (Lepiota) procerus Scop., der mir so
merkwürdig erscheint, dass ich ihn im Folgenden kurz beschreiben
möchte.
An dem Hute eines üppigen, ca. 23 Cm. hohen Exemplares
entsprangen, wie es die nebenstehende Abbildung ersichtlich macht,
zwischen den Lamellen an der
Unterseite des Hutes drei wei-
tere Fruchtkörper, deren Stiele
sich über den Rand des Hutes
hervorbogen und senkrecht auf-
wärts wuchsen. Alle drei acces-
sorischen Pilze waren vollkom-
men entwickelt, nur bedeutend
" kleiner und schmächtiger als der
’ primäre, ihre Höhe betrug 12,
18 und 24 Cm.; einer war noch
nicht ganz ausgebildet, der Ring
vom Hute noch nicht losgelöst.
Interessant war die Ursprungs-
stelle der Stiele, dieselbe befand
sich zwischen den Lamellen des
primären Hutes, so dass diese
durch die an Umfang zuneh-
menden Stiele erst auseinander-
r gedrängt wurden.
Bildung secundärer Fruchtkörper aus den Hüten von Hymeno-
ınyceten wurde schon mehrfach beobachtet, so bildeten bereits Schael-
fer (Fung. in Bav. et Ratisb. nase. icon. tab. CXXXIV, Fig. 2)
und Harzer (Naturg. Abbildung der Pilze Tab. 41) eine Durch-
wachsung des Hutes vou Boletus edulis durch einen jungen Pilz ab,
ne an
415
einen ähnlichen Fall stellt Krombholz (Abbildung und Beschrei-
bung essb., verd., gift. Schw. tab. 68, Fig. 13) von Russula alu-
tacea dar und Reichardt besprach in Verhandl. zool.-bot. Ges. XVII.
Band, pag. 317 dasselbe Vorkommen bei Boletus edulis.
Immer handelte es sich in diesen Fällen jedoch um die Um-
bildung der Hutoberseite in den Stiel junger Pilze, während unserem
Falle dadurch ein gewisses Interesse zukommt, dass die Hutunter-
seite dieselbe Rolle spielt.
Missbildungen von Pflanzen können von zweifacher Bedeutung
sein. Entweder sind sie dadurch von Werth, dass sie morphologische
Verhältnisse deutlich machen, die sonst nur schwer oder gar nicht
zu erkennen sind, oder sie erregen dadurch unser Interesse, dass an
ihnen gewisse Bildungsgesetze deutlicher hervortreten als an nor-
malen Exemplaren. Wenn aus einem Gewebsstücke eines Pilzes,
das sonst der Sporenerzeugung dient, eine Wucherung entsteht, die
zu einem neuen Individuum auswächst, das dem früheren in allen
Theilen vollkommen gleicht, d. h. ganz normal entwickelt ist, so
handelt es sich um ein Beispiel der letzten Art. Als ein solches
möchte ich darum auch die geschilderte Missbildung betrachten.
Für die Entscheidung der Frage, ob wir in den Fruchtkörpern
der Hymenomyceten die Ergebnisse eines sexuellen Actes vor uns
sehen oder nicht, hat eine solche Missbildung allerdings nicht den
Werth, den man ihr vielleicht zumuthen möchte, da sich einerseits
begreiflicherweise die ersten Anlagen der secundären Fruchtkörper
nicht beobachten liessen, andererseits aber ebenso Gründe sich geltend
machen lassen für die Annahme einer rein vegetativen Entwicklung,
wie für die der Entstehung von Befruchtungsorganen an einem ab-
normen Orte.
ERW PAR EA
Ueber einige Iris-Arten des botanischen Gartens
in Wien.
Von Dr. Otto Stapf.
(Fortsetzung.)
Iris Güdldenstaedtiana
und deren Verwandte.
Schon frühzeitig wurden Versuche gemacht, diese formenreiche
Gruppe zu gliedern, allein jedesmal scheiterten sie an dem proteus-
artig wechselnden Wesen derselben, und das Ergebniss war schliess-
lich die Zusammenziehung all der mannigfachen Formen in eine
Art, mitunter selbst ohne Unterscheidung von Varietäten. Es ist in-
dessen klar, dass ein solcher Vorgang etwa mit der Begründung:
N
„Variat florum modo variegatorum colore“ (Boiss. Fl. orient. V.
34
416
p. 129), keine Lösung der Frage bedeutet. Eine solche wird in end-
gilüiger Weise nur durch Beobachtungen der verschiedenen Formen
an den natürlichen Standorten, durch den Vergleich sorgfältig prä-
parirter Exemplare und kritisch geleitete Culturversuche möglich
sein. Unter solchen Verhältnissen kann und soll auch hier nicht
daran gegangen werden. Das reiche Materiale aber, welches sich im
Laufe der Zeit im hiesigen Garten angesammelt hat, fordert wenig-
stens zu einer Ordnung desselben heraus, wobei es immerhin ge-
schehen mag, dass die heute leitenden Gesichtspunkte in Zukunft
theilweise oder ganz werden aufgegeben werden müssen.
Die älteste Beschreibung einer dieser Formen stammt von
Pallas. Sie findet sich in dem Anhang zum II. Band seiner „Reise
durch verschiedene Provinzen des russischen Reiches“, p. 740 (1773),
wozu die Abbildung auf T. B. Fig. 2 des Anh. z. III. Band gehört.
Er benannte die beschriebene Pflanze 7. halophila. Erst 1781 erschien
in den Act. Petrop.t. V.p.I, pag. 292 eine von einer Tafel (VIII) be-
gleitete neue Beschreibung von Lepechin, verbunden mit einer
neuen Benennung, nämlich I. Güldenstaedtiana, so dass der Name
J. halophila vor der Lepechin’schen Bezeichnung jedenfalls die Priorität
hat, wenn man überhaupt beide zusammenziehen will. Mit der Pal-
las’schen Beschreibung und Abbildung stimmt aber die kleinblüthige,
meist auch niederere und vor Allem durch schmal lineare Griffelab-
schnitte ausgezeichnete Form überein, welche in Red. Lil. 310 als
J. stenogyna abgebildet und von De la Roche beschrieben wurde.
Hieher gehört auch die Abbildung in Bot. Mag. t. 1515 wo Gawler-
Ker die Pflanze als J. stenogyna zu Iris spuria stellt, während er
sie später in den Irid. gener. pag. 49 auch unter /. halophila Pall.
aufführt, allerdings als Form „(b) flore minore, pallidiore“. In der
Fl. Taur. Caucas. des Marschall v. Bieberstein erscheint sie als
var. d. unter I. Güldenstaedtiana. Diese Form ist seit Langem im
Wiener botanischen Garten vorhanden. Sie erscheint schon 1820 im
Samen-Katalog desselben aufgeführt. Sie weicht durch die angeführ-
ten Merkmale ziemlich auffällig von den übrigen Formen ab. Pallas
fand die Pflanze am Irtisch im südwestlichen Sibirien, Marschall
v. Bieberstein führt sie aus Iberien auf. Exemplare von Regel
aus Turkestan und solche von Gebler aus dem Altai, wie sie mir
vorliegen, gehören, soweit der Erhaltungszustand einen Schluss er-
laubt, hieher. Daran schliesst sich eine Reihe von Formen, welche
unter sich nur durch Vorwiegen der weissen oder der gelben Farbe,
durch grössere oder kleinere Perigonzipfel und mehr oblongen oder
runden Zuschnitt der Platte der äusseren Abschnitte des Perigons
von einander abweichen. Die Blüthen sind auch bei den kleinblütli-
gen Formen grösser, als bei /. halophila, und die Abschnitte des
Griffels stets in der Mitte deutlich breiter. Der Durchmesser der
löffelförmigen Spreite schwankt zwischen 15 und 25 Mm.
Im Allgemeinen sind die Blüthen sehr hellfarbig, die aufrechten
inneren Perigonabschnitte oft fast weiss. Eine Scheibe mit schwefel-
gelb blühenden Individuen war mit der Etiquette /. atomaria ver-
417
sehen, ein Naıne, über dessen Ursprung ich nichts Näheres angeben
kann. Diese Formen entsprechen offenbar dem, was Lepechin unter
seiner /. Güldenstaedtiana verstanden hat. Es ist zugleich die var.
ß. der /. Güldenstaedtiana der Fl. Taur. Caue. von Marschall v.
Bieberstein und die J. spuria ß. halophila des Bot. Mag. 1131.
Nach Marschall v. Bieberstein bewohnt diese Art vorzüglich
das südliche Russland bis an den Terek, an dessen Ufern sie Gül-
denstaedt gefunden hatte.
Diesen beiden gelben oder weisszelben Arten stehen zwei an-
dere mit violetten inneren Perigonzipfeln gegenüber, zu welchen
eine dritte Art den Uebergang bildet. Es ist diess eine Form, welche
nach Grösse und Zuschnitt der äusseren Perigonzipfel, kleinblüthigen
Individuen der /. Güldenstaedtiana sehr nahe steht, aber eher eine
noch kleinere Platte (Durchmesser 13—15 Mm.), tiefer ausgerandete
innere Perigonzipfel und relativ kurze Filamente (fil.: ca. 12 Mm.,
anth.: 15—17 Mm. gegen 14 und 17 Mm. bei /. Güldenstaedtiana)
hat. Der Nagel der äusseren Abschnitte des Perigons ist trüb oliven-
grün bis licht braunviolett geädert, während das Geäder der Platte
und der aufrechten Zipfel von einem wässerigen Lichtblau ist, welche
Farbe gegen die Enden der Abschnitte gewissermassen zerfliesst.
Die Pflanze hat verhältnissmässig breite Blätter (bis zu 20 Mm.)
und eine Höhe von kaum 40 Cm. Die ansesebenen Merkmale lassen
sie recht wohl von den übrigen Arten unterscheiden. Der botanische
Garten besitzt Exemplare, welche aus Samen gezoren wurden, die
Th. Pichler 1882 in der Nähe des Elwend sammelte und andere,
welche bereits seit längerer Zeit da sind. Eine Scheibe davon trug
auf der Etiquette den Bemerk „Caucasica*, womit wohl gesagt sein
soll, dass die Pflanze aus dem Kaukasus stammt. Diese Art ist
identisch mit der var. «. livescens der J. Güldenstaedtiana bei
Marschall v. Bieberstein a. a. O. p. 42, nur vereinigt der Ver-
fasser damit noch die /.desertorum Gawl.-Ker, welche davon zu trennen
ist. Marschall v. Bieberstein fand die /. livescens am Terek.
Demnach scheint sie Cis- und 'Transkaukasien und das nordwestliche
Persien zu bewohnen. Mit 7. livescens hat, wie erwähnt, Marschall
v. Bieberstein auch die im Bot. Mag. 1514 abgebildete und schon
im Texte zu t. 1131 genannte J. desertorum Gawl.-Ker zusammen-
gezogen. Wenn ich beide trenne, so geschieht es auf Grund des Ver-
leiches lebender Exemplare. Uebrigens fallen auch an trockenen
flanzen die Unterschiede noch genug ins Auge. J. desertorum ist
höher, hat im Verhältniss zur Länge schmälere Blätter; die Blüthen
sind merklich grösser, die Platte der äusseren Perigonzipfel ist
breiter (circa 18 Mm.) und die inneren Abschnitte sind nicht ver-
kehrt-eiförmig, sondern elliptisch, d. h. ihr grösster Durchmesser
fällt in die Mitte und nicht gegen das Ende, welches zudem kaum
ausgerandet ist. Endlich ist sie durch die schön licht blau-violette
Farbe des inneren Segmentes und des Griffels, durch die tief gold-
bis o elbe Saumlinie am Grunde der ersteren und die ebenfalls
mehr mit blauem Geäder durchsetzten äusseren Abschnitte sehr aus-
418
gezeichnet. Die Antheren, welche nur wenig länger als die Filamente
sind (18—15 Mm.) sind von grell orangegelber, von dem Blau der
Griffelabschnitte lebhaft abstechender Farbe. Die Pflanze ist mir nur
aus Gartenexemplaren bekannt. Nach Gawler-Ker kommt sie in
den sandigen Steppen des östlichen Russland vor.
Die letzte hieher gehörige Art ist endlich /. Sogdiana Bunge
Al. Lehm. Rel. p. 331. (Mem. sav. etr. t. VIL. p. 507 Po!)
Während sie Boissier in der Fl. Or. a. a. O. schlechthin als Syno-
nym zur J. Güldenstaedtiana zieht, und zwar als „forma floribus
caerulescentibus“, schlägt sie Baker in Gard. Chron. 1867 p. 583 zu
J. spuria. Maximowics führt sie dagegen a.a. O. p. 708 als Va-
rietät der J. Güldenstaedtiana an, einer ähnlichen Auffassung wie
Boissier folgend, indem er sagt: „Solo colore florum a typo
distineta*. Mir ist die Pflanze blos aus den hier cultivirten Stöcken
bekannt, denn ein ebenfalls als /. Soydiana bezeichnetes, getrocknetes
Exemplar, das mir aus der turkestanischen Ausbeute Regel's vor-
liegt, gehört kaum hieher. Charakteristisch für I. Sogdiana sind die
kleinen, bald runden, bald etwas länglichen, vorne meist ausgeran-
deten Platten (Durchmesser ca. 12 Mm.) der äusseren Perigon-
abschnitte, die schmalen oft tief ausgerandeten inneren Segmente
(ca. 9 Mm. breit, 42—44 Mm. lang; bei I. desertorum dagegen
15—16 Mm. breit und 45 Mm. lang), die schmalen Griffelabschnitte,
sowie die lebhafte an /. desertorum erinnernde Färbung. Die Pflanze
wird ungefähr so hoch wie /. desertorum. Nach Maximowies ist
das Bergland am Jli und Sarafschan im östlichen Turkestan ihre
Heimat.
Die zu der Gruppe der J. Güldenstaedtiana gehörenden Arten
wären demnach:
I. halophila Pall. — I. Güldenstaedtiana Lep. — I. livescens
M. B. — I. desertorum Gawl.-Ker. — /. Sogdiana Bunge. Ihr Gebiet
umfasst das südöstliche Russland, die Kaukasusländer, Armenien,
Iran, die gebirgigen Theile von Turkestan und das angrenzende
Land bis zum Thian-Schan und zum südlichen Altai. Innerhalb dieses
Verbreitungs-Areales scheint sie sich in reicher Weise zu gliedern.
Doch sind vorläufig dem Gesagten entsprechend, darüber nur An-
deutungen möglich.
An I. Güldenstaedtiana Lep. schliesst sich unmittelbar noch
eine Art an, 7. ochroleuca L. Mant. p. 175 (1773). Obwohl sie schon
im vorigen Jahrhunderte bekannt war und in den Gärten nicht
selten gezogen wurde, blieb ihre Heimat doch lange zweifelhaft, bis
sie von Boissier, Balansa und Anderen in Kleinasien wieder
wild aufgefunden wurde. Smyrna, Angora und Tripolis (in Syrien)
sind die einzigen bislang bekannten natürlichen Standorte. Da über
die Art selbst keine Zweifel herrschen, genügt es bezüglich derselben
auf Baker a.a. O. und Boissier a. a. O0. p. 129 zu verweisen,
Wie sich I. ochroleuca im Westen an das Gebiet der Gruppe
der I. Güldenstaedtiana anschliesst, so reiht sich an sie selbst wieder
weiter im Südwesten der kleine Verbreitungsbezirk einer nahen Ver-
419
wandten, der /. Monnieri DC., die bisher nur auf Rhodos und Creta
gefunden wurde, während im Osten eine ganz ähnliche -Parallelform
mit ebenfalls sehr beschränktem Gebiet auftritt, die /. aurea!) Lindl.
in den Thälern Kaschmirs. Bezeichnend ist, dass gerade diese an
der Peripherie des gemeinsamen (Gebietes liegenden Arten scharf
umschrieben sind, während nach der Mitte zu eine Reihe kaum zu
entwirrender Formen sich anhäuft.
(Fortsetzung folgt.)
et er ein!
Rosa Herbichiana n. sp.
Von Br. Blocki.
Diagnose: Strauch gross, mit an der Spitze nickenden,
schwachbereiften heurigen Trieben, von intensiv dunkelgrüner Farbe der
Belaubung. Hauptstamm und heurige Triebe dieht (besonders in der
unteren Hälfte) bestachelt; blühende Zweige mit sehr spärlichen
kleinen Stacheln bewehrt. Stachelun braun, sehr derb, von eiläng-
licher Basis, schwach sichelförmig gekrümmt.‘ Blattstiele dicht be-
haart, mit 4—6 weisslichen gekrümmten Stacheln bewehrt und mit
spärlichen Drüsen besetzt. Blättchen mittelgross — an den
heurigen sterilen Trieben gross (bis fast 5 Om. lang) — zu 7, nur an
den Blüthenzweigen zu 5, genähert, dieklederig, oberseits dunkel-
grün und stark glänzend, unterseits blassgrün und matt, ellip-
tisch, kurz zugespitzt, bis zur gerundeten (am Endblättchen
schwach herzförmigen) Basis gesägt, die Blättchenpaare nach
unten an Grösse allmälig abnehmend, das unterste Paar zweimal
kleiner als das erste. Die Blättchen beiderseits dicht anliegend
behaart, unterseits mit stark hervortretenden Hauptnerven.
Sägezähne gegen die Spitze der Blättchen zu an Grösse allmälig
zunehmend, die unteren sehr schief, anliegend, die oberen dreieckig-
eiförmig, kurzgespitzt, abstehend, davon einzelne mit einem
kleinen, drüsigbespitzten Zähnchen versehen. Nebenblätter
schmal, linealkeilig, unterseits und an den Rändern dicht behaart,
an den Rändern überdiess dicht drüsig gewimpert, mit theils vor-
gestreckten, theils abstehenden, allmälig zugespitzten Oehrchen.
Nebenblätter der blüthenständigen Blätter länglichlineal. Deckblätter
Jänglich, bis 8 Mm. breit und stets länger als der mittlere Frucht-
stiel, die meisten blättertragend. Blüthen einzeln, resp. zu 3—8 ge-
büschelt. Die Pedunkeln einzeln stehender Früchte sind 1 Cm. lang;
bei gebüschelt stehenden Früchten ist der Stiel der Centralfrucht
7—-8 Mm. und die Stiele der Seitenfrüchte 15—2 Cm. lang. Früchte
mittelgross (die Centralfrucht stets grösser und kürzer gestielt),
') Alle drei zuletzt genannten Arten werden im Wiener botanischen
Garten gezogen,
420
ellipsoidisch, pomeranzenroth (vor der vollkommenen Reife auf der
einen Seite stets dunkler gefärbt). Discus wulstig, ziemlich klein,
Griffelköpfchen erhaben, dicht behaart. Kelchzipfel am Rücken mit
+ zahlreichen gestielten Drüsen besetzt, an den Rändern dicht
behaart, eilanzettlich, in einen langen und schmalen, lineal-
keulenförimigen Endzipfel allmälig verschmälert (2:5 Cm. lang,
4—5 Mm. breit), die drei äusseren fiederspaltig, mit ziemlic
langen, llineallanzettlichen bis lanzettlichen, spärlich ge-
sägten Fiederchen, die Sägezähnchen der Fiederchen drüsig be-
spitzt. Kelche bis zur Fruchtreife bleibend, theils aufge-
richtet, theils wagrecht abstehend. Blumenblätter. ...
Standort: In lichten Gebüschen an steilen Uferabhängen des
Dniester und Seret in Südostgalizien eines der charakteri-
stischesten Bestandtheile der dortigen höchst interessanten Flora. Ich
habe bis jetzt diese ausgezeichnete Art an folgenden Standorten
(überall in grösserer Individuenanzahl) beobachtet: Bileze, Biyszezanka,
Dobrowlany, Horodnica (Galiz.) und Babin (Bukow.).
Anmerkungen: Rosa Herbichiana m. (non R. Herbichü
Braun) steht so eigenartig und eigenthümlich in ihrer Erscheinung
da, dass sie wohl nieht leicht mit irgend einer anderen Art ver-
wechselt werden kann. In systematischer Hinsicht zeichnet sich die-
selbe übrigens auch dadurch aus, dass sie die Sectio „Collinae*
mit der Sectio „Montanae pilosae“ und „Tomentellae“ verbindet.
Lemberg, am 1. October 1887.
—
Zur Flora von Rappoltenkirchen in Niederösterreich.
Von Leopold Wiedermann.
Herr Heinrich Braun in Wien interessirte sich für die Galium-,
Mentha- und T’hymus-Arten der Flora von Rappoltenkirchen. Dieser
gütigen Untersuchung verdanke ich die Bestimmung nachstehender
Pflanzen.
1. Galium.
Galium Mollugo L. sp. pl. ed. I., pag. 107 (1753), Walchen.
— — v. puberulum H. Braun in Oborny, Flora von Mähren II.,
p. 734 (1884), Rappoltenkirchen.
— pubescens Schrader Spieileg. Fl. Germ., pag. 16 (1794) sub
varietate G. Molluginis. — @. hirsutum Kitaibel in Reichenb.
Fl. Germ., p. 210, Nr. 1291 (1831), Sieghartskirchen.
— elatum Thuillier. Fl. de Paris IL, pag. 76 (1799), Kogel,
Walchen.
— elato X erectum (G. praticolum H. Braun), Walchen, die dem
@. erectum Huds. näher stehende Form bei Heigen.
421
Galium erectum Hudson. Fl. Anglica ed. I., pag. 56 (1762), non aut.
p. max. p. Rappoltenkirchen Friedhof, Kogel.
insubricum Gaudin. Fl. helv. I., pag. 421 (1828). Bei Kreut,
Ochsenhaut bei Sieghartskirchen.
erecto X verum (G. eminens Gr. Godr. Fl. de France II., pag. 19,
1850), Walchen.
vero x Mollugo (G. ochroleucum Wolff in Schweigger et Körte.
Fl. Erlang., pag. 36, 1811), Heigen.
elato X verum (G. ochroleueum Wolff. 1. c. p. p.), Rappolten-
kirchen.
verum L. Rappoltenkirchen, Kogel.
Wirtgenü F. W. Schultz. Archiv L, pag. 201 (1855), Weinberg
bei Rappoltenkirchen.
scabrum Jacq. Kuhberg bei Sieghartskirchen.
nitidulum Thuill. Fl. de Paris II, pag. 77 (1799), Kogel, Jo-
hannesberg.
nitidulum v. scabriusculum H. Braun in Oborny, Fl. v. Mähr.
Il., pag. 737 (1884), (G. commutatum Jord.? ex. orig. n. v.),
Rappoltenkirchen, Kogel, Johannesberg, Röhrenbach.
laeve Thuillier. Fl. de Paris, pag. 77 (1799), Walchen.
palustre var. scabrum Neilreich (v. asperum Br.), Walchen,
Weinberg bei Rappoltenkirchen.
— palustre var. elongatum Presl. Fl. Sieula I., 59 (1826) pro specie.
_—
An der „kleinen Tuln“ bei Sieghartskirchen.
Aparine L. sp. pl. ed. I., pag. 57 (1753), Walchen, Ochsen-
haut u. s. w.
infestum W. K. pl. rar. IIL, t. 202 (1809). @. Vaillantü D.C.
Fl. fr. IV., pag. 263 (1805), Getreidefelder häufig.
Oruciata Scop. Feuchte Gebüsche häufig.
rotundifolium L. Kuhberg bei Sieghartskirchen, Röhrenbach.
boreale L. a) hyssopifolium Hoffmann. Deutschlands Flora, pag.
71 (1800), pro specie, feuchte Bergwiesen häufig.
— b) intermedium Mertens et Koch in Röhling. Deutschl. Fl.
Weinberg bei Rappoltenkirchen, wurde bislang im Becken von
Wien noch nicht beobachtet.
silvaticum L. Wälder häufig.
2. Mentha.
Mentha candicans Crantz Stirp. Austriacae IV., pag. 330 (1769).
Häufig im Gebiete.
aquatica L. sp. pl. ed. I, pag. 576 (1753) v. typica (M. Vien-
nensis Opiz.). Bei Kreut.
aquatica L. var. stolonifera (Opiz), Kogel.
elata Host. Fl. Austr. II., pag. 145 (1831), M. arvensi X aqua-
tica Aut. p. p. Wassergräben zwischen ppoltenkirchen und
Kreut, eine kleine Form am Elsbach. |
montana Host. ]. e. p. 145 (1831), der M. elata Host. ähnlich,
aber von dieser durch die zum Blattstiel verschmälerte Blatt-
lamina, dichte Behaarung des Stengels, dünne dunkelgrün ge-
färbte Blätter verschieden. (Originalien im Herbare des k. k.
naturh. Hofmuseums.) An feuchten Waldstellen bei der ÖOrt-
schaft Au am Kragging, mit M. Austriaca v.Slichovensis (Opiz).
Mentha tortuosa Host. Fl. Austr. IL, pag. 142 (1831). An der „klei-
nen Tuln*“.
— calaminthaefolia Host. (herb.) Sieghartskirchen. M. melissaefolia
Host. Fl. Aust. II.; pag. 144 ist dieser Form sehr ähnlich,
unterscheidet sich aber durch die längeren Blätter, zottir be-
haarten Stengel, die langzottig behaarten Blüthenstiele und Kelclie
in auffallender Weise von M. calaminthaefolia Host. Da für
M. calaminthaefolia Host. noch kein Name existirt, so zog ich
es vor, diesen Namen vorläufig zu belassen, obwohl er nur ein
von einer Diagnose begleiteter Herbarname ist. M. calaminthae-
folia ist übrigens eine im Wiener Walde ungemein verbreitete
Mentha, insbesonders um Neuwaldegg, Hütteldorf, Purkersdorf
habe ich sie wiederholt selbst gesammelt (Braun).
— Austriaca Jacqg. Fl. Austr. V., pag. 14, t. 430 (1778), var. Sli-
chovensis (Opiz). Tannenschachen (Baumschule), Aecker bei Kreut,
feuchte Aecker bei Au am Kragging.
— arvensis L. sp. pl. ed. I., pag. 577 (1753), var. polymorpha
ne l. e. p. 152 pro specie p. p. Aecker am Kogel, Schloss-
erg.
— arvensis L. v. densiflora (Opiz). (M. polymorpha Host. p. min.
p-) Holzschlag in der Walchen.
3. Thymus.
Thymus Lövyanus Opiz. Naturalien Tausch, pag. 105 (1824). T.
arenarius Bernhardi (1831 n. s.). 7. Marschallianus Aut. p.p.
non Willd.
a) genuinus. Kogel, Johannesberg, Sieghartskirchen etc.
b) elongatus (Opiz). Ueppige Form der Auen und feuchten
Wiesen, Hohlweg bei Sieghartskirchen.
c) stenophyllus (Opiz). Ausgezeichnete Form, besonders an
trockenen Hügeln, Abhängen und Felsen. Tannenschachen,
Ochsenhaut, Kogel.
d) bracteatus (Opiz). Form des Humusbodens und üppiger
Wiesen.
«) genuinus Tannenschachen.
ß) interruptus (Opiz). Ochsenhaut.
u en Opiz. Naturalien Tausch, pag. 40 (1824), Rappolten-
irchen, Ochsenhaut.
— ovatus Miller. Diet. VII, pag. 367 et 370 (1785), var. pallens
(Opiz). T. montanus Aut. p. p. non W.K. T. subeitratus Schre-
423
ber in Schweieger et Körte. Fl. Erlang. II, p. 18 (1811). —
Bona-Höhe. Wiesen auf der hohen Warte gegen Elsbach.
Thymus ovatus Miller, v. concolor (Opiz). T. Chamaedrys Aut. p. p.
non Fries. Bona-Höhe, bei Abstetten.
— a —
Ein weiterer Beitrag zur Flora von Banjaluka, sowie
einiger Punkte im mittleren Bosnien.
Von Paul Conrath,
Assistent an der deutschen Technik zu Prag.
(Fortsetzung.)
Aster amellus L. Kurzgrasige, sonnige Abhänge am Werk VII bei B.
Buphtalmum salieifolium L. Bebuschte Hügel im Rakova6 - Thal
bei B.
Inula helenium L. Gebüsche im Rakovac-Thal.
— ensifolia L. Trockene Kalklehnen im Rakovac-Thal.
Pulicaria uliginosa Stev. Wüste Plätze in und um B. Meine
Exemplare zeigen lange, aufrecht abstehende! Aeste. Die Behaa-
rung ist entschieden nicht wollig, auch sind die Blüthenköpfe klein
und zwar mit Randblüthen höchstens 2 Cm. im Durchmesser.
(Vergl. Freyn, Nachträge zur Flora von Süd-Istrien z. b. G.
1881, pag. 23): sie stehen daher zwischen P. uliginosa Stev. und
P. dysenterica Gärtn. Vielleicht ist erstere doch besser als var.
mierocephala Boiss. zu letzterer zu stellen.
Carpesium cernuum L. In einer Gasse an der Westlisiöre von B.
1 Ex.: bebuschte Hügel am Bache bei Ivanjska.
Filago germanica L. var. canescens (Jord.) Wiesen und Aecker um B.
— minima Fr. Trockene Grasplätze bei Ivanjska.
Achillea nobilis Kerner. Felder zwischen Budjak und Dervisi bei B.
Wiesen bei Ivanjska.
— — var. ramosa m. Stengel von der Mitte an mit langen blühen-
den Seitenzweigen, welche die mittlere Doldentraube meist er-
reichen. (A. corymbifera Gmel.?) Mit voriger an den erstgenann-
ten Standorten.
Anthemis brachycentros Gay. Grasige Abhänge an der Strasse von
Jaice nach Jezero.
Pyrethrum corymbosum W. Serpentinfelsen bei Vrbanja.
Senecio Durbanackeiine Krock. (8. erraticus Bert.) Gemein in Gräben
und auf wüsten Plätzen in B.
— aquaticus Hds. Feuchte Stellen im Trapistenwalde bei B.; er-
reicht hier eine Südgrenze der Verbreitung.
— erueifolius L. Feldraine beim Trapistenkloster; zwischen Gebüsch
im Rakovaö-Thale b. B. .
424
Echinops commutatus Jur. Von mir nur am Ufer des Vrbas beson-
ders in der Nähe des Trapistenklosters bemerkt.
Cirsium arvense L. Eine interessante Form mit ganzen, am Rande
undeutlich gekerbten und mit vorwärts gerichteten gelben Dornen
versebenen, unterseits dicht und bleibend weissfilzigen Blättern;
Stengel arm- (3—6) köpfig; Köpfchen 18 Mm. lang, 12 Mm.
breit, auf langen (meist 8 Ctm.) weissfilzigen Stielen. Hüllschuppen
dornenlos. Vereinigt die Blatttorm des ©. setosum M. B. (C. ar-
vense y. integrifolium Koch) und die Behaarung des ©. argenteum
Vest. —= C. incanum Fisch. (Griseb. Spicil. pag. 254, Fiek. Fl.
v. Schlesien p. 236, Oborny, Fl. v. Mähren p. 713) Bess?
Peyer? (Cirsium arvense 6. westitum Koch €. a. y., discolor
Neilr.). Ich will diese Form als var. Fischeri bezeichnen.
Carduus candicans W. K. Serpentinfelsen bei Vrbanja.
Carlina simplee W. K. Abhänge des Werkes VII. b. B., auf Con-
gerienkalk.
— acanthifolia All. Trockene Wiesen bei Ivanjska; trockene, sonnige
Kalklehnen im Rakovac-Thal b. B.
Centaurea nigrescens Willd. (Kerner in schedae ad. flor. exs.
Austro-Hung. Nr. 227, Vukotinovic in Rad jugoslavenske akademije
LVIH. pag. 150; ©. vochinensis Bernh.) Am Ufer des Vrbas
bei der Kaserne. Die Exemplare zeichnen sich durch ihre Kahl-
heit und ganze, ganzrandige Blätter aus.
— stenolepis Kern. Häufig auf den bebuschten Hügeln westl. v. B.,
Serpentinfelsen bei Vrbanja; an beiden Orten auch die var. inca-
nescens Vuk. l. ec.; Berg Hum bei Jaice, Kalk c. 1000 M. (Die
Angabe Hofmann’s ]. c., dass €. Pseudophrygia C. A. Mey.
teste Pantoczek um B. vorkommt, dürfte auf einer Verwechslung
beruhen, da ©. stenolepis Kern bei Hofmann fehlt.
— osmana n. sp. Ganze Pflanze spinnwebig; Stengel aufrecht mit
roth überlaufenen Kanten und zahlreichen nach oben kleiner
werdenden Blättern besetzt, etwas über der Mitte langästig;
Aeste beblättert, meist einköpfig, doch auch 2—3köpfig; Köpf-
chenstiele nach oben verdickt. Blätter rauh, lanzettlich, ver-
hältnissmässig klein, alle ganz mit entfernt stehenden
kleinen Zähnchen besetzt, mittlere sitzend, obere umfas-
send, Hüllschuppen lineal, stark nervig, Anhängsel der un-
teren und mittleren dreieckig, schmal lineal, pfriem-
lich verlängert, fast so lang als ihr Nagel, kämmig ge-
franst, ziemlich stark zurückgekrümmt, nicht breiter oder
nur wenig breiter als das obere Ende des Nagels, die
der obersten eirund, ausgebissen gezähnt, über die Anhängsel der
darunter stehenden Schuppen hinausragend, Pappus fehlend.
Grasige Lehnen am rechten Ufer des Crkvina-Baches an der
Westlisiere von B.
Vielleicht ein Bastard der €. stonolepis Kern. Welche Art
dabei noch im Spiele ist kann ich nicht sicher ermitteln. ©. ni-
grescens Willd. war dort weit und breit nicht zu sehen: dagegen
425
bemerkte ich häufig C. jacea L. ß. pectinata Neilr.; vielleicht
ist sie ein Mischling mit dieser Art?
Von €. sciaphila Vuk. in Kerner schedae ad. flor. exs.
Austr.-Hung bei Nr. 227 und in Rad jugosl. akad. LVIII. pag.
150 verschieden durch die Form und Richtung der Schuppen-
anhängsel, durch die Form und Kleinheit (mittlere c. 7—8 Cm.)
der Blätter (ovali lanceolata elliptica, magna, caulina sinuato-
dentieulata bei Vuk.)
Von ©. nigrescens Willd. besonders durch die Form und
Grösse der Anhängsel der unteren und mittleren Schuppen.
Von ©. stenolepis Kern. und deren Verwandten vorzüglich
durch die kurzen Anhängsel und deren kürzere Cilien, den
fehlenden Pappus, die langen Blüthenäste.
Von ©. transalpina Schleieh. Durch die lanzettlichen Blätter
und langen schmalen Anhängsel verschieden.
Xeranthemum ceylindraceum Sm. sonnige grasige Hügel westlich v.
B.; Felder und grasige Lehnen bei Zaluzani.
Hieracium superpilosello = praealtum Felsen im Surtojlia-Thal bei
Gorni Seher 1 Ex.
— Pavichii Heufl. (H. Fussianum Schur) Serpentinfelsen bei
Vrbanja; neu für das nördliche Bosnien.
— Virga aurea Üoss (teste Freyn) Berg Hum bei Jaice, Kalk
c. 1100 M.; nach Nyman Conspect. bisher nur in Etrurien und
Ligurien, nach Arcangeli Comp. d. flor. ital. auch in der
Lombardei und Neapel.
— humile Jeq. forma (teste Freyn) wie voriges, aus den umlie-
genden Ländern bereits bekannt.
Campanula rotundifolia L. Kalkfelsen am Gipfel des Hum bei Jaice;
eine kleine ec. 10 Cm. hohe Form.
— Cervicaria L. Häufig im Walde um das Trapistenkloster b. B.
Symphyandra Hofmanni. Pant. Feuchte Felsen im Surtojlia- und
Rebrovac-Thal bei B.; auf Felsen zwischen Vacar Vakuf und
Jezero, zwischen Jaice und Jezero;, am Castellberg bei Jaice
sehr häufig; mehrfach im Bosna-Thal, so zwischen Zenica und
Vranduk, dann zwischen Han Begov und Zepec. — Eine Pflanze
feuchter, schattiger Felsen; der Originalstandort Hofmanu’s bei
Gorni Seher dürfte schon Blau bekannt gewesen sein, derselbe
führt dort (Reisen in Bosnien und der Herzegowina) S. Wanneri
Boch. an. Wahrscheinlich gehört auch der Standort Sendtner's
Ausland 1848): Kalkfelsen des Schlosses von Srebernik hierher.
erkwürdig wie diese Pflauze mit S. Wanneri Roch verwechselt
werden kounte, da sie doch in eine andere Section gehört, die
im Kaukasus ihren Sitz hat. Blüht von Mitte Juli bis Anfang
September.
(Fortsetzung folgt.)
%
he
426
Notizen zur Pflanzengeographie Nieder-Oesterreichs,
Von P. Benedict Kissling.
Alchemilla vulgaris Willd. glabra, praealpin, häufig im oberen
Waldviertel z. B. in üppigen Formen bei der Trandl-Mühle (Otten-
schlag). Bellidiastrum Michelii Cass. praealpine Insel am hohen Brand
(Kilb), freilich nur durch zwei Exemplare vertreten, daher als Pflan-
zen-Grenze nicht zu betrachten. Botrychium matricariaefolium A. Br.
1. Juni 1883 gefunden im Rundswalde (Kottes) 700 Meter. Acht
Exemplare davon dem Herrn Dr. Beck geschickt, drei Sporangien
noch nicht offen, Blätter dicklich, 2 > fiedertheilig, Fiedern erster
Ordnung abstehend, länglich stumpf, 5—7, neu für Nieder-Oester-
reich. Campanula pusilla Hänke. Hohenstein, 1184 Meter. Grenze.
Carduus defloratus L. ß. pinnatifidus Neilr. praealpin. Bergerhof
(Teting). 800 M. Grenze.
An Carices reich ist das noch wenig durchforschte Waldviertel:
Carex pulicaris L. geht wohl tief ins Waldviertel z. B. Voirans
(Kottes) immer mit ©. Davalliana Sm., doch kleiner als diese, mit
anliegenden Früchten. €. pilulifera L., 6. Juni 1882 gefunden am
grossen Holzschlag bei Voirans (Kottes); Alles davon bedeckt, aus-
gezeichnet durch kurze weibliche Aehren; scheint neu zu sein fürs
Waldviertel. ©. kömosa L. 26. Mai 1883 auf halbtorfigen Wiesen
bei Weikartschlag (Kottes) mit turfosa Fries und panicea L. Früchte
zierlich hängend, Hälmchen zart und etwas gebogen; bis jetzt die
nordwestliche Grenze. €. filiformis L. 28. Mai 1883, Sumpfwiesen
bei Voirans (Kottes), oben an ©. hörta L., unten an Juncus erinnernd,
scheint durchs ganze Viertel verbreitet zu sein. ©. turfosa Fries,
Name höchst bezeichnend, Torfwiesen bei Spillberg (Traunstein),
Kottes u. s. w. gemein, ähnlich ©. vulgaris Vries, aber schlanker,
Früchte länger gestielt und wie bei jener bald grün, bald schwarz.
©. Michelii Host geht auch in die Donauthäler hinein, z. B. bei
Spitz, Mühldorf bis Dippl (Kottes), Grenze, Früchte etwas behaart.
©. hordeistichos Vill. von Dr. Beck agnoseirt. Unternalb (Retz),
nördlichster Punkt V. U. M. B. ©. paniculata L. mit concav-con-
vexen Früchten, dürfte durchs ganze V. U. M. B. verbreitet sein, so
um Kottes sehr gewöhnlich. © verna Vill. dürfte vielleicht in zwei
Varietäten aufzulösen sein, deren eine minor auf trockenen, und die
andere, etwa major zu nennende Form auf nassen Wiesen vorkommt;
im letzten Falle oft sehr verlängerte weibliche Blüthenstiele. ©. um-
brosa Host, am Ende nur eine üppige Schattenform der longifolia
Host; kaum wesentlich unterschieden: Früchte gleich, nur Blätter
etwas länger u. s. w., d. h. die ganze umbrosa Host stärker und
grösser als Zongifolia Host. €. flacca Schreb. hat durch Insolation
purpurbraune Früchte im Freien, z. B. auf Schutthalden der Vor-
alpen, und grüne im Walde.
Carlina longifolia Reichb.: Blätter bis 14 Cm. lang und etwa
1 Cm. breit, meine Exemplare 5°6 Cm. hoch. Herr Dr. Carl Rich-
427
ter hat Recht: diese so lange ignorirte Pflanze scheint durch die
ganzen Voralpen verbreitet zu sein, wenigstens am Fuss des Hohen
Stein (1184 M.) häufig; Carthamus tinctorius L., gebaut in Planken-
stein, verwildert bei St. Gotthard. Castanea sativa (L.) Mill. ceult.
d. h. veredelt hier in Gärten, verwildert häufig in Wäldern, aber
nur auf Mergel.
Cephalanthera rubra Rich. und ©. pallens Rich. haben auch
einen grösseren Verbreitungsbezirk; gehen in die Donauthäler hinein,
von Spitz z. B. bis in die Nähe von Kottes; sonnige „Leithn“ im
Egelsgraben, auf Granit, etwa 700 Met. Grenze.
Kilb, am 6. November 1887.
—i
Beitrag zur Flora des nördlichen Mährens und des
Hochgesenkes.
Von Dr. Ed. Formänek,
k. k. Professor am böhmischen Gymnasium in Brünn,
(Fortsetzung.)
Stachys alpina L. Kriech, Kiesgraben (v. Uechtritz)!, Spitzberg,
bei den Kölllerhütten u. a. O. bei Wermsdorf, Bautsch, Wig-
stadt], Kl.-Hermsdorf, Lautsch, Hirnich bei Neudörfl, Werden-
berg, Pohorer Wald, Scheuergrund u. a. O. bei Odrau.
— silvatica L. Gr.-Ullersdorf (Oborny), Trausnitz bei Petersdorf,
Pföhlwies, Blauda, B. Märzdorf, Nikles, Altvaterwald, Rother
Berg circa 900 m. Grundwald u. a. O. bei Römerstadt, Wig-
stadtl, Lautsch, Hirnich bei Neudörfl, Werdenberg, häufig bei
Odrau, Pohor, Söhle.
Lamium maculatum L. Wigstadtl, Lautsch, häufig bei Odrau, Pohofr.
Leonurus cardiaca L. In höherer Lage bei Nikles.
Seutellaria galericulata L. Selbst noch bei Gr.-Ullersdorf und Irms-
dorf.
Prunella vulgaris L. Gemein, in höheren Lagen am Rothen Berge,
im Gr.-Kessel, Kriech, Berggeist.
Ajuga genevensis L. Geppersdorf, Kl.-Mohrau, Rother Berg, Römer-
stadt.
Plantago media 1. Schäferei.
Anagallis arvensis L. a. phoenicea Scop. D. Liebau, Potersdorf,
Rabenseifen, Gr.-Ullersdorf, Wüst-Seibersdorf, Nikles, Kl.-Mohrau,
Römerstadt, Bautsch, Wigstadtl, Odrau, Werdenberg.
Trientalis europaea L. Knoblochgraben (im vorigen Jahre hier an-
getroffen), horizontaler Weg von der Schäferei zum Franz. Jagd-
haus, Schlössel, Gr,-Hirschkamm. ;
428
Lysimachia nemorum L. Wermsdorf, Wiesenberg, Berggeist, ete.,
(Oborny); Badegrund, Rother Berg u. a. O. bei Gr.-Ullersdorf,
Winkelsdorf, Buchelsdorf, Beckengrund, D. Märzdorf, Wüst-Sei-
bersdorf, Stollenhau, Pföhlwies, Nikles, Altvaterwald, Grum-
berg, Kl.-Mohrau, Krondörfl, Hochwald bei Janowitz, Römer-
stadt, Gr.-Stoll.
— vulgaris L. Gemein, selbst noch bei Kl.-Mohrau und Römerstadt.
Vaceinium vitis idaea L. Felsen bei Nikles, Altvaterwald, Grumberg,
Kl.-Mohrau, Wermsdorf, Kleppel.
Oxycoccos palustris Pers. Kl.-Seeberg.
Ramischia secundiflora Opic. In den Wäldern von Blauda bis nach
Hansdorf (Oborny), D. Liebau, Petersdorf, Rabenseifen, Zöptau,
Wiesenberg, Buchelsdorf, gemein bei Gr.-Ullersdorf, Neudorf,
D. Märzdorf, Wüst-Seibersdorf, Ludwigsthal, Stollenhau, Geppers-
dorf, Reigersdorf, Asperndorf, Pföhlwies, Nikles, Altvaterwald,
Kleppel, Berggeist, Janowitz, häufig bei Römerstadt, Gunders-
dorf, Bautsch, Wigstadtl, Odrau,
Pirola minor L. Kirchwald bei Blauda und an vielen Orten im Ge-
senke (Oborny) Petersdorf, Rabenseifen, Zöptau, Marschendorf,
Neudorf, (Kirchberg ete.), Beckengrund, Brandwald bei D. März-
dorf, Ludwigsthal, Gr.-Ullersdorf, Geppersdorf, Reigersdorf, Pföhl-
wies, Ruine Neuhaus, Nikles, Altvaterwald, Kl.-Mohrau, Kleppel,
Berggeist, Römerstadt.
— rotundifolia L. D. Liebau, Petersdorf, Rabenseifen, Gr.-Ullersdorf,
Römerstadt, Bautsch, Odrau,
— chlorantha Sw. Gr.-Ullersdorf, Kirchberg bei Neudorf.
Monesis grandiflora Saliısb. Trausnitz bei Petersdorf, Rabenseifen,
Gr.- Ullersdorf, Ohrenberg bei Buchelsdorf, Beckengrund, D.
Märzdorf, Ludwigsthal, Reigersdorf, Pföhlwies.
Monotropa hypopitys L. Römerstadt, Bautsch.
Thalictrum aquilegifolium L. Bei der Tess in Gr.-Ullersdorf, Philipps-
thal, Wiesenberg, bei den Köhlerhütten u. a. 0. bei Wermsdorf,
Kleppel, Kl.-Mohrau, Krondörfl, Blaschke, Dämmbaude, Sau-
graben, Bärmuttergraben, Kriech, Kiesgraben, Braunseifen, Hoch-
wald bei Janowitz, Römerstadt.
Hepatica triloba Chaix. Gemein in der Gr.-Ullersdorfer und Odrauer
Gegend.
Caltha palustris L. Beim Hirschbrunnen am 20. August, bei Römer-
stadt am 4. September blühend.
Ranunculus aconitifolius L. Bärenkamm, Wermsdorf, Peterstein, Hohe
Heide ete. (Oborny) Berggeist und von da bis zum Podelsky-
bach bei Irmsdorf!
— flammula L. Von D. Liebau bis zum Beckengrund und von da bis
Blauda und Kl.-Mohrau, häufig in der Römerstädter, Wigstadtler
und Odrauer Gegend.
— acer L. Gipfel des Petersteines, der Hohen Heide, des Gr.
Hirschkamms.
429
Banunculus lanuginosus L. Petersdorf, Gr. Ullersdorf, D. Märzdorf,
Wüst-Seibersdorf, Pföhlwies, Nikles, Altvaterwald, Grumberg,
Kl. Mohrau, Wermsdorf, Janowitz, Römerstadt.
— nemorosus L. Rother Berg, Saugraben, Bärmuttergraben, Gr.
Hirschkamm, Schieferheide, Berggeist.
Trollius europaeus L. Altvater!, Petersteine!, und Öppaquellen
(Oborny); Saugraben, Bärmuttergraben.
Aquilegia vulgaris L. Hutberg, bei der Tess u. a. O. bei Gr. Ullers-
dorf, Marschendorf, Philippsthal, Buchelsdorf, Neudorf.
Aconitum Iycoctonum L. Im Kiesgraben (v. Uechtritz), im oberen
Tessthale bei Wiesenberg, bei Wermsdorf, und zwar bei den
Köhlerhütten u. a. OÖ. und sonst in den Thälern und Schluch-
ten des Hochgesenkes nicht selten (Oborny)!.
— napellus L. Saugraben, Bärmuttergraben, Kriech.
— variegatum L. Annaberg, Winkelsdorf, Wermsdorf, an der Tess
bei Gr. Ullersdorf ete. (Oborny), Kiesgraben, Kleppel, Golden-
fluss, Kl. Mohrau, Römerstadt, Irmsdorf.
Actaea spieata L. Wiesenberg ete. (Oborny), Petersdorf, Raben-
seifen, Rudelsdorf, Zöptau, Marschendorf, häufig bei Gr. Ullers-
dorf, Kirchberg bei Neudorf, Beckengrund, D. Märzdorf, Wüst-
Seibersdorf, Ludwigsthal, Reigersdorf, Pföhlwies, Kl. Mohrau,
Wermsdorf, Rother Berg, Kiesgraben, Römerstadt, Podelsky-
bach bei Irmsdorf, Odrau.
Fumaria officinalis L. Gemein, selbst noch bei Nikles, Kl. Mohrau
und Römerstadt.
Thlaspi arvense L. Bei Gr. Ullersdorf, am 17. August und bei Römer-
stadt, am 4. September blühend.
Capsella bursa pastoris Mönch. Bei der Schäferei.
Lunaria rediviva L. Abhänge des rothen Berges bei Winkelsdorf,
bei Annaberg ete. (Oborny), Janowitz, Kömerstadt, Podelsky-
bach bei Irmsdorf, Gr. Stoll.
hragma Thalianum Velak. Trausnitz bei Petersdorf, Gr. Ullers-
dorf, Kl. Mohrau, Woitzdorf, Bautsch.
Cardamine pratensis L. a. paludosa Kraf. Ob. Fl. v. M. u. ö. S.
p. 1172. Kl. Mohrau. — Im August blühend: bei Gr. Ullers-
dorf, D. Märzdorf, Grumberg, Kl. Mohrau, Dämmbaude, Peter-
steine (für letztere schon Oborny), Saugraben, Hirschbrunnen,
Janowitz.
— hirsuta L. Gr. Ullersdorf (Oborny), Spitzberg, bei den Köhler-
hütten u. a. O. im Merthathale bei Wermsdorf, Altvaterwald
zwischen Grumberg und Nikles, hier in der Form silvatica
Lamk. sp. Ob. Fl. v. M. u. ö. S. p. 1171.
Turritis glabra L. Zöptau, Marschendorf, Gr. Ullersdorf, Becken-
rm Wermsdorf, Kiesgraben, Kl. Mohrau, Bömerstadt,
autsch.
(Fortsetzung folgt.)
—e— =
Oesterr, botan. Zeitschrift, 12, Heft 1887, 35
430
Eine botanische Excursion
von Rum. St, Georg bis Nedee.
Von A. Procopianu-Procopovici.
Gerade bei Rum. St. Georg endet jene auch landschaftlich an-
muthige von Ost nach West verlaufende geologische Spalte, welche
so ziemlich die Grenze der primären und tertiären Formationen ein-
hält. Der Samoschfluss mit seinem maisbedeckten Alluvium (ca. 500 M.)
neben Ueberresten der mageren Diluvialterrasse, mannigfache zer-
streute verschiedenalterige vulcanische Massen (Rhyolith, Andesit,
Dacit) emporgestiegen, geflossen und erstarrt, eine Reihe Mineral-
quellen als Folgeerscheinung des Vulcanismus; Alle deuten uns den
Verlauf dieser Spalte an. Ausser dem Sinterkegel des Mineralbades
bei Rum. St. Georg (ca. 500 M.) wo als Seltenheiten Campanula
rotundifolia L. var. vulyaris Neilr. (ob nicht angepflanzt?), Verbascum
phlomoidi-nigrum Porcius und Molinia coerules Much. var. Hodosii
Porcius auf Wiesen und Asplenium lepidum Presl mit var. Luersseni
mihi an Sinterfelsen sich einstellen, kann die erwähnte Landschaft
im Spätsommer (Mitte August) in botanischer Hinsicht wenig mehr
bieten. Das beginnende steile Vorgebirge besteht aus lehmigen bis
schotterigen Anhöhen — nach Angaben der benützten k. k. militär-
geographischen Karten, Maassstab 1: 75.000, 280 M. und 915 M.
hoch — jungtertiären Alters. Man kann ganz wohl die Glimmer-
schiefer-, Granatschiefer- und Kalkschiefergerölle unterscheiden, ja
im Lehme sind zersetzte erbsengrosse gemeine Granaten, rumänisch
blumbi-de-peaträ benannt, durchaus keine Seltenheit, noch erkennbar.
Beim Gesammtanblicke jedoch müssen uns unwillkürlich wehmüthige
Gedanken. beschleichen, denn die einstens herrlichen -länderbenennenden
Buchenwälder (Erdely, Bukowina) sind unbedacht der blinden Habgier
und der naiven Unwissenheit geopfert worden. Jetzt erblickt man
daselbst weit und breit wilde, werthlose Gestrüppe, von spärlichen
Lichtungen unterbrochen, die mindere Weiden oder auch armselige
Aecker ergaben, hiezu kamen die Wildbäche, welche am steilen und
lockeren Gehänge tiefe Schluchten eingerissen, und unten am frucht-
baren Alluvium breitet sich nach den Gesetzen der mathematischen
Progressionen der niedere Schuttkegel mehr und mehr aus. Abseits
liegt eindrucksvoll, emporstrebend wie eine Wand die 1026 M. hohe
letzte vulcanische Bildung Mägura-Porcului. Die herbstliche gesellige
Gentiana caucasica MB. (Ledebour, Flora rossica), welche, obwohl
wenigstens in Siebenbürgen und in der Bukowina (wie ich mich
bereits überzeugt habe) häufig ist, nach Mittheilung meines Gross-
vaters, des Herrn Fl. von Poreius, der mir die Diagnosirung er-
leichterte, erst von Herrn v. Janka als solche erkannt wurde, findet
auf den Wiesen daselbst ihre herrlichste Entfaltung. Somit hätten
die Karpathen und der ferne Osten einen neuen Bürger mehr ge-
meinsam. Hoch oben bei ca. 1600 M. mit Juniperus nana W. ver-
431
gesellschaftet und tief unten am Mineralbade bei Rum. St. Georg
habe ich vereinzelt dieselbe Pflanze noch beobachten können. In-
zwischen erklärte uns unser Gepäckführer, wie die „Knopflochblume“,
Centaures maculosa Lmk., am Alluvium eingesammelt, und das des
Weges aufgefundene Trifolum arvense L. auf rumänisch hiessen
(iarba-märinplui, sorecel), und wir — nämlich ausser meiner Wenigkeit
die Herren Mittelschulprofessoren für Naturgeschichte Dr. A. Alexi
aus Nasod (Siebenbürgen) und V. Dumbrava aus Belenyes (Ungarn)
-— liessen uns gerne unterrichten.
Die am Schiefergestein aufgelagerten vorwaltenden Kalkmassen,
welche die mit 1148 M. angegebene Anhöhe bilden, haben auf mich
durchaus nicht den Eindruck eines Urgesteiues hervorgebracht. Hier
sowie auf Preluci (1257 M. falsch Vrf. Prelusiu) die Fortsetzung
derselben Formation, wechseln fruchtbare Bergwiesen mit Buchen-
wäldern ab. Merkwürdigerweise steigt durchschnittlich der Buchen-
bestand im nördlichen Siebenbürgen höher (nach den Angaben Herrn
von Porcius’ bis 1239 M.) als in der nachbarlichen Bukowina (hier
bis 1000 M.). Mit dem Fichtenwald erscheint in der nunmehr oberen
Bergregion manche merkwürdige Pflanze, so auf Kalkfelsen Campa-
nula carpatica Jaeq., auf Bergschutt Scleranthus uncinatus Schur,
oft übergangen, auf Wiesen Phleum alpinum L., Senecio subalpinus
Koch, Viola declinata W. K. und Scorzonera rosesa W. K., ruderal
Carduus Personata Jacq., ferner das von Herrn Alexi aufgefundene
und sogleich erkannte seltene Cirsium decussatum Janka. Etwas
höher schon sind Carduus alpestris W. K. (Fuss, Flora Transsil-
vaniae excursoria, 164), gesellig um die Sennhütten herum, Pedi-
cularis evaltata Bess. var. carpatica Poreius (P. sumana Spr., Stei-
ninger H., Beschreib. europ. Pedicularis) und Orobanche epithy-
moides Heuff. (Enum. plant. Banatu Temesiensi 136) auf Wiesen,
Anthemis macrantha Heuff. am Waldesrand als Seltenheiten zu ver-
zeichnen, dagegen muss das im Waldesdunkel auftretende Flieracium
transsilvanicum Heuff. durch alle bisher erwähnten Regionen als die
häufigste Pflanze dieses Standortes bezeichnet werden.
Der Muncei-Zug mit der höchsten Erhebung, Vrf. Munceilor
1622 M., besteht aus Urgestein, und zwar tritt der Glimmer- mit
dem Kalkschiefer in Wechsellagerung auf. Eine ca. 1550 M. hohe,
aus Kalkschiefer aufgebaute Spitze hatte bereits subalpines Gepräge.
Aus dem purpurn-violetten Schimmer der Gräser entdeckt man nord-
östlich exponirt Folgendes: Juniperus nana Willd., hie und da As-
pidium Lonchitis Sw., Silene nutans L. var. transsilvanica Schur
(Neilreich Ungar. Diagnosen, 25), Calamintha alpina Lmk., Sca-
biosa luida Vill., Care tristis M.B. var. Baritiana Porcius (in.
litt. „Oberste männliche Aehren 2—5, nicht bloss 1, die unterste
sehr lang gestielt“), Blätter von Primula carpatica Gr. et Sch. und
von Luzula silvatica Gaud., sich aufdrängende Blüthen der rosig
angehauchten Achilles Millefolium L. var. alpestris W. und Grab.,
der einköpfigen Dianthus superbus L., Astrantia major L. und
Hieracium alpinum L., sowie des mehrköpfigen häufigen Hierarium
3b
432
aurantiacum L. Mit dem Eintritt in die alpine Region starren in
der blauen, bloss nahe scheinenden Umgebung ringsumher wildzer-
rissene Bergriesen, von denen der Kuhorn (Ineu 2280 M.) der höchste
von den sichtbaren, uns an. Der Boden ist in der tieferen, subalpinen
Region ohne jedes Gesträuch, statt dessen sieht man fast aus-
schliesslich, gebüschelt, monoton die purpurn angelaufene Aira caespi-
tosa L. Die darüber gelegene Haide (von Preiselbeergewächsen
gebildet) gestattet, dass gegenwärtig redueirte schmale Krummholz-
streifen (Pinus Mughus Scop., Juniperus nana W. nur selten ein-
gesprengt) und üppige Alpenwiesen sich stellenweise ausbreiten. Eine
alpine Schlucht, wo rechts und links die Kalkwände der Sackgasse
emporragen und wegen dem wunderbaren Echo als Piatra-Gräitoare
(sprechender Fels) bezeichnet wird, bot uns Hypochaeris uniflora
Bluff et Fing., ‚Potentilla aures L. häufig, Pedicularis vertieillata L.
und Homogyne alpina Cass. dar. Mit Fatfa-Grajdului und Vrf. Rablei
(1907 M.) beginnt der sozusagen neue Gebirgszug, der zuerst aus Quarzit,
welcher in Glimmerschiefer (zuletzt stellenweise grosshornblendig) über-
geht, gebildet wird, um bald seine Stelle dem dunkelgefärbten, weiss-
seaderten Urkalk einzuräumen. Auf Quarzit und Glimmerschiefer
erblicken wir ausser manchen früher erwähnten Arten noch Phleum
Micheliüi All., Leontodon hastilis L. var. opimus Koch, Orepis gran-
diflora Tausch, Heracleum alpinum L. (Fuss, Fl. Transs. exe. 272),
Sawifraga Aizoon Jacq., Erigeron alpinus L., nach Angaben Herrn
von Porcius wahrscheinlich auch Saxifraga laeta Schott. Kotschy.,
die ich wegen ihres Umfanges und weil ich sie für S. Aizoon Jacq. var.
major hielt, leider nicht einsammelte, und Campanula Scheuchzeri
Vill., etwas abweichend von deren Varietät dacica Poreius (in litt.
„C. Scheuchzeri Vill. jedoch eine besondere Form, weil die Stengel-
blätter viel schmäler und länger sind, als bei der deutschen Pflanze.
Von ©. dacica mihi unterscheidet sie sich durch viel kürzere, kaum
1'/, so lang als die Krone, Kelchzipfel“). Die immer noch glimmer-
schieferige Ostwand des Nedeia-Grajdului (1856 M.) liegt mit ihrem
Grate in der letzten Pflanzenformation, des Rhododendron myrtifolium
Schott, Kotschy. (Knapp, Pfl. Galiziens u. Bukowina 245.) An
trockeneren Stellen ist Juncus triglumis L., Luzula sudetica Presl
var. nigricans Pohl., Avena versicolor Vill. und Gnaphalium supinum
L. zu beobachten, an feuchten hingegen Sawifraga aizoides L. (Fuss,
Fl. Transs. exc. 239), 8. stellaris L., Silene quadrifida L. (idem in
eadem 106), Corthusa pubens Schott, Kotschy (id. in ead. 537) und
Cerastium macrocarpum Schur (id. in ead. 120). Vrf. Laptelui (1930 M.),
die mit 1770 M. bezeichnete Alpe, Dosul-Grajdului (1754 M.), bis
Nedee oder Mireaja (1855 M.) hin und noch weiter erstreckt sich
der gewaltige malerische Kalkzug. Wir konnten eiligst Aira flewuosa
L. var. cuprina Schur, eine schwarz-purpurne Calamagrostis arun-
dinacea Rth., Anthoxanthum odoratum L., jedoch mit langer aus der
Blüthe herausragender Granne (Gr. 1'/, länger als Bthe.), und auf
einem Moore Carex canescens L., aber mit ganzem nicht ausge-
randetem Schnabel, noch einsammeln; ferner Phyteuma Vagneri A,
433
Kerner (Schedae, ad flor. exsic. Austro-Hung. 1884, 107), und
endlich an einer Quelle Epilobium alsinefolium Vill. nebst Galium
silvestre Andreae var. carpaticum Porcius (Galium sudeticum Tausch.
Magyar növenytani lapok 1884, 120).
Die launenhafte Fee, in deren Berge wir schweiften (Nedee
bedeutet gradezu Fee) hatte ihre unterhalb Vrf. Laptelui (verdeutscht
etwa Milch-Horn, sogenannt wegen dem „Bergmilch“) gelegene, mit
einem gewaltigen westlichen Portale verzierte Höhle — Pestera-
zinelor —= Feengrotte — verlassen ; sie zog in ihren Schleier gehüllt
an uns vorbei und in einem Nu ward Alles mit dichtem Höhenrauch
bedeckt. Den Pietrosul (nach Porcius 2305 M.), die höchste Erhebung
zwischen den Centralkarpathen und den transsylvanischen Alpen, in
der Marmarosch gelegen, ihn, dessen Ersteigung geplant war,
hatten wir nun wegen der Witterung nicht einmal sehen können.
Zunächst folete ein andauerndes, dabei furchtbares Ungewitter, das
später zu einem Landregen geworden, dessen Tropfen über die kalte
Nacht erstarrten, von einem heftigen Winde begleitet. Genug an
Dem, bis Nedee waren wir vorgedrungen, weiter — da ging es nicht
mehr.... versuchen wir es ein anderes Mal.
Czernowitz, am 7. October 1887.
PEN? TERERERN,
Flora des Etna.
Von Prof. P. Gabriel Strobl.
(Fortsetzung.)
1426. Lathyrus grandiflorus Sm. *Bert. Fl. it., Guss. *Syn. et
*Herb.! Aehnlich dem odoratus, aber perenn, ziemlich kahl, Stengel nur
kantig, Blättchen einpaarig, fast kreisförmig bis oval, mehr als halb
so breit, als lang (2—4 Cm.), stumpf mit Stachelspitze, freudiggrün,
beiderseits oder nur auf der Unterseite sparsam flaumig; Neben-
blätter bleich, winzig, Ranken einfach bis dreitheilig; Kelchzähne
sehr ungleich, kürzer als die glockige Röhre (sammt derselben 8 Mm.),
Krone geruchlos, mit 3—4 Cm. langer, sehr breiter, fleischrother,
dunkelgeaderter Fahne, weisslichen, an der Spitze rothen bis vio-
letten, etwas kürzeren Flügeln und um '/, kürzerem bleichblauem
Schiffehen; Hülsen linear, 6—8 Cm. lang, 7 Mm. breit, kahl, netz-
nervig; Samen kugelig, glatt, lederbraun, oft klein schwarzgefleckt,
Hilus weiss, lang. — In Hainen und an buschigen Bergabhängen
nicht selten: Aus Wäldern des Etna von Guss. erhalten (Bert. 1. c.),
in Etnawäldern bei Milo und im Valle del Bove (Cosent, in (Guss.
Syn. et Herb.!), Francavilla (Guss. Syn.), Catania (Cosent. in Herb.
Ba Armisi bei Catania, Milo, Cavaleri (Herb, Torn.!). April bis
uni, 9.
%
1427. L. membranaceus Presl del. prag. (1822), ensifolius Bad.
(1824), longifolius Ten., sylvestris *Raf. II, *Bert. Fl. it., Guss. Syn.
et Herb.!, non L., sylv. var. angustifolius Mor., var. ensifolius DC.
Prodr. II, 369, Vis., latifolius var. a, ß. W. Lge. III, 316, lat. var.
angustatus Koch? Robust, starr; Blättchen 6—15 Cm. lang, 3—9 Mm.
breit; Blüthenstiele mindestens drei-, meist vier- bis fünfblüthig;
Stengel und Blattstiele lang geflügelt, alle Flügel klein gesägt, fast
von der Breite des Stengels. Nebenblätter 6—25 Mm. lang, 2—5 Mm.
breit, halbpfeilförmig, zugespitzt; Kelchzähne breitlanzettlich, von
der Länge der Röhre; Fahne rosenroth, 2 Cm. lang, Schiffehen und
Flügel um '/, kürzer, grünlichbleich, Flügel an der Spitze röthlich;
Hülsen etwas gebogen, 9—11 Cm. lang, 1 Cm. breit, 8—16samig;
Samen stark gewunden-runzelighöckerig, Runzeln bei der Reife
ziemlich scharf von einander geschieden; Nabel kaum den dritten
Theil der Peripherie des Samens umfassend. Sylvestris unterscheidet
sich davon durch minder starren Wuchs, bedeutend breitere Flügel
des Stengels und viel schmälere Flügel der Blattstiele, nur bis
16 Mm. grosse Blüthen, nur 5—6 Cm. lange, gerade, ärmer-
samige Hülsen, fast die Hälfte der Peripherie langen Nabel. Lati-
folius L. unterscheidet sich davon durch durchaus intensiv rosen-
rothe Blüthen, nicht genau. lineale, sondern gegen die Spitze etwas
verbreiterte, gegen die Basis allmälig verschmälerte und nur bis
8 Cm. lange Hülsen, viel kürzere (5—6 Cm. lange, 1:5—2'5 Cm.
breite), breitelliptische Blättchen, bald längere, bald kürzere, aber
mindestens nochmals so breite, eiförmige Nebenblätter, meist brei-
tere Flügel der Stengel. Membr. variirt in Sieilien: «. Zatifolius m.:
Blättchen 6—15 Cm. lang, 8—10 Mm. breit, Hülsen 9—10 Cm.
lang, 8—10samig; ß. angustifolius mihi: Blättchen 6—15 Cm. lang,
3—4 Mm. breit, Hülsen über 11 Cm. lang, 12—16samig. — An
Zäunen und buschigen Abhängen Siciliens häufig, im Gebiete sel-
tener: Waldregion des Etna (Raf. II), aus Catania von Cosentini
erhalten (Bert. 1. c.), Etna, besonders bei Cavaleri (Herb. Tornab.!).
Mai—Juli. %.
1428. L. latifolius L. *Cat. Cosent., Guss. *Syn. et *Herb.!,
Tod. Fl. sie. exs. Nr. 338! An Zäunen der Tarderia am Etna (Guss.
l. e.!), in der Ebene des Simeto (Cat. Cosent.). April, Mai. %.
1429. L. pratensis L. *Cat. Cosent., Guss. Syn. et *Herb.!
Varüirt im Gebiete: «. genuinus: Kelch kahl, nur an den Rippen
etwas flaumig, Blattstiele mit Ranken endigend; ganz identisch mit
Exemplaren Mitteleuropas. ß. pubescens mihi: Blatt-, Blüthenstiele
und Kelche dicht angedrückt flaumig, Blattstiele theilweise mit kur-
zer Stachelspitze (3 Mm.) statt der Ranke. Sepium Scop. = Haller-
steinii Bmg. (Siebenbürgen, leg. Fuss, Banat, leg. Heuffel), der
sich durch rechtwinkelig abstehende Oehrchen der Nebenblätter,
welche die Blättchen an Grösse fast übertreffen, einerseitswendige
Blüthen und fast gleichlange Kelchzähne unterscheidet, fehlt in Si-
cilien. Auf Bergweiden, an buschigen Abhängen bis 3500° nicht
selten: Catania (!, Cosent. in Herb. Guss.!, Cat. Cosent.), Piano
435
della Bottara (Torn. in Herb. Guss.!), Milo, Bosco Rinazzi (Herb.
Torn.!); var. 5. sammelte ich mehrmals in der Waldregion oberhalb
Nicolosi. Mai, Juni. %.
NB. L. palustris L., von Cat. Cosent. in der Ebene des Simeto
angegeben, fehlt in Sicilien.
1430. Orobus venetus Mill. diet. (1760), serotinus Presl del.
prag., variegatus Ten. Fl. nap., Guss. *Syn. et *Herb.!, vernus “Raf.
IH, non L. Von vernus L. verschieden, weil viel dichter und kleiner
blüthig, untere Kelchzähne von der Länge der Röhre, Hülsen drüsig-
rauh (nicht kahl), Blättchen eiförmig, sehr kurz zugespitzt. — In
Hainen und Wäldern des Etna (Guss. Syn., Biv. in Guss. Herb.!),
rg (Cosentini in Guss. Herb.!), Milo (Herb. Tormab.!). Mai,
uni. W.
1431. ©. tristis Lang Guss. *Syn., nach Bert. Fl. it, —= niger
L. — In Hainen des Etna nach Bivona, aus dessen Herbare Tod.
an Gussone ein Exemplar abgab (Guss. Syn., feblt aber im Herb.
Guss.). Mai? %.
1432. O. atropurpureus Dsf. Bert. Fl. it., siculus *Raf. Car.,
*Raf. I, II, Rafinesquii Presl del. prag., Vieia sicula Guss. Syn. et
Herb.! Auf Weiden, an trockenen und bergigen Stellen bei Catania
ete. (Raf. 1. e.); vielleicht gehört hieher auch tuberosus *Cat. Cosent.
aus der Ebene des Simeto, da der echte Zub. L. in Sicilien fehlt.
März, April. ©.
NB. Phaseohıs vulgaris und Catjang werden in der unteren
Etnaregion häufig eultivirt (Philippi, Cat. Cosent.).
CXI. Fam. Caesalpiniaceae R. Br.
1433. Ceratonia Siligqua L. *Fl. med., *Bert. Fl. it., *Brunner,
Guss. Syn. et *Herb.! In Lavaströmen und auf steinigen Abhängen
wild: Aus Catania von Cosent. erhalten (Bert. l. c., Herb. Guss.!),
eingewurzelt in den Rissen der alten Etnalaven (Fl. med.), auf La-
ven nirgends bemerkt, aber südlich von Catania auf Kalk häufig
BIRD). gegen Misterbianco nicht selten, auch hie und da gegen
cicastello, sogar noch in Lavafeldern gleich unterhalb Nicolosi (!, ca.
2000°); wird auch in der ganzen Tiefregion häufig eultivirt. Septem-
ber, October. b.
1434. Cereis Siliquastrum L. *Raf. I, *Tratt. Scuderi, Guss.
Syn. et Herb.!, *Cosent. Colpo, *Torn. foss. Auf steinigen Abhängen
der Kalkberge Siciliens häufig wild, im Gebiete zwar von Cosent.
Kuaeır: Colpo) und mir niemals beobachtet, aber nach Raf. II in
er Waldregion, nach Tratt. Scud. nicht selten an den Ufern der
Giessbäche der Waldregion, nach Torn. foss. wild bei Leucatia. März,
April. ®.
(Fortsetzung folgt.)
— ie
%
436
Literaturberichte.
Haberlandt G., Ueber die Beziehungen zwischen Function und Lage
des Zellkernes bei den Pflanzen. 8°, 135 pp., mit 2 lithogr. Tafeln.
Jena 1887 (A. Fischer).
Die früher allgemein verbreitete Ansicht, der Zellkern habe,
abgesehen von der Zelltheilung, wohl keine weitere Bedeutung für
das Leben der Zelle, hat sich namentlich auf Grund der Unter-
suchungen hervorragender Zoologen als unrichtig erwiesen. Heute ist
die Mehrzahl zoologischer Forscher — Hertwig, Weismann und
Kölliker an der Spitze —- der Meinung, dass die Kerne die aus-
schliesslichen Träger der Vererbungspotenzen sind und dass durch
die Vereinigung des Eikerns mit dem Spermakern bei der Fort-
pflanzung die Eigenschaften der Eltern auf den neuen Organismus
übertragen werden. Hiermit ist aber unsere Kenntniss von der Be-
deutung des Kerns nicht erschöpft. Nussbaum und Gruber be-
traten vor einigen Jahren einen neuen, höchst originellen Weg, um
der Kernfunetion etwas näher zu kommen: sie theilten Infusorien in
je zwei Theile, in einen kernhältigen und einen kernlosen und
machten hiebei die Entdeckung, dass nur das kernhältige Stück zu
einem normal gebauten Individuum auszuwachsen vermag. In An-
betracht dieser auf zoologischem Gebiete festgestellten Thatsachen
muss es als ein zeitgemässes und erfolgversprechendes Unternehmen
des Verf. bezeichnet werden, wenn derselbe die Frage aufwirft, ob
nicht auch in der Pflanze sich Erscheinungen vorfinden mögen, die
über die Kernfunction Licht verbreiten könnten. Ausgehend von der
Erwägung, dass die Lage des Kerns, falls derselbe überhaupt gewisse
Vorgänge in der Zelle beherrscht, schon desshalb nicht gleichgiltig
sein könne, weil seine Wirkungssphäre nur eine begrenzte sein dürfte,
versucht Haberlandt an einer grossen Anzahl von Beispielen eine be-
stimmte Beziehung zwischen Lage des Kerns und dem Wachsthum
der Membran zu erweisen. Die Hauptergebnisse dieses Versuchs
fasst Verf. nach Ausschluss alles Hypothetischen in folgende drei
Punkte kurz zusammen. 1. Die Lage des Kernes in sich entwickeln-
den Pflanzenzellen ist häufig keineswegs rerellos; der Kern nimmt
vielmehr in jungen Geweben und Zellen eine je naclhı der Art der-
selben verschiedene, ganz bestimmte Lage ein. 2. Die nach den
Einzelfällen verschiedene Lage des Kernes in der Zelle lässt sich
ungezwungen unter einen gemeinschaftlichen Gesichtspunkt brin-
gen: Der Kern befindet sich meist in grösserer oder geringerer Nähe
derjenigen Stelle, an welcher das Wachsthum am lebhaftesten vor
sich geht oder am längsten andauert. Diess gilt sowohl für das Wachs-
thum der ganzen Stelle als solcher, wie auch speciell für das Dicken-
und Flächenwachsthum der Zellhaut. Ist mehr als eine Stelle im
Wachsthum bevorzugt, so nimmt der Kern eine solche centrale Lage
an, dass er von den Orten ausgiebigsten Wachsthums ungefähr gleich
437
weit entfernt ist. Zuweilen stellen Plasmastränge eine Verbindung
der Kerne mit den Wachsthumsstätten auf kürzestem Wege her.
3. In der ausgebildeten Zelle behält der Kern seine frühere Lage
nur in der kleineren Anzahl der Fälle bei. Gewöhnlich verlässt er
den in der wachsenden Zelle innegehabten Platz und zeigt dann zu-
meist eine unbestimmte, in einzelnen Fällen jedoch aufs neue eine
bestimmte Lagerung. — Die eben mitgetheilten Resultate sind an
einem so reichen, den verschiedensten Pflanzen, Organen und Ge-
weben entnommenen Beobachtungsmateriale gewonnen, dass die an-
gedeutete Correlation zwischen Kernlage und Membranwachsthum
als bewiesen gelten kann. Den speculativen Excursen des Verf. auf
dem noch so dunklen und eben desshalb zur Vorsicht mahnenden Ge-
biete der Kernfunetion dürfte der Leser allerdings nicht immer mit
innerer Ueberzeugung folgen, allein diess kann für die Beurtheilung
des vorliegenden Buches nicht massgebend sein und dürfte in An-
betracht der zahlreichen festgestellten Thatsachen seinen wahren Werth
auch kaum berühren. Die Ausstattung des Buches ist tadellos. H. M.
Hansgirg, Dr. Anton. Physiologische und algologische Studien. 4°. 187 Sei-
ten, mit 4 lithograph. Tafeln. Prag Borovy 1887.
Der Verfasser, welcher sich bekanntlich seit einer Reihe von
Jahren eingehend mit der Aufklärung der Entwicklungsreihen und
Formen polymorpher Algen beschäftigt und die phycologische Lite-
ratur wiederholt mit zum Theil sehr werthvollen Aufsätzen berei-
cherte, hat in vorliegender Arbeit die Ergebnisse seiner Untersuchungen
in übersichtlicher Weise nicht nur zusammengefasst, sondern in viel-
facher Beziehung ergänzt und bereichert und somit namentlich die
Kenntniss der morphologischen und biologischen Verhältnisse der
Oscillarien und des Polymorphismus der Algen in erschöpfender
Ausführung zur Darstellung gebracht. Der erste Theil der Arbeit,
welcher den Bewegungserscheinungen und der Organisation der Oscil-
larien gewidmet ist, bringt eine wohl vollständige historische Ueber-
sicht des darüber Bekannten, sodann eine eingehende Erläuterung
der Organisation und der allgemeinen biologischen Verhältnisse der
Öseillarien, an welche sich die ausführliche Besprechung der Bewe-
gungserscheinungen und deren Mechanik bei diesen Algen knüpft.
Den Hauptmomenten gemäss stimmt letztere nach dem Verfasser
mit derjenigen gewisser niedrigst organischer 'Thierformen überein
und geht voraussichtlich auch nach gleichen Gesetzen wie bei diesen
vor sich, da auch dem Protoplasma der Öscillarien eine gleiche Con-
tractilität, Reizbarkeit und Beweglichkeit zukommt. Die weitgehendste
Beachtung verdient der über den Polymorphismus der Algen han-
delnde zweite Theil dieser Arbeit. Nach vorausgehender geschicht-
licher Uebersicht des über dieses Thema Bekannten und unter Zu-
rer hr seiner eigenen Forschungen, folgert der Verf., dass die
meisten Schizophyceen polymorphe Algen seien, und ihre Gruppen
und ihre mehrfach aus heterogenen Algenformen zusammengesetztou
438
Gattungen vielfach in genetischem Zusammenhange stünden, unter
den Rivulariaceen und Scytonemaceen aber die höher und höchst
entwickelten Stadien derselben aufzufinden seien. Auch für zahlreiche
Chlorophyceen und wenige Rhodophyceen wird der Polymorphismus
mit einzelligen und fadenförmigen Formen nachgewiesen. Hochinter-
essant ist der überaus grosse durch des Verfassers Untersuchungen
constatirte Polymorphismus von Scytonema Hofmanni T’huret, welche
unter ihren Stigonema-, Lyngbya-, Nostoc- und einzelligen Entwick-
lungsformen 46 bisher als Arten beschriebene Algen enthält, die sich
auf 20 Gattungen der Schizophyceen vertheilen. Welche weitgehenden
Veränderungen die Systematik der Schizophyceen auf Grund solcher
Entwicklungsstudien erfahren muss, braucht wohl nicht weiter her-
vorgehoben werden, und man muss dem Verfasser besten Dank wis-
sen, nachdem derselbe an einer Reihe von Scytonema-, Calothrie-
und Hapalosiphon-Arten unter Benützung des bisher Bekannten die
Entwicklungsreihen darstellte und eine vortreffliche Zusammenstel-
lung der bisher bekannten polymorphen Algen, begleitet mit über-
sichtlichen Bemerkungen, allen Algologen in vorliegender Arbeit
hinterlegte. Der dritte Theil der algologischen Studien enthält in
sich geschlossene Aufsätze zur Systematik einiger Süsswasseralgen,
wie über die Gattungen Plectonema, Glaucothrix, Allogonium, Xeno-
coccus, Oylindrocapsa, Phyllactidium, Ulvella, Protoderma, Hormo-
spora u. a. In den blaugrünen Monaden Oryptoglena und Chroomo-
nas erblickt der Verf. eine Gruppe der Phycochromaceen, deren Re-
präsentanten alle Merkmale von Phycochromaceen-Schwärmzellen an
sich tragen. Noch auffälliger aber ist die Mittheilung des Verfassers,
dass er einen genetischen Zusammenhang zwischen Euglenen und
Öscillarien ermittelt habe, zu deren Bekräftigung der Autor leider
nur Hinweise auf viele Uebereinstimmung im Körperbau und in der
Lebensweise beider Organismen lieferte. Weiters folgen Aufsätze über
die Chromatophoren, Pyrenoide, die für Chroothece rupestris und Allo-
gonium halophilum neu beschrieben werden, Zellkerne und Grenz-
zellen der Phycochromaceen. Schliesslich pflanzengeographisch höchst
wichtige Angaben über Thermal-, thermophile und halophile Algen,
sowie über die Bergalgenflora Böhmens, endlich Beiträge zur Kennt-
niss algenartiger Bildungen der Vorkeime, die ebenfalls interessante
Mittheilungen enthalten. Wir konnten an dieser Stelle leider nur in
Kürze über den reichen Inhalt vorliegender Arbeit berichten, sind
jedoch überzeugt, dass alle Phycologen diesem verdienstvollen Werke
ihre volle Anerkennung entgegenbringen werden. Beck.
Die Rosen des Hochgesenkes. Von Dr. Ed. Formänek. Wien im Februar
1887. 42 S. in 4. (Im Selbstverlage der Autoren.)
Den Gegenstand dieser Arbeit bildet eine an Arten arme, an
kritischen Formen aber umso umfangreichere Sammlung von Rosen,
die der unermüdliche Professor Dr. Ed. Formänek in Brünn im
Monate August 1886 aus den südlichen und westlichen Abfällen und
439
Vorbergen des „Altvater“, dann aus dem ÖOdergebiete Schlesiens
mitgebracht. Referent übernahm die Bestimmung und kritische Be-
sprechung derselben, und besorgte auch die gesonderte Drucklegung
der Arbeit auf gemeinschaftliche Kosten aus dem Grunde, da eine un-
unterbrochene Veröffentlichung der Arbeit in einer Zeitschrift nichtzu ge-
wärtigen war. Nebst einigen interessanten Formen aus der Gruppe der bi-
serraten Caninae pubescentes .... sind es hauptsächlich die Rosa incana
Kitb. und R. alpina (pendulina) L., die den grössten Theil der Samm-
lung bilden, und die Ahnung des Referenten, dass in diesen interes-
santen, in mancher Beziehung an gewisse Partien des ungarischen
Erzgebirges erinnernden Localitäten Nord-Mährens sich auch in der
Vegetation Anklänge namentlich an die Schemnitzer Flora finden,
bestätigen, wenngleich noch sehr Vieles an charakteristischen en-
demischen Repräsentanten nachzuholen verblieb. Die hier sehr zahl-
reich gesammelten Rosen aus der Sect. Alpinae gehören fast aus-
schliesslich der Gruppe Glabriuseulae Crep. Prim. VI. an, und sind
in einfache, doppelte und vielfache Uebergangsformen jener Racen
zu theilen, die Koch in Synop. pag. 263 (1846) £) pyrenaica und
y) pubescens, und Kitaibel (in Addit. pag. 590 (Nr. 1204) balsamea
nannten; wir haben aus dieser Unzahl von Uebergängen nur zwei
hervorragende Formen neubenannt und beschrieben, mussten aber
auch die Zwischenglieder und Modificationen im Formenkreise der
Racen (Subspecies) und Varietäten anschaulich machen, ohne deren
hier verständnisshalber angedeuteten Rang von besonderen Variationen
zu behaupten. Führt uns ja doch gerade gegenwärtige Arbeit zu
der Ueberzeugung, dass selbst die bisherigen Subspecies und Varie-.
täten der R. alpina (pendulina) in jedem Lande neue oft überwiegende
Aenderungen erleiden! So haben z. B. fast alle Alpinae dieser Auf-
sammlung, deren Serratur allzuhäufig eine ärmlichere bis einfache
ist, oblonge Scheinfrüchte und schwache, oft äusserst dünne, aber
niemals bloss über die Nerven, sondern die ganze Blattfläche ver-
breitete Behaarung. Ebenso verhält es sich mit der Hispidität der
Receptakel und Sepalen, die wohl nur verschiedene Grade der Dichte,
niemals aber ein derart constantes Zurücktreten auf die Basis der Schein-
frucht oder auf den Pedunculus allein erblicken lässt, dass solches, aus
allen Variationen zusammengenommen, zu bloss einer einzigen, d. i.
der Race pubescens Koch führen würde. Während sich so die Com-
binationen der Formen bis in das Vielfache immer innerhalb der
Dichtigkeitsgrenze der f. pubescens Koch verlieren, ist es von beson-
derem Interesse zu sehen, dass dieselben doch nicht zur vollendeten
typica der balsamea Kitb. gelangen, wohl aber in einer intermediären
weit verbreiteten Form sich präsentiren, die wir var, subealva be-
nannten. Referent weist dann an der Hand der Original-Deseription
Kitaibel’s in Addit. (edidit A. Kanitz) p. 590, 1863 (die mass-
ebender als irgend ein Original-Exemplar der Pflanze ist) nach,
a Kitaibel seiner R. balsamea ]. e. drüsige Sepala zugeschrieben,
daher Borbäs’ „halsamea calyce glabro* der Original-Deseription
widersprechend ist, seine „adenosepala receptaculo fructifero typi (id
440
est ovoideo Borb.) haud globoso“ nicht zur adenophora, sondern zuf
balsamea Kitb. gehören muss, dort aber, da der Typus selbst kelch-
drüsig ist, den Namen „adenosepala Borb.“ nicht behalten, sondern
gleich der identischen, aber bei Borbäs unerwähnten R. balsamica
Willd. (die vom Referenten erläutert wird) nur eine R. balsamea
subdecalvata aut ditrichoneura sein kann, daher beide pro parte maj.
nur — f. subcalva (mobis) sein können, welch letzte zufolge der
Flächenbehaarung, die für die Alpinae Osteuropas eine auffallendere
Scheidegrenze als die Fruchtform abgibt, viel richtiger R. balsamea
var. subcalva, als R. pendulina f. subcalva zu nennen ist. Hingegen
wird die zweite beschriebene und f. longilagenaria benannte, com-
plieirte Form zur pendulina L. gestellt, da sie bei einer fast einfachen
Serratur und äusserst dünner Flächenbehaarung drüsenlose Sepala
und Nerven, nicht flächendrüsige Stipulen, auffallende, dreimal so
lange, ärmlich mit Drüsen besetzte Scheinfrüchte ete. hat. Von den
äussersten Uebergangsstufen der subcalva (nob.) zur balsamea Kitb.
will nur der var. Seidlii Opiz erwähnt werden (Syn. = R. Seidliü
Op. et Seidel), die nach der Original-Diagnose in Seidl’s Werke
v. J. 1825 ungefähr für die f. stenodonta Borbäs’ nach der Priorität
in Geltung treten, und hier seit Seidel’s Zeiten wohl zum ersten
Male wieder genannt und gedeutet worden sein dürfte. All das, sowie
eine Correctur der bisher irrigen Deutung der R. lagenaria Vill.
für all unsere Rosenfreunde ist in der besten Absicht längst ent-
behrter aber erwünschter Vervollständigung geschrieben! Der zweite
Beleg zu der obangedeuteten Verwandtschaft mit der oberungarischen
Rosenflora ist das auffallend reichliche Auftreten der Rosa incana
Kitaibel’s, die für Mähren zuerst vom Referenten in der österr. bot.
Zeitschr. 1886, p. 196 nachgewiesen worden ist. Aber nicht bloss die
Richtigkeit der letztgedachten vereinzelten Angabe des Referenten,
sondern auch dessen Anschauung über die Art und Weise der Unter-
scheidung zwischen der R. incana und intermedia Kitaibel’s fanden
in dieser Sammlung ihre vollkommenste Bestätigung, indem fast
alle dieser Exemplare die schmalen, feinen, fast ungetheilten, ganz
(meist connivent) aufgerichteten Sepala (bei kurzen Pedunkeln und
der charakteristischen Farbe etc. der Laubtheile) der echten incana
Kitb. hatten, während die echte intermedia Kitaibel’s fast gar nicht,
nur in einer biserraten Variation vertreten war. Als interessante
neue Formen resp. Varietäten sind sodann AR. sphaerica Gren. var.
Bautschensis, R. dumetorum f. Hutbergensis benannt und beschrieben,
R. oblongata Opiz, R. tomentella Opiz und R. Hillebrandtii Weitenw.
nach Originalen erläutert und zum Schluss R. cuspidatoides Crep.
«) elatior Scheutz, die neuerdings wieder in dem XXIV. Band, 2. Heft,
pag. 935, Zeile 17 v. o. der Verhandl. des naturf. Vereins in Brünn
eine dritte Art der Confundirung mit der R. Seringeana (D.M. var.)
erlitt und £) minor Scheutz (mit den Syn. resp. Var. silesiaca Gdr.,
und tomentella Opiz) — die beiden Repräsentanten aus der Sect.
„Eutomentosae Glandulosae“ in dieser Sammlung — kritisch be-
sprochen. J. B. Keller.
441
Dietz, Dr. Sandor. Ueber die Entwicklung der Blüthe und Frucht von
Sparganium Tourn, und 7Typha Tourn. Mit 3 Tafeln. Bibliotheca
Botanica (Heft Nr. 5), Cassel 1887.
Die durch eine vorläufige Mittheilung im Botan. Centralblatte
(1886, Nr. 40 und 41) angekündigte und von der Ung. naturwissen-
schaftlichen Gesellschaft mit dem Bugät-Preis gekrönte Preisschrift
wurde in den näher interessirten Kreisen mit besonderer Spannung
erwartet. Rohrbach hatte nämlich betreffend T’ypha principiell wich-
tige und vielfach bekämpfte Ansichten ausgesprochen; andererseits
waren bisher die Stimmen der Autoren über die verwandtschaft-
lichen Beziehungen von Typha und Sparganium so uneinig wie
nur möglich — nach beiden Richtungen liess sich nur durch eine
ausführliche entwicklungsgeschichtliche Bearbeitung die letzte Ent-
scheidung herbeiführen. Dietz löst nun seine Aufgabe in so vor-
züglicher und durchaus befriedigender Weise, dass ihm das Verdienst,
über die Genera Typha und Sparganium Klarheit gebracht und die
obschwebenden Fragen beantwortet zu haben, von Jedem, der seine
Schrift dem Studium unterzieht, wird beigemessen werden. Da auf
die Details in diesem Referate nicht eingegangen werden kann,
mögen nur die wesentlichsten entwicklungsgeschichtlichen Unter-
schiede hervorgehoben werden, welche Dietz zwischen T'ypha und
Sparganium feststellte.
Typha: Sparganium:
Die Blüthen treten an primären Die Blüthen treten an secundä-
und secundären Achsen auf. ren und tertiären Achsen auf.
Die Blüthen haben kein Perigon. Die Blüthen haben ein wohlaus-
gebildetes Perigon.
Die © Blüthe hat ein Carpell. Die © Blüthen haben zwei Car-
pelle.
Frucht: nussartige Caryopse. Frucht: trockene Steinkernfrucht.
Daraus ergibt sich der für die Systematik wichtige Schlusssatz:
dass die beiden Gattungen gemeinsamen Eigenschaften zwar die Ein-
reihung derselben in eine Familie hinlänglich begründen, allein die
nicht eben unerheblichen Abweichungen es angezeigt erscheinen las-
sen; sie wenigstens in zwei verschiedene Unterfamilien zu setzen,
von welchen Sparganium den Pandaneen und Typha den Aroideen
näher stünde. Dr. Kronfeld.
Dr. Jos. Pan£iö, Der Kirschlorbeer im Sidosten von Serbien. Belgrad
1887. Königl. serb. Staatsbuchdruckerei.
In dem nur acht Octavseiten umfassenden Heftchen macht der
Verfasser interessante Mittheilungen über das Auffinden des Prunus
Laurocerasus im Frühjahre 1856 an der westlichen Lehne des M.
Östrozub in den Vlasinaerbergen, wo er in einer Höhe von 800 M.
in einer beiläufigen Ausdehnung von 100.000 Quad.-M. in ziemlich
dichtem Schluss das Unterholz des dortigen Buchenwaldes bildet.
442
Nach den Ausführungen des Dr. P.’s scheint der dort unter dem
Namen Zelenite bekannte Kirschlorbeer die Grenze seines natür-
lichen Verbreitungsbezirkes erreicht zu haben. Den Schluss bildet
eine allgemeine floristische Betrachtung des Gebirges, dem der M.
Östrozub angehört. J.
Schomburgk R. Dr. Report on the Progress and Condition of the
Botanie Garden of Adelaide during tlıe year 1886.
In der vorliegenden Brochure berichtet der Obgenannte, seit
1865 Director des botanischen Gartens zu Adelaide, eingehend über
die Fortschritte und den Stand dieses Institutes im Jahre 1886.
Von allgemeinem Interesse ist die Aufzählung und theilweise auch
nähere Besprechung der unternommenen Acclimatisations-Versuche
mit verschiedenen Nutzgewächsen, wobei — ungeachtet des ungün-
stigen Einflusses ungewöhnlicher Trockenheit — dennoch ganz be-
friedigende Resultate erzielt wurden. Besonders hervorzuheben sind:
Das Insecten verscheuchende Pyrethrum roseum et carneum; die zur
Käsebereitung verwendbare Withania coagulans Dunn.; der japane-
sische Klee Lespedeza stricta K. A.; der sogen. Feuerprobe-Baum
Rhopala spec., dessen Holz unverbrennlich sein soll; mehrere Grä-
ser, als: Eragrostis abyssinica L.; Andropogon Calamus aromaticus
Royle und andere wohlbekannte europäische Arten: Melica ciliata,
‚Panicum sanguinale und P. Crus galli, die alle dortlands als ergie-
biges Futiermateriale sehr beliebt sind. Unter den neuen Acquisi-
tionen von Zierpflanzen wird vorzugsweise Armsonia punicca wegen
ihrer hohen Schönheit gerühmt. — Nachdem auch der Präparaten-
Sammlungen, der Bibliothek und des wissenschaftlichen Verkehrs des
Institutes mit zahlreichen Schwesteranstalten ausführlich erwähnt,
folgt zur Weihe des im Jahre 1886 gefeierten 50jährigen Jubiläums
des Bestandes der dortigen Provinz eine historische Skizze über die
Entstehung und das rasche Emporblühen des botanischen Gartens.
Derselbe wurde von Dr. Schomburgk’s Vorgänger G. W. Francis
im Jahre 1855 gegründet und dureh zehn Jahre geleitet.
M. Prihoda.
—t
Correspondenz.
Lemberg, am 2. November 1887.
Neu für die Flora Galiziens ist die boreale Salix bicolor Ehrh.,
welche Dr. Rehmann vor einigen Jahren in Markopol (ZXoczower
Bezirk) entdeckt hat. — In Siedliska bei Rawa-ruska fand ich heuer
Salix cinerea X aurita und in Majdan bei Sieniawa S. aurito x re-
ens. — Von dem südosteuropäischen Zleracium auriculoides Läng
entdeckte Prof. Tyniecki heuer einen zweiten galizischen Standort,
nämlich in Bileze (bei Borszezöw), wo es auf grasigen Gypstriften
443
wächst. — Das ausgezeichnete Hieracium roxolanieum Rehm. (Oest.
Bot. Ztschr. 1872) kommt nicht nur bei Mikuliezyn (Kolomyjaer Kar-
paten), sondern auch in den Stryjer Karpaten vor, ich fand es näm-
lich in beträchtlicher Anzahl in Butywla bei Skole (auf Waldwiesen).
— Die südosteuropäische Centaurea stenolepis A. Kern. reicht in Ga-
lizien gegen den Westen zu nur bis zum Strypafluss und gegen den
Norden zu bis in die Umgegend von Pieniaki (südlich von Brody);
weiter westwärts, respective nordwärts wird ©. stenolepis durch die
systematisch nächstverwandte nordeuropäische ©. austriaca Willd.
ersetzt. Ganz analog verhalten sich in Ostgalizien hinsichtlich ihrer
geographischen Verbreitung Dianthus pseudobarbatus Bess. (D. mem-
branaceus Borb.) und D. Carthusianorum L. Endlich möge hier er-
wähnt werden, dass Potentilla pallida Lehm. von Herrn A. Callier
in Schweidnitz (Preussisch-Schlesien) entdeckt wurde.
Br. Bto.cki.
Brünn, am 6. November 1887.
In der Hercegovina fand ich eine Scutellaria, die ich nirgends
beschrieben fand, daher ich eine kurze Beschreibung derselben zur
vorläufigen Kenntniss bringe. Scutellaria hercegovinica mihi: Stengel
16—20 Cm. lang, steif aufrecht oder aufsteigend, vom Grunde an
ästig, röhrig, kantig, flaumig. Blätter derb, oberseits behaart, unter-
seits weissfilzig, gestielt, einfach gefiedert, mit linealen am Rande
zurückgerollten Zipfeln. Deckblätter rundlich-eiförmig, spitz, behaart.
Keleh zweilappig, Lappen breit-eiförmig, sehr kurz, abgerundet, an
dem unteren Lappen ein haubenförmiges Oehrchen. Blumenkrone
über 2 Cm. lang, behaart, Oberlippe sichelförmig gebogen, schwach
ausgerandet, mit stumpfen, fast abgestutzten Lappen. Zähne drei-
eckig, stumpf, breiter als lang. Blüthen gelb. Antheren bebartet.
Wurzel schwach verzweigt, mit fadenförmigen Wurzelfasern.
Dr. Formänek.
Budapest, 9. November 1887.
Am 2. October war noch im Auwinkel Achilles distans W. et
Kit. (A. pseudotanacetifolia Wierzb.) und Calamintha Acinos — am
6. October Reseda inodora, Tribulus orientalis, Convolvulus canta-
brieus, Medicago varia, Podanthum canescens, Silene longiflora, —
9, October Linum austriacum, FEuphrasia lutew, Vinca herbacea,
Delphinium Consolida var. albiflorum und adenopodum (Borb. 1881),
Potentilla arenaria, Helianthemum hirsutum, Xeranthemum annuum
(neue Triebe), Dianthus prolifer, Silene dichotoma, S. longiflora, Ve-
ronica Chamaedrys, sowie auf Ofner Aeckern Oentaurea Adami Willd.
in schönster Blüthe. — Chara erinita ist unweit von dem Palatinal-
arten in Ofen genug häufig. — Die Sandnelke des Temeser Comi-
Eites kaun man ferner Dianthus sabuletorwm Heuff. (1858) nicht
heissen, denn es gibt schon einen älteren D. sabuletorum Willk,
444
(1852). — Da aber mein D. giganteiformis 1875 eigentlich eine
Riesenform des D. sabuletorum Heuff. ist, so werden wir den letz-
teren jetzt D. giganteiformis Borb. nennen. — Nach den Merkmalen,
wodurch v. Wettstein die Mwyosotis suaveolens Kit. und M. al-
pestris Schm. trennte, ist die M. „alpestris* in der Crepatura des
Kirälykö in Siebenbürgen M. swaveolens Kit.; sie kommt auch in
Serbien (Monte Maljen Vokjevo, leg. S. Pavlovit) vor. — Arena-
ria leptoclados fand ich bei Brass6 in einer Schlucht, wo man zu dem
Ehezökö (Hangenstein) geht. Sie kommt dort mit Fumaria prehen-
silis auf bebautem Boden vor. — Da diese letztere Pflanze von da,
wie ich aus der mir zu Gebote stehenden Literatur sehe, Niemand
erwähnt, so konnte auch A. leptoclados hier unbekannt bleiben. An
diesem Wege kommt auch Ballota urtieifolia Ortm. und Potentilla
leiotricha m. vor. — .Ballota foetida Lam. sah ich von Wien (Wies-
baur exsicc.); sie stimmt mit der Syrmier und Belgrader Pflanze
ganz überein; die Litoralformen sind aber mehr und weicher be-
haart. — Bei Belgrad kommt sie mit Malva silvestris var. tricho-
carpa Boiss. vor, diese wächst auch im Kammerwalde bei Ofen. —
Abutilon Avicennae sah ich im Jahre 1864 bei Grosswardein, Sicyos
angulatus aber in demselben Jahre bei Mezö Telekd. — Mentha
reversa Roch. (cfr. Oe. B. Z. 1883, p. 120) ist sicher eine „Tricho-
mentha“ corollis intus pilosis und ist von M. sativa Koch kaum
verschieden; so haben damit meine M. Haynaldiana, M. bihariensis
und M. frondosa lauter Leiomenthen, corollis intus glabris gar
nichts zu thun; sie gehören zu „Gentiles“. Meine M. viridescens
in Beresm. Fl. p. 74, 1881 glaubte ich umändern zu müssen, weil
in „Menthae novae“ Gandoger’s auch eine M. viridescens erwähnt
wird. Indess erschien in „1881“ nur das Titelblatt dieser „Menthae
novae“, aber pag. 55 (Separatabdruck) steht ausdrücklich 1882, wie
es auch nach dem Ref. des Botan. Centralblattes sicher ist. — Ce-
rastium decalvans Schl. et Vuk. ist bisher nur von dem Klekkberge
bei Ogulin bekannt und durch die Pubescentia floccosa herba deni-
que virescenti, dichasio expanso, cum pedunculis elongatis glanduloso
ete. von ©. tomentosum L. sicher verschieden. Ebenso ist es unzweifel-
haft, dass es bei Carlopago nicht wächst (cfr. Oest. Bot. Ztg. 1887,
p- 341), denn hier ist für die Vegetation kein Boden, Steine liegen
hoch auf Steine, und die Gegend ist für diese subalpine Pflanze an
dem Meere zu niedrig. Eher könnte man es bei Ostaria, oberhalb
Carlopago suchen, aber neuerdings wurde es dort von Niemandem
gefunden. Hier wächst nur ©. grandiflorum und wurde wahrschein-
lich mit ©. tomentosum in Herbarien gemengt. Borbäs.
Belgrad, am 20. October 1887.
Ist für die Flora des Banat Chrysanthemum tenuifolium Kit.
(— Chrys. trichophyllum und das dalmatinische Chamaemelum uni-
glandulosum Vis.) schon bekannt? Ich traf es in einigen prächtigen,
meterhohen Exemplaren im Juni dieses Jahres auf der Spitze des
445
Berges Allieon bei Orsova an, wo es an der westlichen Bergseite
auf grasigen Waldplätzen, doch unweit von Getreidefeldern zu finden
ist. Es mag daher mit Getreide eingeschleppt worden sein — denn
diese Localität ist von Heuffel vielmals besucht und wird von
durchreisenden Botanikern selten vernachlässigt, — doch wäre diese
Acker- und Schuttpflanze längst zu erwarten gewesen, da sie in
Syrmien und Serbien geradezu gemein ist und noch dazu im ande-
ren Grenzgebiete in Transsylvanien — (inter segetes et in pomariis
prope pagum Szent Gotthard frequentissimum — Janka) — auch
nicht fehlt. J. Bornmüller.
————
Personalnotizen.
— Dr. Franz Schütt hat sich an der Universität Kiel für
Botanik habilitirt.
— Dr. J. H. Schultes, Assistent am kgl. botan. Hofmuseum
in München, ist am 7. September gestorben.
— Dr. @. Klebs, Privatdocent an der Universität Tübingen,
ist als ord. Professor der Botanik an die Universität zu Basel be-
rufen worden.
— Dr. K. Prantl hat die durch den Tod @. Winter’s ver-
waiste Redaction der „Hedwigia“ übernommen.
— Dr. H. Graf zu Solms-Laubach ist zum Professor der
Botanik und Director des botan. Gartens an der Universität Berlin
ernannt worden.
— Dr. F. Noll hat sich an der Universität Würzburg für Bo-
tanik habilitirt.
— Dr. C. W. Hjalmar Mosen in Stockholm ist am 27. Sep-
tember gestorben.
Vereine, Anstalten, Unternehmungen.
— In einer Sitzung der kais. Akademie der Wissen-
schaften in Wien am 13. October übersandte Regierungsrath Prof.
Dr. Constantin Freiherr v. Ettingshausen in (Graz eine Mitthei-
lung: „Ueber das Vorkommen einer Cycadee in der fossilen Flora
von Leoben in Steiermark.“ In der reichhaltigen Sammlung fossiler
Pflanzen, welche Docent Adolf Hofmann aus den pflanzenführenden
Schichten der Braunkohlenformation von Leoben zu Tage gefördert
hat und die er dem Verfasser zur Untersuchung übersandte, fand
sich ein Pflanzenrest, welcher nach seinen charakteristischen Merk-
malen nur den Cycadeen zugewiesen werden kann. Derselbe stimmt
mit Arten von Ceratozamia, einer mexicanischen Gattung, am mei-
sten überein. Da Cycadeenreste im Tertiär äusserst selten sind und
Ossterr. botan. Zeitschrift. 12. Heft 1887. 36
446
daselbst fast nur auf das Eocän beschränkt zu sein schienen, so ist
das Vorkommen eines solchen Restes in der dem Miocän angehöri-
gen fossilen Flora von Leoben hochinteressant, wesshalb der Ver-
fasser, eben mit der Bearbeitung dieser Flora beschäftigt, dasselbe
einer vorläufigen Mittheilung werth erachtete. Dr. Hans Molisch,
Privatdocent an der Wiener Universität, überreichte eine im pflanzen-
physiologischen Institute ausgeführte Arbeit: „Ueber Wurzelausschei-
dungen und deren Einwirkung auf organische Substanzen.“ Die wich-
tigsten Resultate derselben sind: 1. Das Wurzelsecret wirkt reduci-
rend und oxydirend. 2. Das Wurzelsecret bläut Guajak. Diejenigen
Substanzen, welchen das Bläuungsvermögen zukommt, verhalten sich
in vielen Punkten genau so wie die autoxydablen Körper der Pflan-
zenzelle und sind vielleicht mit diesen identisch. Auch das Wurzel-
secret kann als ein Autoxydator betrachtet werden, der durch pas-
siven molecularen Sauerstoff oxydirt wird, hiebei Sauerstoff activirt
und damit die Verbrennung leicht oxydabler Körper veranlasst.
8. Das Wurzelsecret oxydirt verschiedene organische Substanzen,
z. B. Guajakonsäure, Gerbstoffe und — was von besonderer Wichtig-
keit ist — auch Humussubstanzen. Mithin muss durch die Wurzel-
ausscheidungen die Verwesung der organischen Substanz des Bodens
in hohem Grade begünstigt werden. 4. Elfenbeinplatten werden nach
längerer Zeit von Wurzeln corrodirt. 5. Das Wurzelsecret führt
Rohrzucker in reducirenden Zucker über und wirkt schwach diasta-
tisch. (Keimlinge, Neottia nidus avis.) 6. Das Secret durchtränkt
nicht bloss die Membranen der Epidermiszellen, beziehungsweise der
Wurzelhaare, sondern tritt über dieselben oft sogar in Form von
deutlichen Tröpfchen hervor.
— ee
Botanischer Tauschverein in Wien.
Sendungen sind eingelangt: Von Herrn Behrendsen mit Pflan-
zen aus Deutschland. — Von Hrn. Schierl mit Pflanzen aus Mäh-
ren. — Von Fräulein v. Boresch mit Pflanzen aus Böhmen. —
Von Herım Kissling mit Pflanzen aus Niederösterreich. — Von
Herın Jetter mit Pflanzen aus Dalmatien. — Von Herm Preiss-
mann mit Pflanzen aus Steiermark. — Von Herrn Prof. Kravogl
mit Pflanzen aus Tirol.
Sendungen sind abgegangen an die Herren: Donner, Piccioli,
Kochmeister.
Vorräthig: (B.) —= Böhmen, (Bd.) = Baden, (Br.) = Berlin,
(Cr.) — Croatien, (F.) — Frankreich, (G.) = Galizien, (M.) = Mäh-
ren, (NOe.) — Niederösterreich, (00e.) = Oberösterreich, (P.) =
Polen, (Rp.) = Rheinpreussen, (8.) — Salzburg, (Sl.) = Schlesien,
(St.) = Steiermark, (Sw.) — Schweden, (T.) = Tirol, (U.) = Un-
garn, (W.) = Westfalen.
447
Poterium Sanguisorba (NOe., OOe.), Primula acaulis (NOe.,
O00e.), Auricula (OOe., T.), elatior (NOe.), farinosa (NOe., OOe.),
glutinosa (T.), longiflora (Siebenbürgen), minima (8., U.), offieinalis
(SL), Tommasinit (Cr.), variabilis (O0e.), Prunella grandiflora (S1.,
U.), vulgaris (Rp., Sl), Prunus Cerasus (NOe.), COhamaecerasus
(NOe.), Padus (B., St., W.), spinosa (NOe.), Psilurus aristata (U.),
Pulicaria vulgaris (M., P., St.), Pulmonaria mollissima (G., U.),
obscura (S1.), oficinalis (O0e.), Pyrethrum niveum (Dresden), Pur-
thenium (Sw.), Pyrola chlorantha (Bd.), minor (Rp.), rotundifolia
(Rp.), secunda (P., Sl., St., T.), @xercus Ilex (Italien), pedunculata
(B., U.), pubescens (NOe., St.), Radiola linoides (B., Sw., W.), Ra-
nunceulus aconitifolius (B., OOe., Sl.), acer (P., S1.), alpestris (NOe.),
anemonoides (OOe.), aquatilis (M., Sl.), arvensis (OOe., Rp.), bulbosus
(Cr., F.), divaricatus (Br., W.), Flammula (M., NOe.), gracilis
(Schweiz), hederaceus (Rp.), illyrieus (NOe.), lanuginosus (B.), lateri-
florus (U.), Lingua (S., W.), montanus (OOe., 8.), nemorosus (P.),
paueistamineus (Br., NOe., St.), pedatus (U.), peltatus (England),
platanifolius (NOe.), polyanthemos (S1.), reptans (S., Hannover), sar-
dous (P., Rp.), Stevenü (G.), Raphanus Badioala (S1.), Rapistrum
perenne (NOe.), Reseda inodora (U.), lutea (B., M.), Zuteola (W.),
Phyteuma (NOe.), Rhamnus cathartica (NOe.), Frangula (Sl., St.),
saxatilis (U.), Rhinanthus alpinus (Sl., St.), angustifolius (P.), här-
sutus (O0e., major (Sl., U.), minor (Sl., U.), Rhododendron ferru-
gineum (NOe., 8., T.), myrtifolium (U.), Rhus Cotinus (F., NOe.,
U.), Rhynchospora alba (P., Kärnten, Lausitz), /usca (Sl.), Rübes
alpinum (O0e., Sl.), caucasicum (G.), Grossularia (OOe.), petraeum
(Bd.), rubrum (P.), Uva erispa (Sl.), Robinia Pseudacacia (B.).
Obige Arten können nach beliebiger Auswahl im Tausche
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Diesem Hefte liegt bei:
I. Prospeet von Ed. Kummer in Leipzig „Rabenhorst’s
Kryptogamenflora“.
II. Prospeet von Justus Perthes in Gotha „Atlas der
Pflanzenverbreitung“.
Redacteur und Herausgeber Dr. Alexander Skofitz. — Verlag von ©. Gerold’s Sohn.
C. Ueberreuter'sche Buchdruckerei (M. Salzer) in Wien.
Inhalt,
I. Gallerie österreichischer Botaniker.
35. Ferdinand Hauck. (Mit einem xylographirten Porträt). . - »
II. Original-Beiträge.
Baier, Anton. — Zur Flora der Umgebung von Bielitz und Biala . 88,
Beck, Dr. G. Ritt. v. — Literaturberichte. ... . . 32, 141, 248, 364,
Blocki, Bronislaw. — Zur Flora von Ostgalizien. . . 2»... er
— — Ein weiterer Beitrag zur Flora Ostgaliziens . . - 2: 2...
ee Poloniea D: BP: ve. A sialanınlan a rsilalneiim, ti“ dr u ee
— — Galium polonieum n. SP. 2... ARE
= Hiorassum clan BD: De 2 ee er
ee a Mopnliemeie 1 ran ii inne ler ai
= i— BHieracium polonioum 0. BD. x» 2: as vol eh
— — Rosa Hedevigae 0. SP. » » » 2 2 2000. ch sh ent
we a Herbichland: DE ehr ae ee x
Borbäs, Dr. Vinc. v. — Rhamni RR ae Bun
ee — Usher Qusrass »Caasis: Borbu - ianunaıccielh 0-0 et ale le
— — Zur Teratologie der Wallndus . 2... 22000. Pr in
ee er e sr n 67, 143, 293,
Bornmüller, I. — Rhamnus orbieulata Brom. n. Sp...» =». 0%
— — Fünf Pflanzen aus Dalmatien, z. T. neu für die Flora die österr.-
Ben aan aa a re
— — Conservirung von Abietineen .. 2. ++. ee oe
Braun, Heinr. — Literaturberichte - » » » 22. 0000. . 66, 182,
Burgerstein, Dr. Alfred. Nachruf an Dr. Alois Pokorny R
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Enge; von Böramtller „u 0 0. ae na man a
Br Von Dr, Auslese er te ee re
„ Brünn von Dr. Formänek . 36, 70, 143, 146, 185, 220, 257, 296,
408,
„ Budapest von Dr. Borbäs . . . 70, 143, 147, 185, 259, 297, 403,
» Budapest von Schilberszky . . .. 2.2 200200 ri DL
„ Cunnersdorf in Pr. Schlesien von Schneider . . 2 2 2 2 2.04.
„ Gmeida in Ungarn von Ullepitsch. . .: 2 2202 20% 7
= zus io Ungien Yon: Vhgnor, ..... » o:n.00000 ar ee
„ Innsbruck von Dr. Dalla Torre ....... PRETE SEE NN RR 2
„ Kalksburg bei Wien von P. Diobtl . »... v2: 020 w% fi
„ Kilb in Niederösterreich von P. Kissling. . . 2 +» 22200 0.»
» Kopenhagen von Jenssen-Tusch . .“ 2 2:2 ee ee er 00.
452
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Ans Isibach von Vorne ET Pe 146, 408
„ Lemberg von Blocki . . 2... 35, 70, 147, 219, 295, 406, 44%
s» Lemberg von Dr: Woloszezak. .:.: .2.2.,, 2, Ron 70, 220, 259
„ Mariaschein in Böhmen von Wiesbaur. .. . 2: 2 2 2.0. 35, 331
„2 Omwera im Bist von v. Degen... . San oo a m 257
RER U BoKouch ER 408
„* Probabin in Galizien von Btueki_'.... .. ..,. DW FE 369
„» Prossnitz in Mähren von Spitzuer. . ... 2. 22.20. . .332, 407
„ Reichraming in Oberösterreich von Steininger .. . 2.2... 184
„ SBiedliska in Galizien von Btocki . 2.7. a ae 334
5 Bterzing in '"Tirol- yon: Huter . 7, a Ir Te .. 185
Be arvis von Dr.-Ascherson: Wi, 1 775 ey) (Sr 146
Test von.Dr. Formänek.z. .. 20...) U AUT 368
Vet a Ungarn von’ Dr. Borbä" . 2 I 332
a Waxschau on Karo ih. IE PL Er 370
Be Wien won.Dr. Beck ./ u yet, m DW 184
IH NORBEAUN 6 ee ER 34, 143, 183, 255
Bien won Dr. Burgardtain N. I. 12 22 WE Me 218
Ba Ra Br N... Bat as. 7 A HE 110, 183, 294
8 Wien von Dr. Rroönföld‘- . us Zi a DIR PT 255
BEER vi BABSIMann 7.2 5: et a EV Lau 295, 403
IV. Stehende Rubriken.
Personalnotizen . . 36,72, 114, 448, 186, 221, 260, 298, 334, 370, 410, 445
Vereine, Anstalten, Unternehmungen . . 37, 73, 114, 148, 186, 222, 261, 298
335, 371, 410, 445
nn a a a BEE 5
Botanischer Tauschverein in Wien . . . 39, 75, 114, A51, 187, 223, 263, 299
336, 374, 411, 446
Redacteur und Herausgeber Dr. Alexander Skofitz. — Verlag von ©. @erold’s Sohn.
C. Ueberreuter'sche Buchdruckerei (M. Salzer) in Wien.
New York al Garden Libra
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